Digha Nikaya 12

Zurueck Digha Nikāya - Die Längere Sammlung

Silakkhandha Vagga - Teil über die Moral

Erster Teil - Zwölfte Rede

12. Lohicca Sutta, Über Lohicca - (Pali)

DAS HAB' ICH GEHÖRT. Zu einer Zeit wanderte der Erhabene im Lande Kosalo von Ort zu Ort und kam, von vielen Mönchen begleitet, mit einer Schar von fünfhundert Mönchen, nach Sālavatikā heran.

Um diese Zeit aber lebte Lohicco der Priester zu Sālavatikā, das, gar heiter anzuschauen, mit Weide-, Wald- und Wasserplätzen, mit Kornkammern, mit königlichem Reichtum begabt, von König Pasenadi von Kosalo als Königsgabe den Priestern zu eigen gegeben war.

Damals nun hatte Lohicco der Priester folgende verkehrte Ansicht gefaßt: <Da mag ein Asket oder ein Priester ein heilsames Ding ausfinden; und hat er das heilsame Ding ausgefunden, es keinem anderen anzeigen: was kann denn einer dem anderen nützen? Gleichwie etwa als ob man eine alte Fessel durchschnitten hätte um eine andere, neue Fessel sich anzulegen, so auch geschähe da hier; verkehrt und aus Sucht gehandelt heiß' ich das: was kann denn einer dem anderen nützen?>

Nun hörte Lohicco der Priester reden: <Der Asket, wahrlich, Herr Gotamo, der Sakyersohn, der dem Erbe der Sakyer entsagt hat, wandert in unserem Lande von Ort zu Ort und ist, von vielen Mönchen begleitet, mit einer Schar von fünfhundert Mönchen bei Sālavatikā angekommen. Diesen Herrn Gotamo aber begrüßt man allenthalben mit dem frohen Ruhmesrufe, so zwar: 'Das ist der Erhabene, der Heilige, vollkommen Erwachte, der Wissens- und Wandelsbewährte, der Willkommene, der Welt Kenner, der unvergleichliche Leiter der Männerherde, der Meister der Götter und Menschen, der Erwachte, der Erhabene. Er zeigt diese Welt mit ihren Göttern, ihren bösen und heiligen Geistern, mit ihrer Schar von Büßern und Priestern, Göttern und Menschen, nachdem er sie selbst verstanden und durchdrungen hat. Er verkündet die Lehre, deren Anfang begütigt, deren Mitte begütigt, deren Ende begütigt, die sinn- und wortgetreue, er legt das vollkommen geläuterte, geklärte Asketentum dar. Glücklich aber wer solche Heilige sehn kann!'

Da wandte sich denn Lohicco der Priester an Rosiko den Bader und sagte:

«Komm', bester Rosiko, und geh' zum Asketen Gotamo hin und erkundige dich in meinem Namen beim Asketen Gotamo nach Gesundheit, Frische, Munterkeit, Stärke, Wohlbefinden: <Lohicco>, sage, <o Gotamo, der Priester, läßt Herrn Gotamo Gesundheit, Frische, Munterkeit, Stärke, Wohlbefinden wünschen>; und füge hinzu: <gewähren, läßt er sagen, möge Herr Gotamo Lohicco dem Priester die Bitte, morgen bei ihm zu speisen, in Gemeinschaft der Mönche.>»

«Gern, o Herr!» sagte da Rosiko der Bader, Lohicco dem Priester willfahrend. Dann begab er sich zum Erhabenen hin, bot dem Erhabenen ehrerbietigen Gruß dar und nahm beiseite Platz. Beiseite sitzend sprach nun Rosiko der Bader zum Erhabenen also:

«Lohicco, o Herr, der Priester läßt dem Erhabenen Gesundheit, Frische, Munterkeit, Stärke, Wohlbefinden wünschen; und er trägt mir auf: gewähren, o Herr, läßt er sagen, möge Herr Gotamo Lohicco dem Priester die Bitte, morgen bei ihm zu speisen, in Gemeinschaft der Mönche.»

Schweigend gewährte der Erhabene die Bitte.

