Dīgha-Nikāya, die Sammlung der langen Reden

9. Die Lehrrede an Poṭṭhapāda

1. So habe ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene in Sāvatthi, im Jetahain des Anāthapiṇḍika. Zu jener Zeit weilte der Wanderasket Poṭṭhapāda mit einer großen Anzahl Wanderasketen, mit etwa dreihundert, im Re-desaal der Mallikā, der von Tinduka Bäumen umgeben ist.

2. Dann ist der Erhabene, nachdem er vormittags die Kleidung geordnet hatte, Robe und Almosenschale ge-nommen hatte, auf Almosengang nach Sāvatthi gegangen. Da kam dem Erhabenen folgender Gedanke: Zu früh ist es, um in Sāvatthi auf Almosengang zu gehen. So lass mich nun zum Redesaal der Mallikā, der von Tinduka Bäumen umgeben ist, gehen. Es ging der Erhabene zum Redesaal der Mallikā, der von Tinduka Bäumen umge-ben ist.

3. Zu jener Zeit saß der Wanderasket Poṭṭhapāda mit einer großen Anzahl Wanderasketen zusammen. Sie spra-chen mit viel Geräusch, mit lautem und großem Geschrei über allerlei niedrige Themen, wie über: Könige, Räu-ber, Großminister, Heere, Gespenster, Kriege, Essen, Getränke, Kleidung, Betten, Blumengirlanden, Wohlgerü-che, Verwandte, Wagen, Dörfer, Kleinstädte, Städte, Länder, Frauen, Männer, Alkohol, Straßen, Wasserstellen, Vorfahren, Verschiedenes, Weltgeschichte, Meeresgeschichten, so ist es gewesen, so ist es nicht gewesen.

4. Es sah der Wanderasket Poṭṭhapāda den Erhabenen von ferne herankommen. Dies gesehen ermahnte er die Wanderasketen: "Leiser solltet ihr sein, möget ihr nicht viel Lärm machen. Dort kommt der Asket Gotama. Der Ehrwürdige mag die Stille, er lobt die Stille, wenn die Gruppe still ist, wird er wohl hierher kommen wollen." Als dies gesagt wurde, schwiegen die Wanderasketen.

5. Da ging der Erhabene zum Wanderasketen Poṭṭhapāda. Dort hat der Wanderasket Poṭṭhapāda dem Erhabenen Folgendes gesagt: "Kommen möge der verehrungswürdige Erhabene. Willkommen sei der verehrungswürdige Erhabene. Eine lange Zeit ist es her, dass der Erhabene sich hierher bemüht hat. Niedersetzen möge sich der Erhabene, hier ist ein Sitz vorbereitet." Der Erhabene setzte sich auf den vorbereiteten Sitz. Der Wanderasket Poṭṭhapāda nahm einen niedrigeren Sitz und setzte sich beiseite nieder. Dem beiseite sitzenden Wanderasketen Poṭṭhapāda sagte der Erhabene Folgendes: "Welches Gespräch, Poṭṭhapāda, habt ihr, hier zusammengekommen, geführt, bei welchem Gespräch habe ich euch unterbrochen?"

6. Als dies gesagt wurde, sagte der Wanderasket Poṭṭhapāda dem Erhabenen Folgendes: "Lassen wir das Ge-spräch, Verehrungswürdiger, das wir, hier zusammengekommen, geführt haben. Nichts Besonderes ist dieses Gespräch gewesen, wir können es auch später noch mit dem Erhabenen führen. Früher, in vergangener Zeit, als sich verschiedene andersgläubige Asketen und Brahmanen in einer Versammlungshalle versammelt hatten, kam ein Gespräch über das Aufhören der bewussten Wahrnehmung [1] auf: ‚Wie hört, ihr Herren, jede bewusste Wahr-nehmung auf?' Daraufhin sagten einige: ‚Ohne Ursache, ohne Bedingung, entstehen dem Menschen die bewuss-ten Wahrnehmungen. Zu der Zeit, wo sie entstehen, ist er ein Wahrnehmender, zu der Zeit wo sie vergehen ist er ein Nichtwahrnehmender.' So erklären einige das Aufhören der bewussten Wahrnehmungen. Ein Anderer wie-derum sagte: ‚Nicht, Herr, geschieht das in dieser Weise. Die bewusste Wahrnehmung, Herr, ist das Selbst des Menschen, sie kommt und geht. Zu der Zeit, wo sie kommt, ist er ein Wahrnehmender, zu der Zeit wo sie geht, ist er ein Nichtwahrnehmender.' So erklären einige das Aufhören der bewussten Wahrnehmung. Ein Anderer wiederum sagte: ‚Nicht, Herr, geschieht das in dieser Weise. Es gibt, ihr Herren, Brahmanen und Asketen die haben eine große übernatürliche Kraft, eine große Macht. Die zwingen dem Menschen die bewusste Wahrneh-mung auf oder nehmen sie ihm fort. Zu der Zeit, wo sie aufgezwungen ist, ist er ein Wahrnehmender, zu der Zeit, wo sie fortgenommen ist, ist er ein Nichtwahrnehmender.' So erklären einige das Aufhören der bewussten Wahrnehmung. Ein Anderer wiederum sagte: ‚Nicht, Herr, geschieht das in dieser Weise. Es gibt, ihr Herren, Gottheiten, die haben eine große übernatürliche Kraft, eine große Macht. Die zwingen dem Menschen die be-wusste Wahrnehmung auf oder nehmen sie ihm fort. Zu der Zeit, wo sie aufgezwungen ist, ist er ein Wahrneh-mender, zu der Zeit, wo sie fortgenommen ist, ist er ein Nichtwahrnehmender.' So erklären einige das Aufhören der bewussten Wahrnehmung. Dabei kam mir die Erinnerung an den ehrwürdigen Erhabenen: ‚Wahrlich, der Erhabene, wahrlich der Sugata, der ist in dieser Angelegenheit wirklich sachkundig, der Erhabene wahrlich ist der Kenner des Aufhörens der bewussten Wahrnehmung.' Wo, Verehrungswürdiger, hört die bewusste Wahr-nehmung auf?"

7. "Diejenigen Asketen und Brahmanen, Poṭṭhapāda, die Folgendes sagen: ‚Ohne Ursache, ohne Bedingung, entstehen dem Menschen die bewussten Wahrnehmungen', von Anfang an verfehlt ist deren Sache. Aus wel-chem Grund? Mit einer Ursache, mit einer Bedingung, Poṭṭhapāda, entstehen und vergehen dem Menschen die bewussten Wahrnehmungen. Durch Übung entstehen gewisse bewusste Wahrnehmungen, durch Übung verge-hen gewisse bewusste Wahrnehmungen. Worin besteht die Übung?' Fuhr der Erhabene fort.

(40.) "Hier, Poṭṭhapāda, erscheint in der Welt der Erhabene, Heilige, vollkommen Erwachte, der in Wissen und Handeln Vollendete, der Gutgegangene, der Kenner der Welt, der unübertroffene Lenker der zähmbaren Men-schen, der Meister von Göttern und Menschen, der Erwachte, der Erhabene. Der verkündet (die Wahrheit über) die Welt mit ihren Göttern, Māras, Brahmas, Asketen und Brahmanen, Menschheit und Gottheit, nachdem er sie durch seine höheren geistigen Kräfte selbst verstanden und durchschaut hat. Er legt die Lehre dar, die am Anfang gute, in der Mitte gute, am Ende gute, die bedeutsame, die wortgetreue, predigt den vollständigen, völlig geläu-terten Reinheitswandel.

(41.) Diese Lehre hört ein Hausherr oder der Sohn eines Hausherrn oder ein in einem anderen Stande Wiederge-borener. Der entwickelt, nachdem er die Lehre gehört hat, Vertrauen zum Vollendeten. Derart mit Vertrauen versehen erwägt er wie folgt: 'Eine Bedrängnis ist das Hausleben, ein Weg der Leidenschaften , die Hauslosig-keit ist die Freiheit. Nicht leicht ist es für einen der im Hause wohnt, den völlig vollständigen, völlig reinen, perlmuttgleichen Reinheitswandel zu erfüllen. So lass mich nun, nachdem ich mir die Haare abnehmen ließ, gelbbraune Kleidung anlegte, vom Hause in die Hauslosigkeit gehen.' Der lässt sich zu einer späteren Zeit, nachdem er einen kleinen Besitz aufgegeben hat oder einen großen Besitz aufgegeben hat, einen kleinen Ver-wandtenkreis aufgegeben hat oder einen großen Verwandtenkreis aufgegeben hat, die Haare und den Bart ab-nehmen, legt die gelbbraune Robe an, und geht vom Haus in die Hauslosigkeit.

(42.) Ein Hausloser geworden, weilt er gezügelt gemäß dem pātimokkha, versehen mit gutem Verhalten, selbst in kleinen Fehlern sieht er die Gefahr. Die Schulungsregeln hat er auf sich genommen und schreitet darin vorwärts. Er lebt einwandfrei durch heilsame körperliche und sprachliche Taten. Mit Sittlichkeit versehen wacht er über die Sinneseingänge. Achtsam und klarbewusst ist er zufrieden.

(43.) Wie, Poṭṭhapāda, ist der Mönch mit Sittlichkeit versehen? Da hat, Poṭṭhapāda, der Mönch das Töten von Wesen aufgegeben, hält sich vom Töten fern, den Stock hat er weggelegt, Waffen hat er weggelegt, einfühlsam und teilnehmend verweilt er allen Lebewesen gegenüber Heil wünschend und mitfühlend. Das ist seine Sittlich-keit.

Das Nehmen von Nichtgegebenem aufgegeben habend, hält er sich vom Nehmen des Nichtgegebenen fern, nur das Gegebene nehmend, nur das Gegebene wünschend, nichts entwendend, verweilt er mit einem reinen Selbst. Das ist seine Sittlichkeit.

Die Unkeuschheit aufgegeben habend, führt er ein Leben in Keuschheit, führt er ein abgesondertes Leben, ver-meidet den Geschlechtsverkehr, das ordinäre Ding. Das ist seine Sittlichkeit.

(44.) Die Lüge aufgegeben habend, hält sich er sich von der Lüge fern. Er spricht die Wahrheit, ist der Wahrheit ergeben, ist vertrauenswürdig, aufrichtig, kein Irreführer der Welt. Das ist seine Sittlichkeit.

Die Zwischenträgerei aufgegeben habend, hält er sich vom Säen der Zwietracht fern. Was er hier gehört hat, sagt er nicht dort, um diese zu entzweien, was er dort gehört hat, sagt er nicht hier, um jene zu entzweien. Die Ent-zweiten einigt er, die Einigen bestärkt er, er liebt die Eintracht, findet Gefallen an der Eintracht, freut sich der Eintracht, spricht Eintracht stiftende Worte. Das ist seine Sittlichkeit.

Das Sprechen barscher Worte aufgegeben habend, hält er sich vom Sprechen barscher Worte fern. Sanfte Worte spricht er, dem Ohr wohltuende, liebe, zum Herzen gehende, kultivierte, vielen Menschen gefallend, vielen Menschen angenehm, so spricht er. Das ist seine Sittlichkeit.

