Mahâvamsa: die große Chronik Sri Lankas


verfasst von Mahânama

übersetzt und erläutert von Alois Payer

mailto: payer@hdm-stuttgart.de


Zitierweise / cite as:

Mahânama <6. Jhdt. n. Chr.>: Mahâvamsa: die große Chronik Sri Lankas / übersetzt und erläutert von Alois Payer. -- 0. Einleitung -- Fassung vom 2001-07-17. -- URL: http://www.payer.de/mahavamsa/chronik00.htm. -- [Stichwort].

Erstmals publiziert: 2001-07-17

Überarbeitungen:

Anlass: Lehrveranstaltung, Universität Tübingen, Sommersemester 2001

Unterrichtsmaterialien (gemäß § 46 (1) UrhG)

©opyright: Dieser Text steht der Allgemeinheit zur Verfügung. Eine Verwertung in Publikationen, die über übliche Zitate hinausgeht, bedarf der ausdrücklichen Genehmigung der Herausgeberin.

Dieser Text ist Teil der Abteilung Buddhismus von Tüpfli's Global Village Library

[Die hier vorliegende gekürzte Textfassung enthält aus Platzgründen nur die Übersetzung des Mahâvamsa. Weggelassen wurden die Einleitung und etliche englische Kommentare sowie die im Original zahlreich enthaltenen Abbildungen. Die Zweitveröffentlichung auf dieser Webseite erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers.]


0. Einleitung

"The Sinhala oppressors have recourse to the myths propagated by the Mahâvamsa in order to justify their oppression and killing of the Tamils. This chauvinistic mindset induced by the Mahâvamsa has nothing to do with a genuinely Buddhist culture.

This is why a respected Pali Scholar like the late. Dr. E.W. Adikaram [gest. 1986] remarked after the tragic events of Black July 1983, that the only way of ensuring that there was no repetition of such a tragedy was to burn all the copies of the Mahavamsa."

[M. Thirunavukkarasu: Broken promises. -- http://www.tamilcanadian.com/books/Broken_promises/broken1.htm. -- Zugriff am 2001-07-04]


In

Kindlers neues Literatur-Lexikon [Elektronische Ressource]. -- München: Systhema, 1999. - 1 CD-ROM. -- ISBN 3-634-23231-5

stellt Helmut Hoffmann den Mahâvamsa so vor:

"Mahânâma: DIE GROßE CHRONIK -- MAHÂVAMSA

(pâli.; Die große Chronik). Historisches Epos von Mahânâma, Anfang des 6. Jh.s, verfasst.

Der Mahâvamsa ist neben dem Dîpavamsa (Chronik der Insel) das bedeutendste in Pâli abgefasste historische Epos der Singhalesen. Es zeigt deutlich den Einfluss der literarischen Tätigkeit des großen Kommentators Buddhaghosa: Der trockene und ungeschickte Bericht des Dîpavamsa wird durch eine wohlausgewogene epische Kunstdichtung (kâvya) ersetzt. In den einleitenden Versen bemerkt der Dichter, die »alte Chronik« (unter der wir mit H. Oldenberg wohl den Dîpavamsa verstehen dürfen) sei an manchen Stellen zu breit, an anderen zu kurz gefasst und weise zahlreiche Wiederholungen auf. Neben dem Dîpavamsa hat Mahânâma in seiner Darstellung vermutlich auch die historischen Partien des großen, singhalesisch geschriebenen Kommentarwerks Atthakathâ (Die Sinnerklärung) benutzt.

Ursprünglich endete der Mahâvamsa bei Kapitel 37, Vers 50; wie der Dîpavamsa schloss er mit den Ereignissen der Zeit des Königs Mahâsena (274–301). Die als Geschichtsquelle nicht weniger bedeutsame erste Fortsetzung des Mahâvamsa wurde von einem Dichter namens Dhammakitti verfasst, der zur Zeit des Königs Parakrâmabâhu I (1153–1186) lebte. Eine zweite Fortsetzung reicht bis in die Zeit des Parakrâmabâhu IV (1302–1326) und der abschließende Teil behandelt die Geschichte der Insel bis zur Zeit des Königs Kirtisrirâjasimha (1747–1781).

Der alte von Mahânâma verfasste Mahâvamsa behandelt annähernd die gleiche Epoche wie der Dîpavamsa, doch sind in ihm die religionsgeschichtlichen Berichte durch zahlreiche Anleihen bei der volkstümlichen epischen Literatur ergänzt. So handelt der Mahâvamsa nicht ausschließlich von den religiösen Verdiensten der ceylonesischen Könige, sondern nimmt auch ihre weltlichen Taten, ja sogar alte volkstümliche Sagen und Märchen auf. Ein Beispiel für diese Märchen ist etwa die in Kapitel 6 und 7 berichtete Geschichte des Vijaya, der vom festländischen Indien aus nach zahlreichen Irrfahrten und Abenteuern zur See in Ceylon landet, wo er zum Stammvater der Königsdynastie wird. Seine Erlebnisse mit der Halbgöttin (yakkhinî) Kuvenî hat schon G. Turnour (1837) mit der Geschichte von Odysseus und Kirke verglichen: Hier wie dort werden zuerst die Gefährten des Helden angelockt und verzaubert, und beide Male werden sie am Ende wieder von ihrem Gebieter befreit, der mit der Halbgöttin einen Liebesbund schließt.

Die historische Schilderung im Mahâvamsa ist deutlich um zwei Könige gruppiert: um Devânampiya Tissa (247–207 v. Chr.), unter dessen Regierung Mahinda, der Sohn des Kaisers Asoka, als Missionar nach Ceylon kam, und um Dutthagâmani (161 –137 v. Chr.), der, wie sein Name (der »böse Gâmani«) zeigt, kaum tugendhaft gewesen sein kann, hier aber als Verbreiter der buddhistischen Religion gefeiert wird. Während dem letztgenannten König im Dîpavamsa nur dreizehn Verse gewidmet sind, nimmt das »Dutthagâmani-Epos«, wie es W. Geiger nennt, im Mahâvamsa die Kapitel 22–33 mit insgesamt 861 Versen in Anspruch. Gerade der Stoff dieser Teile der Chronik dürfte aus der alten, volkstümlichen Epik stammen. Dutthagâmani wird nicht nur als Errichter der bedeutendsten buddhistischen Monumente der Hauptstadt Anurâdhapura gefeiert, sondern auch als Befreier der singhalesischen Bevölkerung von der Herrschaft der Damila (Draviden).

Prof. Dr. Helmut Hoffmann"


Ein Werk wie den Mahâvamsa kann man unter vielerlei Aspekten lesen, zum Beispiel:

In unserer Lehrveranstaltung (im Sommersemester 2001 an der Universität Tübingen) liegt der Schwerpunkt auf der Behandlung des Mahâvamsa als traditionsbegründend. Es geht uns also nicht um den historischen Wahrheitsgehalt, sondern darum, was als Geschichte geglaubt und zur Begründung gegenwärtiger Ansprüche, Traditionen, Ideologien usw. verwendet wird. Es geht uns auch nicht um eine historische Dekonstruktion als Ideologiekritik, da ich der Überzeugung bin, dass man sich gar nicht auf Begründungen von Ansprüchen mit über 2000 Jahre zurückliegenden Ereignissen einlassen darf. Man stelle sich unsere Welt vor, wenn alle Gruppierungen mit "Ereignissen" vor 1000 oder 200 Jahren gegenwärtige Herrschafts- oder Gebietsansprüche begründen würden!

Trotz unseres Schwerpunktes auf Tradition, gehe ich in dieser Einleitung auch auf den Mahâvamsa als Literatur und den Mahâvamsa als historische Quelle ein:


Sekundärliteratur (Auswahl)

Anordnung in chronologischer Folge.

Der alte Kommentar (Tîkâ) zum Mahâvamsa, die Vamsatthapakâsinî liegt in mehreren Ausgaben vor:

Vamsatthappakâsinî: commentary on the Mahavamsa / edited for the government of Ceylon by G.P. Malalasekera. -- London: The Pali Text Society; distributed by Routledge and Kegan Paul, 1977. -- 2 Bde. (711 S.). -- (Pali Text Society. Text series: 58-59). -- In Pali (romanisiert). -- "First published 1935. Reprinted 1977."

Vamsatthappakâsinî; nama, mahâvamsatîkâ / padhanasamsodhako bhikhhu Jagadiskassapo; samsodhako Sridhar Vasudev Sohoni. -- Patana: Nava Nalanda Mahavihara, 1971. -- 646 S. -- (Nava-Nalanda-Mahavihara-granthamala). -- In Pali; introduction in English and Hindi.

Vamsatthappakâsinî, Mahâvamsa tîkava: Simhala anuvadaya / Akuratiye Amaravamsa Nahimi, Hemacandra Disanayaka. -- Kolamba: Pali ha Bauddha Adhyayana Pascatupadhi Ayatanaya, Kalaniya Visvavidyalaya, 2537 [1994]. -- 589 S. -- Sinhalese and Pali (Pali in Sinhalese script).

Snyder, Edmund Nathaniel <1863 - >: Der Commentar und die Textüberlieferung des Mahavamsa. -- Berlin, Mayer & Müller, 1891. -- 51 S. -- Zugleich: Leipzig, Universität, Diss.

Geiger, Wilhelm <1856 - 1943>: Dipavamsa und Mahavamsa, die beiden Chroniken der Insel Ceylon. -- Erlangen, Leipzig, 1901. -- 24 S. -- "Sonderabdruck aus der Festschrift der Universität Erlangen zur Feier des achtzigsten Geburtstages Sr. Königlichen Hoheit des Prinzregenten Luitpold von Bayern."

Geiger, Wilhelm <1856-1943>: Dîpavamsa und Mahâvamsa und die geschichtliche Überlieferung in Ceylon. -- Hildesheim: Gerstenberg, 1973. -- 146 S. -- "Reprographischer Nachdruck der Ausgabe Leipzig 1905."

Geiger, Wilhelm <1856 - 1943>: The Dîpavamsa and Mahâvamsa and their historical development in Ceylon. / translated into English by Ethel M. Coomaraswamy ... -- Colombo: Cottle, 1908. -- 129 S.

Geiger, Wilhelm <1856 - 1943>: Kleine Schriften zur Indologie und Buddhismuskunde. / hrsg. von Heinz Bechert. -- Wiesbaden: Steiner, 1973. -- 707 S. -- (Glasenapp-Stiftung, Veröffentlichungen ; Bd. 6)

Mendis, G. C.: The Pali Chronicles of Ceylon. -- In: University of Ceylon Review, 4(1946). -- Nr. 2, S. 1–24

Law, Bimala Churn <1892 - >: On the chronicles of Ceylon. -- Calcutta: Royal Asiatic Society of Bengal, 1947. -- 76 S. -- (Royal Asiatic Society of Bengal monograph series; v. 3)

Buddhadatta, Ambalangoda Povatte <1887 - >: Corrections of Geiger's Mahavamsa, etc.: a collection of monographs. -- Ambalangoda: Ananda, 1957. -- 268 S.

Perera, L. S.: The Pali Chronicles of Ceylon. -- (S. 29–43). -- In: Historians of India, Pakistan and Ceylon / edited by C.H. Philips. -- London [u.a.]: Oxford University Press, 1961. -- (University of London. School of Oriental and African Studies Historical writing on the peoples of Asia; v. [1]). -- S. 29 - 43

Paranavitana, S.: Mahanama, the Author of Mahavamsa. -- In: University of Ceylon Review. -- 20 (1962) -- S. 269–286

Bechert, Heinz <1932 - >: Zum Ursprung der Geschichtsschreibung im indischen Kulturbereich. -- Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, [1969]. -- 26 S. -- (Nachrichten der Akademie der Wissenschaften in Göttingen. I. Philologisch-Historische Klasse; Jahrg. 1969, Nr. 2; S. 36-58) Religion and the legitimation of power in South Asia / edited by Bardwell L. Smith. Leiden: Brill, 1978. -- 186 S.; 25 cm. ISBN 9004056742

Religion and the legitimation of power in South Asia / edited by Bardwell L. Smith. -- Leiden: Brill, 1978. -- 186 S. -- ISBN 9004056742

Perera, Frank: The early Buddhist historiography of Ceylon. -- 1979. -- 214 S. -- Göttingen, Univ., Philos. Fak., Diss., 1979.

Seneviratne, Maureen <1933 - >: Some Mahavamsa places: or, History happened here. -- Colombo: Lake House, 1979. -- 152 S.; Ill.

Frauwallner, Erich: Über den geschichtlichen Wert der alten ceylonesischen Chroniken. -- In: Nachgelassene Werke / hrsg. von Gerhard Oberhammer und Chlodwig H. Werba. - Wien: Verl. der Österr. Akad. der Wiss. -- Bd. 1 hrsg. von Ernst Steinkellner, 1984. -- S. 7 - 33

Kodikara, Sirilal: Mahavamsa vimamsana. -- Kolamba: Pipals Pablisim Havus, [1987]. -- 66 S. -- In Sinhalese. -- Brief discussion of the Mahavamsa

Sarachchandra, Ediriweera R.: [Saraccandrage Simhabahu]. -- [Colombo]: Singlanka, [198-]. -- 2 sound cassettes (ca. 120 min.): analog, stereo, Dolby processed. -- Singlanka: S8303 C--S8304 C. -- Based on the style of the folk opera known as Nadagama, this work dramatizes the legend of the Mahavamsa, which attributes the origin of the Sinhala race to a lion who consorted with a princess of Vanga (modern Bengal). -- Singhalese

Weitere Literatur wird am gegebenen Ort genannt.


Zeitliche Entstehung der beiden Chroniken nach Wilhelm Geiger 1930:

I. Mahâvamsa

Kap. 1--37, 50

544 v.Chr.--362 n.Chr.

Autor: Mahânâma

II. Cûlavamsa

1. Teil

Kap. 37, 51-- 79, 84;

362--1186

Autor: Dhammakitti

 

2. Teil

Kap. 79, 85-- 90,102

1186--1333

Autor: ??

 

3. Teil

Kap. 90, 105--100,292

1333--1781

Autor: Sumangala


1. Kapitel 1: Buddhas Besuche in Sri Lanka

1.1. Vorwort

1. Ich bringe dem vollkommen Erwachten meine Verehrung dar, dem vollkommen Reinen, der aus einem reinen Stammbaum (vamsa) [nämlich dem Buddhavamsa, der Linie der 24 früheren Buddhas, s. unten] stammt. Nun verkünde ich die große Chronik (Mahâvamsa), die vielerlei und ausreichenden Inhalt enthält.

2. Die große Chronik, die von den Alten verfasst worden war, ist an manchen Stellen zu ausführlich, an anderen zu knapp, und enthält vielerlei Wiederholungen.

3./4. Hört diese große Chronik:

Hört sie und lasst dabei in euch Abgeklärtheit bzw. Erschütterung erstehen je nach dem, wie es der betreffenden Stelle entspricht.

1.2. Der Bodhisatta

5. In der Vorzeit traf unser Eroberer [als Asket Sumedha] den Sambuddha Dîpankara, da fasste er den Entschluss, ein Buddha zu werden, um die Welt vom Leid zu befreien.

Buddha Dîpankara lebte vor seinem Gang in die Heimlosigkeit 10000 Jahre als Laie, als Buddha wurde er immer von 84000 Arahants begleitet, er war 80 Hand groß, wurde 100000 Jahre alt und sein Reliquienstûpa war 36 Yojana hoch (ca. 400 km). Nach seinem Dahinscheiden hatte seine Lehre noch 100000 Jahre Bestand.

6.-10. Dann gewann der große Held die Zuneigung von 24 Sambuddhas und wurde von ihnen als zukünftiger Buddha erklärt. Diese 24 Buddhas waren:

  1. dieser Sambuddha Dîpankara,
  2. Kodañña,
  3. der Weise Mangala,
  4. Sumana,
  5. der Buddha Revata,
  6. Sobhita, der große Weise,
  7. der Sambuddha Anomadassi,
  8. Paduma,
  9. der Eroberer Nârada,
  10. der Sambuddha Padumuttara,
  11. der zur Wahrheit Gelangte Sumedha,
  12. Sujâta,
  13. Piyadassî,
  14. der Führer Atthadassî,
  15. Dhammadassî,
  16. Siddhattha,
  17. Tissa,
  18. der Eroberer Phussa,
  19. Vipassî [91. Weltzeitalter vor unserem Weltzeitalter],
  20. der Sambuddha Sikhî [31. Weltzeitalter vor unserem Weltzeitalter],
  21. der mächtige Sambuddha Vessabhû [31. Weltzeitalter vor unserem Weltzeitalter],
  22. der Sambuddha Kakusandha [jetziges Weltzeitalter],
  23. Konâgamana [jetziges Weltzeitalter],
  24. der Sugata Kassapa [jetziges Weltzeitalter].

In den älteren kanonischen Schriften werden nur die letzten sechs früheren Buddhas (ab Vipassî) erwähnt (s. Mahâpadânasutta: Dîghanikâya II ,2 ff.). Die 24 Buddhas werden ausführlich behandelt im Buddhavamsa, einer kanonischen Schrift des Khuddakanikâya.

In der Shwe Dagon Pagode in Rangoon (Burma) werden als Reliquien verehrt:

11. Er erfüllte vollkommen alle Vollkommenheiten, erreichte dann das höchste vollkommene Erwachen und erlöste als unübertrefflicher Buddha Gotama die Wesen.

Die 10 Vollkommenheiten (pâramitâ):

  1. dâna (n.) – Freigebigkeit,
  2. sîla (n.) – Sittlichkeit,
  3. nekkhamma (n.) – Entsagung,
  4. paññâ (f.) – Weisheit,
  5. viriya (n.) – Willenskraft, Energie,
  6. khanti (f.) – Nachsicht,
  7. sacca (n.) – Wahrhaftigkeit,
  8. adi.t.thâna (n.) – Standfestigkeit (Entschlossenheit),
  9. mettâ (f.) – Güte,
  10. upekkhâ (f.) – Gelassenheit / Gleichmut.

1.3. Vom Erwachen bis zum ersten Besuch in Lankâ

12. In Uruvelâ in Magadha, am Fuße des Bodhibaums [im Falle von Gotama ein assattha = Ficus religiosa] erreichte dieser große Weise am Vollmondtag des Monats Vesâkha [dem 2. Monat des Jahres] das höchste vollkommene Erwachen. [Nach der Theravâdachronologie im Jahre 589 v. Chr.]

Die Jahresdaten im Folgenden werden nach der offiziellen Theravâdachronologie gegeben, die das Mahâparinibbâna -- das Hinscheiden -- Buddhas ins Jahr 543 v. Chr. setzt und damit die Buddhistische Ära (B.E. -- Buddhist Era) beginnen lässt: B.E. ≈ C.E. (Christian Era) + 543.

Die wichtigsten Ereignisse im Leben Buddhas sowie die ersten drei Konzilien haben nach dieser Theravâdachronologie folgende Jahresdaten C.E.:

Die Monate nach dem indischen Mondkalender sind:

 

Monatsname

fällt in Monate

bzw.

1

Citta

Februar/März

März/April

2.

Vesâkha

März/April

April/Mai

3

Jettha

April/Mai

Mai/Juni

4

Âsâlha

Mai/Juni

Juni/Juli

5

Sâvana

Juni/Juli

Juli/August

6.

Potthapâda

Juli/August

August/September

7.

Assayuja

August/September

September/Oktober

8.

Kattika

September/Oktober

Oktober/November

9.

Maggasira

Oktober/November

November/Dezember

10.

Phussa

November/Dezember

Dezember/Januar

11.

Mâgha

Dezember/Januar

Januar/Februar

12.

Phagguna

Januar/Februar

Februar/März

13. Sieben Wochen lang weilte er dort, über sich selbst mächtig, das höchste Glück der Erlösung findend und diese Süße zeigend.

14. Dann ging er nach Benares und setzte das Rad der Lehre in Bewegung. Während der Regenzeit, die er dort verbrachte, brachte er sechzig Menschen zur Arahantschaft [vollständigen Erlösung].

15. Er entsandte diese sechzig Arahants, auf das sie die Lehre verkündeten. Er führte die dreißig Gefährten der Gruppe Bhadda's auf den richtigen Weg.

16. Dann weilte der Herr im Winter in Uruvelâ und machte die 1000 Haarflechtenträger, Kassapa und die anderen, reif, um sie auf den richtigen Weg zu führen.

1.4. Buddhas Besuch in Mahiyangana

17./18./19. Als sich das große Opfer des Uruvelakassapa näherte und er erkannte, dass dieser nicht wollte, dass Buddha Gotama zu diesem Opfer käme, sammelte der Feindezerschmetterer bei den Uttarakuru Almosenspeise, aß sie am Abend beim Anotatta-See [ein mythischer See im Himâlâya], und dann ging der Eroberer am Vollmondtag des Monats Phussa [dem 10. Monat des Jahres], im neunten Monat seit seinem Erwachen, zur Insel Lankâ, um die Insel Lankâ zu reinigen. [d.h. nach der Theravâdachronologie im Jahre 588 v. Chr.]

20. Der Eroberer hatte nämlich erkannt, dass Lankâ ein Ort ist, an dem die Lehre leuchten würde. Er erkannte, dass aus Lanka, das voll von Yakkha war, die Yakkha vertrieben werden mussten.

Yakkha ist eine Gattung von nichtmenschlichen Wesen. Ihre Einordnung in der Hierarchie der Lebewesen schwankt in den verschiedenen kanonischen Schriften. Yakkha sind teilweise hilfreiche Wesen, teilweise schädlich.

21./22. Es war ihm auch bekannt, dass in der Mitte von Lankâ, am lieblichen Ufer der Gangâ [d.h. Mahâvâlukagangâ = Mahaveliganga], im schönen Mahânâga-Waldpark, dem Versammlungsort der Yakkha, der drei Yojana [1 Yojana = Weg, den man mit einem Ochsenjoch pro Tag zurücklegen kann, ca. 11 km] lang und ein Yojana breit war [d.h. ca. 33 x 11 km], eine große Versammlung der auf der Insel Lankâ wohnenden Yakkha stattfand.

23./24. Der Vollendete ging zu dieser großen Yakkhaversammlung und blieb mitten in dieser Versammlung in der Luft über den Köpfen der Yakkha stehen an der Stelle des heutigen Mahiyangana-Stûpa, und versetzte die Yakkhas in Aufruhr durch Regen, Wind, Finsternis und ähnliches.

Stûpa (Pali: Thûpa) = Reliquienhügel = Cetiya = Dagoba (Sri Lanka) = Pagoda (Birma) = Cedi (Thailand, Laos, Kambodscha)

"Mahiyangana (Alutnuvara); Provinz: Uva; Höhe: ca. 223 m ü.d.M.

Auto: Von Kandy über Landstraßen (74 km), von Badulla über die A5 bis Waywatta, von dort über die A26 bis Mahiyangana.

Eisenbahn: Von Colombo bis Kandy (täglich mehrere Verbindungen), von dort weiter mit Omnibus oder Mietfahrzeug.

Omnibus: Täglich Busverbindungen von Kandy, Batticaloa und Badulla.

Die heute kleine Stadt, deren Dagoba alljährlich am Tage des Vollmonds im September das Ziel zahlreicher buddhistischer Wallfahrten ist, liegt in einer großartigen Landschaft am Fuße des zentralen Bergmassivs und am Mahaweli Ganga. Die Besiedelung des Ortes reicht bis in die Zeit vor Christus zurück, und noch im 17. Jh. war Mahiyangana eine blühende Stadt, was nicht zuletzt daran lag, dass einige europäische Gesandtschaften von Batticaloa aus über den bis Mahiyangana schiffbaren Mahaweli Ganga bis nach Kandy gelangten. In der Umgebung von Mahiyangana gibt es noch einige Ansiedlungen der Wedda [s. unten], der Ureinwohner Sri Lankas. Sie werden durch die Regierung besonders geschützt."

[Sri Lanka. -- Ostfildern: Baedeker, ©1999. -- (Baedeker Allianz Reiseführer). -- ISBN 3895254371. -- S. 191. --]

Die meisten Wedda leben in der Gegend von Dambana, 19 km östlich von Mahiyangana.

Mahiyangana wurde 1817/18 von den Briten bei der Niederschlagung der Uva-Revolution zerstört: alle Siedlungen, die nicht eine Loyalitätserklärung für die britische Kolonialmacht abgaben wurden zerstört. Eine dieser Siedlungen war Mahiyangana.

25. Voll Furcht baten die Yakkha den Eroberer um Furchtlosigkeit. Der Eroberer, der Geber von Furchtlosigkeit sprach zu den überaus verängstigten Yakkha:

26. "Yakkha, ich werde diese eure Furcht und euer Leid von euch nehmen. Gebt mir nun einmütig einen Platz zum Sitzen."

27. Die Yakkha sprachen zum Vollendeten: "Herr, wir alle geben dir sogar die ganze Insel, gib du uns Furchtlosigkeit!"

Mit dieser erfundenen Tradition ist der Anspruch der Buddhisten auf Lankâ sanktioniert: die ursprünglichen Besitzer der Insel (die Ureinwohner) haben die Insel dem Buddha geschenkt!

28. Der Eroberer nahm von ihnen Furcht, Kälte und Dunkelheit, breitete ein Stück Fell aus und setzte sich darauf.

29. Er ließ sich das Fellstück weit ausbreiten, rundum flammend. Von der Hitze überwältigt standen die Yakkha erschreckt rundum am Rand.

30. Dann brachte der Herr die schöne Giri-Insel (Berg-Insel) zu ihnen und stellte diese Insel, nachdem die Yakkha sie betreten hatten, an ihren Ort zurück.

Ob die Giri-Insel eine Insel im Ozean ist (so die singhalesische Auslegung) oder ein isoliertes Berggebiet (so der deutsche Indologe Wilhelm Geiger), ist von geringer Bedeutung. Die Ureinwohner wurden nach dieser erfundenen auf alle Fälle in ein neues Wohngebiet deportiert.

Wenn jemand Anspruch erheben kann, Ureinwohner in Sri Lanka zu sein, dann sind es die Vedda (Wedda). Ein Schwerpunkt des Lebensraums der wenigen übrig gelassenen Vedda ist das Gebiet um Mahiyangana.

Die Vedda sind am Verschwinden:

"Die Wedda, die die Wälder des Hochlands von Zentral-Ceylon bewohnen, sind die altertümlichste Menschengruppe Asiens. Sie sind eines der Überbleibsel einer archaischen Rassengruppe, die in vorgeschichtlicher Zeit über große Gebiete in Süd- und Südostasien verbreitet war. Die Wedda sind von kleiner Gestalt, haben eine dunkelbraune Hautfarbe und krauses oder gewelltes Haar. Sie haben ein breites Gesicht mit flacher Nase, tiefliegenden Augen, sehr vollen Lippen und ein schwaches, oft fliehendes Kinn. Da die Wedda auf Ceylon die ersten Menschen dieses Typs waren, die die Anthropologen wissenschaftlich untersuchten, wurde nach ihnen die gesamte Rassengruppe Weddide genannt. Viele der primitiven Dschungelstämme Südindiens gehören dieser Gruppe an und gleichen den Wedda auf Ceylon, und zwar nicht nur in ihrer äußeren Erscheinung, sondern auch in Lebensweise und allgemeinem Kulturniveau. Unter dem Druck höher entwickelter Völker zogen sich diese Stämme, wie die Wedda Ceylons, allmählich in ungastliche Gebirge und dichte Wälder zurück, und nur in solchen Zufluchtsgebieten leben sie noch in geschlossenen Gruppen.

Diese umherschweifenden Sammler und Jäger Südasiens haben eine Lebensweise fortgesetzt, die für die Altsteinzeit typisch war; auf Ceylon ist die Verbindung zwischen ferner Vergangenheit und der Gegenwart noch immer deutlich sichtbar. In Höhlen, die bis vor kurzem noch von Wedda bewohnt waren, fand man Steinwerkzeuge steinzeitlicher Art. Es besteht wenig Zweifel daran, dass diese Pfeilspitzen, Kratzer und Schaber Erzeugnisse der Ahnen, wenn nicht sogar der direkten Vorfahren der heutigen Wedda sind. Heute verlieren die Wedda rasch ihre kulturelle Eigenständigkeit. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis sie in der singhalesischen Bauernschicht vollkommen aufgegangen sind. Sie führen nicht mehr das Leben umherschweifender Jäger und Sammler, sondern treiben primitiven Brandrodungsfeldbau oder arbeiten als Landarbeiter.

Schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts war bei einigen Teilen des Stammes der Übergang zu sesshafter Lebensweise vollzogen. Zu jener Zeit gab es jedoch noch Wedda-Horden, die bei ihrer alten Lebensweise blieben. Sie ernährten sich ausschließlich von wilden Knollen, Früchten des Dschungels, Honig und dem Fleisch von Wild, das sie mit Pfeil und Bogen erlegten. Mit hölzernen Grabstöcken gruben Männer und Frauen gemeinsam essbare Wurzeln aus. Sie rösteten ihre Nahrung an einem Spieß oder in der Asche eines Feuers, kochten sie jedoch nie in Wasser, weil sie keine Tongefäße hatten. Den Honig der Felsenbienen, einen sehr wichtigen Bestandteil ihrer Nahrung, sammelten sie mit Hilfe schwankender Strickleitern, die von Bäumen über die Klippen gehängt wurden; die Honigwaben wurden mit einer Art Holzschwert abgeschnitten. Die Wedda hatten jedoch keine Methoden entwickelt, um Wild oder Vögel in Fallen zu fangen. Diese Unkenntnis von Fallen und Schlingen haben sie mit den primitiveren Waldstämmen Südindiens gemeinsam. Sie fingen Fische, indem sie das Wasser vergifteten, wodurch die Fische betäubt an die Oberfläche trieben, oder sie sie mit Pfeilen erlegten.

Die Wedda verlegten ihre Lager, wie die Jahreszeiten und die Nahrungsversorgung es erforderten. Sie benutzten dabei entweder die vielen Höhlen oder Felsüberhänge, die es in ihrer Heimat gibt, errichteten zeitweilige Windschirme aus einem Schrägdach von belaubten Ästen, oder sie ließen sich im Schatten der Bäume nieder. Eine durchschnittliche Wedda-Gemeinschaft umfasste drei bis fünf Familien, die sich in die Jagd- und Besitzrechte eines Landstrichs teilten. Es wird berichtet, dass in früheren Zeiten Außenstehende, die in das Gebiet einer anderen Gruppe eindrangen, von den rechtmäßigen Besitzern getötet werden konnten. Ein verheirateter Mann hatte jedoch freien Zugang zu den Jagdgründen der Angehörigen seiner Frau.

Alle Wedda sind in Sippen zusammengeschlossen, in denen die Abstammung nach der weiblichen Linie gerechnet wird. Heiraten zwischen den Kindern eines Bruders und einer Schwester werden am meisten bevorzugt.

Die Wedda haben zwar jahrhundertelang in nächster Nähe der Buddhisten gelebt, haben jedoch ihre eigene Stammesreligion bewahrt. Die meisten ihrer rituellen Bräuche beziehen sich auf den Kult einer Vielzahl von Göttern und Geistern, von denen man glaubt, dass sie dem Menschen behilflich oder schädlich sein können. Dem Menschen am nächsten stehen die »neuen Geister«, d.h. die Geister der Verstorbenen. Männern, die Trance-Zustände herbeiführen können, wird die Macht zugeschrieben, Kontakt zu denjenigen Geistern herzustellen, die empfänglich für Gebete und Opfer sind und die, falls sie ausreichend versöhnt sind, für ihre Anbeter eintreten. Die Wedda haben früher ihre Geister angerufen, um Hilfe bei der Jagd und beim Honigsammeln zu erhalten. Als Feldbauern opfern sie Honig und Reis, um den Schutz der Geister für die Ernte zu erlangen. Wedda-Schamanen handeln manchmal als Orakel und werden zu Sprechern der Geister.

Die Wedda glauben, dass die Geister der Toten über das moralische Verhalten der Lebenden wachen. Jeder Ausdruck von Ärger gegenüber einem Mitmenschen beleidigt die Geister genauso wie jede Gewalttat. Zwar erlegen die Geister Ehebrechern oder Dieben keine übernatürlichen Strafen auf, aber die Geschädigten können sich an die Geister wenden und sie um ihr Eingreifen bitten.

Die Beziehungen zwischen den Wedda, den Herren des Walds, und den singhalesischen Dorfbewohnern können bis in die ferne Vergangenheit zurückverfolgt werden. Viele Mythen und Sagen berichten von buddhistischen Fürsten, die Wedda-Frauen hatten. Und sogar einige göttliche Gestalten der Volksreligion sollen, zusätzlich zu ihren offiziellen Gemahlinnen, Wedda-Geliebte gehabt haben. Es gab wahrscheinlich eine Zeit, in der die Wedda eine bedeutendere Rolle im Leben Ceylons spielten als zu der Zeit, als westliche Beobachter sie zum erstenmal antrafen."

[Fürer-Haimendorf, Christoph von <1909 - >: Die Wedda auf Ceylon (Sri Lanka). -- In: Bild der Völker: die Brockhaus Völkerkunde. -- Wiesbaden: Brockhaus. -- Bd. 7. -- 1974. -- ISBN 3-7653-0284-8. -- S. 128f. -- Originaltitel: Peoples of the world, vol. 12]

Zur Lage der Vedda heute siehe:

Living Heritage Trust. -- http://www.vedda.org/. -- Zugriff am 2001-05-09]

31. Der Herr faltete dann das Fell zusammen, die Götter versammelten sich und der Lehrer verkündete ihnen in dieser Versammlung die Lehre.

32. Viele hunderttausend Lebewesen begriffen die Lehre, unzählig viele wurden fest in den Zufluchten und den Übungspunkten der Sittlichkeit.

Die Zufluchten sind die dreifache Zuflucht zum Buddha, zur Buddhalehre (Dhamma) und zur Gemeinschaft der Erlösten (Sangha). Die Übungspunkte der Sittlichkeit sind:

33. Der Götterherr Mahâsumana auf dem Sumanakûtakaberg [Adam`s Peak, s. unten], der die Frucht des Stromeingetretenen erreicht hatte, bat den Verehrenswürdigen um etwas Verehrenswürdiges.

Stromeingetretener (sotâpanna m.): erste Stufe der Erlösten (d.h. derer, die zu Recht Heilsgewissheit haben), hat die ersten drei Fesseln überwunden, nämlich:

34. Aufs Heil der Lebewesen bedacht strich sich der Eroberer, der makellose schwarze Locken besaß, über seinen Kopf, nahm eine Handvoll Haare und gab sie jenem.

35./36. Mahâsumana nahm diese in einem vorzüglichen goldenen Korb, stellte diesen auf einen Haufen verschiedener Edelsteine mit einem Durchmesser von 7 Ratana [1 Ratana = 12 Fingerbreiten (angula)] an den Platz, an dem der Lehrer gesessen hatte. Das ganze bedeckte er mit einem Stûpa aus blauen Saphiren. Dann verehrte er sie.

37./38./39. Nach dem endgültigen Erlöschen des Sambuddha nahm der Thera Sarabhu, ein Schüler des Thera Sâriputta, mit magischer Kraft den Nackenknochen des Eroberers vom Scheiterhaufen und brachte ihn dorthin. Er stellte diesen Knochen im Beisein von Mönchen in diesen Stûpa. Dann bedeckte der Wundermächtige die Reliquie mit Specksteinen, erhöhte den Stûpa auf 12 Hattha [1 Hattha = Hand] und ging weg.

Sâriputta (m.): Spitze an Einsicht / Weisheit unter den Mönchen. Er und Mahâ-Moggallâna sind die beiden am meisten herausragenden Jünger Buddhas. Sie werden zu beiden Seiten Buddhas dargestellt: Sâriputta zur Rechten Buddhas, Moggallâna zur Linken. Sâriputta ist das Vorbild für die Mönche, deren vorwiegende Beschäftigung Gelehrsamkeit, Studium der Lehre ist.

40./41. Uddhacûlabhaya, der Sohn des Bruders von König Devânampiyatissa [König von Sri Lanka 247 bis 207 v. Chr.], sah diesen wunderbaren Cetiya, bedeckte ihn und machte so daraus einen 30 Hattha hohen Cetiya.

41./42. Während der König Dutthagâmanî [König von Sri Lanka 101 bis 77 v. Chr.] die Tamilen (Damila) bekriegte, weilte er hier und baute einen 80 Hattha hohen Mantelcetiya darum. So wurde der Mahiyangana-Stûpa vollendet.

Der Mahiyangana-Dagoba ist heute ca. 30 m hoch und hat einen Sockelumfang von 120 m. Zu ihm führen heute etwa 2000 Stufen eines Pilgerpfades sowie eine schmale Straße. Am Septembervollmond ist der Mahiyangana-Dagoba Ziel vieler Wallfahrer.

"Bei Restaurationsarbeiten wurde zu Beginn der fünfziger Jahre eine Reliquienkammer mit einem quadratischen Grundriss freigelegt, die vermutlich erst bei der Restaurierung im 11. Jh. eingebaut wurde. Die Nischen an den Kardinalpunkten der vier Seitenwände beherbergten ein oder mehrere Buddhabildnisse im indischen Amaravati- oder Pala-Stil. Der steinerne, kastenförmige Behälter in der Mitte des Raumes mit einer Kantenlänge von 1,22 m und einer Höhe von nur 1,10 m enthielt zwei Reliquien, kleine Dagobas aus Kupfer mit goldener Spitze, außerdem Münzen und aus Goldfolie gefertigte Blumen. Vier bronzene Reiterfiguren, bewaffnet mit Schwert und Schild und begleitet von einer Frauengestalt, standen -- gleichsam als Wache -- an den vier Seiten des steinernen Behälters. Auch die übrigen Gegenstände in der Kammer (u. a. eiserne Dreizacke als Symbol Shivas, goldene Banner, Kupfergefäße und -lampen, Schalen mit Gold- und Silbermünzen sowie Halbedel- und Edelsteine) waren symmetrisch um den Steinbehälter herum angeordnet. Die Wände waren einst mit Malereien bedeckt, von denen allerdings nur Fragmente erhalten waren. Diese wurden sorgsam abgelöst und -- wie auch die übrigen Gegenstände -- in das Museum von Anuradhapura gebracht."

[Sri Lanka. -- Ostfildern: Baedeker, ©1999. -- (Baedeker Allianz Reiseführer). -- ISBN 3895254371. -- S. 192. --]

43. Nachdem der weise Herr so diese Insel menschenwürdig gemacht hatte ging er nach Uruvelâ mit dem weiten Schritt eines Helden.

1.5. Buddhas Besuch in Nâgadîpa

44. Der barmherzigste Lehrer, dem am Heil der ganzen Welt lag, der Eroberer, weilte im fünften Jahr nach seinem Erwachen [d.h. nach der Theravâdachronologie im Jahre 584 v. Chr.] in Jetavana [Hain in Sâvatthi, heute Maheth, ein Lieblingsort des Buddha].

45./46. Er sah, dass ein Krieg bevorstand wegen eines Edelsteinthrones zwischen den Nâga Mahodara und Cûlodara, Mutterbruder und Neffe, samt Gefolge.

Nâga sind kobraförmige Wesen.

46./47. Da nahm der Sambuddha am frühen Morgen des Uposathatags des dunklen Teils des Monats Citta [1. Monat des Jahres] Almosentopf und Mönchsgewand und ging aus Barmherzigkeit für die Nâgas nach Nâgadîpa [Jaffnahalbinsel und Nordwestceylon (~ Northern Province), besonders die Insel Nayinativu. Dieses Gebiet ist heute vorwiegend von hinduistischen Tamilen besiedelt].

"Jaffna; Provinz: Northern; Höhe: 2 - 7 m ü.d.M.

Die Anreise nach Jaffna ist zur Zeit nur unter sehr erschwerten Umständen möglich, da dieses fast ausschließlich von Tamilen bewohnte Gebiet an der nordwestlichen Inselspitze das Zentrum der militärischen Auseinandersetzungen des Bürgerkrieges ist. Der Luftverkehr ist ebenso eingestellt wie die Bahnverbindung von Colombo, die Straßen sind gesperrt und für Ausländer nicht passierbar. Bis zu einer Lösung des Konflikts wird von Reisen nach Jaffna grundsätzlich abzuraten sein.

Schon in der Vergangenheit wurde die Halbinsel Jaffna von Touristen nur selten besucht, seit dem Ausbruch des Bürgerkrieges im Jahre 1983 ist der Fremdenverkehr nahezu völlig zum Erliegen gekommen. Fast alle der ursprünglich hier lebenden Singhalesen wurden vertrieben, ihre Häuser niedergebrannt. Das Stadtbild von Jaffna wird geprägt von den Zerstörungen, die der ethnische Konflikt hervorgerufen hat. Die Kontinuität der hier existenten, aus dem Süden Indiens stammenden drawidischen Kultur wurde jedoch schon früher unterbrochen, als die Kolonialherren die alten Tempel- und Palastbauten zerstörten.

Dabei bietet die Landschaft der Halbinsel einen erstaunlich scharfen Kontrast zu den übrigen Landesteilen. Sie ist karg und wird von einer genügsamen Vegetation dominiert. Die Bewässerung der landwirtschaftlich genutzten Felder erfolgt nicht -- wie ein paar Dutzend Kilometer weiter südlich -- durch Stauseen und Kanäle, sondern durch Brunnen. Trotzdem zeugen zahlreiche kleine Felder vom Fleiß der Bevölkerung, der es allen naturgegebenen Widrigkeiten zum Trotz gelang, dem Boden einige Erträge abzuringen.

Die Menschen, kleine, sehr dunkelhäutige Tamilen, seit altersher hier ansässig, sind liebenswürdig und gastfreundlich. Der größte Teil (nach der Vertreibung der singhalesischen Bevölkerung nur noch ca. 60000 Einwohner) lebt dichtgedrängt in der Stadt Jaffna und hängt dem hinduistischen Glauben an."

[Sri Lanka. -- Ostfildern: Baedeker, ©1999. -- (Baedeker Allianz Reiseführer). -- ISBN 3895254371. -- S. 166. --]

48. Der genannte Nâga Mahodara war damals wunderkräftiger König im Ozean, in einem Nâgareich, das sich über 500 Yojanas [ca. 5500 km] erstreckte.

49. Seine jüngere Schwester Kannâ war mit dem Nâgakönig auf dem Vaddhamânaberg verheiratet. Ihr Sohn war Cûlodara.

50./51. Dessen Großvater mütterlicherseits gab seiner Mutter einen herausragenden Edelsteinthron, dann ist dieser Nâga gestorben. Deswegen drohte dieser Krieg des Neffen mit seinem Onkel mütterlicherseits. Diese Bergnâga waren sehr wundermächtig.

52./53. Ein Gott namens Samiddhisumano nahm einen in Jetavana stehenden Königreichbaum (Buchanania latifolia), seine eigene schöne Wohnstatt, und hielt ihn mit der Erlaubnis Buddhas wie einen Schirm über den Eroberer und folgte ihm zum Ort, wo der Gott früher gewohnt hatte [d.h. Nâgadîpa].

54./55. Dieser Gott war nämlich in seiner letzten vorhergehenden Geburt ein Mensch in Nâgadîpa gewesen. Damals sah er an der Stelle, wo der Königreichbaum (Buchanania latifolia) stand, Paccekabuddhas beim Essen. Als er sie sah, wurde er abgeklärt heiter und gab ihnen Blätter zum Reinigen der Almosentöpfe.

"Welche Person ist ein Paccekasambuddha (Einzelbuddha)? Da erwacht eine Person vollkommen zu den Wahrheiten ohne diese Gesetzmäßigkeiten zuvor (von jemand anderem) gehört zu haben; aber er erlangt nicht (virtuelle) Allwissenheit und er erlangt nicht Macht über die (zehn) Kräfte. Eine solche Person nennt man Einzelbuddha." (Puggalapaññatti I, 29)

56. Wegen dieser Tat wurde er im lieblichen Jetavana-Garten wiedergeboren, auf ebendiesem Baum, welcher später außerhalb an einer Seite des Tores stand.

57. Weil der Gott aller Götter darin einen Vorteil für diesen Gott sah, brachte er diesen Gott samt Baum hierher zum Heil dieses Landes [Lankâ].

58. Der Führer saß in der Luft inmitten des Schlachtfelds und der Vertreiber der Dunkelheit schuf über diesen Nâga fürchterliche Dunkelheit.

59. Dann befreite er die furchtbar Erschreckten von ihrer Beklemmung und ließ wieder Licht werden. Als die Nâga den Vollendeten sahen, verehrten sie zufrieden die Füße des Lehrers.

60. Der Eroberer verkündete ihnen die Eintracht schaffende Lehre. Die beiden [verfeindeten Nâga] gaben den Thron freudig dem Weisen [Buddha].

61. Der Lehrer begab sich hinab auf die Erde, setzte sich auf einen Sitz und wurde von den Nâgakönigen mit himmlischer Speise und Trank verwöhnt.

62. Dann festigte der Führer 80 Koti [1 Koti = 100000, d.h. insgesamt 8 Millionen] Seeschlangen und Landschlangen [d.h. Nâga] in den Zufluchten und Übungspunkten der Sittlichkeit.

63. Maniakkhika, der Nâgakönig in Kalyânî [Kelaniya, s. unten], der Mutterbruder des Nâga Mahodara, war nach Nâgadîpa gekommen, um am Kampf teilzunehmen.

64. Er hatte bei Buddhas erstem Besuch in Lankâ die Verkündigung der guten Lehre gehört und war seither gefestigt in den Zufluchten und Übungspunkten der Sittlichkeit. Nun bat er den zur Wahrheit Gelangten:

65. "Herr, groß ist die Barmherzigkeit, die du uns erwiesen hast. Wärest du nicht gekommen, wären wir alle zu Asche geworden.

66. Barmherziger, zeige deine Barmherzigkeit speziell mir gegenüber, indem du wieder hierher kommst in meine Heimat, der du kein mein kennst".

67. Der Ehrwürdige sagte durch Schweigen zu, hierher zu kommen. Er ließ an jenem Ort den Königreichbaum Cetiya errichten.

68. Der Herr der Welten übergab den Nâgakönigen den Königreichbaum und den wertvollen Thron zur Verehrung.

69. "Nâgakönige, verehrt diesen Cetiya mit von mir benutzten Reliquien und es wird euch zu Glück und Heil gereichen."

70. Nachdem der Vollendete so und anders die Nâga belehrt hatte, ging der mit allen Welten Barmherzige nach Jetavana.

1.6. Buddhas Besuch in Kalyânî

1.6.1. In Kalyânî (Kelaniya)

71. Im dritten Jahr nach diesen Ereignissen [d.h. nach der Theravâdachronologie im Jahre 581 v. Chr.] ging der Nâgafürst Maniakkhiko zum Sambuddha und lud ihn samt den Mönchen ein.

72./73./74. Am nächsten Tag, dem Vollmondtag des lieblichen Monats Vesâkha [2. Monat des Jahres, Monat des großen Erwachens Buddhas], im achten Jahr seit dem Erwachen, als die Essenszeit angekündigt wurde, hat der Eroberer, der damals in Jetavana weilte, sich mit der Samghâti [das oberste Tuch des Dreigewandes, als Mantel gebraucht] gekleidet und ist mit dem Almosentopf, umgeben von 500 Mönchen, ins Kalyânîland gegangen, den Wohnort von Manakkhika.

"Kelaniya; Provinz: Western; Höhe: 5 m ü.d.M.

Auto: Von Colombo in Richtung Kandy (12 km).

Omnibus: Gute und regelmäßige Verbindungen von Colombo.

Kelaniya, in einer Schleife des Kelani Ganga und nur wenige Kilometer von der westlichen Stadtgrenze Colombos entfernt, wirkt wie eine stille Gartenstadt. Das ändert sich zumindest einmal im Jahr, wenn Ende Januar/ Anfang Februar der erste Vollmond des neuen Jahres gefeiert wird und Tausende von Pilgern in die Stadt strömen. Der Tempel gilt als eine der heiligsten Stätten des Buddhismus auf Sri Lanka und ist außerdem Sitz einer bedeutenden buddhistischen Universität." [Vidyalankara University, gegründet 1958]

[Sri Lanka. -- Ostfildern: Baedeker, ©1999. -- (Baedeker Allianz Reiseführer). -- ISBN 3895254371. -- S. 185. --]

75. Zusammen mit den Mönchen betrat er einen Pavillon aus Edelsteinen, der dort errichtet worden war, wo heute der Kalyânîcetiya steht, und nahm Platz auf einem wertvollen Thron.

76. Heiter verwöhnte der Nâgakönig zusammen mit seinem Gefolge den König der Lehre, den Eroberer, und sein Gefolge mit himmlischen harten und weichen Speisen.

77. Der Lehrer, der gegenüber den Welten Barmherzige, verkündete bei dieser Gelegenheit die Lehre.

1.6.2. Auf dem Sumanakûta (Adam's Peak)

77. Dann ging der Führer auf den Sumanakûta (Adams Peak) und machte dort seinen Fußabdruck sichtbar.

"Adam's Peak (Sri Pada): Für die frühen arabischen Seefahrer war er der «höchste der Berge der Welt», der Franzose Sonnerat beschrieb ihn 1782 als den «höchsten Berg Asiens», und 1807 noch hielt der Brite Cordiner ihn für den «höchsten Berg der Insel». Gemeint war jeweils der Adam's Peak, von dem man heute weiß, dass er mit 2.243 m lediglich der vierthöchste Berg Sri Lankas ist. Im Laufe der Zeit ist er -- mit zunehmender geographischer Kenntnis -- erheblich geschrumpft.

