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PETA-VATTHU

Nachwort

13. Arme Seelen im Katholizismus


Was in Indien Peta (Skr. Preta) genannt wird, das sind im Christentum die "Armen Seelen", deren Existenz von Luther und den Reformatoren weg diskutiert wurde. Alles, was über das untermenschliche Dasein in der Bibel und der christlichen Literatur gesagt wurde, wurde mit dem Etikett "Hölle" versehen, ohne daß noch zwischen Tartaros (Inferno = Hölle) und dem Schattenreich des Purgatoriums (Hades) unterschieden wurde.

Über die Erscheinung von Armen Seelen gibt es bei den Heiligen und Mystikern unzählige Berichte, vom Altertum bis ins zwanzigste Jahrhundert. Hier seien als Beispiel nur drei deutsche Frauen genannt, die in unserem Jahrhundert Helfer der Armen Seelen waren und sie nicht mitleidslos ihrem Schicksal überließen:


1. Margarete Schäffner (1863 - 1949), Bäuerin aus Gerlachsheim in Nordbaden. Von 18 Jahren bis zu ihrem Tode mit 86 Jahren hatte sie nahezu täglich Visionen Armer Seelen. Unzählige Verstorbene erschienen ihr und empfahlen sich ihrer Fürbitte, und sie hatte die Freude, viele von ihnen durch ihre Gebete und Messen in den Himmel gehen zu sehen. Die Armen Seelen wußten, warum sie litten, und Margarete wußte, wie lange sie noch zu leiden hatten.

Margarete Schäffners Biograph erwähnt auch, daß die heilige Birgitta von Schweden drei Stufen im Fegefeuer unterschied, die auch den oben im Buddhismus geschilderten Stufen entsprechen:

"In der untersten Stufe herrsche die große Pein, die dem Höllenfeuer ähnlich sei. Tiefe Finsternis und Feuerpein seien hier; je nach dem Maße der Schuld litten die Seelen mehr oder weniger.

Darüber sei die zweite Stufe, wo die Leiden weniger groß seien und mehr in einem Mangel an Kraft und Schönheit bestünden, wie bei einem Menschen, der nach schwerer Krankheit noch im Zustande der Schwäche und Erschöpfung sei und erst nach und nach wieder zu Kraft komme.

Darüber liege die dritte Region, gewissermaßen die Vorhalle des Himmels. Dort gäbe es keine Strafe der Empfindung mehr; die Seelen litten nur an einer unaussprechlichen, unwiderstehlichen Sehnsucht nach der Anschauung Gottes." (Grabinski, 4. Aufl., S. 22)

Lit.: Bruno Grabinski/Leo Oster: Fegfeuer-Visionen der Begnadeten Margarete Schäffner von Gerlachsheim (Baden), 6. Aufl. Eupen 1974 (oben 4. Aufl., 103 S.)


2. Ursula Hibbeln (1869 - 1940) aus Bochum. Schon als Kind hatte sie Mitleid mit den Armen Seelen und betete für sie. Bald sah sie sie auch und konnte vielen helfen. Ihr Pater erklärte zehn Jahre lang alles für Halluzinationen, bis er überzeugt war, daß es doch ein Jenseits gibt. Sie hörte auch Engelsgesang, hatte Herzenskunde und sah voraus, z.B. den Zweiten Weltkrieg. Sie sah, wie die meisten Gefallenen in Angst und Fluchen zur Hölle fuhren, für lange.

Lit.: R. Ernst, Die Seherin aus dem Ruhrgebiet. Mutter Ursula, die gotterleuchtete Seherin und Freundin der Armen Seelen, 8. Aufl. Eupen 1958


3. Eugenie von der Leyen (1867 - 1929), geboren in München. Sie wollte Nonne werden, wurde aber wegen ihres Gesundheitszustandes nicht aufgenommen. Am 9. 8. 1921 öffnete sich für sie das Jenseits, und sie hatte seitdem unzählige Erscheinungen Armer Seelen. Zuerst erschienen sie ihr in menschlicher Gestalt, später konnte sie auch Wesen in tierischer und dämonischer Form wahrnehmen, denen sie half, allmählich wieder "Mensch zu werden". Sie erlebte böse Geister, häßliche Geister, trostlose Geister, ruhelose, nur selten zufriedene, wie z.B. ihren Großvater. Sobald die Geister zu sprechen gelernt hatten, besserte sich auch ihr Zustand. Meist kamen die Seelen allein, manchmal auch in Gruppen. Es waren Bekannte und Unbekannte. Viele gingen im Schloß um, wo sie einst gesündigt hatten, sehr oft durch Verleumden. Außer ihrem Großneffen, der 1945 fiel, bemerkten nur Tiere die Anwesenheit der Geister. Auf ihre Frage, wodurch sie den Seelen am besten helfen könne, erhielt sie immer die Antwort: durch Selbstaufgabe und Nichtsündigen. Im Umgang mit alltäglichen Menschen verlor sie Kraft, beim Beten für Arme Seelen gewann sie Kraft, obwohl es sie zuerst oft übermäßig anstrengte und sie viel Überwindung brauchte, besonders, wenn die Geister in ekliger Gestalt erschienen. Darüber wurde sie zur Mystikerin.

Lit.: Bruno Grabinski, Zwischen Himmel und Hölle, Tagebuchaufzeichnungen über Armeseelenerscheinungen, 3. Aufl., Eupen 1959


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