Das Plappern und Plaudern aufgegeben habend, hält er sich vom Plappern und Plaudern fern. Zur rechten Zeit spricht er, die Wahrheit spricht er, nutzbringend spricht er, um der Wahrheit willen spricht er, um der Disziplin willen spricht er, er spricht gehaltvolle Worte, zur rechten Zeit, mit einer Begründung, nicht ausufernd, nutzbrin-gend. Das ist seine Sittlichkeit.

(45.) Samen und Pflanzen zu beschädigen, davon hält er sich fern. Einer, der nur einmal isst, es des Nachts ver-meidet, ist er, hält sich vom Essen zur Unzeit fern. Vom Besuch von Tanz, Gesang, Musik und Schaustellungen hält er sich fern. Vom Schmücken und Zieren mit Blumengirlanden, Wohlgerüchen, Salben und Geschmeide hält er sich fern. Von hohen und breiten Betten hält er sich fern. Vom Annehmen von Gold und Silber, ungekochtem Getreide, ungekochtem Fleisch, Frauen und Mädchen, Dienern und Dienerinnen, Ziegen und Schafen, Hühnern und Schweinen, Elefanten und Rindern, Pferden und Stuten, Ländereien, hält er sich fern. Er hält sich fern davon Botengänge auf sich zu nehmen. Vom Kauf und Verkauf hält er sich fern. Er hält sich fern vom Betrug mit dem Gewicht, dem Hohlmaß und dem Längenmaß. Von Bestechung, Betrug, Irreführung, Unehrlichkeit hält er sich fern. Vom Verstümmeln, Totschlagen, Freiheitsberaubung, Straßenraub, Einbruch und Gewalt hält er sich fern. Das ist seine Sittlichkeit.

(46.) Mögen da einige ehrsame Asketen und Brahmanen das aus Vertrauen gegebene Essen gegessen habend, derartig Samen und Pflanzen beschädigend verweilen - wie etwa Wurzeln, Zweige, Glieder, Spitzen und Samen als fünftes. Er hält sich fern von derartiger Beschädigung von Samen und Pflanzen. Das ist seine Sittlichkeit.

(47.) Mögen da einige ehrsame Asketen und Brahmanen das aus Vertrauen gegebene Essen gegessen habend, derartiges anhäufend und gebrauchend verweilen - wie etwa das Anhäufen von Essen, Getränken, Kleidung, Wagen, Betten, Wohlgerüchen, anderen materiellen Dingen. Er hält sich fern von derartiger Anhäufung und Gebrauch. Das ist seine Sittlichkeit.

(48.) Mögen da einige ehrsame Asketen und Brahmanen das aus Vertrauen gegebene Essen gegessen habend, derartige Schaustellungen betrachtend verweilen - wie etwa Tanz, Gesang, Musik, Vorführungen, Vorträge, Handmusik, Zauberei, Trommeln, erotische Schattenspiele, Jonglierkunst, Bambusakrobatik, Waschungen, Kämpfe von Elefanten, Pferden, Büffeln, Stieren, Böcken, Widdern, Hähnen, Wachteln, Kämpfe mit dem Stock, der Faust, Ringkämpfe, Scheingefechte, Truppenvorführungen, Truppenaufmärsche, Truppeninspektionen. Er hält sich fern von derartiger Betrachtung von Schaustellungen. Das ist seine Sittlichkeit.

(49.) Mögen da einige ehrsame Asketen und Brahmanen das aus Vertrauen gegebene Essen gegessen habend, sich dem Glückspiel, der Grundlage der Nachlässigkeit, hingeben - wie etwa dem Achtfelderspiel, dem Zehnfel-derspiel, dieselben im Freien, dem Spiel bei dem man die auf dem Erdboden gezogenen Linien nicht berühren darf, dem Spiel, bei dem man die Steine mit dem Fingernagel von einem Haufen vorsichtig wegnehmen oder wieder dahin schieben muß ohne sie umzuwerfen, dem Würfelspiel, dem Klippspiel, dem Holzstäbchenspiel, dem Kugelspiel, dem Töne mit einem Blatt erzeugen, dem Spiel mit kleinen Spielpflügen, dem Purzelbaumspiel, dem Spiel mit Kinderwindmühlen, dem Spiel mit Kindermessgefäßen, mit kleinen Wagen, mit kleinen Bogen, mit Buchstaben, Gedankenraten, einander nachahmen. Er hält sich fern von derartigem Hingeben an das Glück-spiel, der Grundlage der Nachlässigkeit. Das ist seine Sittlichkeit.

(50.) Mögen da einige ehrsame Asketen und Brahmanen das aus Vertrauen gegebene Essen gegessen habend, sich derartig hohen und breiten Betten hingebend verweilen - wie etwa einem Liegestuhl, einem Sofa, einer Wolldecke, einer bunten Decke, einer weißen Decke, einer mit Blumen durchwebten wollenen Decke, einer Baumwollmatratze, einer wollenen Decke mit Fransen an beiden Enden, einer wollenen Decke mit Fransen an einem Ende, Seidendecken mit Edelsteinen besetzt, Seidendecken, wollenen Teppichen von solcher Größe, dass sechzehn Tänzerinnen darauf tanzen können, Elefanten-, Pferde-, oder Wagendecken, einer vorzüglichen Fellde-cke aus Kadali-Antilopenfell, einer Überdecke mit roten Kissen auf beiden Seiten. Er hält sich fern vom Hinge-ben an derartige hohe und breite Betten. Das ist seine Sittlichkeit.

(51.) Mögen da einige ehrsame Asketen und Brahmanen das aus Vertrauen gegebene Essen gegessen habend, sich derartig schmückend und zierend verweilen - wie etwa mit Puder, Massage, Baden, Gliederreiben, Ge-brauch von Spiegeln, Salbe zum Färben, Blumen, Salbe, Pulver und Salbe für das Gesicht, Armbändern, Haar-bändern, Spazierstöcken, Amuletten, Schwertern, Schirmen, bunten Schuhen, Turbanen, Juwelen, Fächern aus Tierschwänzen, weißen Kleidern mit langen Schleiern. Er hält sich fern vom derartigen Schmücken und Zieren. Das ist seine Sittlichkeit.

(52.) Mögen da einige ehrsame Asketen und Brahmanen das aus Vertrauen gegebene Essen gegessen habend, mit derartig niedrigen Gesprächen verweilen - wie über Könige, Räuber, Großminister, Heere, Gespenster, Krie-ge, Essen, Getränke, Kleidung, Betten, Blumengirlanden, Wohlgerüche, Verwandte, Wagen, Dörfer, Kleinstädte, Städte, Länder, Frauen, Männer, Alkohol, Straßen, Wasserstellen, Vorfahren, Verschiedenes, Weltgeschichte, Meeresgeschichten, so ist es gewesen, so ist es nicht gewesen. Er hält sich fern von derartigen niedrigen Gesprä-chen. Das ist seine Sittlichkeit.

(53.) Mögen da einige ehrsame Asketen und Brahmanen das aus Vertrauen gegebene Essen gegessen habend, Streitgespräche führend verweilen - wie: 'Du kennst nicht diese Lehre und Disziplin, ich kenne diese Lehre und Disziplin. Was weißt du von dieser Lehre und Disziplin? Auf dem falschen Wege bist du, ich bin auf dem richti-gen Wege, ich hab es verstanden, du hast es nicht verstanden. Was zuerst zu sagen war, sagst du zuletzt, was zuletzt zu sagen war, sagst du zuerst. Deine (Behauptung) ist nicht durchdacht, ist verkehrt, bezwungen ist deine Rede, besiegt. Widerlege meine Lehrmeinung, wenn du kannst.' Er hält sich fern vom Führen derartiger Streit-gespräche. Das ist seine Sittlichkeit.

(54.) Mögen da einige ehrsame Asketen und Brahmanen das aus Vertrauen gegebene Essen gegessen habend, sich mit Botengängen beschäftigend verweilen - wie für den König, für die königlichen Großminister, für die Fürsten, für die Brahmanen, für die Hausherren, für die Prinzen: gehe dorthin, komme von dorther, bringe dieses hin, von dort bringe jenes her.' Er hält sich fern vom Beschäftigen mit Botengängen. Das ist seine Sittlichkeit.

(55.) Mögen da einige ehrsame Asketen und Brahmanen das aus Vertrauen gegebene Essen gegessen habend, die sind Betrüger, Scheinpriester, Wahrsager, Blender, die geben, um mehr zu bekommen. Er hält sich fern da-von, Betrüger und Scheinpriester zu sein. Das ist seine Sittlichkeit.

(56.) Mögen da einige ehrsame Asketen und Brahmanen das aus Vertrauen gegebene Essen gegessen habend, sich mit solchen niedrigen Künsten beschäftigend ein falsches Leben führen - wie Wahrsagen nach Körper-merkmalen, das Deuten von Vorzeichen, Wahrsagen aus Naturerscheinungen, Traumdeutung, Schicksalsdeutung aus Körperzeichen, Wahrsagen nach Ratten- und Mäusefraß, Feueropfer, Löffelopfer, Spreuopfer, Bruchreisop-fer, Reiskörneropfer, Butteropfer, Ölopfer, Mundopfer, Blutopfer. Wissen um die Körpermerkmale, abergläubi-sche Bauvorschriften, abergläubische Vorschriften für fürstliche Feste, Beschwörungsformeln, Bannformeln, Zauberformeln, Schlangenzauber, Giftzauber, Skorpionzauber, Ratten- und Mäusezauber, die Vogelsprache, die Krähensprache, das Todesdatum, Pfeilschutzzauber, die Sprache der Tiere. Er hält sich fern vom Beschäftigen mit solchen niedrigen Künsten. Das ist seine Sittlichkeit.

(57.) Mögen da einige ehrsame Asketen und Brahmanen das aus Vertrauen gegebene Essen gegessen habend, sich mit solchen niedrigen Künsten beschäftigend ein falsches Leben führen - wie Kenntnis von der Magie der Edelsteine, Stöcke, Kleidung, Schwerter, Pfeile, Bogen, Waffen, Frauen, Männer, Jungen, Mädchen, Diener, Dienerinnen, Elefanten, Pferde, Büffel, Stiere, Rinder, Böcke, Widder, Hähne, Wachteln, Warane, Hasen, Schildkröten, Landtiere. Er hält sich fern vom Beschäftigen mit solchen niedrigen Künsten. Das ist seine Sitt-lichkeit.

(58.) Mögen da einige ehrsame Asketen und Brahmanen das aus Vertrauen gegebene Essen gegessen habend, sich mit solchen niedrigen Künsten beschäftigend ein falsches Leben führen - wie Prophezeiungen: 'Der König wird umziehen, der König wird nicht umziehen. Die innere Königsmacht wird aufmarschieren, eine äußere Kö-nigsmacht wird abmarschieren, eine äußere Königsmacht wird aufmarschieren, die innere Königsmacht wird abmarschieren. Die innere Königsmacht wird siegreich sein, die äußere Königsmacht wird eine Niederlage erlei-den, die äußere Königsmacht wird siegreich sein, die innere Königsmacht wird eine Niederlage erleiden. So wird der Sieg sein, so wird die Niederlage sein. Er hält sich fern vom Beschäftigen mit solchen niedrigen Künsten. Das ist seine Sittlichkeit.