Nicht abgenommen hat jedoch seine spirituelle Größe.

Wegen eines überdimensionalen Fußabdruckes, den Buddha bei seinem letzten Besuch auf Sri Lanka auf dem Gipfel hinterlassen haben soll, wird er von den Buddhisten verehrt. ...

Aber auch die anderen Religionsgemeinschaften vereinnahmen den Fußabdruck für sich:

Für die Shiva-Anhänger unter den Hindus stammt er von Shiva, für die anderen Hindus vom Gott Saman, dem Schutzpatron des Berges.

Die Christen wiederum sehen darin abwechselnd den Fußabdruck des Heiligen Thomas oder den von Adam, an den auch die Moslems glauben. Nach einer moslemischen Überlieferung ließ Gott Adam und Eva nach der Vertreibung aus dem Paradies aus Mitleid auf dem Adams Peak leben, da Sri Lanka der Platz auf Erden war, der dem Paradies am nächsten kam! Der Fußabdruck entstand demnach dadurch, dass Adam zur Strafe auf einem einzigen Bein stehen musste, was einen tiefen Abdruck hinterließ.

Der besagte Fußabdruck ist gigantisch groß, ca. 160 x 75 cm. Einer volkstümlichen Überlieferung nach ist dieser jedoch nur eine vergrößerte Kopie über dem eigentlichen, echten Fußabdruck; dieser soll sich darunter befinden, eingeprägt in einem überdimensionalen Saphir.

Der Abdruck -- Sri Pada genannt, «Der edle Fuß» -- soll im 1. Jh.v.Chr. von König Valagama Bahu entdeckt worden sein, der von einem Hirsch dorthin geführt worden war. Wahrscheinlich fanden sich bald darauf die ersten Pilger dort ein, nach gesicherter Erkenntnis jedoch mindestens seit dem Ende des 10. Jh. König Vijaya Bahu I. (reg. 1071-1126) ließ an der Strecke Pilgerunterstände bauen, und Marco Polo berichtete im 13. Jh. von Eisenketten, die an der Strecke angebracht waren, um den Pilgern den Weg zu erleichtern. Im Jahre 1950 wurde der Weg elektrisch beleuchtet -- nachdem ein Minister den Gott Saman um Unterstützung in einem staatlichen Projekt gebeten hatte, mit dem Versprechen, bei dessen Gelingen sich durch die Beleuchtung der Pilger-Route zu revanchieren! Und so zieht der Berg bis heute jährlich Abertausende von Pilgern in seinen Bann, die nun wohlbeleuchtet zum Fußabdruck gelangen. ...

Es gibt zwei Wege mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad zum Gipfel. Die meist begangene Anmarsch-Route ist heute die von Norden aus Richtung Hatton, die auch die leichtere ist. In früheren Jahrhunderten zählte nur der schwierige Weg von Süden her als «richtige» Pilgerreise, die leichte galt als spirituell weniger verdienstvoll. ...

Südroute: Die zweite, etwas in Vergessenheit geratene Route geht mehr an die Kondition, sie bringt dafür aber ungeahnten «Gewinn»: Nach Überzeugung der Bewohner der Gegend werden Frauen, die diese Strecke absolvieren, zur «Belohnung im nächsten Leben als Mann geboren!"

[Krack, Rainer: Sri Lanka. -- 6., komplett aktualisierte Aufl. -- Bielefeld: Reise Know-how, 2000. -- (Reise Know-how). -- ISBN 3894168404. -- S. 340f. --]

"Die Pilgersaison beginnt im Dezember und dauert bis zum Wesak Fest im Mai. Der Höhepunkt liegt im März. In der übrigen Jahreszeit liegt der Berg kahl da, der Regen macht den Aufstieg gefährlich. Jahr für Jahr gehen Zehntausende auf die Pilgerreise. Die meisten kommen des Nachts über eine von Lampen erleuchtete Treppe. Zahlreich sind die ambalanas (Pilgerrastplätze) und Erfrischungsstände, die den Aufstieg erleichtern. Wer bei Tagesanbruch oben ankommt, wird Zeuge eines fast übernatürlichen Schauspiels: der vergrößerte, dreieckige Schatten des Berges legt sich über das erwachende Land. Nur sehr selten kann man das »Schauspiel des Brockens« sehen -- den eigenen, immens vergrößerten Schatten, wie er fern, von Nebelschwaden umkränzt vor einem Regenbogen-Heiligenschein schwebt.

Die Pilger zum Adam's Peak befolgen während des Aufstiegs eine Reihe sehr eigenartiger traditioneller Regeln. Wer zum erstenmal auf den Berg geht, trägt große Turbane aus weißen Tüchern auf dem Kopf. An den beiden Hauptwegen muss man an der Indikatupana (»Platz der Nadel«) haltmachen und eine Nadel mit Faden in einen Strauch werfen; an dieser Stelle soll nämlich der Buddha innegehalten und ein Loch in seinem Umhang geflickt haben. Auf dem Gipfel läutet ununterbrochen eine Glocke, die als Zeichen der Beendigung einer Pilgerreise von einem alten Mann geschwungen wird. (Die aktuelle Reise kann nicht gemeint sein, denn die ist erst beendet, wenn man wieder zu Hause ist.) Es gilt als ausgesprochen unfein, unterwegs zu fragen, wie weit es noch ist; stattdessen sollte man die Pilger mit karunavai »Frieden« grüßen."

[Sri Lanka / hrsg. von Hans Höfer ... -- München: Nelles, 1983. -- (Apa Guides). -- ISBN 3-88618-986-4. -- S. 176]

"Sakrale Gebäude auf dem Gipfel: Der dicht bebaute Gipfel bildet eine etwa 300 Quadratmeter große Plattform, auf der sich in einem kleinen überdachten Tempel die ummauerte Fußspur -- offenbar die eines linken Fußes -- befindet. Im 12. Jh. ließ König Parakrama Bahu I. auf dem Gipfel des Adam's Peak einen ersten, dem Hindugott Saman geweihten Tempel errichten. Später zogen buddhistische Mönche in den Tempel ein, bis der zum Brahmanismus übergetretene König Raja Sinha I. ihn im 16. Jh. wieder den Brahmanen übergab. Erst unter König Kirti Sri, der den Buddhismus auf Sri Lanka wieder in Erinnerung brachte, wurde er zwei Jahrhunderte später wieder von buddhistischen Mönchen bewohnt. Die brahmanischen Priester wurden jedoch nicht vertrieben; sie bauten einen kleineren Tempel, der heute noch erhalten ist. Die weiteren Gebäude sind nicht besonders bemerkenswert, sie stammen alle aus neuerer Zeit."

[Sri Lanka. -- Ostfildern: Baedeker, ©1999. -- (Baedeker Allianz Reiseführer). -- ISBN 3895254371. -- S. 110. --]

1.6.3. In Dîghavâpi

78. Am Fuße dieses Berges verbrachte er mit den Mönchen bequem den Tag und ging dann nach Dîghavâpi [im heutigen Bezirk Ampara, ca. 10 km östlich der Stadt Ampara, Provinz Uva].

79. Dort setzte sich der Herr mit den Mönchen an der Stelle des heutigen Cetiya nieder und versetzte sich in Versenkung, um dem Platz Würde zu geben.

In den 1980er Jahren wurden bei Dîghavâpi die Ruinen eines alten buddhistischen Tempels freigelegt, der mit dem Dîghavâpi-Cetiya identifiziert wird.

1.6.4. In Anurâdhapura

80. Von jenem Platz ging der große Weise, kundig welche Plätze geeignet und welche ungeeignet sind, zum Ort des jetzigen Mahâmeghavanârama [in Anurâdhapura, an der Stelle des späteren Mahâvihâra. Heute sind vom Mahâvihâra vor allem noch 1600 Pfeiler des Lohaprasâda erhalten].

Anurâdhapura wurde um 380 v. Chr. von Pandukabhaya () gegründet und war dann bis 1070 Hauptstadt Sri Lankas, dann wurde die Hauptstadt wegen der anhaltenden Überfälle durch Tamilen nach Polonnaruwa verlegt.

"Anuradhapura; Provinz: Northern Central; Höhe: ca. 90 m ü.d.M.

Anuradhapura, eine der ältesten und sehenswertesten Städte auf Sri Lanka, liegt nordöstlich von Colombo in der sog. dry zone, dem trockensten Gebiet der Insel. Die heutige Stadt Anuradhapura gliedert sich in den Ruinenteil und ein neues Zentrum, das erst in diesem Jahrhundert entstand. Hier leben heute ca. 50000 Einwohner. Beide Teile sind jedoch nur wenige Kilometer voneinander getrennt. ...

Anuradhapura, heute eine eindrucksvolle Ruinenstadt, war nicht weniger als 119 Königen in 13 Jahrhunderten -- wenn auch nicht immer ungestört -- Residenzstadt und eine der bedeutendsten Hauptstädte des singhalesischen Reiches. Hier entstanden die ersten Heiligtümer des Buddhismus, hier entwickelte sich ein Kunststil, der zu den klassischen Stilen zählt. Durchdrungen von der Idee des Buddhismus zeugen die Bauten vom hohen Selbstbewusstsein des jungen Reiches. Klöster und Königspalast waren Mittelpunkte der literarischen und religiösen Kultur.

Die Stadtplanung mutet nicht nur auf den ersten Blick modern an, allerdings entstand sie bereits ca. 500 Jahre vor Christus. Drei im 1. Jh. v. Chr. angelegte Wasserreservoirs (singhalesisch: wewa) und ein ausgeklügeltes Kanalsystem sorgten für die Bewässerung des sehr trockenen Landes und für Trinkwasser in der Stadt, die zum Zeitpunkt ihrer größten Blüte mehrere Hunderttausend Einwohner gehabt haben muss.

Um das Jahr 380 v. Chr. wurde die Siedlung Anuradhagama (gama = Siedlung) von König Pandukabhaya [394 - 307 v. Chr.] zur Hauptstadt des singhalesischen Reiches erhoben. Er nannte sie Anuradhapura (pura = Stadt). Die eigentliche Geschichte der Stadt begann jedoch erst mit der Regierung von König Devânampiya Tissa (250-210 v. Chr.), der die von dem Mönch Mahinda verkündete Lehre des Buddhismus aufnahm und unterstützte. In diese Zeit fiel auch die erste rege Bautätigkeit; es entstanden jedoch vorzugsweise einfache Bauten für die Bevölkerung und den Regenten, während die Bauwerke zu Ehren Buddhas weitaus repräsentativer angelegt wurden.

Im Jahre 993 gab es den ersten Bruch in der Entwicklung der Stadt, als sie durch die aus Südindien einfallenden Chola-Herrscher erobert wurde. Sie überfielen aber auch die nur knapp 100 km entfernte Stadt Polonnaruwa, die sie zu ihrer Residenz machten. Anuradhapura wurde in den folgenden Jahren von dort mitverwaltet. 1070 gelang es König Vijaya Bahu I. (dem früheren Fürsten von Ruhuna), von Polonnaruwa, das er bereits 15 Jahre zuvor zurückerobert hatte, auch Anuradhapura den Cholas zu entreißen. Da jedoch Polonnaruwa strategisch günstiger lag, beließ er es bei der Wiederinstandsetzung des größtenteils zerstörten Bewässerungssystems sowie einiger buddhistischer Heiligtümer, machte aber Polonnaruwa zu seiner neuen Hauptstadt.

Von Anuradhapura, das ab diesem Zeitpunkt in einen Dämmerschlaf versank und im Laufe der Jahrhunderte vom Dschungel überwachsen wurde, war bis zum Beginn des 19. Jh.s nur soviel bekannt, dass der britische Beamte Ralph Backhaus, der per Zufall hierher kam, von einer großartigen Ruinenstadt im Norden der Insel schwärmte. Der britische Archäologe H. C. P Bell fand um 1820 diese Berichte der Überprüfung wert und entdeckte die Stadt. Bis die ersten Ausgrabungsarbeiten begannen, dauerte es jedoch noch bis 1890. Im Jahre 1980 stellte die UNESCO das Ruinenfeld von Anuradhapura unter ihren Schutz, seither werden die (längst noch nicht beendeten) Ausgrabungsarbeiten mit Finanzmitteln dieser UNO-Unterorganisation unterstützt.

Das Gelände der Ruinenstadt von Anuradhapura ist mit einer Fläche von etwa 50 km² nicht nur sehr weitläufig, sondern auch recht unübersichtlich, da an vielen Stellen noch Ausgrabungen stattfinden."

[Sri Lanka. -- Ostfildern: Baedeker, ©1999. -- (Baedeker Allianz Reiseführer). -- ISBN 3895254371. -- S. 113 - 115. --]

81. Der Herr setzte sich mit den Jüngern an die Stelle, wo heute der Mahâbodhi-Baum [in Anurâdhapura] steht, und versetzte sich dort ebenfalls in Versenkung, ebenso an der Stelle, wo heute der Große Stûpa [Ruvanaveli-Dagoba in Anurâdhapura] steht.

Der Mahâbodhi-Baum in Anuradhapura stammt der Überlieferung nach von einem Zweig des Baumes in Bodh Gaya, unter dem Buddha die erlösende Einsicht gewonnen hatte. Sanghamittâ, die Schwester des Missionars von Lankâ, Mahinda, soll diesen Zweig um 230 v. Chr. nach Lankâ gebracht haben. 1939 wurde der Baum von einem Christen -- wohl in Anlehnung an die Tat des Hl. Bonifatius -- mit einer Axt attackiert. Der Mutterbaum wurde in Indien um 600 n. Chr. von einem "toleranten" Hindu-König abgeholzt.

Der Ruvanavelisaya Dagoba, der Große Stûpa, wurde von König Dutthagamani (reg. 161 - 137 v. Chr.) zum Dank für den Sieg über den Tamilenkönig Elara errichtet.

"Im Jahre 1987 brauten sich schicksalschwangere Wolken über der Dagoba zusammen. Sie war teilweise eingestürzt und drohte, völlig zu zerfallen - in den Augen vieler Buddhisten ein schreckliches Omen für das Land. Zu jenem Zeitpunkt kriselte es in Sri Lanka an allen Fronten: Einerseits war eine groß angelegte militärische Aktion gegen die Tamil Tigers im Gange, die aber in erster Linie zahllosen tamilischen Zivilisten das Leben kostete; vor diesem Hintergrund drohte eine Invasion Indiens, dem aus Rücksicht auf seine eigene, 55 Mio. starke tamilische Bevölkerung das Schicksal der srilankischen Tamilen nicht gleichgültig sein konnte. Auf der anderen Seite wiederum machte sich ein singhalesischer Chauvinismus stark, angeführt von der faschistischen JVP [Janata Vimukti Peramuna], der auf der Ausmerzung von allem beharrte, das antisinghalesisch erschien. Unter diesen Umständen schien der Verfall der Dagoba den Zerfall Sri Lankas zu symbolisieren. Präsident Jayawardhene [geb. 1906, Staatspräsident 1978 - 1988], der sich gerade zufällig in Anuradhapura aufhielt, wurde beim Anblick der Dagoba kreidebleich und untersagte der Presse, über ihren Zustand zu berichten."

[Krack, Rainer: Sri Lanka. -- 6., komplett aktualisierte Aufl. -- Bielefeld: Reise Know-how, 2000. -- (Reise Know-how). -- ISBN 3894168404. -- S. 422f. --]

82. Ebenso tat er an der Stelle, wo heute der Stûpa im Thûpârâma [in Anurâdhapura] steht. Dann erhob er sich aus der Versenkung und ging zum Platz des heutigen Sîlacetiya [in Anurâdhapura].

Der Thûpârâma-Dagoba ist vermutlich der älteste erhaltene Dagoba Sri Lankas. Er wurde von König Devânampiya Tissa (reg. 247 - 207 v. Chr.) im 3. Jhdt. v. Chr. erbaut. Heute ist er 19 m hoch

83. Der Führer der Gruppe (des Ordens) belehrte die versammelten Göttergruppen, dann ging der Buddha, der den ganzen Weg der Einsicht gegangen ist, nach Jetavana.

Die Besuche Buddhas in Sri Lankâ werden heute noch von vielen Buddhisten als historische Tatsache betrachtet. Heinz Bechert berichtet folgenden Vorfall:

"Zu den aus den Chroniken entnommenen Thesen des singhalesisch-buddhistischen Nationalismus gehört bekanntlich die Tradition, dass der Buddha selbst Ceylon besucht haben und dem singhalesischen Volk einen besonderen Auftrag für die Erhaltung seiner Religion erteilt haben soll.

Als Professor Senerat Paranavitana [geb. 1896], der zweifellos bedeutendste singhalesische Archäologe und Epigraphiker der Gegenwart, 1961 in einem Vortrag darlegte, die Berichte von den Besuchen des Buddha in Ceylon seien Legenden und keine historischen Zeugnisse, wurde er heftig angegriffen.

...

Es gibt wohl kaum ein treffenderes Beispiel für die merkwürdige Doppelgesichtigkeit des modernen ceylonesischen Buddhismus. Einerseits wird die Lehre des Buddha als Religion der Vernunft bezeichnet und der Gegensatz gegen die dogmatischen Religionen hervorgehoben, und andererseits wird ein Gelehrter mit solcher Heftigkeit angegriffen, der eine Überlieferung bezweifelt, die gar nicht in den kanonischen Schriften des Buddhismus enthalten ist und mit der Lehre des Buddha gar nichts zu tun hat, eine Überlieferung, die moderne nichtceylonesische Buddhisten niemals als Bestandteil ihrer religiösen Überzeugung betrachten würden. Auf der anderen Seite erregt es aber kaum Aufsehen in Ceylon, wenn angesehene buddhistische Schriftsteller und Mönche die kanonische buddhistische Überlieferung in nicht unwesentlichen Punkten umdeuten. Es ist ganz klar, dass man in diesem Fall Paranavitana nicht aus Gründen religiöser Überzeugung, sondern aufgrund seines Angriffes gegen Grundlagen des singhalesisch-buddhistischen Nationalismus entgegengetreten ist." [Bechert, Heinz <1932 - >: Buddhismus, Staat und Gesellschaft in den Ländern des Theravâda-Buddhismus. -- Bd. 1: Grundlagen. Ceylon. -- Frankfurt a. M. [u.a.]: Metzner, ©1966. -- (Schriften des Instituts für Asienkunde in Hamburg ; XVII/1). -- S. 363f.]

Eine "liberale" Haltung zur Historizität der Besuche Buddhas in Lankâ nahm schon 1946 E. W. Adikaram in seiner vorzüglichen Dissertation ein. Adikaram wurde später einer der führenden Kritiker des Mahâvamsa-Nationalismus und -Chauvinismus:

...

[Adikaram, E. W. < - 1986>: Early history of Buddhism in Ceylon or State of Buddhism in Ceylon as revealed by the Pâli commentaries of the 5th century A.D. -- Colombo: Gunasena, 1946. -- Zugleich: London, Univ., Dissertation. -- S. 46 - 48]


1.7. Schluss

84. So ist der Herr Lankâs, von unbegrenztem Verstand, auf das zukünftige Heil Lankâs blickend, sehend, was zu jenem Zeitpunkt gut war für die Gruppen von Asura[Dämonen], Nâga [Schlangen] usf., dreimal zu dieser schönen Insel gekommen, er, die überbarmherzige Insel (Leuchte) der Welten. Deswegen wurde diese Insel, von den guten Menschen hochgeschätzt, als Insel des Dhamma [Insel der Lehre und gerechte Insel] berühmt.

Die drei Besuche des Buddha:

1.7.1. Kolophon

Dies ist das erste Kapitel des Mahâvamsa, der zum Vertrauen und zur Erschütterung der guten Menschen verfasst wurde. Der Titel dieses Kapitels ist "Besuche des Vollendeten (in Lankâ)".

6. Kapitel 6: Vijaya's Ankunft

1. Einstmals lebte im Vangaland [Bengalen], in der Vangahauptstadt ein Vangakönig. Die Königin dieses Königs war die Tochter des Kalingakönigs [d.h. aus Orissa].

2. Von dieser Königin bekam dieser König eine Tochter. Die Zeichendeuter sagten voraus, dass sie mit dem König der Tiere [d.h. dem Löwen] Geschlechtsverkehr haben werde.

3. Sie war überaus schön und überaus liebestoll. König und Königin verachteten sie aus Scham.

4. Allein ging sie fort von zuhause und suchte das Glück des freien Lebens. Unerkannt ging sie mit einer Karawane, die nach Mâgadha zog.

5. In einem Wald im Lâlareich [wird in das heutige Gujarat verlegt, da Ptolemäus dort ein Larika nennt; allerdings verträgt sich das kaum mit der Tatsache, dass die Karawane nach Mâgadha zog, andrerseits ist weitläufige Topographie sehr schwer zu durchschauen, wie sich auf europäischen Karten bis ins 19. Jhdt. zeigt] überfiel ein Löwe die Karawane. Alle übrigen liefen wo anders hin, sie aber lief in die Richtung, aus der der Löwe gekommen war.

6. Der Löwe fing eine Beute, lief weg und sah sie von ferne. Er verliebte sich und lief zu ihr mit dem Schwanz wedelnd und die Ohren legend.

7. Als sie den Löwen sah, erinnerte sie sich an die Aussage der Zeichendeuter, über die sie gehört hatte, und sie berührte ihn ohne Furcht indem sie seine Glieder streichelte.

8. Durch ihre Berührung geriet der Löwe in höchste Leidenschaft und er nahm sie auf seinen Rücken, brachte sie in seine Höhle und hatte dort mit ihr Sex.

9. Infolge dieses Geschlechtsverkehrs gebar die Königstochter zur rechten Zeit Zwillinge, einen Sohn und eine Tochter.

10. Hände und Füße des Sohnes waren Löwentatzen, deshalb nannte sie ihn Sîhabâhu [Löwenarm], die Tochter aber nannte sie Sîhasîvalî.

11. Als der Sohn sechzehn Jahre alt war, bekam er Zweifel und fragte seine Mutter: "Warum, Mutter, sind du und unser Vater einander nicht ähnlich?"

12. Die Mutter erzählte ihm alles. Dann fragte er sie: "Warum gehen wir nicht weg?" Sie antwortete, dass der Vater die Höhle mit einem Felsen zugeschlossen hat.

13. Da nahm er den Felsen vor der großen Höhle auf seine Schultern und ging damit an einem einzigen Tag 50 Yojana [1 Yojana = Weg, den man mit einem Ochsenjoch pro Tag zurücklegen kann, ca. 11 km; 50 Yojana = ca. 550 km] hin und zurück.

14. Als der Löwe einmal auf Beute gegangen war, nahm Sîhabâhu seine Mutter auf die rechte Schulter, seine jüngere Schwester auf die linke Schulter und lief schnell davon.

15. Sie bekleideten sich mit Zweigen und gingen zu einem Grenzdorf. Damals wohnte dort ein Sohn des Onkels mütterlicherseits der Königstochter [d.h. ein Cousin].

16. Er war General des Vangakönigs und er war für das Grenzland zuständig. Er saß gerade am Fuß eines Banyanbaumes [Ficus benghalensis] und beaufsichtigte die Arbeit.

17. Als er die drei sah, fragte er sie aus. Sie antworteten, dass sie Waldbewohner seien. Der General ließ ihnen nun Kleidung geben.

18. Diese Kleidung wurde prunkvoll. Er ließ ihnen auf Blättern Speise geben. Durch ihren Verdienst wurden die Blätter zu goldenen Speisegefäßen.

19. Wegen dieser wunderbaren Ereignisse fragte der General sie verwundert, wer sie sind. Da nannte ihm die Königstochter ihre Kaste und ihren Clan.

20. Der General nahm die Tochter seines Onkels mit sich in die Vangahauptstadt und hatte dort mit ihr Sex.

21. Der Löwe kehrte bald in seine Höhle zurück, fand die drei Leute nicht vor und aß und trank deshalb aus Kummer über seinen Sohn nichts.

22. Auf der Suche nach seinen Kindern ging er zu einem Grenzdorf. Jedes Dorf, zu dem er kam, wurde von den Bewohnern verlassen.

23. Die Grenzbewohner gingen zum König und berichteten ihm, dass ein Löwe sein Reich terrorisiere und er dem Einhalt gebieten solle.

24. Da der König niemand fand, der dem Löwen Einhalt gebieten konnte, packte er tausend Goldmünzen auf den Rücken eines Elefanten und ließ diesen in der Stadt herumlaufen mit der Botschaft: "Wer den Löwen bringt, der soll das bekommen!"

25. Ebenso bot der König zweitausend Goldmünzen an, dann dreitausend. Zweimal hielt Sîhabâhu's Mutter ihren Sohn ab.

26. Ohne seine Mutter gefragt zu haben nahm Sîhabâhu beim dritten Mal die dreitausend Goldstücke, um seinen eigenen Vater zu töten.

27. Man brachte den Jungen zum König. Der König sprach zu ihm: "Wenn du den Löwen ergreifst, schenke ich dir sofort mein Königreich."

28. Sîhabâhu ging zum Eingang der Höhle. Als er den Löwen von Ferne sah, der aus Liebe zu seinem Sohn kam, schoss er einen Pfeil, um den Löwen erschießen.

29. Der Pfeil schlug auf die Stirn des Löwen kehrte aber wegen der gütigen Stimmung des Löwen zurück und fiel zu Füßen des Jungen auf den Boden.

30. So geschah es dreimal. Dann ergrimmte der Herr der Tiere. Deshalb drang der diesmal abgeschossene Pfeil in seinen Körper ein.

31. Sîhabâhu nahm den Kopf des Löwen mit der Mähne und ging in seine Stadt. Damals war es gerade eine Woche her, dass der Vangakönig gestorben war.

32./33. Da der König keinen Sohn hatte, und die Minister froh waren über Sîhabâhu's Tat, gehört hatten, dass er der Enkel des Königs war und auch seine Mutter kannten, versammelten sich die Minister und sprachen alle zusammen einmütig zu Prinz Sîhabâhu: "Sei unser König!".

34. Er nahm das Königtum an, gab es dann aber dem Gatten seiner Mutter und ging mit seiner Schwester Sîhasîvalî in das Land, wo er geboren worden war [d.h. Lâla].

35. Dort erbaute er eine Hauptstadt, die man Sîhapura [Löwenstadt] nannte. Im Umkreis von 100 Yojana [ca. 1100 km] gründete er Dörfer.

36. König Sîhabâhu machte [seine Schwester] Sîhasîvalî zu seiner Hauptfrau und herrschte in dieser Stadt im Lâlareich [vermutlich das heutige Gujarat, s. aber oben zu Vers 5].

37./38. Die Hauptfrau [Sîhasîvali] gebar sechzehnmal Zwillingssöhne, immer zur rechten Zeit. Der älteste Sohn hieß Vijaya, der zweite Sumitta. Insgesamt waren es 32 Söhne. Als es Zeit dazu war, weihte der König Vijaya zum Vizekönig.

39. Vijaya und seine Umgebung hatten schlechtes Verhalten, sie begingen viele unerträgliche Gewalttaten.

40. Empört berichtete die Bevölkerung dies dem König. Der König beschwichtigte sie und ermahnte seinen Sohn sehr.

41. All dies wiederholte sich ein zweites Mal. Beim dritten Mal aber sprach die aufgebrachte Bevölkerung: "Töte deinen Sohn!"

42./43. Da ließ der König den Vijaya und sein Gefolge -- insgesamt 700 Mann -- am halben Kopf kahl scheren [kahl scheren bedeutet, dass man jemanden zum Unfreien/Sklaven macht], ließ sie in ein Schiff werfen und ließ sie aufs Meer treiben. Desgleichen tat er mit ihren Gattinnen und Kindern.

44. Da sie getrennt treiben gelassen worden waren, landeten Männer, Frauen und Kinder getrennt auf [drei verschiedenen] Inseln und wohnten dort.

45. Das Inselchen, auf dem die Kinder landeten, wurde Naggadîpa [Insel der Nackten = Kinder] genannt, die Insel, auf der die Frauen landeten, Mahîlâdîpaka [Fraueninselchen].

46. Vijaya aber landete im Hafen Suppâraka [heute Sopâra, nördlich von Bombay], er geriet aber dort in Gefahr wegen der Gewalttaten seines Gefolges und schiffte wieder ein.

47. In Lankâ landete der Prinz Vijaya, der Entschlossene, im Tambapannigebiet am Tag, da der zur Wahrheit Gelangte [Buddha Gotama] zwischen den Zwillings-Salbäumen [Shorea robusta] lag, um zu erlöschen. [d.h. nach der Theravâdachronologie 543 v. Chr.]

Damit ist die menschliche Landnahme Lankâ's auf einen für Buddhisten im Höchstmaße glücksverheißenden Tag gelegt und -- sozusagen im letzten Augenblick -- mit dem Leben Buddha Gotama's verknüpft.

6.1. Kolophon

Dies ist das sechste Kapitel des Mahâvamsa, der zum Vertrauen und zur Erschütterung der guten Menschen verfasst wurde. Der Titel dieses Kapitels ist "Ankunft des Vijaya (in Lankâ)".

7. Kapitel 7: Die Weihe Vijaya's zum König

1./2. Als der Führer der Welten [Buddha Gotama], nachdem er das Heil aller Welten bewirkt hatte, den Augenblick des höchsten Friedens erreicht hatte und auf dem Lager des Eingehens in das vollkommene Erlöschen (parinibbâna) lag [nach Theravâdachronologie 543 v. Chr.] , da sprach er, der große Weise, der beste aller Sprechenden, inmitten der großen Götterversammlung, zu Sakka [= Indra, der Götterkönig], der nahe bei ihm stand:

3."Vijaya, der Sohn des Königs Sîhabâhu ist mit siebenhundert Gefolgsleuten vom Lâlaland nach Lankâ gekommen. [Siehe Kapitel 6]

4. Götterkönig, in Lankâ wird meine Lehre fest gegründet werden. Behüte deswegen ihn, sein Gefolge und Lankhâ gut!"

5. Kaum hatte der Götterkönig die Worte des zur Wahrheit Gelangten gehört, übergab er voll Respekt die Hut Lankas dem Gott Uppalavanna [dem Gott mit der Farbe eines blauen Lotus = Vishnu].

6. Sofort nachdem Sakka [Indra] ihn beauftragt hatte ging er [Vishnu] schnellstens nach Lankâ und setzte sich in der Gestalt eines Wanderasketen an den Fuß eines Baumes.

7. Von Vijaya angeführt kamen alle zu ihm [Vishnu] und fragten ihn, welche Insel das sei. Er antwortete ihnen, dass es die Insel Lankâ sei.

8./9. "Hier gibt es keine Menschen und es wird euch keine Gefahr drohen." Nach diesen Worten besprengte er sie mit Wasser aus einem Topf, band eine Schnur um ihre Hände [als Amulett; eine bis heute in ganz Süd- und Südostasien verbreitete Form des magischen Schutzes] und verschwand in der Luft. Eine Yakkhinî-Dienerin erschien in Gestalt einer Hündin.

Yakkhinî = weiblicher Yakkha. Zu den Yakkha siehe Kapitel 1

10. Obwohl es ihm der Prinz verboten hatte, ging einer aus Vijayas Gefolge hinter ihr her, da er dachte, dass es Hunde nur gibt, wo es ein Dorf gibt.

11. Die Herrin dieser [Hündin] -- eine Yakkhinî namens Kuvannâ -- saß dort [wo der Mann der Hündin folgte] am Fuße eines Baumes und spann wie eine Asketin.

12./13. Als der Mann einen Lotusteich sah und die dort sitzende Asketin, badete er dort, trank und kam mit Lotusstengeln und Wasser in Lotusblättern heraus. Sie sprach zu ihm: "Du bist meine Beute, bleib stehen!" Der Mann blieb wie gebannt stehen.

14. Wegen der Macht des Schutzamuletts [der um die Hand gebundenen Schnur] konnte sie ihn nicht verzehren. Obwohl die Yakkhinî die Schnur forderte, gab der Mann ihr diese nicht.

15. Die Yakkhinî ergriff den Mann, der schrie, und warf ihn in ein Loch. Auf die gleiche Weise warf sie alle Siebenhundert einzeln dort hinein.

16./17. Als alle nicht zurückkehrten bekam Vijaya Angst. Er band sich die fünf Waffen [Schwert, Bogen, Axt, Speer, Schild] um, ging und sah den schönen Lotusteich. Da er keine Spur von jemandem sah, der aus dem Teich herausgestiegen war und gleichzeitig diese Asketin sah, dachte er, dass diese seine Mannen sich gegriffen hatte.

18. Er fragte sie, ob sie nicht seine Mannen gesehen habe. Sie sprach: "Prinz, was hast du von deinen Mannen? Bade und trinke!"

19. Er war sich sicher, dass sie eine Yakkhinî war, da sie seinen Stand [mit der Anrede "Prinz"] erkannt hatte. Schnell nannte er seinen Namen, spannte seinen Bogen und griff sie an.

20./21. Er fasste die Yakkhinî im Nacken mit einem Fanghaken, mit der Linken nahm er sie am Haar, mit der Rechten zog er sein Schwert und forderte, dass sie ihm seine Mannen gebe, andernfalls er sie töten würde. Voll Todesfurcht bat die Yakkhinî um ihr Leben:

22. "Herr, schenke mir mein Leben, ich werde dir dafür ein Königreich geben. Ich werde für dich die Pflichten einer Gattin erfüllen und alle anderen Pflichten, die Du wünschst."

23. Um nicht überlistet zu werden, ließ er die Yakkhinî einen Eid leisten. Kaum hatte er ihr befohlen, seine Mannen schnell herbeizubringen, brachte sie diese auch schon.

24. Er sagte ihr, dass seine Mannen hungrig sind. Sie zeigte ihnen Reis und andere Speisen und vielerlei Gut aus den Schiffen der Kaufleute, die sie verzehrt hatte.

Sri Lanka ist heute noch unter Tauchern berühmt wegen der vielen Schiffswracks vor seinen Küsten.

25. Vijaya's Mannen bereiteten Speisen und Würzen. Dann gaben sie dem Prinzen zu essen und aßen dann selbst.

26./27./28./29. Nachdem die Yakkhinî den ersten Biss der Speisen, die ihr Vijaya hatte geben lassen, gegessen hatte, war sie zufrieden, nahm die bezaubernde Gestalt einer Sechzehnjährigen an und ging mit allem Schmuck geschmückt zum Prinzen. Am Fuße eines Baumes bereitete sie ein äußerst würdiges Lager, gut umgeben von Planen und mit einem Baldachin schön geschmückt. Als der Prinz das sah, sah er künftigen Vorteil und hatte mit ihr Geschlechtsverkehr. Dann fiel er glücklich auf sein Lager. All seine Mannen ließen sich rund um das Zelt nieder.

30. Als er nachts Musik hörte und hervorragenden Gesang fragte er die Yakkhinî, die bei ihm lag, was dies bedeute.

31./32. Die Yakkhinî dachte daran, dass sie ihrem Herrn das Königtum übergeben musste und sie deshalb alle Yakkha töten musste, da diese sonst sie töten würden, da sie Menschen ermöglicht, [in Lankâ] zu siedeln. Deshalb sagte sie zum Prinzen: "Herr, hier ist eine Yakkhastadt namens Sirîsavatthi.

33. Die Tochter des ältesten Yakkha, die in der Hauptstadt Lankâ's wohnt, wurde dort hin gebracht und auch ihre Mutter ist gekommen.

34. Anlässlich ihrer Hochzeit findet dort eine Woche lang ein großes Fest statt. Deshalb dieser Lärm, denn es sind viele zusammengekommen.

35. Töte noch heute die Yakkha, später ist es nicht mehr möglich!" Er fragte sie, wie er die Yakkhas töten solle, die unsichtbar sind.

36. Sie antwortete: "Ich werde dort schreien, auf diesen Schrei hin schlag zu, durch meine Macht wird die Waffe ihre Körper treffen."

37./38. Er tat, wie sie gesagt hatte, und tötete alle Yakkha. Als er gesiegt hatte, legte er selbst den Ornat des Yakkhakönigs an, die übrigen Ornate legte er seinen Mannen einzeln an.

Nachdem er an diesem Ort einige Tage geweilt hatte, ging er nach Tambapanni.

39. Vijaya erbaute die Hauptstadt Tambapanni und wohnte dort mit der Yakkhinî und seinen Beratern / Ministern.

40. Als die Gruppe Vijaya's vom Schiff an Land gegangen waren, haben sie sich müde auf der Erde niedergelassen, wobei sie sich mit ihren Händen am Boden abstützten.

41. Weil sie von der Berührung mit dem Staub des roten Bodens [Lateritboden] rote Hände bekamen (tambapâni), wurde diese Gegend und die ganze Insel zu Tambapanni [eine Volksetymologie des Namens Tambapanni, in Europa: Taprobane].

42. Weil König Sîhabâhu den Löwen [sîha] ergriffen hatte, hieß er Sîhala. Wegen der Verbindung zu ihm hießen auch alle [seine Leute] Sîhala.

43. Seine Berater / Minister gründeten hier und dort Dörfer. Anurâdhagâma [Anurâdhadorf, später Anurâdhapura -- Anurâdha-Stadt] gründete ein Minister mit diesem [Anurâdha] Namen in der Nähe des Kadamba-Flusses [heute: Malwatu-Oya].

44. Am Ufer des Gambhîra-Flusses, im Norden von Anurâdha [ca. 10 km nördlich], gründete der Hofkaplan Upatissa Upatissagâma [Upatissadorf].

45. Drei andere Berater / Minister gründeten Ujjenî, Uruvelâ [eine Hafenstadt] bzw. die Stadt Vijita [etwa 7 km südlich von Aukana].

46. Nachdem sie das Land besiedelt hatten kamen alle Berater / Minister zusammen und sprachen zum Prinzen: "Herr, lass dich zum König weihen!"

47. Der Prinz aber wollte nicht zum König geweiht werden, wenn nicht ein Fürstenmädchen (Khattiyamädchen) zur Königin geweiht würde.

48. Da die Berater / Minister großen Wert auf die Weihe ihres Herrn legten, überwanden sie ihre Befürchtungen bezüglich dieser Angelegenheit, obwohl die Mittel dazu sehr schwierig waren.

49./50. Sie sandten nach der südlichen Hauptstadt Madhurâ [heute: Madurai] Botschafter, denen sie viele wertvolle Geschenke wie Edelsteine, Perlen und ähnliches mitgaben. Diese sollten, ihrem Herrn ergeben, für ihren Herrn um die Tochter des Pandukönigs bitten sowie für die Berater / Minister und das Volk um die Töchter von anderen.

51. Schnell kamen die Botschafter mit einem Schiff zur Stadt Madhurâ und sie zeigten dem König die Geschenke und das Schreiben.

52./53./54. Der König beriet sich mit seinen Ratgebern / Ministern. Er war willens, seine Tochter nach Lankâ zu senden, und er hatte auch von andern Beratern / Ministern Töchter zur Verfügung gestellt bekommen, beinahe 100 Mädchen. Dann ließ er eine Trommel schlagen und verkündete: "Männer, die wünschen, dass ihre Tochter nach Lankâ geht, sollen ihre Töchter doppelt einkleiden und an die Türen ihrer Häuser stellen. Dies ist für uns das Zeichen, dass wir sie mitnehmen."

55./56.57. So bekam er viele Mädchen. Er entschädigte ihre Familien. Dann sandte er zusammen mit einem Schreiben an den Feindebezwinger Vijaya:

58. All diese Leute landeten mit Schiffen an einer großen Furt (mahâtitthe). Deswegen heißt dieser Hafen Mahâtittha [heute Mantota].

59. Vijaya hatte einen Sohn und eine Tochter von der Yakkhinî. Als er von der Ankunft der Prinzessin hörte, sprach er zur Yakkhinî:

60. "Geh nun du, meine Liebe, lass deine beiden Kinder zurück. Menschen fürchten sich nämlich immer vor nichtmenschlichen Wesen."

61. Als sie diese Worte hörte geriet sie in Furcht vor den Yakkha. Da sprach er zur Yakkhinî: "Mach dir keine Sorgen, ich werde dir als Opfer tausend Goldstücke darbringen."

62. Sie flehte ihn immer wieder vergeblich an. Da nahm sie beide Kinder und ging nach Lankâpura, obwohl sie Unheil befürchtete.

63./64. Sie ließ die Kinder außerhalb der Stadt warten und ging selbst in die Stadt. Die Yakkha in der Stadt erkannten die Yakkhinî, gerieten in Furcht, da sie in ihr eine Diebin sahen, und wurden erregt. Ein Gewalttäter tötete die Yakkhinî mit einem einzigen Schlag seiner Hand.

65. Ein Yakkha aber, ihr Onkel mütterlicherseits, ging aus der Stadt und traf die Kinder. Er fragte sie, wessen Kinder sie seien.

66. Sie antworteten, dass sie Kuvannâ's Kinder seien. Da erzählte er ihnen, dass ihre Mutter hier ermordet wurde. Auch die Kinder würde man umbringen, wenn man sie sähe. Sie sollten deshalb schnell fliehen.

67. Die Kinder flohen schnell zum Sumanakûta [Adam's Peak]. Der ältere Bruder verkehrte, nachdem er herangewachsen war, mit seiner jüngeren Schwester sexuell.

68. Sie vermehrten sich durch Söhne und Töchter und wohnten mit königlicher Erlaubnis dort in Malaya [Bergland Sri Lankas]. So entstanden die Pulinda [die Wedda oder eine Untergruppe der Wedda, s. Kapitel 1].

69. Die Botschafter des Pandukönigs übergaben dem Prinzen Vijaya die Geschenke sowie die Mädchen, allen voran die Tochter des Königs.

70. Vijaya erwies den Botschaftern jegliche Ehre und gab den Beratern / Ministern und dem Volk die Mädchen ihrem jeweiligen Stand entsprechend.

71. Alle Berater / Minister versammelten sich und weihten Vijaya ordnungsgemäß und veranstalteten ein großes Fest.

72. Dann weihte König Vijaya mit großer Sorgfalt die Tochter des Pandukönigs zur Königsgemahlin.

73. Die Berater / Minister beschenkte er. Jährlich schenkte er seinem Schwiegervater Schnecken und Perlen im Wert von 200.000 [Goldmünzen].

74. Vijaya, der Menschenkönig, gab sein früheres böses Verhalten auf und regierte in der Hauptstadt Tambapanni ganz Lankâ in Frieden und Gerechtigkeit 38 Jahre lang.

7.1. Kolophon

Dies ist das siebte Kapitel des Mahâvamsa, der zum Vertrauen und zur Erschütterung der guten Menschen verfasst wurde. Der Titel dieses Kapitels ist "Die Weihe Vijaya's zum König".

11. Kapitel 11: Die Weihe Devânampiyatissa's zum König

11.1. König Mutasiva (regierte 307 bis 247 v. Chr.)

1. Nach dem Tod Pandukâbhaya's [regierte von 377 bis 307] erhielt sein Sohn, der als Mutasiva [regierte von 307 bis 247] bekannt war, der Sohn der Suvannapâli [der Tochter von Pandukâbhaya's Onkel], das friedliche Königreich.

2. Dieser König ließ [in Anurâdhapura] den schönen Mahâmeghavana-Park anlegen, der reich war an allen Vorzügen, die aus seinem Namen folgen [Mahâmeghavana = Wald der großen Wolke, d.h. es folgen daraus alle Vorteile, die eine gut beregnete Gegend hat]. In diesem Park gab es Blüten- und Fruchtbäume.

3. Als der Platz für diesen Park ausgewählt wurde, regnete eine große Wolke zur Unzeit los, deswegen nannte man den Park Mahâmeghavana [Wald der großen Wolke].

4. Mutasiva regierte 60 Jahre lang [von 307 bis 247] im prächtigen Anurâdhapura, dem schönen Antlitz des Lankâlandes.

Anurâdhapura ist seit Pandukâbhya [regierte von 377 bis 307] Hauptstadt des Landes

5. Er hatte zehn Söhne, gegenseitig bedacht auf ihr Heil, sowie zwei angenehme Töchter, würdig ihrer Familie.

6. Sein zweiter Sohn, als Devânampiyatissa bekannt, war unter all seinen Brüdern der tugendhafteste und weiseste.

11.2. Erste Weihe Devânampiyatissa's zum König (247 v. Chr.)

7. Dieser Devânampiyatissa wurde nach dem Tod seines Vaters König [er regierte von 247 bis 207 v. Chr.]. Bei seiner Königsweihe geschahen viele Wunder:

8. Überall auf der Lankâ-Insel kamen Schätze und Edelsteine, die im Erdinnern waren, auf die Erdoberfläche heraus.

9. Edelsteine, die im Meer lagen, weil sie von gesunkenen Schiffen stammten oder weil sie im Meer gewachsen waren, kamen an die Strände.

Sri Lanka ist heute noch unter Tauchern berühmt wegen der vielen Schiffswracks vor seinen Küsten.

10. Am Fuß des Châta-Berges wuchsen drei Bambusstämme, die den Umfang einer Wagenpeitsche hatten.

Der Châtaberg ("Hungerberg") liegt südöstlich von Anurâdhapura, er wird mit dem Hügel bei Galkulama identifiziert, auf dem heute der Talaguru Vihâra steht.

14./15. Perlen der acht Gattungen, nämlich

  1. Pferdeperlen,
  2. Elefantenperlen,
  3. Wagenperlen,
  4. Myrobalanenperlen [Myrobalane = Phyllanthus emblica],
  5. Armbandperlen,
  6. Fingerringperlen,
  7. Kakudhafruchtperlen [Kakudha = Terminalia arjuna] und
  8. gewöhnliche Perlen

kamen aus dem Meer heraus und lagen auf dem Strand wie ein Wall.

Die Perlengattungen sind vermutlich vor allem nach Größe und Form gebildet, eine Zuordnung kann ich allerdings nicht geben.

All dies wurde durch das Verdienst Devânampiyatissa's bewirkt.

16./17. Innerhalb einer Woche brachte man Saphir, Beryll [wahrscheinlich in der Aquamarin-Varietät], Rubin, diese Edelsteine und viele Juwelen und die genannten Perlen und diese drei Bambusstämme zum König.

Sri Lanka ist bekannt für seine Edelsteine aus der Korundfamile (Al2O3), d.h. Rubine und Saphire. Aus der Beryllfamilie (Be3Al2Si6018) kommt in Sri Lanka vor allem Aquamarin vor.

Als er diese sah, war der König froh und überlegte:

18. "Mein Freund Dhammâsoka und kein anderer ist dieser meiner unschätzbaren Juwelen würdig. Ich will sie also ihm schenken."

Asoka Moriya, 3. König der Maurya-Dynastie, der etwa 268-232 v. Chr. über das Großreich Mâgadha herrschte. Nach dem blutigen Feldzug um 261 gegen Kalinga (heute Orissa) verzichtete er auf weitere kriegerische Eroberungen und bemühte sich, Tugend und Recht (dhamma) zum Sieg zu verhelfen. Deswegen wurde er nach seiner Bekehrung Dhammâsoka genannt.

19. Die Könige Devânampiyatissa und Dhammâsoka waren nämlich seit langem Freunde, die sich noch nie gesehen hatten [d.h. sozusagen Brieffreunde].

11.3. Devânampiyatissa's Gesandtschaft zu König Asoka

20./21./22. Der König ernannte vier Personen zu Gesandten:

  1. seinen Schwestersohn Mahârittha, seinen Chefberater,
  2. seinen Hofbrahmanen,
  3. einen Berater,
  4. seinen Schatzmeister

und entsandte sie. Mit ihnen sandte er eine Heerschar zum Schutz und er gab ihnen diese unschätzbaren Juwelen mit, die drei Arten von Edelstein [nämlich Saphir, Beryll, Rubin], die drei Bambusstämme, eine rechtsdrehende Schnecke [ist ein Glücksbringer], und die acht Arten von Perlen.

23./24. Diese Gesandtschaft ging in Jambukola [Hafen für Anurâdhapura heutiges Kankesanturai auf Nâgadîpa, der Jaffna-Halbinsel] an Bord eines Schiffes, erreichte nach sieben Tagen heil den Hafen [Tâmalittî, heute Tamluk in West Bengal] und kam nach weiteren sieben Tagen nach Pâtaliputta [heute: Patna]. Dort übergaben sie dem König Dhammâsoka diese Geschenke. Als dieser sie sah, freute er sich.

25./26. Da ihm bewusst war, dass er solcherlei Wertgegenstände nicht hatte, ernannte der erfreute König den Arittha zum General, den Brahmanen zum Hofkaplan, den Berater ernannte er zum Obersten der Exekutive, den Schatzmeister zum Oberzunftmeister.

Das bis heute übliche diplomatische Zeremoniell der Titelverleihung und Ordensübergabe.

27. Er verpflegte und unterhielt reichlich und gab ihnen Wohnhäuser. Dann beriet er mit seinen Beratern über das Gegengeschenk an Devânampiyatissa.