Als nun Rosiko der Bader der Zustimmung des Erhabenen gewiß war, stand er von seinem Sitze auf, bot dem Erhabenen ehrerbietigen Gruß dar, ging rechts herum und begab sich zu Lohicco dem Priester zurück um ihm zu melden:

«Ausgerichtet haben wir, o Herr, in deinem Auftrag an Ihn, den Erhabenen: <Lohicco, o Herr, der Priester, läßt dem Erhabenen Gesundheit, Frische, Munterkeit, Stärke, Wohlbefinden wünschen; und er trägt mir auf: gewähren, o Herr, läßt er sagen, möge Herr Gotamo Lohicco dem Priester die Bitte, morgen bei ihm zu speisen, in Gemeinschaft der Mönche.> Gewährt aber hat Er die Bitte, der Erhabene.»

Am nächsten Morgen nun ließ Lohicco der Priester in seiner Behausung ausgewählte feste und flüssige Speise auftragen und sagte dann zu Rosiko dem Bader:

«Komm', bester Rosiko und begib dich zum Asketen Gotamo hin und bringe dem Asketen Gotamo die Meldung: <Es ist Zeit, o Gotamo, das Mahl ist bereit.>»

«Gern, o Herr!» sagte da Rosiko der Bader, Lohicco dem Priester willfahrend. Dann begab er sich zum Erhabenen hin, bot dem Erhabenen ehrerbietigen Gruß dar und stand beiseite. Beiseite stehend gab nun Rosiko der Bader dem Erhabenen Meldung:

«Es ist Zeit, o Herr, das Mahl ist bereit.»

So begann denn der Erhabene sich beizeiten zu rüsten, nahm Mantel und Almosenschale und machte sich auf den Weg nach Sālavatikā, in Gemeinschaft der Mönche. Zu gleicher Zeit aber folgte Rosiko der Bader dem Erhabenen Schritt um Schritt nach. Alsbald nun wandte sich Rosiko der Bader an den Erhabenen mit den Worten:

«Lohicco, o Herr, der Priester, hat folgende verkehrte Ansicht gefaßt: <Da mag ein Asket oder ein Priester ein heilsames Ding ausfinden; und hat er das heilsame Ding ausgefunden, es keinem anderen anzeigen: was kann denn einer dem anderen nützen? Gleichwie etwa als ob man eine alte Fessel durchschnitten hätte um eine andere, neue Fessel sich anzulegen, so auch geschähe da hier; verkehrt und aus Sucht gehandelt heiß' ich das: was kann denn einer dem anderen nützen?> Gut wär' es, o Herr, wenn der Erhabene Lohicco den Priester von einer solchen verkehrten Ansicht abbringen wollte.»

«Nun, es mag wohl noch werden, Rosiko, nun, es mag wohl noch werden, Rosiko.»

Unterdessen kam der Erhabene zur Behausung heran, wo Lohicco der Priester wohnte. Dort angelangt nahm der Erhabene auf dem dargebotenen Sitze Platz. Lohicco aber der Priester bediente und versorgte eigenhändig den Erwachten und seine Jünger mit ausgewählter fester und flüssiger Speise.

Nachdem nun der Erhabene gespeist und das Mahl beendet hatte, nahm Lohicco der Priester einen von den niederen Stühlen zur Hand und setzte sich zur Seite hin. An Lohicco den Priester, der da zur Seite saß, wandte sich alsbald der Erhabene und fragte:

«Ist es wahr, wie man sagt, Lohicco, dir sei eine solche verkehrte Ansicht aufgestiegen: <Da mag ein Asket oder ein Priester ein heilsames Ding ausfinden; und hat er das heilsame Ding ausgefunden, es keinem anderen anzeigen: was kann denn einer dem anderen nützen? Gleichwie etwa als ob man eine alte Fessel durchschnitten hätte um eine andere, neue Fessel sich anzulegen, so auch geschähe da hier; verkehrt und aus Sucht gehandelt heiß' ich das: was kann denn einer dem anderen nützen?>»

«So ist es, o Gotamo!»

«Was meinst du wohl, Lohicco: bist du nicht über Sālavatikā Gebieter?»

