Theragātā, Sprüche der Mönche

Theragātā (Vers 1-120)

(von Christine Schoenwerth)

Ekanipāta

 

Subhūti

1.

Gedeckt ist meine kleine Hütte, angenehm, dem Wind nicht zugänglich. So regne denn, Wolke, wie es dir belieben mag! Wohl konzentriert ist mein Geist, losgelöst; als ein eifrig mich Mühender weile ich; so regne denn, Wolke!

Mahākotthika

2.

Befriedet, ruhig geworden, mild in der Rede, frei von Dünkel schüttelt er das Unheilsame ab, wie der Wind die Blätter eines Baumes...

Kankhārevata

3.

Siehe die Weisheit der Tathāgatas, die mächtigem Feuer gleich Licht und klare Sicht ins Dunkel bringen, den Zweifel jener verscheuchend, die da kommen.

Punna Mantāniputta

4.

Nur den Guten sollte man sich zugesellen, den Klugen, die das Ziel schauen; weise, besonnen stets und einsichtsvoll, erreichen sie das hehre Ziel, das tiefe, schwer zu sehende, subtile, hocherhabene.

Dabba

5.

Der so schwer zu Bändigende ist durch (Selbst-)Bezähmung wohl gebändigt; er ist würdig (dabba), wunschlos, über den Zweifel hinübergekommen, siegreich, ohne Furcht. So ist Dabbavollkommen erloschen, fest gegründet im Selbst (thitatto).

Sītavaniya

6.

Einsam weilt der Bhikkhu im Sīta-Wald, wunschlos, mit wohl konzentriertem Selbst; siegreich ist er, ruhig geworden, fest steht er in der Besonnenheit gegenüber dem Körper, unermüdlich.

Bhalliya

7. 

Wer das Heer des Herrschers Tod vertrieben hat wie die reißende Flut die schwache Schilfbrücke fortschwemmt, der ist ein Sieger, jeder Furcht entronnen, bezähmt, erloschen, fest gegründet im Selbst.

Vīra

8.

Der schwer zu Bändigende ist durch (Selbst-) Bezähmung wohl gebändigt; ein Held (vīra) ist er, wunschlos, hinübergekommen über den Zweifel, siegreich. Völlig ruhig geworden ist Vīravollkommen erloschen, fest gegründet im Selbst.

Pilindavaccha

9.

Ich fand ihn, blieb ihm treu, dem guten Rat: Von all den Dingen, die unter den Menschen verteilt werden, habe ich das Beste erlangt.

Punnamāsa (1)

10.

Wer auch immer zum Wissen gelangt, ruhig geworden ist, mit wohl bezähmtem Selbst, der vernichtet das Haften an dieser und der nächsten Welt; er, der an keinem Ding mehr haftet, schaut das Entstehen und Vergehen der Welt.

Cūlagavaccha

11.

Der Bhikkhu, der beglückt wird durch die Botschaft des Buddha, erlangt den friedvollen Zustand (= das Nibbāna),

das beseligende Zurruhekommen der Hervorbringungen (sankhārā).

Mahāgavaccha

12.

Durch Weisheit gestählt, entschlossen, sittlich rein, konzentrierten Geistes, sich an der Meditation erfreuend, besonnen, zufrieden mit jedweder Almosengabe: So sollte man seine Zeit abwarten, von Begierden frei.

Vanavaccha (1)

13.

Diese Felsen erfreuen mich, deren Farbe den Wolken gleicht, und ihr kühles Wasser;

rein fließen die Ströme, reich bevölkert von Indagopakas (= eine Insektenart).

Sīvaka, Vanavacchas Schüler

14. 

"Lass uns fortgehen, Sīvaka", - so sagte mein Lehrer. Nur mein Körper weilt im Dorfe, im Wald weilt ja mein Geist.

Selbst wenn ich mich niederlege, weile ich im Wald, - nicht gibt es ja ein Anhaften für den weise Erkennenden.

Kundadhāna

15. 

Fünf Dinge schneide ab, fünf Dinge gebe auf, fünf Dinge bring zur Entfaltung; hat ein Bhikkhu die fünf Verhaftungen überkommen, so wird er einer genannt, der die Flut überkommen hat.

Belatthasīsa

16.

Wie ein edles Ross mit wehendem Schweif und fliegender Mähne unbeschwert dahineilt,

so eilen für mich die Tage und die Nächte unbeschwert dahin, seit ich zu überweltlicher Seligkeit fand.

Dāsaka

17.

Wer da träge ist, des Essens froh, wer lange und genüsslich schläft, dem Schweine gleich, mit fettem Korn gemästet: So gelangt der Tor immer wieder zu neuer Geburt.

Singalāpitar

18.

