Digha Nikaya Vorwort

Digha Nikāya - Die Längere Sammlung

Zurueck   VORWORT DES HERAUSGEBERS (1957)

Dem Hauptteil des Pali-Kanons, der glorreichen Mittleren Sammlung der Reden Gotamo Buddhos, die der erste Band dieser Gesamtausgabe der Übertragungen Karl Eugen Neumanns enthielt, folgen hier im zweiten die vierunddreißig Reden und Gespräche der Längeren Sammlung. Auch unter ihnen so außerordentliche, wie die mächtige erste Rede, mit ihrer Exposition der Schranken alles spekulativen Philosophierens; wie die zweite vom sichtbaren Lohn der Asketenschaft; die elfte über das wahre Wunder; die wundervolle fünfzehnte, mit ihrer Erhellung der so tief verborgenen, notwendig wirkenden und dennoch bloß bedingten Entstehung aller Dinge; und die Darstellung des geraden Weges, der zur Überwältigung des Schmerzes und Jammers führt, in der großen zweiundzwanzigsten Rede. Am Ende der Sammlung die beiden ungemein wichtigen Darlegungen von Sāriputta, in denen er, in zweifach verschiedener Anordnung, eine Übersicht über alle Punkte der Lehre gibt. Durchhin verstreut herrliche Legenden, wie sie z.B. im fünften und im siebzehnten Gespräch erscheinen; im weiteren die erstaunlichen Sagen vom Kaiser und vom Voranfang, alle in zauberhaft schöner Sprache erzählt. Und in der Mitte die Krone der Suttas, das Mahāparinibbānasutta: der Bericht über jene heiligen, vor nun zweieinhalb Jahrtausenden stattgefunden Ereignisse, welche jüngst von den Millionen des Ostens und auch schon allerorts im Westen verehrend gefeiert wurden: der letzten Wanderungen, letzten Unterweisungen, und dem siegreichen Ausgang, der Erlöschung des vollkommen Erwachten.

Von diesem längsten, nicht nur dieser Sammlung, sondern aller Pali-Texte, hat Karl Eugen Neumann 1911 eine Sonderausgabe unter dem Titel «Die letzten Tage Gotamo Buddhos» erscheinen lassen, deren gehaltvolle Vorrede auf S. V wieder abgedruckt ist.

Über die Arbeit Karl Eugen Neumanns an der Längeren Sammlung enthalten seine Briefe an De Lorenzo im Anhang zum dritten Band manche Aufschlüsse. So über seine Absicht, alle vierunddreißig Reden in einem Band herauszugeben, die er aber, nach Übertragung des ersten Teiles, wie immer ungern, wieder aufgab. Nun ist es, fünfzig Jahre später, doch geworden, wie er es plante. Und auch die Anmerkungen zum dritten Teil, die einen so großen Umfang erreicht hatten, daß ihre Erstausgabe einen eigenen Band beanspruchte, konnten nun, ungekürzt, mit denen des ersten und zweiten Teiles vereinigt werden. Für alle diese fast unübersehbar reichhaltigen Anmerkungen ist ein eigenes, möglichst vollständiges Register angefertigt worden, mit dessen Hilfe einmal gelesene Stellen unschwer wieder aufgefunden werden können.

Die Übertragung der Reden der Längeren Sammlung und der in den Anmerkungen enthaltenen hundertzwanzig Stücke aus dem Anguttara- und Samyutta Nikāya, so wie der jede Rede begleitende Kommentar, ist das letzte Werk Karl Eugen Neumanns, die Summe seines Wissens und seiner Kunst. Es ist auch ein Zeugnis des Triumphes über die immer schwieriger werdenden Lebensumstände und der geschwächten Gesundheit seiner letzten Jahre. Dessen ungeachtet setzte er die Arbeit an dem großen Werk seiner Annotationen zum dritten Teil, das schließlich für sich selbst zu einem der lebendigsten und belehrendsten Bücher wurde, fort. Was ihn dabei aufrecht erhielt, war die immer erneute Freude an seinen Funden unter den Schätzen des überlieferten geistigen Erbes, die er in seinem Anmerkungsteil aufschichtete. Sie klingt deutlich aus seinen Worten über den Reichtum der Pali-Texte, auf S. 1007: «denn auch die herrlichsten Kuppelmale und Felsendome, Säulenhallen und Pyramiden sind immer noch unbedeutend gegen die unermeßliche Höhe und Schönheit großer Gedanken in ewiger Gestaltung.» Die treibende Kraft aber seines Lebenswerkes war die nie versiegende Liebe, der wissende Enthusiasmus für seinen Stern der höchsten Höhe, für den größten der großen Lehrer der Menschheit, dem als Dolmetsch zu dienen er sich in seiner Jugend zur Lebensaufgabe erwählte. Sie hat ihn, als seine Gesundheit sich mehr und mehr verschlechterte - «Ich bin jetzt unter unsäglichen Qualen mit dem 3. Band im Ms fertig geworden» - bis zum letzten Augenblick arbeitend ausharren lassen. Der kam am Morgen seines fünfzigsten Geburtstages, am 18. Oktober 1915, als eine Lungenentzündung sein geschwächtes Herz zum Stillstand brachte. «Ich glaube Herz und Lunge halten's nicht mehr lange aus», schrieb er bereits am 2.Juli 1914 an De Lorenzo. Im gleichen Brief die Ahnung, daß der dritte Teil erst spät, als postumem, erscheinen dürfte.

Und so ist es leider gewesen. Da war nach seinem Verscheiden sein so voluminöses Manuskript, kalligraphiert und, bis auf Vorrede, Register und Randzahlen des siamesischen Textes, druckfertig. Da war seine Bestimmung über die Herausgabe seines Werkes. Doch da war auch der unselige Krieg, und so dauerte es denn drei Jahre, bis seinem letzten Willen entsprochen werden konnte. 1918 erschien der Text des dritten Teiles, noch ohne die Anmerkungen, diese erst 1927, als letzter Band der inzwischen veranstalteten ersten Gesamtausgabe seiner Übertragungen (siehe darüber Band I, p. XVIf.).

Mit dem Erscheinen des Nachlasses und der in tausenden Exemplaren verbreiteten Neuausgaben der Werke trat ein, was zu Lebzeiten Karl Eugen Neumanns nicht der Fall gewesen war: sein Werk gelangte zur Kenntnis der geistigen Elite seiner Zeitgenossen, auf die es einen wahrhaft überwältigenden Eindruck machte. Die Erschließung der Reden Gotamo Buddhos wurde als eine epochemachende Tat gepriesen, der Entdeckung eines neuen Weltteils verglichen; die Übertragung ein sprachschöpferisches Werk, wie es nur selten einmal erscheint, genannt, ein stolzer, unvergänglicher Besitz der deutschen Literatur, wie Luthers Bibel, Schlegels Shakespeare.

So war denn der Ruhm, den Karl Eugen Neumann nie für sich erstrebte, einem Werk zuteil geworden, dessen beginnende Wirkung nicht lange danach von der Nacht des zweiten Krieges verdunkelt wurde, da nur vermutet werden kann, was es gerade in ihr manchem an Trost und Stärkung bedeutet haben mag. Nach Kriegsende hat es dann, wie schon bemerkt, noch Jahre gedauert, bis die mittlerweile gänzlich vergriffenen Bände wieder zum Dasein gebracht werden konnten. Wie schwer oder leicht das gewesen - hier sind sie nun wieder «genug schon zum Frohsinn, genug zur Freude» in neuem Gewande, in alter Pracht mögen sie viele erquicken und beglücken, vielen den Weg, der aus Leiden führt, zeigen.