(59.) Mögen da einige ehrsame Asketen und Brahmanen das aus Vertrauen gegebene Essen gegessen habend, sich mit solchen niedrigen Künsten beschäftigend ein falsches Leben führen - wie Prophezeiungen: 'Eine Mond-finsternis wird sein, eine Sonnenfinsternis wird sein, eine Sternenfinsternis wird sein, die Sonne und der Mond gehen ihren normalen Weg, die Sonne und der Mond gehen vom normalen Weg ab, die Sterne gehen ihren nor-malen Weg, die Sterne gehen von ihrem normalen Weg ab, Meteore werden fallen, ein Feuer wird am Himmel sein, ein Erdbeben wird sein, ein Donner wird sein, Sonne Mond und Sterne steigen auf, steigen ab, bekommen Flecken, werden rein. Die Mondfinsternis hat diese Folge, die Sonnenfinsternis hat diese Folge, die Reinheit von Sonne Mond und Sternen hat diese Folge. Er hält sich fern vom Beschäftigen mit solchen niedrigen Künsten. Das ist seine Sittlichkeit.

(60.) Mögen da einige ehrsame Asketen und Brahmanen das aus Vertrauen gegebene Essen gegessen habend, sich mit solchen niedrigen Künsten beschäftigend ein falsches Leben führen - wie Prophezeiungen: 'Genug Re-gen wird fallen, nicht genug Regen wird fallen, genug Speise wird da sein, nicht genug Speise wird da sein, Sicherheit wird sein, Gefahr wird sein, Krankheit wird sein, Gesundheit wird sein - Rechnen, Zählen, Addieren, Dichtung, Naturwissenschaft. Er hält sich fern vom Beschäftigen mit solchen niedrigen Künsten. Das ist seine Sittlichkeit.

(61.) Mögen da einige ehrsame Asketen und Brahmanen das aus Vertrauen gegebene Essen gegessen habend, sich mit solchen niedrigen Künsten beschäftigend ein falsches Leben führen - (wie die Bestimmung des Zeit-punktes etc.) zur Einholung der Braut, zur Verheiratung, zur Aussöhnung, zum Streit, zur Schuldeintreibung, zur Geldanlage, zum Glückbringen, zum Unglückbringen, zur Schwangerschaftsverhinderung, zum Lähmen der Zunge, zum Lähmen der Kiefer, zum Besprechen der Hände (damit sie gelähmt werden), zum Besprechen der Ohren, zum Spiegelorakel, zum Mädchenorakel, zum Götterorakel, zum Sonnendienst, zur Verehrung des Höchsten Wesens, zum Feuerspeien, zur Anrufung der Glücksgöttin. Er hält sich fern vom Beschäftigen mit solchen niedrigen Künsten. Das ist seine Sittlichkeit.

(62.) Mögen da einige ehrsame Asketen und Brahmanen das aus Vertrauen gegebene Essen gegessen habend, sich mit solchen niedrigen Künsten beschäftigend ein falsches Leben führen - wie Götterbesänftigung, ein Ge-lübde ablegen, ein großes Besänftigungsritual, Hervorrufung von Potenz, Hervorrufung von Impotenz, Bestim-mung von Bauvorschriften, Hauseinweihung durch Opferspenden, rituelle Mundspülung, rituelles Baden ande-rer, opfern für andere, Erbrechen und Abführen lassen, Entschlackung des oberen Teils, Entschlackung des unte-ren Teils, Entschlackung des Kopfes, Ölung der Ohren, Behandlung der Augen, Verabreichung von Medizin durch die Nase, Anwendung von Augensalbe, Anwendung von Salbe, Praktizieren als Augen-, Ohren- und Na-senarzt, Praktizieren als Chirurg, als Kinderarzt, Verordnung von Wurzelarzneien, gegebene Kräutermedizin anwenden. Er hält sich fern vom Beschäftigen mit solchen niedrigen Künsten. Das ist seine Sittlichkeit.

8. (63.) Wenn, Poṭṭhapāda, der Mönch so mit der Sittlichkeit versehen ist, kann er von nirgendwo her Gefahr sehen, was seine Sittlichkeit angeht. Genauso, Poṭṭhapāda, wie ein Fürst, dessen Haupt gesalbt ist und dessen Feinde niedergeworfen sind, von nirgendwo her Gefahr sieht, was seine Feinde angeht, genauso, Poṭṭhapāda, kann der Mönch, der so mit der Sittlichkeit versehen ist, von nirgendwo her Gefahr sehen, was seine Sittlichkeit angeht. Dieser, mit dieser edlen Sittlichkeit versehen, erfährt im Inneren ein makelloses Wohl. So, Poṭṭhapāda, ist ein Mönch mit Sittlichkeit versehen.

9. (64.) Wie, oh Poṭṭhapāda, wacht der Mönch über die Sinneseingänge? Hat da, Poṭṭhapāda, ein Mönch mit dem Auge Sichtbares gesehen, nicht hält er das gesamte Objekt, noch hält er dessen Einzelheiten fest, weil in den, der mit nichtbewachter Sinnesfunktion des Auges verweilt, Begierde, Abneigung, also üble, unheilsame Dinge ein-fließen würden. Darum bemüht er sich um die Zügelung, schützt die Sinnesfunktion des Auges, erlangt die Zü-gelung der Sinnesfunktion des Auges. Hat da, Poṭṭhapāda, ein Mönch mit dem Ohr Hörbares gehört, mit der Nase Riechbares gerochen, mit der Zunge Schmeckbares geschmeckt, mit dem Körper Fühlbares gefühlt, mit dem Geist Denkbares gedacht, nicht hält er das gesamte Objekt, noch hält er dessen Einzelheiten fest, weil in den, der mit nichtbewachter Sinnesfunktion des Auges verweilt, Begierde, Abneigung, also üble, unheilsame Dinge einfließen würden. Darum bemüht er sich um die Zügelung, schützt die Sinnesfunktion des Geistes, er-langt die Zügelung der Sinnesfunktion des Geistes. Mit dieser edlen Sinneszügelung versehen empfindet er im Inneren ein reines Glück. So, Poṭṭhapāda, wacht der Mönch über die Sinneseingänge.

(65.) Wie, oh Poṭṭhapāda, ist der Mönch achtsam und klarbewusst? Da ist, Poṭṭhapāda, der Mönch klarbewusst, wenn er nach vorne geht, wenn er zurückgeht, klarbewusst beim Hinblicken und Wegblicken, klarbewusst beim Beugen und Strecken, klarbewusst beim Tragen des Schultertuchs, der Almosenschale und der Robe, klarbe-wusst beim Essen, Trinken, Kauen, Schlucken, klarbewusst beim Ausscheiden von Urin und Kot, klarbewusst beim Gehen, Stehen, Sitzen, (Ein)schlafen, Wachen, Sprechen und Schweigen. So, Poṭṭhapāda, ist der Mönch achtsam und klarbewusst.

(66.) Wie, oh Poṭṭhapāda, ist der Mönch zufrieden? Da ist, Poṭṭhapāda, der Mönch zufrieden mit dem Gewand, das den Körper schützt, mit der Almosenspeise, die den Leib erhält; wo auch immer er hingeht, nimmt er alles mit. Genauso, Poṭṭhapāda, wie ein Vogel, wo auch immer er hinfliegt, er nur mit der Last seiner Federn hinfliegt, genauso, Poṭṭhapāda, ist der Mönch zufrieden mit dem Gewand, das den Körper schützt, mit der Almosenspeise, die den Leib erhält; wo auch immer er hingeht, nimmt er alles mit. So, Poṭṭhapāda, ist der Mönch zufrieden.

(67.) Mit dieser edlen Sittlichkeit versehen, mit dieser edlen Sinneszügelung versehen, mit dieser edlen Acht-samkeit und Klarbewusstheit versehen, mit dieser edlen Zufriedenheit versehen, begibt er sich zu einem abge-schiedenen Ort, einem Wald, einem Fuß eines Baumes, einem Berg, einer Grotte, einer Höhle, einem Friedhof, einem Wald, unter freiem Himmel, einem Strohlager. Nachdem er nach dem Essen auf einen weiteren Almosen-gang verzichtet, setzt er sich im Lotussitz nieder, den Körper gerade aufgerichtet, hält er die Achtsamkeit vor sich gegenwärtig.

(68.) Die Gier nach der Welt aufgegeben, verweilt er mit einem begierdefreien Geist, er reinigt das Gemüt von Begierde. Übelwollen und Hass aufgegeben, verweilt er mit einem von Übelwollen freiem Geist. Für alle Lebe-wesen und Kreaturen Heil und Fürsorge empfindend, reinigt er das Gemüt von Übelwollen und Hass. Trägheit und Mattigkeit aufgegeben, verweilt er mit einem von Trägheit und Mattigkeit freien Geist, hat die Vorstellung von Licht, achtsam und klarbewusst reinigt er das Gemüt von Trägheit und Mattigkeit. Aufregung und Gewis-sensunruhe aufgegeben, verweilt er ohne Aufregung und Gewissensunruhe, innerlich mit ruhigem Gemüt, reinigt er das Gemüt von Aufregung und Gewissensunruhe. Den Zweifel aufgegeben, verweilt er mit überwundenem Zweifel, in heilsamen Dingen keine Unsicherheit habend, reinigt er das Gemüt von Zweifel.

(69.) Wie, Poṭṭhapāda, wenn ein Mensch Schulden gemacht hätte um, sie einzusetzen in verschiedenen Geschäf-ten, dem würden die Geschäfte gedeihen, so dass er die alten Schulden tilgen könnte und darüber hinaus noch ein Rest übrigbleiben würde, um die Familie zu ernähren. Dem käme folgender Gedanke: 'Ich habe vorher Schulden gemacht, um sie einzusetzen in verschiedenen Geschäften. Mir sind die Geschäfte gediehen, so dass ich die alten Schulden tilgen konnte und mir darüber hinaus noch ein Rest übriggeblieben ist, um die Familie zu ernähren.' Jener erfährt aus diesem Grunde eine Frohgestimmtheit, erlangt Erfreutsein.

(70.) Wie, Poṭṭhapāda, wenn ein Mensch krank wäre, leidend, schwerkrank wäre, das Essen bekäme ihm nicht, und sein Körper hätte keine Kraft mehr. Der würde nach einer gewissen Zeit von der Krankheit geheilt, das Es-sen bekäme ihm wieder, und sein Körper hätte wieder Kraft. Dem käme folgender Gedanke: 'Ich war krank, leidend, schwerkrank. Das Essen bekam mir nicht, und mein Körper hatte keine Kraft mehr. Nach einer gewis-sen Zeit wurde ich von der Krankheit geheilt, das Essen bekam mir wieder, und mein Körper hatte wieder Kraft.' Er erfährt aus diesem Grunde eine Frohgestimmtheit, erlangt Erfreutsein.