Ein Bhikkhu, des Buddha Erbe, im Besakalā-Walde weilt er, ganz der Vorstellung des Knochengerüstes hingegeben. Wahrlich: Gar bald, so dünkt es mich, wird er befreit sein von sinnlicher Begierde.

Kula

19.

Wahrlich: Das Wasser leiten solche, die Kanäle bauen, den Bogen biegt der Pfeilemacher, das Holz macht sich der Zimmermann gefügig; das Selbst aber zähmen jene, die das höchste Ziel erstreben.

Ajita

20.

Ich fürchte mich nicht vor dem Tod, nicht hafte ich am Leben;

ich werde den Körper ablegen, klar bewusst, besonnen.

Nigrodha

21. 

Nicht fürchte ich mich vor der Angst, hat doch der Meister das Todlose aufgezeigt.

Nicht besteht noch Furcht vor irgendetwas mehr; so gehen die Bhikkhus den (achtfachen) Pfad.

Cittaka

22.

Die Pfauen, dunkelblau, mit ihrer Haube und dem bezaubernd schönem Hals, rufen in Karamvī;

von kühler Brise angeregt, erwecken sie den Schlafenden zur Meditation.

Gosāla

23.

Von süßem Reisbrei habe ich in Velugumba mich genährt, weise das Entstehen und Vergehen der (Haftens-) Gruppendurchschauend; nun werde ich zu meinem Hügel zurückkehren, um dort die Abgeschiedenheit zu pflegen.

Sugandha

24.

Eine Regenzeit ist (erst) vergangen, seit ich in die Heimlosigkeit gezogen bin: Sieh, wie wahr die Lehre ist!

Das Dreifache Wissen habe ich erlangt, die Botschaft des Buddha ist verwirklicht.

Nandiya

25.

Einen Bhikkhu greifst du an, dessen Geist so hell erstrahlt ohn' Unterlass?

Leiden wird dies für dich nach sich zieh'n, du finstere Gestalt!.

Abhaya (1)

26.

Als ich das wohlgesprochene Wort des Buddha hörte, des Sonnensohnes, durchdrang ich, wahrlich, das ach so Feine, wie wenn man die Spitze eines Haares mit einem Pfeil durchbohrt.

Lomasakangiya

27.

Ich werde durch all dieses Dabba-, Kusa-, Potalika-, Usīra- und Muñja-Gesträuch dringen,

durch all dies Gestrüpp, um mich der Abgeschiedenheit hinzugeben.

Jambugāmikaputta

28.

Nicht bist du angetan mit prachtvollem Gewand noch trägst du irgendeinen Schmuck an dir;

dieser edle Duft, der dir entströmt: ist er dein eigen, nicht von anderen?!

Hārita (1)

29.

Mit standfestem Selbst, mit einem Geist so scharf wie der Pfeil des Pfeilemachers:

Brich so das Nichtwissen auseinander, Hārita!

Uttiya (1)

30.

Als mich Krankheit überfiel, stieg Besonnenheit in mir auf:

Krankheit hat mich überkommen: Zeit ist es für mich, besonnen zu weilen.

Gahvaratīriya

31.

Von Stechmücken und Moskitos in dichtem, tiefem Wald gepeinigt,

verweile man besonnen wie der Kriegselefant im Schlachtgetümmel.

Suppiya

32.

Ich werde das, was dem Alter unterworfen ist, mit dem nicht dem Alter Unterworfenen austauschen, das Brennen mit dem Erlöschen, mit dem höchsten Frieden, mit der unvergleichlichen Sicherheit vor Verkoppelung.

Sopāka (1), ein Knabe

33.

Wie eine Mutter voll der Güte gegenüber ihrem geliebten, einz'gen Kind ist,

so sollte man immerdar Güte hegen gegenüber allen Lebewesen.

Posiya

34.

Nicht nähert sich der Weise solchen (verführerischen Frauen): Vom Walde kommend ging ich hin zur Stadt; dort betrat ich das Haus. Doch ich, obwohl des Almosens würdig, begab mich wieder fort,ohne ein Wort gesprochen zu haben.

Sāmaññakāni

35.

Indem er also wandelt, gelangt er, der nach Glück Strebende, zu Seligkeit;

mehr und mehr leuchtet er (unter den Menschen),

indem er den Edlen Achtfachen Pfad verwirklicht, den geraden Weg hin zum Todlosen.

Kumāputta

36.

O, gut ist es, (die Lehre des Buddha) zu hören, gut ist es, den rechten Wandel zu führen; gut ist das heimlose Leben; das (hohe) Ziel sich weisen lassen ist gut, gut ist das Ehrerweisen (gegenüber den der Verehrung würdigen Mitmönchen): Dies ist das dem wahren Asketen angemessene Verhalten, dessen, der nichts mehr sein Eigen nennt.

