Sutta Nipata I.10 181-192

SUTTA-NIPĀTA, Lehr-Dichtungen

I.10. Ālavaka (Ālavaka-Sutta) - [Pali]

 

(Diese Sutte findet sich wörtlich auch in Samyutta-Nikāya 10.12. K gibt hierzu eine ausführliche Entstehungsgeschichte, aus der nur das folgende mitgeteilt sei: Ein menschenfressender Dämon, Ālavaka, machte das ganze Land Ālavi unsicher und auch der König fiel eines Tages in seine Hände. Auf des Königs Versprechen, dem Dämon täglich einen Menschen zu schicken, ließ ihn dieser frei. Zunächst wurden ihm alle Verbrecher ausgeliefert, dann unmündige Kinder, bis schließlich nur der Königssohn übrig blieb. Am Tage, bevor man auch diesen ausliefern sollte, begab sich der Buddha zur Behausung des Dämons. Er trifft ihn nicht an und bleibt dort, um auf den Dämon zu warten. Dieser kommt und versucht vergeblich, den Buddha durch seine magische Kraft, die allerlei Arten von tödlichem Regen hervorzaubert, zu vernichten oder zu erschrecken. Hier setzt nun der Bericht unserer Sutten-Verse ein, die mit der Bekehrung des Dämons schließen. Ālavaka gibt dann den inzwischen überbrachten Königssohn in die Hände des Buddha zurück, und der Buddha übergibt ihn wieder den Dienern des Königs. Weil er so von Hand zu Hand (hattha) ging, soll er den Namen Hatthaka-Ālavaka erhalten haben und identisch sein mit jenem bekannten Laienjünger, den der Buddha wiederholt rühmt. s. Angutt.Nik. I.24; II. 131; VI.119; VIII.23-24).

 

 

So habe ich gehört. Einst weilte der Erhabene in Ālavi, in der Wohnstätte des Dämons Ālavaka. Es begab sich da der Dämon Ālavaka zum Erhabenen und sprach zu ihm: "Komm heraus, Asket!" - "Gut, Freund", sagte der Erhabene und kam heraus. "Geh hinein, Asket!" - "Gut, Freund", sagte der Erhabene und ging hinein. Und ein zweites und drittes Mal sprach der Dämon: "Komm heraus, Asket!" - "Gut, Freund", sagte der Erhabene und kam heraus. "Geh hinein, Asket!" - "Gut, Freund", sagte der Erhabene und ging hinein. Und ein viertes Mal sprach der Dämon: "Komm heraus, Asket!" - "Nicht werde ich mehr zu dir herauskommen, Freund! Du tue, was du magst!" - "Ich will dir eine Frage stellen, Asket. Wenn du sie mir nicht beantworten kannst, werde ich dir den Geist verwirren oder dir das Herz spalten oder dich an den Füßen packen und über den Ganges schleudern!" "Ich sehe wohl keinen, Freund, in der Welt mit ihren himmlischen Geistern, mit ihren Māra- und Brahma-Göttern, mit ihren Scharen von Asketen und Brahmanen, Göttern und Menschen, der mir den Geist verwirren könnte, mein Herz spalten oder mich an den Füßen packen und über den Ganges schleudern könnte. Doch frage, Freund, was du begehrst!"

Da redete der Dämon Ālavaka den Erhabenen mit diesem Verse an:

 

181 (ĀLAVAKA) 

 

182 (DER ERHABENE)

 

183 (ĀLAVAKA)

 

184 (DER ERHABENE)

 

185 (ĀLAVAKA)

 

186 (DER ERHABENE)

187

188

189

Auch andere magst fragen du, die vielen Priester und Asketen,
Ob Besseres als Selbstzucht und Wahrhaftigkeit,
als Gebefreude und Geduld [4] man finden kann!
 

190 (ĀLAVAKA)

Warum sollt' ich wohl fragen jetzt die vielen Priester und Asketen?
Ich habe heut' es ja erfahren, worin das künftige Heil besteht!

191

Zu meinem Heile, wahrlich, ist der Buddha zum Aufenthalt nach Ālavi gekommen!
Ich habe heut' es ja erfahren, wo Gabe reiche Früchte trägt!

192

So will ich wandern nun von Dorf zu Dorf, von Stadt zu Stadt,
Verehrung bringend dem Erwachten und dem vorzüglichsten Gesetz, der Lehre!

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[1] Umsichtig handeln (patirūpakārī). K: "Ohne Ort, Zeit usw. außer Acht zu lassen, wendet er das zweckentsprechende Mittel an zur Gewinnung von weltlichem oder überweltlichem Reichtum.


[2] Rechtssinn (dhamma); siehe Anm. zu v. 92.

[3] Die hier genannten vier Eigenschaften des vertrauensvollen Laienjüngers (variiert in v. 189) sind, lt. K, eine Zusammenfassung vorhergehender Verse:

  1. Wahrhaftigkeit (sacca), siehe v. 187;
  2. Rechtssinn (dhamma), siehe v. 186: "Der Lehre (dhamma) . . . eifrig lauschend", was allerdings auf die umfassendere Deutung von dhamma als 'Lehre' hindeuten würde;
  3. Festigkeit (dhiti), siehe v. 187: pflicht-bewußt, entschlossen;
  4. Gebefreude (cāga), siehe v. 187: "indem man gibt . . .".

[4] Zwei der hier genannten vier Eigenschaften sind verschieden von den in v. 188 gegebenen: Geduld (khanti) ist jedoch sinnverwandt mit Festigkeit (dhiti); statt dhamma (Rechtssinn) steht hier dama (Selbstzucht). Die Klangähnlichkeit der beiden Worte legt fehlerhafte Überlieferung nahe. K erklärt dama als jene Zügelung oder Selbstdisziplin, die zum rechten Hören der Lehre (v. 186) erforderlich ist. Für die Lesart dama spricht die übereinstimmende Überlieferung und v. 463, wo, wie hier, sacca und dama zusammen genannt werden: "Durch Wahrheit wer bezähmt, wem Zügelung eigen ist" (saccena danto damasā upeto); in Dhammapada v. 9-10 finden sich beide Begriffe in einem Kompositum.


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