(71.) Wie, Poṭṭhapāda, wenn ein Mensch im Gefängnis eingeschlossen wäre. Der würde nach einer gewissen Zeit im guten Zustand und ohne Schaden aus der Gefangenschaft befreit, und kein bisschen Besitz ginge ihm verlo-ren. Dem käme folgender Gedanke: 'Ich war im Gefängnis eingeschlossen. Nach einer gewissen Zeit wurde ich im guten Zustand und ohne Schaden aus der Gefangenschaft befreit, und kein bisschen Besitz ging mir verloren.' Er erfährt aus diesem Grunde eine Frohgestimmtheit, erlangt Erfreutsein.

(72.) Wie, Poṭṭhapāda, wenn ein Mensch ein Diener wäre, unselbständig, von anderen abhängig, könnte nicht gehen, wohin er will. Der würde nach einer gewissen Zeit aus der Dienerschaft entlassen, wäre selbständig, von niemandem abhängig, ein freier Mann, könnte gehen wohin er wollte. Dem käme folgender Gedanke: 'Ich war ein Diener, unselbständig, von anderen abhängig, konnte nicht gehen wohin ich wollte. Nach einer gewissen Zeit wurde ich aus der Dienerschaft entlassen, war selbständig, von niemandem abhängig, ein freier Mann, konnte gehen wohin ich wollte.' Er erfährt aus diesem Grunde eine Frohgestimmtheit, erlangt Erfreutsein.

(73.) Wie, Poṭṭhapāda, wenn sich ein reicher, besitzender Mensch auf eine Reise durch ein unwegsames, gefahr-volles Gebiet begibt, wo Speise schwer zu erlangen ist. Der hat nach einer gewissen Zeit das unwegsame Gebiet verlassen, und kommt wohlbehalten am Dorfrand an, ist gesichert und ohne Gefahr. Dem käme folgender Ge-danke: 'Ich bin ein reicher, besitzender Mensch und hatte mich auf eine Reise durch ein unwegsames, gefahrvol-les Gebiet begeben, wo Speise schwer zu erlangen ist. Jetzt habe ich das unwegsame Gebiet verlassen und bin wohlbehalten am Dorfrand angekommen, bin gesichert und ohne Gefahr.' Er erfährt aus diesem Grunde eine Frohgestimmtheit, erlangt Erfreutsein.

(74.) Ebenso, Poṭṭhapāda, stellt der Mönch bei sich, die noch nicht aufgegebenen fünf Hemmungen als Schulden, als Krankheit, als Gefängnis, als Dienerschaft, als ein unwegsames Gebiet fest. Genauso wie Schuldenfreiheit, Gesundheit, Gefängnisbefreiung, ein freier Mann zu sein, ein sicheres Gebiet, Poṭṭhapāda, so ist es, wenn ein Mönch bei sich feststellt: 'Diese fünf Hemmungen sind beseitigt.'

10. Wenn er feststellt, dass diese fünf Hemmungen bei ihm beseitigt sind, entsteht Frohgestimmtheit, dem Froh-gestimmten entsteht Freude, mit freudigem Denken wird der Körper gestillt, wenn der Körper gestillt ist empfin-det er Wohl, dem Wohl Empfindenden sammelt sich das Gemüt. Abgeschieden von sinnlichem Begehren, abge-schieden von unheilsamen Dingen, erreicht er die mit Denken und Überlegen versehene erste Vertiefung, die Freude und das Wohl der Abgeschiedenheit und verweilt in ihr. Was bei ihm vorher an sinnensüchtiger bewuss-ter Wahrnehmung war, die ist aufgehoben und es ist jetzt die subtile und wahre bewusste Wahrnehmung von Freude und Wohl der Abgeschiedenheit vorhanden. Er ist jetzt einer, der die subtile und wahre bewusste Wahr-nehmung von Freude und Wohl der Abgeschiedenheit hat. Durch solche Übungsmethode entstehen bewusste Wahrnehmungen, durch solche Übungsmethode vergehen bewusste Wahrnehmungen. Dies ist die Übung", fuhr der Erhabene fort.

11. "Nachdem dann der Mönch, Poṭṭhapāda, das Denken und Überlegen beruhigt hat, erreicht er die innere Klar-heit, die Konzentration des Geistes, die von Denken und Überlegen freie, die zweite Vertiefung, die Freude und das Wohl der Sammlung und verweilt in ihr. Was bei ihm vorher die subtile und wahre bewusste Wahrnehmung von Freude und Wohl der Abgeschiedenheit war, die ist aufgehoben und es ist jetzt die subtile und wahre be-wusste Wahrnehmung der Freude und des Wohls der Sammlung. Er ist jetzt einer, der die subtile und wahre bewusste Wahrnehmung der Freude und des Wohls der Sammlung hat. Durch solche Übungsmethode entstehen bewusste Wahrnehmungen, durch solche Übungsmethode vergehen bewusste Wahrnehmungen. Dies ist die Übung", fuhr der Erhabene fort.

12. "Nachdem dann, Poṭṭhapāda, die Freude verblasst ist, verweilt er gleichmütig, achtsam und klarbewusst. Er empfindet körperliches Wohl. Von dem sagen die Heiligen: 'Der ist gleichmütig, achtsam, im Wohl weilend.' so erreicht er die dritte Vertiefung und verweilt in ihr. Was bei ihm vorher die subtile und wahre bewusste Wahr-nehmung der Freude und des Wohls der Sammlung war, die ist aufgehoben und es ist jetzt die subtile und wahre bewusste Wahrnehmung des Wohls des Gleichmuts. Er ist jetzt einer, der die subtile und wahre bewusste Wahr-nehmung des Wohls des Gleichmuts hat. Durch solche Übungsmethode entstehen bewusste Wahrnehmungen, durch solche Übungsmethode vergehen bewusste Wahrnehmungen. Dies ist die Übung", fuhr der Erhabene fort.

13. "Nachdem dann, Poṭṭhapāda, Wohl und Leid fallengelassen wurden, nachdem frühere geistige Freuden und Leiden untergegangen sind, erreicht der Mönch die Leid- und Wohllose vierte Vertiefung, die völlige Reinheit des Gleichmuts und der Achtsamkeit und verweilt in ihr. Was bei ihm vorher die subtile und wahre bewusste Wahrnehmung des Wohls des Gleichmuts war, die ist aufgehoben und es ist jetzt die subtile und wahre bewusste Wahrnehmung des Wohls des ‚weder Freude noch Leid.' Er ist jetzt einer, der die subtile und wahre bewusste Wahrnehmung des ‚weder Freude noch Leid' hat. Durch solche Übungsmethode entstehen bewusste Wahrneh-mungen, durch solche Übungsmethode vergehen bewusste Wahrnehmungen. Dies ist die Übung", fuhr der Erha-bene fort.

14. "Nachdem dann, Poṭṭhapāda, der Mönch alle bewussten Wahrnehmungen von Körperlichkeit überschreitet, schwindet die bewusste Wahrnehmung von Widerstand. Nicht richtet er seinen Geist aus auf die Verschiedenheit der bewussten Wahrnehmungen. Da (geht ihm auf): 'Unendlich ist der Raum.' So erreicht er das Gebiet der Raumunendlichkeit und verweilt darin. Was bei ihm vorher die bewusste Wahrnehmung von Körperlichkeit war, die ist aufgehoben und es ist jetzt die subtile und wahre bewusste Wahrnehmung der Raumunendlichkeit. Er ist jetzt einer, der die subtile und wahre bewusste Wahrnehmung der Raumunendlichkeit hat. Durch solche Übungsmethode entstehen bewusste Wahrnehmungen, durch solche Übungsmethode vergehen bewusste Wahr-nehmungen. Dies ist die Übung", fuhr der Erhabene fort.

15. "Dann, Poṭṭhapāda, (geht dem) Mönch nach völligem Überschreiten des Raumunendlichkeitsgebietes (auf): 'Unendlich ist das Bewusstsein.' So erreicht er das Gebiet der Bewusstseinsunendlichkeit2 und verweilt darin. Was bei ihm vorher die bewusste Wahrnehmung von Unendlichkeit des Raumes war, die ist aufgehoben und es ist jetzt die subtile und wahre bewusste Wahrnehmung der Bewusstseinsunendlichkeit. Er ist jetzt einer, der die subtile und wahre bewusste Wahrnehmung der Bewusstseinsunendlichkeit hat. Durch solche Übungsmethode entstehen bewusste Wahrnehmungen, durch solche Übungsmethode vergehen bewusste Wahrnehmungen. Dies ist die Übung", fuhr der Erhabene fort.

16. "Dann, Poṭṭhapāda, (geht dem) Mönch nach völligem Überschreiten des Bewusstseinsunendlichkeitsgebietes (auf): 'Nichts ist da.' So erreicht er das Gebiet der Nichtetwasheit und verweilt darin. Was bei ihm vorher die bewusste Wahrnehmung von Unendlichkeit des Bewusstseins war, die ist aufgehoben und es ist jetzt die subtile und wahre bewusste Wahrnehmung der Nichtetwasheit. Er ist jetzt einer, der die subtile und wahre bewusste Wahrnehmung der Nichtetwasheit hat. Durch solche Übungsmethode entstehen bewusste Wahrnehmungen, durch solche Übungsmethode vergehen bewusste Wahrnehmungen. Dies ist die Übung", fuhr der Erhabene fort.

17. "Wenn, Poṭṭhapāda, der Mönch jetzt sich der eigenen bewussten Wahrnehmung bewusst ist, dann kann er von da an immer weiter der Reihe nach die äußerste Grenze der bewussten Wahrnehmung erreichen. An der äußersten Grenze der bewussten Wahrnehmung geht ihm auf: ‚Jegliches Hegen von Willensregungen ist unheil-sam, keine Willensregungen zu hegen ist angemessen. Würde ich Willensregungen hegen und erschaffen, dann würde mir diese (jetzige) bewusste Wahrnehmung aufhören und eine andere grobe bewusste Wahrnehmung würde entstehen. So lass mich nun keine Willensregungen hegen und erschaffen.' Er hegt und erschafft keine Willensregungen mehr. Dem, der keine Willensregungen mehr hegt und erschafft, dem hört die bewusste Wahr-nehmung auf, eine andere gröbere bewusste Wahrnehmung entsteht nicht mehr. So berührt er das Verlöschen. In dieser Weise, Poṭṭhapāda, entsteht die bewusste allmähliche Versenkung des Aufhörens der bewussten Wahr-nehmung.