Kumāputtas Gefährte

37.

Von einer Gegend zur anderen ruhelos wandern sie umher; nicht wird das zum Heile dienen, wenn der Geist nicht konzentriert ist. Deshalb gebe man rastlose Friedlosigkeit auf, achtsam meditierend.

Gavampati

38.

Gavampati, der magiegewaltig den Sarabhu-Fluss zum Stillstand brachte, ist von allen Fesseln befreit, unerschütterlich verweilt er. Ehrerweisung bringen ihm die Götter dar, dem großen Weisen, der über alle Fesseln hinübergekommen und an das andere Ufer gelangt ist.

Tissa (1)

39.

Gleichwie von scharfem Schwert getroffen, brennenden Hauptes gleich,

sollte der Bhikkhu wandern, besonnen die Vernichtung der Gier nach Sinnenlust erstrebend.

Vaddhamāna

40.

Gleichwie von scharfem Schwert getroffen, brennenden Hauptes gleich,

sollte der Bhikkhu wandern, besonnen die Vernichtung der Gier nach Werden erstrebend.

Sirivaddha

41.

Das grelle Licht einschlagender Blitze erhellt die Vebhāra- und Pandava-Höhlen. In des Berges Höhle abgeschieden weilend aber meditiert, durch nichts behindert, der edle Sohn (des Buddha).

Khadiravaniya

42.

Cāla, Upacāla, auch du, Sīsupacāla: Achtet wohl auf den, der sich uns naht:

Er ist ein unvergleichlicher Bogenschütze, der gleichsam Haare zu spalten weiß.

Sumangala

43.

Wohl mir, wohl mir, der ich die drei üblen Dinge (= Gier, Hass und Nichtwissen) abgelegt habe; befreit bin ich von den Sensen, befreit vom Pflug, befreit vom Spaten. Sollten sie auch überall zu finden sein, ich bin ihrer überdrüssig geworden. Meditiere, Sumangala, o meditiere! Weile achtsam, Sumangala!

Sānu

44.

Ach, Mutter: Um einen Verstorbenen trauert man, ebenso um einen, der obgleich am Leben, abwesend ist. Warum denn, Mutter, vergießt du Tränen um mich, der ich doch lebe und vor dir stehe?!

Ramanīyavihārin

45.

Gleichwie ein edles Vollblutross, mag es auch stolpern, rasch wieder sicher zu stehen kommt, so auch betrachte mich als einen, der edle Einsicht besitzt,als einen Jünger des Vollkommen Erwachten, einen wahren, edlen Sohn des Buddha.

Samiddhi

46.

Im Vertrauen zog ich vom Heim fort in die Heimlosigkeit; Besonnenheit und Weisheit haben in mir zugenommen, wohl konzentriert ist der Geist. Welche Gestalt auch immer du annehmen magst: Du kannst mir keine Furcht einflößen!

Ujjaya

47.

Verehrung sei Dir, du erwachter Held! Von jedweder Fessel bist du befreit.

Deiner Weisung treu folgend verweile ich, von allen Einflüssen frei (anāsavo).

Sañjaya

48.

Seit ich vom Heim in die Heimlosigkeit hinauszog,

bin ich mir keiner einzigen unedlen Regung des Hasses bewusst gewesen.

Rāmaneyyaka

49.

Inmitten all des Zirpens und Singens der Vögel kennt mein Geist kein Erzittern,

bin ich doch ganz der Abgeschiedenheit zugeneigt.

Vimala (1)

50.

Vom Regen benetzt ist die Erde, es weht der Wind, Blitze leuchten am Himmel auf.

Beruhigt ist das Denken, wohl konzentriert der Geist.

Godhika

51.

Melodisch klingt der niederströmende Regen; gut gedeckt ist meine kleine Hütte, behaglich ist's in ihr, kein Luftzug dringt zu mir herein, wohl konzentriert ist mein Geist: So regne denn, Wolke, nach Belieben!

Subāhu

52.

Melodisch klingt der niederströmende Regen, gut gedeckt ist meine kleine Hütte, behaglich ist's in ihr, kein Luftzug dringt zu mir herein.

Wohl konzentriert ist mein Geist auf das Körpergetriebe. So regne denn, Wolke, nach Belieben!

Valliya (1)

53.

Melodisch klingt der niederströmende Regen, gut gedeckt ist meine kleine Hütte, behaglich ist's in ihr, kein Luftzug dringt zu mir herein. Unermüdlich, besonnen weile ich in ihr. So regne denn, Wolke, nach Belieben!

Uttiya (2)

54.

