8. Rechte Sammlung

  DAS WORT DES BUDDHA  

8. Rechte Sammlung (samma-samādhi)

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DEFINITION

M. 44

Was aber ist rechte Sammlung? Das Gerichtetsein des Geistes auf ein einzelnes Objekt (cittassa ekaggatā, wtl.: Einspitzigkeit des Geistes), das ist Sammlung.

 

Rechte Sammlung (sammā-samadhi), im weitesten Sinne, ist diejenige geistige Konzentration, die mit jedem karmisch heilsamen Bewußtseinszustande verbunden ist, also auch begleitet ist von rechter Gesinnung (2. Stufe), rechter Anstrengung (6. Stufe) und rechter Achtsamkeit (7. Stufe). Verkehrte Sammlung (micchā-samādhi) dagegen ist anwesend in karmisch unheilsamen Bewußtseinszuständen und ist daher nur möglich in der Sinnensphäre. Wird das Wort samādhi allein für sich gebraucht, so bezieht es sich stets auf rechte Sammlung (samma-samādhi).

OBJEKTE DER SAMMLUNG

Die vier Grundlagen der Achtsamkeit (sati-patthāna), diese bilden die Objekte der Sammlung.

Siehe 7. Stufe.

WERKZEUGE DER SAMMLUNG

Die vier rechten Anstrengungen (sammā-padhāna), diese bilden die Werkzeuge der Sammlung.

Siehe 6. Stufe.

ENTFALTUNG DER SAMMLUNG

Die Ausübung, Entfaltung und häufige Pflege dieser Dinge, das nennt man die Entfaltung (bhāvanā) der Sammlung.

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Die rechte Sammlung hat zwei Grade der Entfaltung die sich der Vertiefung (jhāna) nähernde, aber sie noch nicht erreichende sogen. "Angrenzende Sammlung« (upacāra-samādhi) und die die Vertiefung erwirkende "Erreichungs-" oder "Volle Sammlung" (appanā-samādhi). Die Erreichung der Vertiefungen ist keineswegs nötig zur Verwirklichung der vier überweltlichen Pfade des Sotāpanna, Sakadāgāmí, Anāgāmí und Arahat. Diese können nur gewonnen werden durch tiefen Hellblick (vipassanā) in die Vergänglichkeit, Unzulänglichkeit und Unpersönlichkeit alles Daseins.

Wer, ohne eine der Vertiefungen gewonnen zu haben einen der vier überweltlichen Pfade verwirklicht, gilt als ein "auf bloßen Hellblick Gestützter" (suhkha-vipassaka) oder als einer "der den bloßen Hellblick als Vehikel hat" (sukkha-vipassanā-yānika); s. Vis. XVIII. Wer aber nach Erreichung einer oder mehrerer Vertiefungen den über weltlichen Pfad gewinnt, gilt als "einer, der die Gemütsruhe als Vehikel hat" (samatha-yānika).

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DIE VIER VERTIEFUNGEN (jhana)

M.27

Abgeschieden von den sinnlichen Dingen, abgeschieden von unheilsamen Geisteszuständen, tritt der Mönch in die von Gedankenfassung und Überlegen begleitete, durch Abgeschiedenheit gezeugte und von Verzückung und Glücksgefühl erfüllte erste Vertiefung.

Dies ist die erste der Feinkörperlichen Sphäre angehörende Vertiefung (rúpāvacara-jhāna). Sie tritt nur ein nach dem durch die Stärke der Konzentration zuwege gebrachten Schwinden der Sinnenwahrnehmung und der geistigen Hemmungen; auch die letzteren sind allerdings nur zeitweise aufgehoben. Näheres s. B.Wtb.: jhāna, kasina, nimitta, samādhi.

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M.43

Die erste Vertiefung ist frei von fünf Dingen, und fünf Dinge sind zugegen. Wenn nämlich der Mönch in die erste Vertiefung eintritt, so sind fünf Hemmungen geschwunden, nämlich: Sinnengier (kāmacchanda), Übelwollen (vyāpāda), Starrheit und Mattheit (thína-middha), Aufgeregtheit und Gewissensunruhe (uddhacca-kukkucca) und Zweifelsucht (vicikicchā). Anwesend aber sind: Gedankenfassung (vitakha), Überlegen (vicāra), Verzückung (píti), Glücksgefühl (sukha) und geistige Einspitzigkeit (citt'ekaggatā = samādhi).

