23 Bhojajaniya-Jataka

Jātakam, Wiedergeburtsgeschichten

23. Die Erzählung von dem edlen Rosse Bhojā (Bhojājānīya-Jātaka)

„Auch wenn ich auf der Seite lieg“

 

§A. Dies erzählte der Meister, da er im Jetavana verweilte, mit Beziehung auf einen Mönch, der in seinem Streben nachgelassen hatte. Zu der Zeit redete der Meister diesen Mönch an und sprach: „Ihr Mönche, in früherer Zeit betätigten die Weisen auch in ungünstiger Lage ihr Streben; und auch wenn sie eine Wunde erhalten hatten, ließen sie nicht nach.“ Und nach diesen Worten erzählte er folgende Geschichte aus der Vergangenheit.

 

§B. Als ehedem Brahmadatta zu Benares regierte, hatte der Bodhisattva in der berühmten Bhojā-Familie der Sindhu-Rosse seine Wiedergeburt genommen und war das mit allem Schmuck gezierte Leibross des Königs von Benares. Er fraß aus einer goldenen Schüssel, hunderttausend an Wert, dreijährige Reisspeise von höchstem Wohlgeschmack und stand auf einem mit vierfachen Wohlgerüchen besprengten Boden. Diese Stelle war umgeben mit roten Zelttüchern, darüber war ein mit goldenen Sternen geschmückter Tuchbaldachin; sie war geziert mit duftenden Kränzen und Girlanden und eine Lampe mit wohlriechendem Öl brannte dort immer. —

Es gibt aber keine Könige, die das Reich von Benares nicht erstreben. Zu einer Zeit umlagerten sieben Könige Benares und schickten dem Könige von Benares einen Brief mit dem Inhalt, er solle ihnen sein Reich geben oder mit ihnen kämpfen. Der König ließ seine Minister zusammenkommen, erklärte ihnen den Sachverhalt und fragte: „Freunde, was sollen wir da tun?“ Sie antworteten: „Herr, Ihr sollt nicht jetzt zuerst zum Kampf gehen, sondern schickt den Ritter so und so und lasst ihn kämpfen; wenn er es nicht kann, werden wir weiter sehen.“ Der König ließ ihn kommen und sprach: „Wirst du im Stande sein, Freund, mit den sieben Königen zu kämpfen?“ Er erwiderte: „Herr, wenn ich dein edles Bhojā-Sindhu-Ross bekomme, so sollen die sieben Könige nur kommen; dann werde ich im Stande sein, mit den Königen auf dem ganzen Jambu-Erdteil zu kämpfen.“ Darauf sprach der König: „Freund, mein edles Bhojā-Sindhu-Ross mag es sein oder ein anderes; nimm, welches du willst, und kämpfe!“ Jener versetzte: „Gut, Herr“, grüßte den König und stieg vom Palaste hinunter.

Dann ließ er sich das edle Bhojā-Sindhu-Ross holen und wappnete es wohl; er selbst rüstete sich mit voller Rüstung, gürtete sich sein Schwert um und verließ, auf dem Rücken des Sindhu-Rosses sitzend, die Stadt. Wie ein Blitz einherfahrend durchbrach er das erste Heerlager, nahm einen König gefangen, brachte ihn in die Stadt und übergab ihn der Besatzung. Dann ging er wieder, durchbrach das zweite Heerlager, das dritte usw. Nachdem er so fünf Könige gefangen genommen und das sechste Heerlager durchbrochen hatte, empfing das edle Bhojā-Ross, als er den sechsten König gefangen nahm, eine Wunde. Das Blut strömte heraus und es bekam gewaltige Schmerzen. Als der Ritter merkte, dass es verwundet sei, ließ er das edle Bhojā-Sindhu-Ross an der Türe des Königs sich niederlegen, nahm ihm die Rüstung ab und begann, ein andres Pferd zu wappnen.

Da schlug der Bodhisattva, in ganzer Länge auf der Seite liegend, die Augen auf; und als er den Ritter sah, dachte er: „Dieser wappnet ein andres Pferd und dieses Pferd wird nicht im Stande sein, das siebente Heerlager zu durchbrechen und den siebenten König gefangen zu nehmen. Die von mir getane Arbeit wird verloren gehen, auch der unvergleichliche Ritter wird zugrunde gehen, der König wird in die Gewalt seiner Feinde kommen. Außer mir ist ja kein andres Ross im Stande, das siebente Heerlager zu durchbrechen und den siebenten König gefangen zu nehmen.“ Und daliegend rief er den Ritter herbei und sprach: „Lieber Ritter, außer mir ist kein andres Ross im Stande, das siebente Heerlager zu durchbrechen und den siebenten König gefangen zu nehmen. Ich möchte aber die von mir getane Arbeit nicht zugrunde gehen lassen; deshalb lasse mich aufstehen und wappne mich!“ Und nach diesen Worte sprach er folgende Strophe:

§1. „Auch wenn ich auf der Seite lieg,
mit Wunden ganz bedeckt auch bin,
doch kann ich mehr als sonst ein Pferd;
drum wappne mich nur, Reitersmann.“

Der Ritter hieß den Bodhisattva aufstehen, verband ihm seine Wunde und wappnete ihn wieder vollständig. Dann setzte er sich auf seinen Rücken, durchbrach das siebente Heerlager, nahm den siebenten König gefangen und übergab ihn dem Heere des Königs. Auch den Bodhisattva führten sie zur Türe des Königs. Der König kam, um ihn zu sehen. Da sprach das große Wesen zum Könige: „O Großkönig, tötet nicht die sieben Könige, sondern lasst sie ein Unterpfand geben und entlasst sie dann. Die Ehre, die mir und dem Ritter zukommt, erweist nur dem Ritter; denn es ist nicht recht, einen Krieger, der sieben Könige gefangen genommen und Euch gegeben hat, herunterzusetzen. Ihr aber gebt Almosen, bewahret die Gebote, führet die Regierung in Gerechtigkeit und Recht.“ Nachdem so der Bodhisattva dem König eine Ermahnung gegeben hatte, löste man ihm die Rüstung. Als nun seine Rüstung Stück für Stück abfiel, verschied er. Der König vollzog an seinem Leichnam die Bestattungsfeierlichkeiten und verlieh dem Ritter große Ehren; die sieben Könige entließ er wieder in ihr Land, nachdem er sie Unterpfänder hatte geben lassen, dass sie es nicht wieder tun würden. Nachdem er dann in Gerechtigkeit und Recht seine Regierung geführt hatte, kam er am Ende seines Lebens an den Ort seiner Verdienste.

 

§A2. Dann sprach der Meister: „So haben, ihr Mönche, in früherer Zeit die Weisen auch an einem ungünstigen Orte ihr Streben betätigt; und obwohl sie eine solche Wunde erhielten, ließen sie nicht nach. Du aber, der du in dieser zum Heile führenden Lehre Mönch geworden, warum lässt du in deinem Streben nach?“ Darauf verkündete er die vier Wahrheiten. Am Ende der Verkündigung der Wahrheiten gelangte der Mönch zur Frucht der Heiligkeit. —

 

§C. Nachdem nun der Meister die Lehrunterweisung beendigt hatte, stellte er die gegenseitigen Beziehungen fest und verband das Jātaka mit den Worten: „Damals war Ānanda der König, der Ritter war Sāriputta, das edle Bhojā-Sindhu-Ross aber war ich.“

Ende der Erzählung von dem edlen Bhojā-Rosse


  Oben zeilen.gif (1054 bytes)