Melodisch klingt der niederströmende Regen, gut gedeckt ist meine kleine Hütte, behaglich ist's in ihr, kein Luftzug dringt zu mir herein. Drangbefreit weile ich in ihr. So regne denn, Wolke, nach Belieben!

Añjanāvaniya

55.

Eine kleine Hütte errichtete ich mir tief im Añjana-Walde; dort weilte ich.

Das Dreifache Wissen habe ich erlangt, die Weisung des Meisters ward erfüllt.

Kutivihārin (1)

56.

Wer in dieser bescheidenen Hütte weilt, fragst du? Ein Bhikkhu weilt in ihr, der Wünsche ledig, wohl konzentrierten Geistes. So wisse denn, Freund: Diese Hütte wurde nicht vergebens betreten.

Kutivihārin (2)

57.

Allzu verfallen schon ist deine Hütte, meinst du, und eine neue Hütte willst du nun errichten?

O gib auf den Wunsch nach einer neuen Hütte! Nur neues Leid bringt neue Hütte dir!

Ramaniyakutika

58.

Behaglich lässt es sich in meiner bescheidenen Hütte leben, des Vertrauens (in die Drei Juwelen) wunderbare Gabe ist sie mir; ich sehne mich nicht nach einem Mädchen: Gehe dorthin, Weib, wo man deiner bedarf.

Kosallavihārin

59.

Im Vertrauen zog ich in die Heimlosigkeit; eine kleine Hütte errichtete ich mir im Walde, und dort weile ich, besonnen, eifrig, achtsam, wohl konzentriert.

Sīvali

60.

Jene Ziele, die ich mir gesetzt hatte, als ich in meine Hütte einzog, sind nicht mehr fern.

Indem ich die Neigung zum Stolz vernichte, werde ich das (Dreifache) Wissen und die Erlösung erlangen.

Vappa

61.

(Nur) wer selber ein Sehender ist, vermag einen Sehenden (als solchen) zu erkennen,

und so auch durchschaut er den Nicht-Sehenden.

Wer aber selber nicht zu den Sehenden gehört, vermag weder den Sehenden noch den Nicht-Sehenden (als solche) zu erkennen.

Vajjiputta (1)

62.

Einsam weile ich in tiefem Wald, wie Holz, das vom Holzfäller zurückgelassen wurde.

Gar mancher mag mich beneiden, wie Höllenbewohner einen beneiden, der in höhere Welt gelangt.

Pakkha (der Verwachsene)

63.

Begierig greifen sie (die Wesen) nach dem, was da liegen mag; von Gier erfüllt kehren sie immer und immer wieder zurück. — Was mir zu tun oblag, nun ist's vollbracht.

Das, woran man sich erfreuen soll, darin habe ich Freude gefunden. Seligkeit wurde durch Seligkeit erlangt!

Vimalakondañña

64.

Geboren wurde ich dem Träger des (königlichen) Banners, der nach dem Baum benannt ist, ein Sohn bin ich jedoch des Gesegneten (= des Buddha):

Mit dem Banner (des Dhamma) habe ich das Banner (des Stolzes) besiegt; so habe ich des Todes mächt'ges Banner zerschmettert.

Ukkhepakatavaccha

65.

Was Jahr um Jahr er angehäuft hat, das trägt er nun denen vor,

die im Hause leben, befriedet ganz, erfüllt von seliger Freude.

Meghiya

66.

Der große Held, der über alle Dinge hinübergekommen und an das andere Ufer gelangt ist, er legte mir die Lehre dar. Dann weilte ich an seiner Seite, besonnen, ihm Ehrfurcht weihend. Das Dreifache Wissen habe ich erlangt, die Weisung des Buddha ist verwirklicht.

Ekadhammasavanīya

67.

Alle Befleckungen (kilesā) sind ausgemerzt (wörtl. verbrannt), jedwedes Werden aufgehoben; der Kreislauf der Wiedergeburten ist vernichtet: Nicht gibt es mehr für mich künftiges Geborenwerden.

Ekuddāniya

68.

Ein Weiser, der besonnen, achtsam weilt, unermüdlich auf der Weisheit Pfade, würdig der Verehrung, ruhig geworden, friedvoll stets: Ein solcher ist vor jedwedem Kummer ganz gefeit.

Channa

69.

Als ich die wunderbare Botschaft des Meisters vernahm, dargelegt von ihm, der vollkommen ist in Weisheit und Wissen, betrat ich den Weg, der zum Todlosen führt. Wohl bewandert ist er (der Buddha) ja auf dem Pfad, der zur Sicherheit vor Verkoppelung führt.

Punna

70.

Wahrlich, als höchstes wird die Sittlichkeit gepriesen; Höchster aber, Sieger unter Göttern und Menschen ist der Weise, der Sittlichkeit und Weisheit erlangt hat.