28.-33. Er gab, was für eine Königsweihe nötig war, auserlesene Requisiten, nämlich:

All dies sandte der König Dhammâsoka seinem Freund Devânampiyatissa zur rechten Zeit als Geschenk mit Gesandten.

Er sandte ihm auch dieses Geschenk der Wahren Lehre:

34. "Ich habe Zuflucht genommen zu Buddha, seiner Lehre und der Gemeinschaft der Erlösten. Ich habe mich zum Laienanhänger in der Religion des Sohnes aus dem Sâkiyastamme erklärt.

35. Bester Mann, nimm auch du gläubig Zuflucht bei diesen höchsten Juwelen indem du in ihnen zur heiteren Ruhe kommst [d.h. dich bekehrst und ihnen vertraust]."

36. Er sprach zu den Beratern seines Freunds: "Wiederholt die Königsweihe meines Freundes". Dann erwies er ihnen alle Ehre und entließ sie.

37. Die Berater Devânampiyatissa's hatten fünf Monate bei Dhammâsoka geweilt und wurden über alle Maßen geehrt. Dann sind sie am ersten Tage der hellen Hälfte des Monats Vesâkha [d.h. am Neumondtag des 2. Monats (März/April bzw. April/Mai)] aufgebrochen.

38. In Tâmalitti gingen sie an Bord des Schiffes und verließen es in Jambukola [heutiges Kankesanturai auf der Jaffna-Halbinsel]. Am zwölften Tag trafen sie beim König ein.

39. Die Botschafter übergaben dem Herrscher Lankâ's die Geschenke, der Herr Lankâ's erwies ihnen große Ehre.

11.4. Zweite Weihe Devânampiyatissa's zum König

40./41. Die ihrem Herrn ergebenen Berater waren auf das Heil ihres Herrn bedacht und erzählten vom Ratschlag Dhammâsokas. Devânampiyatissa lag am Glück und Heil Lankâ's. Deshalb weihten sie den König Lankâ's, der schon einmal am ersten Tag des zunehmenden Mondes des Monats Maggasira [d.h. am Neumondtag des 9. Monats (Oktober/November bzw. November/Dezember)] zum König geweiht worden war, ein zweites Mal zum König.

42. So wurde am Vollmondtag des Monats Vesâkha [am Tag der Geburt, der erlösenden Einsicht und des vollkommenen Dahinscheidens des Buddha, d.h. am glückverheißendsten Tag des Jahres] der König, in dessen Namen "Götterliebling" [Devânampiya] enthalten ist, der seinem Volk Glück schenkt, zum König geweiht in Lankâ, wo überall ein freudiges Fest gefeiert wurde.

Devânampiya = Götterliebling ist ein Beiwort, das sich auch Asoka in seinen Inschriften gibt. Viele spätere Könige Lankâs haben dieses Beiwort.

11.5. Kolophon

Dies ist das elfte Kapitel des Mahâvamsa, der zum Vertrauen und zur Erschütterung der guten Menschen verfasst wurde. Der Titel dieses Kapitels ist "Weihe Devânampiyatissa's zum König".

12. Kapitel 12: Die Bekehrung verschiedener Länder

12.1. Moggaliputta's Aussendung der Missionare

1./2. Als der Thera Moggaliputta [Moggaliputta-Tissa, Vorsitzender des 3. Konzils], die Leuchte in der Lehre des Eroberers, das dritte Konzil [in Pâtaliputta] beendet hatte [nach Theravâdachronologie 308 v. Chr.], blickte er auf die Zukunft und sandte im Monat Kattika [8. Monat (September/Oktober bzw. Oktober/November), d.h. nach Ende der Regenzeit] verschiedene Thera's an verschiedene Orte, um in Nachbarländern die buddhistische Religion zu gründen.

3.-8.

12.2. Majjhantika's Mission in Kasmîra und Gandhâra

9./10./11. Damals ließ in Kasmîra und Gandhâra der wundermächtige Nâgakönig Aravâla Hagelregen auf das reife Getreide fallen und er spülte alles erbarmungslos ins Meer.

Nâga sind mythische Kobras, die auch andere Gestalten annehmen können.

Der Thera Majjhantika ging schnell durch die Luft dorthin und vollbrachte solche Taten, wie auf der Wasseroberfläche des Aravâlasees [See, in dem Aravâla haust, nicht identifiziert] herumwandeln. Die Nâgas sahen das und meldeten es erregt ihrem König.

12./13./14. Erregt veranlasste der Nâgakönig verschiedenerlei Schreckliches:

15. Der Thera wehrte all diese Schrecken mit seiner Macht ab und sprach zum Nâgakönig und verwies auf seine unübertreffliche Macht:

16. "Selbst wenn die Welt samt ihren Göttern käme und mich erschrecken wollte, dann gäbe es keine mir gleichwertige Macht, die mich erschrecken und ängstigen könnte.

17./18. Selbst wenn du, großer Nâga, die ganze Erde samt den Ozeanen und Gebirgen hochheben und auf mich werfen würdest, könntest du auf keinen Fall in mir Angst und Furcht erwecken. Im Gegenteil: es wäre nur deine eigene Vernichtung, König der Schlangen."

19. Als der Nâgakönig das hörte, wurde er demütig. Da predigte ihm der Thera die Lehre. Daraufhin gründete sich der Nâgakönig auf die Zufluchten und die Übungspunkte der Sittlichkeit.

20. Ebenso taten 84000 Schlangen [Nâga], und viele Gandhabba [himmlische Musikanten], Yakkha [nichtmenschliche Wesen, teilweise hilfreich, teilweise schädlich; siehe Kapitel 1] und Kumbandhaka im Himâlaya.

Der Herr der Gandhabba ist Dhattarattha, der Herr über den Osten, der Herr der Kumbandhaka ist Virûlhaka, der Herr über den Süden.

21. Ein Yakkha namens Pandaka erreichte zusammen mit seiner Yakkhinî Hâritâ und seinen fünfhundert Söhnen die erste Frucht [der Erlösung, d.h. die des Stromeingetretenen].

Zu Weg und Frucht siehe: Payer, Alois <1944 - >: Dhammavibhânga -- Begriffsreihen der Buddhalehre. -- Teil II,2: Vierer-, Fünfer- und Sechsergruppen. -- (Materialien zu den Grundbegriffen des Buddhismus). -- URL: http://www.payer.de/buddhgrund/damma22.htm

22./23. Der Thera unterwies sie: "Lasst ab jetzt keinen Zorn mehr entstehen wie bisher, vernichtet nicht mehr das Getreide. Alle Lebewesen wünschen sich Wohlergehen, habt darum Güte zu allen Wesen. Die Menschen mögen hier glücklich wohnen." Die Zuhörer befolgten diese Worte.

24. Da ließ der Schlangenkönig den Thera sich auf einen Juwelenthron setzen und stand in seiner Nähe, ihm zufächelnd.

25./26. Da erkannten die Menschen, die in Kasmîra und Gandhârva wohnten und die gekommen waren, um den Nâgakönig zu verehren, dass der Thera der Wundermächtigere [von beiden] war. Sie begrüßten den Thera formgemäß und setzten sich seitlich hin. Der Thera belehrte sie mit dem Schlangengleichnis.

Schlangengleichnis [âsivisûpamâ]: Anguttaranikâya II, 110 - 111:

"110 Das Gleichnis von den Schlangen

Vier Arten von Schlangen gibt es, ihr Mönche. Welche vier? Die Schlange, die häufig Gift speit, deren Gift aber ungefährlich ist; die Schlange, deren Gift gefährlich ist, die aber nur selten Gift speit; die Schlange, die häufig Gift speit und deren Gift gefährlich ist; die Schlange, die selten Gift speit und deren Gift ungefährlich ist.

Ebenso auch, ihr Mönche, sind in der Welt vier den Schlangen ähnliche Menschen anzutreffen. Welche vier? Der Mensch, der häufig Gift speit, dessen Gift aber ungefährlich ist; der Mensch, dessen Gift gefährlich ist, der aber nur selten Gift speit; der Mensch, der häufig Gift speit und dessen Gift gefährlich ist; der Mensch, der selten Gift speit und dessen Gift ungefährlich ist.

Wie aber, ihr Mönche, speit ein Mensch häufig Gift, doch sein Gift ist ungefährlich? Da gerät einer häufig in Zorn, doch sein Zorn hält nicht lange an ....

Wie aber ist eines Menschen Gift gefährlich, doch er speit nur selten Gift? Da gerät einer nur selten in Zorn, doch sein Zorn hält lange an ....

Wie aber speit ein Mensch häufig Gift und sein Gift ist gefährlich? Da gerät einer häufig in Zorn und sein Zorn hält lange an ....

Wie aber speit ein Mensch selten Gift und sein Gift ist ungefährlich? Da gerät einer selten in Zorn und sein Zorn hält nicht lange an ....

Diese vier den Schlangen ähnlichen Menschen sind in der Welt anzutreffen."

[Übersetzt von Nyanatiloka: Die Lehrreden des Buddha aus der Angereihten Sammlung = Anguttara-Nikâya / aus dem Pâli übersetzt von Nyanatiloka. -- 3., revidierte Neuauflage. -- Köln: DuMont Schauberg. -- Bd. 2. -- ©1969. -- S. 99]

Es könnte auch das Âsivisa-sutta, Samyuttanikâya IV, 172 - 175 gemeint sein.

27. Achtzigtausend erfassten die Lehre voll, hunderttausend Männer wurden beim Thera Novizen.

Da der Thera allein war, war nicht die nötige Anzahl von mindestens fünf Mönchen vorhanden für eine Mönchsweihe (upasampadâ), wohl aber war die Aufnahme als Novize (pabbajjâ) möglich, die jeder einzelne Thera vornehmen kann.

Ausführlich zu den ordensrechtlichen Fragen von Mönchsweihe und Novizenweihe siehe:

Payer, Alois <1944 - >: Vinayamukha: Grundbegriffe der Ordensregeln und des Ordensrechts des Theravâda. -- Teil I. -- (Materialien zu den Grundbegriffen des Buddhismus). -- URL: http://www.payer.de/buddhgrund/vinaya01.htm

28. Seit damals leuchtet Kasmîra und Gandhâra von fahlen Roben [d.h. Angehörigen des buddhistischen Ordens] und gründet im dreifachen Fundament [Buddha, Lehre, Gemeinschaft der Erlösten].

12.3. Mahâdeva's Mission in Mahisamandala

29. Als der Thera Mahâdeva ins Land Mahisamandala gekommen war, lehrte er dort inmitten des Volkes die Lehrrede von den Götterboten.

Lehrrede von den Götterboten (Devadûta-Sutta) = Anguttaranikâya I, 138f., ausführlicher Majjhimanikâya III, 178ff.

"36 Die drei Götterboten

Drei Götterboten gibt es, ihr Mönche. Welche drei?

Da führt einer einen schlechten Wandel in Werken, einen schlechten Wandel in Worten, einen schlechten Wandel in Gedanken. Solch schlechten Wandel führend, gerät er beim Zerfall des Körpers, nach dem Tode, in niedere Welt, auf eine Leidensfährte, in Daseinsabgründe, in die Hölle. Und die Höllenwächter, ihr Mönche, packen ihn an beiden Armen und bringen ihn vor den König Yama mit den Worten: 'Dieser Mensch, o Herr, hatte keine Ehrfurcht vor seinen Eltern, keine Ehrfurcht vor Asketen und Brahmanen, achtete nicht die Ältesten in der Familie. Möge ihm der Herr Strafe auferlegen!'

(1.) Und der König Yama, ihr Mönche, fragte, forschte und hörte ihn über den ersten Götterboten aus: 'O Mensch, sahest du nicht unter den Menschen den ersten Götterboten erscheinen?'

Er aber sprach: 'Herr, ich sah ihn nicht.'

Und König Yama sprach zu ihm: 'O Mensch, sahest du nie unter den Menschen eine Frau oder einen Mann im Alter von achtzig, neunzig oder hundert Jahren, abgelebt, gekrümmt wie Dachsparren, gebückt, auf eine Krücke gestützt, schlotternden Ganges dahinschleichend, siech, mit verwelkter Jugend, mit abgebrochenen Zähnen und ergrautem Haar, oder kahl, mit wackelndem Kopfe, voller Runzeln, die Glieder mit Flecken bedeckt?'

'Ja, o Herr, solche habe ich gesehen.'

Und der König Yama sprach: 'Und dachtest du nicht daran, o Mensch, der du Verstand besitzest und alt genug bist: »Auch ich bin dem Alter unterworfen, kann dem Alter nicht entgehen. So lass mich denn Gutes tun in Werken, Worten und Gedanken«?'

Jener aber sprach: 'O Herr, ich war außerstande! O Herr, ich war leichtsinnig!'

Und der König Yama sprach: 'O Mensch, aus Leichtsinn hast du weder in Werken, noch Worten, noch Gedanken Gutes getan. Wahrlich, gemäß deinem Leichtsinn wird man's dir vergelten. Denn jene schlechte Tat wurde weder von deiner Mutter begangen, noch deinem Vater, noch deinem Bruder, noch deiner Schwester, noch von deinen Freunden und Genossen, noch deinen Vettern und Blutsverwandten, noch von Götterwesen, Asketen oder Priestern. Du allein hast jene schlechte Tat begangen, du allein wirst deren Frucht erfahren.'

(2.) Als nun, ihr Mönche, der König Yama ihn über den ersten Götterboten ausgefragt, ausgeforscht und ausgehorcht hatte, fragte, forschte und horchte er ihn über den zweiten Götterboten aus: 'O Mensch, sahest du nicht unter den Menschen den zweiten Götterboten erscheinen?'

Er aber sprach: 'Herr, ich sah ihn nicht.'

Und der König Yama sprach zu ihm: 'O Mensch, sahest du nie unter den Menschen eine Frau oder einen Mann, krank, elend, schwer leidend, sich im eigenen Kot und Urin herumwälzend, die von dem einen aufgerichtet, von einem anderen wieder ins Bett gelegt wurden?'

'Ja, o Herr, ich habe solche gesehen.'

Und der König Yama sprach zu ihm: 'Und dachtest du nicht, o Mensch, der du Verstand besitzest und alt genug bist: »Auch ich bin der Krankheit unterworfen, kann der Krankheit nicht entgehen. So lass mich denn Gutes tun in Werken, Worten und Gedanken«?'

Jener aber sprach: 'O Herr, ich war außerstande! O Herr, ich war leichtsinnig!'

'O Mensch, aus Leichtsinn hast du weder in Werken, noch Worten, noch Gedanken Gutes getan. Wahrlich, o Mensch, gemäß deinem Leichtsinn wird man's dir vergelten. Denn jene schlechte Tat wurde weder von deiner Mutter begangen, noch deinem Vater, noch deinem Bruder, noch deiner Schwester, noch von deinen Freunden und Genossen, noch deinen Vettern und Blutsverwandten, noch von Götterwesen, Asketen oder Priestern. Du allein hast jene schlechte Tat begangen, du allein wirst deren Frucht erfahren.'

(3.) Als nun, ihr Mönche, der König Yama ihn über den zweiten Götterboten ausgefragt, ausgeforscht und ausgehorcht hatte, fragte, forschte und horchte er ihn über den dritten Götterboten aus: 'O Mensch, sahest du nicht unter den Menschen eine Frau oder einen Mann einen oder zwei oder drei Tage nach dem Tode, aufgeschwollen, von blauschwarzer Farbe, mit Eiter bedeckt?'

'Ja, o Herr, ich habe solche gesehen.'

'Und dachtest du nicht, o Mensch, der du Verstand besitzest und alt genug bist: »Auch ich bin dem Tode unterworfen, kann dem Tode nicht entgehen. So lass mich denn Gutes tun in Werken, Worten und Gedanken«?'

'O Herr, ich war außerstande! O Herr, ich war leichtsinnig!'

'O Mensch, aus Leichtsinn hast du weder in Werken, noch Worten, noch Gedanken Gutes getan. Wahrlich, o Mensch, gemäß deinem Leichtsinn wird man's dir vergelten. Denn jene schlechte Tat wurde weder von deiner Mutter begangen, noch von deinem Vater, noch von deinem Bruder, noch von deiner Schwester, noch von deinen Freunden und Genossen, noch deinen Vettern und Blutsverwandten, noch von Götterwesen, Asketen oder Priestern. Du allein hast jene schlechte Tat begangen, du allein wirst deren Frucht erfahren.' Als nun, ihr Mönche, der König Yama ihn über den dritten Götterboten ausgefragt, ausgeforscht und ausgehorcht hatte, schwieg er.

Und die Höllenwächter, ihr Mönche, foltern ihn dann mit der fünffachen Pfählung: sie treiben ihm eine glühende Eisenstange durch die eine Hand, treiben ihm eine glühende Eisenstange durch die andere Hand, treiben ihm eine glühende Eisenstange durch den einen Fuß, treiben ihm eine glühende Eisenstange durch den anderen Fuß, treiben ihm eine glühende Eisenstange durch die Brust. Dabei empfindet er schmerzhafte, stechende, peinigende Gefühle; doch nicht stirbt er, bevor nicht jene schlechte Tat erschöpft ist.

Darauf legen ihn die Höllenwächter zu Boden und zerhacken ihn mit Beilen. Dabei empfindet er schmerzhafte, stechende und peinigende Gefühle; doch nicht stirbt er, bevor nicht jene schlechte Tat erschöpft ist.

Sodann hängen ihn die Höllenwächter mit den Füßen nach oben und dem Kopf nach unten und zerhacken ihn mit Schwertern. Sie spannen ihn vor einen Wagen und lassen ihn über eine lodernde, flammende, glühende Fläche hin und her laufen. Sie lassen ihn einen großen lodernden, flammenden, glühenden Kohlenberg hinauf und hinab steigen. Sie packen ihn an den Füßen und werfen ihn kopfüber in einen lodernden, flammenden, glühenden Erzkessel. Dort kocht er im aufwallenden Schaume und während er so kocht, treibt er einmal nach oben, einmal nach unten, einmal nach der Seite. Dabei empfindet er schmerzhafte, stechende und peinigende Gefühle; doch er stirbt nicht, bevor nicht jene schlechte Tat erschöpft ist.

Darauf, ihr Mönche, werfen ihn die Höllenwächter in die Erzhölle. Von jener Erzhölle aber heißt es:

»Quadratisch ist sie, hat vier Tore; in Teile ist sie abgesteckt, von einem Eisenwall umgeben, mit einem Eisendach bedeckt.

Aus Eisen auch besteht ihr Boden; der glüht und leuchtet weit und breit, strahlt hundert Meilen rings umher und bleibt für alle Ewigkeit.«"

[Übersetzt von Nyanatiloka: Die Lehrreden des Buddha aus der Angereihten Sammlung = Anguttara-Nikâya / aus dem Pâli übersetzt von Nyanatiloka. -- 3., revidierte Neuauflage. -- Köln: DuMont Schauberg. -- Bd. 1. -- ©1969. -- S. 127 - 130]

30. Vierzigtausend reinigten ihr Auge für die Lehre, vierzigtausend wurden bei diesem Thera Novizen.

12.4. Rakkhita's Mission in Vanavâsa

31. Als Rakkhita nach Vanavâsa gekommen war verkündete er inmitten der Leute, in der Luft stehend, den Anamataggasamyutta.

Anamataggasamyutta = der fünfzehnte Großabschnitt des Samyuttanikâya (II, 178 - 193): es ist eine Sammlung über den nicht berechenbaren Anfang des Samsâra.

...

32. Sechzigtausend Leute erfassten die Lehre voll, siebenunddreißigtausend wurden bei ihm Novizen.

33. Er gründete in diesem Land fünfhundert Klöster. So gründete der Thera dort die Religion des Eroberers.


12.5. Dhammarakkhita's Mission in Aparantaka

34. Als der Thera Dhammarakkhita, der Yona [Grieche], nach Aparantaka gekommen war, verkündete er inmitten der Leute die Lehrrede vom Feuerflammengleichnis.

Lehrrede Feuerflammengleichnis (Aggikhandopamâ-Sutta): Anguttaranikâya IV, 128f.

"68 Das Los des falschen Asketen

So habe ich gehört. Einst wanderte der Erhabene mit einer großen Schar von Mönchen durch das Land der Kosaler. Während aber der Erhabene auf der Straße einherzog, bemerkte er an einer gewissen Stelle ein großes flackerndes, loderndes, leuchtendes Feuer. Bei seinem Anblick bog er vom Wege ab und nahm am Fuß eines Baumes auf einem hergerichteten Sitze Platz. Darauf wandte er sich an die Mönche und sprach:

»Seht ihr wohl, ihr Mönche, jenes große flackernde, lodernde, leuchtende Feuer?«

»Gewiss, o Herr.«

»Was haltet ihr da wohl für besser, ihr Mönche: dass man jenes große flackernde, lodernde, leuchtende Feuer umarmt, sich daneben hinsetzt, sich daneben legt, oder aber dass man eine mit weichen, zarten Händen und Füßen begabte Jungfrau aus dem Adels-, Brahmanen- oder Bürgerstande umarmt und sich neben sie hinsetzt oder sich neben sie legt?«

»Besser ist es freilich, o Herr, dass man eine mit weichen, zarten Händen und Füßen begabte Jungfrau aus dem Adels-, Brahmanen- oder Bürgerstande umarmt und sich neben sie hinsetzt oder sich neben sie legt; denn Schmerzen bringt es, o Herr, wollte man jenes große flackernde, lodernde, leuchtende Feuer umarmen, sich daneben hinsetzen, sich daneben legen.«

»Ich sage euch, ihr Mönche, ich künde euch, ihr Mönche: besser wäre es wahrlich für den sittenlosen, dem Schlechten ergebenen Mönch von unlauterem und verdächtigem Benehmen, von versteckter Tat, für den Nichtasketen, der sich als Asketen ausgibt, für den Unkeuschen, der sich als keusch lebend ausgibt, der innerlich verdorben ist, befleckt, von schmutzigem Wesen, dass er jenes große flackernde, lodernde, leuchtende Feuer umarmt und sich daneben hinsetzt, daneben legt, als dass er eine mit weichen, zarten Händen und Füßen begabte Jungfrau aus dem Adels-, Brahmanen- oder Bürgerstande umarmt und sich neben sie hinsetzt oder neben sie legt.

Und warum? Dadurch mag er zwar dem Tode oder tödlichem Schmerz verfallen; nicht aber gerät er darum beim Zerfall des Körpers, nach dem Tode, in niedere Welt, auf eine Leidensfährte, in die Daseinsabgründe, zur Hölle. Wenn aber ein solcher eine mit weichen, zarten Händen und Füßen begabte Jungfrau aus dem Adels-, Brahmanen- oder Bürgerstande umarmt und sich neben sie hinsetzt oder sich neben sie legt, so gereicht ihm das, ihr Mönche, lange Zeit zum Unheil und Leiden; und beim Zerfall des Körpers, nach dem Tode, gerät er in eine niedere Welt, auf eine Leidensfährte, in die Daseinsabgründe, zur Hölle.

Was haltet ihr wohl für besser, ihr Mönche: dass ein kräftiger Mann einem einen festen, härenen Strick um beide Beine schlingt und hin und her reibt, so dass der Strick erst die Oberhaut durchschürft, dann die Unterhaut, dann das Fleisch, dann die Sehnen, dann die Knochen durchschneidet und schließlich am Knochenmark anlangt oder dass man von mächtigen Adeligen, Brahmanen oder Bürgern ehrfurchtsvolle Begrüßung entgegennimmt?«

»Besser ist es freilich, o Herr, dass man von mächtigen Adeligen, Brahmanen oder Bürgern ehrfurchtsvolle Begrüßung entgegennimmt; denn Schmerzen bringt es, o Herr, wenn ein kräftiger Mann einem einen festen, härenen Strick um beide Beine schlingt und hin und her reibt.«

»Ich sage euch, ihr Mönche, ich künde euch, ihr Mönche: besser wäre es wahrlich für den sittenlosen, dem Schlechten ergebenen Mönch von unlauterem und verdächtigem Benehmen, von versteckter Tat, für den Nichtasketen, der sich als Asketen ausgibt, den Unkeuschen, der sich als keusch lebend ausgibt, der innerlich verdorben ist, befleckt, von schmutzigem Wesen, dass ihm ein kräftiger Mann einen starken, härenen Strick um beide Beine schlingt und hin und her reibt

..., als dass er von mächtigen Adeligen, Brahmanen oder Bürgern ehrfurchtsvolle Begrüßung entgegennimmt ....

»... Ich sage euch, ihr Mönche, ich künde euch, ihr Mönche: besser wäre es wahrlich für einen solchen, dass ihm ein kräftiger Mann einen scharfen, mit Öl gereinigten Speer in die Brust stieße, als dass er von mächtigen Adeligen, Brahmanen oder Bürgern ehrerbietigen Handgruß entgegennimmt ....

»... Ich sage euch, ihr Mönche, ich künde euch, ihr Mönche: besser wäre es wahrlich für eine solchen, dass ihm ein kräftiger Mann einen glühenden, feurigen, flammenden, lodernden Eisenpanzer um den Leib legte, als dass er das von mächtigen Adeligen, Brahmanen oder Bürgern aus Vertrauen gespendete Gewand anlegt ....

»... Ich sage euch, ihr Mönche, ich künde euch, ihr Mönche: besser wäre es wahrlich für einen solchen, dass ihm ein kräftiger Mann mit einer glühenden, feurigen, flammenden, lodernden Eisenstange den Mund aufrisse und eine glühende, feurige, flammende, lodernde Eisenkugel in seinen Mund fallen ließe, die ihm Lippen, Mund, Zunge, Kehle und Leib verbrennt und Eingeweide und Gekröse mit sich führend hinten wieder herauskommt, als dass er die von mächtigen Adeligen, Brahmanen oder Bürgern aus Vertrauen gespendete Almosenspeise verzehrt ....

»... Ich sage euch, ihr Mönche, ich künde euch, ihr Mönche: besser wäre es wahrlich für einen solchen, dass ihn ein kräftiger Mann am Schopf oder an den Schultern packt, und ihn auf ein glühendes Eisenbett oder auf einen glühenden Eisenstuhl niederzwingt, als dass er ein von mächtigen Adeligen, Brahmanen oder Bürgern aus Vertrauen gespendetes Bett oder einen Stuhl benutzt ....

»... Ich sage euch, ihr Mönche, ich künde euch, ihr Mönche: besser wäre es wahrlich für einen solchen, dass ihn ein starker Mann an den Füßen packt, und ihn kopfüber in einen glühenden, feurigen, flammenden, lodernden Erzkessel wirft, und er, während er dort kocht, mit dem aufsiedenden Schaum einmal nach oben, einmal nach unten und einmal quer hinüber getrieben wird, als dass er ein von mächtigen Adeligen, Brahmanen oder Bürgern aus Vertrauen gespendetes Kloster bewohnt. Und warum? Dadurch mag er zwar dem Tode oder tödlichem Schmerz verfallen; nicht aber gerät er darum beim Zerfall des Körpers, nach dem Tode, in niedere Welt, auf eine Leidensfährte, in die Daseinsabgründe, zur Hölle. Wenn aber ein solcher ein von mächtigen Adeligen, Brahmanen oder Bürgern aus Vertrauen gespendetes Kloster bewohnt, so gereicht ihm das, ihr Mönche, lange Zeit zum Unheil und Leiden; und beim Zerfall des Körpers, nach dem Tode, gerät er in niedere Welt, auf eine Leidensfährte, in die Daseinsabgründe, zur Hölle.

Darum, ihr Mönche, soll man in solcher Weise streben: 'Mögen denen, deren Gewänder, Almosenspeise, Lagerstatt und Arzneien wir benutzen, ihre Gabe hohen Lohn und Segen bringen! Und möge unsere Weltentsagung nicht fruchtlos sein, sondern Frucht und Ergebnis bringen!' Danach, ihr Mönche, sollt ihr streben! Angesichts des eigenen Heiles, ihr Mönche, ist es angebracht, unermüdlich nach dem Ziele zu streben. Angesichts des fremden Heiles, ihr Mönche, ist es angebracht, unermüdlich nach dem Ziele zu streben. Und angesichts des beiderseitigen Heiles, ihr Mönche, ist es angebracht, unermüdlich nach dem Ziele zu streben.«

Also sprach der Erhabene. Während aber der Erhabene diese Erklärung gab, quoll sechzig Mönchen das Blut aus dem Munde hervor; und weitere sechzig Mönche gaben die Askese auf und kehrten zum niederen Weltleben zurück, denkend: 'Gar schwer ist es, Erhabener! Gar schwer ist es, Erhabener!' Sechzig Mönchen aber wurde das Herz haftlos von den Trieben befreit."

[Übersetzt von Nyanatiloka: Die Lehrreden des Buddha aus der Angereihten Sammlung = Anguttara-Nikâya / aus dem Pâli übersetzt von Nyanatiloka. -- 3., revidierte Neuauflage. -- Köln: DuMont Schauberg. -- Bd. 4. -- ©1969. -- S. 72 - 75]

35. Kundig, was richtig und was falsch ist, gab er siebenunddreißig Lebewesen, die sich dort versammelt hatten, das Unsterblichkeitsgetränk der Buddhalehre zu trinken.

36. Tausend Männer und noch mehr Frauen allein aus Fürstenfamilien verließen diese und wurden Novizen.

12.6. Mahâdhammarakkhita's Mission in Mahârattha

37. Als der Seher [Rshi] Mahâdhammarakkhita nach Mahârattha gekommen war, verkündete er dort das Mahânâradakassapa-Jâtaka.

Mahânâradakassapa Jâtaka = Jâtaka No. 544.

38. Achtundvierzigtausend erreichten Weg und Frucht [d.h. wurden zumindest Stromeingetretene]. Dreizehntausend wurden bei ihm Novizen.

12.7. Mahârakkhita's Mission im Yonareich

39. Als der Seher [Rshi] Mahârakkhita ins Yonareich gekommen war, verkündete er inmitten der Leute die Kâlakârâma-Lehrrede.

Kâlakârâma-Lehrrede: Anguttaranikâya II, 24ff.:

"24. Im Kloster des Kâlaka (Der Vollendete 11)

Einst weilte der Erhabene bei Sâketa, im Kloster des Kâlaka. Dort nun wandte sich der Erhabene an die Mönche: »Mönche!« sprach er. »Herr!« erwiderten die Mönche dem Erhabenen. Und der Erhabene sprach:

»Was, ihr Mönche, in der Welt mit ihren guten und bösen Geistern, ihren Brahma-Göttern, den Scharen von Asketen und Priestern, Göttern und Menschen gesehen, gehört, empfunden, erkannt, erreicht, erstrebt, im Geiste erwogen wird, das kenne ich.

Was, ihr Mönche, in der Welt mit ihren guten und bösen Geistern, ihren Brahma-Göttern, den Scharen der Asketen und Priester, Götter und Menschen gesehen, gehört, empfunden, erkannt, erreicht, erstrebt, im Geiste erwogen wird, das habe ich völlig erkannt. All das hat der Vollendete verstanden, doch der Vollendete steht dem nicht mehr nahe.

Würde ich nun sagen: 'Was da in der Welt gesehen, gehört, empfunden, erkannt, erreicht, erstrebt, im Geiste erwogen wird, das kenne ich nicht', so spräche ich die Unwahrheit. Würde ich sagen: 'Das kenne ich und kenne es nicht', so täte ich desgleichen. Würde ich sagen: 'Weder kenne ich es, noch kenne ich es nicht', so wäre es schlecht von mir.

Sieht, ihr Mönche, der Vollendete etwas Sichtbares, so kommt ihn kein Wähnen an, weder mit Bezug auf das Gesehene, noch das Ungesehene, noch das Sichtbare, noch mit Bezug auf einen Seher. Hört er etwas Hörbares, so kommt ihn kein Wähnen an, weder mit Bezug auf das Gehörte, noch das nicht Gehörte, noch das Hörbare, noch mit Bezug auf einen Hörenden. Empfindet er etwas Empfindbares, so kommt ihn kein Wähnen an, weder mit Bezug auf das Empfundene, noch das nicht Empfundene, noch das Empfindbare, noch mit Bezug auf einen Empfindenden. Erkennt er etwas Erkennbares, so kommt ihn kein Wähnen an, weder mit Bezug auf das Erkannte, noch das Unerkannte, noch das Erkennbare, noch mit Bezug auf einen Erkennenden.

So ist also der Vollendete bei den gesehenen, gehörten, empfundenen und erkennbaren Dingen der sich immer gleich bleibende Heilige. Einen anderen sich derart gleich bleibenden Heiligen aber, der edler und erhabener wäre als dieser, den gibt es nicht: so sage ich.«

»Was auch gesehen, gehört wird und empfunden, an welche Meinung auch die Welt sich hängt; inmitten derer, die so selbstgewiss, bewahrt der Heilige sein Ebenmaß. Nicht kümmert er sich, was die Welt für Wahrheit oder Lüge hält.

Schon damals hab' den Stachel ich gesehen, woran die Menschheit hängen bleibt. Da sah ich's, dass sich's so verhält. Doch für Vollendete gibt's keinen Meinungshang.«"

[Übersetzt von Nyanatiloka: Die Lehrreden des Buddha aus der Angereihten Sammlung = Anguttara-Nikâya / aus dem Pâli übersetzt von Nyanatiloka. -- 3., revidierte Neuauflage. -- Köln: DuMont Schauberg. -- Bd. 2. -- ©1969. -- S. 30f.]

40. Hundertsiebzigtausend Lebewesen erreichten Weg und Frucht [d.h. wurden zumindest Stromeingetretene]. Zehntausend wurden Novizen.

12.9. Majjhima's Mission im Himâlaya

41. Als der Seher [Rshi] Majjhima mit vier Thera's ins Himâlayagebiet gekommen war, verkündete er die Lehrrede, die das Rad der Lehre in Bewegung gesetzt hat.

Lehrrede, die das Rad der Lehre in Bewegung gesetzt hat (Dhammacakkappavattanasutta): Vinaya I, 10ff.: Erste Lehrrede des Buddha, in der der mittlere Weg, die vier edlen Wahrheiten mit dem edlen achtfachen Weg dargelegt werden.

42. Acht Millionen Lebewesen erreichten Weg und Frucht [d.h. wurden zumindest Stromeingetretene]. Einzeln bekehrten die fünf Thera's fünf Königreiche.

43. Bei jedem der fünf wurden hunderttausend Männer zu Novizen aus Vertrauen zur Religion des Sammâsambuddha.

12.10. Sona's und Uttara's Mission in Suvannabhûmi

44./45. Der wundermächtige Thera Sona und der Thera Uttara kamen nach Suvannabhûmi. Zu jener Zeit aber kam jedesmal, wenn im Königspalast ein Knabe geboren wurde, eine furchtbare Rakkhasî [Dämonin] aus dem Meer, fraß das Kind und verschwand.

46./47. Gerade als die beiden Missionare kamen, wurde im Königspalast ein Prinz geboren. Als die Menschen die Thera's sahen, dachten sie, dass dies Gefährten der Rakkhasa [Dämonen] seien und liefen bewaffnet zusammen, um sie zu töten. Die Thera's fragten, was dies bedeute und sprachen dann zu ihnen:

48. "Wir sind tugendhafte Wanderasketen, keine Gefährten der Rakkhasa [Dämonen]." Die Rakkhasî entstieg mit ihrem Gefolge dem Meer.

49./50. Als sie sie erblickten, schrie die Menschenmenge laut auf. Der Thera schuf zweimal so viele furchteinflößende Rakkhasa [Dämonen] und umzingelte die Rakkhasî und ihr Gefolge. Sie dachte, dass diese Dämonen diesen Platz besetzt hatten und floh voll Furcht.

51. Der Thera umgab das Land mit einem Schutz, dann verkündete er in jener Versammlung die Lehrrede vom Netz Brahma's.

Lehrrede vom Netz Brahma's (Brahmajâlasutta): Dîghanikâya I, 46ff.: Enthält Ausführungen über die Sittlichkeit und besonders Auseinandersetzungen mit verschiedenen Lehren über die "Seele"

52. Viele Leute gründeten sich in den drei Zufluchten und den Übungspunkten der Sittlichkeit. Sechzigtausend erfassten die Lehre voll.

53. Dreitausendfünfhundert Söhne und tausendfünfhundert Töchter aus guter Familie wurden Novizen.

54. Wenn von da an ein Prinz im Palast geboren wurde, nannten die Könige ihn Sonuttara.

12.11. Moral von der Geschichte

55. Die genannten Thera's wirkten an verschiedenen Orten zum Heil der Welt, indem sie wie der überaus barmherzige Eroberer auf das unsterbliche Glück verzichteten, das sie schon erlangt hatten [d.h. sie waren schon Arahants, gingen aber noch nicht ins endgültige Erlöschen ein]. Wer könnte [bei diesem Vorbild] nachlässig sein gegenüber dem Heil der Welt.

12.12. Kolophon

Dies ist das zwölfte Kapitel des Mahâvamsa, der zum Vertrauen und zur Erschütterung der guten Menschen verfasst wurde. Der Titel dieses Kapitels ist "Die Bekehrung verschiedener Länder".

13. Kapitel 13: Mahinda's Ankunft

1./2. Der weise große Thera Mahinda war damals schon zwölf Jahre lang Mönch. Sein Mentor im Ordensleben (upajjhâya) und die Mönchsgemeinde hatten ihn bevollmächtigt, die Insel Lankâ zu bekehren. Als er über den rechten Zeitpunkt für dieses Vorhaben nachdachte, überlegte er, dass König Mutasiva alt war und dessen Sohn nun König werden sollte.

3. Er beschloß, in der Zwischenzeit seine Verwandten zu besuchen. Dann verabschiedete er sich formell bei seinem Mentor und der Mönchsgemeinde und bat den König um Erlaubnis zur Abreise.

4. Er nahm mit sich:

die vier Thera, [Itthiya, Uttiya, Sambala und Bhaddasâla, so sind es insgesamt fünf Mönche, die Mindestanzahl, um Mönchsweihen (upasampadâ) durchzuführen.]

den Sohn Sanghamittâ's [Mahinda's Schwester], den Novizen Sumana, der die sechs höheren Geisteskräfte (abhiññâ) und große Wundermacht besaß.

Die sechs höheren Geisteskräfte sind:

1. iddhi-vidhâ f. -- die verschiedenen Fähigkeiten außergewöhnlicher Macht (iddhi):

1. einer seiend wird er vielfach und vielfach geworden, wird er wieder einer

2. er macht sich sichtbar und unsichtbar

3. ungehindert schwebt er durch Wände, Mauern und Berge hindurch

4. auf dem Wasser schreitet er dahin ohne unterzusinken

5. in der Erde taucht er auf und unter

6. mit gekreuzten Beinen schwebt er durch die Luft

7. Sonne und Mond berührt er mit seiner Hand

8. bis hinauf zur Brahmawelt hat er über seinen Körper Gewalt

2. dibba-sota -- das himmlische Ohr: Fähigkeit himmlische und menschliche Töne zu hören, ferne und nahe

3. parassa ceto-pariyañâ.na n. -- das Durchschauen der Herzen anderer: Erkennen des Bewusstseins anderer, ob gierbehaftet usw.

4. pubbe-nivâsânussati f. -- Erinnerung an frühere eigene Daseinsformen

5. dibba-cakkhu n. -- das himmlische Auge: man sieht wie andere Wesen vergehen und wiederentstehen

6. âsava-kkhaya-ñâ.na n. -- Wissen um die eigene Triebversiegung

(Dutiya-âhuneyyasutta : Anguttaranikâya III, 280 - 281)

5. Mit diesen ging er nach Dakkhinâgiri [Distrikt mit der Hauptstadt Ujjenî, auch der Ort Vedisâ liegt darin], um seinen Verwandten die Gunst [seiner Unterweisung] zu erweisen. Während er damit beschäftigt war, vergingen sechs Monate.

6./7. Im Lauf seiner Besuche kam er nach Vedisâgiri [= Vedisâ], der Stadt seiner Mutter Devî, und traf seine Mutter. Seine Mutter speiste ihren lieben Sohn mit Gefolge mit selbst zubereiteten Speisen. Dann brachte sie den Thera ins schöne Kloster (vihâra) Vedisagiri.

8./9. Als der Prinz Asoka über das Avanti-Reich herrschte, das ihm sein Vater gegeben hatte, weilte er, bevor er nach Ujjenî ging in der Stadt Vedisâ. Dort erhielt er ein schönes Mädchen namens Devî, die Tochter eines Händlers.

Das Avanti-Reich ist eines der Großreiche des alten Indien. Seine Hauptstadt ist Ujjenî.

10. Mit ihr lebte er zusammen und sie empfing von ihm. In Ujjenî gebar die dann den schönen Prinzen Mahinda.

11. Zwei Jahre später gebar sie die Tochter Sanghamittâ. Zu jener Zeit [als Mahinda nach Vedisâ kam] lebte sie in der Stadt Vedisâ.

12./13. Als der Thera dort weilte, überlegte er, der des rechten Zeitpunkts Kundige: "Der große König Devânampiyatissa soll die große Feier der Königsweihe, die mein Vater angeordnet hat, feiern. Er soll auch den Vorzug der drei Grundlagen [Buddha, seine Lehre, die Gemeinschaft der Erlösten] von den Gesandten hören und erkennen.

14. Dann soll er den Missaka-Berg [heute: Mihintale] am Vollmondtag des Monats Jettha [der dritte Monat (April/Mai bzw. Mai/Juni), d.h. einen Monat nach der zweiten Königsweihe Devânampiyatissa's] besteigen. An diesem Tag werden wir zur besten Insel Lankâ gehen."

15./16a. Der große [Götterkönig] Indra [mahindo, Wortspiel] kam zum herausragenden Thera Mahinda und sprach: "Geh, um Lankâ zu bekehren. Der vollkommene Buddha hat dich vorausgesagt. Wir werden dich dort unterstützen."

16b./17. Ein Sohn einer Schwester Devî's [Mahinda's Mutter] namens Bhanduka hörte die Lehre, die der Thera [seiner Mutter] Devî verkündete und erreichte die Frucht des Nichtmehrwiederkehrers [anâgâmiphala, die dritte Stufe der Erlösten: ein anâgâmi wird vor seinem endgütigen Erlöschen nicht mehr als Mensch oder Gott wiedergeboren, sondern nur noch in einer höheren Welt, in der er die Erlösung erlangt]. Er blieb beim Thera.

18. Der wundermächtige Thera weilte dort [im Vedisagirikloster] einen Monat, dann stieg er, die vier Thera, [der Novize] Sumana und Bhanduka von jenem Kloster in die Luft auf. Bhanduka blieb Laie, damit er [in Lankâ] klar machen konnte, dass sie menschliche Wesen waren [siehe unten, Kapitel 14, Vers 31].

19. Mit seinem Gefolge kam er hierher [nach Lankâ] und landete auf dem schönen Missaka-Berg [Mihintale], auf dem Sîlagipfel, auf dem besten und wunderschönen Ambatthala [d.h. oberhalb der Fläche, auf der jetzt die Ambatthala-Dagoba steht].

21. Er, der vom Weisen [Buddha] an seinem Lebensende zum Heile Lankâ's wegen seiner Geeignetheit zur Bekehrung vorhergesagt wurde; er, der wegen des Heils für Lankâ wie ein Buddha war, landete dort, von den Göttern Lankâ's gepriesen.

13.1. Kolophon

Dies ist das dreizehnte Kapitel des Mahâvamsa, der zum Vertrauen und zur Erschütterung der guten Menschen verfasst wurde. Der Titel dieses Kapitels ist "Mahinda's Ankunft".

14. Kapitel 14: Mahinda's Ankunft in Anurâdhapura

14.1. Ein Gott in Hirschgestalt führt Devânampiyatissa zu Mahinda

1. König Devânampiyatissa gab den Stadtbewohnern ein Wasserfest und ging, um sich bei der Jagd zu vergnügen.

2. Mit 40.000 Mannen lief er zu Fuß zum Missaka-Berg [Mihintale].

3. Die Gottheit auf diesem Berg wollte ihm die Thera's zeigen und nahm die Gestalt eines großen Hirschs an, der im Dickicht weidete.

4. Als der König ihn erblickte, dachte er, dass es nicht recht sei, ein Wesen zu töten, das unaufmerksam ist. Deshalb erzeugte er mit der Sehne seines Bogens einen Laut. Der Hirsch floh zum Berg.

5. Der König lief hinterher. Der Hirsch lief in die Nähe der Thera's. Als der König die Thera's erblickte, verschwand der Hirsch.

14.2. Zusammentreffen mit Mahinda und seinem Gefolge

6./7. Da der Thera dachte, dass der König zu sehr erschrecken würde, wenn er viele sehen würde, zeigte er sich dem König allein. Bei seinem Anblick blieb der König verschreckt stehen. Der Thera sprach zu ihm: "Komm, Tissa!". Da der Thera seinen Namen, 'Tissa', genannt hatte, glaubte der König, es sei ein Yakkha.

8./9a. Der Thera sprach: "Großer König, wir sind Wanderasketen, Jünger des Königs des Dhamma [Lehre, Wahrheit, Gerechtigkeit]. Wir sind nur aus Mitleid mit dir von Jambudîpa [Indien] hierher gekommen."

9. Da verlor der König seine Furcht. Er erinnerte sich an die Nachricht seines Freundes [Asoka] und war sich sicher, dass es Wanderasketen waren.

10. Deshalb legte er Pfeil und Bogen weg und ging hin zum Weisen. Er wechselte mit dem Thera freundliche Worte und setzte sich in seine Nähe.

11. Da kamen seine Mannen und stellten sich um die beiden. Da ließ der große Thera seine Begleiter erscheinen.

12./13a. Als der König diese sah, fragte er, wann diese gekommen seien. Als der Thera antwortete, dass sie mit ihm gekommen seien, fragte der König weiter, ob es in Jambudîpa [Indien] noch mehr solche Asketen gäbe.

13b./14. Mahinda antwortete: "Jambudîpa leuchtet von gelben Gewändern. Dort gibt es viele Jünger Buddhas, die Arahants [vollkommen Erlöste] sind, die besitzen:

das dreifache Wissen

Te-vijjâ f. -- Das dreifache Wissen

(Erklärung: Verañjasutta : Anguttaranikâya IV, 177 - 179)

iddhi-vidhâ f. -- die verschiedenen Fähigkeiten außergewöhnlicher Macht (iddhi):

1.  einer seiend wird er vielfach und vielfach geworden, wird er wieder einer

2.  er macht sich sichtbar und unsichtbar

3.  ungehindert schwebt er durch Wände, Mauern und Berge hindurch

4.  auf dem Wasser schreitet er dahin ohne unterzusinken

5.  in der Erde taucht er auf und unter

6.  mit gekreuzten Beinen schwebt er durch die Luft

7.  Sonne und Mond berührt er mit seiner Hand

8.  bis hinauf zur Brahmawelt hat er über seinen Körper Gewalt

(z.B. Sâmaññaphalasutta : Dîghanikâya I, 77)

parassa ceto-pariyañâ.na n. -- das Durchschauen der Herzen anderer: Erkennen des Bewusstseins anderer, ob gierbehaftet usw.

dibba-sota -- das himmlische Ohr: Fähigkeit himmlische und menschliche Töne zu hören, ferne und nahe

Die genannten vier Fähigkeiten gehören zu den sechs lokiyâ abhiññâ f., weltlichen höhere Geisteskräfte. Die beiden übrigen sind

pubbe-nivâsânussati f. -- Erinnerung an frühere eigene Daseinsformen

dibba-cakkhu n. -- das himmlische Auge: man sieht wie andere Wesen vergehen und wiederentstehen

(Dutiya-âhuneyyasutta : Anguttaranikâya III, 280 - 281)

Siehe: Payer, Alois <1944 - >: Dhammavibhânga -- Begriffsreihen der Buddhalehre. -- Teil II,2: Vierer-, Fünfer- und Sechsergruppen.. -- (Materialien zu den Grundbegriffen des Buddhismus). -- URL: http://www.payer.de/buddhgrund/damma22.htm

15. Der König fragte: "Auf welchem Weg seid ihr hergekommen?" "Weder zu Land noch zu Wasser sind wir gekommen." Da wusste der König, dass sie durch die Luft gekommen waren.

14.3. Mahinda prüft Devânampiyatissa's Verstand

16. Zur Prüfung fragte der äußerst weise Thera den König subtile Fragen. Der König beantwortete jede Frage.

17./18./19. "König, wie heißt dieser Baum?" "Mango [Mangifera indica] heißt dieser Baum." "Gibt es außer diesem noch einen weiteren Mango?" "Es gibt viele Mangobäume." "Gibt es noch andere Bäume außer diesem Mango und den anderen Mangos?" "Ehrwürden, es gibt viele Bäume, die sind aber keine Mangos." "Gibt es außer den anderen Mangos und den Nichtmangos noch Bäume?" "Ehrwürden, diesen Mangobaum." "Du bist klug, Herr der Menschen!"

20./21. "König, hast du Verwandte?" "Ja, viele, Ehrwürden." "Gibt es auch solche, die nicht mit dir verwandt sind?" "Mehr als Verwandte." "Gibt es auch jemanden anderen außer den Verwandten und den anderen?" "Ja, mich, Ehrwürden." "Gut! Du bist klug, Herr der Menschen."

