III

PETA-VATTHU

Buch III

III,4: Die Spreu

In einem Dorf bei Sāvatthī lebte ein Händler, der seinen Lebensunterhalt durch Betrug verdiente. Mit falschem Maß und Gewicht verfälschte er den Reis, den er verkaufte, indem er das Gewicht durch Beimischung von Erde und Spreu erhöhte. Sein Sohn war darüber aufgebracht und dachte: "Er handelt nicht ehrlich gegenüber meinen Freunden und Gönnern, die in unser Haus kommen." Erbost über das Unrecht des Vaters gab er seiner Mutter eines Tages einen heftigen Schlag mit einem ledernen Joch auf den Kopf. Seine Frau, also die Schwiegertochter des Händlers, stahl sich öfter Fleisch, das Gemeinbesitz des Dorfes war, und aß es selber. Zur Rede gestellt von den Dörflern, schwor sie einen Meineid: "Wenn ich jenes Fleisch gegessen haben sollte, dann will ich im nächsten Leben das Fleisch meines eigenen Rückens verzehren." Die Frau des Händlers leugnete gegenüber Bettlern, daß etwas zu essen im Hause sei usw. Wenn jene aber nicht nachließen, dann schwor sie ebenfalls einen Meineid: "Wenn etwas von dem da sein sollte, von dem ich gesagt habe, es sei nicht da, dann will ich mich im nächsten Leben von Exkrementen nähren."

Nachdem diese vier Personen gestorben waren, fanden sie sich als Petas wiedervereint, und zwar in den Vindhya Bergen. Der Vater nahm immer brennendes Stroh (Spreu) und streute es über seinen Kopf und erlitt so großen Schmerz. Der Sohn zersplitterte seinen Kopf mit eisernen Hämmern und erlebte dadurch unermeßlichen Schmerz. Die Schwiegertochter kratzte sich mit langen, scharfen Nägeln Fleisch vom Rücken und verschlang es gierig. Die Frau des Händlers erlebte immer wieder, daß ihr ein köstliches Mahl von gesichtetem Reis gereicht wurde. Wenn sie aber zugriff, dann verwandelte es sich in faulen, stinkenden Kot, in dem vielfältige Würmer wimmelten. Sie aber griff gierig mit beiden Händen danach und schluckte alles, wobei sie großen Schmerz empfand.
Auf einer Wanderung sah Mahāmoggallāno diese Petas:
 

(446)
Moggallāno:
Die Spreu vom Reis der eine, andrer andres,
und diese Frau ihr eigen Fleisch verzehrt,
du aber stinkend widerlichen Dung.
Wofür ist dieses alles denn die Reife?
 
(447)
Ehefrau:
Der da, der einst verletzte mich, die Mutter,
mein Mann, der war als Kaufmann ein Betrüger,
und die vom eigenen Fleische lebt, die Schwiegertochter,
die war ein böses Lügenmaul gewesen.
 
(448)
Ich aber, als ich einstmals Mensch gewesen,
war eine Hausfrau, Oberhaupt der Sippe.
Vor Reinen ich verbarg mein Gut,
damit ich nichts zu geben braucht.
 
(449)
Mit Lügenworten täuschte ich:
"In diesem Hause gibt es nichts,
doch wenn ich was verborgen hätt,
dann möchte Dung ernähren mich."
 
 (450)
Als Reife dieser Wirkensart
und dieser Lügenworte auch,
verwandelte in Dung sich hier
mein Reis, der so wohl schmeckend war.
 
(451)
Die Werke sind nicht wirkungslos,
die Taten werden nicht zu nichts.
Ich esse und ich trinke nun,
was übelriecht, mit Würmern, Kot.

Bemerkungen:

Für diese "Viererbande" ist die Ernte ein genaues Spiegelbild der Saat. Diese "saubere" Familie mißbrauchte genau die vier Kräfte: Vertrauen, Tatkraft, Achtsamkeit, Ruhe. Die Mutter glaubte nur ans Geld, traute nur dem Sichtbaren und hatte kein Vertrauen in Saat und Ernte über den Tod hinaus und kein Vertrauen in Asketen, die zum Heil strebten. Der Sohn mißbrauchte seine Tatkraft, um seine Mutter gewaltsam zu behandeln. Der Vater mißbrauchte seine Achtsamkeit, um mit schlauen Tricks zu betrügen. Die Schwiegertochter verschaffte sich Ruhe durch falsche Angaben.


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