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PETA-VATTHU

Nachwort

7. Lakkhana-Samyutta

S 19, 1 -21 = Pj IV,9 1 - 3

Es ist sinnvoll, daß im Pv die Peta-Schilderungen aus S 19 nicht noch einmal wiederholt werden. Bei der Beschreibung der Petas sind sie aber unerläßlich. Der Inhalt ist:

Moggallāno ging mit seinem Ordensbruder Lakkhano vom Geierkulm nach Rājagaham um Almosen. Beim Abstieg zeigte Moggallāno ein Lächeln. Lakkhano fragte nach dem Grund. Jener erwiderte, er möge ihm diese Frage vor dem Buddha stellen, zu dem sie anschließend gingen. Dort antwortete Moggallāno, er habe 21 verschiedene Petas leiden sehen. Der Buddha erklärt dann jedesmal, aus welchem Grund die Petas noch leiden, nachdem sie zunächst in der Hölle gelitten hatten. Nyānaponika übersetzt nur die Nr. 1 und sagt:
"Die folgenden Sutten 2 - 16 enthalten, genau im Aufbau des vorhergehenden Textes andere, dem Ehrwürdigen Mahā-Moggallāna zugeschriebene Visionen, die jedoch meist so grotesk und abstoßend sind, daß auf ihre Wiedergabe verzichtet wurde."

Den Berichten, außer Nr. 11 u. 12, ist gemeinsam, daß die Petas durch die Luft fliegen und ihrem Leiden zu entfliehen suchen (vergeblich). Sie geben, außer Nr. 11 u. 12, Schmerzensschreie von sich, sind höllennahe Petas. Vier Arten von Leidenssituationen werden geschildert:


1. Weitaus die meisten Petas werden von Raubvögeln (Geiern, Krähen, Adler) gejagt, die sie anfallen, picken, zerren und auseinanderreißen. Außer diesem gemeinsamen und allgemeinen Leiden haben sie noch spezielle Leiden zu erdulden, die zu ihrem bösen Wirken passen:

Mord und Totschlag ist in sechs Fällen die Ursache für die Wiedergeburt als Peta:


2. Nicht von Wesen, sondern von haarfeinen Waffen gejagt und gepeinigt werden die Petas in fünf Fällen: Schwerter verfolgen einen Schweineschlachter, Messer einen Jäger, Pfeile einen Blutrichter, Nadeln einen grausamen Tierbändiger (5 - 8). Ein Denunziant (Informant) erlebt, daß die Nadeln ihm in den Kopfeindringen, dann in Mund, Brust, Bauch, Fuß, also durch und durch, so gründlich, wie er Übles anderer anzeigte (9).


3. Von Feuer gepeinigt werden böse Ordensangehörige, ihnen brennt die Robe, die Schale, der Körper, nämlich Mönch, Nonne, Übende, Novize, Novizin (17 - 21).


4. Die letzte Gruppe ist die einzige, die nicht durch die Luft fliegt und keine Schmerzensschreie ausstößt, und zwar weil sie anders, sprachlos, leiden: Ein Mann, der die Ehefrauen anderer verführte, steckt kopfüber in einer Jauchegrube, daher stumm (11). Ein Brahmane, der den Orden verhöhnte, indem er Kot in die Almosenschale füllte, muß mit beiden Händen in Kot wühlen und ihn essen, weshalb sein Mund voll ist(12).

Die meisten Fälle sind solche des Tötens (1- 8, 15 - 16). Ausschweifung (11, 13) dürfte auch bei den Ordensmitgliedern der Grund sein (17 - 21). Redeweisen sind: Hintertragen (9), Lügen (10, 14) und die Verhöhnung beim Kotgeben (12).

Der Grund, warum diese Wesen zunächst lange in die Hölle kamen, dürfte in der Intensität ihres üblen Wirkens liegen, denn die Untugend war bei ihnen meist ihr Beruf. Sie vollführten böse Taten oder Worte nicht nur einmal oder gelegentlich, sondern ununterbrochen und lebten auch noch davon in den meisten Fällen. Nur die Fälle 12 (Kot geben) und 15 (Glühkohlen) dürften Einzelfälle sein, die aber so übel waren, daß sie ein entsprechendes Gewicht hatten. Die "schlechten" Ordensangehörigen frevelten im Gewand der Reinen, und das hat nieder ziehendes Gewicht.

In den Vinaya sind diese 21 Berichte deshalb aufgenommen, weil dort mißtrauische Mönche argwöhnten, daß Moggallāno behauptet hätte, dergleichen gesehen zu haben. Der Buddha aber bestätigt, daß Moggallāno wirklich diese Erscheinungen des Jenseits gesehen habe.


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