18. Was meinst du, Poṭṭhapāda,? Hast du vorher schon jemals von dieser bewussten allmählichen Versenkung des Aufhörens der bewussten Wahrnehmung gehört?" – "Nein, das nicht, Verehrungswürdiger. So verstehe ich, Verehrungswürdiger, was der Erhabene gesagt hat: Wenn, Poṭṭhapāda, der Mönch jetzt sich der eigenen bewuss-ten Wahrnehmung bewusst ist, dann kann er von da an immer weiter der Reihe nach die äußerste Grenze der bewussten Wahrnehmung erreichen. An der äußersten Grenze der bewussten Wahrnehmung geht ihm auf: Jegli-ches Hegen von Willensregungen ist unheilsam, keine Willensregungen zu hegen ist angemessen. Würde ich Willensregungen hegen und erschaffen dann würde mir diese (jetzige) bewusste Wahrnehmung aufhören und eine andere, grobe bewusste Wahrnehmung würde entstehen. So lass mich nun keine Willensregungen hegen und erschaffen. Er hegt und erschafft keine Willensregungen mehr. Dem, der keine Willensregungen mehr hegt und erschafft, dem hört die bewusste Wahrnehmung auf, eine andere gröbere bewusste Wahrnehmung entsteht nicht mehr. So berührt er das Verlöschen. In dieser Weise, Poṭṭhapāda, entsteht die bewusste allmähliche Ver-senkung des Aufhörens der bewussten Wahrnehmung." – "So ist es, Poṭṭhapāda",.

19. "Erklärt der verehrungswürdige Erhabene eine äußerste Grenze der bewussten Wahrnehmung oder mehre-re?" – "Ich erkläre, Poṭṭhapāda, sowohl eine äußerste Grenze der bewussten Wahrnehmung als auch mehrere." – "Wie erklärt der verehrungswürdige Erhabene sowohl eine äußerste Grenze der bewussten Wahrnehmung als auch mehrere?" – "Auf welche Art und Weise auch immer man das Verlöschen berührt, so werde ich die äußers-te Grenze der bewussten Wahrnehmung erklären. In dieser Weise, Poṭṭhapāda, erkläre ich sowohl eine äußerste Grenze der bewussten Wahrnehmung als auch mehrere [3]."

20. "Entsteht, Verehrungswürdiger, erst die bewusste Wahrnehmung und dann die Kenntnis, entsteht erst die Kenntnis und dann die bewusste Wahrnehmung oder entstehen Kenntnis und bewusste Wahrnehmung gleichzei-tig?" – "Die bewusste Wahrnehmung, Poṭṭhapāda, entsteht zuerst, dann die Kenntnis, durch die Entstehung der bewussten Wahrnehmung entsteht die Kenntnis. So weiß er: In der Tat durch dies bedingt ist meine Kenntnis entstanden. So, auf diese Art, Poṭṭhapāda, ist es zu verstehen, dass erst die bewusste Wahrnehmung entsteht und dann die Kenntnis, durch die Entstehung der bewussten Wahrnehmung entsteht die Kenntnis."

21. "Ist, Verehrungswürdiger, die bewusste Wahrnehmung das Selbst des Menschen oder ist ein anderes die bewusste Wahrnehmung und ein anderes das Selbst?" – "Was, Poṭṭhapāda, verstehst du unter einem Selbst?" – "Grobmateriell, Verehrungswürdiger, verstehe ich das Selbst, gestalthaft, aus den vier Elementen bestehend, feste Nahrung zu sich nehmend." – "Wenn dein Selbst, Poṭṭhapāda, grobmateriell, gestalthaft, aus den vier Ele-menten bestehend wäre, feste Nahrung zu sich nehmend, wenn das so wäre, wäre ein anderes die bewusste Wahrnehmung und ein anderes das Selbst. So, auf diese Art, Poṭṭhapāda, ist es zu verstehen: Ein anderes ist die bewusste Wahrnehmung, ein anderes das Selbst. Lass beiseite, Poṭṭhapāda, ob das Selbst grobmateriell ist, ge-stalthaft, aus den vier Elementen bestehend, feste Nahrung zu sich nehmend, bei dem Menschen werden immer neue bewusste Wahrnehmungen entstehen, andere bewusste Wahrnehmungen vergehen. So, auf diese Art, Poṭṭhapāda, ist es zu verstehen: Ein anderes ist die bewusste Wahrnehmung, ein anderes das Selbst."

22. "Aus Geist bestehend, Verehrungswürdiger, verstehe ich dann das Selbst, versehen mit allen Haupt- und Nebengliedern und allen (Sinnes)funktionen." – "Wenn dein Selbst, Poṭṭhapāda, aus Geist bestehend wäre, ver-sehen mit allen Haupt- und Nebengliedern und allen (Sinnes)funktionen, wenn das so wäre, wäre ein anderes die bewusste Wahrnehmung und ein anderes das Selbst. So, auf diese Art, Poṭṭhapāda, ist es zu verstehen: Ein ande-res ist die bewusste Wahrnehmung, ein anderes das Selbst. Lass beiseite, Poṭṭhapāda, ob das Selbst aus Geist bestehend ist, versehen mit allen Haupt- und Nebengliedern und allen (Sinnes)funktionen, bei dem Menschen werden immer neue bewusste Wahrnehmungen entstehen, andere bewusste Wahrnehmungen vergehen. So, auf diese Art, Poṭṭhapāda, ist es zu verstehen: Ein anderes ist die bewusste Wahrnehmung, ein anderes das Selbst."

23. "Gestaltlos, Verehrungswürdiger, verstehe ich das Selbst, existierend nur aus bewusster Wahrnehmung." – "Wenn dein Selbst, Poṭṭhapāda, gestaltlos wäre, nur aus bewusster Wahrnehmung existiert, wenn das so wäre, wäre ein anderes die bewusste Wahrnehmung und ein anderes das Selbst. So, auf diese Art, Poṭṭhapāda, ist es zu verstehen: Ein anderes ist die bewusste Wahrnehmung, ein anderes das Selbst. Lass beiseite, Poṭṭhapāda, ob das Selbst gestaltlos ist, nur aus bewusster Wahrnehmung existiert, bei dem Menschen werden immer neue bewusste Wahrnehmungen entstehen, andere bewusste Wahrnehmungen vergehen. So, auf diese Art, Poṭṭhapāda, ist es zu verstehen: Ein anderes ist die bewusste Wahrnehmung, ein anderes das Selbst."

24. "Kann ich, Verehrungswürdiger, das selber erkennen: Bewusste Wahrnehmung ist das Selbst des Menschen oder etwas anderes ist die bewusste Wahrnehmung und das Selbst?" – "Schwer zu erkennen, Poṭṭhapāda, ist es für dich, der du andere Ansichten hast, andere Ansichten duldest, andere Ansichten bekennst, dich anderen An-sichten hingibst, anderen Ansichten nachfolgst: Bewusste Wahrnehmung ist das Selbst des Menschen oder etwas anderes ist die bewusste Wahrnehmung und das Selbst."

25. "Wenn es so ist, Verehrungswürdiger, dass es für mich, der ich andere Ansichten habe, andere Ansichten dulde, andere Ansichten bekenne, mich anderen Ansichten hingebe, anderen Ansichten nachfolge, schwer zu erkennen ist: Bewusste Wahrnehmung ist das Selbst des Menschen oder etwas anderes ist die bewusste Wahr-nehmung und das Selbst – (dann möchte ich fragen:) Ist die Welt ewig dies ist wahr, alles andere ist töricht?" – "Unerklärt, Poṭṭhapāda, bleibt von mir diese Frage: Ist die Welt ewig, dies ist wahr, alles andere ist töricht." – "Ist die Welt nicht ewig, dies ist wahr, alles andere ist töricht .... Hat die Welt ein Ende .... Hat die Welt kein Ende .... Sind Körper und Seele das gleiche .... Sind Körper und Seele getrennt .... Existiert der Vollendete nach dem Tode .... Existiert der Vollendete nicht nach dem Tode .... Existiert der Vollendete und existiert er nicht nach dem Tode .... Weder existiert der Vollendete noch existiert er nicht nach dem Tode" – "Unerklärt, Poṭṭhapāda, bleibt von mir diese Frage: Weder existiert der Vollendete, noch existiert er nicht nach dem Tode, dies ist wahr, alles andere ist töricht."

28. "Warum, Verehrungswürdiger, lässt der ehrwürdige Erhabene die Fragen unerklärt?" – "Dies, Poṭṭhapāda, führt nicht zum Heil, führt nicht zur Wahrheit, nicht zum Urreinheitswandel, führt nicht zum Überdruss, nicht zur Leidenschaftslosigkeit, nicht zum Aufhören, nicht zur Ruhe, nicht zum Verständnis, nicht zum Erwa-chen, nicht zum Nirvana. Daher lasse ich diese Fragen unerklärt."

29. "Was aber erklärt der verehrungswürdige Erhabene?" – "Dies ist das Leiden – dies, Poṭṭhapāda, wird von mir erklärt. Dies ist die Entstehung des Leiden .... Dies ist die Aufhebung des Leidens .... Dies ist die zur Aufhebung des Leidens führende Vorgehensweise – dies, Poṭṭhapāda, wird von mir erklärt."

30. "Warum hat der verehrungswürdige Erhabene dies erklärt?" – "Dies Poṭṭhapāda führt zum Heil, führt zur Wahrheit, zum Urreinheitswandel, führt zum Überdruss, zur Leidenschaftslosigkeit, zum Aufhören, zur Ru-he, zum Verständnis, zum Erwachen, zum Nirvana. Daher erkläre ich diese Fragen." – "So ist es, Erhabener, so ist es Sugata. Was der verehrungswürdige Erhabene meint, das jetzt die rechte Zeit zu tun ist, das möge er tun." Da stand der Erhabene vom Sitz auf und ging fort.

31. Als der Erhabene noch nicht lange fortgegangen war, haben jene Wanderasketen den Wanderasketen Poṭṭhapāda von allen Seiten mit einem Wortschwall überschüttet: "Also findet der Wanderasket Poṭṭhapāda alles, was der Asket Gotama sagt gut (indem er sagt): ‚So ist es, Erhabener, so ist es Sugata.' Wir haben von dem Asketen Gotama nicht irgendeinen mit Bestimmtheit gelehrten Sachverhalt gehört (nämlich): Die Welt ist ewig, die Welt ist nicht ewig, die Welt hat ein Ende, die Welt hat kein Ende, Körper und Seele sind das gleiche, Körper und Seele sind getrennt, der Vollendete existiert nach dem Tode, der Vollen-dete existiert nicht nach dem Tode, der Vollendete existiert und existiert nicht nach dem Tode, weder existiert der Vollendete noch existiert er nicht nach dem Tode." Als dies gesagt wurde, sagte der Wanderasket Poṭṭhapāda Folgendes: "Auch ich, ihr Herren, habe von dem Asketen Gotama nicht irgendeinen mit Bestimmtheit gelehrten Sachverhalt gehört (nämlich): Die Welt ist ewig, die Welt ist nicht ewig, die Welt hat ein Ende, die Welt hat kein Ende, Körper und Seele sind das gleiche, Körper und Seele sind getrennt, der Vollendete existiert nach dem Tode, der Vollendete existiert nicht nach dem Tode, der Vollendete existiert und existiert nicht nach dem Tode, weder existiert der Vollendete noch existiert er nicht nach dem Tode, aber der Asket Gotama erklärt die wirkli-che, wahre, reale Vorgehensweise, gestützt auf die Wahrheit, der Wahrheit gemäß. Wenn einer die wirkliche, wahre, reale Vorgehensweise, (zum Erreichen des Ziels) gestützt auf die Wahrheit, der Wahrheit gemäß verkün-det, wie kann dann ein Verständiger wie ich das vom Asketen Gotama gut Dargelegte nicht anerkennen?"

