Vierte Wahrheit 046-048

  DAS WORT DES BUDDHA

VIERTE WAHRHEIT

Die Edle Wahrheit von dem zur Leidens-Erlöschung führenden Pfad

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S.56.11

ZWEI EXTREME UND DER MITTELPFAD

Sich dem sinnlichen Genuß hingeben, dem niedrigen, gemeinen, weltlichen, unedlen, sinnlosen; und sich der Selbstkasteiung hingeben, der leidvollen, unedlen, sinnlosen: diese beiden Extreme hat der Vollendete vermieden und den mittleren Pfad erkannt, der sehend und wissend macht und zur Stillung, Durchschauung, Erleuchtung und zum Nirwahn führt.

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ACHTFACHER PFAD

Was aber ist jener mittlere Pfad? Es ist jener edle Achtfache Pfad, nämlich:

1. rechte Erkenntnis (sammā-ditthi) III. Wissen (paññā)
2. rechte Gesinnung (sammā-sankappa)
3. rechte Rede (sammā-vācā) I. Sittlichkeit (síla)
4. rechtes Tun (sammā-kammanta)
5. rechter Lebensunterhalt (sammā-ājíva)
6. rechte Anstrengung (sammā-vayāma) II. Sammlung (samādhi)
7. rechte Achtsamkeit (samma-sati)
8. rechte Sammlung (sammā-samādhi)

Das also, ihr Jünger, ist der mittlere Pfad, den der Vollendete aufgefunden hat, der sehend und wissend macht und zum Frieden, zur Durchschauung, Erleuchtung und zum Nirwahn führt.

M.139

Frei von Schmerzen und Qualen ist dieser Pfad, frei von Verzweiflung und Bedrängnis, der rechte Pfad.

 

Da der Charakter des Edlen Achtfachen Pfades häufig missverstanden wurde, sind hier einige erklärende Worte angebracht.

Die bildhafte Bezeichnung als ein "Pfad" oder "Weg" darf nicht dahin missverstanden werden, daß man die einzelnen Stufen dieses Weges in der gegebenen Reihenfolge, eine nach der anderen, zurückzulegen hat, wie es häufig dargestellt wird. Wenn dem wirklich so wäre, dann müßte man als allererstes rechte Erkenntnis und Wahrheitsdurchschauung verwirklicht haben, bevor man daran denken könnte, rechte Gesinnung, rechte Rede usw. zu erreichen. In Wirklichkeit aber werden die die Sittlichkeits-Gruppe (síla) bildenden Glieder (3—5) als erstes zur Vollendung gebracht, dann die als Geistesschulung oder Sammlung (samādhi) geltenden Glieder (6—8) und zu allerletzt die beiden ersten Glieder (1—2), welche die Gruppe der Weisheit (paññā) bilden.

Ein anfängliches Mindestmaß von rechter Erkenntnis muß freilich vorhanden sein, um überhaupt einen wohlbegründeten Antrieb zum Beschreiten des Pfades zu geben; und es ist ferner erforderlich, damit die anderen Pfadglieder, ihre eigentliche Funktion, wirksam zur Befreiung zu verhelfen, erfüllen können. Aus diesem Grunde, und um die Wichtigkeit dieses Faktors zu betonen, nimmt rechte Erkenntnis auf dem heiligen Achtfachen Pfade die erste Stufe ein.

Doch dieses keimhafte Verständnis muß sich erst ganz allmählich mit Hilfe der anderen Pfadglieder bis zu jenem höchsten Hellblick (vipassanā) entwickeln, der die unmittelbare Bedingung bildet zum Eintritt in die vier überweltlichen Stufen oder Pfade der Heiligkeit und zur Verwirklichung des Nirwahns. Nur im Falle dieses überweltlichen Hellblicks sind alle übrigen Glieder als bloße Symptome, Begleiterscheinungen oder Äußerungen der Erkenntnis zu werten.

Rechte Erkenntnis bildet somit Anfang und Ende der gesamten Buddha-Lehre.

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Dhp. 174 f

Kein anderer Pfad wie dieser ist's,
Der zur Erkenntnisreinheit führt.
Drum wandelt diesen Pfad entlang,
Dann wird der Mahr geblendet sein.

 

Denn wenn ihr diesem Pfade folgt,
Macht ihr ein Ende allem Leid.
Gelehrt hab' ich den Pfad, erkannt
Wie man vom Stachel sich befreit.

 

Ihr selber müßt euch eifrig müh'n,
Die Buddhas zeigen bloß den Weg.
Wer diesem folget selbstvertieft,
Wird aus den Banden Mahrs erlöst.

 

"Mahr", Pali: māra, wtl. Mörder, Tod (offenbar verwandt mit nordisch mara, deutsch Mahr, Mahre, lat. mors usw.) ist die buddhistische Gestalt des Versuchers; er ist die Personifikation der Natur und des in ihr herrschenden Todes der Sinnenwelt und des Sinnenverlangens, und allgemein:' der Khandha-Welt und der Leidenschaften (kilesa).

M.26

Leihet Gehör, ihr jünger; Das Todlose ist gefunden. Ich will euch unterweisen, will euch die Lehre darlegen. Meiner Weisung folgend, werdet ihr gar bald jenes höchste Ziel der Heiligkeit, um dessentwillen edle Söhne gänzlich von Hause fort in die Hauslosigkeit ziehen, selber erkennen, verwirklichen und euch zu eigen machen.


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