Itivuttakam 70 - 79

Itivuttakam 70 - 79 - [Pali Version]

70./71. Selbst gesehen - 1-2. Micchādiṭṭhika, Sammādiṭṭhika Sutta

Selbst gesehen habe ich Wesen mit schlechtem Wandel in Werken Worten und Gedanken, Tadler der Edlen, mit falscher Ansicht, in ihrem Handeln von falscher Ansicht bestimmt - wie sie bei Zerfall des Leibes, nach dem Tode auf den Abweg, auf schlechte Fährte, ins Verderben, zur Hölle hinab gelangten. Und nicht weil ich es von einem andern Asketen oder Priester gehört habe, sag ich das: was ich vielmehr selber erkannt, selber gesehen, selber erfahren habe, davon nur sag ich dieses.

 

Wer falsch den Geist gerichtet hat,
wer falsche Worte äußerte,
wer falsche Taten hat getan
mit seinem Leibe hier als Mensch,
 
wer nichts erfahr'n, wer ohn' Verdienst
gewirkt im kurzen Leben hier,
Unweiser, bei Zerfall des Leibs
gelangt er wohl zur Hölle hin.

 

Selbst gesehen habe ich Wesen von gutem Wandel in Werken, Worten und Gedanken, keine Tadler der Edlen, mit rechter Ansicht, in ihrem Handeln von rechter Ansicht bestimmt - wie sie bei Zerfall des Leibes, nach dem Tode auf gute Fährte, in himmlische Welt gelangten.

 

Wer recht den Geist gerichtet hat,
wer rechte Worte äußerte,
wer rechte Taten hat getan
mit seinem Leibe hier als Mensch,
 
wer viel erfuhr, wer viel Verdienst
gewirkt im kurzen Leben hier,
ein Weiser, bei Zerfall des Leibs
gelangt er wohl zum Himmel hin.

72. Entrinnen - 3. Nissaraṇiya Sutta

Diese drei Arten des Entrinnens gibt es. Welche drei? Das Entrinnen aus den Begierden - das ist Entsagung. Das Entrinnen aus den Formen - das ist Formlosigkeit. Was da irgend geworden, zusammengesetzt, bedingt entstanden ist, das Entrinnen daraus - das ist Auflösung. (= D 34 III) Das sind die drei Entrinnungen.

 

Kennt man Entrinnung aus Begier,
und geht man über Form hinaus,
hat man Sankhārā all gestillt,
bei allem Unermüdlicher,
 
der heißt ein Mönch, der recht gesehn:
der also dabei wird erlöst,
vollendet ist sein Überblick,
er ist ein Denker ohne Joch.

(Vers 2 = It 53 u. 85)


73. Formen - 4. Santatara Sutta

Stiller als die Formen sind Nichtformen. Stiller als Nichtformen ist die Auflösung.

 

Die Wesen, die zur Form gelangt,
die Wesen, die nicht-formhaft sind,
Auflösung wer da nicht erkannt,
der geht erneut zu weit'rem Sein.
 
Doch die da Formen recht durchschaut,
die auch bei Nichtform stehen nicht,
die bei der Auflösung erlöst,
die lassen hinter sich den Tod.

(= Sn 755 = It 51 m. Ä.)

 

Die Artung "Todlos" wer erfährt,
leibhaftig, von Bezügen frei,
Bezüge lassend gänzlich los,
verwirklicht das, was trieblos ist,
die Stätte kummer-, makellos,
wie sie Erwachter aufgezeigt.

(= It 51)


74. Eltern und Kinder - 5. Putta Sutta

Diese drei Kinder trifft man in der Welt. Welche drei? Das die Eltern übertreffende, das ebenbürtige, das von den Eltern übertroffene Kind.

Und wie übertrifft ein Kind die Eltern? Da hat ein Kind Eltern, die keine Zuflucht zum Erwachten, zur Lehre, zur Jüngerschaft genommen haben und die nicht abstehen von Töten, Stehlen, Ausschweifung, Lüge, Berauschung, die eben tugendlos schlecht sind. Die haben nun ein Kind, das Zuflucht zum Erwachten, zur Lehre, zur Jüngerschaft genommen hat und das absteht von Töten, Stehlen, Ausschweifung, Lüge, Berauschung, das eben tugendhaft gut ist. So übertrifft also ein Kind seine Eltern.