32. Dann, nachdem zwei oder drei Tage vergangen waren, sind der Elefantenhüter Citta und der Wanderasket Poṭṭhapāda zum Erhabenen gekommen. Dort hat der Elefantenhüter Citta den Erhabenen verehrt und sich beisei-te niedergesetzt. Der Wanderasket Poṭṭhapāda, nachdem er den Erhabenen begrüßt hatte und freundliche Worte gewechselt hatte, setzte sich beiseite nieder. Beiseite sitzend sagte der Wanderasket Poṭṭhapāda dem Erhabenen Folgendes: "Damals haben, Verehrungswürdiger, jene Wanderasketen, als der Erhabene noch nicht lange fortgegangen war, mich von allen Seiten mit einem Wortschwall überschüttet: ‚Also findet der Wanderas-ket Poṭṭhapāda alles, was der Asket Gotama sagt gut (indem er sagt): ‚So ist es, Erhabener, so ist es Sugata.' Wir haben von dem Asketen Gotama nicht irgendeinen mit Bestimmtheit gelehrten Sachverhalt gehört (nämlich): Die Welt ist ewig, die Welt ist nicht ewig, die Welt hat ein Ende, die Welt hat kein Ende, Körper und Seele sind das gleiche, Körper und Seele sind getrennt, der Vollendete existiert nach dem Tode, der Vollen-dete existiert nicht nach dem Tode, der Vollendete existiert und existiert nicht nach dem Tode, weder existiert der Vollendete noch existiert er nicht nach dem Tode.' Als dies gesagt wurde, sagte ich Folgendes: ‚Auch ich, ihr Herren, habe von dem Asketen Gotama nicht irgendeinen mit Bestimmtheit gelehrten Sachverhalt gehört (nämlich): Die Welt ist ewig, die Welt ist nicht ewig, die Welt hat ein Ende, die Welt hat kein Ende, Körper und Seele sind das gleiche, Körper und Seele sind getrennt, der Vollendete existiert nach dem Tode, der Vollendete existiert nicht nach dem Tode, der Vollendete existiert und existiert nicht nach dem Tode, weder existiert der Vollendete noch existiert er nicht nach dem Tode, aber der Asket Gotama erklärt die wirkliche, wahre, reale Vorgehensweise, gestützt auf die Wahrheit, der Wahrheit gemäß. Wenn einer die wirkliche, wahre, reale Vorge-hensweise, gestützt auf die Wahrheit, der Wahrheit gemäß verkündet, wie kann dann ein Verständiger wie ich das vom Asketen Gotama gut Dargelegte nicht gut finden?'"

33. "Alle diese Wanderasketen, Poṭṭhapāda, sind blind und augenlos. Du bist der einzige Augen Habende. Ich habe ja, Poṭṭhapāda, einige Dinge mit aller Bestimmtheit gelehrt und erklärt, andere Dinge habe ich unbestimmt gelassen. Welche Dinge, Poṭṭhapāda, habe ich unbestimmt gelassen und nicht erklärt? Die Welt ist ewig, das ist ein Ding, Poṭṭhapāda, das ich unbestimmt gelassen habe. Die Welt ist nicht ewig ... die Welt hat ein Ende ... die Welt hat kein Ende ... Körper und Seele sind das gleiche ... Körper und Seele sind getrennt ... der Vollendete existiert nach dem Tode ... der Vollendete existiert nicht nach dem Tode ... der Vollendete existiert und existiert nicht nach dem Tode ... weder existiert der Vollendete noch existiert er nicht nach dem Tode, das ist ein Ding, Poṭṭhapāda, das ich unbestimmt gelassen habe. Und warum, Poṭṭhapāda, habe ich diese Dinge als unbe-stimmt gelassen erklärt? Diese, Poṭṭhapāda, führen nicht zum Heil, führen nicht zur Wahrheit, nicht zum Ur-reinheitswandel, führen nicht zum Überdruss, nicht zur Leidenschaftslosigkeit, nicht zum Aufhören, nicht zur Ruhe, nicht zum Verständnis, nicht zum Erwachen, nicht zum Nirvana. Daher habe ich diese Dinge als unbestimmt gelassen erklärt. Welche Dinge, Poṭṭhapāda, habe ich mit aller Bestimmtheit gelehrt? ‚Dies ist das Leiden' – dies, Poṭṭhapāda, wird von mir mit aller Bestimmtheit erklärt. ‚Dies ist die Entstehung des Leidens' .... .Dies ist die Aufhebung des Leidens' .... .Dies ist die zur Aufhebung des Leidens führende Vor-gehensweise' – dies, Poṭṭhapāda, wird von mir mit aller Bestimmtheit erklärt. Warum, Poṭṭhapāda, habe ich dies mit Bestimmtheit erklärt? Dies, Poṭṭhapāda, führt zum Heil, führt zur Wahrheit, zum Urreinheitswan-del, führt zum Überdruss, zur Leidenschaftslosigkeit, zum Aufhören, zur Ruhe, zum Verständnis, zum Er-wachen, zum Nirvana. Daher habe ich diese Dinge mit Bestimmtheit erklärt.

34. Es gibt, Poṭṭhapāda, einige Asketen und Brahmanen, die lehren so, die haben solche Ansichten: ‚Das Selbst hat völliges Wohl nach dem Tode, ist genesen.' Zu denen ging ich und sagte Folgendes: ‚Ist es wahr, wie man sagt, die Ehrwürdigen lehren so, haben solche Ansichten: ‚Das Selbst hat völliges Wohl nach dem Tode, ist genesen'? Von mir so befragt antworteten sie mit: ‚Ja.' Dann sagte ich Folgendes: ‚Verweilen die Ehrwürdigen in der Welt völliges Wohl wahrnehmend und erfahrend?' So befragt sagten sie: ‚Nein.' Da-raufhin sagte ich Folgendes: ‚Können sich die Ehrwürdigen vorstellen, das Selbst eine Nacht, einen Tag, eine halbe Nacht, einen halben Tag als völlig Wohl zu empfinden?' So befragt sagten sie: ‚Nein.' Daraufhin sagte ich Folgendes: ‚Wissen die Ehrwürdigen: Dies ist der Weg, dies ist die Vorgehensweise, um das völli-ge Wohl in der Welt zu verwirklichen?' So befragt sagten sie: ‚Nein.' Daraufhin sagte ich Folgendes: ‚Hörtet ihr Ehrwürdigen die Gottheiten, die das völlige Wohl in dieser Welt erlangt haben sagen: ‚Um das völlige Wohl in der Welt zu erlangen, ihr Herren, seid ihr auf dem guten Wege, seid ihr auf dem geraden Wege. Auch wir, ihr Herren, haben mit diesem Wege das völlige Wohl in der Welt erlangt'?' So befragt sagten sie: ‚Nein.' Was meinst du, Poṭṭhapāda, wenn das so wäre, sprächen dann die Asketen und Brahmanen nicht widersprüchliche Worte?" - "Jawohl, Verehrungswürdiger, diese Asketen und Brahmanen sprächen dann widersprüchliche Worte [4]."

35. "Genauso wie, Poṭṭhapāda, wenn ein Mensch so sprechen würde: ‚Ich wünsche und begehre aus die-sem Land die Schönste des Landes.' Diesem würde man Folgendes sagen: ‚Mein lieber Mensch, wenn du die Schönste aus diesem Land wünschst und begehrst, weißt du ob sie aus der Fürstenkaste, aus der Brahmanenkaste, aus der Bürger-Kaste oder aus der Diener-Kaste ist?' So befragt würde er ‚nein' sagen. Dann würde man ihm Folgendes sagen: ‚Mein lieber Mensch, wenn du die Schönste aus diesem Land wünschst und begehrst, weißt du wie sie heißt, aus welcher Sippe sie ist, ob sie groß, klein oder mittel-groß ist, dunkel, hell oder mittelbraun ist, in welchem Dorf, Kleinstadt oder Stadt sie wohnt?' So befragt würde er ‚nein' sagen. Dann würde man ihm Folgendes sagen: ‚Mein lieber Mensch, was du nicht kennst und nicht siehst, wieso wünschst und begehrst du das?' So befragt würde er ‚ja' sagen. Was meinst du, Poṭṭhapāda, spräche dann nicht dieser Mensch widersprüchliche Worte?" – "Jawohl, Verehrungswürdiger, dieser Mensch spräche dann widersprüchliche Worte."

36. Ebenso auch, Poṭṭhapāda, einige Asketen und Brahmanen, die so lehren, die solche Ansichten haben: ‚Das Selbst hat völliges Wohl nach dem Tode, ist genesen.' Zu denen ging ich und sagte Folgendes: ‚Ist es wahr, wie man sagt, die Ehrwürdigen lehren so, haben solche Ansichten: ‚Das Selbst hat völliges Wohl nach dem Tode, ist genesen'? So von mir befragt antworteten sie mit: ‚Ja.' Daraufhin sagte ich Folgendes: ‚Verweilen die Ehrwürdigen in der Welt völliges Wohl wahrnehmend und erfahrend?' So befragt sagten sie: ‚Nein.' Daraufhin sagte ich Folgendes: ‚Können sich die Ehrwürdigen vorstellen das Selbst eine Nacht, einen Tag, eine halbe Nacht, einen halben Tag als völlig Wohl zu empfinden?' So befragt sagten sie: ‚Nein.' Daraufhin sagte ich Folgendes: ‚Wissen die Ehrwürdigen: Dies ist der Weg, dies ist die Vorgehensweise, um das völlige Wohl in der Welt zu verwirklichen?' So befragt sagten sie: ‚Nein.' Daraufhin sagte ich Fol-gendes: ‚Hörtet ihr Ehrwürdigen die Gottheiten, die das völlige Wohl in dieser Welt erlangt haben sagen: ‚Um das völlige Wohl in der Welt zu erlangen, ihr Herren, seid ihr auf dem guten Wege, seid ihr auf dem geraden Wege. Auch wir, ihr Herren, haben mit diesem Wege das völlige Wohl in der Welt erlangt'?' So befragt sagten sie: ‚Nein.' Was meinst du, Poṭṭhapāda, wenn das so ist, sprechen dann die Asketen und Brahmanen nicht widersprüchliche Worte?" - "Jawohl, Verehrungswürdiger, diese Asketen und Brahma-nen sprächen dann widersprüchliche Worte."

37. Genauso wie, Poṭṭhapāda, wenn ein Mensch an der Kreuzung zweier Straßen eine Freitreppe bauen würde, um in einen Palast hinaufgehen zu können. Dem würde man Folgendes sagen: ‚Mein lieber Mensch, der Palast, für den du die Freitreppe baust, steht er im Osten, im Westen, im Norden oder im Süden, ist er hoch, niedrig oder mittelgroß?' So befragt würde er ‚nein' sagen. Dem würde man Folgendes sagen: ‚Mein lieber Mensch, wenn du das nicht weißt, warum baust du dann eine Freitreppe um in einen Palast hinauf-gehen zu können?' So befragt würde er ‚ja' sagen. Was meinst du, Poṭṭhapāda, spräche dann nicht dieser Mensch widersprüchliche Worte?" – "Jawohl, Verehrungswürdiger, dieser Mensch spräche dann wider-sprüchliche Worte."