London, Februar 1957. E.R.


VORREDEN KARL EUGEN NEUMANNS - ZUM ERSTEN TEIL (1906)

Die Längere Sammlung Dīgha Nikāya wird in drei Fächer eingereiht und enthält die vierunddreißig uns überkommenen längeren Reden und Gespräche Gotamo Buddhos. Der erste Band als Grundlage heißt Buch der Tugendstücke: er gibt dreizehn Ansprachen, deren jede an einer oder der anderen Stelle die stets gleichen Staffeln der Lehre vorträgt, nach dem Schema der ersten und zweiten Rede. Im übrigen sind die dreizehn Unterredungen reichlich verschieden an Inhalt und eigentümlichen Umständen im Umkreis nur einmal beschrittener Pfade und Ausblicke. Zugleich zeigen sie uns ein recht anschauliches Bild indischer Verhältnisse im großen antiken Zeitalter. Es sind die einzigen Urkunden dieser Art, die da zwei Jahrtausende hindurch ungebrochen erhalten blieben, während die Ordner der Mittleren Sammlung um die Stufen zu den Zinnen der Satzung ehrlich auszurichten nebensächliche Dinge als Trümmer auf ihrem Wege zumeist, und mit Recht, beiseite liegen lassen mochten. In das zweite und dritte Fach oder Buch sind sogar mancherlei spätere und unzugehörige Ausladungen querkantig mit verkröpft worden und als solche unschwer zu erkennen, im ersten ist der alte geradlinige Terrassenbau auch in den Seitenflügeln mit ihren Freitreppen bis an die Spitze noch im Geiste Gotamos, in den Umrissen wenigstens, durchgeführt.

Über Geschichte und Alter des Kanons der Reden habe ich im Vorbericht zum ersten Bande der Mittleren Sammlung gesprochen und nachgewiesen, daß bis in die Zeit einer asokischen Topenstele aus dem dritten Jahrhundert nach Gotamo der Kanon der Reden, das Suttapitakam, als Pitakam schlechthin erscheint. Kein anderes, also kein Pitakam des 'vinayo', geschweige von einem des 'abhidhammo', ist auf solchen ältesten Inschriften irgend ersichtlich oder erschließbar: oft aber begegnet uns dort der 'suttantiko' und 'pañcanekāyiko', der Kenner der Reden und Kenner der Fünf Sammlungen, und eben diese Wechselbegriffe waren unter dem gemeinsamen Titel 'petaki', Kenner des Kanons, zusammengefaßt. Der halb und halb aufgeteilte und endlich um noch ein Fach vermehrte Korb ist erst lange nach Asoko, in Wort, Regel und Übersatz auseinandergepult, zwei- und dreispältig verflochten und als Tipitakam verbreitet worden, im ersten vorchristlichen Jahrhundert, zumal als dann Kanerki, der tüchtige Soldatenkaiser, das Erbe der Asokiden neu erobert, gesichert und alsbald, um auch den geistigen Etappen zu folgen, buddhistische Brücken auf tausend und tausend Pfeilern bis nach Syrien und Griechenland und über Tibet nach China geschlagen und den nun als Kanon anerkannten buntscheckig angefüllten Dreikorb jedem der Völker zum Geschenk dargebracht hatte: eine Gabe, die noch über den Ozean an Ufer geschafft wurde, von wo die Spuren in der Runde wieder zu uns führen.

Asoko selbst, oder wie er sich nennt, Devānampiyo Piyadassi Rājā, das heißt also Gratiadivus Gratianus rex, dieser doppelt erfahrene, merkwürdigste der Erderoberer hat auf seinen steinernen Urkunden überall nur Stellen aus dem Kanon der Reden, mehr oder minder wörtlich, angeführt, ausgezogen, umschrieben, übertragen. Nachdem zumal Bühler in seiner vorzüglichen Ausgabe der Inschriften Asokos im zweiten bis fünften Bande der Epigraphia Indica auf einige solcher wichtigen Bestätigungen unserer Texte hingedeutet hatte, habe ich dann im Laufe der Jahre noch etwa ein halbes Hundert dieser kostbaren und köstlichen Belege als Kronzeugen beigebracht, die man mit Hilfe der Register zu den drei Bänden der Mittleren Sammlung, zu den Bruchstücken der Reden und zu den Liedern der Mönche und Nonnen leicht auffinden kann. Auch hier in der Längeren Sammlung haben wir nun wieder Gelegenheit manche vollkräftige Probe zugunsten der alten Hörer der Botschaft als Überlieferung durch jenen ersten und bisher unübertroffenen weltbürgerlichen Herrscher näher zu betrachten. So bietet namentlich die fünfte Rede ein willkommenes Musterstück für Asoko dar, nach welchem er seine Erlässe entworfen, ausgearbeitet und in Stein gemeißelt hat; ein ganz besonderer, sonst an keinerlei anderen Stelle gebrauchter Ausdruck, den der König zu gleichem Zwecke angewandt hat, ist z.B. Anm. ?? angegeben. Derart unterschiedliche, wenn auch oft sehr feine Züge sind nun fast bei jeder Rede überraschend genau einzusehen. Es werden sich freilich da noch keine wahrnehmbaren Schwankungen der Zunge des Theravādo zeigen.

Der Text, dem die Übersetzung Silbe um Silbe nachfolgt, liegt in der Ausgabe des Königs von Siam [Bangkok 1894] im ganzen wohlerschlossen vor, nach den besten Handschriften mit zarter, inniger Sorgfalt überliefert (S). Nützlich erwiesen sich zur Vergleichung der Lesarten auch die früheren Digesten und zwar Grimblot, Sept Suttas pâlis, Paris 1876, für die erste und zweite Rede, und Rhys Davids und Carpenter, The Dīgha Nikāya, Vol. I., Pali Text Society, London 1890, für alle dreizehn Stücke, sowie der neu begonnene sinhalesische Nachdruck des Dīghanikāyo, erster Band Colombo 2447 = 1904 ©, den mir ein Freund, der Bhikkhu Saddhānusārī in Matara, als gütiges Geschenk seiner Gabenspender zusenden ließ. An schon angefertigten Übertragungen und Besprechungen kamen mir vor: Gogerly zu No. 1-2, Burnouf zu No. 2, beide bei Grimblot; De Alwis zu No. 11, im Orientalist, Kandy 1891, Warren zu No. 11, Buddhism in Translations, Cambridge, Mass., 1896; Rhys Davids, Dialogues of the Buddha, London 1899, zu No. 1 bis 13; Samarasekeras sinhalesische Wiedergabe, Colombo 2447. Über die Art und Weise der gegenwärtigen Arbeit sei letztens bemerkt, daß ein glatterer, gefälligerer Ausdruck ohne Zweifel an sich erreichbar gewesen wäre und eher gewirkt hätte, ich aber, mit den zehntausend Werkzeugen einer altbegüterten Sprache betraut, wiederum den Versuch vorgezogen habe die indischen Töne immer deutlicher vernehmbar nachklingen zu lassen, ob auch wohl hüben der fremde Klang nicht selten bei einer solchen beinahe nur für das öfter geübte geistige Ohr bestimmten Behandlung eben noch als fremder Klang und bisweilen recht kühner und ungewohnter Einsatz empfunden werden muß. Denn was mir einmal auf indischer Erde ein gar aufgeweckter Seidenhändler, als er erfahren, ich sei ein Deutscher, mit lebhafter Teilnahme versichert hat: «O das Deutsche ist ganz wie das Sanskrit, hab' ich sagen hören»: das, leider, scheint mir auch für das Pali doch erst je nach den Lautgesetzen und Schallverhältnissen der Gegenschwingungen und der zulänglichen Hörweite allenfalls bei trefflichem Gelingen näherhin vergleichbar sein zu mögen.