14.4. Die Unterweisung Devânampiyatissa's und seines Gefolges

22. Als er so herausgefunden hatte, dass der König klug war, verkündete der weise Thera dem König das Cûlahattipadopama-Sutta [Die kürzere Lehrrede vom Gleichnis der Elefantenspur].

Cûlahattipadopama-Sutta, Majjhimanikâya I, 175 - 184. Ich gebe hier die Übersetzung von Karl Eugen Neumann (1865-1915) wieder, obwohl ich gegenüber einigen Punkten der Übersetzung Bedenken habe. Zu K. E. Neumann siehe:

Payer, Alois <1944 - >: Materialien zum Neobuddhismus. -- Kapitel 11: Karl Eugen Neumann (1865-1915). -- URL: http://www.payer.de/neobuddhismus/neobud11.htm

"DAS HAB' ICH GEHÖRT. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Sâvatthî, im Siegerwalde, im Garten Anâthapindikos. Zu jener Zeit nun fuhr der Brâhmane Jânussoni eines Nachmittags in einem weißen Zeltwagen aus der Stadt hinaus. Da sah der Brâhmane Jânussoni den Pilger Pilotikâ von ferne herankommen, und nachdem er ihn gesehn, sprach er also zu ihm:

«Sieh' da, wo kommt denn der verehrte Vacchâyano her, mitten am Tage?»    «Von dort, Lieber, vom Asketen Gotamo komme ich.» «Was meint wohl, Herr Vacchâyano: hat der Asket Gotamo große Geisteskraft? Man hält ihn für weise.» «Wer bin ich, Lieber, dass ich über die große Geisteskraft des Asketen Gotamo urteilen sollte? Der müsste ihm wohl gleichen, der die große Geisteskraft des Asketen Gotamo kennte!» «Gewaltig, fürwahr, preist Herr Vacchâyano das Lob des Asketen Gotamo!» «Wer bin ich, Lieber, dass ich den Asketen Gotamo preisen sollte? Von Gepriesenen gepriesen wird Herr Gotamo, der Höchste der Götter und Menschen.» «Welche Eigenschaft hat doch Herr Vacchâyano wahrgenommen, um dem Asketen Gotamo so hingegeben zu sein?»

«Gleichwie etwa, Lieber, wenn ein kundiger Elefantensteller einen Elefantenwald aufsuchte; dort fände er die mächtige Fußspur eines Elefanten, groß in der Länge, breit in der Quere; da käme er zu dem Schlusse: 'Welch ein mächtiger Elefant muss das sein!' -: ebenso nun auch habe ich, Lieber, da ich des Asketen Gotamo vier Fußspuren gesehn, alsbald geschlossen: 'Vollkommen erwacht ist der Erhabene, wohlkundgetan vom Erhabenen die Satzung, wohlvertraut die Jüngerschaft!' -- Welche vier?

(1) Da habe ich, Lieber, manche gelehrte Adelige gesehn, feine, erprobte Gegenredner, die Haare zu spalten schienen, die mit ihrem Scharfsinn die schönsten Ansichten, so zu sagen, entzweischnitten. Denen war zu Ohren gekommen: 'Der Asket Gotamo selbst wird auf der Wanderung dieses Dorf oder jene Stadt besuchen!' Da stellten sie eine Frage zusammen: 'Diese Frage wollen wir dem Asketen Gotamo vorlegen; gibt er uns auf diese Frage diese Antwort, so werden wir ihm auf diese Weise das Wort verdrehn; gibt er uns aber auf diese Frage jene Antwort, so werden wir ihm auf jene Weise das Wort verdrehn.' Und sie hörten: 'Der Asket Gotamo selbst ist auf der Wanderung in diesem Dorfe oder in jener Stadt angekommen!' Und sie begaben sich hin. Und der Asket Gotamo ermunterte, ermutigte, erregte und erheiterte sie in lehrreichem Gespräche. Und vom Asketen Gotamo in lehrreichem Gespräche ermuntert, ermutigt, erregt und erheitert, stellten sie dem Asketen Gotamo weder eine Frage, geschweige dass sie ihm das Wort verdrehn wollten, wurden vielmehr Anhänger des Asketen Gotamo.

Als ich, Lieber, diese erste Fußspur des Asketen Gotamo gesehn hatte, da bin ich zu dem Schlusse gekommen: 'Vollkommen erwacht ist der Erhabene, wohlkundgetan vom Erhabenen die Satzung, wohlvertraut die Jüngerschaft!'

(2) Weiter sodann, Lieber, habe ich da manche gelehrte Priester gesehn, feine, erprobte Gegenredner, die Haare zu spalten schienen, die mit ihrem Scharfsinn die schönsten Ansichten, so zu sagen, entzweischnitten. Denen war zu Ohren gekommen: 'Der Asket Gotamo selbst wird auf der Wanderung dieses Dorf oder jene Stadt besuchen!' Da stellten sie eine Frage zusammen: 'Diese Frage wollen wir dem Asketen Gotamo vorlegen; gibt er uns auf diese Frage diese Antwort, so werden wir ihm auf diese Weise das Wort verdrehn; gibt er uns aber auf diese Frage jene Antwort, so werden wir ihm auf jene Weise das Wort verdrehn.' Und sie hörten: 'Der Asket Gotamo selbst ist auf der Wanderung in diesem Dorfe oder in jener Stadt angekommen!' Und sie begaben sich hin. Und der Asket Gotamo ermunterte, ermutigte, erregte und erheiterte sie in lehrreichem Gespräche. Und vom Asketen Gotamo in lehrreichem Gespräche ermuntert, ermutigt, erregt und erheitert stellten sie dem Asketen Gotamo weder eine Frage, geschweige dass sie ihm das Wort verdrehn wollten, wurden vielmehr Anhänger des Asketen Gotamo.

Als ich, Lieber, diese zweite Fußspur des Asketen Gotamo gesehn hatte, da bin ich zu dem Schlusse gekommen: 'Vollkommen erwacht ist der Erhabene, wohlkundgetan vom Erhabenen die Satzung, wohlvertraut die Jüngerschaft!'

(3) Weiter sodann, Lieber, habe ich da manche gelehrte Bürger gesehn, feine, erprobte Gegenredner, die Haare zu spalten schienen, die mit ihrem Scharfsinn die schönsten Ansichten, so zu sagen, entzweischnitten. Denen war zu Ohren gekommen: 'Der Asket Gotamo selbst wird auf der Wanderung dieses Dorf oder jene Stadt besuchen!' Da stellten sie eine Frage zusammen: 'Diese Frage wollen wir dem Asketen Gotamo vorlegen; gibt er uns auf diese Frage diese Antwort, so werden wir ihm auf diese Weise das Wort verdrehn; gibt er uns aber auf diese Frage jene Antwort, so werden wir ihm auf jene Weise das Wort verdrehn.' Und sie hörten: 'Der Asket Gotamo selbst ist auf der Wanderung in diesem Dorfe oder in jener Stadt angekommen!' Und sie begaben sich hin. Und der Asket Gotamo ermunterte, ermutigte, erregte und erheiterte sie in lehrreichem Gespräche. Und vom Asketen Gotamo in lehrreichem Gespräche ermuntert, ermutigt, erregt und erheitert stellten sie dem Asketen Gotamo weder eine Frage, geschweige dass sie ihm das Wort verdrehn wollten, wurden vielmehr Anhänger des Asketen Gotamo.

Als ich, Lieber, diese dritte Fußspur des Asketen Gotamo gesehn hatte, da bin ich zu dem Schlusse gekommen: 'Vollkommen erwacht ist der Erhabene, wohlkundgetan vom Erhabenen die Satzung, wohlvertraut die Jüngerschaft!'

(4) Weiter sodann, Lieber, habe ich da manche gelehrte Asketen gesehn, feine, erprobte Gegenredner, die Haare zu spalten schienen, die mit ihrem Scharfsinn die schönsten Ansichten, so zu sagen, entzweischnitten. Denen war zu Ohren gekommen: 'Der Asket Gotamo selbst wird auf der Wanderung dieses Dorf oder jene Stadt besuchen!' Da stellten sie eine Frage zusammen: 'Diese Frage wollen wir dem Asketen Gotamo vorlegen; gibt er uns auf diese Frage diese Antwort, so werden wir ihm auf diese Weise das Wort verdrehn; gibt er uns aber auf diese Frage jene Antwort, so werden wir ihm auf jene Weise das Wort verdrehn.' Und sie hörten: 'Der Asket Gotamo selbst ist auf der Wanderung in diesem Dorfe oder in jener Stadt angekommen!' Und sie begaben sich hin. Und der Asket Gotamo ermunterte, ermutigte, erregte und erheiterte sie in lehrreichem Gespräche. Und vom Asketen Gotamo in lehrreichem Gespräche ermuntert, ermutigt, erregt und erheitert stellten sie dem Asketen Gotamo weder eine Frage, geschweige dass sie ihm das Wort verdrehn wollten, flehten vielmehr den Asketen Gotamo an, sie in den Orden aufzunehmen. Und der Asket Gotamo nahm sie auf. Und in diesen Orden aufgenommen lebten sie einzeln, abgesondert, ernsten Sinnes, eifrig, unermüdlich. Und in gar kurzer Zeit hatten sie jenes Ziel, um dessen willen edle Söhne gänzlich vom Hause fort in die Hauslosigkeit ziehn, die höchste Vollendung der Heiligkeit noch bei Lebzeiten sich offenbar gemacht, verwirklicht und errungen. Und sie sprachen: 'Den Verstand mussten wir verloren haben, den Verstand müssen wir wiedergefunden haben! Die wir früher nichts weniger als Asketen waren glaubten Wir sind Asketen, die wir nichts weniger als Heilige waren glaubten Wir sind Heilige, die wir nichts weniger als Sieger waren glaubten Wir sind Sieger: jetzt sind wir Asketen, jetzt sind wir Heilige, jetzt sind wir Sieger.'

Als ich, Lieber, diese vierte Fußspur des Asketen Gotamo gesehn hatte, da bin ich zu dem Schlusse gekommen: 'Vollkommen erwacht ist der Erhabene, wohlkundgetan vom Erhabenen die Satzung, wohlvertraut die Jüngerschaft!'

Weil ich nun, Lieber, diese vier Fußspuren des Asketen Gotamo gesehn habe, darum bin ich zu dem Schlusse gekommen: 'Vollkommen erwacht ist der Erhabene, wohlkundgetan vom Erhabenen die Satzung, wohlvertraut die Jüngerschaft!'»

Auf diese Worte stieg der Brâhmane Jânussoni von seinem weißen Zeltwagen herab, entblößte eine Schulter, verneigte sich ehrerbietig nach der Richtung, wo der Erhabene weilte, und ließ dann dreimal den Gruß ertönen:

«Verehrung dem Erhabenen, Dem heilig auferwachten Herrn! Verehrung dem Erhabenen, Dem heilig auferwachten Herrn! Verehrung dem Erhabenen, Dem heilig auferwachten Herrn!

O dass wir doch einmal Gelegenheit hätten mit jenem Herrn Gotamo zusammenzutreffen, dass doch irgendeine Unterredung zwischen uns stattfände!»

Und der Brâhmane Jânussoni begab sich nun dorthin wo der Erhabene weilte, wechselte höflichen Gruß und freundliche, denkwürdige Worte mit dem Erhabenen und setzte sich zur Seite nieder. Zur Seite sitzend, berichtete nun der Brâhmane Jânussoni dem Erhabenen von seiner Begegnung mit dem Pilger Pilotikâ und erzählte das ganze Gespräch.

Hierauf wandte sich der Erhabene an den Brâhmanen Jânussoni und sprach:

«Bis dahin, Brâhmane, ist der Vergleich mit der Elefantenspur nur unvollständig ausgeführt; wie aber, Brâhmane, dieser Vergleich vollständig wird, das höre und achte wohl auf meine Rede.»

« Ja, o Herr!» erwiderte aufmerksam der Brâhmane Jânussoni dem Erhabenen.

Der Erhabene sprach also:

«Wenn da, Brâhmane, ein Elefantensteller einen Elefantenwald aufsucht und dort die mächtige Fußspur eines Elefanten findet, groß in der Länge, breit in der Quere, und er ist ein kundiger Elefantensteller, so kommt er nicht alsogleich zu dem Schlusse: 'Welch ein mächtiger Elefant muss das sein!' Und warum nicht? Es gibt ja, Brâhmane, im Elefantenwalde Zwerginnen genannte Elefantenweibchen mit großen Füßen, und ihre Spur könnte es sein.

Er verfolgt diese Spur und indem er sie weiter verfolgt, findet er im Walde eine mächtige Elefantenspur, groß in der Länge, breit in der Quere, mit niedergetretenem Röhricht. Ist er ein kundiger Elefantensteller, so kommt er auch jetzt noch nicht zu dem Schlusse: 'Welch ein mächtiger Elefant muss das sein!' Und warum nicht? Es gibt ja, Brâhmane, im Elefantenwalde Röhrichtzertreter genannte Elefantenweibchen mit großen Füßen, und ihre Spur könnte es sein.

Er verfolgt diese Spur und indem er sie weiter verfolgt, findet er im Walde eine mächtige Elefantenspur, groß in der Länge, breit in der Quere, mit niedergetretenem Röhricht, mit darauf gefallenem, von den Hauern zerkerbtem Röhricht. Ist er ein kundiger Elefantensteller, so kommt er auch jetzt noch nicht zu dem Schlusse: 'Welch ein mächtiger Elefant muss das sein!' Und warum nicht? Es gibt ja, Brâhmane, im Elefantenwalde Röhrichtzerreiber genannte Elefantenweibchen mit großen Füßen, und ihre Spur könnte es sein.

Er verfolgt diese Spur und indem er sie weiter verfolgt, findet er im Walde eine mächtige Elefantenspur, groß in der Länge, breit in der Quere, mit niedergetretenem Röhricht, mit darauf gefallenem von den Hauern zerkerbten Röhricht, mit darauf gefallenem abgebrochenen Geäst. Und er erblickt den Elefanten am Fuß eines Baumes, oder in einer Lichtung, wie er eben geht oder steht, sitzt oder liegt. Da kommt er zu dem Schlusse: 'Das ist er, der mächtige Elefant!'.

Ebenso nun auch, Brâhmane, erscheint da der Vollendete in der Welt, der Heilige, vollkommen Erwachte, der Wissens- und Wandelsbewährte, der Willkommene, der Welt-Kenner, der unvergleichliche Leiter der Männerherde, der Meister der Götter und Menschen, der Erwachte, der Erhabene. Er zeigt diese Welt mit ihren Göttern, ihren bösen und heiligen Geistern, mit ihrer Schar von Priestern und Büßern, Göttern und Menschen, nachdem er sie selbst verstanden und durchdrungen hat. Er verkündet die Lehre, deren Anfang begütigt, deren Mitte begütigt, deren Ende begütigt, die sinn- und wortgetreue, er legt das vollkommen geläuterte, geklärte Asketentum dar.

Diese Lehre hört ein Hausvater, oder der Sohn eines Hausvaters, oder einer, der in anderem Stande neugeboren ward. Nachdem er diese Lehre gehört hat, fasst er Vertrauen zum Vollendeten. Von diesem Vertrauen erfüllt denkt und überlegt er also: 'Ein Gefängnis ist die Häuslichkeit, ein Schmutzwinkel; der freie Himmelsraum die Pilgerschaft. Nicht wohl geht es, wenn man im Hause bleibt, das völlig geläuterte, völlig geklärte Asketentum Punkt für Punkt zu erfüllen. Wie, wenn ich nun, mit geschorenem Haar und Barte, mit fahlem Gewande bekleidet, aus dem Hause in die Hauslosigkeit hinaus zöge?'

So gibt er denn später einen kleinen Besitz oder einen großen Besitz auf, hat einen kleinen Verwandtenkreis oder einen großen Verwandtenkreis verlassen und ist mit geschorenem Haar und Barte, im fahlen Gewande von Hause fort in die Hauslosigkeit gezogen.

Er ist nun Pilger geworden und hat die Ordenspflichten der Mönche auf sich genommen.

Lebendiges umzubringen hat er verworfen, Lebendiges um zubringen liegt ihm fern: ohne Stock, ohne Schwert, fühlsam, voll Teilnahme, hegt er zu allen lebenden Wesen Liebe und Mitleid.

Nichtgegebenes zu nehmen hat er verworfen, vom Nehmen des Nichtgegebenen hält er sich fern: Gegebenes nimmt er, Gegebenes wartet er ab, nicht diebisch gesinnt, rein gewordenen Herzens.

Die Unkeuschheit hat er verworfen, keusch lebt er, fern zieht er hin, entraten der Paarung, dem gemeinen Gesetze.

Lüge hat er verworfen, von Lüge hält er sich fern: die Wahrheit spricht er, der Wahrheit ist er ergeben, standhaft, vertrauenswürdig, kein Heuchler und Schmeichler der Welt.

Das Ausrichten hat er verworfen, vom Ausrichten hält er sich fern: was er hier gehört hat, erzählt er dort nicht wieder, um jene zu entzweien, und was er dort gehört hat, erzählt er hier nicht wieder, um diese zu entzweien; so einigt er Entzweite, festigt Verbundene, Eintracht macht ihn froh, Eintracht freut ihn, Eintracht beglückt ihn, Eintracht fördernde Worte spricht er.

Barsche Worte hat er verworfen, von barschen Worten hält er sich fern: Worte, die frei von Schimpf sind, dem Ohre wohltuend, liebreich, zum Herzen dringend, höflich, viele erfreuend, viele erhebend, solche Worte spricht er.

Plappern und Plaudern hat er verworfen, von Plappern und Plaudern hält er sich fern: zur rechten Zeit spricht er, den Tatsachen gemäß, auf den Sinn bedacht, der Lehre und Ordnung getreu, seine Rede ist reich an Inhalt, gelegentlich mit Gleichnissen geschmückt, klar und bestimmt, ihrem Gegenstande angemessen.

Sämereien und Pflanzungen anzulegen hat er verschmäht. Einmal des Tags nimmt er Nahrung zu sich, nachts ist er nüchtern, fern liegt es ihm zur Unzeit zu essen.

Von Tanz, Gesang, Spiel, Schaustellungen hält er sich fern.

Kränze, Wohlgerüche, Salben, Schmuck, Zierrat, Putz weist er ab.

Hohe, prächtige Lagerstätten verschmäht er.

Gold und Silber nimmt er nicht an.

Rohes Getreide nimmt er nicht an.

Rohes Fleisch nimmt er nicht an.

Frauen und Mädchen nimmt er nicht an.

Diener und Dienerinnen nimmt er nicht an.

Ziegen und Schafe nimmt er nicht an.

Hühner und Schweine nimmt er nicht an.

Elefanten, Rinder und Rosse nimmt er nicht an.

Haus und Feld nimmt er nicht an.

Botschaften, Sendungen, Aufträge übernimmt er nicht.

Von Kauf und Verkauf hält er sich fern.

Von falschem Maß und Gewicht hält er sich fern.

Von den schiefen Wegen der Bestechung, Täuschung, Niedertracht hält er sich fern.

Von Raufereien, Schlägereien, Händeln, vom Rauben, Plündern und Zwingen hält er sich fern.

Er ist zufrieden mit dem Gewande, das seinen Leib deckt, mit der Almosenspeise, die sein Leben fristet. Wohin er auch pilgert, nur mit dem Gewande und der Almosenschale versehn, pilgert er. Gleichwie da etwa ein beschwingter Vogel, wohin er auch fliegt, nur mit der Last seiner Federn fliegt, ebenso auch ist ein Mönch zufrieden mit dem Gewande, das seinen Leib deckt, mit der Almosenspeise, die sein Leben fristet. Wohin er auch wandert, nur damit versehn wandert er.

Durch die Erfüllung dieser heiligen Tugendsatzung empfindet er ein inneres fleckenloses Glück.

Erblickt er nun mit dem Gesichte eine Form, so fasst er keine Neigung, fasst keine Absicht. Da Begierde und Missmut, böse und schlechte Gedanken gar bald den überwältigen, der unbewachten Gesichtes verweilt, befleißigt er sich dieser Bewachung, er hütet das Gesicht, er wacht eifrig über das Gesicht.

Hört er nun mit dem Gehöre einen Ton, ...

Riecht er nun mit dem Geruche einen Duft, ...

Schmeckt er nun mit dem Geschmacke einen Saft, ...

Tastet er nun mit dem Getaste eine Tastung, ...

Erkennt er nun mit dem Gedenken ein Ding, so fasst er keine Neigung, fasst keine Absicht. Da Begierde und Missmut, böse und schlechte Gedanken gar bald den überwältigen, der unbewachten Gedenkens verweilt, befleißigt er sich dieser Bewachung, er hütet das Gedenken, er wacht eifrig über das Gedenken.

Durch die Erfüllung dieser heiligen Sinnenzügelung empfindet er ein inneres ungetrübtes Glück.

Klar bewusst kommt er und geht er, klar bewusst blickt er hin, blickt er weg, klar bewusst regt und bewegt er sich, klar bewusst trägt er des Ordens Gewand und Almosenschale, klar bewusst isst und trinkt, kaut und schmeckt er, klar bewusst entleert er Kot und Harn, klar bewusst geht und steht und sitzt er, schläft er ein, wacht er auf, spricht er und schweigt er.

Treu dieser heiligen Tugendsatzung, treu dieser heiligen Sinnenzügelung, treu dieser heiligen klaren Einsicht sucht er einen abgelegenen Ruheplatz auf, einen Hain, den Fuß eines Baumes, eine Felsengrotte, eine Bergesgruft, einen Friedhof, die Waldesmitte, ein Streulager in der offenen Ebene.

Nach dem Mahle, wenn er vom Almosengange zurückgekehrt ist, setzt er sich mit verschränkten Beinen nieder, den Körper gerade aufgerichtet, und pflegt der Einsicht.

Er hat weltliche Begierde verworfen und verweilt begierdelosen Gemütes, von Begierde läutert er sein Herz.

Gehässigkeit hat er verworfen, hasslosen Gemütes verweilt er, voll Liebe und Mitleid zu allen lebenden Wesen läutert er sein Herz von Gehässigkeit.

Matte Müde hat er verworfen, von matter Müde ist er frei; das Licht liebend, einsichtig, klar bewusst, läutert er sein Herz von matter Müde.

Stolzen Unmut hat er verworfen, er ist frei von Stolz; innig beruhigten Gemütes läutert er sein Herz von stolzem Unmut.

Das Schwanken hat er verworfen, der Ungewissheit ist er entronnen; er zweifelt nicht am Guten, vom Schwanken läutert er sein Herz.

(1) Er hat nun diese fünf Hemmungen aufgehoben, hat die Schlacken des Gemütes kennengelernt, die lähmenden; gar fern von Begierden, fern von unheilsamen Dingen lebt er in sinnend gedenkender, ruhegeborener, seliger Heiterkeit, in der Weihe der ersten Schauung.

Das aber wird, Brâhmane, die Spur des Vollendeten genannt, wird die Fährte des Vollendeten genannt, wird die Kerbe des Vollendeten genannt.

Doch hier kommt wahrlich der heilige Jünger noch nicht zu dem Schlusse: 'Vollkommen erwacht ist der Erhabene, wohlkundgetan vom Erhabenen die Satzung, wohlvertraut die Jüngerschaft.'

(2) Denn ferner noch, Brâhmane: nach Vollendung des Sinnens und Gedenkens erwirkt der Mönch die innere Meeresstille, die Einheit des Gemütes, die von Sinnen, von Gedenken freie, in der Einigung geborene, selige Heiterkeit, die Weihe der zweiten Schauung.

Das aber wird, Brâhmane, die Spur des Vollendeten genannt, wird die Fährte des Vollendeten genannt, wird die Kerbe des Vollendeten genannt.

Doch hier kommt wahrlich der heilige Jünger noch nicht zu dem Schlusse: 'Vollkommen erwacht ist der Erhabene, wohlkundgetan vom Erhabenen die Satzung, wohlvertraut die Jüngerschaft.'

(3) Denn ferner noch, Brâhmane: in heiterer Ruhe verweilt der Mönch gleichmütig, einsichtig, klar bewusst, ein Glück empfindet er im Körper, von dem die Heiligen sagen: 'Der gleichmütig Einsichtige lebt beglückt'; so gewinnt er die Weihe der dritten Schauung.

Das aber wird, Brâhmane, die Spur des Vollendeten genannt, wird die Fährte des Vollendeten genannt, wird die Kerbe des Vollendeten genannt.

Doch hier kommt wahrlich der heilige Jünger noch nicht zu dem Schlusse: 'Vollkommen erwacht ist der Erhabene, wohlkundgetan vom Erhabenen die Satzung, wohlvertraut die Jüngerschaft.'

(4) Denn ferner noch, Brâhmane: nach Verwerfung der Freuden und Leiden, nach Vernichtung des einstigen Frohsinns und Trübsinns erreicht der Mönch die Weihe der leidlosen, freudlosen, gleichmütig einsichtigen, vollkommenen Reine, die vierte Schauung.

Das aber wird, Brâhmane, die Spur des Vollendeten genannt, wird die Fährte des Vollendeten genannt, wird die Kerbe des Vollendeten genannt.

Doch hier kommt wahrlich der heilige Jünger noch nicht zu dem Schlusse: 'Vollkommen erwacht ist der Erhabene, wohlkundgetan vom Erhabenen die Satzung, wohlvertraut die Jüngerschaft'.

(5) Solchen Gemütes, innig, geläutert, gesäubert, gediegen, schlackengeklärt, geschmeidig, biegsam, fest, unversehrbar, richtet er das Gemüt auf die erinnernde Erkenntnis früherer Daseinsformen. Er erinnert sich an manche verschiedene frühere Daseinsform, als wie an ein Leben, dann an zwei Leben, dann an drei Leben, dann an vier Leben, dann an fünf Leben, dann an zehn Leben, dann an zwanzig Leben, dann an dreißig Leben, dann an vierzig Leben, dann an fünfzig Leben, dann an hundert Leben, dann an tausend Leben, dann an hunderttausend Leben, dann an die Zeiten während mancher Weltenentstehungen, dann an die Zeiten während mancher Weltenvergehungen, dann an die Zeiten während mancher Weltenentstehungen-Weltenvergehungen. 'Dort war ich, jenen Namen hatte ich, jener Familie gehörte ich an, das war mein Stand, das mein Beruf, solches Wohl und Wehe habe ich erfahren, so war mein Lebensende; dort verschieden trat ich anderswo wieder ins Dasein: da war ich nun, diesen Namen hatte ich, dieser Familie gehörte ich an, dies war mein Stand, dies mein Beruf, solches Wohl und Wehe habe ich erfahren, so war mein Lebensende; da verschieden, trat ich hier wieder ins Dasein.' So erinnert er sich mancher verschiedenen früheren Daseinsform, mit je den eigentümlichen Merkmalen, mit je den eigenartigen Beziehungen.

Das aber wird, Brâhmane, die Spur des Vollendeten genannt, wird die Fährte des Vollendeten genannt, wird die Kerbe des Vollendeten genannt.

Doch hier kommt wahrlich der heilige Jünger noch nicht zu dem Schlusse: 'Vollkommen erwacht ist der Erhabene, wohlkundgetan vom Erhabenen die Satzung, wohlvertraut die Jüngerschaft.'

(6) Solchen Gemütes, innig, geläutert, gesäubert, gediegen, schlackengeklärt, geschmeidig, biegsam, fest, unversehrbar, richtet er das Gemüt auf die Erkenntnis des Verschwindens-Erscheinens der Wesen. Mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Grenzen hinausreichenden, sieht er die Wesen dahinschwinden und wiedererscheinen, gemeine und edle, schöne und unschöne, glückliche und unglückliche, er kann erkennen wie die Wesen je nach den Taten wiederkehren.'Diese lieben Wesen sind freilich in Taten dem Schlechten zugetan, in Worten dem Schlechten zugetan, in Gedanken dem Schlechten zugetan, tadeln Heiliges, achten Verkehrtes, tun Verkehrtes; bei der Auflösung des Leibes, nach dem Tode, gelangen sie auf den Abweg, auf schlechte Fährte, zur Tiefe hinab, in untere Welt. Jene lieben Wesen sind aber in Taten dem Guten zugetan, in Worten dem Guten zugetan, in Gedanken dem Guten zugetan, tadeln nicht Heiliges, achten Rechtes, tun Rechtes; bei der Auflösung des Leibes, nach dem Tode, gelangen sie auf gute Fährte, in selige Welt.' So sieht er mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Grenzen hinausreichenden, die Wesen dahinschwinden und wiedererscheinen, gemeine und edle, schöne und unschöne, glückliche und unglückliche, er kann erkennen, wie die Wesen je nach den Taten wiederkehren.

Das aber wird, Brâhmane, die Spur des Vollendeten genannt, wird die Fährte des Vollendeten genannt, wird die Kerbe des Vollendeten genannt.

Doch hier kommt wahrlich der heilige Jünger noch nicht zu dem Schlusse: 'Vollkommen erwacht ist der Erhabene, wohlkundgetan vom Erhabenen die Satzung, wohlvertraut die Jüngerschaft.'

(7) Solchen Gemütes, innig, geläutert, gesäubert, gediegen, schlackengeklärt, geschmeidig, biegsam, fest, unversehrbar, richtet er das Gemüt auf die Erkenntnis der Wahnversiegung.

'Das ist das Leiden' erkennt er der Wahrheit gemäß.

'Das ist die Leidensentwicklung' erkennt er der Wahrheit gemäß.

'Das ist die Leidensauflösung' erkennt er der Wahrheit gemäß.

'Das ist der zur Leidensauflösung führende Pfad' erkennt er der Wahrheit gemäß.

'Das ist der Wahn' erkennt er der Wahrheit gemäß.

'Das ist die Wahnentwicklung' erkennt er der Wahrheit gemäß.

'Das ist die Wahnauflösung' erkennt er der Wahrheit gemäß.

'Das ist der zur Wahnauflösung führende Pfad' erkennt er der Wahrheit gemäß.

Das aber wird, Brâhmane, die Spur des Vollendeten genannt, wird die Fährte des Vollendeten genannt, wird die Kerbe des Vollendeten genannt.

Und auch hier ist der heilige Jünger noch nicht zu dem Schlusse gekommen: 'Vollkommen erwacht ist der Erhabene, wohlkundgetan vom Erhabenen die Satzung, wohlvertraut die Jüngerschaft', aber er kommt nun zum Schlusse.

(8) Denn also erkennend, also sehend wird da sein Gemüt erlöst vom Wunscheswahn, erlöst vom Daseinswahn, erlöst vom Nichtwissenswahn. 'Im Erlösten ist die Erlösung', diese Erkenntnis geht auf. 'Versiegt ist die Geburt, vollendet das Asketentum, gewirkt das Werk, nicht mehr ist diese Welt' versteht er da.

Das wird, Brâhmane, die Spur des Vollendeten genannt, wird die Fährte des Vollendeten genannt, wird die Kerbe des Vollendeten genannt.

Und hier ist nun, Brâhmane, der heilige Jünger zum Schlusse gekommen: 'Vollkommen erwacht ist der Erhabene, wohlkundgetan vom Erhabenen die Satzung, wohlvertraut die Jüngerschaft.'

Und hier ist nun, Brâhmane, der Vergleich mit der Elefantenspur vollständig ausgeführt.»

Nach diesen Worten sprach der Brâhmane Jânussoni zum Erhabenen also:

«Vortrefflich, o Gotamo, vortrefflich, o Gotamo! Gleichwie etwa, o Gotamo, als ob einer Umgestürztes aufstellte, oder Verdecktes enthüllte, oder Verirrten den Weg wiese, oder Licht in die Finsternis brächte: 'Wer Augen hat wird die Dinge sehn': ebenso auch hat Herr Gotamo die Lehre auf mannigfaltige Weise dargelegt. Und so nehm' ich bei Herrn Gotamo Zuflucht, bei der Lehre und bei der Jüngerschaft, als Anhänger möge mich Herr Gotamo betrachten, von heute an zeitlebens getreu.»"

[Die Reden Gotamo Buddhos aus der Mittleren Sammlung Majjhimanikâyo des Pâli-Kanons / zum erstenmal übersetzt von Karl Eugen Neumann. -- Zürich: Artemis, 1956. -- (Karl Eugen Neumanns Übertragungen aus dem Pâli-Kanon: Gesamtausgabe ; Bd. 1). -- S. 197 -207]

23. Nach Ende der Predigt gründete sich der König mit seinen 40.000 Mannen auf die drei Zufluchten [den Buddha, seine Lehre, die Gemeinschaft der Erlösten].

14.5. Der erste Abend

24./25. Am Abend brachte man dem König Essen. Obwohl der König wusste, dass die Mönche dann nicht essen, dachte er, dass es dennoch geziemend sei, sie zu fragen. Deshalb lud er die Weisen zum Essen ein. Sie antworteten ihm, dass sie jetzt nichts äßen. Da fragte er sie, wann sie äßen.

25. Sie sagten es ihm. Da sagte er: "Lasst uns in die Stadt [Anurâdhapura] gehen." "Geh du, großer König, wir wollen hier bleiben."

26./27."Wenn es so ist, soll wenigstens dieser junge Mann mit uns gehen." "Er hat die Frucht [des Nichtmehrwiederkehrers = anâgâmiphala, die dritte Stufe der Erlösten: ein anâgâmi wird vor seinem endgütigen Erlöschen nicht mehr als Mensch oder Gott wiedergeboren, sondern nur noch in einer höheren Welt, in der er die Erlösung erlangt] erreicht, er hat die Lehre voll erkannt.

28. Da er die Novizenordination [pabbajjâ] erwartet, soll er bei uns bleiben. Wir werden ihn jetzt als Novizen aufnehmen. Du, König, gehe!"

29/30. "Am Morgen werde ich einen Wagen schicken. Fahrt mit ihm in die Stadt!" Der König verabschiedete sich von den Thera's, nahm Bhandu beiseite und befragte ihn über die Absicht der Thera's. Bhandu erzählte dem König alles. Als der König so über den Thera Bescheid wusste, war er überaus zufrieden. Er erkannte, dass es für ihn ein großer Gewinn war.

31. Da Bhandu ein Laie war, wichen vom König die letzten Zweifel und er wusste, dass es Menschen waren.

14.6. Bhandu's Ordination

31d./32. "Wir wollen ihn zum Novizen ordinieren." Deswegen hat der Thera innerhalb jener Mönchsgemeinde [mit der vorgeschriebenen Zahl von insgesamt 5 Mönchen] und mit den Grenzen jenes Dorfes als vorgeschriebene Abgrenzung für den Rechtsakt der Mönchsordination die Ordination Bhanduka's zum Novizen (pabbajjâ) und darauf zum Mönch (upasampadâ) durchgeführt.

"Abgrenzung für den Rechtsakt der Mönchsordination": Es geht darum zu bestimmen, welche Mönche an einem Rechtsakt des Ordens (sanghakamma) teilnahmeberechtigt sind und bei Entscheidungen ein Recht auf Gehör haben. Diese Bestimmung geschieht gebietsmäßig: alle Mönche, die sich an einem Ort befinden. Wie ist aber dieser eine Ort definiert? Um Rechtssicherheit zu schaffen, müssen die Grenzen (sîmâ) dieses einen Ortes festgelegt sein. Ein sanghakamma ohne feste sîmâ ist ungültig: denn dann kann die Einmütigkeit (sâmaggî) des sangha nicht festgestellt werden (es könnte im Nachhinein ein Mönch sagen, dass er nicht Gehör bekommen hat).

Wichtigste Arten von sîmâ f.:

baddha-sîmâ f. -- Abgrenzung, die durch sangha selbst gemacht wurde: dabei gehören zum sangha alle Mönche, die sich zu dem Zeitpunkt auf dem Gelände zwischen den vorgesehenen sîmâ befinden. Man muss dafür Sorge tragen, dass während der Zeremonie keine anderen Mönche dieses Gelände betreten. Die sîmâ müssen mit nimitta n. -- Grenzzeichen klar markiert werden.

abaddha-sîmâ f. -- Abgrenzung durch weltliche Autoritäten (z.B. Dörfer als politische Einheiten) u.ä.

In unserem Fall wird also eine abaddha-sîmâ gewählt: die politische Grenze des Dorfes.

Ausführlich zu sîmâ:

Kapitel 15.E2. Exkurs 2 zu Kapitel 15: Sîmâ -- URL: http://www.payer.de/mahavamsa/chronik15e2.htm

Für die Ordination zum Mönch (upasampadâ) ist die Ordination zum Novizen (pabbajjâ) Voraussetzung. Ist der Mönchsaspirant noch nicht Novize, werden beide Ordinationen unmittelbar hintereinander ausgeführt.

Zu den beiden Ordinationen sowie den ordensrechtlichen Voraussetzungen siehe:

Payer, Alois <1944 - >: Vinayamukha: Grundbegriffe der Ordensregeln und des Ordensrechts des Theravâda. -- Teil I. -- (Materialien zu den Grundbegriffen des Buddhismus). -- URL: http://www.payer.de/buddhgrund/vinaya01.htm

33a. Gleichzeitig erreichte Bhandu die Arahantschaft [die vollkommene Erlösung].

14.7. Die Unterweisung der Götter

33b./34. Danach [nach der Ordinationszeremonie] wies der Thera [Mahinda] den Novizen Sumana an, laut anzukünden, dass es nun Zeit ist, dass man eine Lehrverkündigung hören könne. "Wie weit soll meine Ankündigung hörbar sein?"

35. Der Thera antwortete: "In ganz Tambapanni!" Da machte Sumana mit seiner Wundermacht die Ankündigung so, dass man sie in ganz Lankâ hören konnte.

36. Der König [Devânampiyatissa] saß an der Außenseite der Felsmulde Nâgacattuka [wird mit Nâgapokuna, Nr. 11 im Plan unten identifiziert] und aß. Als er den Ruf hörte sandte er einen Boten zum Thera:

37. "Ist ein Missgeschick passiert?" "Es ist kein Missgeschick passiert. Es wurde nur laut angekündigt, dass es nun Zeit ist, um das Wort des vollkommenen Buddha zu hören."

38. Als die Erdgottheiten den Ruf des Novizen hörten, riefen auch sie, so ist dieser Ruf stufenweise bis zur Brahmawelt aufgestiegen.

D.h. bis zur ersten Stufe der feinkörperlichen Existenzebene. Der Aufstieg geschah über folgende "Relaisstationen":

Manussa-loka m. -- Menschen

Deva-loka m. -- Götterwelten (in kâma-bhava m. -- Existenzebene der Begierden, grobkörperliche Existenzebene = Kâma-loka m. -- Welt der Begierden, Sinnenwelt)

1.  Câtummahârâjika

2.  Tavatimsa

3.  Yâma

4.  Tusita

5.  Nimmânarati

6.  Paranimittavasavatti

Pa.thama-jhâna-bhûmi f. -- Ebene der ersten Versenkungsstufe (in rûpa-bhava m. -- Existenzebene der Formen, feinkörperliche Existenzebene = rûpa-loka m. -- Welt der Formen, feinkörperliche Welt):

1.  Brahmaparisajjâ

2.  Brahmapurohitâ

3.  Mahâbrahma

Zu den Existenzebenen (bhava) siehe:

Payer, Alois <1944-- >: Dhammavibhânga -- Begriffsreihen der Buddhalehre. -- Teil II,1: Zweiergruppen und Dreiergruppen. -- (Materialien zu den Grundbegriffen des Buddhismus). -- URL: http://www.payer.de/buddhgrund/damma21.htm

39. Wegen dieses Rufs versammelte sich eine große Götterschar. In jener Versammlung verkündigte der Thera das Samacittasutta.

Samacittasutta, Anguttaranikâya I, 63 - 65:

"So habe ich gehört. Einst weilte der Erhabene im Jetahaine bei Sâvatthi, im Kloster des Anâthapindika. Zu jener Zeit nun lebte der ehrwürdige Sâriputta im Ostkloster bei Sâvatthi, im Terrassenbau der Mutter Migâras. Dort wandte sich der ehrwürdige Sâriputta an die Mönche:

»Den diesseits gefesselten Menschen, o Brüder, will ich euch weisen und den jenseits gefesselten. So höret denn und achtet wohl auf meine Worte.«

»Ja, Bruder!« erwiderten jene Mönche dem ehrwürdigen Sâriputta.

Und der ehrwürdige Sâriputta sprach:

»Wer ist nun, ihr Brüder, ein diesseits gefesselter Mensch? Da, ihr Brüder, ist ein Mönch sittenrein, befolgt die Ordenssatzung, ist vollkommen im Wandel und Umgang, und vor den geringsten Vergehen zurückschreckend, übt er sich in der Befolgung der Übungsregeln. Bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, erscheint er in einer Götterwelt, und von dort abgeschieden wird er ein Rückkehrender [âgâmî], kehrt er zu dieser Welt zurück. Diesen, ihr Brüder, nennt man den diesseits gefesselten Menschen, der ein Rückkehrender ist, der zu dieser Welt zurückkehrt.

[Dies bezieht sich auf die ersten beiden Stufen der endgültig Erlösten, d.h. derer, die berechtigte Heilsgewissheit haben, nämlich Stromeingetretene und Einmalwiederkehrer

sotâpanna m. -- Stromeingetretener: wird höchstens noch sieben Mal wiedergeboren; hat die ersten drei sa.myojana n. -- Fesseln überwunden, nämlich:

   1. sakkâya-ditthi f. -- Falscher Glaube an ein Ich

   2. vicikicchâ f. -- Zweifel

   3. sîla-bbata-parâmasa m. -- Hängen an Sittlichkeit und religiösen Gelübden

2.  sakad-âgâmî m. -- Einmalwiederkehrer: wird höchstens noch einmal als Mensch wiedergeboren, hat die ersten drei sa.myojana n. -- Fesseln überwunden; hat nur noch ganz schwach folgende Fesseln:

   4. kâma-chanda m. -- Gier nach Objekten der Sinneswelt

   5. vyâpâda m. -- Übelwollen

3.  an-âgâmî m. -- Nicht-Wiederkehrer: s. weiter unten hat die ersten fünf sa.myojana n. -- Fesseln d.h. alle niederen Fesseln) überwunden.

4.  arahanta m. -- Arahant: wird nicht mehr wiedergeboren, erlöscht am Ende dieses Lebens vollständig: hat alle zehn sa.myojana n. -- Fesseln überwunden, nämlich die genannten niedrigen und folgende höhere:

   6. rûpa-râga m. -- Gier nach der feinstofflichen Welt der Formen

   7. a-rûpa-râga m. -- Gier nach der unstofflichen Welt

   8. mâna m. -- Abhängigkeit vom sozialen Feld

   9. uddhacca n. -- Aufgeregtheit

   10. avijjâ f. -- Nichtwissen

(z.B. Mahâlisutta : Dîghanikâya I, 156)]

Wer aber, Brüder, ist ein jenseits gefesselter Mensch? Da ist ein Mönch sittenrein, befolgt die Ordenssatzung, ist vollkommen im Wandel und Umgang, und vor den geringsten Vergehen zurückschreckend, übt er sich in der Befolgung der Übungsregeln. Er gewinnt dann eine gewisse friedvolle Gemütsbefreiung. Bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, erscheint er in einer Götterwelt, und von dort abgeschieden ist er kein Rückkehrender [anâgâmî], kehrt nicht mehr zu dieser Welt zurück.

Und ferner noch, ihr Brüder: Da ist ein Mönch sittenrein, befolgt die Ordenssatzung, ist vollkommen im Wandel und Umgang, und, vor dem geringsten Vergehen zurückschreckend, übt er sich in der Befolgung der Übungsregeln. Sein Wandel dient der Abkehr und Loslösung von den Sinnenlüsten, dient ihrer Aufhebung; sein Wandel dient der Abkehr und Loslösung von den Daseinsformen, dient ihrer Aufhebung; sein Wandel dient der Vernichtung des Begehrens, der Vernichtung der Gier. Bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, erscheint er in einer Götterwelt, und, von dort abgeschieden, ist er kein Rückkehrender [anâgâmî], kehrt nicht mehr zu dieser Welt zurück. Diesen, ihr Brüder, nennt man den jenseits gefesselten Menschen, der kein Rückkehrender ist, nicht mehr zurückkehrt zu dieser Welt.«

[Anâgâmî m. -- Nichtwiederkehrer, dritte Stufe der endgültig Erlösten

1.  antarâ parinibbâyî m. -- der Nichtwiederkehrer, welcher in einem reinen Gefilde wiedergeboren, noch während der ersten Hälfte seiner dortigen Lebenszeit vollkommen erlöst wird

2.  upahacca parinibbâyî m. -- der Nichtwiederkehrer, welcher in einem reinen Gefilde wiedergeboren, während der zweiten Hälfte seiner dortigen Lebenszeit oder bei seinem dortigen Tod vollkommen erlöst wird

3.  sa-sankhâra parinibbâyî m. -- der Nichtwiederkehrer, welcher in einem reinen Gefilde wiedergeboren, mit Mühe vollkommen erlöst wird

4.  a-sankhâra parinibbâyî m. -- der Nichtwiederkehrer, welcher in einem reinen Gefilde wiedergeboren, ohne Mühe vollkommen erlöst wird

5.  uddhamsoto akanittha-gâmî m. -- der Nichtwiederkehrer, welcher in einem reinen Gefilde wiedergeboren wird, und dann stufenweise in den reinen Gefilden bis hinauf zu Akanittha wiedergeboren wird, wo er die vollkommene Erlösung verwirklicht.

Es wird wiedergeboren ein Anâgâmî:

·    5. mit ausgeprägter Einsicht (paññâ f.) in Akanittha

·    4. mit ausgeprägter Sammlung (samâdhi m.) in Sudassî

·    3. mit ausgeprägter Achtsamkeit (sati f.) in Sudassa

·    2. mit ausgeprägter Energie (viriya n.) in Âtappa

·    1. mit ausgeprägtem Vertrauen (saddhâ f.) in Aviha

Ein An-âgâmî m. -- Nicht-Wiederkehrer: hat die ersten fünf samyojana n. -- Fesseln (d.h. alle niederen Fesseln) überwunden.

(Aveccapasannasutta : Anguttaranikâya V, 120)

[Samacittasutta i. e. S.:]

Darauf nun begaben sich zahlreiche, ein Ebenmaß des Geistes besitzende Gottheiten zum Erhabenen. Dort angelangt, begrüßten sie den Erhabenen ehrfurchtsvoll und stellten sich zur Seite hin. Zur Seite stehend, sprachen jene Gottheiten zum Erhabenen also:

»Jener ehrwürdige Sâriputta, o Herr, hat im Ostkloster, im Terrassenbau der Mutter Migâras, den Mönchen den diesseits gefesselten Menschen gewiesen und den jenseits gefesselten. Erfreut, o Herr, war die Hörerschaft. Gut wäre es, o Herr, wenn der Erhabene sich zum ehrwürdigen Sâriputta begeben wollte, von Mitleid bewogen.«

Durch Schweigen gab der Erhabene seine Zustimmung zu erkennen. Gleichwie nun ein starker Mann den gebeugten Arm strecken oder den gestreckten Arm beugen sollte, ebenso verschwand da der Erhabene aus dem Jetahaine und erschien im Ostkloster, im Terrassenbau der Mutter Migâras, vor dem ehrwürdigen Sâriputta. Es nahm der Erhabene auf dem angebotenen Sitze Platz. Und auch der ehrwürdige Sâriputta, nachdem er den Erhabenen ehrfurchtsvoll begrüßt hatte, setzte sich seitwärts nieder. Und der Erhabene sprach also zum ehrwürdigen Sâriputta:

»Es kamen da, Sâriputta, zahlreiche, ein Ebenmaß des Geistes besitzende Gottheiten zu mir, begrüßten mich ehrfurchtsvoll und standen zur Seite. Zur Seite stehend, sprachen jene Gottheiten zu mir also: 'Jener ehrwürdige Sâriputta, o Herr, hat im Ostkloster, im Terrassenbau der Mutter Migâras, den Mönchen den diesseits gefesselten Menschen gewiesen und den jenseits gefesselten. Erfreut, o Herr, war die Hörerschaft. Gut wäre es, o Herr, wenn sich der Erhabene zum ehrwürdigen Sâriputta begeben wollte, von Mitleid bewogen.' Jene Gottheiten aber, Sâriputta, standen in Gruppen von zehn, zwanzig, dreißig, vierzig, fünfzig und sechzig auf einem Fleck, der bloß so groß war wie der Stich einer Nadelspitze; doch keiner belästigte den anderen. Du magst nun denken, Sâriputta, dass wohl in der dortigen Welt jene Gottheiten ihr Gemüt derart ausgebildet haben, dass sie in Gruppen von zehn, zwanzig, dreißig, vierzig, fünfzig und sechzig auf je einem Fleck zu stehen vermögen, der bloß so groß ist wie der Stich einer Nadelspitze, ohne sich einander zu belästigen. Doch so ist das nicht zu verstehen. Hier nämlich, in dieser Welt, Sâriputta, haben jene Gottheiten ihr Gemüt derart ausgebildet, dass sie in Gruppen von zehn, zwanzig, dreißig, vierzig, fünfzig und sechzig auf einem Fleck zu stehen vermögen, der bloß so groß ist wie der Stich einer Nadelspitze, ohne einander zu belästigen.