«Allerdings, o Gotamo!»

«Wer da nun, Lohicco, also spräche: <Lohicco der Priester ist über Sālavatikā Gebieter; was in Sālavatikā gesät und geerntet wird, Lohicco nur soll es, der Priester, allein genießen, soll nichts anderen geben>: würde wer also spräche denen, die von dir leben, zum Unheil gereichen, oder nicht?»

«Zum Unheil gereichen, o Gotamo!»

«Zum Unheil gereichend hätt' er Liebe und Erbarmen für sie, oder wär' er ohne Liebe und Erbarmen?»

«Ohne Liebe und Erbarmen, o Gotamo!»

«Ohne Liebe und Erbarmen wär' er ihnen freundlich gesinnt, oder feindlich?»

«Feindlich, o Gotamo!»

«Feindlich gesinnt hätt' er rechte Ansicht, oder falsche Ansicht?»

«Falsche Ansicht, o Gotamo!»

«Bei falscher Ansicht stehn ihm, sag' ich, Lohicco, zweierlei Fährten bevor: Hölle oder Tierheit. - 

Was meinst du wohl, Lohicco: ist nicht König Pasenadi der Kosaler über Kasi (*1) und Kosalo Gebieter?»

«Gewiß, o Gotamo!»

«Wer da nun, Lohicco, also spräche <König Pasenadi der Kosaler ist über Kāsi und Kosalo Gebieter; was in Kāsi und Kosalo gesät und geerntet wird, der König nur soll es, Pasenadi von Kosalo, allein genießen, soll nichts anderen geben: würde wer also spräche denen, die von König Pasenadi dem Kosaler leben, euch eben gleichwie den anderen, zum Unheil gereichen, oder nicht?»

«Zum Unheil gereichen, o Gotamo!»

«Zum Unheil gereichend hätt' er Liebe und Erbarmen für sie, oder wär' er ohne Liebe und Erbarmen?»

«Ohne Liebe und Erbarmen, o Gotamo!»

«Ohne Liebe und Erbarmen wär' er ihnen freundlich gesinnt, oder feindlich?»

«Feindlich, o Gotamo!»

«Feindlich gesinnt hätt' er rechte Ansicht, oder falsche Ansicht?»

«Falsche Ansicht, o Gotamo!»

«Bei falscher Ansicht stehn ihm, sag' ich, Lohicco, zweierlei Fährten bevor: Hölle oder Tierheit. - 

Darum merke, Lohicco, wer also spräche: <Lohicco der Priester ist über Sālavatikā Gebieter; was in Sālavatikā gesät und geerntet wird, Lohicco nur soll es, der Priester, allein genießen, soll nichts anderen geben>: mit solcher Sprache wird er denen, die von dir leben, zum Unheil gereichen; zum Unheil gereichend ist er ohne Liebe und Erbarmen; ohne Liebe und Erbarmen ist er feindlich gesinnt; feindlich gesinnt hat er falsche Ansicht. 

Ebenso nun auch, Lohicco, wer also spräche: <Da mag ein Asket oder ein Priester ein heilsames Ding ausfinden; und hat er das heilsame Ding ausgefunden, es keinem anderen anzeigen: was kann denn einer dem anderen nützen? Gleichwie etwa als ob man eine alte Fessel durchschnitten hätte um eine andere, neue Fessel sich anzulegen, so auch geschähe da hier; verkehrt und aus Sucht gehandelt heiß' ich das: was kann denn einer dem anderen nützen?>: mit solcher Sprache wird er denen, die als edle Söhne zu des Vollendeten dargelegter Lehre und Ordnung herangekommen ein also reiches Ergebnis ausfinden können, wie etwa das Ziel des Stromeintritts zu verwirklichen, das Ziel der Einmalwiederkehr zu verwirklichen, das Ziel der Nichtwiederkehr zu verwirklichen, die Heiligkeit zu verwirklichen, die da auch irgend zu himmlischer Einkehr erwachsen mögen um himmlischen Werdegang zu entwickeln, ihnen zum Unheil gereichen; zum Unheil gereichend ist er ohne Liebe und Erbarmen; ohne Liebe und Erbarmen ist er feindlich gesinnt; feindlich gesinnt hat er falsche Ansicht; bei falscher Ansicht stehn ihm, sag' ich, Lohicco, zweierlei Fährten bevor Hölle oder Tierheit. -