38. Ebenso auch, Poṭṭhapāda, einige Asketen und Brahmanen, die so lehren, die solche Ansichten haben: ‚Das Selbst hat völliges Wohl nach dem Tode, ist genesen.' Zu denen ging ich und sagte Folgendes: ‚Ist es wahr, wie man sagt, die Ehrwürdigen lehren so, haben solche Ansichten: ‚Das Selbst hat völliges Wohl nach dem Tode, ist genesen'? So von mir befragt antworteten sie mit: ‚Ja.' Daraufhin sagte ich Folgendes: ‚Verweilen die Ehrwürdigen in der Welt völliges Wohl wahrnehmend und erfahrend?' So befragt sagten sie: ‚Nein.' Daraufhin sagte ich Folgendes: ‚Können sich die Ehrwürdigen vorstellen, das Selbst eine Nacht, einen Tag, eine halbe Nacht, einen halben Tag als völlig Wohl zu empfinden?' So befragt sagten sie: ‚Nein.' Daraufhin sagte ich Folgendes: ‚Wissen die Ehrwürdigen: Dies ist der Weg, dies ist die Vorgehensweise, um das völlige Wohl in der Welt zu verwirklichen?' So befragt sagten sie: ‚Nein.' Daraufhin sagte ich Fol-gendes: ‚Hörtet ihr Ehrwürdigen die Gottheiten, die das völlige Wohl in dieser Welt erlangt haben, sagen: ‚Um das völlige Wohl in der Welt zu erlangen, ihr Herren, seid ihr auf dem guten Wege, seid ihr auf dem geraden Wege. Auch wir, ihr Herren, haben mit diesem Wege das völlige Wohl in der Welt erlangt'?' So befragt sagten sie: ‚Nein.' Was meinst du, Poṭṭhapāda, wenn das so ist, sprechen dann die Asketen und Brahmanen nicht widersprüchliche Worte?" - "Jawohl, Verehrungswürdiger, diese Asketen und Brahma-nen sprächen dann widersprüchliche Worte."

39. Drei Arten von Aneignung eines Selbst, Poṭṭhapāda, gibt es, nämlich die Aneignung eines grobstoffli-chen Selbst, die Aneignung eines aus Geist bestehenden Selbst, die Aneignung eines gestaltlosen Selbst. Was ist, Poṭṭhapāda, die Aneignung eines grobstofflichen Selbst? Es ist gestalthaft, aus den vier Elementen bestehend, feste Nahrung zu sich nehmend. Dies ist die Aneignung eines grobstofflichen Selbst. Was ist die Aneignung eines aus Geist bestehenden Selbst? Es ist gestalthaft mit allen Haupt- und Nebengliedern und allen (Sinnes)funktionen. Dies ist die Aneignung eines aus Geist bestehenden Selbst. Was ist die Aneignung eines gestaltlosen Selbst? Es ist gestaltlos, aus bewusster Wahrnehmung bestehend. Dies ist die Aneignung eines gestaltlosen Selbst.

40. Ich aber, Poṭṭhapāda verkünde die Lehre vom Aufgeben des grobstofflichen Selbst. Deren Befolgung besei-tigt alle befleckenden Dinge, vermehrt die reinigenden Dinge. Schon in diesem Leben verweilt man durch eigene höhere geistige Kräfte, die Vermehrung und Vervollkommnung der Weisheit erreicht habend. Es könnte sein, Poṭṭhapāda, dass dir folgender Gedanke kommt: Wenn alle befleckenden Dinge beseitigt, die reinigenden Dinge vermehrt sind und man schon in diesem Leben die Vermehrung und Vervollkommnung der Weisheit durch eige-ne höhere geistige Kräfte erreicht habend verweilt, dann ist dies immer noch ein leidvolles Verweilen. So, Poṭṭhapāda, sollte man das aber nicht sehen. Wenn alle befleckenden Dinge beseitigt, die reinigenden Dinge vermehrt sind und man schon in diesem Leben die Vermehrung und Vervollkommnung der Weisheit durch eige-ne höhere geistige Kräfte erreicht habend verweilt, dann entsteht eine Frohgestimmtheit, Freude, Gestilltheit, Achtsamkeit und Klarbewusstheit, das aber ist ein glückliches Verweilen.

41. Ich aber, Poṭṭhapāda verkünde die Lehre vom Aufgeben des aus Geist bestehenden Selbst. Deren Befolgung beseitigt alle befleckenden Dinge, vermehrt die reinigenden Dinge. Schon in diesem Leben verweilt man durch eigene höhere geistige Kräfte die Vermehrung und Vervollkommnung der Weisheit erreicht habend. Es könnte sein, Poṭṭhapāda, dass dir folgender Gedanke kommt: Wenn alle befleckenden Dinge beseitigt, die reinigenden Dinge vermehrt sind und man schon in diesem Leben die Vermehrung und Vervollkommnung der Weisheit durch eigene höhere geistige Kräfte erreicht habend verweilt, dann ist dies immer noch ein leidvolles Verweilen. So, Poṭṭhapāda, sollte man das aber nicht sehen. Wenn alle befleckenden Dinge beseitigt, die reinigenden Dinge vermehrt sind und man schon in diesem Leben die Vermehrung und Vervollkommnung der Weisheit durch eige-ne höhere geistige Kräfte erreicht habend verweilt, dann entsteht eine Frohgestimmtheit, Freude, Gestilltheit, Achtsamkeit und Klarbewusstheit, das aber ist ein glückliches Verweilen.

42. Ich aber, Poṭṭhapāda verkünde die Lehre vom Aufgeben des gestaltlosen Selbst Deren Befolgung beseitigt alle befleckenden Dinge, vermehrt die reinigenden Dinge. Schon in diesem Leben verweilt man durch eigene höhere geistige Kräfte die Vermehrung und Vervollkommnung der Weisheit erreicht habend. Es könnte sein, Poṭṭhapāda, dass dir folgender Gedanke kommt: Wenn alle befleckenden Dinge beseitigt, die reinigenden Dinge vermehrt sind und man schon in diesem Leben die Vermehrung und Vervollkommnung der Weisheit durch eige-ne höhere geistige Kräfte erreicht habend verweilt, dann ist dies immer noch ein leidvolles Verweilen. So, Poṭṭhapāda, sollte man das aber nicht sehen. Wenn alle befleckenden Dinge beseitigt, die reinigenden Dinge vermehrt sind und man schon in diesem Leben die Vermehrung und Vervollkommnung der Weisheit durch eige-ne höhere geistige Kräfte erreicht habend verweilt, dann entsteht eine Frohgestimmtheit, Freude, Gestilltheit, Achtsamkeit und Klarbewusstheit, das aber ist ein glückliches Verweilen.

43. Wenn mich andere, Poṭṭhapāda, fragen würden: ‚Wie ist, Bruder, die Aneignung des grobstofflichen Selbst, von dessen Aufgeben du die Lehre verkündest, deren Befolgung alle befleckenden Dinge beseitigt, die reinigen-den Dinge vermehrt. In der man schon in diesem Leben die Vermehrung und Vervollkommnung der Weisheit durch eigene höhere geistige Kräfte erreicht habend verweilt?' Von denen so befragt würde ich folgendermaßen erklären: ‚Dies eben, Brüder, ist die Aneignung des grobstofflichen Selbst von dessen Aufgeben ich die Lehre verkünde, deren Befolgung alle befleckenden Dinge beseitigt, die reinigenden Dinge vermehrt. Schon in diesem Leben die Vermehrung und Vervollkommnung der Weisheit durch eigene höhere geistige Kräfte erreicht habend verweilt man darin.

44. Wenn mich andere, Poṭṭhapāda, fragen würden: ‚Wie ist, Bruder, die Aneignung des aus Geist bestehenden, von dessen Aufgeben du die Lehre verkündest, deren Befolgung alle befleckenden Dinge beseitigt, die reinigen-den Dinge vermehrt. In der man schon in diesem Leben die Vermehrung und Vervollkommnung der Weisheit durch eigene höhere geistige Kräfte erreicht habend verweilt?' Von denen so befragt würde ich folgendermaßen erklären: ‚Dies eben, Brüder, ist die Aneignung des grobstofflichen Selbst von dessen Aufgeben ich die Lehre verkünde, deren Befolgung alle befleckenden Dinge beseitigt, die reinigenden Dinge vermehrt. Schon in diesem Leben die Vermehrung und Vervollkommnung der Weisheit durch eigene höhere geistige Kräfte erreicht habend verweilt man darin.

45. Wenn mich andere, Poṭṭhapāda, fragen würden: ‚Wie ist, Bruder, die Aneignung des gestaltlosen, von dessen Aufgeben du die Lehre verkündest, deren Befolgung alle befleckenden Dinge beseitigt, die reinigenden Dinge vermehrt. In der man schon in diesem Leben die Vermehrung und Vervollkommnung der Weisheit durch eigene höhere geistige Kräfte erreicht habend verweilt?' Von denen so befragt würde ich folgendermaßen erklären: ‚Dies eben, Brüder, ist die Aneignung des grobstofflichen Selbst von dessen Aufgeben ich die Lehre verkünde, deren Befolgung alle befleckenden Dinge beseitigt, die reinigenden Dinge vermehrt. Schon in diesem Leben die Vermehrung und Vervollkommnung der Weisheit durch eigene höhere geistige Kräfte erreicht habend verweilt man darin. Was meinst du, Poṭṭhapāda, wenn das so wäre, spräche man dann wohl begründete Worte?" - "Jawohl, Verehrungswürdiger, man spräche dann wohl begründete Worte."

46. Genauso wie, Poṭṭhapāda, wenn ein Mensch am Fuße eines Palastes eine Freitreppe bauen würde, um in einen Palast hinaufgehen zu können. Dem würde man Folgendes sagen: ‚Mein lieber Mensch, der Palast, für den du die Freitreppe baust, steht er im Osten, im Westen, im Norden oder im Süden, ist er hoch, nied-rig oder mittelgroß?' So befragt würde er sagen: ‚Dies hier ist eben der Palast zu dem ich eine Freitreppe bauen werde, um vom Fuße des Palastes in den Palast hinaufgehen zu können.' Was meinst du, Poṭṭhapāda, spräche dann nicht dieser Mensch wohl begründete Worte?" – "Jawohl, Verehrungswürdiger, dieser Mensch spräche wohl begründete Worte."[5]

47. "Genauso, Poṭṭhapāda, wenn die Anderen mich fragen würden: ‚Wie ist, Bruder, die Aneignung des grob-stofflichen Selbst, ... des aus Geist bestehenden Selbst, ... des gestaltlosen Selbst, von dessen Aufgeben du die Lehre verkündest, deren Befolgung alle befleckenden Dinge beseitigt, die reinigenden Dinge vermehrt. In der man schon in diesem Leben die Vermehrung und Vervollkommnung der Weisheit durch eigene höhere geistige Kräfte erreicht habend verweilt?' Von denen so befragt, würde ich folgendermaßen erklären: ‚Dies eben, Brüder, ist die Aneignung des grobstofflichen Selbst von dessen Aufgeben ich die Lehre verkünde, deren Befolgung alle befleckenden Dinge beseitigt, die reinigenden Dinge vermehrt. Schon in diesem Leben die Vermehrung und Vervollkommnung der Weisheit durch eigene höhere geistige Kräfte erreicht habend verweilt man darin. Was meinst du, Poṭṭhapāda, wenn das so wäre, spräche man dann wohl begründete Worte?" - "Jawohl, Vereh-rungswürdiger, man spräche dann wohl begründete Worte."