Wien, Anfang Februar 1906. K. E. N.


ZUR SONDERAUSGABE (1911) - 

Der Mahāparinibbāna Sutta (16. Rede)

ZUR ERLÖSCHUNG

Der Bericht über die letzten Tage des Meisters ist das dritte Stück im zweiten Bande der Längeren Sammlung der Reden Gotamo Buddhos. Durch wohlerfahrene Jünger sorgsam überliefert führt er uns alsbald in jene große klassische Zeit zurück. In schlichten Zügen erstehen die Orte, Personen, Geschehnisse wieder vor unserem Blicke, so anschaulich und echt, wie sie nur der Augen- und Ohrenzeuge darstellen konnte. Da empfängt man denn oft den Eindruck, als ob man sich unmittelbar in einer gewaltigen Gegenwart fände, weil unserem Sinn und Verstand doch noch gar manches Bedeutende und Schöne nahe liegt, uns menschlich verwandt sogleich anspricht, fremdartig, herb und seltsam auch sonst die Umrisse der Orte, die Sitten der Zeiten, das Betragen der Personen, der Verlauf der Ereignisse in der längst entschwundenen, uns sehr fernen Vergangenheit vom Alltäglichgewohnten abweichen.

Der hohe Wert dieser Urkunde war in Indien verhältnismäßig früh erkannt. Es müssen wohl die Begebenheiten der letzten Tage des Meisters auch den weiteren Volkskreisen vertraut geworden sein. Denn es sind uns auf den noch vorhandenen Resten der Bauten und Steindenkmale der folgenden Zeiten die einzelnen Szenen des abschließenden Lebens in ungemein zahlreichen Bildern erhalten, auf den unendlich vielen, freilich meist minderwertigen, zuweilen aber in künstlerischer Vollendung ausgeführten Skulpturen jener verschütteten Ruinen, mit denen von Afghanistan an nach Süden und nach Osten das indische Festland weithin übersät ist, oft alsogleich sichtbar, öfter noch in geringerer oder tieferer Erd- und Geröllschicht verborgen. Während diese Kunst nun auf indischem Boden längst in Trümmer versunken und verschollen war, sind die Anhänger und Verbreiter des Ordens über die Grenzen nach Hochasien und Tibet bis nach China vorgedrungen. Überall dort ist dann das große Erbe freudig angetreten und landestümlich verwertet und ausgestaltet worden. Schon die äußeren, grob sichtbaren Umstände zeigen also an, wie weit die Wirkung unserer alten Urkunde sich erstreckt hat.

Daraus ergibt sich schon hier, daß man bestrebt gewesen sein mußte, den Text an sich richtig weiter zu überliefern: ein Unternehmen, das bei fremden zwar recht kultivierten, doch nach indischem Maße barbarischen Völkern fast unübersteiglichen Schwierigkeiten und Hindernissen begegnete. Ein beispielloser Erfolg aber krönte das Wagnis. Csoma Körösi hat uns von dieser mächtigen Wendung der Ereignisse, und wie die Erben des Sakyers nach und nach den halben Erdkreis eroberten, einen sehr guten Bericht aus der Einleitung zur hundertbändigen Ausgabe des Kāh-gyur erstattet, der ebenso knapp als zutreffend besagt: die Lehre sei von Indien allmählich überallhin in die Runde ausgegangen, in das Sanskrit, Tibetische, Chinesische, weiter sodann in noch manche gangbare 'Desi' oder dialektische Mundart und «allerhand Sprachen der Mlecchās» übertragen und als Ganzes je einzeln bewahrt worden. Und so ist es ohne Zweifel geschehen. Vorzüglich sind es die tibetischen und chinesischen Forscher und Übersetzer gewesen, die da in Gemeinschaft mit den indischen Sendboten in kurzer Zeit ihren Ländern einen buddhistischen Kanon geschaffen und eine unermeßliche Fülle neuen geistigen Reichtums sich erworben haben. Dies konnte, nördlich vom Ganges, nur insofern gelingen, als die Inder mit den vollendeten Werkzeugen ihrer Sprache und Kultur das fremde, rotwelsche Wortgut erst wie eine Glockenspeise einschmolzen, um es sodann in herrlich neu funkelnden Gebilden wiedererstehen zu lassen. Bei diesen so zustande gebrachten Schöpfungen mußte, ach, vieles wohl oder übel eine Färbung nach der Landesart annehmen, mochten Gehalt und Gestalt auch ehrlich indisch bleiben; die eigenartig glitzernden Griffe und Henkel der bodenständigen Kultur und ihrer Sagen durften nicht fehlen, um dem Volke zunächst als Handhabe dienen zu können.

Von solchen fremdartigen Stoffen und Zutaten ist nun unser im Süden, von Magadhā her, gar treu überlieferte Text ziemlich frei. Die Geschichte seiner Entstehung ist sehr einfach. Nach dem Tode des Meisters haben die Jünger auch noch die letzten Reden und Ereignisse nach altbewährter vedischer Methode ihrem Gedächtnisse fugenartig eingeprägt, wie sie ja schon vorher die Meisterreden ganz ebenso von Tag zu Tag und von Jahr zu Jahr rein bewahrt und erhalten hatten, indem bei den regelmäßigen Zusammenkünften vor und nach der Regenzeit, und wo sich außerdem wandernde Jünger aus den vier Weltgegenden trafen, eben immer ein jeder berichtete, was er selbst auf seiner mehr oder minder längeren Wanderschaft mit dem Meister von Angesicht gehört, von Angesicht vernommen hatte. Daher beginnt eine jede der uns also überlieferten Reden mit den Worten: Das hab' ich gehört, wobei der Nachdruck auf dem Ich liegt: andere haben das gehört, ich habe das gehört. Auf diese Weise ist die umfassende Sammlung der Reden Gotamo Buddhos nach und nach zustande gekommen, unverkennbar echt gezeichnet mit dem Stempel seines Geistes. Wesentlich erleichtert wurde diese Art der Überlieferung durch das Mittel des damals eben kulminierenden Pali, der beliebten Umgangssprache, die, den unerschöpflichen Gehalt, Reichtum und Wohlklang des Sanskrit noch um neue jugendkräftige Ausdrucksmöglichkeiten vermehrend, zu einer klaren lebendigen Quelle täglicher Mitteilung geworden war: einer wunderbar reinen lingua franca, die sich an Feinheit der Form am besten dem Toskaner Dialekt des Trecento im Verhältnis zum Latein vergleichen läßt.