Und wie ist ein Kind ebenbürtig? Da hat ein Kind Eltern, die die dreifache Zuflucht genommen haben, die die 5 Tugenden halten, die eben tugendhaft gut sind. Die haben nun ein Kind, das ebenfalls so ist. So ist ein Kind ebenbürtig.

Und wie wird ein Kind von seinen Eltern übertroffen? Da hat ein Kind Eltern, die die dreifache Zuflucht genommen haben, die die 5 Tugenden halten, die eben tugendhaft gut sind. Die haben nun ein Kind, das nicht diese Zuflucht genommen hat, nicht Tugenden hält, eben tugendlos schlecht ist. So wird ein Kind von den Eltern übertroffen.

 

Ein Kind, das übertrifft, das gleich,
das wünschen wohl die Weisen sich,
nicht wünschen sie, was niedrer ist,
was die Familie da verdirbt.
 
Die Kinder, die da Jünger sind,
die gläubig und die tugendhaft;
freigebig geizlos glänzen sie
im Volk, wie Mond in Wolkennacht.

75. Regen - 6. Avuṭṭhika Sutta

Diese drei Personen trifft man in der Welt. Welche drei? Die gleichsam regenlose, die begrenzt regnende, die allenthalben regnende Person.

Wie ist eine Person gleichsam regenlos? Da gibt eine Person niemandem etwas, keinem Asketen und Priester, keinem Armen, Wanderer und Bettler, gibt nichts an Speis und Trank, Kleid und Wagen, Kränzen, Wohlgerüchen, Salben, Bett, Unterkunft und Licht. So ist eine Person gleichsam regenlos.

Wie ist eine Person begrenzt regnend? Da gibt eine Person einigen, anderen aber nicht. So ist eine Person begrenzt regnend.

Wie ist eine Person allenthalben regnend? Da gibt eine Person allen Asketen und Priestern, Armen, Wanderern und Bettlern, gibt Speis und Trank, Kleid und Wagen, Kränze, Wohlgerüche, Salben, Bett, Unterkunft und Licht. So ist eine Person allenthalben regnend.

Diese drei Personen trifft man in der Welt.

 

Asketen nicht und Priestern nicht,
nicht Armem und nicht Wandersmann
teilt aus er das, was er besitzt
an Speis und Trank und anderem:
der also gleichsam regenlos,
den schlechten Menschen nennt man ihn.
 
An einige, da gibt er nichts,
an andere, da spendet er:
Ein Regnender auf ein Gebiet,
so nennen ihn, die einsichtsvoll.
 
Der Mensch, der allen etwas gibt,
der aller Wesen nimmt sich an,
der läßt voll Freude streuen aus,
und "Gebet, gebet" ruft er aus.
 
Wie Wolke donnernd strömt herab
und Regen allenthalben gibt
und Berg und Tal mit Naß erquickt:
so ist hienieden solch ein Mann.

(s. A V/31)

 
Nachdem auf rechte Weise er
Besitz mit Fleiß erworben hat,
befriedigt er mit Speis und Trank
auf rechte Weise Wanderer.

76. Das Glück - 7. Sukhapatthanā Sutta

Drei Arten von Glück erstrebend möge der Weise Tugend bewahren. Welche drei?

"Lob möge mir zukommen", dabei möge der Weise Tugend bewahren. "Reichtum möge mir entstehen", dabei möge der Weise Tugend bewahren. "Beim Zerfall des Leibes, nach dem Tode möchte ich auf gute Fährte, in himmlische Welt gelangen", dabei möge der Weise Tugend bewahren.

Diese drei Arten von Glück erstrebend, möge der Weise Tugend bewahren.

 

Die Tugend wahre Einsicht'ger,
wenn er drei Arten Glück erstrebt:
das Lob, erlangen Reichtum auch
und nach dem Tode Himmelsfreud'.
 
Wenn er nicht selber Böses tut,
doch einen Übeltäter ehrt,
verdächtigt man des Bösen ihn,
und Tadel da verbreitet sich.
 
