Dritte Wahrheit 040-045

  DAS WORT DES BUDDHA  

DRITTE WAHRHEIT

Die Edle Wahrheit von der Leidens-Erlöschung

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D.22

Was aber, ihr Jünger, ist die Edle Wahrheit von der Leidens-Erlöschung? Eben jenes Begehrens restlose Abwendung und Erlöschung, Verwerfung, Fahrenlassen, Befreiung davon, Nichthaften daran: das, ihr Jünger, nennt man die Edle Wahrheit von der Leidens-Erlöschung.

Wo aber gelangt jenes Begehren zum Schwinden, zum Erlöschen? Was es da in der Welt an Lieblichem und Angenehmem gibt, dort gelangt jenes Begehren zum Schwinden, zum Erlöschen.

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S.12.66

Ob in der Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft, wer auch immer von den Mönchen und Asketen das Liebliche und Angenehme in der Welt als vergänglich (anicca), dem Leiden unterworfen (dukkha) und unpersönlich (anattā) betrachtet, als Unheil und Schrecken ein solcher überwindet das Begehren.

S12.42

Durch das restlose Abwenden und Erlöschen des ,Begehrens' (tanhā) erlischt das Anhaften (upādana), durch Erlöschen des Anhaftens der ,Werdeprozeß' (bhava), durch Erlöschen des (karmischen) Werdeprozesses die ,Wiedergeburt' (jāti); durch Erlöschen der Wiedergeburt aber erlöschen ,Altern und Sterben' (jarāmarana), Sorge, Jammer, Schmerz, Trübsal und Verzweiflung. So kommt es zum Erlöschen dieser ganzen Leidensfülle.

S.22.30

Somit ist das Erlöschen, Schwinden und Untergehen von Körperlichkeit, Gefühl' Wahrnehmung, Geistesformation und Bewußtsein das Erlöschen des Leidens, das Schwinden der Krankheit, die Aufhebung von Altern und Sterben.

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NIRWAHN

Gleichwie die auf einem Teiche durch den Wind erzeugte Welle, die in dem unwissenden Zuschauer die Illusion einer über den Wasserspiegel dahineilenden Wassermasse erweckt, nach Eintritt von Windstille allmählich verschwindet — oder gleichwie das Feuer nach Aufzehrung des Brennstoffs erlischt —: genau so auch gelangt der durch Begehren erzeugte Werdeprozeß, der dem unwissenden Weltling die Illusion einer das Dasein durcheilenden Ichheit hervorruft, nach restlosem Schwinden des Begehrens allmählich zum Erlöschen. Somit mag das Nirwahn, d.i. das Erlöschen (Nibbāna; von nir vā, aufhören zu wehen, ausgehen, erlöschen), unter 2 Aspekten betrachtet werden, nämlich als:

1. Erlöschung der Leidenschaften (kilesa-nibbāna oder kilesa-parinibbāna), welche meist zu Lebzeiten des Arahat, oder Heiligen, eintritt; in den Sutten wird sie als sa-upādi-sesa-nibbāna bezeichnet, d. i. »Nibbāna mit noch verbleibenden Daseinsgruppen«;

2. Erlöschung der Daseinsgruppen (khandha-nibbāna oder khandha-paririnibbāna), welche mit dem Tode des Arahats eintritt, in den Sutten als anupādi-sesa-nibbāna bezeichnet, d. i. "Nibbāna, bei dem keine Daseinsgruppen übrig bleiben«.

A.III.32

Dies wahrlich, ist der Friede, dies das Erhabene, nämlich: das Ende aller Karmaformationen, das Fahrenlassen aller Daseinsgrundlagen, die Versiegung des Begehrens, Abwendung, Erlösung, Nirwahn.

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A.III.55

Von Gier, Haß und Verblendung getrieben, überwältigt und gefesselt wirkt man zum eigenen Schaden, zu des anderen Schaden, zu beiderseitigem Schaden, erleidet man geistigen Schmerz und Trübsal. Sind aber Gier, Haß und Verblendung geschwunden, so wirkt man weder zum eigenen Schaden, noch zu des anderen Schaden, noch zu beiderseitigem Schaden, erleidet man keinen geistigen Schmerz und keine Trübsal. Das aber ist das sichtbare Nirwahn, das zeitlose, einladende gewinnende, jedem Verständigen verständliche.

Insofern aber der Mönch die restlose Versiegung von Gier (lobha), Haß (dosa) und Verblendung (moha) verwirklicht, so gibt es eben das sichtbare Nirwahn, das zeitlose, einladende, gewinnende, jedem Verständigen verständliche.

S.38.1

Versiegung von Gier, Haß und Verblendung: das wahrlich, nennt man das Nirwahn.

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A.VI.55

UNERSCHÜTTERLICHKEIT

Selbst wenn dem also geisterlösten Mönch außerordentlich erhabene, übermächtige sichtbare Formen in den Gesichtskreis treten —hörbare Töne in den Hörkreis treten—riechbare Düfte in den Riechkreis treten — schmeckbare Säfte in den Schmeckkreis treten — körperliche Eindrücke in den Körperempfindungskreis treten—Geistobjekte in den geistigen Kreis treten, so vermögen diese seinen Geist nicht mehr zu fesseln. Sein Geist bleibt unberührt, gefestigt, unerschütterlich, und er erkennt in diesem allem die Vergänglichkeit.

Gleichwie ein Fels aus einem Stück
Vom Sturme nicht erschüttert wird:
So können weder Form noch Ton,
Noch Duft, noch Saft, noch Tastgefühl,
Nichts Liebliches, nichts Widriges
Erschüttern je den Heiligen.
Gefestigt ist sein Geist, erlöst.
Vernichtung schaut er überall.

 

A.III.32

Wer vor nichts in dieser Welt erzittert
Und das Gute wie das Böse kennt,
Stillgeworden, wutlos, leidlos, wunschlos,
Der ist Alter und Geburt entflohn.

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Ud. 8.1

Es gibt, ihr Jünger, ein Gebiet, wo weder Erde ist, noch Wasser, noch Feuer, noch Wind, weder das Raumunendlichkeitsgebiet, noch das Bewußtseinsunendlichkeitsgebiet, noch das Nichtsheitgebiet, noch das Gebiet der Weder -Wahrnehmung - noch - Nichtwahrnehmung, weder diese Welt, noch jene Welt, weder Sonne noch Mond: dies eben ist das Ende des Leidens.

Es gibt, ihr Jünger, ein Ungeborenes, Ungewordenes, Ungemachtes, Ungeschaffenes. Gäbe es nämlich, ihr Jünger, nicht jenes Ungeborene, Ungewordene, Ungemachte, Ungeschaffene, so gäbe es keinen Ausweg aus dem Geborenen, Gewordenen, Gemachten und Geschaffenen. Weil es aber, ihr Jünger, dieses Ungeborene, Ungewordene, Ungemachte, Ungeschaffene gibt, darum gibt es eben einen Ausweg aus dem Geborenen, Gewordenen, Gemachten, Geschaffenen.

Näheres über das Nirwahn siehe „Der Weg zur Erlösung", § 36 – 45


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