Darum, Sâriputta, sei euer Streben: 'Mit gestillten Sinnen wollen wir verweilen, besänftigten Herzens!' Danach, Sâriputta, sollt ihr streben! Denn wenn ihr, Sâriputta, mit gestillten Sinnen verweilt, besänftigten Herzens, so werden eben eure Werke sanft sein, eure Gedanken sanft sein. 'Ein Opfer der Sanftmut wollen wir den Ordensbrüdern darbringen!', das, Sâriputta, sei euer Streben! Schade, Sâriputta, ist es um die andersfährtigen Pilger, die sich diese Darlegung der Lehre nicht angehört haben.«"

[Übersetzt von Nyanatiloka: Die Lehrreden des Buddha aus der Angereihten Sammlung = Anguttara-Nikâya / aus dem Pâli übersetzt von Nyanatiloka. -- 3., revidierte Neuauflage. -- Köln: DuMont Schauberg. -- Bd. 1. -- ©1969. -- S. 70 - 72]

40. Zahllose Götter ergriffen die Lehre voll, viele Nâga [Kobragottheiten] und Supanna [Adlergottheiten, Feinde der Nâga] gründeten sich auf den drei Zufluchten.

Adlergottheiten: In Sri Lanka gibt es (heute) verschiedene Adlerarten, am verbreitetsten ist der Schlangenadler Spilornis cheela spilogaster, daneben gibt es den Seeadler Haliacetus leucogaster., den schwarzen Adler Ictinaetus malayensis, den Adler Hiraaetus pennatus.

[Angaben nach: Wijeyeratne, Gehan de Silva ; Warakagoda, Deepal ; De Zylva, T. S. U.: A photographic guide to birds of Sri Lanka. -- London [u.a.]: New Holland, ©2000. -- ISBN 1-85974-511-3. -- S. 34ff. -- Dort gute Abbildungen]

41. Ebenso wie sich die Götter versammelt hatten, als Sâriputta diese Lehrrede verkündete, ebenso haben sie sich bei Mahinda versammelt.

Sâriputta (m.) gilt als Spitze an Einsicht / Weisheit (paññâ f.) unter allen Jüngern Buddhas. Er und Mahâ-Moggallâna sind die beiden am meisten herausragenden Jünger Buddhas. Sie werden zu beiden Seiten Buddhas dargestellt: Sâriputta zur Rechten Buddhas, Moggallâna zur Linken. Sâriputta ist das Vorbild für die Mönche, deren vorwiegende Beschäftigung Gelehrsamkeit (ganthadhura), Studium der Lehre (pariyatti) ist. Mit diesem Vers wird Mahinda somit dem Klügsten aller Jünger gleichgestellt.

14.8. Exkurs: Mihintale heute

Mihintale, Northern Central Province, ca. 310 m ü. M.

"Von dem Ort Mihintale führt die A 9 zu den Ruinen der Klosteranlage. Links der Straße liegen die Reste des alten Hospitals, dessen Fundamente und Pfeiler lassen die einzelnen Räume noch gut erkennen. Bemerkenswert ist die sinnvolle Anordnung der Patientenzimmer, die von einem innenliegenden Gang gut erreichbar waren. Die steinerne Wanne, aus einem Granitblock herausgeschlagen, diente einst vermutlich für Heilbäder, der große Mahlstein nahebei vermutlich zum Zerreiben der Heilkräuter. ...

Die Monumentaltreppe, die auf den Berggipfel führt, stammt vermutlich aus der Gründungszeit des Klosters. Sie wurde aus dem Granitfelsen herausgehauen und besteht aus vier Treppenabsätzen mit insgesamt 1840 Stufen, die von herrlich blühenden Frangipani-Bäumen gesäumt werden.

Vom ersten Treppenabsatz führt eine schmalere Treppe auf ein Plateau, auf dem sich die Kantaka Chaitya Dagoba erhebt. Sie wurde benannt nach dem Pferd, mit dem Buddha den elterlichen Fürstenhof verlassen und dem verschwenderischen Leben entsagt haben soll. Das Pferd -- so die Legende -- starb vor Kummer. Die Dagoba wurde vermutlich im 2. Jh. v. Chr. erbaut und besaß einst eine Höhe von etwa 30 m, heute ist sie zerfallen und nur noch 13 m hoch. ...

In der Umgebung der Kantaka Chaitya sind in den Felsen und unter Felsabhängen mehr als 60 Wohnhöhlen zu finden, in denen in der Zeit der ersten Mönchsgemeinde (3. Jh. v. Chr.) Mönche lebten. Bei einigen sind noch Inschriften in Brahmi-Schrift zu erkennen.

Zur Haupttreppe zurückgehend und höher steigend, gelangt man nun am zweiten Treppenabschnitt zu den Resten eines Klosters, das vermutlich im 9. Jh. angelegt wurde. Interessant sind die von hohen Steinpfeilern gestützten Reste einer Wasserleitung, eine sehr große und eine kleinere Steinwanne, die vermutlich zur Aufnahme gespendeter Nahrungsmittel dienten, möglicherweise aber auch zur Aufbewahrung von Kräutern zur Herstellung von Arzneimitteln. Die Reste eines großen Gebäudes -- wahrscheinlich handelte es sich um das Bilderhaus -- mit zwei senkrecht stehenden Monolithen stammen aus dem 10. Jahrhundert. Sie tragen Inschriften, die Aufschluss geben über die Regeln der damaligen Zeit: «Niemand, der Leben zerstört hat, darf nahe diesem Hügel wohnen.» Andere Inschriften erläutern die Anweisungen zur Verpflegung von Kranken sowie die Aufgaben der Tempeldiener. ...

Die Haupttreppe führt nun weiter zu der von hohen Kokospalmen umgebenen Ambasthala Dagoba (Mangobaum-Dagoba), erbaut im ersten Viertel des 1. Jhs. n. Chr. Die Reliquienkammer im Innern birgt Teile der sterblichen Überreste des Mönches Mahinda....

Ein modernes Gebäude mit achteckigem Grundriss südlich der Dagoba bezeichnet die Stelle, an der sich Mahinda und König Tissa erstmals trafen.

Gegenüber dem Zugang zur Ambasthala Dagoba führt ein Weg hinab zu einer Stelle, die Mahinda’s Bett genannt wird. Es ist eine Felsenhöhle mit einem behauenen, flachen Stein, auf dem der Mönch geschlafen und meditiert haben soll.

Über steile, in den Felsen gehauene Stufen gelangt man nun weiter aufwärts zum Sila-Felsen, von dem sich eine herrliche Aussicht bietet über die dichte Dschungellandschaft, den Mahakandarawa Wewa (einen Stausee) und in westlicher Richtung bis hinüber nach Anuradhapura.

Am gegenüberliegenden Hügel erhebt sich links neben einem kleinen Teich der kleine Felsentempel Mahinda Vihâra mit einer modernen Darstellung der Begegnung des Mönches mit dem König.

Der Gipfel des Missaka-Berges wird geziert von der weithin sichtbaren, strahlendweißen, 21 m hohen Mahâ Seya Dagoba aus dem 10. Jahrhundert. Sie weist die typische Blasenform auf und birgt ein Haupthaar Buddhas als Reliquie. Der hinduistische Tempel nahebei ist Shiva, Parvati und Ganesha geweiht."

[Sri Lanka. -- Ostfildern: Baedeker, ©1999. -- (Baedeker Allianz Reiseführer). -- ISBN 3895254371. -- S. 199 - 202. --]

14.9. Einzug in Anurâdhapura

42. Am Morgen sandte der König einen Wagen zu den Thera's. Der Wagenlenker ging zu ihnen und forderte sie auf, den Wagen zu besteigen und zur Hauptstadt zu fahren.

43. "Wir wollen den Wagen nicht besteigen. Fahr du, wir folgen dir." So schickten sie den Wagenlenker fort, sie, die als Wagen Güte hatten / voll guter Absicht [Wortspiel su-manorathâ = voll guter Absicht = sumano-rathâ = deren Wagen Güte ist].

44. Mit ihrer großen Wundermacht erhoben sie sich in die Luft und stiegen im Osten der Hauptstadt nieder, an der Stelle, wo [später] der erste Stûpa stand.

45. Deswegen wird auch heute noch das Cetiya, das an der Stelle, wo die Thera's erstmals herabgestiegen sind, errichtet wurde, Pathamcetiya [erstes Cetiya] genannt.

 

46./47. Da die Frauen des königlichen Haushalts vom König über die Tugend der Thera's gehört hatten, wollten sie diese sehen. Deshalb lies der König innerhalb des Königsbezirks einen lieblichen Pavillon errichten, bedeckt mit weißen Stoffen und Blüten und vollendet geschmückt.

48. Da er bei den Thera's gehört hatte, dass die Mönche sich hoher Liegen enthielten, zweifelte er, ob der Mönch sich auf eine erhöhte Liege setzen würde.

Dies bezieht sich auf den neunten Trainingspunkt der asketischen 10 Trainingspunkte der Sittlichkeit, die ein Novize bei der Ordination auf sich nimmt:

uccâ-sayana-mahâsayanâ veramanî -- Enthaltung von hohen und großen Betten.

Die zehn Trainingspunkte siehe in:

Payer, Alois <1944 - >: Vinayamukha : Grundbegriffe der Ordensregeln und des Ordensrechts des Theravâda. -- Teil I. -- (Materialien zu den Grundbegriffen des Buddhismus). -- URL: http://www.payer.de/buddhgrund/vinaya01.htm

49. In der Zwischenzeit traf der Wagenlenker die Thera's an jener Stelle [des späteren Pathamacetiya], wie sie ihr Mönchsgewand anlegten und wunderte sich sehr [dass sie vor ihm angekommen waren].

50. Er ging zum König und berichtete es ihm. Als der König all dies hörte, wurde ihm klar, dass die Thera's sich nicht auf Stühlen niederlassen würden.

51./52. Deshalb befahl er, beste Teppiche als Sitze auszubreiten. Er ging den Thera's entgegen, begrüßte sie ehrerbietig, nahm den Almosentopf aus der Hand des großen Thera Mahinda und führte den Thera mit protokollgemäßer Ehrerbietung und Verehrung in die Stadt.

53. Als die Zeichendeuter die auf dem Boden bereiteten Sitze sahen, erklärten sie: "Sie haben die Erde in Besitz genommen, sie werden die Herren auf der Insel sein."

54. Der König führte die Thera's unter Ehrbezeugungen in den inneren Palast. Dort setzten sie sich ihrem Rang entsprechend auf Stoffsitze.

55a. Der König selbst speiste sie mit Milchreis und harten und weichen Speisen.

14.10. Die Unterweisung der Palastfrauen

55b./56. Als das Mahl beendet war, setzte der König sich selbst zu ihnen und ließ Anulâ, die Gattin seines jüngeren Bruders, des Vizekönigs Mahânâga, die im Königspalast wohnte, rufen.

57. Königin Anulâ kam mit fünfhundert Frauen, begrüßte und verehrte die Thera's und setzte sich dann seitlich [vor den Thera's] hin.

58. Der Thera verkündete ihnen:

"Zur jüngsten Schicht der im Pâlikanon vereinigten Literatur gehören gewiss die beiden höchst unerfreulichen, glücklicherweise wenig umfangreichen Werke Vimânavatthu und Petavatthu, die Götterpalastgeschichten und die Gespenstergeschichten. Die wahrhaft große und tiefe Lehre vom Karman, die sowohl in brahmanischen wie in buddhistischen Texten in so vielen schönen Sprüchen und Legenden Ausdruck gefunden hat, wird in diesen kleinen Geschichten, an denen die metrische Form das einzige Poetische ist, in der plumpesten Weise durch Beispiele erläutert. Die Geschichten sind alle nach einer Schablone gemacht.

Im Vimânavatthu wird irgendein göttliches Wesen von Moggallâna gefragt, wie es zu diesem oder jenem Götterpalast (vimâna) mit all seinen Herrlichkeiten gekommen sei. Als Antwort berichtet die Gottheit kurz die gute Tat, die sie in irgendeinem früheren Dasein vollbracht, infolge deren ihr dies Himmelsglück zuteil geworden.

Im Petavatthu tritt irgendein Peta (Sanskrit Preta, Geist eines Verstorbenen, der als Gespenst ruhelos und gequält in der Nähe der Erdenwelt umherirrt) auf und wird von Nârada gefragt, welcher bösen Tat er sein Unglückslos zuzuschreiben habe, worauf er in kurzen Worten von dieser berichtet. Ein Beispiel (Petavatthu I, 2) wird genügen

(Der weise Nârada spricht zu einem Gespenst)

(Darauf antwortet das Gespenst:)

Dass im Petavatthu (IV, 3) ein König Pingalaka vorkommt, der nach dem Kommentar des Dhammapâla 200 Jahre nach Buddha in Surat geherrscht haben soll, beweist, dass selbst die Kommentatoren einer späteren Zeit diese Texte in ziemliche Entfernung von der Lebenszeit des Buddha rücken. Selbst wenn man zugibt, dass die Himmels- und Höllenvorstellungen schon im alten Buddhismus neben dem Arahant- und Nirvâna-Ideal bestanden haben, wird man diesen »Dichtungen« kein hohes Alter zuschreiben können."

[Winternitz, Moriz <1863 - 1937>: Geschichte der indischen Literatur. -- Stuttgart : Koehler. -- Bd. 2: Die buddhistische Literatur und die heiligen Texte der Jainas. -- Unveränderter Nachdruck der Auflage von 1920. -- 1968. -- S. 77f.]

Die Frauen erreichten die erste Frucht [der Stromeingetretenen, d.h. sie wurden endgültig Erlöste, die höchstens noch siebenmal wiedergeboren werden].

14.11. Die Unterweisung der Bewohner von Anurâdhapura

59./60. Von den Menschen, die am Vortag die Thera's gesehen hatten, hörten viele Städter über die Tugend des Thera. Deshalb wollten sie den Thera sehen und kamen an den Eingang zum Königspalast und machten dort großen Lärm. Als der König diesen Lärm hörte, fragte er nach der Ursache und sagte dann, auf das Wohl dieser Leute bedacht:

61. "Hier ist es zu eng für alle. Man soll den Pavillon des Glückselefanten reinigen. Dort können die Städter die Thera's sehen."

62. Man reinigte den Elefantenpavillon, schmückte ihn eilig mit Teppichen usw. und bereitete dem Rang entsprechend Sitze vor.

63. Der große Thera ging dann mit den anderen Thera's dorthin, nahm Platz und der große Redner verkündete die Lehrrede von den Götterboten.

Das ist die gleiche Lehrrede, die der Thera Mahâdeva als erste Predigt in Mahisamandala gehalten hat (s. oben, Kapitel 12, Vers 29). Lehrrede von den Götterboten (Devadûta-Sutta) = Anguttaranikâya I, 138f., ausführlicher Majjhimanikâya III, 178ff.:

"36 Die drei Götterboten

Drei Götterboten gibt es, ihr Mönche. Welche drei?

Da führt einer einen schlechten Wandel in Werken, einen schlechten Wandel in Worten, einen schlechten Wandel in Gedanken. Solch schlechten Wandel führend, gerät er beim Zerfall des Körpers, nach dem Tode, in niedere Welt, auf eine Leidensfährte, in Daseinsabgründe, in die Hölle. Und die Höllenwächter, ihr Mönche, packen ihn an beiden Armen und bringen ihn vor den König Yama mit den Worten: 'Dieser Mensch, o Herr, hatte keine Ehrfurcht vor seinen Eltern, keine Ehrfurcht vor Asketen und Brahmanen, achtete nicht die Ältesten in der Familie. Möge ihm der Herr Strafe auferlegen!'

(1.) Und der König Yama, ihr Mönche, fragte, forschte und hörte ihn über den ersten Götterboten aus: 'O Mensch, sahest du nicht unter den Menschen den ersten Götterboten erscheinen?'

Er aber sprach: 'Herr, ich sah ihn nicht.'

Und König Yama sprach zu ihm: 'O Mensch, sahest du nie unter den Menschen eine Frau oder einen Mann im Alter von achtzig, neunzig oder hundert Jahren, abgelebt, gekrümmt wie Dachsparren, gebückt, auf eine Krücke gestützt, schlotternden Ganges dahinschleichend, siech, mit verwelkter Jugend, mit abgebrochenen Zähnen und ergrautem Haar, oder kahl, mit wackelndem Kopfe, voller Runzeln, die Glieder mit Flecken bedeckt?'

'Ja, o Herr, solche habe ich gesehen.'

Und der König Yama sprach: 'Und dachtest du nicht daran, o Mensch, der du Verstand besitzest und alt genug bist: »Auch ich bin dem Alter unterworfen, kann dem Alter nicht entgehen. So lass mich denn Gutes tun in Werken, Worten und Gedanken«?'

Jener aber sprach: 'O Herr, ich war außerstande! O Herr, ich war leichtsinnig!'

Und der König Yama sprach: 'O Mensch, aus Leichtsinn hast du weder in Werken, noch Worten, noch Gedanken Gutes getan. Wahrlich, gemäß deinem Leichtsinn wird man's dir vergelten. Denn jene schlechte Tat wurde weder von deiner Mutter begangen, noch deinem Vater, noch deinem Bruder, noch deiner Schwester, noch von deinen Freunden und Genossen, noch deinen Vettern und Blutsverwandten, noch von Götterwesen, Asketen oder Priestern. Du allein hast jene schlechte Tat begangen, du allein wirst deren Frucht erfahren.'

(2.) Als nun, ihr Mönche, der König Yama ihn über den ersten Götterboten ausgefragt, ausgeforscht und ausgehorcht hatte, fragte, forschte und horchte er ihn über den zweiten Götterboten aus: 'O Mensch, sahest du nicht unter den Menschen den zweiten Götterboten erscheinen?'

Er aber sprach: 'Herr, ich sah ihn nicht.'

Und der König Yama sprach zu ihm: 'O Mensch, sahest du nie unter den Menschen eine Frau oder einen Mann, krank, elend, schwer leidend, sich im eigenen Kot und Urin herumwälzend, die von dem einen aufgerichtet, von einem anderen wieder ins Bett gelegt wurden?'

'Ja, o Herr, ich habe solche gesehen.'

Und der König Yama sprach zu ihm: 'Und dachtest du nicht, o Mensch, der du Verstand besitzest und alt genug bist: »Auch ich bin der Krankheit unterworfen, kann der Krankheit nicht entgehen. So lass mich denn Gutes tun in Werken, Worten und Gedanken«?'

Jener aber sprach: 'O Herr, ich war außerstande! O Herr, ich war leichtsinnig!'

'O Mensch, aus Leichtsinn hast du weder in Werken, noch Worten, noch Gedanken Gutes getan. Wahrlich, o Mensch, gemäß deinem Leichtsinn wird man's dir vergelten. Denn jene schlechte Tat wurde weder von deiner Mutter begangen, noch deinem Vater, noch deinem Bruder, noch deiner Schwester, noch von deinen Freunden und Genossen, noch deinen Vettern und Blutsverwandten, noch von Götterwesen, Asketen oder Priestern. Du allein hast jene schlechte Tat begangen, du allein wirst deren Frucht erfahren.'

(3.) Als nun, ihr Mönche, der König Yama ihn über den zweiten Götterboten ausgefragt, ausgeforscht und ausgehorcht hatte, fragte, forschte und horchte er ihn über den dritten Götterboten aus: 'O Mensch, sahest du nicht unter den Menschen eine Frau oder einen Mann einen oder zwei oder drei Tage nach dem Tode, aufgeschwollen, von blauschwarzer Farbe, mit Eiter bedeckt?'

'Ja, o Herr, ich habe solche gesehen.'

'Und dachtest du nicht, o Mensch, der du Verstand besitzest und alt genug bist: »Auch ich bin dem Tode unterworfen, kann dem Tode nicht entgehen. So lass mich denn Gutes tun in Werken, Worten und Gedanken«?'

'O Herr, ich war außerstande! O Herr, ich war leichtsinnig!'

'O Mensch, aus Leichtsinn hast du weder in Werken, noch Worten, noch Gedanken Gutes getan. Wahrlich, o Mensch, gemäß deinem Leichtsinn wird man's dir vergelten. Denn jene schlechte Tat wurde weder von deiner Mutter begangen, noch von deinem Vater, noch von deinem Bruder, noch von deiner Schwester, noch von deinen Freunden und Genossen, noch deinen Vettern und Blutsverwandten, noch von Götterwesen, Asketen oder Priestern. Du allein hast jene schlechte Tat begangen, du allein wirst deren Frucht erfahren.' Als nun, ihr Mönche, der König Yama ihn über den dritten Götterboten ausgefragt, ausgeforscht und ausgehorcht hatte, schwieg er.

Und die Höllenwächter, ihr Mönche, foltern ihn dann mit der fünffachen Pfählung: sie treiben ihm eine glühende Eisenstange durch die eine Hand, treiben ihm eine glühende Eisenstange durch die andere Hand, treiben ihm eine glühende Eisenstange durch den einen Fuß, treiben ihm eine glühende Eisenstange durch den anderen Fuß, treiben ihm eine glühende Eisenstange durch die Brust. Dabei empfindet er schmerzhafte, stechende, peinigende Gefühle; doch nicht stirbt er, bevor nicht jene schlechte Tat erschöpft ist.

Darauf legen ihn die Höllenwächter zu Boden und zerhacken ihn mit Beilen. Dabei empfindet er schmerzhafte, stechende und peinigende Gefühle; doch nicht stirbt er, bevor nicht jene schlechte Tat erschöpft ist.

Sodann hängen ihn die Höllenwächter mit den Füßen nach oben und dem Kopf nach unten und zerhacken ihn mit Schwertern. Sie spannen ihn vor einen Wagen und lassen ihn über eine lodernde, flammende, glühende Fläche hin und her laufen. Sie lassen ihn einen großen lodernden, flammenden, glühenden Kohlenberg hinauf und hinab steigen. Sie packen ihn an den Füßen und werfen ihn kopfüber in einen lodernden, flammenden, glühenden Erzkessel. Dort kocht er im aufwallenden Schaume und während er so kocht, treibt er einmal nach oben, einmal nach unten, einmal nach der Seite. Dabei empfindet er schmerzhafte, stechende und peinigende Gefühle; doch er stirbt nicht, bevor nicht jene schlechte Tat erschöpft ist.

Darauf, ihr Mönche, werfen ihn die Höllenwächter in die Erzhölle. Von jener Erzhölle aber heißt es:

»Quadratisch ist sie, hat vier Tore; in Teile ist sie abgesteckt, von einem Eisenwall umgeben, mit einem Eisendach bedeckt.

Aus Eisen auch besteht ihr Boden; der glüht und leuchtet weit und breit, strahlt hundert Meilen rings umher und bleibt für alle Ewigkeit.«"

[Übersetzt von Nyanatiloka: Die Lehrreden des Buddha aus der Angereihten Sammlung = Anguttara-Nikâya / aus dem Pâli übersetzt von Nyanatiloka. -- 3., revidierte Neuauflage. -- Köln: DuMont Schauberg. -- Bd. 1. -- ©1969. -- S. 127 - 130]

64. Als sie diese Lehrrede gehört hatten, kamen die versammelten Städter zum Vertrauen [auf die drei Juwelen]. Tausend Lebewesen aber erreichten die erste Frucht [der Stromeingetretenen, d.h. sie wurden endgültig Erlöste, die höchstens noch siebenmal wiedergeboren werden].

14.12. Schluss

65. So verkündete in Lankâdîpa der Thera, dem niemand gleicht, der aber selbst in Hinblick auf Lankâ dem Lehrer [Buddha] gleicht, an zwei Stellen in der Sprache der Insel die Lehre Buddhas. Er, die Rettungsinsel / das Licht der Insel (dîpadîpa), ließ die wahre Lehre [auf Lankâ] herabsteigen.

14.13. Das Poson-Fest -- Gedenkfeier der Bekehrung Lankâ's

"Einen Monat nach dem Vesak-Fest wird das Poson-Fest gefeiert, dann kommen wieder tausende von Pilgern nach Anuradhapura, der alten Hauptstadt von Sri Lanka, und zum benachbarten Mihintale oder Mahinda's Plateau, um an die Einführung des Buddhismus auf der Insel durch Thera Mahinda zu erinnern, die 22 Jahrhunderte zurückliegt. Es ist ein Fest mit großer historischer und religiöser Bedeutung für die Buddhisten, die Mahinda als Schutzpatron der Insel verehren.

Die tausende von Buddhisten, die heute auf Pilgerreise zum heiligen Berg Mihintale gehen, nehmen die Gelegenheit wahr, den heiligen Bodhi-Baum und Gottesdienste und andere Schreine zu besuchen."

[de Silva, L. A.: Buddhism: beliefs and practices in Sri Lanka. -- Colombo: Selbstverlag, 1974. -- S. 160]

14.14. Kolophon

Dies ist das vierzehnte Kapitel des Mahâvamsa, der zum Vertrauen und zur Erschütterung der guten Menschen verfasst wurde. Der Titel dieses Kapitels ist "Die Ankunft in der Hauptstadt".

15. Kapitel 15: Die Entgegennahme des Mahâvihâra

15.1. Unterweisung der Frauen im Nandanahain

1./2. Da auch der Elefantenpavillon überfüllt war, bereiteten die dort versammelten Leute voll Ehrfurcht außerhalb des Südtors im Königspark, im lieblichen, tief schattigen Nandanahain, der mit dunklem Gras bewachsen war [als Folge seiner Abgeschirmtheit gegen grelles Sonnenlicht], für die Thera's Sitze.

3a. Der Thera ging durchs Südtor und nahm dort Platz.

3b./4. Es kamen viele Frauen von bedeutenden Familien, setzten sich zu dem Thera und füllten den Park. Der Thera verkündete ihnen die Lehrrede vom Toren und vom Weisen (Bâlapanditasutta).

Bâlapanditasutta, Majjhimanikâya III, 163ff., Übersetzung von Karl Eugen Neumann (1865-1915):

"DAS HAB' ICH GEHÖRT. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Sâvatthi, im Siegerwalde, im Garten Anâthapindikos. Dort nun wandte sich der Erhabene an die Mönche: «Ihr Mönche!» «Erlauchter!» antworteten da jene Mönche dem Erhabenen aufmerksam.

Der Erhabene sprach also:

«Drei gibt es, ihr Mönche, beim Toren der Kennzeichen des Toren, der Merkmale des Toren, der Offenbarungen des Toren: und welche drei?

Da mag, ihr Mönche, der Tor

Übelgedachtes denken und

Übelgesprochenes sprechen und

übelgetane Tat begehn.

Wär' es nicht, ihr Mönche, des Toren Art, Übelgedachtes zu denken und Übelgesprochenes zu sprechen und übelgetane Tat zu begehn, welcher Weise könnte ihn wohl erkennen: 'Ein Tor ist es, ein schlechter Mensch'? Weil nun aber, ihr Mönche, der Tor Übelgedachtes denkt und Übelgesprochenes spricht und übelgetane Tat begeht, darum erkennen ihn Weise: 'Ein Tor ist es, ein schlechter Mensch.'

Ein solcher Tor nun, ihr Mönche, wird in dreifachem Maße schon bei Lebzeiten Trauer und Trübsinn erfahren.

Wenn sich, ihr Mönche, der Tor in Gesellschaft befindet oder auf der Straße befindet oder auf dem Markte befindet, so führen die Leute von ihm veranlasste, auf ihn bezügliche Gespräche. Wenn, ihr Mönche, der Tor Lebendiges umbringt, Nichtgegebenes nimmt, Ausschweifung begeht, Lüge spricht, berauschende und berückende Getränke, betäubende und betörende Mittel gebraucht, so wird ihm da also, ihr Mönche, zumute: 'Haben die Leute davon Anlass, darauf Beziehung im Gespräche genommen, so ist dergleichen bei mir anzutreffen: auch mich kann das angehn.' Das wird, ihr Mönche, der Tor zuerst schon bei Lebzeiten als Trauer und Trübsinn erfahren.

Weiter sodann, ihr Mönche, sieht der Tor wie Könige einen Räuber, einen Verbrecher ergreifen lassen und mancherlei Strafen verhängen, als wie Peitschen-, Stock- oder Rutenhiebe; Handverstümmlung, Fußverstümmlung oder Verstümmlung der Hände und Füße; Ohrenverstümmlung, Nasenverstümmlung, Verstümmlung der Ohren und der Nase; den Breikessel, die Muschelrasur, das Drachenmaul; den Pechkranz, die Fackelhand; das Spießrutenlaufen, das Rindenliegen, den Marterbock; das Angelfleisch, den Münzengriff, die Laugenätze; den Schraubstock, das Bastgeflecht; die siedende Ölbeträufelung, das Zerreißen durch Hunde, die lebendige Pfählung, die Enthauptung. Da wird, ihr Mönche, dem Toren also zumute: 'Um welcher Übeltaten willen Könige einen Räuber, einen Verbrecher ergreifen lassen und so mancherlei Strafen verhängen, dergleichen ist ja bei mir anzutreffen: auch mich kann das angehn. Wenn Könige auch mich kennten, sie ließen auch mich ergreifen und so mancherlei Strafen verhängen.' Das aber wird, ihr Mönche, der Tor zu zweit schon bei Lebzeiten als Trauer und Trübsinn erfahren.

Weiter sodann, ihr Mönche: wenn der Tor auf einem Stuhle Platz genommen oder auf ein Lager sich hingelegt hat oder auf der Erde ausruht, so sind es die bösen Taten, die er früher getan, schlechte Handlungen in Werken, in Worten, in Gedanken, die um diese Zeit über ihn kommen, über ihn niedersinken, über ihn herabziehn. Gleichwie etwa, ihr Mönche, die Schatten der Gipfel hoher Gebirge um Sonnenuntergang über die Ebene kommen, über sie niedersinken, über sie herabziehn: ebenso nun auch, ihr Mönche, sind es, wenn der Tor auf einem Stuhle Platz genommen oder auf ein Lager sich hingelegt hat oder auf der Erde ausruht, die bösen Taten, die er früher getan, schlechte Handlungen in Werken, in Worten, in Gedanken, die um diese Zeit über ihn kommen, über ihn niedersinken, über ihn herabziehn. Da wird, ihr Mönche, dem Toren also zumute: 'Nicht hab' ich doch günstig gewirkt, habe nicht heilsam gewirkt, habe keinerlei Scheu gekannt: Böses hab' ich getan, grausam bin ich gewesen, Frevel hab' ich verübt; wo da ungünstig wirken, unheilsam wirken, keinerlei Scheu kennen, Böses tun, grausam sein, Frevel verüben hingelangen lässt, dahin werd' ich nach dem Tode gelangen.' So wird er bekümmert, beklommen, er jammert, schlägt sich stöhnend die Brust, gerät in Verzweiflung. Das aber wird, ihr Mönche, der Tor zu dritt schon bei Lebzeiten als Trauer und Trübsinn erfahren.

Ein solcher Tor nun, ihr Mönche, der in Werken übel gewandelt, in Worten übel gewandelt, in Gedanken übel gewandelt ist, gelangt bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, abwärts, auf schlechte Fährte, zur Tiefe hinab, in höllische Welt. Mag nun einer, ihr Mönche, mit rechter Rede sagen 'Einzig unerwünscht, einzig unbegehrt, einzig unangenehm', mag er es eben von höllischer Welt mit rechter Rede sagen: 'Einzig unerwünscht, einzig unbegehrt, einzig unangenehm'; da man es ja, ihr Mönche, auch im Gleichnisse nicht wohl dartun kann, wie tief die Leiden höllischer Welten reichen.»

Auf diese Worte wandte sich einer der Mönche an den Erhabenen und fragte: «Kann man aber, o Herr, ein Gleichnis geben?»

«Man kann es, Mönch», sprach der Erhabene.

«Gleichwie etwa, ihr Mönche, wenn man einen Räuber, einen Verbrecher ergriffe und vor den Herrscher brächte: 'Hier, o König, ist ein Räuber, ein Verbrecher: was du ihm bestimmst, diese Strafe gebiete!' Und der König verkündete ihm: 'Geht, ihr Leute, und gebt diesem Manne am Morgen hundert Klingenhiebe.' Und man gäbe ihm am Morgen hundert Klingenhiebe. Da fragte der König zu Mittag: 'Sagt doch, was macht jener Mann?' - 'Er ist noch, o König, am Leben.' Und der König verkündete ihm: 'Geht, ihr Leute, und gebt dem Manne zu Mittag hundert Klingenhiebe.' Und man gäbe ihm zu Mittag hundert Klingenhiebe. Da fragte der König am Abend: 'Sagt doch, was macht jener Mann?' -- 'Er ist noch, o König, am Leben.' Und der König verkündete ihm: 'Geht, ihr Leute, und gebt dem Manne am Abend hundert Klingenhiebe.' Und man gäbe ihm am Abend hundert Klingenhiebe. Was meint ihr wohl, Mönche: würde da nicht dieser Mann, mit dreihundert Klingenhieben gezüchtigt, infolge davon Trauer und Trübsinn erfahren?»

«Auch nur, o Herr, mit einem Klingenhiebe gezüchtigt, würde dieser Mann infolge davon Trauer und Trübsinn erfahren, geschweige denn mit dreihundert Klingenhieben.»

Da hob nun der Erhabene einen mäßigen, handgroßen Stein auf und wandte sich an die Mönche:

«Was meint ihr wohl, Mönche: was ist größer, dieser mäßige, handgroße Stein, den ich da habe, oder der Himâlayo, der König der Berge?»

«Geringfügig ist, o Herr, dieser mäßige, handgroße Stein, den der Erhabene da hat: gegen den Himâlayo, den König der Berge, kann er nicht gezählt, nicht gerechnet, nicht verglichen werden.»

«Ebenso nun auch, ihr Mönche, kann, was ein Mensch, mit dreihundert Klingenhieben gezüchtigt, infolge davon an Trauer und Trübsinn erfährt, gegen das Leiden höllischer Welt nicht gezählt, nicht gerechnet, nicht verglichen werden. Da lassen ihn denn, ihr Mönche, die höllischen Wächter Fünffache Schmiede geheißene Strafe durchmachen. Einen glühenden Eisenkeil bohren sie ihm in die eine Hand, einen glühenden Eisenkeil bohren sie ihm in die andere Hand, einen glühenden Eisenkeil bohren sie ihm in den einen Fuß, einen glühenden Eisenkeil bohren sie ihm in den anderen Fuß, einen glühenden Eisenkeil bohren sie ihm mitten in die Brust. So hat er da schmerzliche, brennende, stechende Gefühle zu empfinden, und nicht eher kann er sterben, bis nicht sein böses Werk erschöpft ist.

Da lassen ihn denn, ihr Mönche, die höllischen Wächter überfallen und mit Äxten zerspalten; Fuß oben, Kopf unten anpacken und mit Messern zerschlitzen. So hat er da schmerzliche, brennende, stechende Gefühle zu empfinden, und nicht eher kann er sterben, bis nicht sein böses Werk erschöpft ist.

Da lassen ihn denn, ihr Mönche, die höllischen Wächter an einen Wagen schirren und treiben ihn über eine feurige, flammende, flackernde Fläche -- hinüber, herüber. Da lassen. ihr. denn, ihr Mönche, die höllischen Wächter einen hohen, glühenden, feurigen, flammenden, flackernden Felsen emporklimmen, herabklimmen. So hat er da schmerzliche, brennende, stechende Gefühle zu empfinden, und nicht eher kann er sterben, bis nicht sein böses Werk erschöpft ist.

Da lassen ihn denn, ihr Mönche, die höllischen Wächter Fuß oben, Kopf unten anpacken und in einen siedenden, feurigen, flammenden, flackernden Schmelzofen werfen, wo er bis zu schaumigem Gischte aufgekocht wird und also bald emporsteigt und bald herabsinkt und bald querdurch treibt. So hat er da schmerzliche, brennende, stechende Gefühle zu empfinden, und nicht eher kann er sterben, bis nicht sein böses Werk erschöpft ist.

Da lassen ihn denn, ihr Mönche, die höllischen Wächter in die Erzhölle werfen. Die Erzhölle aber, ihr Mönche, hat vier Winkel und vier Tore, genau nach den Seiten verteilt, ist mit eisernem Walle umschlossen, mit Eisen überwölbt. Ihr Boden, aus Eisen bestanden, von glühender Röte durchdrungen, erstreckt sich rings umher dreihundert Meilen weit überall hin. Wollte ich gleich, ihr Mönche, auf mancherlei Weise höllische Dinge euch deuten, so könnte man es doch, ihr Mönche, nicht wohl durch Worte erfassen, wie tief die Leiden höllischer Welten reichen.

Es gibt, ihr Mönche, tiergewordene Wesen, die Gras fressen; sie befeuchten das Gras mit Speichel und zerkauen es zwischen den Zähnen. Was sind das aber, ihr Mönche, für tiergewordene Wesen, die Gras fressen? Rosse, Rinder, Esel, Ziegen, Antilopen, und was es sonst noch irgend an tiergewordenen Wesen gibt, die Gras fressen. Ein solcher Tor nun, ihr Mönche, der da früher geschmäckig war, der da böse Taten getan, wird bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, zur Gemeinschaft mit jenen Wesen wiederkehren, die als Grasfresser leben.

Es gibt, ihr Mönche, tiergewordene Wesen, die Mist fressen; haben die von weitem schon Mistgeruch gewittert, so eilen sie herbei: 'Daran wollen wir uns laben, daran wollen wir uns laben.' Gleichwie etwa, ihr Mönche, Priester beim Opfergeruche herbeieilen: 'Daran wollen wir uns laben, daran wollen wir uns laben': ebenso nun auch, ihr Mönche, gibt es tiergewordene Wesen, die Mist fressen; haben die von weitem schon Mistgeruch gewittert, so eilen sie herbei: 'Daran wollen wir uns laben, daran wollen wir uns laben.' Was sind das aber, ihr Mönche, für tiergewordene Wesen, die Mist fressen? Hühner, Schweine, Hunde, Schakale, und was es sonst noch irgend an tiergewordenen Wesen gibt, die Mist fressen. Ein solcher Tor nun, ihr Mönche, der da früher geschmäckig war, der da böse Taten getan, wird bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, zur Gemeinschaft mit jenen Wesen wiederkehren, die als Mistfresser leben.

Es gibt, ihr Mönche, tiergewordene Wesen, die im Dunkeln entstehn, im Dunkeln vergehn, im Dunkeln ersterben. Was sind das aber, ihr Mönche, für tiergewordene Wesen, die im Dunkeln entstehn, im Dunkeln vergehn, im Dunkeln ersterben? Käfer, Motten, Asseln, und was es sonst noch irgend an tiergewordenen Wesen gibt, die im Dunkeln entstehn, im Dunkeln vergehn, im Dunkeln ersterben. Ein solcher Tor nun, ihr Mönche, der da früher geschmäckig war, der da böse Taten getan, wird bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, zur Gemeinschaft mit jenen Wesen wiederkehren, die im Dunkeln entstehn, im. Dunkeln vergehn, im Dunkeln ersterben.

Es gibt, ihr Mönche, tiergewordene Wesen, die im Wasser entstehn, im Wasser vergehn, im Wasser ersterben. Was sind das aber, ihr Mönche, für tiergewordene Wesen, die im Wasser entstehn, im Wasser vergehn, im Wasser ersterben? Fische, Schildkröten, Krokodile, und was es sonst noch irgend an tiergewordenen Wesen gibt, die im Wasser entstehn, im Wasser vergehn, im Wasser ersterben. Ein solcher Tor nun, ihr Mönche, der da früher geschmäckig war, der da böse Taten getan, wird bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, zur Gemeinschaft mit jenen Wesen wiederkehren, die im Wasser entstehn, im Wasser vergehn, im Wasser ersterben.

Es gibt, ihr Mönche, tiergewordene Wesen, die in Unrat entstehn, in Unrat vergehn, in Unrat ersterben. Was sind das aber, ihr Mönche, für tiergewordene Wesen, die in Unrat entstehn, in Unrat vergehn, in Unrat ersterben? Es sind, ihr Mönche, Wesen, die da in faulendem Fische entstehn, in faulendem Fische vergehn, in faulendem Fische ersterben, oder in faulendem Fleische, oder in faulender Speise, oder in Pfuhl oder Pfütze entstehn, in Pfuhl oder Pfütze vergehn, in Pfuhl oder Pfütze ersterben, und was es sonst noch irgend an tiergewordenen Wesen gibt, die in Unrat entstehn, in Unrat vergehen, in Unrat ersterben. Ein solcher Tor nun, ihr Mönche, der da früher geschmäckig war, der da böse Taten getan, wird bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, zur Gemeinschaft mit jenen Wesen wiederkehren, die in Unrat entstehn, in Unrat vergehn, in Unrat ersterben.

Wollte ich gleich, ihr Mönche, auf mancherlei Weise Dinge der Tierheit euch deuten, so könnte man es doch, ihr Mönche, nicht wohl durch Worte erfassen, wie tief die Leiden der Tierheit reichen.

Gleichwie etwa, ihr Mönche, wenn ein Mann eine einkehlige Reuse in den Ozean würfe; die würde da vom östlichen Winde nach Westen getrieben, vom westlichen Winde nach Osten getrieben, vom nördlichen Winde nach Süden getrieben, vom südlichen Winde nach Norden getrieben; und es wäre da eine einäugige Schildkröte, die alle hundert Jahre einmal emportauchte; was meint ihr nun, Mönche: sollte da etwa die einäugige Schildkröte mit ihrem Halse in jene einkehlige Reuse hineingeraten?»

«Wohl kaum, o Herr; oder doch nur, o Herr, irgendeinmal vielleicht, im Verlaufe langer Zeiten.»

«Eher noch mag, ihr Mönche, die einäugige Schildkröte mit ihrem Halse in jene einkehlige Reuse hineingeraten: aber schwieriger, sag' ich, ihr Mönche, ist Menschentum erreichbar, sobald der Tor einmal in die Tiefe hinabgesunken. Und warum das? Weil es dort, ihr Mönche, keinen gerechten Wandel, geraden Wandel, kein heilsames Wirken, hilfreiches Wirken gibt: einer den anderen auffressen ist dort, ihr Mönche, der Brauch, den Schwachen ermorden.

Ein solcher Tor nun, ihr Mönche, wenn der irgendeinmal vielleicht, im Verlaufe langer Zeiten, Menschentum erwirbt, so ist es ein niederer Stand, wie der von Treibern oder von Jägern, von Korbflechtern oder von Radmachern oder von Gärtnern: in einem solchen Stande wird er neugeboren, in einem bedürftigen, an Speise und Trank darbenden, der sich kümmerlich fortbringt, wo man kümmerlich Kost und Gewand erhält. Und er ist hässlich, unschön, unansehnlich, mit Gebrechen behaftet, ist einäugig oder lahm, er hinkt oder ist halb vom Schlage gerührt, es mangelt ihm an Speise und Trank und Kleidung, an Ragen und Schmuck und duftenden Salben, an Lager und Obdach und Licht. Und er wandelt übel in Werken, wandelt übel in Worten, wandelt übel in Gedanken; und ist er in Werken übel gewandelt, in Worten übel gewandelt, in Gedanken übel gewandelt, so gelangt er bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, abwärts, auf schlechte Fährte, zur Tiefe hinab, wieder in höllische Welt.

Gleichwie etwa, ihr Mönche, wenn ein Würfelspieler eben auf den ersten Misswurf um sein Kind spielen, um sein Weib spielen, um sein ganzes Hab und Gut spielen und endlich sich selber in Knechtschaft dahingeben mag; geringfügig ist da, ihr Mönche, der Misswurf, wenn der Würfelspieler eben auf den ersten Misswurf um sein Kind spielen, um sein Weib spielen, um sein ganzes Hab und Gut spielen und endlich sich selber in Knechtschaft dahingeben mag: sondern es ist eben das ein gewichtigerer Misswurf als jener, wann der Tor in Werken übel gewandelt, in Worten übel gewandelt, in Gedanken übel gewandelt ist und bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, abwärts, auf schlechte Fährte, zur Tiefe hinab, in höllische Welt wiederkehrt.

Das ist, ihr Mönche; der vollkommen ausgefüllte Rang des Toren.

Drei gibt es, ihr Mönche, beim Weisen der Kennzeichen des Weisen, der Merkmale des Weisen, der Offenbarungen des Weisen: und welche drei?

Da mag, ihr Mönche, der Weise

Wohlgedachtes denken und

Wohlgesprochenes sprechen und

wohlgetane Tat begehn.

Wär' es nicht, ihr Mönche, des Weisen Art Wohlgedachtes zu denken und Wohlgesprochenes zu sprechen und wohlgetane Tat zu begehn, welcher Weise könnte ihn wohl erkennen: 'Ein Weiser ist es, ein guter Mensch'? Weil nun aber, ihr Mönche, der Weise Wohlgelochtes denkt und Wohlgesprochenes spricht und wohlgetane Tat begeht, darum erkennen ihn Weise: 'Ein Weiser ist es, ein guter Mensch.'

Ein solcher Weise nun, ihr Mönche, wird in dreifachem Maße schon bei Lebzeiten Freude und Frohsinn erfahren.

Wenn sich, ihr Mönche, der Weise in Gesellschaft befindet oder auf der Straße befindet oder auf dem Markte befindet, so führen die Leute von ihm veranlasste, auf ihn bezügliche Gespräche. Wenn, ihr Mönche, der Weise von Totschlag absteht, von Diebstahl sich zurückhält, keine Ausschweifung begeht, keine Lüge spricht, berauschende und berückende Getränke, betäubende und betörende Mittel meidet, so wird ihm da also, ihr Mönche, zumute: 'Haben die Leute davon Anlass, darauf Beziehung im Gespräche genommen, so ist dergleichen bei mir anzutreffen: auch mich kann das angehn.' Das wird, ihr Mönche, der Weise zuerst schon bei Lebzeiten als Freude und Frohsinn erfahren.

Weiter sodann, ihr Mönche, sieht der Weise wie Könige einen Räuber, einen Verbrecher ergreifen lassen und mancherlei Strafen verhängen, als wie Peitschen-, Stock- oder Rutenhiebe; Handverstümmlung, Fußverstümmlung oder Verstümmlung der Hände und Füße; Ohrenverstümmlung, Nasenverstümmlung, Verstümmlung der Ohren und der Nase; den Breikessel, die Muschelrasur, das Drachenmaul; den Pechkranz, die Fackelhand; das Spießrutenlaufen, das Rindenliegen, den Marterbock; das Angelfleisch, den Münzengriff, die Laugenätze; den Schraubstock, das Bastgeflecht; die siedende Ölbeträufelung, das Zerreißen durch Hunde, die lebendige Pfählung, die Enthauptung. Da wird, ihr Mönche, dem Weisen also zumute: 'Um welcher Übeltaten willen Könige einen Räuber, einen Verbrecher ergreifen lassen und so mancherlei Strafen verhängen, dergleichen ist ja bei mir nicht anzutreffen: und mich kann das nicht angehn.' Das aber wird, ihr Mönche, der Weise zu zweit schon bei Lebzeiten als Freude und Frohsinn erfahren.

Weiter sodann, ihr Mönche: wenn der Weise auf einem Stuhle Platz genommen oder auf ein Lager sich hingelegt hat oder auf der Erde ausruht, so sind es die günstigen Taten, die er früher getan, gute Handlungen in Werken, in Worten, in Gedanken, die um diese Zeit über ihn kommen, über ihn niedersinken, über ihn herabziehn. Gleichwie etwa, ihr Mönche, die Schatten der Gipfel hoher Gebirge um Sonnenuntergang über die Ebene kommen, über sie niedersinken, über sie herabziehn: ebenso nun auch, ihr Mönche, sind es, wenn der Weise auf einem Stuhle Platz genommen oder auf ein Lager sich hingelegt hat oder auf der Erde ausruht, die günstigen Taten, die er früher getan, gute Handlungen in Werken, in Worten, in Gedanken, die um diese Zeit über ihn kommen, über ihn niedersinken, über ihn herabziehn. Da wird, ihr Mönche, dem Weisen also zumute: 'Nicht hab' ich doch Böses getan, bin nicht grausam gewesen, habe keinen Frevel verübt: günstig hab' ich gewirkt, heilsam hab' ich gewirkt, habe Scheu gekannt; wo da nicht Böses tun, nicht grausam sein, keinen Frevel verüben, günstig wirken, heilsam wirken, Scheu kennen hingelangen lässt, dahin werd' ich nach dem Tode gelangen.' So wird er nicht bekümmert, nicht beklommen, er jammert nicht, schlägt sich nicht stöhnend die Brust, gerät nicht in Verzweiflung. Das aber wird, ihr Mönche, der Weise zu dritt schon bei Lebzeiten als Freude und Frohsinn erfahren.

Ein solcher Weise nun, ihr Mönche, der in Werken wohl gewandelt, in Worten wohl gewandelt, in Gedanken wohl gewandelt ist, gelangt bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, auf gute Fährte, in himmlische Welt. Mag nun einer, ihr Mönche, mit rechter Rede sagen 'Einzig erwünscht, einzig begehrt, einzig angenehm', mag er es eben von himmlischer Welt mit rechter Rede sagen: 'Einzig erwünscht, einzig begehrt, einzig angenehm'; da man es ja, ihr Mönche, auch im Gleichnisse nicht wohl dartun kann, wie hoch die Freuden himmlischer Welten reichen.»