Nachdem Gotamo selbst, mit seinen Jüngern ein halbes Jahrhundert hindurch in ganz Mittelindien immer von Ort zu Ort wandernd, nur während der drei Monate der Regenzeit seßhaft und einsam zurückgezogen, allenthalben schon als der beste Künder und Verkünder erschienen war, pflegten nun die Mönche nach dem Verscheiden des Meisters bald noch in weitere Fernen hinauszuziehen. Sie waren ja Bürger der vier Weltgegenden, wie der beschwingte Vogel nur mit der Last seiner Federn dahin fliegt, hatten sie nur mit Gewand und Almosenschale beschwert weiterzupilgern. So wirkten sie geistiges Werk durch Beispiel und Wort. Aber nach Jahren und Jahrzehnten, nach einem Jahrhundert und darüber begann die lebendig fließende Sprache allmählich zu vertrocknen, auch sie natürlich wie alles dem Wandel und Verfall unterworfen. Da hatten denn die Nachfolger von nun an Silbe um Silbe, Wort um Wort der Satzung in erstarrter Gestalt, in der absterbenden und endlich toten Sprache weiterzuüberliefern. So mußte freilich in Indien wie außerhalb Indiens der ursprünglich rein asketische Orden mehr und mehr in gelehrte Schulen ausarten. Gerade diesem Umstande verdanken wir aber den erstaunlich getreu erhaltenen alten Text, der alsbald auf Stein, Metall, Holz, zumeist aber auf Palmblattkarton dauernd fixiert wurde.

Während in den folgenden Jahrhunderten wilde Barbarenstürme über Indien dahinfegten, die erst mit der englischen Herrschaft völlig beschwichtigt wurden, Stürme, die fast die ganze alte Kultur wie Spreu durcheinanderwirbelten, hatten jene alten Pāli-Texte im Süden und Osten einen sicheren Hort gefunden. Bei den fremden Völkerschaften in Zeilon, Burma und Siam herzlich willkommen geheißen, haben die indischen, nunmehr hochgelehrten Sendboten einheimische Meister herangebildet und Musterschulen philologischer Forschung geschaffen, unseren Text von Generation zu Generation schlechthin automatisch übertragen: eine Kunst und Arbeit, bei der jene Doktoren außerhalb Indiens peinlich saubere Selbstzucht und Selbstverleugnung bewähren mußten, wenn das feinste Filigrangewebe vergangener Jahrhunderte überhaupt noch Bestand haben konnte.

Um die Reden herum hatte sich im Laufe der Zeiten schon von Indien her ein mythischer Rahmen, ein Sagenkreis gebildet, dessen Stäbe und Klammern aus der vedischen Kultur herstammten. Waren auch die Reden selbst unverziert und unausgeschmückt überliefert worden, der Rahmen mußte eine derbere Handhabe bieten, mußte auf viele Generationen vorhalten. Diesem technisch-ökonomischen Zwecke kamen nun die Anschauungen und Sagen der großen heroischen Vorzeit trefflich zustatten. Schon Gotamo hatte ja gelegentlich auf die Ansichten und Vorstellungen der vedischen Seher gern Bezug genommen, an sie angeknüpft, davon ausgehend seine eigene Anschauung entwickelt. Die Ordner der Texte haben nun den Kranz und Rahmen jeweilen entsprechend verwertet, meist mit glücklichem Gelingen, dem Geiste der Darstellung angemessen. Selten nur kommt es vor, daß ein Riß oder eine Schramme hemmt oder stört. Dieser äußeren Fassung darf natürlich keine überragende Wichtigkeit zuerkannt werden. Die Botschaft und Person Gotamos kann aus dem Kreise und Rahmen der Sagen wohl verklärt angedeutet, aber nie richtig erschlossen werden. So nennt sich beiläufig einmal Gotamo zum Sonnenstamme gehörig: und in der Tat hatte das fürstliche Geschlecht der Sakyer unter manchen anderen Beinamen auch diesen, nämlich: sonnenverwandt, ein Titel, der den Sakyern als gerühmten Abkommen der Okkākiden und Raghuiden mit anderen Herrscherstämmen gemeinsam zukam und der in die vedische Urzeit hinaufreicht. Einer solchen Angabe aber etwa entnehmen wollen, Gotamo selbst habe nie gelebt, er sei ein Symbol der Sonne usw., ist genau so zutreffend wie der Nachweis jenes witzigen Franzosen, daß Napoleon nie gelebt habe, ein Anagramm oder Kryptogramm für Apollon sei, von Leto, das ist Letizia geboren, zwölf Marschälle gehabt habe, das sind die zwölf Zeichen des Tierkreises, mit dem Namen Buonaparte natürlich den guten Teil, das Reich des Lichts personifizieren sollte usw. Wie das nun bei diesem Welteroberer alles überraschend gut zutrifft, treffen auch bei unserem Welterleuchter ganz analoge Angaben prächtig zu, bis herab zu dem von einem holländischen Astrophilologen genau berechneten Horoskop, daß Gotamos Sohn Rahulo nicht etwa im Hinblick auf den Ahnherrn Raghus so genannt wurde, vielmehr das Produkt von Sonne und Erde, das ist eine Mondesfinsternis war: gleichwie Napoleons Sohn als Horos, das Produkt von Isis und Osiris, ausgerechnet wurde. Es läßt sich in dergleichen Dingen, wenn man will und sie nur etwas geistvoll behandelt, eine gewisse prästabilierte Harmonie eines Gewaltigen mit der Natur entdecken: aber der nüchterne Forscher, versteht sich, kann von solchen Zügen nicht irregeleitet werden.

Nach Europa ist ein einigermaßen verläßlicher Bericht über die Grundgedanken Gotamos zuerst durch Spence Hardy gedrungen. Dieser Mann war ein tüchtiger wesleyanischer Missionar, seit 1825 auf Zeilon, der nach zwanzigjährigem täglichem Umgang mit singhalesischen Priestern uns die erste eigentliche Bekanntschaft mit dem Buddhismus vermittelt hat. Ohne Kenntnis des Pali, nur aus den volkstümlichen Quellen schöpfend, konnte er gleichwohl drei vortrefflich unterrichtende Werke herausgeben, von denen das erste, der 1850 in London erschienene Band Eastern Monachism mit einer lebendigen, unmittelbar anschaulichen und zugleich tiefwurzelnden Darstellung bleibenden Wert hat. Nebenbei sei hier bemerkt, daß Schopenhauer, wenige Jahre vor seinem Tode, die Bedeutung solcher Quellen natürlich sofort erkannt hatte: es war ja das Beste gewesen was er, schon am Ende seiner Laufbahn, von jenen Lehren je hatte erfahren können. Denn was vor Spence Hardy bekannt geworden war, mochte immerhin gar viel des Guten bieten, zumal in den Veröffentlichungen des feinsinnigen Burnouf, und zwei Jahrzehnte früher in den Abhandlungen des Petersburger Akademikers Isaak Jakob Schmidt, deren Forschungen vorwiegend der späten nördlichen Tradition nachzuschürfen hatten: aber der antike Torso war vor lauter groteskem Schutt und Geröll kaum wahrzunehmen. Tiefer schauende Geister konnten freilich auch hier mit ihrem Scharfblicke durchdringen und die edlen Umrisse schon deutlich sehn. Aus eben diesen letzteren Arbeiten und dem verwandten Buche Köppens hatte sich um 1858 Richard Wagner eine bewundernswerte Kenntnis erworben «Ja», sagte er, damals noch unverhutzelt, zur Wesendonk, «das ist eine Weltansicht, gegen die wohl jedes andere Dogma klein und borniert erscheinen muß! Der Philosoph mit seinem weitesten Denken, der Naturforscher mit seinen ausgedehntesten Resultaten, der Künstler mit seinen ausschweifendsten Phantasien, der Mensch - mit dem weitesten Herzen für alles Atmende und Leidende, finden in ihm, diesem wunderbaren, ganz unvergleichlichen Weltmythos alle die unbeengteste Statt.» Und zwar schrieb er dies, nachdem er nicht lange vorher bekannt hatte, wie unerquicklich und widerwärtig es ihm geworden war, sich durch den ganzen breiten Wust ungeschlachter Darstellungen und Fratzen hindurchzuarbeiten: «Den Cakya-Sohn, den Buddha, mir rein zu erhalten, ist mir, trotz der chinesischen Karikatur, aber doch gelungen», spricht er dann Schluß naiv aus. - Jene Zerrbilder zu bevorzugen ist neuerlich gelehrte Mode geworden: aber das ist eine Welle, die bald vorüber sein wird.