Darum merke, Lohicco: wer also spräche: <König Pasenadi der Kosaler ist über Kāsi und Kosalo Gebieter; was in Kāsi und Kosalo gesät und geerntet wird, der König nur soll es, Pasenadi von Kosalo, allein genießen, soll nichts anderen geben>: mit solcher Sprache wird er denen, die von König Pasenadi dem Kosaler leben, euch eben gleichwie den anderen, zum Unheil gereichen; zum Unheil gereichend ist er ohne Liebe und Erbarmen; ohne Liebe und Erbarmen ist er feindlich gesinnt; feindlich gesinnt hat er falsche Ansicht. Ebenso nun auch, Lohicco, wer also spräche: <Da mag ein Asket oder ein Priester ein heilsames Ding ausfinden; und hat er das heilsame Ding ausgefunden, es keinem anderen anzeigen: was kann denn einer dem anderen nützen? Gleichwie etwa als ob man eine alte Fessel durchschnitten hätte um eine andere, neue Fessel sich anzulegen, so auch geschähe da hier; verkehrt und aus Sucht gehandelt heiß' ich das: was kann denn einer dem anderen nützen?>: mit solcher Sprache wird er denen, die als edle Söhne zu des Vollendeten dargelegter Lehre und Ordnung herangekommen ein also reiches Ergebnis ausfinden können, wie etwa das Ziel des Stromeintritts zu verwirklichen, das Ziel der Einmalwiederkehr zu verwirklichen, das Ziel der Nichtwiederkehr zu verwirklichen, die Heiligkeit zu verwirklichen, die da auch irgend zu himmlischer Einkehr erwachsen mögen um himmlischen Werdegang zu entwickeln, ihnen zum Unheil gereichen; zum Unheil gereichend ist er ohne Liebe und Erbarmen; ohne Liebe und Erbarmen ist er feindlich gesinnt; feindlich gesinnt hat er falsche Ansicht; bei falscher Ansicht stehn ihm, sag' ich, Lohicco, zweierlei Fährten bevor: Hölle oder Tierheit.

«Drei Arten gibt es, Lohicco, von Meistern, die Tadel in der Welt verdienen: und wenn etwa so ein Meister getadelt wird, ist es ein Tadel, der wirklich, der ehrlich, der gerecht und unleugbar ist; was für drei Arten?

«Da hat, Lohicco, irgendein Meister das Ziel, warum er aus dem Hause in die Hauslosigkeit gezogen ist, dieses Ziel der Asketenschaft hat er nicht erreicht. Ohne dieses Ziel der Asketenschaft erreicht zu haben legt er den Jüngern die Lehre dar: <Das dient euch zum Wohle, das dient euch zum Heile.> Dessen Jünger horchen nicht auf, leihen kein Gehör, wenden das Herz nicht dem Verständnisse zu, übertreten gar in ihrem Betragen die Satzung des Meisters. Den dürfte solcher Tadel treffen: <Ehrwürdiger, das Ziel, warum du aus dem Hause in die Hauslosigkeit gezogen bist, dieses Ziel der Asketenschaft hast du nicht erreicht. Ohne dieses Ziel der Asketenschaft erreicht zu haben legst du den Jüngern die Lehre dar 'Das dient euch zum Wohle, das dient euch zum Heile.' Da horchen dir die Jünger nicht auf, leihen kein Gehör, wenden das Herz nicht dem Verständnisse zu, übertreten gar in ihrem Betragen die Satzung des Meisters. Gleichwie etwa als ob man einer, die fortgehn will, nachgehn oder sie bei abgewandtem Antlitz umarmen wollte, so auch geschähe da hier; verkehrt und aus Sucht gehandelt heiß' ich das: was kann denn einer dem anderen nützen?> Das ist, Lohicco, der erste Meister, der Tadel in der Welt verdient: und wenn etwa so ein Meister getadelt wird, ist es ein Tadel, der wirklich, der ehrlich, der gerecht und unleugbar ist.

