Sind die Nonnenregeln geheim?

15 Sep 2002

Comments

Hallo, eine wirklich ausführliche Seite über den Buddhismus, zu dem ich mich sehr hingezogen fühle. Leider finde ich auch hier nicht die Regeln der Nonnen. Sind diese geheim? Ich möchte mich obwohl ich noch nicht viel weiß gerne an möglichst viele Regeln halten.

Biggi


Hallo Biggi,

beim Buddhismus ist nichts geheim, alles ist offen für jedermann. Es ist das Geheimnis des Buddhismus alles offen darzulegen, alles so zu sehen, wie es wirklich ist, unverschleiert, ohne mit Gefühlen und Emotionen überlagert.

Buddha hat auch kein Wissen zurückbehalten, was der Erlösung dient, auch wenn das vielleicht in Mahayana Schriften behauptet wird. Sie finden hier im Palikanon (der Theravadins) alles, was zur Erlösung notwendig ist.

Und was ist dazu notwendig? Es gilt die Körper- und Geistestätigkeiten zu analysieren und zu erkennen, was dahinter steckt, nämlich nichts, alles ist leer, aber das muss ja erst erkannt werden. Das Wissen darüber bringt überhaupt nichts, es muss selbst erkannt, gefühlt, gesehen werden. Um das zu Erkennen hilft nur Geistesschulung, dazu gehört die Einhaltung der Regeln.

 

In erster Linie gilt es die fünf Regeln einzuhalten, die für alle Buddhisten gültig sind, aufgelistet im Buddhistischen Wörterbuch unter sikkhāpada. Für einen Vipassana Meditation Übenden gelten die acht Sittenregeln.

Die Regeln für Mönche und Nonnen beginnen mit den Pārājika Regeln, die bei Übertretung zum Ausstoß aus dem Orden führen.

Darauf folgen die sühnbaren Vergehen und die Schulungsregeln, die auch bei den Mönchen zu finden sind, siehe Bhikkhu Påṭimokkha, bei den Nonnen sind es ein paar mehr Regeln.

Für Nonnen kommen weitere acht wichtige Regeln (garudhamma) hinzu, es handelt sich dabei um acht Grundsätze, durch deren Anerkennung sich eine Frau erst das Anrecht erwirkt, in den Orden aufgenommen werden zu können, sie sind im Anguttara Nikaya (A.viii.51) und Cullavagga X.1.4 überliefert.

Im Laufe der Jahrzehnte die Buddha lehrte, sind insgesamt 311 Regeln für die Nonnen entstanden und 227 für die Mönche.

Immer wenn eine Situation es erforderte, um den Orden und somit die Lehre zu schützen, erließ Buddha Regeln. Der Orden, d.h. die Mönche und Nonnen waren von der Unterstützung und Versorgung der Laiengemeinde abhängig und wenn ein Benehmen oder Verhalten der Mönche und Nonnen Anstoß in der Laiengemeinde fand, sah Buddha sich gezwungen etwas dagegen zu unternehmen und stellte Regeln auf.

Einige Regeln wurden später von Buddha wieder überarbeitet, weil sich Situationen ergaben bei denen sich herausstellte, dass die Regel nicht für alle angemessen war.


 

Das Einhalten der Regeln alleine, bringt uns allerdings auch nicht weiter, es ist nur das Fundament, auf das wir aufbauen können. Der nächste Schritt ist die Meditation, nur wenn wir uns hinsetzen und achtsam ein- und ausatmen, d.h. genau verfolgen was da an Körper und Geistestätigkeiten abläuft, gelingt es uns irgendwann die Vergänglichkeit, die Wesenslosigkeit und das Leiden (ti-lakkhana) zu durchschauen. Wobei hier nicht nur die Sitzmeditation ausreicht, es gehört auch der Achtsame Gang dazu. Die Konzentration, die beim 'Achtsamen Gang' erreicht werden kann ist stärker und hält länger an, als die Konzentration beim Sitzen (siehe A.v.29). Auch bei den noch übrigen Körperpositionen wie Liegen und Stehen muss die Achtsamkeit aufrechterhalten bleiben. Nichts geht - ohne Schulung der Achtsamkeit, sonst würde jede wiederkäuende Kuh oder vor sich hin-brütende Henne, das Nirwana erreichen, dem ist aber nicht so.

Alles was wir tun, mit dem Körper oder mit dem Geist, muss bewusst getan werden. Jeder Schritt, ja sogar jeder Atemzug muss bewusst erfolgen, wir müssen darüber Bescheid wissen, nichts darf uns entgehen. Wenn wir beständig so üben, wird uns eines Tages die Erkenntnis dieses Daseins durchdringen, wobei der Fortschritt stufenweise erfolgt, vielleicht auch mit einigen Rückschritten verbunden. Im Visuddhi Magga XXI finden sie eine Aufzählung (nicht unbedingt für Anfänger geeignet) von 9 Erkenntnissen (ñāna, siehe pañña)). Im Wat Rampoeng hier in Chiangmai wurde früher eine Liste mit 16 Erkenntnissen (jhāna) den Meditierenden mitgegeben. Inzwischen sieht man davon ab, weil einem dieses Wissen nichts bringt, man muss es selber erfahren.


 

Es gibt ein Buch über die Regeln der Nonnen: Huesken, Ute; Die Vorschriften für die buddhistische Nonnengemeinde im Vinaya-Pitaka der Theravadin. Dietrich Reimer Verlag, Dr. Friedrich Kaufmann, Unter den Eichen 57, 12203 Berlin. ISBN 3-496-02632-4.

Es sollte auch in Bibliotheken vorhanden sein.

Wolfgang


 Home Oben Zum Index Zurueck Voraus