IV

PETA-VATTHU

Buch IV

IV,4: Revatī

Identisch mit Vimāna-vatthu 52, hier Verse 712 - 736. Ohne Grund hier wiederholt, obwohl gar kein Peta vorkommt.


IV,5: Das Zuckerrohr

(737)
Peta:
Ein ganzer Wald von Zuckerrohr erschienen
für mich ist; nicht wenig an Verdienst als Frucht,
doch für mich zum Genuß nicht das geringste.
O zeig mir, Herr, wovon ist das die Reife?
 
(738)
Gequält bin ich, ich werd verzehrt, muß mühn mich,
daß ich zu essen irgend etwas finde,
bin abgeschnitten von mir selbst, erbärmlich
stöhn ich: Für welche Tat ist das die Reife?
 
(739)
Ich plag mich ab und falle auf die Erde nieder,
ich trockne aus, so wie ein Fisch in Hitze,
ich weine so, daß bittre Tränen rollen.
O zeig mir, Herr, wovon ist das die Reife?
 
(740)
Bin hungrig sehr, erschöpft und schrecklich durstig,
ich zittre, finde weder Glück noch Wohlsein.
Ich frage dich, o Herr, was ist der Sinn da,
wie nur erlang ich, Zuckerrohr zu essen?
 
(741)
Mahāmoggallāno:
Als Mensch du warst, in deinem letzten Leben,
da tatst du eine Tat zu deinen Gunsten.
Den Sinn davon, den werd ich dir erklären,
hör zu mir, und du wirst alsbald verstehen:
 
(742)
Einst wandelst du, und Zuckerrohr aßt du dabei.
Da hinter dir kam noch ein Mann geschritten.
Er sagte dir, daß er sich was erhoffte,
doch du hast keines Wortes ihn gewürdigt.
 
(743)
Obwohl du dich geweigert, was zu sagen,
hat er gebeten: "Herr, gib Zuckerrohr mir!"
Da gabst du ihm, jedoch gabst du's von hinten.
Entsprechend ist die Reife deines Wirkens.
 
(744)
Schau: greife nur ein Zuckerrohr von hinten.
Hast du's ergriffen, dann kannst du's auch essen,
und dadurch wirst befriedigt du dann werden,
beglückt, erhoben und erfüllt von Freude.
 
(745)
Sprecher:
Er ging und nahm das Zuckerrohr von hinten.
Mit seinen Händen aß er es, zu seinem Nutzen.
So war er denn geworden ganz befriedigt,
beglückt, erhoben und erfüllt von Freude.

Bemerkungen:

Das einzig Schlechte, das von diesem Mann berichtet wird, ist, daß er einem Bettler keine Antwort gab. Darin dürfte Verachtung und Rücksichtslosigkeit liegen. Diese Haltung des Verweigerns scheint aber seine Lebensgewohnheit gewesen zu sein. Solch egoistische Knickerigkeit führt aber direkt zur Gespensterwelt, wo umgekehrt man selber Verweigern erlebt. Die Welt verweigert sich, und man leidet Hunger und Durst, wie man es anderen bereitete.

Weil er aber schließlich doch etwas gegeben hatte, sich überwunden hatte, Erbarmen gezeigt hatte, zeigt sich ihm eine ganze Plantage von Zuckerrohr, ein Wald an Süßem. Aber: er kann es noch nicht nutzen, kann nichts davon essen, leidet Tantalusqualen. Erst als er sich selber demütigt und es von hinten nimmt, wie Moggallāno es ihm riet, da kann er sich sättigen und ist beglückt.

Die Rahmengeschichte fügt noch hinzu, daß der Mann Moggallāno ein ganzes Bündel Zuckerrohr schenkte. Der brachte es zum Buddha. Dieser und die Mönche aßen davon. Infolge dieser guten Tat kam der Mann im nächsten Dasein aus der Petawelt nicht nur zu den Großkönigen, sondern zu den Göttern der Dreiunddreißig.

Vers 738 c: Chinn'ātumo (abgeschnitten von sich selbst), Gehmann: "I am wellnighdead" mit FN:"Lit. (I have) a cut-self". Aber Jayawickrama und die Ausgabe Masefields haben die v.l. chinna-thāmo = "my strength gone"(Wtl.: abgeschnitten die Durchhaltekraft).

Die Rahmenerzählung gibt einen Bericht, der in den Versen keinen Anhalt hat: Der Mann in 742 hätte ein Kind bei sich gehabt, das nach dem Zuckerrohr gierte. Der Mann sprach darauf den anderen an. Der schwieg aber aus bösem Willen. Der Mann zeigte auf das Kind und sagte, daß es heftig weine, weil es kein Zuckerrohr bekomme. Der andere wollte das nicht länger hören und warf verächtlich ein Stück Zuckerrohr hinter sich.


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