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Diese fünf in der ersten Vertiefung anwesenden Faktoren werden als die Vertiefungsglieder (jhān'anga) bezeichnet. Gedankenfassen (vitakka) und Überlegen (vicāra) gelten als im Geiste sich vollziehende sprachliche Funktionen (vací-sankhāra), das "innere Sprechen" ("parole inérieure").—"Gedankenfassung ist dasselbe wie Erfassen eines Gedankens und bezeichnet das (geistige) Aufnehmen, ihr Merkmal ist, daß sie das Bewußtsein in der Vorstellung (dem Objekt) festigt . . . Als Überlegen (Diskursives Denken) gilt das Umherwandern, das Hin- und Herwandern (des Geistes). Es äußert sich in fortgesetzter Geistestätigkeit" (Vis. IV). Ihr Verhältnis zu einander wird verglichen mit dem Anschlagen (= vitakka) und dem Nachklingen (= vicāra) einer Glocke, oder mit dem Anfassen und dem Auswischen eines Topfes.

Gedankenfassen und Überlegen sind jedoch in der ersten Vertiefung nur noch in einem sehr abgeschwächten Grade vorhanden.

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M.27

Und ferner: nach Stillung von Gedankenfassen und Überlegen gewinnt der Mönch die innere Ruhe und Einheit des Geistes, die von Gedankenfassung und Überlegung freie, durch Sammlung gezeugte, von Verzückung und Glücksgefühl erfüllte zweite Vertiefung.

In der zweiten Vertiefung sind drei Vertiefungsglieder vorhanden: Verzückung, Glücksgefühl, Sammlung.

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Und ferner: nach Abwendung von der Verzückung verweilt der Mönch gleichmütig, achtsam, klar bewußt und er empfindet in seinem Innern ein Glück, von dem die Edlen sagen: ,Der Gleichmütige, Achtsame lebt glücklich'—so gewinnt er die dritte Vertiefung.

Die Vertiefungsglieder der dritten Vertiefung sind Glücksgefühl und Sammlung.

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Und ferner: nach dem Schwinden von Wohlgefühl und Schmerz und dem Überwinden von Frohsinn und Trübsinn gewinnt er die freudlos-leidlose, durch Gleichmut und Achtsamkeit geläuterte vierte Vertiefung.

Die Vertiefungsglieder der vierten Vertiefung sind: Sammlung und Gleichmut (upekkhā).

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Im Vis. werden vierzig Meditationsobjekte (kammatthāna) genannt, durch welche die folgenden Vertiefungen, bzw. Konzentrationsstufen, gewonnen werden können:

Alle vier Vertiefungen: durch die Betrachtung von Ein- und Ausatmung (s. Vis. VIII, 3), die 10 Kasina-Übungen (s. B.Wtb.) und die Betrachtung des Gleichmuts (die 4. Brahmavihāra-Übung; s. Vis.IX, 4)

die ersten drei Vertiefungen: durch die Entfaltung von Güte, Mitleid und Mitfreude (die ersten drei Brahmavihāra-Übungen; s. Vis. IX, 1-3)

die erste Vertiefung durch die 10 Ekelobjekte (Vis. VI) und die Körperbetrachtung (Vis. VIII, 2);

die »angrenzende Sammlung« (upacāra-samādhi): durch die Betrachtung über den Buddha, die Lehre, die Jüngergemeinde, die Sittlichkeit, die Freigebigkeit, den Frieden und über den Tod (Vis. VI, VII); die Betrachtung des Ekels der Nahrung (Vis. XI, 1); die Analyse der vier Elemente (Vis. IX, 2);

die vier unkörperlichen Vertiefungen (arupa-jjhāna oder āruppa), die, auf der vierten Vertiefung basierend, nach ihren folgenden Objekten benannt werden: Gebiet der Raumunendlichkeit, der Bewußtseinsunendlichkeit, der Nichtsheit, der Weder-Wahrnehmung-noch-Nichtwahrnehmung. Von einer Behandlung dieser vier unkörperlichen Vertiefungen wurde hier abgesehen; s. Vis. X. Das gesamte Gebiet der Sammlung und Meditation wird behandelt in Vis. III—XIII.

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D. 22,5

Entfaltet die geistige Sammlung, o Jünger, denn der geistig Gesammelte erkennt die Dinge der Wirklichkeit gemäß. Welche Dinge? Das Entstehen und Hinschwinden von Körperlichkeit, Gefühl, Wahrnehmung, Geistformationen und Bewußtsein.

M. 149

Somit also habt ihr diese fünf Daseinsgruppen (1. Wahrheit) weise zu durchschauen, Unwissenheit und Begehren (2. Wahrheit) weise zu überwinden, Gemütsruhe und Hellblick (4. Wahrheit) weise zu entfalten.

S. 56.11

Das, ihr Jünger, ist der mittlere Pfad, den der Vollendete entdeckt hat, der schauend und wissend macht, und der zum Frieden, zur Durchschauung und zum Nirwahn (3. Wahrheit) führt.

Dhp. 275

Wenn ihr diesem Pfade folget, werdet ihr dem Leiden ein Ende machen!


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