Vacchapāla

71.

Für den, der das Ziel schaut, das feine, das subtile, dessen Geist wohl gezügelt ist, von demütiger Art, der den edlen Wandel lebt, den der Buddha preist: Nicht ist es schwer für ihn, das Nibbāna zu erreichen.

ātuma

72.

Schwer ist es, ein junges Bambusrohr zu biegen, das stark gewachsen ist, von festem Holz: So auch ist es schwer, in die Heimlosigkeit zu ziehen, wegen dieser Frau (die du mir zugedacht hast): Erlaube mir (Mutter), fortzuziehen! — So zog ich in die Heimlosigkeit.

Mānava

73.

Einen Greis erblickte ich, dann sah ich einen Kranken, als Drittes einen, der, an das Ende seines Lebens angelangt, verstorben war. Da zog ich hinaus in die Heimlosigkeit, den Sinnenfreuden entfremdet.

Suyāmana

74.

Sinnliches Begehren, Übelwollen, Trägheit, Zerstreutheit und Zweifel:

Diese Dinge finden sich im (wahren) Mönch nicht.

Susārada

75.

Beglückend ist der Anblick derer, die gezügelt sind im Geist: Überwunden ist (nun) der Zweifel (in mir), die Einsicht wächst. Selbst den Tor lassen sie zu Weisheit gelangen; darum geselle man sich den Edlen zu.

Piyañjaha

76.

Wo andere aufbrechen, da sollte man sich niederlassen; wo andere sich niederlassen, sollte man aufbrechen. Man weile dort, wo andere sich nicht aufhalten; man erfreue sich nicht an dem, woran andere sich erfreuen.

Hattharohaputta

77.

Bisher schweifte mein Geist umher, wohin er wollte, wie ihm beliebte.

Nun aber werde ich ihn bändigen, wie ein Elefantenlenker einen wütenden Elefanten bändigt.

Mendasira

78.

Unzählige Male bin ich im Kreislauf der Wiedergeburten geboren worden, ohne ihm zu entkommen, in Leiden versunken. Jetzt ist diese ganze Leidensmasse zur Aufhebung gelangt.

Rakkhita

79.

Jedwedes Begehren habe ich vernichtet, jeden Hass entwurzelt, das Nichtwissen habe ich ausgemerzt; so bin ich kühl geworden, erloschen.

Ugga

80.

Was auch immer für ein Wirken ich einst vollbracht habe, ob groß oder gering: ich habe es zerschmettert (= jede weitere karmische Wirkung ist aufgehoben): Ein neues Werden gibt es nicht für mich.

Samitigutta

81.

Was auch immer ich an unheilsamem Wirken in früheren Existenzen angehäuft habe: Es muss jetzt durchempfunden werden. — Jedwede karmische Kausalität ist nunmehr aufgehoben.

Kassapa

82.

Gehe dorthin, mein Kind, wo Almosen leicht zu erlangen ist, wo Sicherheit herrscht, kein Anlass zu Furcht besteht. Gehe nur, mein Sohn, - bekümmere nicht dein Herz.

Sīha

83.

Verweile wachsam, Sīha, unermüdlich bei Tag und bei Nacht. Die heilsamen Dinge bringe in dir zur Entfaltung, gib eilig auf den Körper (= indem du dich loslöst)!

Nīta

84.

Die Nacht verbringt er schlafend, an der Geselligkeit erfreut er sich des Tages:

Wann gedenkt der Tor dem Leiden ein Ende zu bereiten?!

Sunāga

85.

Wer weise durchschaut die Vorstellungen, gekostet hat das Glück der Abgeschiedenheit, die Meditation nicht vernachlässigt, ernsthaft sich müht, stets besonnen: Der mag zu überweltlicher Seligkeit gelangen.

Nāgita

86.

Gar viele außerhalb des Ordens legen eine Lehre dar, weisen einen Weg; doch nicht führt dieser zum Erlöschen wie dieser hier. In der Tat: Der Erhabene selbst unterweist uns ja, gleichsam mit geöffneter Hand.

Pavittha

87.

Die (Haftens-)Gruppen wurden der Wirklichkeit gemäß durchschaut, jedwedes Werden ist aufgehoben:

Der Kreislauf der Wiedergeburten ist vernichtet, nicht gibt es mehr ein neues Werden für mich.

Ajjuna

88.

Wahrlich, vom Wasser auf trock'nes Land hab' ich mich selbst gerettet.

Aus reißender Flut ward ich geborgen, als ich die (Vier Edlen) Wahrheiten verstand.

Devasabha (1)

89.