Auf diese Worte wandte sich einer der Mönche an den Erhabenen und fragte:

«Kann man aber, o Herr, ein Gleichnis geben?»

«Man kann es, Mönch», sprach der Erhabene.

«Gleichwie etwa, ihr Mönche, wenn ein König Kaiser geworden ist, mit den sieben Juwelen begabt und den vier Vermögen: da wird er infolge davon Freude und Frohsinn erfahren.

Das aber sind seine sieben Juwelen, und zwar:

das beste Land,

der beste Elefant,

das beste Ross,

die beste Perle,

das beste Weib,

der beste Bürger, und

siebentens der beste Staatsmann.

Ein König, ihr Mönche, als Kaiser ist mit diesen sieben Juwelen begabt.

Was aber sind die vier Vermögen?

Da ist, ihr Mönche, der König als Kaiser schön, hold, liebenswürdig, mit höchster Anmut begabt, weit mehr als andere Menschen. Ein König, ihr Mönche, als Kaiser ist zuerst mit diesem Vermögen begabt.

Weiter sodann, ihr Mönche: ein König als Kaiser hat lange Lebensdauer, langen Bestand, weit mehr als andere Menschen. Ein König, ihr Mönche, als Kaiser ist zu zweit mit diesem Vermögen begabt.

Weiter sodann, ihr Mönche: ein König als Kaiser ist gesund und munter, seine Kräfte sind gleichmäßig gemischt, weder zu kühl noch zu heiß, weit besser als bei anderen Menschen. Ein König, ihr Mönche, als Kaiser ist zu dritt mit diesem Vermögen begabt.

Weiter sodann, ihr Mönche: ein König als Kaiser ist Priestern und Hausvätern lieb und wert. Gleichwie etwa, ihr Mönche, ein Vater den Kindern lieb ist und wert, ebenso nun auch, ihr Mönche, ist ein König als Kaiser Priestern und Hausvätern lieb und wert. Und einem Könige, ihr Mönche, als Kaiser sind Priester und Hausväter lieb und wert. Gleichwie etwa, ihr Mönche, einem Vater die Kinder lieb sind und wert, ebenso nun auch, ihr Mönche, sind einem Könige als Kaiser Priester und Hausväter lieb und wert. Vormals, ihr Mönche, geschah es, da ein König als Kaiser, gefolgt von dem viermächtigen Heerbanne, zur Frühjahrsfeier hinauszog, dass ihm Priester und Hausväter entgegengingen und also sprachen: 'Verweile, Gebieter, auf deinem Zuge, auf dass wir länger deinen Anblick erschauen.' Und auch ein König, ihr Mönche, als Kaiser mahnte den Wagenlenker: 'Ohne Eile, Wagenlenker, lasse weiter uns fahren, auf dass ich länger den Anblick der Priester und Hausväter vor mir habe.' Ein König, ihr Mönche, als Kaiser ist zu viert mit diesem Vermögen begabt.

Ein König, ihr Mönche, als Kaiser ist mit diesen vier Vermögen begabt.

Was meint ihr nun, Mönche: könnte da nicht ein König als Kaiser, mit den sieben Juwelen begabt und den vier Vermögen, daran Freude und Frohsinn erfahren?»

«Auch nur, o Herr, mit einem einzigen der Juwelen begabt könnte ein König als Kaiser daran Freude und Frohsinn erfahren, geschweige denn mit den sieben Juwelen, mit den vier Vermögen.»

Da hob nun der Erhabene einen mäßigen, handgroßen Stein auf und wandte sich an die Mönche:

«Was meint ihr wohl, Mönche: was ist größer, dieser mäßige, handgroße Stein, den ich da habe, oder der Himâlayo, der König der Berge?»

«Geringfügig ist, o Herr, dieser mäßige, handgroße Stein, den der Erhabene da hat: gegen den Himâlayo, den König der Berge, kann er nicht gezählt, nicht gerechnet, nicht verglichen werden.»

«Ebenso nun auch, ihr Mönche, kann was ein solcher König als Kaiser, mit den sieben Juwelen begabt und den vier Vermögen, dabei an Freude und Frohsinn. erfährt gegen himmlische Freude nicht gezählt, nicht gerechnet, nicht verglichen werden.

Ein solcher Weise nun, ihr Mönche, wenn der irgendeinmal vielleicht, im Verlaufe langer Zeiten, Menschentum erwirbt, so ist es ein hoher Stand, wie der von mächtigen Fürsten oder von mächtigen Priestern oder von mächtigen Bürgern: in einem solchen Stande wird er neugeboren, in einem wohlhabenden, mächtig bemittelten, mächtig begüterten, der reichlich mit Gold und Silber, reichlich mit Besitz und Hausrat, reichlich mit Geld und Gut versehn ist. Und er ist schön, hold, liebenswürdig, mit höchster Anmut begabt, entbehrt nicht Speise und Trank und Kleidung, Wagen und Schmuck und duftende Salben, Lager und Obdach und Licht. Und er wandelt wohl in Werken, wandelt wohl in Worten, wandelt wohl in Gedanken; und ist er in Werken wohl gewandelt, in Worten wohl gewandelt, in Gedanken wohl gewandelt, so gelangt er bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, auf gute Fährte, wieder in himmlische Welt.

Gleichwie etwa, ihr Mönche, wenn ein Würfelspieler eben auf den ersten Hauptwurf mächtigen Reichtum gewinnen mag; geringfügig ist da, ihr Mönche, der Hauptwurf, wann der Würfelspieler eben auf den ersten Hauptwurf mächtigen Reichtum gewinnen mag: sondern es ist eben das ein gewichtigerer Hauptwurf als jener, wann der Weise in Werken wohl gewandelt, in Worten wohl gewandelt, in Gedanken wohl gewandelt ist und bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, auf gute Fährte, in himmlische Welt wiederkehrt.

Das ist, ihr Mönche, der vollkommen ausgefüllte Rang des Weisen.»

Also sprach der Erhabene. Zufrieden freuten sich jene Mönche über das Wort des Erhabenen."

[Die Reden Gotamo Buddhos aus der Mittleren Sammlung Majjhimanikâyo des Pâli-Kanons / zum erstenmal übersetzt von Karl Eugen Neumann. -- Zürich: Artemis, 1956. -- (Karl Eugen Neumanns Übertragungen aus dem Pâli-Kanon: Gesamtausgabe; Bd. 1). -- S. 956 - 966]

5. Tausend von diesen Frauen erreichten die erste Frucht [der Stromeingetretenen, d.h. sie wurden endgültig Erlöste, die höchstens noch siebenmal wiedergeboren werden]. So wurde es in jedem Park Abend.

15.2. Übernachtung im Mahâmeghavana

6./7. Dann machten sich die Thera's auf, um zum Berg [Mihintale] zu gehen. Man meldete dies dem König und der König kam eilend zum Thera und sprach: "Es ist Abend und der Berg ist weit weg. Hier im Nandanapark ist der Aufenthalt bequem."

8./9. Der Thera sagte ihm, dass dieser Platz wegen der zu allzu großen Nähe der Stadt nicht entsprechend sei. Da sagte der König: "Der Mahâmeghavanpark ist weder zu fern noch zu nah. Er ist lieblich, schattig und es gibt Wasser. Möge es euch gefallen, dort zu weilen. Ehrwürden, sie sollten umkehren!" Da kehrte der Thera um.

10. Das Cetiya, das an der Stelle, wo er umkehrte, in der Nähe des Kadambaflusses [heute: Malvatu Oya] errichtet wurde, heißt Cetiya der Umkehr (Nivattanacetiya).

11. Der Wagenstier [König] selbst brachte den Thera südwärts von Nandana zum Mahâmeghavana-Park, dessen Tor im Osten war.

12. Dort, lieblichen im Königshaus, ließ er gute Betten und Stühle ordentlich ausbreiten und wünschte einen angenehmen Aufenthalt.

13. Dann verabschiedete er sich von den Thera's formgemäß und ging mit seinen Beratern zur Stadt. Die Thera's aber verbrachte die Nacht dort.

14./15. Am Morgen nahm der Herr der Erde Blumen, ging zu den Thera's, begrüßte sie, ehrte sie mit den Blumen und fragte sie, ob sie einen angenehmen Aufenthalt hatten und ob der Park bequem sei. Sie antworteten: "Großer König, wir hatten einen angenehmen Aufenthalt, der Park ist für Asketen bequem."

16./17. Der König fragte, ob der Orden einen Park (ârâma) besitzen dürfe. Der Thera, der bewandert war in dem, was erlaubt ist und was verboten ist, bejahte diese Frage und verwies auf die Entgegennahme des Veluvana-Parks. Als er das vernahm, war der König äußerst erfreut und die große Volksmasse war zufrieden und erfreut.

"Veluvana. -- A park near Râjagaha [heute Râjgir], the pleasure garden of Bimbisâra [König von Mâgadha, Förderer Buddha Gotamas]. When the Buddha first visited Râjagaha, after his Enlightenment, he stayed at the Latthivanuyyàna. The day after his arrival, he accepted the king's invitation to a meal at the palace, at the end of which the king, seeking a place for the Buddha to live -- »not too far from the town, not too near, suitable for coming and going, easily accessible to all people, by day not too crowded, by night not exposed to noise and clamour, clean of the smell of people, hidden from men and well fitted to seclusion«« --decided on Veluvana, and bestowed it an the Buddha and the fraternity. This was the first ârâma accepted by the Buddha, and a rule was passed allowing monks to accept such an ârâma [Vinaya I, 39f.]. The Buddha at once went to stay there, and it was during this stay that Sâriputta and Moggallâna joined the Order."

[Malalasekera, G. P. <1899 - >: Dictionary of Pâli proper names. -- Nachdruck der Ausgabe 1938. -- London: Pali Text Society, 1974. -- ISBN 0860132692. -- Vol. 2. -- S. 936]

15.3. Anulâ und fünfhundert Frauen wollen Novizinnen werden

18. Königin Anulâ kam mit 500 Frauen, um die Theras zu verehren. Sie erreichte dabei die zweite Frucht [des sakad-âgâmî m. -- Einmalwiederkehrer: wird höchstens noch einmal als Mensch wiedergeboren].

19./20. Königin Anulâ zusammen mit den Fünfhundert teilte dem König mit, dass sie als Novizinnen ordiniert werden wollten. Der König bat den Thera, sie als Novizinnen zu ordinieren. Der Thera antwortete, dass er keine Frauen als Novizinnen ordinieren dürfe.

Zur Ordination von Frauen sind Therî (Nonnen) nötig.

21. "Ich habe aber in Pâtaliputta [heute Patna] eine jüngere Schwester, die Nonne ist. Sie ist unter dem Namen Sanghamittâ bekannt und sie ist sehr gelehrt.

22./23. Schicke dem König, meinem Vater [Asoka] folgende Botschaft: »Herr der Menschen, sie [Sanghamittâ] soll hierher kommen. Sie soll den südlichen Zweig des Herrn der Bäume, des Baums der erlösenden Erkenntnis des Herrn der Wanderasketen mitbringen sowie herausragende Nonnen.« Diese Nonne wird die Frauen hier zu Novizinnen ordinieren.

15.4. Die Schenkung des Mahâmeghavanaparks an den Orden

24./25 "Gut", sprach der König, nahm einen großartigen Weihwasserkessel und goss Schenkungswasser auf die Hand des Thera mit den Worten: "Ich schenke diesen Mahâmeghavanapark dem Orden!" Als das Wasser auf die Erde rann, erbebte die Erde.

Wasser über die Hand gießen mit den Schenkungsworten, gehört zum Schenkungsakt.

26. Der Herr der Erde [König Devânampiyatissa] fragte den Thera, warum die Erde bebte. Dieser antwortete: "Weil die Religion auf der Insel gegründet wurde."

27./28. Der Edle (jâtimâ) überreichte dem Thera Jasminblüten (jâtipuppha). Der Thera ging zum Königshaus, blieb südlich davon stehen und streute acht Handvoll Blüten auf den dortigen Picula-Baum [?] [Die Lexika nennen: Tamarix indica bzw. Harringtonia acutangula]. Auch dabei bebte die Erde. Nach dem Grund befragt, antwortete der Thera:

Die Zahl acht entspricht dem edlen achtfachen Pfad der vierten edlen Wahrheit. Deshalb wird das Rad der Lehre normalerweise mit acht Speichen dargestellt.

Der achtfache Pfad hat folgende Komponenten:

  1. rechte Ansicht
  2. rechte Gesinnung
  3. rechte Rede
  4. rechtes Handeln
  5. rechter Lebensunterhalt
  6. rechte Anstrengung
  7. rechte Achtsamkeit
  8. rechte Sammlung.

Bei den Jasminblüten (Vers 27/28) muss es sich nicht um Jasminum spp. handeln, es könnte auch Ceylon-Jasmin (Milchsunge) (Ervatamia coronaria syn. Tabernaemontana coronaria) sein, ein bis zu 2 m hohen Strauch mit elliptischen dunkelgrünen Blättern und stark duftenden weißen Blüten. Auf jeden Fall handelt es sich um ein Duftopfer, d.h. es kommen nur stark riechende Blüten in Frage (nicht alle Arten von Jasminum duften!)

29. "König, zur Zeit von drei Buddhas schon war hier eine Terrasse für Zeremonien [mâlaka]. Auch jetzt wird es eine solche für Ordenshandlungen geben."

Die drei früheren Buddhas dieses Weltzeitalters sind:

  1. Kakusandha: s. unten Mahâvamsa XV, 57-90
  2. Konâgamana: s. unten Mahâvamsa XV, 91-124
  3. Kassapa: s. unten Mahâvamsa XV, 125-159.

[Zitate: Malalasekera, G. P. <1899 - >: Dictionary of Pâli proper names. -- Nachdruck der Ausgabe 1938. -- London: Pali Text Society, 1974. -- ISBN 0860132692. -- Vol. 1. -- S. 471, 682, 546]

30. Der Thera ging zum schönen Lotusteich nördlich des Königshauses und auch dort streute er ebensoviele Blüten.

31. Auch diesmal bebte die Erde. Auf die entsprechende Frage nannte der Thera den Grund: "König, dies wird der Teich mit dem Warmbadehaus sein."

Warmbadehaus: ein Haus mit Heizung für warme Sitzbäder.

32. Der Weise ging dann zum Wachthäuschen des Königsgebäudes selbst und verehrte diesen Platz mit ebensovielen Blüten.

33. Auch diesmal bebte die Erde. Mit seligem Schauer fragte der König nach dem Grund. Der Thera nannte als Grund:

34./35. "Der südliche Zweig der Bäume der erlösenden Erkenntnis von drei Buddhas dieses Weltzeitalters ist jeweils hierher gebracht und hier gepflanzt worden. König, auch der südliche Zweig des Erwachensbaums unseres Buddha wird an dieser Stelle stehen."

Kakusandha: Pâli: sirîsa = Albizia lebbeck = Acacia sirisa = singhalesisch: Mahari (Abb. s. unten)

Konâgamana: Pâli: udumbara = Ficus glomerata = singhalesisch: Dimbul (Abb. s. unten)

Kassapa: Pâli: nigrodha = Banyan = Ficus benghalensis = singhalesisch: Nuga (Abb. s. unten)

Gotama: Pâli: assattha = Pepulbaum, Bobaum = Ficus religiosa = singhalesisch: Pipphali

36. Dann ging der Thera zur Mahâmucala-Terrasse für Zeremonien [mâlaka] und streute auch an diesem Platz ebensoviele Blüten.

37. Auch dabei bebte die Erde. Auf die entsprechende Frage nannte der Thera den Grund: "König, hier wird das Uposatha-Gebäude des Ordens stehen."

Uposatha = Pâtimokkharezitation (Rezitation der Ordensregeln) am Vollmondtag und am Neumondtag.

Payer, Alois <1944 - >: Vinayamukha: Grundbegriffe der Ordensregeln und des Ordensrechts des Theravâda. -- Teil I. -- (Materialien zu den Grundbegriffen des Buddhismus). -- URL: http://www.payer.de/buddhgrund/vinaya01.htm

38a. Dann ging der Weise zum Pañhambamâlaka-Platz.

38b./39. Der Parkwächter überreichte dem König einen großen, vollreifen Mango (Mangifera indica) von erstklassiger Farbe, Geruch und Geschmack. Der König überreichte diesen äußerst genussreichen Mango dem Thera.

40. Der Thera, bedacht auf das Wohl der Leute, gab ein Zeichen, dass man sich hinsetzen sollte. Der König ließ dort einen vorzüglichen Teppich ausbreiten.

41./42. Als der Thera sich gesetzt hatte, gab ihm der König den Mango. Der Thera aß ihn und gab dem König den Mangokern, damit er ihn pflanze. Der König pflanzte ihn dort eigenhändig. Der Thera wusch seine Hände darüber, damit er wachse.

43. Im gleichen Augenblick kam aus dem Samen ein Schössling und wurde in rechter Abfolge zu einem sehr großen Baum voller Blätter und Früchte.

44. Als die vom Gefolge des Königs, die anwesend waren, dieses Wunder sahen, standen sie mit von heiligem Schauer gesträubten Haaren da und verehrten die Thera's.

45. Der Thera streute dann dort acht Handvoll Blüten aus. Auch dabei bebte die Erde. Auf die entsprechende Frage nannte der Thera den Grund:

46. "König, dies wird der Ort sein, wo sich der Orden versammeln wird und die vielen Gaben unter sich verteilen wird, die er erhalten wird."

47. Von dort ging er zu der Stelle, wo jetzt Catussâlâ [ein quadratisches Gebäude, Speisesaal für die Mönche] ist. Auch dort streute er ebensoviele Blüten. Und auch diesmal bebte die Erde.

48./49. Der König fragte nach dem Grund dieses Erdbebens. Der Thera erklärte: "Als die drei vorhergehenden Buddhas einen königlichen Park entgegengenommen haben, wurden von den Inselbewohnern von überallher Gaben gebracht und hier hingelegt. Die drei Buddhas und der Orden aßen diese Gaben hier.

50. Diesmal aber wird hier die Catussâlâ stehen, hier wird das Speisehaus des Ordens stehen, König."

51. Dann ging der Mehrer der Insel, der große Thera Mahinda, der kundig war über gute und schlechte Plätze, zum Platz, wo der Mahâstûpa (große Stûpa) [heute: Ruwanweli Dagoba] stehen sollte.

52./53. Damals war innerhalb der Umgrenzung des Königsparks ein kleiner Teich, der Kakudha-Teich. Oberhalb von diesem, am Rand des Wassers war ein ebener Platz, der eines Stûpa würdig war. Als der Thera dorthin gegangen war, brachte man dem König acht Körbe voll Campakablüten [Michelia champaka].

54. Der König überreichte diese Campakablüten dem Thera. Der Thera verehrte mit diesen Campakablüten jene Stelle.

15.5. Erzählung der Vorgeschichte des großen Stûpa

55. Auch diesmal bebte die Erde. Der König fragte nach dem Grund dieses Erdbebens. Der Thera erzählte der Reihe nach den Grund dieses Erdbebens.

56. Großer König, diese Stelle wurde von vier Buddhas besucht und ist deshalb eines Stûpa würdig zum Heil und Glück der Lebewesen.

15.5.1. Buddha Kakusandha's Besuch an der Stelle des späteren Großen Stûpa

57. In diesem Weltzeitalter war erstmals Kakusandha ein Eroberer [Buddha], ein Lehrer, der alle Gesetzmäßigkeiten und Wirklichkeiten kannte, ein Erbarmer mit allen Welten.

Da in diesem Weltzeitalter (Weltzyklus) Buddhas auftreten, ist es ein glückliches Weltzeitalter (bhaddakalpa).

"Kakusandha. -- The twenty-second of the twenty-four Buddhas and the first of the five Buddhas of the present Bhaddakappa. He was the son of the brahmin Aggidatta, chaplain of Khemankara, king of Khemavati, and Visâkhâ. He was born in the Khema pleasaunce, and lived for four thousand years in the household in three palaces -- Ruci, Suruci, and Vaddhana (or Rativaddhana). His wife was Virocamânâ (or Rocânî), and he had a son, Uttara. He left the world riding in a chariot, and practised austerities for only eight months. Before his Enlightenment, he was given a meal of milk-rice by the daughter of the brahmin Vajirindha of the village Sucirindha, and grass for his seat by the yavapâlaka Subhadda. His bodhi was a Sirisa-tree, and his first sermon was preached to eighty-four thousand monks in the park near the city of Makila. He performed the Twin-Miracle under a Sâla-tree at the gates of Kannakujja. Among his converts was a fierce yakkha named Naradeva. He held only one assembly of his monks. Kakusandha's body was forty cubits in height, and he died at the age of forty thousand years in the Khema pleasaunce. The thûpa erected over his relics was one league high."

[Malalasekera, G. P. <1899 - >: Dictionary of Pâli proper names. -- Nachdruck der Ausgabe 1938. -- London: Pali Text Society, 1974. -- ISBN 0860132692. -- Vol. 1. -- S. 470f. -- Dort Quellennachweise]

58./59. Dieser Mahâmeghavanahain war damals Mahâtittha, die Hauptstadt Abhaya lag im Osten auf der anderen Seite des Kadambaflusses [heute: Malvatte Oya]. Dort war Abhaya König. Diese Insel [Lankâ] hieß damals Ojadîpa.

60. Dort war die Bevölkerung an der von Rakkha's [Dämonen] bewirkten Pajjaraka-Krankheit [Pest?] erkrankt. Kakusandha, der die zehn Kräfte eines Buddha besaß, sah diese Bedrängnis.

Die zehn Kräfte (dasabala) eines Buddha sind:

thânâthâna-ñâna n. -- Erkenntnis, was möglich und was unmöglich ist

vipâka-ñâna n. -- Erkenntnis der Reifung von Kamma in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft mit Möglichkeiten und Ursachen

sabbatthagâminî-patipadâ-ñâna n. -- Erkenntnis, wohin jeder Weg führt

nânâ-dhâtu-ñâna n. -- Erkenntnis der Welt mit ihren Elementen

nânâdhimuttika-ñâna n. -- Erkenntnis der verschiedenen Neigungen der Wesen

indriya-paro-pariyatti-ñâna n. -- Erkenntnis der Fähigkeiten anderer Wesen

jhânâdi-sankilesa-ñâna n. -- Erkenntnis der Versenkungszustände (jhâna n.), Befreiungen (vimokkha m.), Zustände der Sammlung (samâdhi m.) mit ihren Befleckungen, ihrer Reinigung und Entstehung

pubbe-nivâsânussati-ñâna n. -- Erinnerung an frühere Geburten

cutûpapâta-ñâna n. -- Erkenntnis des Vergehens und Entstehens der Wesen im Sa.msâra

âsava-kkhaya-ñâna n. -- Erkenntnis, dass die Triebe (âsava) verschwunden sind.

61./62. Um, indem er diese Seuche zerstört, den Wesen auf dieser Insel rechtes Verhalten beizubringen und den Fortschritt der Religion zu bewirken, ging Kakusandha, von Mitleid bewegt, mit 40.000 Arahants durch die Luft und landete auf dem Devakûta-Berg [Mihintale].

63. Großer König, durch die Macht des vollkommenen Buddhas wurde die Pajjaraka-Krankheit hier auf der ganzen Insel zum Stillstand gebracht.

64. Herr der Menschen, dort stehend entschied der Herr der Weisen, der große Weise: "Alle Menschen auf der Ojainsel sollen mich heute sehen.

65. Alle Menschen, die kommen wollen, sollen zu mir kommen, schnell und ohne Schwierigkeiten."

66. Als der König und die Städter den König der Weisen sahen, der leuchtete und den Berg beleuchtete, kamen sie schnell zu ihm.

67. Die Leute, die dorthin gegangen waren, um den Gottheiten Opfer darzubringen, glaubten, dass der Führer der Welt und die Ordensmitglieder Gottheiten seien.

68. Der König grüßte den König der Weisen äußerst freudig, lud ihn zum Essen ein und brachte ihn zur Stadt.

69./70. Da er diesen großartigen, lieblichen, weiten Ort für würdig hielt, dass der Herr der Weisen und der Orden dort lagerten, ließ der König den vollkommenen Buddha und den Orden hier Platz nehmen auf kostbaren Sitzen in einem von ihm errichteten lieblichen Pavillon.

71. Als sie den hier sitzenden Führer der Welten und den Orden sahen, brachten die Menschen auf der Insel von überall her Gaben.

72. Der König speiste den Führer der Welt und den Orden mit eigener harter und weicher Speise sowie mit Speisen, die von verschiedenen Leuten herbeigebracht wurden.

73. Nach dem Essen schenkte der König dem Eroberer, der genau an dieser Stelle (wo wir jetzt sitzen) saß, den Mahâtitthaka-Park [d.h. den jetzigen Mahâmegha-Hain] als wertvolle Gabe.

74. Als der vollkommene Buddha den Mahâtittha-Hain, der außerhalb der Blütezeit voll Blumenpracht war, entgegengenommen hatte, bebte die Erde.

75. Der Führer saß hier und verkündete die Lehre. 40.000 Personen erreichten den Pfad und die Frucht [d.h. wurden Stromeingetretene].

76. Der Eroberer verbrachte den Tag im Mahâtittha-Hain. Am Abend ging er zum Platz, der würdig war, dass dort der Baum der erlösenden Erkenntnis [d.h. im Falle Kakusandha' eine Albizia lebbeck = Acacia sirisa] stehe.

77. Dort sitzend, versetzte er sich in Versenkung. Als er aus der Versenkung heraustrat, dachte der vollkommene Buddha zum Heil der Bewohner der Insel Folgendes:

78. "Die Nonne Rucânandâ soll mit anderen Nonnen hierher kommen und den Südzweig des Baums meiner erlösenden Erkenntnis, des Sirisa-Baums [Albizia lebbeck = Acacia sirisa] mitbringen."

79. Die Therî [Nonne] erkannte diesen Gedanken Kakusandha's, und ging mit dem dortigen König zu jenem Baum.

80./81./82./83. Die Wundermächtige ließ am Südzweig einen Strich aus rotem Realgar anbringen. Der Zweig wurde durch Wundermacht so abgetrennt und in einen goldenen Topf gestellt. Mit diesem Zweig und 500 Nonnen kam sie umgeben von Gottheiten hierher und übergab ihn mit dem goldenen Topf in die rechte Hand, die der vollkommene Buddha ihr entgegenstreckte. Der zur Wahrheit Gelangte nahm den Zweig entgegen und gab ihn dem König Abhaya, damit er ihn pflanze. Der König pflanzte den Baum der erlösenden Erkenntnis im Mahâtittha-Park.

Realgar = Rauschrot = rote Arsenblende = monoklines, rotes Mineral der chemischen Zusammensetzung AsS (auch As4S4); zerfällt im Sonnenlicht allmählich in gelbes Auripigment (Rauschgelb) und Arsenik. Auripigment = Rauschgelb = Arsentrisulfid As2S3, monoklines Mineral, gelb, durchscheinend. Realgar wurde zum Schminken und als Heilmittel verwendet (Achtung: das Zerfallprodukt Arsenik ist hochgiftig!). Realgarvorkommen sind selten.

84. Dann ging der vollkommene Buddha von hier nach Norden und setzte sich auf die liebliche Sirîsa-[Albizia lebbeck] Terrasse.

85. Dort verkündete der vollkommene Buddha den Versammelten die Lehre. Dabei verstanden 20.000 Lebewesen die Lehre voll, König.

86./87. Auch von dort ging der Eroberer weiter nach Norden zum Platz des späteren Thûpârâma.

Dort sitzend, versetzte er sich in Versenkung. Als er aus der Versenkung heraustrat, verkündete der vollkommene Buddha den Versammelten die Lehre. 10.000 Lebewesen erreichten den ersten Pfad samt Frucht [d.h. wurden Stromeingetretene].

88./89./90. Der vollkommene Buddha gab seinen eigenen Wasserfilter, damit die Menschen ihn verehren können.

Er ließ die Nonne mit ihrem Gefolge sowie seinen Jünger Mahâdeva mit 1000 Mönchen hier zurück. Östlich von hier, auf der Stelle des Ratanamâla [der heutigen Ruwanaveli-Dagoba], unterwies der Eroberer das Volk und erhob sich mit dem Orden in die Luft und flog nach Jambudîpa [Indien].

15.5.2. Buddha Konâgamana's Besuch an der Stelle des späteren großen Stûpa

91. In diesem Weltzeitalter war der Führer Konâgamana der zweite Eroberer [Buddha], Lehrer, der alle Gesetzmäßigkeiten und Wirklichkeiten kannte, ein Erbarmer mit allen Welten.

"Konagamana -- The twenty-third in the list of the twenty-four Buddhas and the second Buddha to be born in the Bhaddakappa He was born in the Subbagavatî Park in Sobhavatî, the capital of King Sobha, his father being the brahmin Yaññadatta and his mother Uttarâ He lived in the household for three thousand years, in three palaces, Tusita, Santusita and Santuttha; his chief wife was Rucigattâ and their son was Satthavâha. Konâgamana left the world on an elephant and practised austerities only for six months, at the end of which time he was given milk-rice by the daughter of the brahmin Aggisoma and grass for his seat by the yavapâlaka Tinduka. His bodhi was an Udumbara tree. His first sermon was preached in the Migadâya near Sudassana-nagara, at the foot of a Mahâ-sâla tree. He held only one assembly of his disciples, who numbered thirty thousand. His body was thirty cubits in height. He died in the Pabbatârâma at the age of thirty thousand. His relics were scattered. His chief disciples were Bhîyya and Uttara among monks, and Samuddâ and Uttarâ among nuns, his constant attendant being Sotthiya. His chief patrons were Ugga and Somadeva among laymen, and Sîvalâ and Sâmâ among laywomen. The Bodhisatta was a khattiya named Pabbata of Mithilâ. He held an almsgiving, heard the Buddha preach and joined the Order. The Banker Ugga built for the Buddha a Sanghârâma half a league in extent.

On the day of the Buddha's birth a shower of gold fell all over Jambudîpa, hence he was called Kanakâgamana Konâgamana being a corrupt form of that word."

[Malalasekera, G. P. <1899 - >: Dictionary of Pâli proper names. -- Nachdruck der Ausgabe 1938. -- London: Pali Text Society, 1974. -- ISBN 0860132692. -- Vol. 1. -- S. 681f. -- Dort Quellennachweise]

92. Dieser Mahâmeghavanahain war damals Mahânoma, die Hauptstadt Vaddhamânapura lag im Süden.

93. Dort war damals Samiddha König. Diese Insel [Lankâ] hieß damals Varadîpa.

94. Damals suchte eine Dürre Varadîpa heim. Der Eroberer Konâgamana sah diese Bedrängnis.

95./96. Um, indem er diese Dürre zerstört, den Wesen auf dieser Insel rechtes Verhalten beizubringen und den Fortschritt der Religion zu bewirken, ging Konâgamna, von Mitleid bewegt, mit 30.000 Mönch-Arahants durch die Luft und landete auf dem Sumanakûta-Berg [Adams Peak].

97. Durch die Macht des vollkommenen Buddha verschwand diese Dürre schnell. Und mit dem Ende des Untergangs der Religion [der Buddhismus verschwindet ja nach einer bestimmten Zeit nach dem Auftreten eines Buddha wieder, deshalb war die Insel trotz des Wirkens von Buddha Kakusandha nicht mehr buddhistisch] kam eine gute Regenzeit.

98. Herr der Menschen, dort stehend, entschied der Herr der Weisen, der große Weise: "Alle Menschen auf der Varainsel sollen mich heute sehen.

99. Alle Menschen, die kommen wollen, sollen zu mir kommen, schnell und ohne Schwierigkeiten."

100. Als der König und die Städter den König der Weisen sahen, der leuchtete und den Berg beleuchtete, kamen sie schnell zu ihm.

101. Die Leute, die dorthin gegangen waren, um den Gottheiten Opfer darzubringen, glaubten, dass der Führer der Welt und die Ordensmitglieder Gottheiten seien.

102. Der König grüßte den König der Weisen äußerst freudig, lud ihn zum Essen ein und brachte ihn zur Stadt.

103./104. Da er diesen großartigen, lieblichen, weiten Ort für würdig hielt, dass der Herr der Weisen und der Orden dort lagerten, ließ der König den vollkommenen Buddha und den Orden hier Platz nehmen auf kostbaren Sitzen in einem von ihm errichteten lieblichen Pavillon.

105. Als sie den hier sitzenden Führer der Welten und den Orden sahen, brachten die Menschen auf der Insel von überall her Gaben.

106. Der König speiste den Führer der Welt und den Orden mit eigener harter und weicher Speise sowie mit Speisen, die von verschiedenen Leuten herbeigebracht wurden.

107. Nach dem Essen schenkte der König dem Eroberer, der genau an dieser Stelle (wo wir jetzt sitzen) saß, den Mahânoma-Park [d.h. den jetzigen Mahâmegha-Hain] als wertvolle Gabe.

108. Als der vollkommene Buddha den Mahânoma-Hain, der außerhalb der Blütezeit voll Blumenpracht war, entgegengenommen hatte, bebte die Erde.

109. Der Führer saß hier und verkündete die Lehre. 30.000 Personen erreichten den Pfad und die Frucht [d.h. wurden Stromeingetretene].

110. Der Eroberer verbrachte den Tag im Mahânoma-Hain. Am Abend ging er zum Platz, wo der frühere Baum der erlösenden Erkenntnis gestanden hatte.

111. Dort sitzend, versetzte er sich in Versenkung. Als er aus der Versenkung heraustrat, dachte der vollkommene Buddha zum Heil der Bewohner der Insel Folgendes:

112. "Die Nonne Kantakânandâ soll mit anderen Nonnen hierher kommen und den Südzweig des Baums meiner erlösenden Erkenntnis, des Udumbara-Baums [Ficus glomerata] mitbringen."

113. Die Therî [Nonne] erkannte diesen Gedanken Konâgamana's, und ging mit dem dortigen König zu jenem Baum.

114./115./116./117. Die Wundermächtige ließ am Südzweig einen Strich aus rotem Realgar [s. oben Vers 80] anbringen. Der Zweig wurde durch Wundermacht so abgetrennt und in einen goldenen Topf gestellt. Mit diesem Zweig und 500 Nonnen kam sie umgeben von Gottheiten hierher und übergab ihn mit dem goldenen Topf in die rechte Hand, die der vollkommene Buddha ihr entgegenstreckte. Der zur Wahrheit Gelangte nahm den Zweig entgegen und gab ihn dem König Samiddha, damit er ihn pflanze. Der König pflanzte den Baum der erlösenden Erkenntnis im Mahânoma-Park.

118. Dann ging der vollkommene Buddha nach nördlich der Sirîsa-[Albizia lebbeck] Terrasse, er setzte sich auf die Nâga-Terrasse und verkündete dem Volk die Lehre.

119. Als sie diese Lehrverkündigung hörten, verstanden 20.000 Lebewesen die Lehre voll, König.

120./121. Dann ging Konâgamana nach Norden zu dem Platz, wo der vorhergehende Buddha [Kakusandha] gesessen war. Dort sitzend versetzte er sich in Versenkung. Als er aus der Versenkung heraustrat verkündete der vollkommene Buddha den Versammelten die Lehre. 10.000 Lebewesen erreichten den ersten Pfad samt Frucht [d.h. wurden Stromeingetretene].

122./123./124. Der vollkommene Buddha gab seinen Gürtel als Reliquie, damit die Menschen ihn verehren können. Er ließ die Nonne mit ihrem Gefolge sowie seinen Jünger Mahâsumbha mit 1000 Mönchen hier zurück. Auf unserer Seite des Ratanamâla [der heutigen Ruwanaweli-Dagoba], auf dem Sudassanamâla unterwies der Eroberer das Volk und erhob sich mit dem Orden in die Luft und flog nach Jambudîpa [Indien].

15.5.3. Buddha Kassapa's Besuch an der Stelle des späteren großen Stûpa

125. In diesem Weltzeitalter war Kassapa aus dem gleichnamigen Clan (gotta) der dritte Eroberer [Buddha], der allwissende Lehrer, ein Erbarmer mit allen Welten.

"Kassapa. —Also called Kassapa Dasabala to distinguish him from other Kassapas. The twenty-fourth Buddha, the third of the present aeon (the Bhaddakappa) and one of the seven Buddhas mentioned in the Canon. He was born in Benares, in the Deer Park at Isipatana, of brahmin parents, Brahmadatta and Dhanavati, belonging to the Kassapagotta. For two thousand years he lived in the household, in three different palaces, Hamsa, Yasa and Sirinanda. He had as chief wife Sunanda, by whom he begot a son, Vijitasena. Kassapa left the world, travelling in his palace (pasada), and practised austerities for only seven days. Just before his Enlightenment his wife gave him a meal of milk-rice, and a yavapâla named Soma gave him grass for his seat. His bodhi was a banyan-tree, and he preached his first sermon at Isipatana to a core of monks who had renounced the world in his company. He performed the Twin-Miracle at the foot of an asana-tree outside Sundaranagara. He held only one assembly of his disciples; among his most famous conversions was that of a yakkha, Naradeva. His chief disciples were Tissa and Bharadvaja among monks, and Anulâ and Uruvelâ among nuns, his constant attendant being Sabbamitta. Among his patrons, the most eminent were Sumangala and Ghatîkara, Vijitasena and Bhadda. His body was twenty cubits high, and, after having lived for twenty thousand years, he died in the Setavya pleasaunce at Setavya in Kasi. Over his relics was raised a thûpa one league in height, each brick of which was worth one core. It is said that there was a great difference of opinion as to what should be the size of the thûpa and of what material it should be constructed; when these points were finally settled and the work of building had started, the citizens found they had not enough money to complete it. Then an anâgâmî devotee, named Sorata, went all over Jambudîpa, enlisting the help of the people for the building of the thûpa. He sent the money as he received it, and on hearing that the work was completed, he set out to go and worship the thûpa; but he was seized by robbers and killed in the forest, which later came to be known as the Andhavana."

[Malalasekera, G. P. <1899 - >: Dictionary of Pâli proper names. -- Nachdruck der Ausgabe 1938. -- London: Pali Text Society, 1974. -- ISBN 0860132692. -- Vol. 1. -- S. 544. -- Dort Quellennachweise]

126. Der Mahâmeghavanahain hieß damals Mahâsâgara, die Hauptstadt Visâla lag im Westen.

127. Dort war damals Jayanta König. Diese Insel [Lankâ] hieß damals Mandadîpa.

128. Damals war zwischen König Jayanta und seinem jüngsten Bruder ein grausamer, lebenszerstörender Krieg ausgebrochen.

129. Kassapa, der barmherzige Weise, der die zehn Kräfte eines Buddha besaß (s. oben zu Vers 60), sah das große Unglück, das dieser Krieg über die Lebewesen brachte.

130./131. Um, indem er diesen Krieg zerstört, den Wesen auf dieser Insel rechtes Verhalten beizubringen und den Fortschritt der Religion zu bewirken, ging Kassapa, von Mitleid bewegt, mit 20.000 Arahants durch die Luft und landete auf dem Sumanakûta-Berg [Adams Peak].

Die Anlässe für das Kommen der drei Buddhas:

  1. Kakusandha: Krankheit (Vers. 60)
  2. Konâgamana: Dürre (= Hungersnot) (Vers 94)
  3. Kassapa: Krieg (Vers 128)

sind die grundlegenden Bedrängnisse des Menschen. Sie entsprechen den vier apokalyptischen Reitern Pest, Krieg, Teuerung (= Hunger), Tod.

"Und ich sah, dass das Lamm das erste der sieben Siegel auftat, und ich hörte eine der vier Gestalten sagen wie mit einer Donnerstimme: Komm! Und ich sah, und siehe, ein weißes Pferd. Und der darauf saß, hatte einen Bogen, und ihm wurde eine Krone gegeben, und er zog aus sieghaft und um zu siegen.

Und als es das zweite Siegel auftat, hörte ich die zweite Gestalt sagen: Komm! Und es kam heraus ein zweites Pferd, das war feuerrot. Und dem, der darauf saß, wurde Macht gegeben, den Frieden von der Erde zu nehmen, dass sie sich untereinander umbrächten, und ihm wurde ein großes Schwert gegeben.

Und als es das dritte Siegel auftat, hörte ich die dritte Gestalt sagen: Komm! Und ich sah, und siehe, ein schwarzes Pferd. Und der darauf saß, hatte eine Waage in seiner Hand. (6)Und ich hörte eine Stimme mitten unter den vier Gestalten sagen: Ein Maß Weizen für einen Silbergroschen und drei Maß Gerste für einen Silbergroschen; aber dem Öl und Wein tu keinen Schaden!

Und als es das vierte Siegel auftat, hörte ich die Stimme der vierten Gestalt sagen: Komm! Und ich sah, und siehe, ein fahles Pferd. Und der darauf saß, dessen Name war: Der Tod, und die Hölle folgte ihm nach. Und ihnen wurde Macht gegeben über den vierten Teil der Erde, zu töten mit Schwert und Hunger und Pest und durch die wilden Tiere auf Erden." (Offenbarung 6,1 - 8)

132. Herr der Menschen, dort stehend entschied der Herr der Weisen, der große Weise: "Alle Menschen auf der Mandainsel sollen mich heute sehen.

133. Alle Menschen, die kommen wollen, sollen zu mir kommen, schnell und ohne Schwierigkeiten."

134. Als der König und die Städter den König der Weisen sahen, der leuchtete und den Berg beleuchtete, kamen sie schnell zu ihm.

135./136. Die Leute, die zu diesem Berg gegangen waren, um den Gottheiten Opfer darzubringen, damit jeweils ihre Seite siege, glaubten, dass der Führer der Welt und die Ordensmitglieder Gottheiten seien. Der König und jener Prinz hielten verwundert den Kampf an.

137. Der König grüßte den König der Weisen äußerst freudig, lud ihn zum Essen ein und brachte ihn zur Stadt.

138./139. Da er diesen großartigen, lieblichen, weiten Ort für würdig hielt, dass der Herr der Weisen und der Orden dort lagerten, ließ der König den vollkommenen Buddha und den Orden hier Platz nehmen auf kostbaren Sitzen in einem von ihm errichteten lieblichen Pavillon.

140. Als sie den hier sitzenden Führer der Welten und den Orden sahen, brachten die Menschen auf der Insel von überall her Gaben.

141. Der König speiste den Führer der Welt und den Orden mit eigener harter und weicher Speise sowie mit Speisen, die von verschiedenen Leuten herbeigebracht wurden.

142. Nach dem Essen schenkte der König dem Eroberer, der genau an dieser Stelle (wo wir jetzt sitzen) saß, den Mahâsâgara-Park [d.h. den jetzigen Mahâmegha-Hain] als wertvolle Gabe.

143. Als der Buddha den Mahâsâgara-Hain, der außerhalb der Blütezeit voll Blumenpracht war, entgegengenommen hatte, bebte die Erde.

144. Der Führer saß hier und verkündete die Lehre. 20.000 Personen erreichten den Pfad und die Frucht [d.h. wurden Stromeingetretene].

145. Der Eroberer verbrachte den Tag im Mahâsâgara-Hain. Am Abend ging er zum Platz, wo der frühere Baum der erlösenden Erkenntnis gestanden hatte.

146. Dort sitzend, versetzte er sich in Versenkung. Als er aus der Versenkung heraustrat, dachte der vollkommene Buddha zum Heil der Bewohner der Insel Folgendes:

147. "Die Nonne Sudhammâ soll mit anderen Nonnen hierher kommen und den Südzweig des Baums meiner erlösenden Erkenntnis, des Banyan-Baums [Ficus benghalensis] mitbringen."

148. Die Therî [Nonne] erkannte diesen Gedanken Kassapa's, und ging mit dem dortigen König zu jenem Baum.

149./150./151./152. Die Wundermächtige ließ am Südzweig einen Strich aus rotem Realgar [s. oben Vers 80] anbringen. Der Zweig wurde durch Wundermacht so abgetrennt und in einen goldenen Topf gestellt. Mit diesem Zweig und 500 Nonnen kam sie umgeben von Gottheiten hierher und übergab ihn mit dem goldenen Topf in die rechte Hand, die der vollkommene Buddha ihr entgegenstreckte. Der zur Wahrheit Gelangte nahm den Zweig entgegen und gab ihn dem König Jayanta, damit er ihn pflanze. Der König pflanzte den Baum der erlösenden Erkenntnis im Mahâsâgara-Park.

153. Dann ging der vollkommene Buddha nach nördlich von der Nâga-Terrasse, er setzte sich auf die Asoka-Terrasse und verkündete dem Volk die Lehre.

154. Als sie diese Lehrverkündigung hörten, verstanden 4.000 Lebewesen die Lehre voll, König.

155./156. Dann ging Kassapa nach Norden zu dem Platz, wo die vorhergehenden Buddha [Kakusandha und Konâgamana] gesessen waren. Dort sitzend, versetzte er sich in Versenkung. Als er aus der Versenkung heraustrat, verkündete der vollkommene Buddha den Versammelten die Lehre. 10.000 Lebewesen erreichten den ersten Pfad samt Frucht [d.h. wurden Stromeingetretene].

157./158./159. Der Eroberer gab sein Badegewand als Reliquie, damit die Menschen es verehren können. Er ließ die Nonne mit ihrem Gefolge sowie seinen Jünger Sabbananda mit 1000 Mönchen hier zurück. Auf unserer Seite des Flusses und des Sudassanamâla, auf der Somanassa-Terrasse unterwies der Eroberer das Volk und erhob sich mit dem Orden in die Luft und flog nach Jambudîpa [Indien].

15.5.4. Buddha Gotama's Besuch an der Stelle des späteren großen Stûpa

Siehe Kapitel 1: Buddhas Besuche in Sri Lanka

160. In diesem Weltzeitalter war Gotama der vierte Eroberer [Buddha], der alle Gesetzmäßigkeiten und Wirklichkeiten kennende Lehrer, ein Erbarmer mit allen Welten.

161. Als der das erste Mal hierher kam, hat er die Yakkha's vertrieben; als er das zweite Mal kam, hat der die Nâga's gebändigt.

162. Vom Nâga Maniakkhi nach Kalyâna [Kelaniya] eingeladen, kam er ein drittes Mal und speiste dort mit dem Orden.

163. Dann ließ er sich an folgenden Orten nieder und nutze sie:

164./165. Dann ging der große Weise auf unsere Seite vom Ort, wo die früheren Buddhas gestanden waren und die Rettungsinsel der Welten (die Leuchte der Welten) belehrte auf der Lankâ-Insel -- da es damals auf ihr keine Menschen gab -- die versammelten Götter, die auf der Insel wohnten, sowie Nâga's. Dann erhob er sich der Eroberer mit dem Orden in die Luft und flog nach Jambudîpa [Indien].

15.5.5. Prophezeiung des Stûpabaus durch Dutthagâmanî

166./167. So, König, ist dieser Platz von vier Buddhas beehrt worden. An diesem Platz wird in Zukunft ein Stûpa stehen. Er wird eine Reliquienkammer für ein Dona [ein bestimmtes Hohlmaß] der Körperreliquien des Buddha enthalten und wird 120 Ratana [Längenmaß, eine Handlänge] hoch sein. Bekannt wird er sein unter dem Namen Hemamâlî.

168. Da sprach der König: "Ich selbst will diesen Stûpa errichten." "König, du hast hier viele andere Aufgaben.

169./170./171./172. Lass diese ausführen. Ein [Ur]neffe von dir wird diesen Stûpa errichten lassen. Der Sohn Yatthâlâyakatissa deines Bruders, des Vizekönigs Mahânâga wird König sein. Sein Sohn wird König Gothâbhaya sein, dessen Sohn wird Kâkavannatissa sein, dessen Sohn, König, wird ein großer König sein, Abhaya, berühmt unter dem Namen Dhutthagâmanî. Dieser, groß an Macht, Wunderkraft und Kühnheit, wird hier einen Stûpa errichten lassen.

Zum Stammbaum Dutthagânmanî's siehe Kapitel 22.

15.6. Errichtung einer Gedenksäule

173. So sprach der Thera [Mahinda]. Wegen der Worte des Thera ließ der König hier eine Steinsäule errichten, auf die er diese Vorgänge schreiben gelassen hatte.

15.7. Verkündigung des Feuerflammengleichnisses

174./175a. Als der weise wundermächtige große Thera Mahinda den lieblichen Mahâmeghahain, den Tissârâma, entgegennahm, verursachte er, der Unerschütterliche, dass die Erde bei acht Gelegenheiten / Orten [acht ist die Zahl des edlen achtfachen Weges] bebte.

Die acht Gelegenheiten bzw. Orte, bei denen die Erde bebte, sind:

  1. Schenkung des Mahâmeghavanaparks (Vers 24/25)
  2. zukünftige Terrasse für Zeremonien (malaka) (Vers 28/29)
  3. zukünftiger Teich mit Warmbadehaus (Vers 30/31)
  4. zukünftiger Ort des Bodhi-Baums (Vers 33/34)
  5. zukünftiges Uposatha-Gebäude (Vers 37)
  6. zukünftiger Ort der Gabenverteilung (Vers 45/46)
  7. zukünftige Catussâlâ = Speisesaal für die Mönche (Vers 47 - 50)
  8. zukünftiger großer Stûpa (Vers 55/56).