«Weiter sodann, Lohicco: da hat irgendein Meister das Ziel, warum er aus dem Hause in die Hauslosigkeit gezogen ist, dieses Ziel der Asketenschaft hat er nicht erreicht. Ohne dieses Ziel der Asketenschaft erreicht zu haben legt er den Jüngern die Lehre dar: <Das dient euch zum Wohle, das dient euch zum Heile.> Dessen Jünger horchen auf, leihen Gehör, wenden das Herz dem Verständnisse zu, nicht etwa übertreten sie in ihrem Betragen die Satzung des Meisters. Den dürfte solcher Tadel treffen: <Ehrwürdiger, das Ziel, warum du aus dem Hause in die Hauslosigkeit gezogen bist, dieses Ziel der Asketenschaft hast du nicht erreicht. Ohne dieses Ziel der Asketenschaft erreicht zu haben legst du den Jüngern die Lehre dar: 'Das dient euch zum Wohle, das dient euch zum Heile'. Da horchen dir die Jünger auf, leihen Gehör, wenden das Herz dem Verständnisse zu, nicht etwa übertreten sie in ihrem Betragen die Satzung des Meisters. Gleichwie etwa als ob man sein Feld im Stiche gelassen und ein fremdes Feld zu bestellen gedächte, so auch geschähe da hier; verkehrt und aus Sucht gehandelt heiß' ich das: was kann denn einer dem anderen nützen?> Das ist, Lohicco, der zweite Meister, der Tadel in der Welt verdient: und wenn etwa so ein Meister getadelt wird, ist es ein Tadel, der wirklich, der ehrlich, der gerecht und unleugbar ist.

«Weiter sodann, Lohicco: da hat irgendein Meister das Ziel, warum er aus dem Hause in die Hauslosigkeit gezogen ist, dieses Ziel der Asketenschaft hat er erreicht. Nachdem er dieses Ziel der Asketenschaft erreicht hat, legt er den Jüngern die Lehre dar: <Das dient euch zum Wohle, das dient euch zum Heile.> Dessen Jünger horchen nicht auf, leihen kein Gehör, wenden das Herz nicht dem Verständnisse zu, übertreten gar in ihrem Betragen die Satzung des Meisters. Den dürfte solcher Tadel treffen <Ehrwürdiger, das Ziel, warum du aus dem Hause in die Hauslosigkeit gezogen bist, dieses Ziel der Asketenschaft hast du erreicht. Nachdem du dieses Ziel der Asketenschaft erreicht hast, legst du den Jüngern die Lehre dar: 'Das dient euch zum Wohle, das dient euch zum Heile.' Da horchen dir die Jünger nicht auf, leihen kein Gehör, wenden das Herz nicht dem Verständnisse zu, übertreten gar in ihrem Betragen die Satzung des Meisters. Gleichwie etwa als ob man eine alte Fessel durchschnitten hätte um eine andere, neue Fessel sich anzulegen, so auch geschähe da hier; verkehrt und aus Sucht gehandelt heiß' ich das: was kann denn einer dem anderen nützen?> Das ist, Lohicco, der dritte Meister, der Tadel in der Welt verdient: und wenn etwa so ein Meister getadelt wird, ist es ein Tadel, der wirklich, der ehrlich, der gerecht und unleugbar ist.

«Das sind, Lohicco, die drei Arten von Meistern, die Tadel in der Welt verdienen: und wenn etwa so ein Meister getadelt wird, ist es ein Tadel, der wirklich, der ehrlich, der gerecht und unleugbar ist.»

Nach dieser Rede wandte sich Lohicco der Priester an den Erhabenen und sagte:

«Gibt es aber, o Gotamo, irgend einen Meister, der Tadel in der Welt nicht verdient?»

«Es gibt, Lohicco, einen Meister, der Tadel in der Welt nicht verdient.» «Was ist das aber, o Gotamo, für ein Meister, der Tadel in der Welt nicht verdient?»