Durchkreuzt habe ich den Schlamm, den Sumpf, den Abgründen bin ich entkommen.

Fluten und Fesseln liegen hinter mir, - jeglichen Stolz hab' ich überwunden.

Sāmidatta

90.

Die fünf (Haftens-) Gruppen, völlig durchschaut, stehen mit ausgerissener Wurzel da: Der Kreislauf der Wiedergeburten ist völlig aufgehoben; nicht gibt es mehr ein neues Werden für mich.

Paripunnaka

91.

Nicht können selbst die köstlichsten Speisen ein Gleichnis geben für die Seligkeit, die mir heute ward zuteil: Gotama (der Buddha) legte mir die Lehre dar, er, der im Schauen Vollkommene.

Vijaya

92

Derjenige, in dem die Einflüsse (āsavā) völlig vernichtet sind und der unangelehnt an Nahrung verweilt, dessen Weidegrund leere und merkmallose Loslösung ist: Dessen Gang ist schwer ausfindig zu machen, wie der der Vögel im Luftraum.

Eraka

93.

Leidvoll sind die Sinnenlüste, Eraka, nicht beglückend. Wer sich den Sinnenlüsten hingibt, gibt sich dem Leiden hin; wer den Sinnenlüsten nicht anhängt, dem folgt kein Leiden nach.

Mattaji

94.

Verehrung ihm, dem Erhabenen, dem siegreichen Sakyer-Sohn:

Er lehrt' uns wunderbar die höchste Lehre, als selbst das Höchste er errang.

Cakkhupāla

95.

Erblindet bin ich, nicht mehr sehend meine Augen; so begab ich mich auf gefährlichen Weg, durch wilde Gegend. Und sollte ich auch mühsam nur mich fortbewegen, stürzen: Ich gehe (allein), nicht aber mit üblen Gefährten.

Khandasumana

96.

Nachdem ich andächtig eine Blume (vor dem früheren Buddha Kassapa) niedergelegt hatte, gelangte ich für lange, lange Zeit in göttliche Welt; als verbleibende Frucht jener Tat bin ich nunmehr völlig erloschen.

Tissa (2)

97.

Kostbarste Gefäße aus Bronze und Gold gab ich (als König) um eine Almosenschale aus Ton hin; dies ist meine zweite (meine wahre) Weihe.

Abhaya (2)

98.

Es schwindet die Besonnenheit in dem, der sich der Vorstellung eines ersehnten Sinnenobjektes hingibt, sobald er es erblickt. Den Geist von Begehrlichkeit erfüllt nimmt er es wahr; so haftet er, und die Einflüsse (sinnlichen Begehrens), die Wurzel steter Wiederkehr, wachsen nur immer mehr.

Uttiya (3)

99.

Es schwindet die Besonnenheit in dem, der sich der Vorstellung eines ersehnten Sinnenobjektes hingibt, sobald er dessen Klang vernimmt: Den Geist von Begehrlichkeit erfüllt nimmt er es wahr; so haftet er, und die Einflüsse, die Wurzel steter Wiederkehr, wachsen nur immer mehr.

Devasabha (2)

100.

Wer da unermüdlich ringt und die (vier) Gegenstände der Besonnenheit (satipatthānā) als Weidegrund hat:

Bedeckt mit den Blüten der Loslösung wird er, einflussfrei, völlig erlöschen.

Belatthakāni

101.

Mag er auch das häusliche Leben aufgegeben haben: Lebt da einer unsteten Geistes, ist er gierig nach Essen, der Mund wie eine Pflugschar stets aufnahmebereit, dem fetten Schwein gleich, das mit Korn gemästet wurde, träge: Immer wieder kehrt der Tor zurück.

Setuccha

102.

Durch den Stolz geblendet, beschmutzt durch (das Anhaften an den) mannigfachen Hervorbringungen, stets in Aufruhr, weil von Gier erfüllt, gelangen sie nicht zur Konzentration des Geistes.

Bandhura

103.

Ich brauche das (= die Sinnenfreuden) nicht: Erfreut bin ich und beglückt durch den Geschmack der Lehre, habe ich doch in ihr das Beste gekostet, den durch nichts zu übertreffenden Geschmack; wie sollte ich da Gift zu mir nehmen?!

Khitaka (1)

104.

Wahrlich, von Freude und Seligkeit durchwogt fühlt sich mein Körper leicht an; es ist, als schwebe er, wie Baumwollflocken, vom Winde verweht.

Malitavambha

105.

An ungünstigem Ort sollte man nicht weilen; erfreut man sich (im Sinne von Haften) an einem Ort, so sollte man ihn fliehen: Nicht hält sich der Weise an einem Ort auf, der nicht mit dem Ziel verbunden ist.

Suhemanta

106.