Mit wem man hier die Freundschaft pflegt
und wem man Ehre auch erweist,
dasselbe wird man dadurch bald:
Gemeinsam leben wirket so.
 
Wie giftger Pfeil befeuchtiget
den unbestrichnen Köcher schnell,
so wirket sich der Umgang aus,
denn die Berührung macht berührt:
Wer die Gefahr von Einfluß kennt,
der wähle schlechte Freunde nicht.
 
Wenn faulen Fisch in Kusagras
ein Mann auch wickelt völlig ein,
da riecht die Hülle faulig bald:
so ist's mit dem, der Toren folgt.
 
Wenn Sandel mit Palāsalaub
ein Mann da wickelt völlig ein,
da duften bald die Blätter schön:
so ist's mit dem, der Klugen folgt.
 
So mög der Weise also da
den Blatt-inhalt beziehn auf sich
und Schlechten nicht ergeben sein,
den Guten nur sich wenden zu:
Die Schlechten leiten höllenwärts,
die Guten auf den guten Weg.

(Verse außer 1: J 503)


77. Zerbrechlichkeit - 8. Bhidura Sutta

Dieser Körper ist zerbrechlich und das Viññānam unterliegt dem Gesetz des Verblassens: alle Bezüge sind unbeständig, leidig, dem Wechsel unterworfen.

 

Den Leib als brechlich wer erkennt,
Viññānam als Verblassendes,
Bezüge wer gefährlich sieht:
Geburt und Tod versteht er dann.
Wer höchste Stille hat erwirkt,
entfaltet, wartet ab die Zeit.

78. Je nach ihrer Art - 9. Dhātusosaṃsandana Sutta

Je nach ihrer Art verbinden und vereinigen sich die Wesen mit anderen Wesen: niedrig geneigte Wesen verbinden und vereinigen sich mit niedrig geneigten, trefflich geneigte Wesen verbinden und vereinigen sich mit trefflich geneigten. Auch in der Vergangenheit haben sich je nach ihrer Art Wesen mit Wesen verbunden und vereinigt. Und auch in der Zukunft werden sich je nach ihrer Art Wesen mit Wesen verbinden und vereinigen. Und auch in der Gegenwart verbinden und vereinigen sich je nach ihrer Art Wesen mit Wesen.

 

Anschließen bringt den Wald hervor,
und Nichtanschließen holzt ihn ab:
Gleichwie man scheitert auf der See,
nach morschem Holze hascht, versinkt,
versinkt ein frommer guter Mann,
wenn er mit Trägem Umgang hat.
 
Darum umgehe, meide ihn,
den Trägen, der da kleinen Muts:
 
Mit Edlen, Abgeschiedenen,
in Schauung selig selbstversenkt,
energisch immer voller Kraft
mit Weisen leb zusammen man.
 
(alles ohne die beiden Zweizeiler = S 14.16;
alle Verse = Thag 147/8 = Thag 265/6)

79. Rückschritt - 10. Parihāna Sutta

Drei Dinge lassen den übenden Mönch zurückfallen. Welche drei? Da ist der übende Mönch an Tätigkeit erfreut, ist der Tätigkeit froh, ist an die Freude an Tätigkeit angejocht; ist am Reden erfreut, ist des Redens froh, ist an die Freude am Reden angejocht; ist am Schlafen erfreut, ist des Schlafens froh, ist der Freude am Schlafen angejocht. Diese drei Dinge lassen den übenden Mönch zurückfallen.

 

Drei Dinge führen dazu, daß der übende Mönch nicht zurückfällt. Welche drei? Da ist der übende Mönch nicht an Tätigkeit, Reden und Schlafen erfreut, ist nicht daran froh, der Freude daran nicht angejocht. Diese drei Dinge führen dazu, daß der übende Mönch nicht zurückfällt.

 

Wer Taten liebt, wer Reden liebt,
wer Schlafen liebt, wer rastlos ist:
ein solcher Mönch ist fähig nicht,
Erwachung, höchste, zu erfahrn.
 
Darum hab wenig Pflichten man,
sei wenig schläfrig, rastlos nicht:
ein solcher Mönch ist fähig wohl,
Erwachung, höchste, zu erfahrn.

(Z. 3/4 = It 80)


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