175b./176. Als er in die Hauptstadt eintrat zum Almosengang, da war es, als ob er in einen Ozean [an Almosen] einträte. Er speiste im Königspalast, verließ den Palast, und setzte sich in den Nandanahain. Dort verkündete er dem Volk die Lehrrede vom Feuerflammengleichnis.

Diese Lehrrede hatte auch der Thera Mahâdeva in Mahisamandala verkündet (s. oben, XII, 34).

Lehrrede Feuerflammengleichnis (Aggikhandopamâ-Sutta): Anguttaranikâya IV, 128f.

"68 Das Los des falschen Asketen

So habe ich gehört. Einst wanderte der Erhabene mit einer großen Schar von Mönchen durch das Land der Kosaler. Während aber der Erhabene auf der Straße einherzog, bemerkte er an einer gewissen Stelle ein großes flackerndes, loderndes, leuchtendes Feuer. Bei seinem Anblick bog er vom Wege ab und nahm am Fuß eines Baumes auf einem hergerichteten Sitze Platz. Darauf wandte er sich an die Mönche und sprach:

»Seht ihr wohl, ihr Mönche, jenes große flackernde, lodernde, leuchtende Feuer?«

»Gewiss, o Herr.«

»Was haltet ihr da wohl für besser, ihr Mönche: dass man jenes große flackernde, lodernde, leuchtende Feuer umarmt, sich daneben hinsetzt, sich daneben legt, oder aber dass man eine mit weichen, zarten Händen und Füßen begabte Jungfrau aus dem Adels-, Brahmanen- oder Bürgerstande umarmt und sich neben sie hinsetzt oder sich neben sie legt?«

»Besser ist es freilich, o Herr, dass man eine mit weichen, zarten Händen und Füßen begabte Jungfrau aus dem Adels-, Brahmanen- oder Bürgerstande umarmt und sich neben sie hinsetzt oder sich neben sie legt; denn Schmerzen bringt es, o Herr, wollte man jenes große flackernde, lodernde, leuchtende Feuer umarmen, sich daneben hinsetzen, sich daneben legen.«

»Ich sage euch, ihr Mönche, ich künde euch, ihr Mönche: besser wäre es wahrlich für den sittenlosen, dem Schlechten ergebenen Mönch von unlauterem und verdächtigem Benehmen, von versteckter Tat, für den Nichtasketen, der sich als Asketen ausgibt, für den Unkeuschen, der sich als keusch lebend ausgibt, der innerlich verdorben ist, befleckt, von schmutzigem Wesen, dass er jenes große flackernde, lodernde, leuchtende Feuer umarmt und sich daneben hinsetzt, daneben legt, als dass er eine mit weichen, zarten Händen und Füßen begabte Jungfrau aus dem Adels-, Brahmanen- oder Bürgerstande umarmt und sich neben sie hinsetzt oder neben sie legt.

Und warum? Dadurch mag er zwar dem Tode oder tödlichem Schmerz verfallen; nicht aber gerät er darum beim Zerfall des Körpers, nach dem Tode, in niedere Welt, auf eine Leidensfährte, in die Daseinsabgründe, zur Hölle. Wenn aber ein solcher eine mit weichen, zarten Händen und Füßen begabte Jungfrau aus dem Adels-, Brahmanen- oder Bürgerstande umarmt und sich neben sie hinsetzt oder sich neben sie legt, so gereicht ihm das, ihr Mönche, lange Zeit zum Unheil und Leiden; und beim Zerfall des Körpers, nach dem Tode, gerät er in eine niedere Welt, auf eine Leidensfährte, in die Daseinsabgründe, zur Hölle.

Was haltet ihr wohl für besser, ihr Mönche: dass ein kräftiger Mann einem einen festen, härenen Strick um beide Beine schlingt und hin und her reibt, so dass der Strick erst die Oberhaut durchschürft, dann die Unterhaut, dann das Fleisch, dann die Sehnen, dann die Knochen durchschneidet und schließlich am Knochenmark anlangt oder dass man von mächtigen Adeligen, Brahmanen oder Bürgern ehrfurchtsvolle Begrüßung entgegennimmt?«

»Besser ist es freilich, o Herr, dass man von mächtigen Adeligen, Brahmanen oder Bürgern ehrfurchtsvolle Begrüßung entgegennimmt; denn Schmerzen bringt es, o Herr, wenn ein kräftiger Mann einem einen festen, härenen Strick um beide Beine schlingt und hin und her reibt.«

»Ich sage euch, ihr Mönche, ich künde euch, ihr Mönche: besser wäre es wahrlich für den sittenlosen, dem Schlechten ergebenen Mönch von unlauterem und verdächtigem Benehmen, von versteckter Tat, für den Nichtasketen, der sich als Asketen ausgibt, den Unkeuschen, der sich als keusch lebend ausgibt, der innerlich verdorben ist, befleckt, von schmutzigem Wesen, dass ihm ein kräftiger Mann einen starken, härenen Strick um beide Beine schlingt und hin und her reibt

..., als dass er von mächtigen Adeligen, Brahmanen oder Bürgern ehrfurchtsvolle Begrüßung entgegennimmt ....

»... Ich sage euch, ihr Mönche, ich künde euch, ihr Mönche: besser wäre es wahrlich für einen solchen, dass ihm ein kräftiger Mann einen scharfen, mit Öl gereinigten Speer in die Brust stieße, als dass er von mächtigen Adeligen, Brahmanen oder Bürgern ehrerbietigen Handgruß entgegennimmt ....

»... Ich sage euch, ihr Mönche, ich künde euch, ihr Mönche: besser wäre es wahrlich für eine solchen, dass ihm ein kräftiger Mann einen glühenden, feurigen, flammenden, lodernden Eisenpanzer um den Leib legte, als dass er das von mächtigen Adeligen, Brahmanen oder Bürgern aus Vertrauen gespendete Gewand anlegt ....

»... Ich sage euch, ihr Mönche, ich künde euch, ihr Mönche: besser wäre es wahrlich für einen solchen, dass ihm ein kräftiger Mann mit einer glühenden, feurigen, flammenden, lodernden Eisenstange den Mund aufrisse und eine glühende, feurige, flammende, lodernde Eisenkugel in seinen Mund fallen ließe, die ihm Lippen, Mund, Zunge, Kehle und Leib verbrennt und Eingeweide und Gekröse mit sich führend hinten wieder herauskommt, als dass er die von mächtigen Adeligen, Brahmanen oder Bürgern aus Vertrauen gespendete Almosenspeise verzehrt ....

»... Ich sage euch, ihr Mönche, ich künde euch, ihr Mönche: besser wäre es wahrlich für einen solchen, dass ihn ein kräftiger Mann am Schopf oder an den Schultern packt, und ihn auf ein glühendes Eisenbett oder auf einen glühenden Eisenstuhl niederzwingt, als dass er ein von mächtigen Adeligen, Brahmanen oder Bürgern aus Vertrauen gespendetes Bett oder einen Stuhl benutzt ....

»... Ich sage euch, ihr Mönche, ich künde euch, ihr Mönche: besser wäre es wahrlich für einen solchen, dass ihn ein starker Mann an den Füßen packt, und ihn kopfüber in einen glühenden, feurigen, flammenden, lodernden Erzkessel wirft, und er, während er dort kocht, mit dem aufsiedenden Schaum einmal nach oben, einmal nach unten und einmal quer hinüber getrieben wird, als dass er ein von mächtigen Adeligen, Brahmanen oder Bürgern aus Vertrauen gespendetes Kloster bewohnt. Und warum? Dadurch mag er zwar dem Tode oder tödlichem Schmerz verfallen; nicht aber gerät er darum beim Zerfall des Körpers, nach dem Tode, in niedere Welt, auf eine Leidensfährte, in die Daseinsabgründe, zur Hölle. Wenn aber ein solcher ein von mächtigen Adeligen, Brahmanen oder Bürgern aus Vertrauen gespendetes Kloster bewohnt, so gereicht ihm das, ihr Mönche, lange Zeit zum Unheil und Leiden; und beim Zerfall des Körpers, nach dem Tode, gerät er in niedere Welt, auf eine Leidensfährte, in die Daseinsabgründe, zur Hölle.

Darum, ihr Mönche, soll man in solcher Weise streben: 'Mögen denen, deren Gewänder, Almosenspeise, Lagerstatt und Arzneien wir benutzen, ihre Gabe hohen Lohn- und Segen bringen! Und möge unsere Weltentsagung nicht fruchtlos sein, sondern Frucht und Ergebnis bringen!' Danach, ihr Mönche, sollt ihr streben! Angesichts des eigenen Heiles, ihr Mönche, ist es angebracht, unermüdlich nach dem Ziele zu streben. Angesichts des fremden Heiles, ihr Mönche, ist es angebracht, unermüdlich nach dem Ziele zu streben. Und angesichts des beiderseitigen Heiles, ihr Mönche, ist es angebracht, unermüdlich nach dem Ziele zu streben.«

Also sprach der Erhabene. Während aber der Erhabene diese Erklärung gab, quoll sechzig Mönchen das Blut aus dem Munde hervor; und weitere sechzig Mönche gaben die Askese auf und kehrten zum niederen Weltleben zurück, denkend: 'Gar schwer ist es, Erhabener! Gar schwer ist es, Erhabener!' Sechzig Mönchen aber wurde das Herz haftlos von den Trieben befreit."

[Übersetzt von Nyanatiloka: Die Lehrreden des Buddha aus der Angereihten Sammlung = Anguttara-Nikâya / aus dem Pâli übersetzt von Nyanatiloka. -- 3., revidierte Neuauflage. -- Köln: DuMont Schauberg. -- Bd. 4. -- ©1969. -- S. 72 - 75]

Mahinda brachte 1000 Menschen dazu, dass sie Weg und Frucht erreichten [d.h. Stromeingetretene wurden]. Dann weilte er im Mahâmegha-Hain.

15.8. Dritter Tag: Verkündigung des Schlangengleichnisses

178. Als der Thera am dritten Tag im Königspalast gespeist hatte, setzte er sich in den Nandanahain und verkündete das Schlangengleichnis.

Die gleiche Lehrrede hat der Thera Majjhantika in Kasmîra und Gandhara gehalten (s. oben XII, 25)

Schlangengleichnis [âsivisûpamâ]: Anguttaranikâya II, 110 - 111: 

"110 Das Gleichnis von den Schlangen

Vier Arten von Schlangen gibt es, ihr Mönche. Welche vier? Die Schlange, die häufig Gift speit, deren Gift aber ungefährlich ist; die Schlange, deren Gift gefährlich ist, die aber nur selten Gift speit; die Schlange, die häufig Gift speit und deren Gift gefährlich ist; die Schlange, die selten Gift speit und deren Gift ungefährlich ist.

Ebenso auch, ihr Mönche, sind in der Welt vier den Schlangen ähnliche Menschen anzutreffen. Welche vier? Der Mensch, der häufig Gift speit, dessen Gift aber ungefährlich ist; der Mensch, dessen Gift gefährlich ist, der aber nur selten Gift speit; der Mensch, der häufig Gift speit und dessen Gift gefährlich ist; der Mensch, der selten Gift speit und dessen Gift ungefährlich ist.

Wie aber, ihr Mönche, speit ein Mensch häufig Gift, doch sein Gift ist ungefährlich? Da gerät einer häufig in Zorn, doch sein Zorn hält nicht lange an ....

Wie aber ist eines Menschen Gift gefährlich, doch er speit nur selten Gift? Da gerät einer nur selten in Zorn, doch sein Zorn hält lange an ....

Wie aber speit ein Mensch häufig Gift und sein Gift ist gefährlich? Da gerät einer häufig in Zorn und sein Zorn hält lange an ....

Wie aber speit ein Mensch selten Gift und sein Gift ist ungefährlich? Da gerät einer selten in Zorn und sein Zorn hält nicht lange an ....

Diese vier den Schlangen ähnlichen Menschen sind in der Welt anzutreffen."

[Übersetzt von Nyanatiloka: Die Lehrreden des Buddha aus der Angereihten Sammlung = Anguttara-Nikâya / aus dem Pâli übersetzt von Nyanatiloka. -- 3., revidierte Neuauflage. -- Köln: DuMont Schauberg. -- Bd. 2. -- ©1969. -- S. 99]

179a. Er brachte 1000 Personen zum vollen Verständnis der Lehre.

15.9. Vierter Tag: Bestimmung und Errichtung der Sîmâ

Zum genauen Verständnis der Vorgänge bei der Grenzziehung siehe Exkurs 2 zu diesem Kapitel: Sîmâ -- URL: http://www.payer.de/mahavamsa/chronik15e2.htm

179b./180. Dann ging der Thera zum Tissârâma [Mahâmeghavana-ârâma]. Der König, der die Predigt gehört hatte, setzte sich zum Thera und fragte: "Ehrwürden, ist nun die Religion des Eroberers fest gegründet?" "Noch nicht, Herrscher über die Menschen.

181. Herr, wenn hier die Grenze für Uposatha [Rezitation der Ordensregeln an Vollmond- und Neumondtagen] und die übrigen Rechtshandlungen des Ordens festgelegt ist gemäß der Vorschrift des Eroberers, dann wird sie Religion fest gegründet sein."

Denn erst, wenn Ordenhandlungen, insbesondere Ordinationen rechtmäßig durchgeführt werden können, ist das Fortleben des Ordens möglich.

Eine Ordenshandlung kann unter folgenden Fehlern leiden und u.U. nichtig werden, auf alle Fälle aber unrechtmäßig werden. Fehlt die sîmâ, ist die Ordenshandlung ungültig:

Bei sîmâ geht es darum zu bestimmen, welche Mönche an sanghakamma teilnahmeberechtigt sind und bei Entscheidungen ein Recht auf Gehör haben. Diese Bestimmung geschieht gebietsmäßig: alle Mönche, die sich an einem Ort befinden. Wie ist aber dieser eine Ort definiert? Um Rechtssicherheit zu schaffen, müssen die Grenzen (sîmâ) dieses einen Ortes festgelegt sein. Ein sanghakamma ohne feste sîmâ ist ungültig: denn dann kann die Einmütigkeit (sâmaggî) des sangha nicht festgestellt werden (es könnte im Nachhinein ein Mönch sagen, dass er nicht Gehör bekommen hat).

182. So sprach der große Thera, der König sprach zu ihm: "Ich will innerhalb der Vorschrift des vollkommenen Buddha wohnen, Träger des Lichts.

183. Bestimmt deshalb sofort die Grenze so, dass die Stadt [Anurâdhapura] innerhalb liegt."

Damit wird der Staat der Religion untergeordnet. Buddhismus ist damit Staatreligion. Siehe dazu den Exkurs zu diesem Kapitel:

Buddhismus als Staatsreligion Sri Lankas -- URL: http://www.payer.de/mahavamsa/chronik15e.htm

So sprach der große König, der Thera antwortete:

184. "Wenn es so ist, dann bestimme du selbst, Erdenherr, den Verlauf der Grenze. Wir werden sie dann festsetzen."

185. "Gut", sprach der Herr der Erde und wie der Götterkönig [Indra] aus Nandana, [Garten im Himmel Indra's] ging er aus dem Mahâmeghavanârâma in seinen eigenen Palast.

186. Als der Thera am vierten Tag im Königspalast gegessen hatte, setzte er sich in den Nandanahain und verkündete den Anamataggiya.

Anamataggasamyutta = der fünfzehnte Großabschnitt des Samyuttanikâya (II, 178 - 193): es ist eine Sammlung über den nicht berechenbaren Anfang des Samsâra. Diesen Text hatte auch Rakkhita in Vanavâsa verkündet, s. oben XII, 31.

...

187. Als er so 1000 Menschen den Trank der Unsterblichkeit (anamta) zu trinken gegeben hatte, ging der große Thera zum Mahâmeghavana-Park.

188. Der König ließ am Morgen die Trommel schlagen, ließ die herrliche Stadt schmücken sowie den Weg zum Vihâra und das Vihâra samt seiner Umgebung.

189/190. Der Wagenstier, der Wagenliebhaber kam zu seinem eigenen Ârâma, in vollem Schmuck, mit Beratern, Frauen, mit Wagen, Heer und Reittieren, einem großen Gefolge. Dort ging er zu den Thera's und grüßte sie, die des Grußes würdig sind.

191. Er zog eine kreisförmige Pflugfurche, die er an der Furt des Kadambaflusses [heute: Malvatte Oya] beginnen ließ und am Fluss wieder enden ließ.

192. Der weise große Thera bestimmte die Grenzmarkierungen (nimita) an der vom König gezogenen Pflugfurche. Er bestimmte auch die Grenzmarkierungen für 32 Terrassen für Zeremonien (malaka) sowie für den Thûpârâma.

193. Nachdem er die Grenzmarkierungen bestimmt hatte, bestimmte der weise Thera vorschriftsgemäß die inneren Grenzmarkierungen.

Da der Bereich des Mahâvihâra sehr groß ist, werden in seinem Bereich kleinere Bereiche ausgegrenzt, die ebenfalls als ordensrechtliche Einheiten gelten.

194. Der Selbstbeherrschte fixierte so an diesem einzigen Tag alle Grenzen. Als die Fixierung der Grenzen abgeschlossen war, bebte die Erde.

15.10. Fünfter Tag: Verkündigung des Khajjanîyasutta

195./196. Als der Thera am fünften Tag im Königspalast gegessen hatte, setzte er sich in den Nandanahain und verkündete einer großen Volksmenge die Khajjanîya-Lehrrede. Er gab dabei 1000 Menschen den Trank der Unsterblichkeit zu trinken und weilte dann im Mahâmeghahain.

Khajjanîyasutta = Samyuttanikâya III, 86 – 91

...

15.11. Sechster Tag: Verkündigung der Lehrrede vom Stückchen Kuhdung

197. Als der Thera am sechsten Tag im Königspalast gegessen hatte, setzte er sich in den Nandanahain und verkündete die Lehrrede vom Stückchen Kuhdung (Gomayapindî-Sutta).

Lehrrede vom Stückchen Kuhdung (Gomayapindî-Sutta) = Samyuttanikâya III, 143f.

...

198. Der des Lehrens Kundige brachte dabei 1000 Menschen zum vollen Verständnis der Lehre und weilte dann im Mahâmegha-Hain.

15.12. Siebter Tag: Verkündigung der Lehrrede, die das Rad der Lehre in Bewegung setzte

199./200. Als der Thera am siebten Tag im Königspalast gegessen hatte, setzte er sich in den Nandanahain und verkündete die Lehrrede, die das Rad der Lehre in Bewegung setzte (Dhammacakkapavattanasutta). Er brachte dabei 1000 Menschen zum vollen Verständnis der Lehre und weilte dann im Mahâmegha-Hain.

Lehrrede, die das Rad der Lehre in Bewegung gesetzt hat (Dhammacakkappavattanasutta): Vinaya I, 10ff.: Erste Lehrrede des Buddha, in der der mittlere Weg, die vier edlen Wahrheiten mit dem edlen achtfachen Weg dargelegt werden.

201. So hat der Lichtträger in nur sieben Tagen 8.500 zum vollen Verständnis der Lehre gebracht.

8500, nämlich:

202. Weil der Arahant an diesem Platz die Religion leuchten ließ, heißt der große Nandanahain Lichthain (Jotivana).

15.13. Errichtung verschiedener Bauwerke

203. Im Tissârâma ließ der König gleich zu Beginn für den Thera schnell einen Palast errichten. Er ließ die Ziegel schnell im Feuer trocknen.

204. Der Palast hatte eine schwarze Farbe [wegen des Schnellbrands der Ziegel hat man wohl nicht darauf geachtet, dass der Lehm genügend Sauerstoff zur Oxidation bekommt, deshalb wurden die Ziegel schwarz; es ist auch möglich, dass es sich um Adobe -- ungebrannten Ton handelt -- der feuergetrocknet wurde, auch dabei wird der Ton dunkel -- allerdings kaum schwarz]. Deswegen erhielt er den Namen Kâlapasâdaparivena (Zelle des Schwarzen Palasts).

205. Dann ließ er ein Gebäude für den Mahâbodhi-Baum errichten und den Lohapasâda, ein Gebäude für die Verlosung [von Essenseinladungen unter den Mönchen] sowie einen guten Speisesaal.

Verlosung: Essenseinladungen bzw. zum Kloster gebrachte Speisen können unter den Mönchen verlost werden (Salâkâbhatta), besonders bei folgenden Gelegenheiten:

Mit der Verlosung ist ein bestimmter Mönch, der Bhattuddesaka betraut.

206. Er ließ in vorzüglicher Weise viele Parivena, Teiche, Aufenthaltsorte für den Tag bzw. für die Nacht und anderes errichten.

Parivena ist der Bereich um ein Gebäude, hier ist es gleichbedeutend mit (einem Komplex von) Mönchszellen.

207. Die Zelle für Mahinda, der alles Böse von sich gewaschen hatte, am Ufer des Badeteichs heißt Sunhâtaparivena (Zelle des gut Gebadeten).

208. Die Zelle an der Stelle, wo er, die Rettungsinsel der Insel / das Licht der Insel, der Gute hin- und herwandelte, wird Dîghacankamana (Lange Wandelhalle) genannt.

209. Wo er sich aber in die höchste Frucht [des Arhant] versetzte, wird die Zelle Phalaggaparivena (Zelle der höchsten Frucht) genannt.

210. Die Zellen dort, wo der Thera saß, an eine Lehne gelehnt, wird Therâpassayaparivena (Zelle der Lehne des Thera) genannt.

211. Die Zellen dort, wo viele Götterscharen zu ihm gekommen waren und bei ihm saßen, werden Maruganaparivena (Zellen der Götterscharen) genannt.

212. Dhîghasandana, der General von König Devânampiyatissa, ließ für den Thera einen kleinen Palast erbauen mit acht großen Pfeilern.

213. Deswegen werden diese berühmten Zellen, eine Mine berühmter Menschen [dort wohnte Mahânâma, der Verfasser des Mahâvamsa!], General Dhîghasandana Parivena genannt.

214. Der weise König, in dessen Namen das Wort Götterliebling (devânampiya) enthalten ist, hat in Lankâ als erstes dieses Mahâvihâra ["großes Kloster", dies ist ab jetzt der Name für den Mahâmeghahain] errichten lassen für den großen Thera Mahinda, der ein unbeflecktes Herz hatte.

15.14. Kolophon

Dies ist das fünfzehnte Kapitel des Mahâvamsa, der zum Vertrauen und zur Erschütterung der guten Menschen verfasst wurde. Der Titel dieses Kapitels ist "Die Entgegennahme des Mahâvihâra".

15.E1. Exkurs 1 zu Kapitel 15: Buddhismus als Staatsreligion Sri Lankas

Mit Mahâvamsa 15, 182 - 183 ist in Sri Lankâ der Buddhismus als Staatsreligion begründet. Wegen der großen Bedeutung, die der Buddhismus als Staatsreligion bzw. Quasi-Staatsreligion bis heute hat, gebe ich hier die sehr gute Zusammenstellung wieder, die Walpola Rahula gibt im 5. Kapitel seines Werkes:

....

Walpola Rahula <1910 - 1997>: History of Buddhism in Ceylon: the Anurâdhapura period. -- Colombo: Gunasena, ©1956. -- S. 62 - 77

15.E2. Exkurs 2 zu Kapitel 15: Sîmâ

Zum tieferen Verständnis der verschiedenen Erwähnungen von Grenzen (sîmâ) für ordensrechtliche Zwecke, sei hier die Darstellung aus dem grundlegenden thailändischen Lehrbuch des Ordensrechts voll wiedergegeben:

Vajirañânavarorasa: The entrance to the Vinaya = Vinayamukha. -- [Transl. from Thai]. -- Bangkok: Mahâmaku.tarâjavidyâlaya Vol. 3. -- 2526 = 1983. -- [The management of the Sangha]. -- S. 14 - 52

Die Zeremonien und Rechtsakte, wie sie heute in Thailand praktiziert werden, sind ausführlich dargestellt in:

Wells, Kenneth E.: Thai Buddhism: its rites and activities. -- 3rd printing (updated). -- Bangkok: Suriyabun Publishers, 1975. -- S. 178 - 183.

15.E2.1. Vajirañânavarorasa: Der Eingang zum Vinaya = Vinayamukha.

KAPITEL XXIV SÎMÂ (Boundary)

16. Kapitel 16: Entgegennahme des Cetiyaberg-Klosters

1./2a. Der Thera [Mahinda] ging in der Stadt [Anurâdhapura] auf Almosengang, dann erwies er dem Volk [durch eine Predigt] eine Wohltat, speiste im Königspalast, erwies dem König eine Wohltat. So weilte er 26 Tage im Mahâmegha-Hain.

2b./3./4. Als der Weise aber am 13. Tage der hellen Hälfte des Monats Âsâlha [4. Monat, entspricht Mai/Juni bzw. Juni-Juli] im Königspalast gespeist hatte, verkündete er dem großen König die große Lehrrede von der Nicht-Nachlässigkeit.

Im Samyuttanikâya und im Anguttaranikâya gibt es mehrere Lehrreden von der Nicht-Nachlässigkeit (appamâda-sutta):

Im fünften Teil (Mahâvagga) des Samyuttanikâya gibt es auch einige Kapitel die appamâdavagga genannt werden (Samyuttanikâya V, 41 - 45, 191, 135ff., 240ff., 245, 250ff, 291, 308).

Eine Identifizierung der hier gemeinten Lehrrede ist mir nicht möglich.

Dann ging er, da er die Errichtung eines Klosters auf dem Cetiya-Berg [Mihintale] wünschte, durch das Osttor zum Cetiya-Berg.

5. Als der König hörte, dass der Thera dorthin gegangen sei, bestieg er einen Wagen und folgte mit zwei Königinnen dem Thera.

6. Die Thera's hatten im Nâgacatukka-See [wird mit Nâgapokuna, Nr. 11 im Plan unten, identifiziert] gebadet und standen dort in Rangordnung, um den Berg zu besteigen.

7. Der König stieg von seinem Wagen, grüßte die Thera's formgemäß. Sie fragten ihn, warum er sich in der Hitze abgeplagt habe, um zu kommen.

8. Er antwortete, dass er aus Sorge über ihren Weggang gekommen sei. Der Thera antwortete, dass sie hierher gegangen seien, um hier die Regenzeit zu verbringen.

9. Dann erklärte der Thera, der bewandert war in den Bestimmungen der Ordensregeln, dem König die Bestimmungen über die Regenzeit.

Die wichtigsten Bestimmungen über die Regenzeit für Mönche sind:

Während drei Monaten der Regenzeit müssen Mönche an einem Ort sesshaft bleiben.

Für diese Zeit müssen sie in der Regenzeit angemessenen Behausungen wohnen, z.B. nicht unter einem Schirm oder in einer Baumhöhle.

Zu Beginn der Regenzeit müssen die Mönche einen Ort formell für ihren Aufenthalt während der Regenzeit bestimmen (adhitthâna n.). An diesem Ort müssen sie bis zur Pavârânâ bleiben.

Wenn ein Mönch während der Regenzeit aus einem triftigen Grund über Nacht wegbleiben muss, dann kann er das bis zu sieben Tage machen. Bleibt er länger als sieben Tage von seinem Regenzeit-Wohnsitz weg, dann hat er die Regenzeit gebrochen.

Bei drohender schwerer Gefahr für das leibliche oder geistliche Wohl eines Mönches, kann er die Regenzeit brechen, ohne dass es ein ordensrechtliches Vergehen ist.

Siehe: Payer, Alois <1944 - >: Vinayamukha: Grundbegriffe der Ordensregeln und des Ordensrechts des Theravâda. -- Teil II. -- (Materialien zu den Grundbegriffen des Buddhismus). -- URL: http://www.payer.de/buddhgrund/vinaya02.htm

9b./10./11. Als dies der Schwestersohn des Königs, der Chefberater Mahârittha, der mit seinen 55 älteren und jüngeren Brüdern um den König stand, hörte, baten sie den König um Erlaubnis und wurden noch an jenem Tag beim Thera Novizen. All diese Weisen erreichten schon beim Scheren der Haare Arahantschaft [d.h. wurden vollkommen Erlöste].

12. Der König ließ noch an jenem Tag die Arbeiten beginnen, um 68 Wohnhöhlen um den Platz des künftigen Kantakacetiya herum zu bauen.

13. Dann ging der König in die Stadt, die Thera's aber wohnten dort. Zur rechten Zeit gingen sie aus Erbarmen in die Hauptstadt auf Almosengang.

14. Als die Arbeiten an den Wohnhöhlen beendet waren, kam der König am Vollmondtag des Monats Âsâlha und gab den Thera's das Kloster als Schenkung.

15. Der Thera, der alle Grenzen überschritten hatte, bestimmte noch am gleichen Tag die ordensrechtlichen Grenzen des Klosters sowie von 22 Terrassen für Zeremonien (mâlaka).

Zu den Grenzen (sîmâ) siehe: 15.E2. Exkurs 2 zu Kapitel 15: Sîmâ-- URL: http://www.payer.de/mahavamsa/chronik15e2.htm

16. Dann vollzog er noch an jenem Tag auf der Tumbaru-Terrasse, die als erste von allen abgegrenzt worden war, die Mönchsordination für alle [nämlich Mahârittha und seine Brüder], die nicht mehr nur Novizen sein wollten.

17. Diese 62 Arahants [Mahinda und seine 5 Gefährten + Mahârittha + seine 55 Brüder] bestimmten diesen Ort zu ihrem Aufenthalt für die Regenzeit und erwiesen dem König eine Wohltat [durch eine Lehrrede].

18. Scharen der Götter und Menschen kamen ehrfürchtig zum Scharführer [Mahinda] und seiner, weit herum wegen ihrer Tugend berühmten Schar und häuften viel Verdienst auf.

16.1. Kolophon

Dies ist das sechzehnte Kapitel des Mahâvamsa, der zum Vertrauen und zur Erschütterung der guten Menschen verfasst wurde. Der Titel dieses Kapitels ist "Die Entgegennahme des Cetiyaberg-Klosters".

17. Kapitel 17: Ankunft der Reliquien

1. Als der große weise Thera die Regenzeit dort verbracht hatte und die Pavâranâ am Vollmondtag des Monats Kattikâ [8. Monat, entspricht September/Oktober bzw. Oktober/November] vollzogen hatte, sprach er zum großen König Folgendes:

Pavâranâ = Rechtsakt und Zeremonie am Ende der Regenzeitsesshaftigkeit.

Am Ende der dreimonatigen Sesshaftigkeit während der Regenzeit sollen Mönche anstelle von uposatha pavâranâ halten.

Für pavâranâ als sanghakamma ist ein pañca-vagga-sangha erforderlich, d.h. mindestens fünf Mönche. Weniger Mönche können pavâranâ als gana-kamma vollziehen. Ein Einzelmönch als adhitthâna.

Der Text der eigentlichen pavâranâ als sangha-kamma: Nach einer ñatti spricht jeder Mönch einzeln:

"Ich lade den sangha ein: die Ehrwürdigen mögen es mir aus Mitleid sagen, wenn sie etwas [Unrechtes von mir] gesehen, gehört oder vermutet haben. Es einsehend werde ich [dieses Fehlverhalten] korrigieren." (dreimal)

Bei gana-kamma-pavâranâ sagt man statt "sangha" "die Ehrwürdigen".

adhitthâna eines Einzelmönches:

"Heute ist meine pavâranâ"

Siehe: Payer, Alois <1944 - >: Vinayamukha: Grundbegriffe der Ordensregeln und des Ordensrechts des Theravâda. -- Teil II. -- (Materialien zu den Grundbegriffen des Buddhismus). -- URL: http://www.payer.de/buddhgrund/vinaya02.htm

2. "Großer Herr über die Menschen, lange ist es her, dass wir den vollkommenen Buddha, unsern Lehrer, gesehen haben. Wir lebten ein Leben ohne Meister. Wir haben hier nichts, was wir verehren könnten."

3. Auf die Frage: "Habt ihr, Ehrwürden, nicht gesagt, dass der vollkommene Buddha erlöscht ist?", antwortete der Thera: "Wenn man die Reliquien sieht, sieht man den Eroberer."

4. "Ihr wisst, dass ich einen Stûpa zu errichten beabsichtige. Ich werde den Stûpa errichten lassen, ihr schaut nach den Reliquien."

5. Der Thera sagte dem König, er solle sich mit Sumana beraten. Darauf fragte der König diesen Novizen, woher er Reliquien erhalten könne.

Der Novize Sumana ist der Sohn Sanghamittâ's, Mahinda's Schwester.

6. "Herr der Menschen, lasse die Hauptstadt und den Weg schmücken, nimm mit deinem Gefolge die Uposatha-Gelübde auf dich [d.h. faste und enthalte dich des Geschlechtsverkehrs], besteige den Glückselefanten, lasse den weißen Schirm tragen, und geh am Abend, umgeben von Musikanten, zum Mahânâga-Park.

8. Dort, König, wirst du Reliquien erhalten von ihm, der die Auflösung der Elemente kannte [= Buddha, Wortspiel mit der Doppelbedeutung von dhâtu = Element, Reliquie]." So sprach der Novize Sumana zum glücklichen [sumânasa, Wortspiel mit Sumana] König.

9. Der Thera ging nun vom königlichen Haushalt zum Cetiyaberg [Mihintale]. Dort beauftragte er den Novizen Sumana, der ein glückliches Ziel hatte [Wortspiel mit sumana]:

10. "Mein lieber Sumana, gehe zur herrlichen Blumenstadt [= Pâtaliputta, heute: Patna] und überbringe dem großen König [Asoka], deinem Großvater folgende Botschaft von uns:

11. »Dein Freund, großer König, der König Götterliebling, der an die Lehre Buddhas glaubt, wünscht einen Stûpa errichten zu lassen.

12. Gib ihm Reliquien des Weisen und den Almosentopf, den der Lehrer benutzte. Du hast ja viele Reliquien von Buddhas Leib.«

13. Nimm den Almosentopf voll Reliquien und gehe zur herrlichen Götterstadt und überbringe Sakka [= Indra] dem Götterfürsten folgende Botschaft von uns:

14. »Bei dir, Götterfürst, befindet sich die rechte Eckzahnreliquie von ihm, der der Gaben aller drei Welten würdig ist; ebenso das rechte Schlüsselbein.

15. Verehre du den Eckzahn, das Schlüsselbein des Lehrers gib her. Vernachlässige nicht deine Pflichten gegenüber der Lankâinsel, Götterkönig.«"

16. Der wundermächtige Novize gab seine Zustimmung und ging im selben Augenblick zu Dhammâsoka.

17. Er traf Asoka, als dieser am Fuß eines Sâl-baumes [Shorea robusta] stand und den schönen Mahâbodhi-Baum [Ficus religiosa] mit den Opfern des Kattikâfestes verehrte.

Der Vollmondtag des Monats Kattikâ, das Ende der Regenzeit, wurde mit einem großen Fest -- besonders in der Nacht -- gefeiert.

18. Er überbrachte die Botschaft des Thera, erhielt vom König Reliquien, nahm den Almosentopf voll Reliquien und ging zum Himâlaja.

19. Im Himâlaja deponierte er den wertvollsten Almosentopf samt den Reliquien, ging zum Götterfürsten und überbrachte ihm die Botschaft des Thera.

20. Sakka, der Herr der Götter nahm das rechte Schlüsselbein aus dem Cûlâmanicetiya und übergab es dem Novizen.

21. Mit dieser Reliquie und dem Almosentopf voll Reliquien ging der Asket Sumano zum Cetiyaberg [Mihintale] und übergab sie dem Thera.

22. Am Abend ging der König in der oben [Vers 6] genannten Weise an der Spitze des königlichen Heeres zum Mahânâga-Park.

23. Der Thera stellte alle Reliquien auf jenen Berg [Mihintale]. Deswegen nennt man den Missaka-Berg Cetiya-Berg.

24. Nachdem der Thera den Almosentopf mit den Reliquien auf den Cetiya-Berg gestellt hatte, nahm er die Schlüsselbein-Reliquie und ging mit seiner Schar zum verabredeten Platz.

25./26. "Wenn dies eine Reliquie des Weisen ist, dann soll sich mein Schirm von selbst verneigen, mein Elefant soll niederknien, dieser Reliquienbehälter soll mit der Reliquie kommen und sich auf meinen Kopf stellen." So dachte der König. Wie gedacht, so geschehen.

27. Der König war überaus glücklich, wie wenn er mit dem Unsterblichkeitstrank besprengt worden wäre. Er nahm den Reliquienbehälter von seinem Kopf und setzte ihn auf die Schultern des Elefanten.

28./29./30./31. Freudig trompetete der Elefant, die Erde bebte. Der Elefant kehrte um und betrat die schöne Stadt [Anurâdhapura] mit den Thera's, dem Heer und den Wagen durch das Osttor. Dann verließ er die Stadt durch das Südtor und ging zum Platz des Großen Opfers, der westlich vom (späteren) Thûpârâma-Cetiya errichtet worden war. Er kehrte am Platz des Bodhi-Baums um und blieb stehen mit dem Kopf nach Osten gerichtet. Der Platz des Stûpa war damals bedeckt mit Kadambablüten [Nauclea bzw. Adina cordifolia] und Âdâri-Lianen.

32./33. Der Menschengott [König] ließ diesen reinen, von Göttern behüteten Platz reinigen und schmücken und versuchte dann sofort, die Reliquie von den Elefantenschultern ordentlich herabzunehmen. Der Elefant wollte das aber nicht. Der König fragte den Thera, was der Elefant wolle.

34. Der Thera antwortete, dass der Elefant wolle, dass die Reliquie auf einen Platz gestellt werde, der gleich hoch wie seine Schultern ist. Der Elefant wolle nicht, dass die Reliquie herunter genommen werde. [Der Elefant will also nicht, dass die Reliquie dadurch nicht ehrerbietig genug behandelt wird, dass man sie auf einen tieferen Platz hinunterstellt].

35. Der König ließ sofort aus dem Abhaya-Teich [heute: Basawak-kulam, siehe Karte oben] trockene Lehmklumpen heranbringen und sie aufhäufen bis zur gleichen Höhe mit den Elefantenschultern.

36. Er ließ diesen allerhöchsten Platz vielfältig schmücken und nahm dann die Reliquie von den Elefantenschultern und stellte sie dorthin.

37./38. Dann ließ der König den Elefanten dort, damit er die Reliquie bewache. Der König war darauf bedacht, schnellstens einen Stûpa für die Reliquie zu errichten und verpflichtete viele Leute, schnell Ziegel herzustellen. Während er über die Zeremonien für die Reliquie nachdachte, betrat er mit seinen Beratern die Stadt [Anurâdhapura].

39. Der große Thera Mahinda aber ging mit seiner Schar in den Mahâmegha-Hain und weilte dort.

40. Nachts patrouillierte der Elefant um die Stelle mit der Reliquie, tagsüber stand er mit der Reliquie im Pavillon an der (späteren) Stelle des Bodhi-Baums.

41. Der König ließ gemäß dem Rat des Thera innerhalb weniger Tage über diesem Baugrund kniehoch einen Stûpa aufschichten.

"The sense is as follows: The original brickwork, as described in v. 35, remains standing. Its surface forms the base for the relic-chamber. Round about and from this the building of the thûpa is continued knee-high jhanghamatta, so as to be finished in the shape of a hemisphere, after the placing of the relic in the chamber thus formed." [The Mahâvamsa or The great chronicle of Ceylon / translated into English by Wilhelm Geiger ... -- London, 1912. -- S. 119]

42. Dann ließ er die Einschreinung der Reliquie dort ankündigen und ging hin. Von überall her kam eine große Menge Leute.

43./44. Bei dieser Versammlung erhob sich die Reliquie von den Elefantenschultern in die Luft und blieb in der Höhe von sieben Palmyrapalmen [Borassus flabellifer, wird bis 30 m hoch] in der Luft sichtbar stehen und erzeugte bei den Leuten Bewunderung und bewirkte das haarsträubende Gegensatzpaar-Wunder wie Buddha am Fuß des Gandamba-Baums [der Gandamba-Baum ist ein Mangobaum in Sâvatthi].

45. Durch die aus der Reliquie hervorbrechenden Strahlen und Wasserströme wurde die ganze Erde Lankâs wiederholt beleuchtet und befeuchtet.

Gegensatzpaar-Wunder = "Yamaka-pâtihâriya. - The miracle of the "double appearances. When the Buddha laid down a rule forbidding the exercise of supernatural powers by monks -- following on the miracle performed by Pindola-Bhâradvâja -- the heretics went about saying that henceforth they would perform no miracles except with the Buddha. Bimbisâra reported this to the Buddha, who at once accepted the challenge, explaining that the rule was for his disciples and did not apply to himself. He, therefore, went to Sâvatthi, the place where all Buddhas perform the Miracle. In reply to Pasenadi, the Buddha said he would perform the miracle at the foot of the Gandamba-tree on the full-moon day of Âsâlha. The heretics therefore uprooted all mango-trees for one league around, but, on the promised day, the Buddha went to the king's garden, accepted the mango offered by Ganda, and caused a marvellous tree to sprout from its seed. The people, discovering what the heretics had done, attacked them, and they had to flee helter-skelter. The multitude, assembled to witness the miracle, extended to a distance of thirty-six leagues. The Buddha created a jewelled walk in the air by the side of the Gandamba. When the Buddhas disciples knew what was in his mind, several of them offered to perform miracles and so refute the insinuations of the heretics. Among such disciples were Gharani, Culla Anâthapindika, Cîlrâ, Cunda, Uppalavannâ and Moggallâna. The Buddha refused their offers and related the Kanhausabha and Nandivisâla Jâtakas. Then, standing an the jewelled walk, he proceeded to perform the Yamakapâtihâriya (Twin Miracle), so called because it consisted in the appearance of phenomena of opposite character in pairs -- e.g., producing flames from the upper part of the body and a stream of water from the lower, and then alternatively. flames of fire and streams of water also proceeded alternatively from the right side of his body and from the left. From every pore of his body rays of six colours darted forth, upwards to the realm of Brahmâ and downwards to the edge of the Cakkavâla. The Miracle lasted for a long while, and as the Buddha walked up and down the jewelled terrace he preached to the multitude from time to time. It is said that he performed miracles and preached sermons during sixteen days, according to the various dispositions of those present in the assembly. At the conclusion of the Miracle, the Buddha, following the example of his predecessors, made his way, in three strides, to Tâvatimsa, there to preach the Abhidhamma Pitaka to his mother, now born as a devaputta.

It is said' that two hundred millions of beings penetrated to an understanding of the Dhamma at the conclusion of the Miracle.

The Twin Miracle can only be performed by the Buddha."

Das Gegensatzpaar-Wunder wird nur in der nachkanonischen Pâliliteratur berichtet.

"The Twin Miracle is described at DA. [Sumangala Vilâsinî] I. 57, and in very great detail at DhA. [Dhammapdaatthakathâ] III. 204; see also J. [Jâtaka] iv. 263 ff. The DhA. version appears to be entirely different from the Jâtaka version; the latter is very brief and lacks many details, especially regarding Pindola's miracle and the preaching of the Abhidhamma in Tâvatimsa. The account given in Dvy. [Divyâvadâna] (143-66) is again different; the Miracle was evidently repeatedly performed by the Buddha and it is often referred to. The miracle was also performed by the Buddha's relies."

[Malalasekera, G. P. <1899 - >: Dictionary of Pâli proper names. -- Nachdruck der Ausgabe 1938. -- London: Pali Text Society, 1974. -- ISBN 0860132692. -- Vol. 2. -- S. 682f. -- Dort weitere Quellenangaben]

46. Als der Eroberer nämlich auf dem Lager des Eingehens ins vollkommene Erlöschen (mahâparinibbâna) lag, fasste er, der fünf Augen hatte, fünf Entschlüsse.

Die fünf Augen sind:

(Mahâniddesa (Khuddakanikâya) 45; Nal IV/1, 39, 12-15)

  1. 47. Der südliche Zweig des Mahâbodhi-Baums, den Asoka besitzt, soll sich selbst abschneiden und in einen Topf stellen.
  2. 48. Dieser Zweig soll mit seinen Früchten und Blättern die glückverheißenden sechsfarbigen Strahlen senden und so alle Richtungen farbig erstrahlen lassen.
  3. 49. Dieser entzückende Zweig soll mit dem goldenen Topf in eine Schneehülle gehen dort sieben Tage unsichtbar stehen.
  4. 50. Mein rechtes Schlüsselbein soll sich im Thûpârâma in die Luft erheben und das Gegensatzpaar-Wunder bewirken.
  5. 51./52. Meine makellosen Reliquien, ein Dona [ein best. Hohlmaß] voll, in dem Hemamâli-Cetiya [= der große Stûpa, Ruwanaweli-Dagoba, den König Dutthagâmani errichten wird], dem Schmuck Lankâs, eingeschreint, sollen das Aussehen Buddhas annehmen, sich in die Luft erheben, dort stehend das Gegensatzpaar-Wunder bewirken und dann ihren Platz einnehmen.

53. Diese fünf Entschlüsse fasste der zur Wahrheit gelangte. Deswegen vollbrachte diese Reliquie damals jenes Wunder.

54. Als die Reliquie aus der Luft herabstieg, stellte sie sich auf das Haupt des Königs. Überaus glücklich stellte sie der König in den Cetiya.

55. Als die Reliquie in den Cetiya gestellt wurde, gab es ein großes, wunderbares, haarsträubendes Erdbeben.

56. So sind die Buddhas unbegreiflich, unbegreiflich sind Lehren / Gesetzmäßigkeiten der Buddhas, unbegreiflich ist der Lohn derer, die an das Unbegreifliche glauben.

57./58. Als sie dieses Wunder sahen, glaubten die Leute an den Eroberer. Prinz Mattâbhaya, der jüngere Bruder des Königs, glaubte an den Herrn der Weisen, bat den Herrn der Menschen um Erlaubnis und wurde mit 1000 Mannen Novize.

59./60. Und auch aus Cetâvigâma [ein Dorf südlich von Anurâdhapura], aus Dvâramandala [ein Dorf in der Nähe von Mihintale], aus Vihârabîja, aus Gallakapîtha und aus Upatissagâma [nördlich von Anurâdhapura] wurden jeweils 500 glückliche Jungen, die zum Glauben an den zur Wahrheit Gelangten gekommen waren, Novizen.

61. So waren es damals aus der Stadt und vom Land insgesamt 30000 Bhikkhu's, die in der Religion des Eroberers in die Heimlosigkeit gegangen waren.

62. Als der König im Thûpârâma den herrlichen Stûpa errichtet hatte, ließ er ihn ständig mit vielerlei Juwelen und ähnlichem verehren.

63. Die Königsfrauen, die Adeligen, Berater, Städter und die ganze Landbevölkerung verehrten [die Reliquie].

64. Der König ließ dort ein Kloster errichten, wo er als erstes den Stûpa errichtet hatte. Deswegen ist dieses Kloster als Thûpârâma (Kloster des Stûpa) bekannt.

65. So hat der Herr der Welt selbst nach seinem vollkommenen Erlöschen durch seine Leibesreliquie in vollkommener Weise viel zum Heil und Glück der Leute getan. Was soll man da erst sagen über die Zeit, als er lebte!

17.1. Kolophon

Dies ist das siebzehnte Kapitel des Mahâvamsa, der zum Vertrauen und zur Erschütterung der guten Menschen verfasst wurde. Der Titel dieses Kapitels ist "Ankunft der Reliquien".

18. Kapitel 18: Empfang des Mahâbodhi-Baums

1./2./3. Der König erinnerte sich an das Wort des Thera, dass er den Mahâbodhi-Baum-Zweig und die Therî [Sanghamittâ] holen lassen sollte. Als er eines Tages während der Regenzeit in seiner Stadt beim Thera saß, beschloss er nach Beratung mit seinen Beratern, seinen eigenen Schwestersohn, seinen Berater Arittha, mit dieser Aufgabe zu beauftragen, ließ jenen kommen und sprach zu ihm folgende Worte:

4."Mein Lieber, könntest du zu Dhammâsoka gehen und den Mahâbodhi-Baum-Zweig und die Therî Sanghamittâ hierher bringen?"

5. "König, ich kann diese hierher bringen, wenn ich nach meiner Rückkehr Novize werden darf, Ehrfurchtgebieter."

6. Der König stimmte zu und sandte ihn dorthin. Arittha empfing vom Thera und vom König die Anweisungen und nahm Abschied.

7./8. Am zweiten Tag in der hellen Hälfte des Monats Assayuja [7. Monat, entspricht August/September bzw. September/Oktober] reiste er ab, bestieg pflichtbewusst im Hafen Jambukola [Hafen für Anurâdhapura auf Nâgadîpa, heutiges Kankesanturai auf der Jaffna-Halbinsel] ein Schiff, überquerte den Ozean und erreichte, durch die Macht des Entschlusses des Thera, noch am Tag seiner Abfahrt die entzückende Blumenstadt {Pâtaliputta = Patna].

9./10./11. Königin Anulâ [Gattin des jüngeren Bruders von Devânampiyatissa] hatte mit 500 Mädchen und 500 Haremsdamen die zehn Trainingspunkte der Sittlichkeit auf sich genommen, trug das gelbfahle Gewand, beachtete die Ordensregeln und wohnte in Erwartung der Ordination zur Novizin, auf die Therî [Sanghamittâ] wartend, in einem entzückenden Nonnenheim in einem Stadtbezirk. Dieses Nonnenheim hatte der König errichten lassen.