Hat ein Ziel hundert Merkmale und ebensoviele Kennzeichen, so ist derjenige, der nur eines davon erkennt, ein Tor; nur wer sie alle erkennt ist ein Weiser.

Dhammasava

107.

Nach weisem Erwägen zog ich vom Hause fort in die Heimlosigkeit. Das Dreifache Wissen hab' ich nun erlangt, die Botschaft des Buddha ist erfüllt.

Dhammasavas Vater

108.

120 Jahre alt war ich, als ich vom Haus fort in die Heimlosigkeit zog. Das Dreifache Wissen ward mir zuteil: Die Botschaft des Buddha ist erfüllt.

Sangharakkhita

109.

An abgeschiedener Stätte wenn er auch weilt, so beherzigt er dennoch nicht die Lehre dessen, der von Erbarmen bewogen das höchste Gut lehrte, lebt er doch unkonzentrierten Geistes, dem hilflosen jungen Wild im Walde gleich.

Usabha (1)

110.

Oben auf den Bergesgipfeln setzen die Bäume Triebe an, von der Regenwolke wohl bewässert. Angespornt wird so Usabha, der die Abgeschiedenheit liebt und ganz in der Vorstellung des Waldes (= eine Konzentrationsübung) aufgeht.

Jenta

111.

Nicht leicht ist es, wahrlich, in die Heimlosigkeit zu ziehen; nicht leicht ist es, wahrlich, im Hause zu leben. Gar tief ist die Lehre (des Buddha)! Nicht leicht gelangt man in der Welt zu Reichtum, nicht leicht ist das Leben auch für uns (Mönche), die wir von dem leben, was uns zugeteilt wird. Gut ist es da, stets die Vergänglichkeit zu betrachten.

Vacchagotta

112.

Das Dreifache Wissen habe ich verwirklicht, ohne Mühe erlange ich die Versenkungen (jhānā), wohl geübt in des Geistes Ruhe. Das höchste Ziel habe ich erreicht: Die Botschaft des Buddha ist erfüllt.

Vanavaccha (2)

113.

Diese Felsen, von Affen und Wild bevölkert, mit ihren klaren Gewässern, die von (Wasser-)Pflanzen bedeckten, sie erfüllen mich mit Freude.

Adhimutta (1)

114.

Wie sollte einer zur Vollkommenheit gelangen, der da schweren Körpers nach Nahrung giert, dem körperlichen Wohlbehagen hingegeben ist, während das Leben dahineilt?!

Mahānāma

115.

Ungezügelten, unreinen Geistes ach, so weilst du im Gebirge, das reich ist an Bäumen und Gestrüpp.

Pārāpariya (1)

116.

An die sechs Berührungsgebiete (= den Bereich der sechs Sinne) nicht angelehnt, mit wohl bewachten Sinnentoren, gezügelt, habe ich, nachdem ich die eigentliche Wurzel des Übels ausgespieen habe, die Vernichtung der Einflüsse erreicht.

Yasa

117.

Reich an Schmuck, gehüllt in prächtige Gewänder, so erlangte ich das Dreifache Wissen. Die Botschaft des Buddha ist erfüllt.

Kimbila (1)

118.

Man wird vom Alter überrollt, als ob ein Fluch auf einem läge: Die Gestalt, obwohl dieselbe, scheint eine andere zu sein. So erinnere ich mich an mich selbst, als ob's ein anderer gewesen wär' — und doch bin ich derselbe, war kein and'rer.

Vajjiputta (2)

119.

In dichtem Walde weilend, am Fuße eines Baumes, erloschen im Geiste, pflege die Meditation, Gotama, gib auf die Nachlässigkeit! Was soll dir dieser Spuk der Vergänglichkeit?!

Isidatta

120

Die fünf (Haftens-) Gruppen, völlig durchschaut, stehen mit ausgerissener Wurzel da. Die Aufhebung des Leidens habe ich erreicht, die Versiegung der Einflüsse.