In fremden Ländern, bei monogolischen Stämmen und bei den näher benachbarten dravidischen und indonesischen Völkerschaften, den ārischen Typus rein zu bewahren war allerdings schwer, sehr schwer. Es ist eben auch nur der schier übermenschlichen Mühe jener alten Gilde von Wortbehütern verdanken, daß die sprechenden Urkunden, vornehmlich im Süden, heute noch unverkümmert bestehen. Zeilon hat diesen Schatz emsig gehegt, emsiger noch Burma und Siam. Die Ausgabe des buddhistischen Kanons, die unter der Regierung des kürzlich verstorbenen Königs Culālankarn 1894 vollendet wurde, erweist sich bei kritischer Vergleichung und Prüfung immer mehr und mehr als jene Urquelle der Überlieferung, aus welcher der wohlausgerüstete europäische Philologe sein Wissen und Verständnis zu schöpfen hat. Die Lesarten dieser siamesischen Ausgabe bewähren sich nach Anlegung aller kritischen Sonden, nach Verwertung des komplizierten archäologischen Apparats in der Regel durchgängig als der besser bestätigte, ja zuweilen, durch epigraphisches Material gestützt, als der sichere klassische Text, Silbe für Silbe, Satz um Satz. Jeder Vergleich, wo immer man ansetzen mag, zeigt dies sehr bald; so insbesondere auch hier, bei unserem Text, im Großen Verhör über die Erlöschung. So hoch verdienstvoll auch seiner Zeit die erste europäische Textausgabe war, die der unvergeßliche Childers auf Grundlage der singhalesischen Handschriften vor etwa vierzig Jahren musterhaft vorbereitet und zustande gebracht hat, kann man dieselbe, von späteren zu geschweigen, heute ebenso wenig mehr ernstlich benützen, als wie etwa eine aldinische Homer-Ausgabe: ein so großes, ein so ungeheures Stück Weges haben uns die Wortbewahrer und Wortbehüter am Gestade des Menam vorwärtsgebracht.

An neueren Übersetzungen unseres Textes hat es bisher keineswegs gemangelt. Bruchstücke davon gibt Oldenberg, «Buddha», 5. Auflage Stuttgart 1906, Pischel, «Leben und Lehre des Buddha», Leipzig 1906, Windisch in der Studie «Māra und Buddha», Leipzig 1895, Warren in der Sammlung «Buddhism in Translations», Cambridge, Mass., 1896, ferner hat Kern das ganze Stück im «Buddhismus», Leipzig 1882-1884, mehr oder weniger vollständig bearbeitet, viel genauer und sorgfältiger für seine Zeit aber Turnour vor schon über siebzig Jahren im Journal of the Asiatic Society of Bengal, Kalkutta 1838, und neuerdings hat noch Fleet im Journal of the Royal Asiatic Society, London 1906-1909 das letzte Kapitel ungemein eingehend untersucht, behandelt und zumeist übersetzt. Als erster Versuch einer unverkürzten Wiedergabe ist die Arbeit von Rhys Davids zu nennen, «The Book of the Great Decease», Sacred Books of the East vol. XI Oxford 1881, jetzt im Verein mit Mrs. Rhys Davids wiederum erschienen in den «Dialogues of the Buddha», Part II, London 1910. Endlich ist noch anzuführen Dutoit, «Das Leben des Buddha», Leipzig 1906, und Samarasekera mit seiner «Singhalese Translation», Buddhist Pali Texts, Kolombo 2448 (= 1905), zwei Übersetzer, die ebenso wie die beiden Rhys Davids schon das Ganze befassen. Alle diese sehr schätzenswerten Arbeiten haben freilich das wichtige, reiche archäologische Material gar nicht benutzt, in keiner Weise zum philologischen Verständnisse herangezogen, beruhen ausschließlich auf dem singhalesischen Text und auf seinen Kommentaren. Diese letzteren nun, statt das Verständnis zu fördern, lenken weit davon ab, auf ödes versandetes Gebiet, wo nur mehr das Unkraut des verkrüppelten Wortkrams üppig gedeiht. Nach längerem Studium der Kommentare an Ort und Stelle in freundlichem Verkehr mit den gelehrten Mönchen der Insel habe ich mich bereits vor Jahren von dieser betrübenden Tatsache überzeugen lassen und mit ihr abfinden müssen. Aus solchen Kommentaren einer tausend und mehr Jahre späteren Zeit ist gewiß allerhand Vortreffliches zu lernen, nur kein Einblick in die alten Urkunden. Diese müssen in sich selbst zur Sprache gebracht werden, und zwar durch eine vollkommen umfassende, Wort um Wort abwägende und vergleichende Analyse, der die Synthese zu folgen hat; zugleich aber müssen die Quellen der vereinigten indischen Philologie und Altertumskunde unversieglich fließen, zur richtigen Wiederbelebung verwendet werden, aus den Schachten und Vorräten der einzelnen Disziplinen: sonst bleibt es bei dürrer verstaubter Scholastik. Unser Text ist ja ein organischer Teil der Gesamtkultur Indiens: nach allen Richtungen laufen die Röhren, Adern, Äderchen, Netzenden aus, die das Kleinste und Feinste wie auch das Grobe und Große miteinander im Zusammenhange halten. Was wir brauchen ist also ein verläßlicher Atlas, oder besser ein, so zu sagen, anatomischer und physiologischer Kommentar. Und der kann gewiß nicht aus einem isolierten Text, oder aus einer Textgruppe, nicht einmal aus dem ganzen Kanon und seinen Kommentaren und Superkommentaren zusammengestellt werden; der kann nur mit Geduld, Fleiß und Ausdauer, bei großer Muße und immer zunehmender Fach- und Sachkenntnis auch jenseits der grünen Lampe, durch vereinte Kräfte vielleicht einmal geschaffen werden.

Wien, 1. März 1911. K.E.N.