48. Als dies gesagt wurde, sagte der Elefantenhüter Citta dem Erhabenen Folgendes: "Zu der Zeit, Verehrungs-würdiger, wenn man die grobstoffliche Aneignung des Selbst hat, sind dann die Aneignung des aus Geist beste-henden und des gestaltlosen Selbst falsch (und nicht vorhanden). Ist dann zu der Zeit nur die grobstoffliche An-eignung des Selbst für ihn wirklich? Zu der Zeit, Verehrungswürdiger, wenn man die aus Geist bestehende An-eignung des Selbst hat, sind dann die Aneignung des grobstofflichen und des gestaltlosen Selbst falsch (und nicht vorhanden). Ist dann zu der Zeit nur die aus Geist bestehende Aneignung des Selbst für ihn wirklich. Zu der Zeit, Verehrungswürdiger, wenn man die gestaltlose Aneignung des Selbst hat, sind dann die Aneignung des grobstofflichen und des aus Geist bestehenden Selbst falsch (und nicht vorhanden). Ist dann zu der Zeit nur die gestaltlose Aneignung des Selbst für ihn wirklich?"

49. "Zu einer Zeit, Citta, wenn man die Aneignung des grobstofflichen Selbst hat, zu der Zeit kann man es weder die aus Geist bestehende, noch die gestaltlose Aneignung des Selbst nennen, zu dieser Zeit kann man es nur die Aneignung des grobstofflichen Selbst nennen. Zu einer Zeit, Citta, wenn man die Aneignung des aus Geist be-stehenden Selbst hat, zu der Zeit kann man es weder die grobstoffliche, noch die gestaltlose Aneignung des Selbst nennen, zu dieser Zeit kann man es nur die Aneignung des aus Geist bestehenden Selbst nennen. Zu einer Zeit, Citta, wenn man die Aneignung des gestaltlosen Selbst hat, zu der Zeit kann man es weder die aus Geist bestehende, noch die grobstoffliche Aneignung des Selbst nennen, zu der Zeit kann man es nur die Aneignung des gestaltlosen Selbst nennen.

Wenn man, Citta, dich Folgendes fragen würde: ‚Warst du in der Vergangenheit? Warst du nicht in der Vergan-genheit ? Wirst du in der Zukunft sein? Wirst du nicht in der Zukunft sein? Bist du in der Gegenwart? Bist du nicht in der Gegenwart?' So befragt, Citta, was würdest du antworten?" – "Wenn man, Verehrungswürdiger, mich Folgendes fragen würde: ‚Warst du in der Vergangenheit? Warst du nicht in der Vergangenheit? Wirst du in der Zukunft sein? Wirst du nicht in der Zukunft sein? Bist du in der Gegenwart? Bist du nicht in der Gegen-wart?' So befragt, Verehrungswürdiger, würde ich Folgendes antworten:‚Ich war in der Vergangenheit, nicht war ich nicht in der Vergangenheit. Ich werde in der Zukunft sein, nicht werde ich nicht sein in der Zukunft. Ich bin in der Gegenwart, nicht bin ich nicht in der Gegenwart.' So befragt, Verehrungswürdiger, würde ich so ant-worten."

50. "Wenn man, Citta, dich Folgendes fragen würde: Die Aneignung des Selbst in der Vergangenheit, ist denn nur diese Aneignung des Selbst wahr, falsch die zukünftige, falsch die gegenwärtige. Die Aneignung des Selbst in der Zukunft, ist denn nur diese Aneignung des Selbst wahr, falsch die vergangene, falsch die gegenwärtige. Die Aneignung des Selbst in der Gegenwart, ist denn nur diese Aneignung des Selbst wahr, falsch die vergange-ne, falsch die zukünftige?' So befragt, Citta, was würdest du antworten?" – "Wenn man, Verehrungswürdiger, mich Folgendes fragen würde: Die Aneignung des Selbst in der Vergangenheit, ist denn nur diese Aneignung des Selbst wahr, falsch die zukünftige, falsch die gegenwärtige. Die Aneignung des Selbst in der Zukunft, ist denn nur diese Aneignung des Selbst wahr, falsch die vergangene, falsch die gegenwärtige. Die Aneignung des Selbst in der Gegenwart, ist denn nur diese Aneignung des Selbst wahr, falsch die vergangene, falsch die zukünftige?' So befragt, Verehrungswürdiger, würde ich Folgendes antworten: ‚Die Aneignung des Selbst in der Vergangen-heit war zu jener Zeit wahr, falsch die zukünftige, falsch die gegenwärtige. Die Aneignung des Selbst in der Zukunft wird zu jener Zeit wahr sein, falsch die vergangene, falsch die gegenwärtige. Die Aneignung des Selbst in der Gegenwart ist zu dieser Zeit wahr, falsch die vergangene, falsch die zukünftige.' So befragt, Verehrungs-würdiger, würde ich so antworten."

51. "In dieser Weise (ist es zu verstehen), Citta. Wenn man die Aneignung des grobstofflichen Selbst hat, zu der Zeit kann man es weder die aus Geist bestehende, noch die gestaltlose Aneignung des Selbst nennen, zu dieser Zeit kann man es nur die Aneignung des grobstofflichen Selbst nennen. Zu einer Zeit, Citta, wenn man die An-eignung des aus Geist bestehenden Selbst hat, zu der Zeit kann man es weder die grobstoffliche, noch die gestalt-lose Aneignung des Selbst nennen, zu dieser Zeit kann man es nur die Aneignung des aus Geist bestehenden Selbst nennen. Zu einer Zeit, Citta, wenn man die Aneignung des gestaltlosen Selbst hat, zu der Zeit kann man es weder die aus Geist bestehende, noch die grobstoffliche Aneignung des Selbst nennen, zu der Zeit kann man es nur die Aneignung des gestaltlosen Selbst nennen.

52. Das ist, Citta, wie von der Kuh die Milch kommt, aus der Milch wird saure Sahne, aus der sauren Sahne wird Butter, aus der Butter wird zerlassene Butter, aus der zerlassenen Butter wird geklärte Butter. Zu der Zeit, wo es Milch ist, kann man es weder saure Sahne, noch Butter, noch zerlassene Butter, noch geklärte Butter nennen, zu der Zeit kann man es nur Milch nennen. Zu der Zeit, wo es saure Sahne ist ...... Zu der Zeit, wo es Butter ist, ...... Zu der Zeit, wo es zerlassene Butter ist, .... Zu der Zeit, wo es geklärte Butter ist, kann man es weder Milch, noch saure Sahne, noch Butter, noch zerlassene Butter nennen, zu der Zeit kann man es nur geklärte Butter nennen.

53. In dieser Weise (ist es zu verstehen), Citta. Wenn man die Aneignung des grobstofflichen Selbst hat, zu der Zeit kann man es weder die aus Geist bestehende, noch die gestaltlose Aneignung des Selbst nennen, zu dieser Zeit kann man es nur die Aneignung des grobstofflichen Selbst nennen. Zu einer Zeit, Citta, wenn man die An-eignung des aus Geist bestehenden Selbst hat, zu der Zeit kann man es weder die grobstoffliche, noch die gestalt-lose Aneignung des Selbst nennen, zu dieser Zeit kann man es nur die Aneignung des aus Geist bestehenden Selbst nennen. Zu einer Zeit, Citta, wenn man die Aneignung des gestaltlosen Selbst hat, zu der Zeit kann man es weder die aus Geist bestehende, noch die grobstoffliche Aneignung des Selbst nennen, zu der Zeit kann man es nur die Aneignung des gestaltlosen Selbst nennen. Aber dies sind nur weltliche Benennungen, weltliche Defini-tionen, weltliche Ausdrücke, weltliche Erklärungen mit denen der Vollendete sich ausdrückt, aber er hängt nicht an den Begriffen."

54. Als dies gesagte wurde, sagte der Wanderasket Poṭṭhapāda Folgendes: "Sehr, sehr gut, Verehrungswürdiger, wie wenn (man) etwas Umgedrehtes richtig hinstellen würde oder etwas Verdecktes aufdecken würde oder ei-nem Verirrten den Weg zeigen würde oder wie wenn man in der Dunkelheit eine Öllampe hinhalten würde, damit, wer Augen hat, die Gestalten sieht, genauso hat der Erhabene auf verschiedene Weise die Lehre verkün-det. Ich, Erhabener, nehme meine Zuflucht zum Erhabenen, zur Lehre als auch zur Gemeinde. Als Laienanhä-nger möge mich der Erhabene annehmen, der von heute bis zum Lebensende die Zuflucht genommen hat."

55. Da sagte der Elefantenhüter Citta Folgendes: "Sehr, sehr gut, Verehrungswürdiger, wie wenn (man) etwas Umgedrehtes richtig hinstellen würde oder etwas Verdecktes aufdecken würde oder einem Verirrten den Weg zeigen würde oder wie wenn man in der Dunkelheit eine Öllampe hinhalten würde, damit, wer Augen hat, die Gestalten sieht, genauso hat der Erhabene auf verschiedene Weise die Lehre verkündet. Ich, Erhabener, nehme meine Zuflucht zum Erhabenen, zur Lehre als auch zur Gemeinde. Bekommen möchte ich, Erhabener, die Ordi-nation, bekommen die Vollordination."

56. Es erhielt der Elefantenhüter Citta beim Erhabenen die Ordination und die Vollordination. Nicht lange da-nach hatte der ehrwürdige Citta allein, abgeschieden, nicht nachlässig, eifrig, energisch verweilt. Nach nicht langer Zeit hatte er, zu welchem Zweck Söhne aus guten Familien in richtiger Weise vom Haus in die Hauslo-sigkeit ziehen, das Ziel des unübertroffenen Reinheitswandels in diesem Leben durch seine höheren geistigen Kräfte selbst verstanden und verwirklicht. So verweilte er: 'Vernichtet ist die Geburt, vollbracht der Reinheits-wandel, das zu Tuende getan, nichts ist mehr nach diesem', so wusste er. Einer von den Heiligen war der ehr-würdige Elefantenhüter Citta geworden.

Die Lehrrede an Poṭṭhapāda.


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[1] Pāli: saññā, der Begriff beinhaltet mehr das: für wahr halten.
[2] viññānañcāyatana
[3] Art und Weisen sie zu erreichen.
[4] Dieser Satz ist nicht in allen Manuskripten enthalten.
[5] Der Erwachte will damit sagen, dass er nicht von einem Selbst spricht, das in der Zukunft erlebt wird, sondern das hier und jetzt vorhanden ist.
[6] In der wortwörtlichen Übersetzung: warst du nicht, nicht in der Vergangenheit etc.