286 Saluka-Jataka

Jātakam, Wiedergeburtsgeschichten

286. Die Erzählung von Saluka (Saluka-Jātaka) [1]

„Beneide nicht den Saluka“

 

§A. Dies erzählte der Meister, da er im Jetavana verweilte, mit Beziehung auf die Verführung durch ein törichtes Mädchen.

§D. Dies wird in der kleinen Erzählung von Naradakassapa [2] erzählt werden.

Als aber der Meister den Mönch fragte: „Ist es wahr, o Mönch, dass du unzufrieden bist?“, versetzte dieser: „So ist es, Herr.“ Als der Meister weiter fragte: „Wer hat dich unzufrieden gemacht?“ erwiderte er: „Ein törichtes Mädchen.“ Darauf sprach der Meister: „Dies Mädchen fügt dir Schaden zu, o Mönch. Auch früher schon warst du ihr, als eine Gesellschaft kam, um ihre Vermählung zu feiern, der beste Leckerbissen.“ Nach diesen Worten erzählte er auf die Bitte der Mönche folgende Begebenheit aus der Vergangenheit.

 

§B. Als ehedem zu Benares Brahmadatta regierte, war der Bodhisattva ein Ochse, „der Große Rote“ [2a] mit Namen. Sein jüngerer Bruder aber hieß „der Kleine Rote“ [2b]. Die beiden taten in einem Dorfe in einer Familie ihre Arbeit. In dieser Familie befand sich eine erwachsene Tochter, die von einer anderen Familie zur Frau erwählt wurde. Die erste Familie nun dachte: „Zur Zeit der Hochzeit wird er einen vorzüglichen Leckerbissen abgeben“, und zog einen Eber mit Namen Saluka mit Reisschleim und Reisbrei auf; sein Lager war unter dem Bette.

Eines Tages sagte nun der Kleine Rote zu seinem Bruder: „Brüderchen, wir verrichten in diesem Hause die Arbeit; durch uns lebt diese Familie. Diese Leute aber geben uns nur Gras und Stroh; diesen Eber dagegen ernähren sie mit Reisschleim und Reisbrei und lassen ihn unter dem Bette schlafen. Was wird ihnen dieser tun können?“ Der Große Rote erwiderte: „Lieber, begehre nicht nach dem Reisschleim und Reisbrei von jenem! Am Hochzeitstag des Mädchens aber wollen sie ihn zum besten Leckerbissen machen und darum nähren sie ihn so, damit sein Fleisch fett wird. Sieh ihn nur nach ein paar Tagen an, wie er unter dem Bett hervorgezogen, getötet und in kleine Stücke zerschnitten wird, und wie man aus ihm ein Mahl für die ankommenden Gäste bereitet.“ Nach diesen Worten begann er die folgenden beiden ersten Strophen zu sprechen:

§1. „Beneide nicht den Saluka;

die Speise, die er frisst, macht krank.

Verzehr genügsam deine Spreu;

dies bürgt für langes Leben dir.

 

§2. Jetzt wird ein Gast bald hierher kommen,

vereint mit seiner Diener Schar;

dann wirst du den Saluka sehen,

wie er vom Hieb der Keule fällt.“

Als einige Tage darauf die Hochzeitsgäste kamen, tötete man den Saluka und bereitete ihn zu einem köstlichen Mahle. Da aber die beiden Ochsen sein Los bemerkten, dachten sie: „Unsere Spreu ist doch besser.“

Nachdem der Meister völlig erleuchtet geworden, fügte er, um die Sache zu erläutern, folgende dritte Strophe hinzu:

§3. Als den verwöhnten Eber sie

unter der Keule fallen sahen,

da dachten sich die alten Ochsen:

„Für uns ist besser doch die Spreu.“ —

 

§C. Nachdem der Meister diese Lehrunterweisung beschlossen und die Wahrheiten verkündigt hatte, verband er das Jātaka mit folgenden Worten (am Ende der Verkündigung von den Wahrheiten aber gelangte jener Mönch zur Frucht der Bekehrung): „Das damalige törichte Mädchen war auch das jetzige törichte Mädchen, Saluka war der unzufriedene Mönch, der Kleine Rote war Ānanda, der Große Rote aber war ich.“

Ende der Erzählung von Saluka


[1] Vgl. das 30. Jātaka, das z. T. wörtlich mit dem vorliegenden übereinstimmt.

[2] Das Culla-Naradakassapa-Jātaka ist Nr. 477.

[2a] Auf Pali: „Mahalohita“.

[2b] Auf Pali: „Cullalohita“.


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