ZUM ZWEITEN TEIL (1912)

Zehn Stücke bilden den zweiten Teil der Längeren Sammlung, das Große Buch. Nachdem der erste Band als Grundlage das Buch der Tugendstücke mit seinen dreizehn Ansprachen, die stets gleichen Staffeln der Lehre zur Darstellung gebracht hatte, ist hier nun der mächtige Bau dieser Redenhalle weiter und weiter emporgeführt. Es sind gleichsam zehn Säulen- und Wandelgänge, die sich uns hier eröffnen, jeder einzeln wohlgefügt aus den Quadern und Schaften der Überlieferung. So kann der Besucher dieser Stätten in die Vorzeit hinaufsteigen und Schritt um Schritt an jene fernen Dinge und Verhältnisse herankommen, sie wieder in anschaulicher Gegenwart betrachten und erleben.

Ist er unvorbereitet eingetreten, wird ihn freilich die ungewohnte Kunst und Kultur zuerst mehr Erstaunen als Verständnis empfinden lassen: eine Enttäuschung wird der erste Eindruck sein, wie einst bei Goethe am Tempel von Pästum. Aber das Auge wird Form und Sinn nach und nach auffassen und begreifen lernen, bis auch hier der Gegenstand vertraut wird, seine strengen Gesetze immer mehr und mehr gemildert erscheinen, und das Denkmal Stück um Stück anspricht und dann als ganzes, fast unmerklich zu Leben erwachend, zu wirken beginnt. Der nun besser geübte Blick findet sich in der Architektonik bald zurecht. Groß und einfach wird er durch eine selbstgewaltige Gegenwart geleitet und ist so halb und halb unbewußt auch schon zur Anschauung jener Gebilde und Gestalten gelangt, die wie von ferne in deutlichen Umrissen sich zu erkennen geben. Aus den Trümmern zweier Jahrtausende treten sie hervor. Der Sonnenschimmer und Duft der Sage, mit dem sie umwoben sind, löst sich und wandelt sich unversehens in lichte leichte Schleierwölkchen und ist dann plötzlich ganz verschwunden: die ursprünglichen Gedanken des Meisters strahlen wieder allein, in unvergänglicher Kraft und Schönheit; unvertrübt von jeder bloß durch Ort und Augenblick bedingten Hülle gewahrt man die Zeitlose Lehre.

Die Art eines solchen Vorgangs ist bei den Stücken dieses zweiten Buches der Längeren Sammlung gut zu beobachten, mit Ausnahme der 15. und 22. Rede, die beide nur das Wort und die Darstellung Gotamos wiedergeben, ohne reichere landestümliche Einkleidung. Der 16. Abschnitt, der von der Lebensneige des Meisters handelt, ist von Winkel zu Winkel in der quer durchgehenden Linie gehalten und fügt nach der Weise des 17. oder 20. Stückes mancherlei schön kannelierte Sage hinzu, leicht und gleich erkennbar angebracht, in sinniger Gestalt, ohne die unverrückbar tief gegründeten Säulen der Überlieferung zu gefährden und unbeschadet der granitenen Würde des Schaftes.

In der Vorrede zu den Letzten Tagen Gotamo Buddhos, München 1911, habe ich eine knappe grenzgeschichtliche Übersicht gegeben, wo denn auch der mittelbare und geistige Zusammenhang unserer Denkmale mit dem vedischen Boden und Baustoff sicher gezeigt ist. Der Endbericht des vorliegenden Buches, die 23. Rede, steht ebenso wie der 10. Abschnitt des ersten Bandes nicht mehr in äußerer Beziehung zum Meister: es ist einer der großen Jünger, der da zu Worte kommt, im Gespräch mit einem Fürsten, wobei freilich alles wieder auf den einen zurückweist, der, wie auf den Reliefen der symbolisch nur andeutenden asokischen Heimatkunst, selbst unsichtbar, durch seine Gedanken gegenwärtig ist. Als lebendige Kunde und Aussage, von Angesicht vernommen, wird die Satzung stets in den anderen Reden bezeugt.

Zu Eingang des Buches, in der 14. Rede, ist es die Erfahrung und das offenbarte offenbare Erlebnis aller Erwachten, aller vollendeten Meister, die Einsicht in Alter, Krankheit und Tod, und der erschlossene Weg zur Freiheit über die Brücke der Bedingten Entstehung. Die 15. und 22. Unterweisung und Ansprache gibt reine Diagnostik und Asketik, das ist Erkenntnislehre und Willensübung, von den ersten Stufen an höher und immer steiler emporschreitend bis zur letzten kühnsten Warte, mit unerbittlich scharf unterscheidender Geistestätigkeit bei Dingen, die schwer zu entdecken, schwer zu gewahren sind, stillen, erlesenen, unbekrittelbaren, feinen, die von Weisen erfunden werden. Rüstige Klänge von den Helden der Vorzeit und ihren ruhmvollen, edlen und doch unzulänglichen Taten lassen das 17. Stück wie eine andere Sinfonia eroica in drei gewaltigen Wellensätzen an uns vorüberrauschen.

Auf der 18. und 19. Ausfahrt werden himmlische Gebiete gekreuzt, jenseitige Reiche umkreist, Götter und Geister in ihren eigenen Gefilden aufgesucht, es werden ihre innigen Geheimnisse erforscht: kein Sternenschleier, und wäre er noch so funkelnd gewebt, kann da dem untäuschbaren Auge die Durchsicht an das entdämmernde Ufer der Ewigkeit wehren oder blenden; Ausblicke und Einblicke, immer auf Gotamo zurückreichend, werden gewiesen, die man sonst kaum oder nirgends anderswo, wie ich einmal sagte, zu sehn bekommt.

Der 20. Vortrag führt uns in die Zauber der brahmischen Walpurgisnacht ein, zu einem Fest am Alpenpaß von gar seltener Art, in Wald, Fels und Einöde, wo heilige Anachoreten, gebirgauf verteilt, gelagert zwischen Klüften, still lächelnd die Grüße, Gesänge und jubelnden Huldigungen empfangen von den unermeßlich herbeiströmenden immer neuen und anderen Heerscharen und Gestalten der Über- und Unterirdischen des Weltalls.

Und im 21. Gespräch umweht uns jener erlauchte göttliche Witz und Humor, der gelegentlich zu schimmern beginnt, aus dem gotamidischen Tiefsinn aufschwebt, erquickende Schauer ringsum verbreitend, alsbald hoch über den dunklen Grund wie ein Regenbogen farbig leuchtend gewölbt und auch schon wieder in Licht verflossen. Die reichhaltige Sittengeschichte mit allerhand Landes- und Volkskunde aber, die zumal aus dem 16. und 23. Bericht nebenbei zu gewinnen ist, wird als gröbere körnige Ausbeute zum Verständnis jener einstigen Macht und Tüchtigkeit dem Altertumsforscher willkommen sein.

Es darf hier wohl an einen Umstand erinnert werden, den man recht oft vergißt oder kaum nach Gebühr zu beachten scheint. Man hört nämlich fast immer die Frage aufwerfen, ob jene Weltansicht die Möglichkeit einer Nutzanwendung für die Gegenwart gewähre. Da sei denn vorweg die Antwort mit einem kräftigen Ja gegeben, da es hinlänglich bekannt ist, daß ernste rüstige Anhänger schon seit einer Reihe von Jahren sich nach Osten wenden und in der heutigen Heimat der dort noch erhaltenen Zucht und Sitte, auf Zeilon oder in Hinterindien, dem Orden beitreten, richtige Mönche und Asketen werden und manch einer ist dabei, wie ich es persönlich erfahren habe, fröhlich verstorben, nachdem er wohl «auch einer der Heiligen» geworden war.