«Da erscheint, Lohicco, der Vollendete in der Welt, der Heilige, vollkommen Erwachte, der Wissens- und Wandelsbewährte, der Willkommene, der Welt Kenner, der unvergleichliche Leiter der Männerherde, der Meister der Götter und Menschen, der Erwachte, der Erhabene. Er zeigt diese Welt mit ihren Göttern, ihren bösen und heiligen Geistern, mit ihrer Schar von Priestern und Büßern, Göttern und Menschen, nachdem er sie selbst verstanden und durchdrungen hat. Er verkündet die Lehre, deren Anfang begütigt, deren Mitte begütigt, deren Ende begütigt, die sinn- und wortgetreue, er legt das vollkommen geläuterte, geklärte Asketentum dar. -

Diese Lehre hört ein Hausvater, oder der Sohn eines Hausvaters, oder einer, der in anderem Stande neugeboren ward. Nachdem er diese Lehre gehört hat, faßt er Vertrauen zum Vollendeten. Von diesem Vertrauen erfüllt denkt und überlegt er also: <Ein Gefängnis ist die Häuslichkeit, ein Schmutzwinkel; der freie Himmelsraum die Pilgerschaft. Nicht wohl geht es, wenn man im Hause bleibt, das völlig geläuterte, völlig geklärte Asketentum Punkt für Punkt zu erfüllen. Wie, wenn ich nun, mit geschorenem Haar und Barte, mit fahlem Gewande bekleidet, aus dem Hause in die Hauslosigkeit hinauszöge?> So gibt er denn später einen kleinen Besitz oder einen großen Besitz auf, hat einen kleinen Verwandtenkreis oder einen großen Verwandtenkreis verlassen und ist mit geschorenem Haar und Barte, im fahlen Gewande von Hause fort in die Hauslosigkeit gezogen. -

Also Pilger geworden bleibt er in reiner Zucht richtig gezügelt, lauter im Handel und Wandel: vor geringstem Fehl auf der Hut kämpft er beharrlich weiter, Schritt um Schritt; in Taten und Worten heilsam beflissen lebt er rein, ist tüchtig in Tugend, hütet die Tore der Sinne, gewappnet mit klarem Bewußtsein, zufrieden. -

Treu der heiligen Tugendsatzung, treu der heiligen Sinnenzügelung, treu der heiligen klaren Einsicht, treu der heiligen Zufriedenheit sucht er einen abgelegenen Ruheplatz auf, einen Hain, den Fuß eines Baumes, eine Felsengrotte, eine Bergesgruft, einen Friedhof, die Waldesmitte, ein Streulager in der offenen Ebene. Nach dem Mahle, wenn er vom Almosengange zurückgekehrt ist, setzt er sich mit verschränkten Beinen nieder, den Körper gerade aufgerichtet, und pflegt der Einsicht.

  1. Weltliche Begierde hat er verworfen; mit einem von Begierde freien Geiste verweilt er, von Begierde läutert er seinen Geist.
  2. Zorneserregung hat er verworfen, haßlosen Geistes verweilt er; zu allen lebenden Wesen und Geschöpfen von Wohlwollen und Mitgefühl erfüllt, läutert er seinen Geist von Zorneserregung.
  3. Stumpfheit und Mattheit hat er verworfen, frei von Stumpfheit und Mattheit verweilt er; lichten Geistes, achtsam, klarbewußt läutert er seinen Geist von Stumpfheit und Mattheit.
  4. Aufgeregtheit und Gewissensunruhe hat er verworfen, ohne Aufregung verweilt er, innerlich im Geiste gestillt, läutert er seinen Geist von Aufgeregtheit und Gewissensunruhe.
  5. Den Zweifel hat er verworfen, dem Zweifel entronnen verweilt er, ohne Schwanken im Guten läutert er seinen Geist vom Zweifel.