Dasa-sîla n. -- Die zehn Trainingspunkte der Sittlichkeit (* = Asketische Änderung bzw. Erweiterung der Trainingspunkte der Sittlichkeit für einen in der Welt stehenden Laien):

pânâtipâtâ veramanî -- Enthaltung vom Töten von Lebewesen

adinnâdânâ veramanî -- Enthaltung von Stehlen

* abrahmacariyâ veramanî -- Enthaltung von geschlechtlicher Betätigung

musâvâdâ veramanî -- Enthaltung von Lügen

surâ-meraya-majja-ppamada -tthânâ veramanî -- Enthaltung von Rauschgetränken, die Anlass zu Nachlässigkeit sind

* vikâla-bhojanâ veramanî -- Enthaltung von Essen zwischen Mittag und dem nächsten Morgen

* nacca-gîta-vâdita-visûka-dassanâ veramanî -- Enthaltung von Tanz, Gesang, Musik, Unterhaltungs- Veranstaltungen

* mâlâ-gandha-vilepana-dhârana-mandana-vibhûsanatthânâ veramanî -- Enthaltung vom Tragen von Kränzen, von Parfümieren, Schminken, Schmuck und allen Arten des Sich-schön-Machens

* uccâsayana-mahâsayanâ veramanî -- Enthaltung von hohen und großen Betten

* jâta-rûpa-rajata-patiggahanâ veramanî -- Enthaltung vom Entgegennehmen von Gold und Silber (d.h. vom Umgang mit Geld).

12. Da dieses Nonnenheim von diesen Laienanhängerinnen bewohnt wurde, wurde es in Lankâ als Laienanhängerinnenkloster (Upâsikâvihâra) bekannt.

13. Der Schwestersohn Mahârittha überbrachte dem König Dhammâsoka die Botschaft des Königs und er berichtete ihm dann die Botschaft des Thera:

14. "Elefant unter den Königen, die Gattin des Bruders deines königlichen Freundes, wünscht zur Novizin ordiniert zu werden und lebt deshalb asketisch.

15. Entsende die Nonne Sanghamittâ, damit sie jene zur Novizin ordiniere. Gib ihr auch den Südzweig des Mahâbodhibaums mit."

16. Auch der Therî überbrachte er die gleiche Botschaft des Thera. Die Therî ging zu ihrem Vater [Asoka] und erzählte ihm den Wunsch des Thera.

17. Der König antwortete ihr: "Wenn ich dich, meine Liebe, nicht mehr sehe, wie soll ich dann meinen Kummer vertreiben, den die Trennung von Sohn [Mahinda] und Enkel [Sumana, Sohn der Sanghamittâ] mir bereitet?"

18. Sie antwortete: "Großer König, das Wort meines Bruders besitzt großes Gewicht und viele müssen zu Novizinnen ordiniert werden, deshalb muss ich dorthin gehen."

19. Der König überlegte, wie er einen Zweig vom Mahâbodhibaum bekommen könnte, da dieser nicht mit einem Messer geschnitten werden durfte.

20./21. Auf Anraten des Beraters Mahâdeva lud der König die Mönchsgemeinde ein, speiste sie und fragte sie, ob er [einen Zweig des] Mahâbodhibaums nach Lankâ schicken solle. Der Thera Moggaliputta antwortete, dass er ihn senden solle.

22. Er erzählte dem König von den fünf Entschlüssen, die der [Buddha], der fünf Augen hat, gemacht hatte. [siehe oben, Kapitel 17, 46ff.] Als der König das hörte, freute er sich.

Moggaliputta-Tissa war Vorsitzender des 3. Konzils, 308 v. Chr.: "Moggaliputta-Tissa Thera. -- President of the Third Council. In his penultimate birth he was a Brahma, called Tissa, and consented to be born in the world of men at the urgent request of the arahants who held the Second Council, in order to prevent the downfall of the Buddha's religion. He was born in the home of the brahmin Moggali of Pâtaliputta. Siggava and Candavajji had been entrusted with the task of converting him. From the time of Tissa's birth, therefore, for seven years, Siggava went daily to the house of Moggali, but not even one word of welcome did he receive. In the eighth year someone said to him, "Go further on. As he went out he met Moggali, and, on being asked whether he had received anything at his house, he said he had. Moggali inquired at home and the next day charged Siggava with lying. But hearing Siggava's explanation, he was greatly pleased and thereafter constantly offered Siggava hospitality at his house. One day, young Tissa, who was thoroughly proficient in the Vedas, was much annoyed at finding Siggava occupying his seat and spoke to him harshly. But Siggava started to talk to him and asked him a question from the Cittayamaka. Tissa could not answer it, and, in order to learn the Buddha's teachings, he entered the Order under Siggava, becoming a sotâpanna soon after. Siggava instructed him in the Vinaya and Candavajji in the Sutta and Abhidhamma Pitakas. In due course he attained arahantship and became the acknowledged leader of the monks at Pâtaliputta."

[Malalasekera, G. P. <1899 - >: Dictionary of Pâli proper names. -- Nachdruck der Ausgabe 1938. -- London: Pali Text Society, 1974. -- ISBN 0860132692. -- Vol. 2. -- S. 664f.]

23. Der König ließ den sieben Yojana [1 Yojana = Weg, den man mit einem Ochsenjoch pro Tag zurücklegen kann, ca. 11 km, von Pâtaliputta nach Bodh Gaya, dem Standort des Mahâbodhibaums, sind es ca. 104 km Luftlinie, die Entfernungsangabe von 7 Yojana ist also zu klein] langen Weg zum Mahâbodhibaum sorgfältig reinigen und verschiedentlich schmücken.

24./25. Er ließ Gold heranbringen, um daraus einen Topf herzustellen. Vissakamma kam in Gestalt eines Goldschmieds und fragte, wie und wie groß er den Topf machen solle. Ihm wurde geantwortet, dass er selbst die Ausmaße bestimmen und ihn danach anfertigen solle.

Vissakamma (= Sanskrit Vishvakarman) ist ein Gott des Tâvatimsa-Himmels, er ist der Chefarchitekt, Designer und Dekorateur unter den Göttern. Götterkönig Sakka nimmt, wann immer es nötig ist, seine Dienste in Anspruch.

26. Da nahm Vissakamma das Gold und formte es mit seiner Hand in einem Augenblick zu einem Topf und verschwand wieder.

27./28. Der schöne Topf hatte einen Umfang von 9 Hand, war fünf Hand tief, hatte einen Durchmesser von 3 Hand, war acht Finger dick, sein oberer Rand war wie der Rüssel eines jungen Elefanten, sein Glanz war wie der der Morgensonne. Der König nahm diesen Topf.

29./30./31. Er zog mit dem viergliedrigen Heer [d.h. Fußsoldaten, Reiterei, Wagentruppen und Elefantentruppen], das sich über sieben Yojana [1 Yojana = Weg, den man mit einem Ochsenjoch pro Tag zurücklegen kann, ca. 11 km] in der Länge und drei Yojana in der Breite erstreckte, zum Mahâbodhibaum. Dieser war mit vielerlei Schmuck geschmückt, glitzerte von verschiedenen Edelsteinen, trug verschiedene Fähnchengirlanden, war mit verschieden Blüten dicht bestreut und wurde von verschiedenen Musikinstrumenten beschallt. Der König ließ seine Truppen sich um den Mahâbodhibaum aufstellen und ließ einen Vorhang um ihn legen.

"Das verehrungswürdigste Objekt in Bodh Gayâ ist der Bodhi-Baum, unter dem Siddhatha Gotama die Erleuchtung (bodhi) erlangte und zum Buddha wurde. Er lehnt sich direkt an den Tempel an (im Bild links am Tempelturm). Es handelt sich um einen Assattha- oder Pippala-, einen Pappelfeigenbaum (Ficus religiosa), der an Hand seiner charakteristischen Blätter mit der langen Spitze leicht zu identifizieren ist. Er wirft im November/Dezember winzige, einen Zentimeter große Feigen ab.

Nur mangelhaft unterrichtete Besucher Bodh Gayâs halten allerdings den dortigen Pippala für den originalen alten Erleuchtungsbaum. Aufgeklärtere Pilger wissen, dass der Baum in den 25 Jahrhunderten seit der Bodhi des Buddha mehrfach ersetzt worden ist. Das beeinträchtigt nicht ihre Andacht, denn nach buddhistischer Überzeugung ist es nicht der Gegenstand der Verehrung, sondern die innere Haltung des Pilgers, die den Verehrungsakt für ihn kammisch heilsam macht.

Ein Schutzherr des Bodhi-Baums war der buddhistische Kaiser Asoka (Reg. 268-232 v. Chr.). Er errichtete um den Baum einen (nicht erhaltenen) Steinzaun und ließ dem zum Buddhismus übergetretenen König von Ceylon (Lanka) in Anurâdhapura einen Steckling überbringen. Aus diesem erwuchs in der ceylonesischen Königsstadt ein mächtiger Baum, dessen Ableger oder Samen wiederholt dazu gedient haben, den Baum von Bodh Gayâ nach Zerstörungen zu ersetzen.

Das erste Absterben des heiligen Bodhi-Baums von Bodh Gayâ fällt noch in die Zeit Asokas. Aus einem Ableger des Pippala von Anurâdhapura wurde ein neuer Baum gezogen, aber dieser fiel Anfang des 7. Jh. n. Chr. dem Hass des buddhismusfeindlichen Gauda-König Sasânka zum Opfer. Sasânka ließ den Pippala von Bodh Gayâ fällen und seine Wurzeln verbrennen.

Wieder wurde der Baum durch einen aus Ceylon herangebrachten Ableger ersetzt: Er wurde 1876 durch einen Sturm entwurzelt. Ob der heute in Bodh Gayâ stehende Pippala aus einem Spross des gestürzten Baumes oder einem Ableger aus Anurâdhapura erwachsen ist, ließ sich nicht in Erfahrung bringen. Der heutige Baum ist allenfalls ein Enkel, wahrscheinlicher ein Ur- oder Ur-Urenkel des originalen Baumes, unter dem Siddhatha Gotama zum «Buddha» wurde."

[Schumann, Hans Wolfgang <1928 - >: Auf den Spuren des Buddha Gotama: eine Pilgerfahrt zu den historischen Städten. -- Olten [u.a.]: Walter, ©1992. -- ISBN 3-530-79989-0. -- S. 60]

"The Bodhi Tree originally grew a little further to the east of its present position but was moved when the Mahabodhi Temple was built. The present Bodhi Tree was planted in the nineteenth century and is probably a distant descendent of the original tree. Writing in 1892, [Alexander] Cunningham said: »In December 1862 I found this tree very much decayed; one large stem to the westward, with three branches, was still green, but the other branches were bark less and rotten. I next saw the tree in 1871, and again in 1875, when it had become completely decayed, and shortly afterwards in 1876, the only remaining portion of the tree fell over the west wall during a storm, and the Old Pipal Tree was gone. Many seeds, however, had been collected, and young scions of the present tree were already in existence to take its place.«

In 1880, Cunningham dug near the new tree and at a depth of about a meter, he found two pieces of very old wood which he believed were the remains of the Bodhi Tree destroyed by King Sasanka. "

[Dhammika, Shravasti <1951 - >: Middle Land, Middle Way : a pilgrim's guide to Buddha's India. -- Kandy: Buddhist Publication Society, ©1992. -- ISBN 955-24-00953. -- S. 72]

32./33. Tausend Thera's an der Spitze einer großen Mönchsschar sowie 1000 geweihte Könige umgaben den König und den Mahâbodhibaum in rechter Weise. Dann blickte er zum Mahâbodhibaum mit zu Añjali geformten Händen.

34. Am Südzweig des Mahâbodhibaums verschwanden Äste und ließen einen vier Hand langen Stamm frei.

35./36a Als er dieses Wunder sah, jubelte der König froh: "Ich will den Baum ehren, indem ich ihn zum König weihe." Der König weihte den Mahâbodhibaum zum Großkönig.

36b./37a. Er verehrte den Mahâbodhibaum mit Blüten und anderem, ging dreimal mit der rechten Schulter gegen ihn gerichtet um ihn, begrüßte ihn an acht Punkten [Nämlich den Haupthimmelsrichtungen und den Nebenhimmelsrichtungen, acht ist gleichzeitig die Zahl des edlen achtfachen Pfades] mit zu Añjali geformten Händen.

37b./38. Dann ließ er den goldenen Topf auf einem mit Gold bedeckten Sitz aufstellen, der mit verschiedenen Juwelen geschmückt war, den man leicht besteigen konnte, und der die gleiche Höhe wie der Zweig hatte. Dann stieg er auf diesen Sitz, um den allerwertvollsten Zweig zu greifen.

39. Er nahm von einer goldenen Palette Realgar und machte damit auf dem Zweig einen Strich. Dann machte er folgenden Wahrheitszauber:

Realgar = Rauschrot = rote Arsenblende = monoklines, rotes Mineral der chemischen Zusammensetzung AsS (auch As4S4); zerfällt im Sonnenlicht allmählich in gelbes Auripigment (Rauschgelb) und Arsenik. Auripigment = Rauschgelb = Arsentrisulfid As2S3, monoklines Mineral, gelb, durchscheinend. Realgar wurde zum Schminken und als Heilmittel verwendet (Achtung: das Zerfallprodukt Arsenik ist hochgiftig!). Realgarvorkommen sind selten.

Wahrheitszauber: der Glaube an die Zaubermacht der Wahrheit ist im alten Indien und auch im Buddhismus eine Grundannahme.

40./41. "Wenn der breite Bodhi-Baum von hier nach Lankâ gehen soll, wenn ich keinerlei unterschiedliche Meinung zur Religion des Buddha habe, dann soll dieser schöne südliche Zweig des Mahâbodhibaums sich von selbst abschneiden und hier in den goldenen Topf stellen."

42. Der Mahâbodhizweig schnitt sich selbst an der Stelle der Realgarmarkierung ab und stellte sich über den Topf, der mit wohlriechender Erde gefüllt war.

43. Der König zog oberhalb der ersten Markierung im Abstand von je drei Fingern rund herum zehn Markierungen mit Realgar.

44. Aus den ersten Markierungen entsprangen zehn feste Wurzeln aus den übrigen Markierungen aber je zehn kleinere Wurzeln und sie wuchsen netzförmig nach unten.

45. Als er dieses Wunder sah, war der König überaus erfreut und er und sein ganzes Gefolge brachen in eine laute Akklamation aus.

46. Die Mönchsgemeinde rief zufriedenen Herzens "gut (sâdhu)". Von überall winkte man mit Tausenden von Tüchern.

47. So setzte sich der Mahâbodhizweig selbst mit hundert Wurzeln dort in die wohlriechende Erde und brachte viele Leute zum Glauben.

48./49. Sein Stamm war 10 Hand, fünf entzückende Äste, je vier Hand lang, geschmückt mit fünf Früchten, und auf diesen Ästen waren 1000 Zweigchen. So war der entzückende und herrliche Mahâbodhibaum.

50. Als sich der Mahâbodhibaum in den Topf pflanzte, bebte die Erde und es geschahen verschiedenerlei Wunder.

51./52. Bei Menschen und Göttern erschallten von selbst Musikinstrumente, Scharen niederer und höherer Götter riefen "gut (sâdhu)", Wolken, Wildtiere und Vögel, Yakkha und ähnliche lärmten, das Erdbeben machte Lärm -- so war ein einziger Riesenlärm.

53. Von den Früchten und Blättern des Bodhibaums gingen schöne Strahlen in den sechs Farben aus und ließen das ganze Universum erstrahlen.

54. Der Mahâbodhibaum erhob sich mit dem Topf in die Luft und stand sieben Tage unsichtbar in einer Schneehülle.

55. Der König stieg vom Sitz herunter, weilte dort sieben Tage lang und vollzog ständig vielfältige Verehrung des Mahâbodhibaums.

56. Als die sieben Tage vorüber waren, traten alle Schneewolken und alle Strahlen in den Mahâbodhibaum.

57. In der klaren Luft wurde der entzückende Mahâbodhibaum, in dem Topf stehend, der ganzen großen Menschenmenge gezeigt.

58. Während vielerlei Wunderbares geschah, stieg der Mahâbodhibaum zur Verwunderung der Menschen auf die Erde herab.

59. Erfreut über die vielen Wunder ehrte der große König diesen [Ableger des] Mahâbodhibaum indem er ihn zum Großkönig weihte.

60. Nachdem er den Mahâbodhibaum zum Großkönig geweiht hatte, weilte er weitere sieben Tage dort und verehrte den Baum mit verschiedenen Ehrungen.

61./62. In der hellen Hälfte des Monats Assayuja [7. Monat, entspricht August/September bzw. September/Oktober], am Vollmond- und Uposatha-Tag, empfing er den Mahâbodhibaum. zwei Wochen später, in der dunklen Hälfte des Monats Assayuja, am 14. Tag, dem Uposatha-Tag [d.h. am Neumondtag], stellte der Wagenstier [König] den Mahâbodhibaum auf einen schönen Wagen.

63. Er brachte ihn mit Ehrerweisung am selben Tag in seine Stadt [Pâtaliputta = Patna]. Er ließ einen schönen Pavillon errichten und schmücken.

64./65a. Am ersten Tag der hellen Hälfte des Monats Kattika [8. Monat, entspricht September/Oktober bzw. Oktober/November] ließ er den Mahâbodhibaum an den Fuß eines großen Sal-Baums [Shorea robusta] im Osten stellen und veranstaltete täglich viele Verehrungen.

65b./66. Am 17. Tag nach dem Empfang [des Mahâbodhizweigs] entstanden an ihm auf einmal neue Schösslinge. Deswegen ehrte der König zufrieden den Mahâbodhibaum nochmals mit der Königsweihe.

68. Nachdem der Herr der Menschen ihn, den Mahâbodhibaum, zum Großkönig geweiht hatte, vollzog er verschiedenartige Verehrung des Mahâbodhibaums.

68. So hat in der Blumenstadt die große, strahlende und herausragende Verehrung des breiten Bodhibaums, bei der überall vielerlei wunderschöne Fahnen wehten, die Herzen der Götter und Menschen geöffnet wie die Sonne [Lotusblüten] auf einem See.

18.1. Kolophon

Dies ist das achtzehnte Kapitel des Mahâvamsa, der zum Vertrauen und zur Erschütterung der guten Menschen verfasst wurde. Der Titel dieses Kapitels ist "Empfang des Mahâbodhi-Baums".

19. Kapitel 19: Ankunft des Bodhi-Baums

1./2./3. Der Wagenstier [König] bestimmte zur Hut über den Mahâbodhibaum 18 Personen aus königlichen Familien, 8 Personen aus Familien von königlichen Beratern, 8 Personen aus Brahmanenfamilien, 8 Personen aus Kaufmannsfamilien, Personen von Familien der Rinderhirten, der Taraccha ("Hyänen") und der Kulinga ("Sperber"), von den Webern, den Töpfern, von allen Zünften, von Nâga [Kobragottheiten] und Yakkha [Vgl. Kapitel 1].

4. Der Ehrfurcht Gebietende gab ihnen je acht Töpfe aus Gold und aus Silber. Dann brachte der König den Mahâbodhibaum auf ein Schiff auf dem Ganges.

5. Auch die große Therî Sanghamittâ [seine Tochter] mit elf Nonnen ließ er das Schiff besteigen, ebenso Arittha [Schwestersohn des Devânampiyatissa, Leiter der Delegation zu Asoka] und sie Seinen.

6. Der König verließ dann die Stadt [Pâtaliputta], durchquerte den Viñjha-Wald und erreichte nach sieben Tagen Tâmalitti [heute Tamluk, West Bengal].

7. Während die Götter, Nâga und Menschen den Mahâbodhibaum mit allerhöchsten Ehrungen verehrten, kamen auch sie [auf dem Flussweg] nach sieben Tagen [in Tâmalitti] an.

8. Der König ließ den Mahâbodhibaum an den Strand des großen Ozeans stellen und verehrte ihn nochmals, indem er ihn zum großen König weihte.

9./10./11. Als der Wunscherfüller den Mahâbodhibaum zum großen König geweiht hatte, am ersten Tag der hellen Hälfte des Monats Maggasira [9. Monat, entspricht Oktober/November bzw. November/Dezember], ließ er ihn von denselben jeweils acht Personen aus Familien von hoher Herkunft hochheben, die er am Fuß des Sal-Baums [Shorea robusta] beauftragt hatte, ihn hochzuheben. Dann ging er dort ins Wasser bis es ihm zum Hals reichte und ließ den Mahâbodhibaum gut auf das [Ozean-]Schiff stellen.

12. Er ließ die große Therî [Sanghamittâ] mit den anderen Therî's das Schiff besteigen und sprach dann zum Chefberater [des Devânampiyatissa] Mahârittha folgende Worte:

13. Ich habe den Mahâbodhibaum dreimal dadurch geehrt, dass ich ihn zum König weihte, ebenso soll mein Gefährte, der König [Devânampiyatissa] ihn durch die Königsweihe ehren."

14. Nach diesen Worten stand der große König am Strand mit zu Añjali geformten Händen und vergoss Tränen als er sah, wie der Mahâbodhibaum wegfuhr.

15. "Ach, da geht der Mahâbodhibaum des Besitzers der zehn Kräfte [eines Buddha], ein Netz von Sonnenstrahlen aussendend."

Die zehn Kräfte eines Buddha:

  1. thânâthâna-ñâna n. -- Erkenntnis, was möglich und was unmöglich ist
  2. vipâka-ñâna n. -- Erkenntnis der Reifung von Kamma in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft mit Möglichkeiten und Ursachen
  3. sabbatthagâminî-patipadâ-ñâna n. -- Erkenntnis, wohin jeder Weg führt
  4. nânâ-dhâtu-ñâna n. -- Erkenntnis der Welt mit ihren Elementen
  5. nânâdhimuttika-ñâna n. -- Erkenntnis der verschiedenen Neigungen der Wesen
  6. indriya-paro-pariyatti-ñâna n. -- Erkenntnis der Fähigkeiten anderer Wesen
  7. jhânâdi-sa°nkilesa-ñâna n. -- Erkenntnis der Versenkungszustände (jhâna n.), Befreiungen (vimokkha m.), Zustände der Sammlung (samâdhi m.) mit ihren Befleckungen, ihrer Reinigung und Entstehung
  8. pubbe-nivâsânussati-ñâna n. -- Erinnerung an frühere Geburten
  9. cutûpapâta-ñâna n. -- Erkenntnis des Vergehens und Entstehens der Wesen im Sa.msâra
  10. âsava-kkhaya-ñâna n. -- Erkenntnis, dass die Triebe (âsava) verschwunden sind.

(Mahâsîhanâdasutta: Majjhimanikâya I, 69 - 71)

siehe auch: Nâgârjuna: La traité de la grande vertu de sagesse (Mahâprajñâpâramitâ`sâstra) / [Trad. par] Étienne Lamotte. -- Tome III. -- p. 1505 - 1566.

16. Wegen der Trennung vom Mahâbodhibaum kehrte Dhammâsoka bekümmert [sa-soka, Wortspiel zu a-soka], weinend und klagend in seine Stadt [Pâtaliputta] zurück.

17. Das Schiff mit dem Mahâbodhibaum stach in See. Rundherum im Umkreis von einem Yojana [ca. 11 km] wurde die See wogenlos still.

18. Lotusse in fünf Farben blühten rund herum [um das Schiff], in der Luft ertönten viele Musikinstrumente.

19. Viele Gottheiten vollzogen vielerlei Verehrungen. Nâga's [Kobragottheiten, hier Seeschlangengottheiten] vollbrachten magische Verwandlungen, um den Mahâbodhibaum zu bekommen.

20. Die große Therî Sanghamittâ, die alle höheren Geisteskräfte [abhiññâ] erlangt hatte, nahm die Gestalt eines Adlers an und versetzte die großen Schlangen in Schrecken.

Die 6 abhiññâ f. -- höheren Geisteskräfte sind:

iddhi-vidhâ f. -- die verschiedenen Fähigkeiten außergewöhnlicher Macht (iddhi):

dibba-sota -- das himmlische Ohr: Fähigkeit himmlische und menschliche Töne zu hören, ferne und nahe

parassa ceto-pariyañâna n. -- das Durchschauen der Herzen anderer: Erkennen des Bewusstseins anderer, ob gierbehaftet usw.

pubbe-nivâsânussati f. -- Erinnerung an frühere eigene Daseinsformen

dibba-cakkhu n. -- das himmlische Auge: man sieht wie andere Wesen vergehen und wiederentstehen

âsava-kkhaya-ñâna n. -- Wissen um die eigene Triebversiegung

Sanghâmitta nutzt also ihre vikuppanâ iddhi, die Macht der Verwandlung.

21. Erschrocken baten die großen Schlangen die große Therî um den Mahâbodhibaum und brachten ihn ins Schlangenreich.

22. Sieben Tage verehrten sie ihn mit der Weihe zum Nâgakönig und verschiedenen anderen Ehrungen. Dann brachten sie ihn zurück und stellten ihn auf das Schiff.

23a. Noch am gleichen Tag kam der Mahâbodhibaum hier [in Lankâ] in Jambukola [Hafen für Anurâdhapura, heutiges Kankesanturai auf der Jaffna-Halbinsel auf Nâgadîpa, der Jaffna-Halbinsel] an.

23b./24./25. König Devânampiyatissa, auf das Heil der Welt bedacht, hatte zuvor vom Novizen Sumana über die Ankunft gehört. Er ließ vom ersten Tag des Monats Maggasira [9. Monat, entspricht Oktober/November bzw. November/Dezember] an voll Ehrfurcht die ganze Hauptstraße vom Nordtor [Anurâdhapura's] bis Jambukola [heutiges Kankesanturai auf der Jaffna-Halbinsel] in Erwartung des Mahâbodhibaums schmücken.

26. An der Stelle des [späteren] Samuddapannasâlâ stand er am Ozean und sah durch die Wundermacht der Therî den Mahâbodhibaum herankommen.

27. Die Halle, die an dieser Stelle errichtet wurde, um dieses Wunder bekannt zu machen, war hier unter dem Namen Samuddapannasâlâ bekannt.

28. Durch die Macht des großen Thera [Mahinda] kam der König mit seinem Heer zusammen mit den Thera's noch am selben Tag nach Jambukola [heutiges Kankesanturai auf der Jaffna-Halbinsel].

29. Aus Freude über das Kommen des Mahâbodhibaums rief der Schöne einen begeisterten Vers und ging bis zum Hals ins Wasser.

30./31./32. Zusammen mit 16 Personen aus guter Familie nahm er den Mahâbodhibaum auf sein Haupt, setzte ihn am Strand ab und ließ ihn in einen schönen Pavillon stellen. Dann verehrte ihn der Herr Lankâ's indem er ihn zum König über Lankâ weihte. Der Herr der Menschen übertrug den 16 Personen aus guten Familien seine Regierungsgeschäfte, stellte sich selbst an die Stelle des Türhüters und ließ dort drei Tage lang verschiedenerlei Verehrung vollziehen.

33./34. Am zehnten Tag ließ er den Mahâbodhibaum auf einen schönen Wagen stellen. Der Herr der Menschen brachte den Herrn der Bäume. Er, der gute Plätze erkannte, ließ ihn an die Stelle des [späteren] Westklosters stellen. Dann veranstaltete er für den Orden und die Leute ein Morgenmahl.

35. Dort erzählte der große Thera Mahinda dem König vollständig die Bezähmung der Nâga durch den zehn Kräfte Besitzenden [Buddha].

Das bezieht sich auf Buddhas Besuch in Nâgadîpa, d.h. der Jaffna-Halbinsel, siehe oben I, 44 - 70

36. Als der König das hörte, ließ er Gedenkmonumente überall an den Stellen errichten, die der Lehrer [Buddha] besucht hatte und dort sich hingesetzt hatte oder dergleichen.

37./38. Der König ließ den Bodhibaum am Ortseingang des Dorfes des Brahmanen Tivakka abstellen, ebenso an vielen Stellen am Weg. Der Weg war mit weißem Sand bestreut, mit verschiedensten Blüten bedeckt, mit Fahnen überspannt, mit Blumengirlanden geschmückt.

39. Der König verehrte den Mahâbodhibaum Tag und Nacht ohne Unterlass und brachte ihn am 14. Tag in die Nähe von Anurâdhapura.

40. Als die Schatten lang wurden [d.h. am Spätnachmittag] brachte er ihn unter ständigen Ehrerbietungen durch das Nordtor in die wohlgeschmückte Stadt.

41. Durch das Südtor führte er ihn in das Mahâmeghavanakloster, das vier Buddhas beehrt hatten [siehe oben, Kapitel 15, 55 - 172].

42. Dort ließ der König den Mahâbodhibaum zu der entzückenden Stelle, an der die früheren Bodhibäume [der drei früheren Buddhas] gestanden hatten und die auf Anweisung Sumana's gut vorbereitet worden war, bringen.

43. Der König hob den Mahâbodhibaum herunter, gemeinsam mit den 16 Personen aus guten Familien, die königlichen Schmuck trugen. Dann ließ er ihn los, um ihn hin zu stellen.

44. Kaum hatte er ihn losgelassen, erhob sich der Baum 80 Ratana [ein Längenmaß = 12 Finger] in die Luft, blieb stehen und sandte reine Strahlen in sechs Farben aus.

45. Diese entzückenden Strahlen breiteten sich über die Insel aus und reichten bis zur Brahmawelt. Sie blieben bis Sonnenuntergang.

46. 10000 Menschen wurden bei diesem Wunder voll Vertrauen, bekamen Durchblick durch die Wirklichkeit, erreichten Arahantschaft und traten in den Orden ein.

47. Bei Sonnenuntergang stieg der Mahâbodhibaum [aus der Luft] herab und stellte sich auf die Erde unter der Gestirnskonstellation Rohinî. Da bebte die Erde.

48. Die Wurzeln [des Mahâbodhibaums] traten aus dem Topf oben heraus, umschlossen den Topf und wuchsen in die Erde.

49. Das Volk, das von überall her zusammengekommen war, verehrte den Mahâbodhibaum, der Wurzel gefasst hatte, mit Geruchsopfern, Girlanden und dergleichen Opfern.

50. Eine große Wolke brach in Regen aus, von allen Seiten verbargen kalte, dichte vom Himâlaya stammende Wolken den Mahâbodhibaum.

51. Sieben Tage lang war der Mahâbodhibaum in dieser Schneewolke unsichtbar und erzeugte dadurch Glauben beim Volk.

52. Nach sieben Tagen vergingen alle Wolken und der Mahâbodhibaum und die Strahlen in sechs Farben wurden sichtbar.

53. Der große Thera Mahinda und die Nonne Sanghamittâ kamen mit ihrem Gefolge dorthin, ebenso der König mit seinem Gefolge.

54./55. Die Khattiya's [Fürsten] von Kâjaraggâma [heute Kataragama, ein berühmter Wallfahrtsort zu Gott Skanda], die Khattiya's von Candanaggâma, der Brahmane Tivakka und die Bewohner der Insel kamen sehnsüchtig nach dem Mahâbodhibaum hierher durch die Macht der Götter. In dieser großen Versammlung, die über das Wunder verwundert war, kam am Ostzweig, während sie zuschauten eine reife, unverletzte Frucht hervor. Der Thera hob sie auf, als sie herunterfiel, und gab sie dem König, damit er sie pflanze.

57. Der Herrscher pflanzte sie in einen goldenen Topf, der voll war von mit Geruchsstoffen vermischter Erde und der dort stand, wo [jetzt] das Mahâ-âsana ist.

58. Während alle zuschauten, wuchsen acht Sprosse heraus und wurden zu acht Hand großen Bodhibäumchen.

59. Als der König diese Bodhibäumchen sah, verehrte er sie verwundert mit einem weißen Schirm und weihte sie zu Königen.

60./61./62. Von den acht Bodhischößlingen pflanzte man

  1. eines im Hafen Jambukola [heutiges Kankesanturai auf der Jaffna-Halbinsel], dort, wo der Mahâbodhibaum gestanden hatte nachdem er vom Schiff gekommen war,
  2. eines im Dorf des Brahmanen Tivakka,
  3. eines im Thûparâma,
  4. eines im Issarasamanârâma,
  5. eines in im Hof um den ersten Cetiya (Stûpa),
  6. eines im Cetiyaberg-Kloster [Mihintale],
  7. eines in Kâjaragâma [Katargama],
  8. eines in Candanagâma.

63. Die übrigen 32 Bodhischößlinge, die aus vier [weiteren] Früchten wuchsen, [pflanzte man] im Umkreis von einem Yojana [ca. 11 km] überall in den Klöstern.

64./65. Als nun, zum Heil der Bewohner der Insel, der Mahâbodhibaum, der Herr der Bäume, durch die Kraft des vollkommenen Buddha gepflanzt worden war, wurden Anulâ und ihr Gefolge Novizinnen bei der Therî Sanghamittâ und erreichten Arahantschaft.

66. Der Fürst Arittha mit seinem 500 Gefolgsleuten trat beim Thera in den Orden ein und erreichte Arahantschaft.

67. Die acht Personen aus der Kaufmannsgilde, die den Mahâbodhibaum hierher gebracht hatten, werden deswegen "Familien der Bodhibaumbringer" genannt.

68. Im Nonnenheim, das als Upâsikâvihâra bekannt ist, wohnte die große Therî Sanghâmittâ mit ihrem Sangha.

69./70. Sie ließ dort 12 Gebäude errichten, von denen drei Gebäude herausragten:

  1. in einem großen Gebäude ließ sie den Mastbaum des Schiffes aufbewahren, das mit dem Mahâbodhibaum gekommen war,
  2. in einem Gebäude ließ sie das Ruder [dieses Schiffes aufbewahren],
  3. in einem Gebäude das Steuerruder.

Nach diesen [Gegenständen] sind diese [Gebäude] benannt.

71. Auch als andere Nikâya's entstanden, wurden diese zwölf Gebäude immer von den Hatthâlhaka-Nonnen [d.h. den Nonnen aus dem Elefantenpfosten-Kloster, s. das Folgende] benutzt.

72./73. Der Glückselefant des Königs, der herumlief wie es ihm gefiel, machte bei seinem Weidegang auf der einen Seite der Stadt in einer kühlen Höhle, an der Grenze eines Kadambablumen-Dickichts [Nauclea bzw. Adina cordifolia] Halt. Da man wusste, dass es dem Elefanten dort gefiel, machte man ihm dort einen Elefantenpfahl [um ihn nachts daran anzubinden].

74. Eines Tages nahm der Elefant keinen Bissen zu sich. Der König fragte den Thera, der die Insel bekehrt hatte, was der Elefant wolle.

75. Der große Thera sagte dem König, dass der Elefant wolle, dass im Kadambablumendickicht ein Stûpa errichtet werde.

76. Immer auf das Heil des Volkes bedacht, ließ der König dort schnell einen Stûpa mit Reliquien sowie ein Stûpagebäude erbauen.

77. Die große Therî Sanghamittâ wünschte sich ein leeres Gebäude, da das Kloster, in dem sie wohnte, überbelegt war.

78. Bedacht auf das Wachstum der Religion und das Heil der Nonnen, schaute sie sich nach einem anderen Nonnenheim um.

79. Deshalb ging sie zum [genannten] schönen Stûpagebäude, das angenehm einsam lag, und die Reine, die klug war in der Wahl von Aufenthaltsorten, verbrachte dort den Tag.

80./81./82. Der König ging zum Nonnenheim, um die Therî zu begrüßen. Dort hörte er, dass sie gegangen sei. Er folgte ihr, begrüßte sie und tauschte mit ihr Höflichkeiten aus. Als er vom Wunsch hörte, der sie bewegt hatte dorthin zu gehen, da ließ der weise, der Wünsche kundige große König Devânampiyatissa um das Stûpagebäude herum ein liebliches Nonnenheim erbauen.

83. Weil das Nonnenheim in der Nähe des Elefantenpfostens (Hatthâlhaka) erbaut wurde, wurde es unter dem Namen Elefantenpfostenkloster (Hatthâlhakavihâra) bekannt.

84. Die große Therî Sanghamittâ, die freundliche Geistesgröße, ließ sich in diesem lieblichen Nonnenheim nieder.

85. Der Mahâbodhibaum, der Herrscher der Bäume, der mit vielerlei Wunderbarem verbunden ist, stand lange Zeit auf der Insel Lankâ, im entzückenden Mahâmegha-Hain und bewirkte so Heil für die Leute auf Lankâ, Wachstum der Religion.

19.1. Kolophon

Dies ist das neunzehnte Kapitel des Mahâvamsa, der zum Vertrauen und zur Erschütterung der guten Menschen verfasst wurde. Der Titel dieses Kapitels ist "Ankunft des Bodhi-Baums".

20. Kapitel 20: Mahinda's vollkommenes Erlöschen

20.1. Das Schicksal des Mahâbodhibaums in Bodh Gaya und Asokas Tod

1. Im 18. Jahr [247 v. Chr.] [der Herrschaft] des Königs Dhammâsoka [regierte nach Theravâdatradition 264 - 227] pflanzte sich der Mahâbodhibaum im Mahâmeghavana-Kloster.

2. Im 12. Jahr danach [236 v. Chr.] starb die, diesem König liebe, dem vollkommenen Buddha ergebene Königin Asandhimittâ.

3. Im vierten Jahr [233 v. Chr.] darauf machte König Asoka die falsche Tissarakkhâ zur Königin.

4./5. Im dritten Jahr [230 v. Chr.] darauf geriet diese törichte Schönheit in Zorn, weil der König dem Mahâbodhibaum ergebener war als ihr. Deshalb tötete sie zu ihrem eigenen Schaden den Mahâbodhibaum mit einem Mandu-Dorn [ich kann die Mandu-Pflanze nicht identifizieren].

6. Im vierten Jahr darauf [227 v. Chr.] kam der ruhmreiche Dhammâsoka unter die Macht der Unbeständigkeit [d.h. starb]. Dies sind insgesamt 37 Jahre [der Herrschaft].

20.2. Devânampiyatissa's Verdienste um den Buddhismus

7./8. Als König Devânampiyatissa, der die Vorzüge der Buddhalehre liebte, die Bauarbeiten im Mahâvihâra, auf dem Cetiyaberg [Mihintale] und im Thûpârâma angemessen zu Ende gebracht hatte, fragte er den Thera [Mahinda], der die Insel bekehrt hatte und der die Antwort auf Fragen wusste:

9. "Ehrwürden, ich werde hier sehr viele Klöster erbauen lassen. Wie bekomme ich Reliquien, um sie in den Stûpas zu platzieren?"

10. "König, es gibt hier auf dem Cetiyaberg [Mihintale] Reliquien, mit denen Sumana den Almosentopf des vollkommenen Buddha gefüllt hat und die er hierher gebracht hat und hier aufbewahrt hat. [siehe oben, Kapitel 17, 18ff.]

11. Bringe diese Reliquien auf einem Elefanten hierher." Gemäß dieser Anweisung des Thera brachte er die Reliquien.

12. Er ließ im Abstand von jeweils einem Yojana [ca. 11 km] Klöster errichten und ließ dort die Reliquien in würdiger Form in den Stûpas aufbewahren.

13. Den Almosentopf, aus dem der vollkommene Buddha gegessen hatte, bewahrte der König im schönen Schatzhaus und verehrte ihn ständig mit unterschiedlichsten Ehrungen.

14. An der Stelle, wo die fünfhundert Adeligen (issara) wohnten nach ihrem Eintritt in den Orden beim großen Thera, entstand das Issarasamanaka [heute Issaramuniya (Issurumuniya) Vihâra].

15. An der Stelle, wo fünfhundert Vaischya [vessa, Angehörige des dritten Standes, des Nährstandes] wohnten nach ihrem Eintritt in den Orden beim großen Thera, entstand Vessagiri [Vaischyaberg].

16. Die Höhle, in der der große Thera Mahinda im Bergkloster [Mihintale] wohnte, nannte man Mahindaguhâ [Mahindahöhle].

17./18./19./20./21./22./23./24./25.

Zuerst das Mahâvihâra,

zweitens das Cetiya genannte,

drittens das schöne Thûpârâma, das vor dem Stûpa erbaut wurde,

viertens die Pflanzung des Mahâbodhibaums,

fünftens die Errichtung des schönen Steinpfeilers, der die Stelle für den zu errichtenden Stûpa bezeichnete, an der Stelle des [späteren] großen Stûpa,

sechstens Issarasamana,

siebtens Tissavâpi [Tissa-Stausee],

achtens der erste Stûpa,

neuntens das Vessa[giri] genannte [Kloster],

das Upâsika[-Nonnenkloster] und das Hatthâlhaka[-Nonnenkloster], diese zwei Nonnenheime, mit dem was nötig ist zum Wohlbefinden der Nonnen,

zur Entgegennahme des Essens durch den Mönchsorden, wenn er zum Nonnenheim Hatthâlaka kommt, den schönen, leicht bedienbaren Speisesaal Mahâpâli, ausgestattet mit allem Nötigen und mit Bedienung,

ebenso eine jährliche herausragende Gabe der zum Mönchsleben nötigen Dinge [Kleidung, Speise, Medizin, Wohnung] an 1000 Mönche zu Pavâranâ [Pavâranâ = Rechtsakt und Zeremonie am Ende der Regenzeitsesshaftigkeit],

das Jambukola-Kloster im Hafen auf Nâgadîpa,

das Tissa-Großkloster,

das Ostkloster.

26./27. All dies ließ Devânampiyatissa, der verdienstvolle und weise, das Gute liebende Herrscher Lankâs, dem das Heil der Leute Lankâs am Herzen lag, schon im ersten Jahr errichten. Sein ganzes Leben lang häufte er viele verdienstvolle Werke auf.

28. Unter der Herrschaft dieses Königs gedieh diese Insel. Der König regierte 40 Jahre [247 - 207 v. Chr.].

20.3. Mahinda's völliges Erlöschen und Bestattung

29. Nach seinem [Devânampiyatissa's] Tod regierte, da er keinen Sohn hatte, sein jüngerer Bruder, Prinz Uttiya [regierte von 207 - 197 v. Chr.] gut.

30./31./32./33. Der große Thera Mahinda erlöschte vollständig am 8. Tag der hellen Hälfte des Monats Assayuja [7. Monat, entspricht August/September bzw. September/Oktober] in der 60. Regenszeit seines Ordenslebens [d.h. im 80. Lebensjahr, da er mit 20 Mönch wurde], im achten glorreichen Jahr Uttiya's [d.h. 200 v. Chr.] während er die Regenzeit auf dem Cetiyaberg [Mihintale] verbrachte. Deswegen erhielt dieser Tag seinen [Mahinda's] Namen. Mahinda hatte die unübertreffliche Religion des Eroberers, das Studium, die Praxis und die Durchdringung auf der Insel leuchten lassen. Er war die Leuchte / rettende Insel Lankâ's, der große Scharführer, er hat gleichsam als der Lehrer [Buddha] für Lankâ großes Heil für die Leute bewirkt.

34. Als König Uttiya vom Erlöschen des Mahinda hörte, ging er, vom Pfeil des Kummers getroffen, zum Thera und grüßte und beweinte ihn immer wieder.

35./36a. Er ließ den Leib des Thera schnell in einen goldenen Trog, der mit Duftöl besprengt war legen. Den gut verschlossenen Trog ließ er in einen geschmückten Spitzkatafalk [d.h. einen Katafalk mit Giebeldach oder Spitzdach] stellen.

36b./37./38./39. Er ließ den Leichnam mit dem Katafalk hochheben, ließ gute Unterhaltung veranstalten und ließ ihn von den großen Volksmassen, die von überall her kamen, sowie von einer großen Heeresmasse protokollgemäß verehren und ließ ihn auf dem geschmückten Weg in die sehr geschmückte Stadt [Anurâdhapura] überführen. In der Stadt ließ er ihn auf der Hauptstraße herumführen und brachte ihn dann zum Mahâvihâra. Dort ließ der König den Katafalk auf der Panhamba-Terrasse für sieben Tage aufstellen.

40./41. Aufgrund königlicher Gewalt war das Kloster und ein Umkreis von drei Yojana [ca. 33 km] mit Triumphbögen, Fahnen, Blüten und mit Töpfen voll Duftstoffen geschmückt. Die ganze Insel aber war aufgrund der Macht der Götter ebenso geschmückt.

42./43./44a. Der König ließ während dieser sieben Tage verschiedene Ehrungen vollziehen. Er ließ im Osten, auf der Bandha-Terrasse der Thera's einen duftenden Scheiterhaufen aufrichten. Er ließ den entzückenden Katafalk im Uhrzeigersinn (padakkhina) um den (späteren) großen Thûpa dorthin [zum Scheiterhaufen] bringen, ließ ihn auf den Scheiterhaufen setzen und erwies ihm die letzte Ehre [d.h. die Zeremonie der Verbrennung].

44b. Er ließ die Reliquien sammeln und ließ dort einen Cetiya errichten.

45. Die Hälfte der Reliquien nahm der Fürst und ließ für sie auf dem Cetiyaberg [Mihintale = Mahinda's Platz] und in allen Klöstern Stûpas erbauen.

46. Der Ort, wo der Leib des Weisen (isi) niedergelegt wurde, wird ehrfurchtsvoll Isibhûmangana [Platz des Weisen] genannt.

47. Seit damals bringt man die Leichname von Edlen [d.h. Heiligen, Erlösten] aus einem Umkreis von drei Yojana [ca. 33 km] an diese Stelle und verbrennt sie hier.

20.4. Sanghamittâ's völliges Erlöschen und Bestattung

48. Die große Therî Sanghamittâ, die die übernatürlichen Kräfte besaß, die überaus großmütige und weise, verrichtete ihre religiösen Aufgaben und bewirkte viel Heilsames für die Leute.

49./50. Im neunten Jahr des Königs Uttiya [199 v. Chr.], in ihrem 59. Ordensjahr erlöschte sie vollkommen, als sie im Hatthâlhaka-Nonnenheim weilte. Der König ließ auch für sie, wie für den Thera, höchste Ehrungszeremonien vollziehen.

51./52. Wie für den Thera war ganz Lankâ geschmückt. Der in einem Spitzkatafalk aufgebahrte Leib der Therî wurde nach sieben Tagen aus der Stadt herausgebracht. Der König ließ die Verbrennung vornehmen auf dem von der Therî gewählten Ort östlich des Thûpârâma in der Nähe des Cittasâlâ im Angesicht des Mahâbodhibaums. Auch dort ließ der großmütige Uttiya einen Stûpa errichten.

20.5. Alle sind dem Tode unterworfen

54./55./56. Auch die fünf großen Theras [die mit Mahinda gekommen waren] sowie die von Arittha angeführten [500] Theras [siehe oben Kapitel 19,66] sowie viele tausend Mönche, deren karmaschaffende Einflüsse geschwunden waren [d.h. die vollkommen erlöst waren] und ebenso Sanghamittâ und die elf Nonnen [siehe oben, Kapitel 19,5] sowie viele tausend Nonnen, deren karmaschaffende Einflüsse geschwunden waren, gelehrte und sehr weise Personen erklärten die Überlieferung des Eroberers, den Vinaya usw., und kamen zu ihrem Zeitpunkt unter die Macht der Unbeständigkeit [d.h. starben].

57. König Uttiya herrschte zehn Jahre lang. So vernichtet die Unbeständigkeit die ganze Welt.

58. Ein Mann, der diese überwältigende, übermächtige, unentrinnbare Unbeständigkeit erkennt und nicht überdrüssig, des zu Existenz Führenden überdrüssig wird oder überdrüssig, nicht an Bösem keinen Gefallen und an Gutem nicht Gefallen findet, so jemand ist trotz seiner Erkenntnis verblendet. Das ist die Macht des Netzes der Überverblendung.

20.6. Kolophon

Dies ist das zwanzigste Kapitel des Mahâvamsa, der zum Vertrauen und zur Erschütterung der guten Menschen verfasst wurde. Der Titel dieses Kapitels ist "Mahinda's vollkommenes Erlöschen".

20.7. Anhang: Das jährliche Fest des Gedenkens an Mahinda

"In the reign of king Meghavanna [309 - 322 n. Chr.] (during whose reign the Tooth-relic was brought to Ceylon), a new festival was inaugurated in honour of the Thera Mahinda. He had a life-size image of the Thera made of gold and took it to Mihintale where a great alms-giving was organized in honour of the occasion. From Anuradhapura to Mihintale the road was beautifully decorated. Two days after that, in a mammoth procession of monks and laymen led by the king himself, the image was taken to a Vihara built by the king in Sotthiyakara near the eastern gate of the city which was beautifully decorated for the occasion. For three days the image was kept there and then taken in procession through the city to the Mahavihara and was exhibited in the courtyard of the Maha-Bodhi for three days in order to be venerated by the masses. Ultimately, the image was lodged in a house specially, built near the royal palace. Endowments were made for the maintenance of the place and the keeping of the festival, which the king decreed should be held annually by all succeeding kings. In the course of time it appears that this festival did not receive much attention but it has recently been revived. Along with it a Sangamitta festival too lias been revived and is now held annually."

[de Silva, L. A.: Buddhism: beliefs and practices in Sri Lanka. -- Colombo: Selbstverlag, 1974. -- S. 161]


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