Über die tatsächliche Wirksamkeit des Meisterwortes in der Gegenwart bei uns kann also heute keine Frage mehr sein, wenn auch natürlich sein Wert je nach dem Standpunkt als eitel und nichtig oder als hoch und erhaben, als verderblich und närrisch oder als unvergleichlich gelten wird. Solche Wertbegriffe sind jedoch, wie mir scheint, wenig geeignet zu allgemeiner Untersuchung und Erörterung. Über diese Fragen war und wird nie und nirgends ein einiges Urteil zu erzielen sein, viel weniger noch als etwa über die eine Musik oder die eine Malerei. Der Prüfstein bei solchen Werturteilen ist immer je nach dem Härtegrad verschieden geartet und muß daher, wie es billigen Menschen und ihrer Erfahrung entspricht, jedem einzelnen zur Wahl überlassen bleiben. Der Umstand aber, mit dem wir uns hier zu beschäftigen haben, und den man so oft außer acht läßt oder beinahe stets nur flüchtig streift, der liegt links ab von dergleichen eigenkundigen Erlebnissen. Wir haben hier bloß den Versuch zu unternehmen, ob es etwa gelingen kann jene Weltansicht als eine rein indische Anschauung und Kunst verstehen zu lernen. Dies würde der Lohn der Mühe sein bei der viel Zeit und viel Sorgfalt erfordernden Prüfung und Durcharbeitung unserer alten Texte.

Wem diese, nur um ihrer selbst willen betrachtet, einen so anspruchsvollen Aufwand nicht zu vergelten scheinen, der kann ja, wenn er eben auch über unsere Lehrsätze eine Meinung haben oder mitreden will, nach leicht handlichen Werken greifen, an denen längst kein Mangel mehr ist: sei es nun der vorzügliche, regelmäßig neubewährte «Buddhistische Katechismus von Subhadra Bhikschu» oder der wieder in anderer Art ausgezeichnete, groß angelegte und weithin vor allen zu empfehlende «Buddha» Oldenbergs, der seit dreißig Jahren die Grundlage echter einschlägiger Forschung ist und im nächsten Jahr erfreulicherweise schon zum sechstenmal wiedererscheinen wird. Doch die kanonischen Urkunden selbst sind wenig geeignet sich gleich in einen praktisch verwendbaren Nutzen umsetzen zu lassen. Dazu sind sie zu spröde. Zwei Jahrtausende trennen uns von ihnen und ihrer Form und Ausdrucksweise. Und was ein Verständnis noch weit mehr erschwert: eine fremde Kulturschicht liegt fast undurchdringlich dazwischen. Wie sollten da jene fern verklungenen Töne und Stimmen bei uns wieder vernehmbar werden können, so nämlich wie sie wirklich, auf eigenem Boden und Gebiete, lauteten? Da die mitschwingende Vermittlung, wie die Dinge nun einmal liegen, nahezu fehlt, ist die Möglichkeit des Widerhalls beinahe ebenso ausgeschlossen wie die Schallfortpflanzung von der Sonne zur Erde, die doch in wenig über vierzehn Jahren schon erreichbar wäre. Darum also kann hier, bei unseren weltverlorenen Stücken, von praktischer Nutzanwendung insofern keine Rede sein. Man muß sich zufrieden geben, wenn unter den tauben Klötzen der eine Memnon sich findet, und wenn in unermüdlicher Arbeit und Übung doch vielleicht die Hemmnisse zu überwinden sind und das Mittel sich entdecken und erwerben läßt, das jene Stimmen der Vorzeit in unsere Gegenwart herüberzuleiten imstande ist; so daß dann der Hörer der Botschaft tiefe Kunde, zarte Ergebnisse erfahren mag. Aber deswegen wird er es nicht gleich nach Jünglingsart auf eine allgemeine Weltbekehrung versehn haben. Hat doch Gotamo selbst immer nur zu den einzelnen gesprochen, nie sich an das Volk oder gar an die Menge gewandt.

Nachdem das lebendige Wort des Sakyer Asketen und Denkers seit mehr als zwanzig Jahrhunderten verstummt und verschollen, nachdem auf den kurzen herrlichen Mittag bald die bleiche lange Nacht der Vergessenheit eingebrochen war, kann heute das erstarrte Wort, auch wenn es wieder zu klingen anfängt, jene entschwundene Kultur mit ihren viel höheren geistigen Erkenntnissen sicherlich nie wieder zum Gesamtleben erwecken, etwa wie Schwärmer vermeinen, in verjüngter moderner Form uns ansprechen: die Zeitgenossen der Kraft- und Luftwagen könnten dafür auch bei größter Eile und bestem Willen kein Gehör haben, keine Muße aufbringen; abgesehen übrigens, daß die Träumereien und Donquichotterien von einer allseitigen Bekehrung mehr kleinbürgerlich, kindisch, kientöppisch sind und gar nicht lehrgemäß.

Der Jünger Gotamos ließ die Welt Welt sein, unberührt davon was geredet wird. Ähnlich kann nun auch heute und künftig der Versuch gewagt werden, jenen Geist verstehen zu lernen, vermittelst seiner klassischen Zeugnisse. Die aber werden sich dem zugänglich erweisen, der für solch eine Art irgend etwas übrig hat, Anlagen zu entwickeln weiß: nicht anders wie der eine seinen Shakespeare, der andere seinen Bach fleißig pflegt, ein dritter Marskarten anfertigt, und wieder ein anderer Impfstoffe kocht. Mit dürren Worten: jene Weltansicht ist eine Wissenschaft geworden, für uns. Daß freilich dabei auch für das liebe arme Volk allerhand Brauchbares mit abfallen kann, ist eine günstige Begleiterscheinung, der bloße Schatten der Sache, und zwar ein Riesenschatten, recht eigentlich ein Erdschatten, angesichts der Millionen immer erneuter Beiläufer, Mitgänger, Anhänger in den zehn Weltgegenden. Mit der Sache selbst aber, unserem «Ding an sich» so zu sagen, wird auch im besten Fall immer nur ab und zu der eine oder der andere sich befassen können, ob nun auf Wissen, Kunst oder Heiligkeit abgezielt sei. Das genügt. Ich meine daß eine solche Möglichkeit für den ernster Strebenden überhaupt vorhanden ist, das allein zeigt hinreichend, wie auch wir das Erbe aus den Schätzen bereits angetreten haben.

Wer aber gern zahlenmäßig einen Überschlag des möglichen Nutzens aufstellen wollte, der könnte ja leicht nach dem Exempel Johannes Einsiedels, im Speculum pastorum, berechnen was für ein Ergebnis etwa herauskommen mag bei der gewiß nicht allzu hoch gegriffenen Annahme, daß ein Mensch zwanzig Jahre hindurch jedes Jahr durch Beispiel oder Lehre auch nur einen einzigen Mitmenschen zu rechter Ansicht hinleite, und nun jeder solche jährlich wiederum nur einen einzigen, und dieser ebenso wieder nur einen auf den rechten Weg brächte: wobei sich denn, mit dem Stift in der Hand, ergäbe, daß die Anzahl der auf diese Weise Geförderten, obzwar nur von einem einzelnen Anreger und im Mindestmaß ausgehend, nach zwanzig Jahren schon eine Million überstiege. Doch wir wollen ja hier wohl keine Statistik und Allotria treiben.