Sobald nun, Lohicco, der Mönch diese fünf Hemmungen (nivarana) in sich aufgehoben merkt, wird er freudig bewegt. Freudig bewegt wird er heiter. Heiteren Herzens wird der Körper beschwichtigt. Körperbeschwichtigt fühlt er sich wohl. Sich wohl fühlend wird sein Geist einig. So gewinnt er gar fern von Begierden, fern von unheilsamen Dingen, in sinnend gedenkender ruhegeborener seliger Verzückung, die Weihe der ersten Schauung. - Bei einem Meister nun, Lohicco, wo der Jünger ein so reiches Ergebnis ausfinden kann: das ist ein Meister, Lohicco, der Tadel in der Welt nicht verdient; und wenn etwa so ein Meister getadelt wird, ist es ein Tadel, der nicht wirklich, nicht ehrlich, nicht gerecht, der leugbar ist.

«Weiter sodann, Lohicco: nach Vollendung des Sinnens und Gedenkens erreicht der Mönch die innere Meeresstille, die Einheit des Gemütes, die von sinnen, von gedenken freie, in der Einigung geborene selige Verzückung, die Weihe der zweiten Schauung. In heiterer Ruhe verweilt er gleichmütig, einsichtig, klar bewußt, ein Glück empfindet er im Körper, von dem die Heiligen sagen: <Der gleichmütig Einsichtige lebt beglückt>; so erwirkt er die Weihe der dritten Schauung. Nach Verwerfung der Freuden und Leiden, nach Vernichtung des einstigen Frohsinns und Trübsinns erwirkt er die leidlose, freudlose, gleichmütig einsichtige vollkommene Reine, die Weihe der vierten Schauung. Bei einem Meister nun, Lohicco, wo der Jünger ein so reiches Ergebnis ausfinden kann: das ist ein Meister, Lohicco, der Tadel in der Welt nicht verdient; und wenn etwa so ein Meister getadelt wird, ist es ein Tadel, der nicht wirklich, nicht ehrlich, nicht gerecht, der leugbar ist.

«Weiter sodann, Lohicco, kann der Mönch sich mancher verschiedenen früheren Daseinsform erinnern, mit je den eigentümlichen Merkmalen, mit je den eigenartigen Beziehungen. Es kann ferner der Mönch die Wesen dahinschwinden und wiedererscheinen sehn, gemeine und edle, schöne und unschöne, glückliche und unglückliche, kann erkennen wie die Wesen je nach den Taten wiederkehren. Es kann dann der Mönch mit der Wahnversiegung die wahnlose Gemüterlösung, Weisheiterlösung noch bei Lebzeiten sich offenbar machen, verwirklichen und erringen. <Im Erlösten ist die Erlösung>, diese Erkenntnis geht ihm auf, <Versiegt ist die Geburt, vollendet das Asketentum, gewirkt das Werk, nicht mehr ist diese Welt> versteht er da. Bei einem Meister nun, Lohicco, wo der Jünger ein so reiches Ergebnis ausfinden kann: das ist ein Meister, Lohicco, der Tadel in der Welt nicht verdient; und wenn etwa so ein Meister getadelt wird, ist es ein Tadel, der nicht wirklich, nicht ehrlich, nicht gerecht, der leugbar ist.»

Also belehrt wandte sich Lohicco der Priester mit diesen Worten an den Erhabenen:

«Gleichwie etwa, o Gotamo, als ob einer einen anderen, der schon einen abschüssigen Abhang hinabkollerte, noch an den Haaren erfaßte, emporzöge und sicher an den Rand brächte: ebenso auch bin ich von Herrn Gotamo, während ich schon einen abschüssigen Abhang hinabkollerte, emporgezogen und sicher an den Rand gebracht worden. - 

Vortrefflich, o Gotamo, vortrefflich, o Gotamo! Gleichwie etwa, o Gotamo, als ob man Umgestürztes aufstellte, oder Verborgenes aufdeckte, oder Verirrten den Weg zeigte, oder eine Lampe ins Dunkle hielte: <Wer Augen hat wird die Dinge sehn>: ebenso auch hat Herr Gotamo die Lehre von vielen Seiten beleuchtet. Und so nehm' ich bei Herrn Gotamo Zuflucht, bei der Lehre und bei der Jüngerschaft: als Anhänger soll mich Herr Gotamo betrachten, von heute an zeitlebens getreu.»


Fußnote:
(*1) Back Kāsi, die wohlbekannte reiche Landschaft der mittleren Gangesebene, mit Benāres; Kosalo im Nordwesten.


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