Die schlichten allgemein gültigen Grundpfeiler dieses zweiten Teils sind im Gebälk, mehr als sonst, von dem Ranken- und Blätterwerk der heimischen Anschauungen und Vorstellungen umsponnen, mit den hundert Kranzgewinden aus der vedischen Sagenwelt verbrämt und geschmückt. In der Vorhalle des ersten Teils war ein solcher Säulenbehang nur selten und spärlich zu bemerken: ich konnte daher an dergleichen Stellen in der Regel mit einem leichten Wink oder Hinblick vorbeigehn.

Hier nun, im Mittelschiff angelangt, scheint es mir angezeigt, auf den näheren Zusammenhang der Dinge und die vielfachen Beziehungen zu Land und Leuten, namentlich auch auf die überaus wertvollen Bestätigungen durch die Inschriften Asokos und seiner Nachfolger sowie auf die reichen archäologischen Behelfe der bildenden Kunst, doch wohl etwas eingehender hinzuweisen, da eben dieser zweite Band in den Mythensaal des Lehrgebäudes einführt, ja seinen Grundriß und seinen Gewölbeplan ausmacht; wohlverstanden: nur als Draufgabe und Beiwerk. Natürlich werde ich mich mit den Hinweisen, die obzwar gewichtig und merkwürdig doch meist nur unterbrechend, störend, überflüssig bedünken müssen, so knapp als möglich zu bescheiden haben.

Um übrigens dem Besucher in keiner Weise lästig zu fallen und seiner stillen Betrachtung nicht vorzugreifen, werde ich es so einrichten, daß die Anmerkungen nicht mehr den wiederaufgestellten Stücken der Denkmale sich anheften, nicht zwischen den Steinfliesen wuchern, nicht mehr unter dem Redespiegel als Unkraut und Ungeziefer dahin kriechen sollen: ich werde sie immer erst ans Ende versetzen, wo denn der wimmelnde Kehricht nicht weiter schadet, und, darf ich raten, besser übergangen wird. Empfindsame Kritiker haben schon lange seufzend geklagt, daß die Stacheln und Dornen und unliebsam kribbelnden und krabbelnden Erklärungen so gar nicht zur erhabenen Ruhe des Textes paßten. Das war sehr richtig empfunden. Nur möchte es scheinen als ob hier blasse Angst einer gänzlich belanglosen Sache ungeheuerliche Wichtigkeit beigemessen, mit Bomben nach Kletten und Spinnen gezielt hätte. Denn wie sollte das wohl anders als lachhaft mit dem Palast oben zu schaffen haben, wenn der philologische Kärrner unten, zu den mancherlei mit ausgegrabenen oft großartigen, oft wunderbar aufschlussreichen Trümmern der Vergangenheit auch dann und wann allerhand Asseln, Würmer, Schnecken, angeschossene Kristalle, Glimmer und Splitter, glatte oder rauhe garstige Anhängsel, gemeine und kostbare Steinchen, Schimmelpilze, Algen usw., wie es eben kommt, einbringen und vorbringen muß: das ist Kieselgur, fossiler Mergel, buntscheckiger Sand, ein kaleidohistorisches Amöbenuniversum, und nicht wenig menschliche, allzu menschliche Kalkerde und Quellsäure, nur belehrend und nützlich für die winzige Wissenschaft, die mikrologische Forschung - sonst nichts.

Werden nun bei solchen peinlich beäugelten Untersuchungen recht verschiedene, jedoch stets irgendwie zuständige Proben, Ansichtflächen, Querschnitte dargeboten, so mag es zur Anregung und Abwechslung beitragen, auch dem Auge das Nachspüren und Vergleichen etwas weniger ermüdend, etwas leichter und bequemer machen. Wer Ablenkung nicht liebt und nicht braucht, der lasse sich nicht beirren. Für den, den Philologen wie er sein soll, sind die tausend unterschiedlichen Worttropfen da, auf den Täfelchen sauber hergerichtet zum Einstellen unter die Linse. - Es wäre ungerecht, wenn nicht auch hier nun wieder der so tiefen Einmütigkeit jener fernen und unserer eigenen großen Traumerwachten gelegentlich mit einer Andeutung gedacht würde; Wegeskundige, Pfaderleuchter, Wahnvernichter wie Bernhard der Zisterzienser, San Francesco, Antonius von Padua, Meister Eckhart, Merswin, Heinrich Seuse, der unbekannte Ritter zu Frankfurt, um nur die herrlichsten genannt zu haben: solche Kenner und Verkünder, selbst durch so manchen Mittelstrahl von Osten her, wie man ja heute weiß, mächtig angeregt, mögen vielleicht künftighin kräftiger auch nach außen zu wirken beginnen, erst besser verstanden werden. Und der Gegenschall ihrer Bezeugnisse, im Einklang mit der Lehre Gotamos vernommen, wird nicht mehr verstummen, oder doch nicht bevor die Bahn des letzten Wandelsterns bestimmt sein wird.

Die Übersetzung hat wie beim ersten Bande den ausgezeichneten Siamesischen Kodex, Bangkok 1894, zur Grundlage, bei Angabe der Lesarten mit S bezeichnet. Mit dieser ältesten, nach den besten Handschriften überlieferten Fassung, der bisher einzig tauglichen, wurde wieder verglichen: die von Rhys Davids und Carpenter für die Pali Text Society besorgte Auflage London 1903, die einige brauchbare Varianten aus brahmanischen Quellen darbietet, im übrigen aber so flüchtig hergestellt ist, daß sie eine ernstere Benützung unmöglich macht, schon deshalb, weil die nur in S zu findenden echten Formen darin bald nicht gebracht, bald ungenau oder falsch angegeben sind, aber auch anderweitig sich die Sätze verstümmelt zeigen, ja sehr oft ganze Worte fehlen, übersehn wurden; bei den Anmerkungen nun Zeile um Zeile geprüft und wo geboten berichtigt.

Ferner wurde zur Vergleichung herangezogen: der singhalesische Wiegendruck des Dīghanikāyo, Band II Colombo 2448 = 1905, der ab und zu verwendbare Belege, mit C gekennzeichnet, beigesteuert hat. Zu No. 15 und 20 ist noch die erste europäische Textausgabe dieser Stücke durchgesehn worden, bei Grimblot, Sept Suttas pâlis, Paris 1876, mit G vermerkt.

Von Übertragungen habe ich folgende kennengelernt: T.W. and C.A.F. Rhys Davids, Dialogues of the Buddha, Part II, London 1910; W.A. Samarasekera, Singhalese Translation, Buddhist Pali Texts, Kolombo 2448; Burnouf No. 15, Gogerly No. 20, beide bei Grimblot; Dutoit, Das Leben des Buddha, Leipzig 1906, s. 221-318, No. 16; Leumann, Akten des sechsten Orientalistenkongresses, Leiden 1885, s. 471-490, No. 23. Einzelne Stellen sowie größere Bruchstücke aus der 15. und 16. Rede sind in fast allen Darstellungen und Sammelwerken mitgeteilt, so bei Kern, Oldenberg, Warren und vielen anderen.

Die Zahlen am Rande geben die Seiten der siamesischen Fassung an.

Wien, im Sommer 1912. K. E. N.


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