Im Urtext = "Regengott" (vassadeva): Dem indischen Denken entsprechend, nach welchem alles, und so auch die ganze Natur, belebt ist, d.h. dass allem ein göttliches Prinzip zugrundeliegt, fand diese tief religiöse Anschauung auch in den indischen Sprachen ihren Niederschlag und wurde von den Mönchen des Buddha (nur) dann angewendet, wenn eine Aussage lyrisch formuliert wurde.
  "Erloschen" (parinibbuto) ist der Arahat, d.h. der Heilige, indem in ihm die "Flammen der Gier, des Hasses und der Verblendung" erloschen sind.
Die Dinge = Insbesondere die fünf Haftensgruppen, d.h. Körper und Geist bzw. die Persönlichkeit; darüber hinaus die ganze Erscheinungswelt.
Die fünf abzuschneidenden bzw. aufzugebenden Dinge sind nach den Kommentaren die fünf niederen sowie die fünf höheren Fesseln; zur Entfaltung sind die fünf Kampfeskräfte (bzw. die fünf Sīlas?) zu bringen; unter den fünf zu überkommenden Verhaftungen (= sangā) sind Gier, Hass, Nichtwissen, Stolz und falsche Ansichten zu verstehen; oder sind die Haftensgruppen (upādāna-khandhā) als die fünf negativen, d.h. grundsätzlich zu überwindende Faktoren gemeint? Oder die ebenfalls zu überwindenden fünf Hemmungen (nīvaranāni)?! Der Text will ganz offensichtlich zum Nachdenken anregen. – ( (
Die fünf Haftensgruppen (upādāna-khandhā) = Körper, Empfindungen, Wahrnehmungen, Gemütsregungen und Bewusstsein.
Das Dreifache Wissen (tevijja): Die Erinnerung an frühere Existenzen, das göttliche Auge sowie die Versiegung der Einflüsse.
Gemeint ist Māra, eine Metapher für den personifizierten Tod, dessen Heerscharen Gier, Hass und Verblendung sind.
Gemeint ist die überirdische Ausstrahlung, dessen Quelle höchste sittliche Läuterung ist.
anuttara yoga-khema  = das Nibbāna.
Sopāka, ein Arahat, gelangte auf seinem Almosengang zu seinem einstigen Haus; dort begegnete er seiner früheren Ehefrau, die ihn zu verführen versuchte.
Das Todlose (amata) = das Nibbāna.
Götter, Gottheiten = Höhere Wesen bzw. solche, die in höheren Welten (devalokā) weilen.
Khadiravaniya, besser als Revata bekannt, war der Bruder Sāriputtas. Die drei von ihm angesprochenen Novizen waren die Söhne seiner drei Schwestern, die von ihm ordiniert worden waren.
Die Mutter Sānus sah ihren Sohn als Mönch wieder und beklagte dessen Gang in die Heimlosigkeit als einen dem Tod gleichenden Zustand; ihr Versuch, Sānu zur Aufgabe des Mönchstums zu bewegen, blieb erfolglos.
Eine Anspielung auf die Versuchungen, denen der Mönch zu jener Zeit noch ausgesetzt war.
Der Pāli-Begriff ist adutiyo, was sowohl ohne Drang als auch einsam (ohne Gefährte) bedeuten kann.
Der Mönch auf die Frage eines Feldaufsehers, in dessen Hütte er Zuflucht vor dem Regen gesucht und die Heiligkeit erreicht hatte.
Worte einer Gottheit, die mit dieser Metapher den Mönch vor dem Ergreifen eines neuen Körpers im Falle der Wiedergeburt warnen will.
Vappa bezieht sich auf das Erkennen eines Weisen, hier des Buddha, den er erst nach anfänglichem Zögern, nach dem Hören einer Predigt als seinen Meister erkannte, also nachdem er selber ein Sehender geworden war.
Der Mönch beobachtet, wie Raubvögel immer wieder ein Stück Fleisch ergreifen, wie es ihnen von anderen wieder entrissen wird und wie nun diese dasselbe Schicksal ereilt,– immer wieder: Anspielung auf die Wiedergeburt.
... statt durch qualvolle Schmerzensaskese, die im alten Indien, ähnlich dem christlichen Mittelalter, weit verbreitet war.
Der Mönch war ein Sohn des Königs Bimbisāra (Bimbijāla = ein Baum).
Auch dieser Vers enthält, wie C.A.F. Rhys Davids bemerkt, ein zu entschlüsselndes Rätsel, indem in ihm auf vier symbolisch als "Banner" (ketu) oder Merkmale bezeichnete Faktoren verwiesen wird. Der Psalm ist schwer zu übertragen, was die teils völlig voneinander abweichenden Übersetzungen erklärt.
Der Name des Mönches bedeutet so viel wie "Vaccha, der Anhäufer", da er sich durch seine Kenntnis zahlreicher Lehrreden auszeichnete; da der Name Vaccha vielen Mönchen eigen war, war eine Unterscheidung durch besondere Kennzeichen wohl unumgänglich.
Mit diesen Worten ging Kassapas Mutter auf dessen Bitte um ihre Zustimmung ein, in den Orden des Buddha eintreten zu dürfen.
Jenta erinnert sich an seine erste Zeit im Mönchsorden, als er über die Nachteile des weltlichen Lebens ebenso nachsann wie über die Anforderungen des heimlosen Lebens.
Der Mönch, ein Heiliger geworden, erinnert sich an die Zeit seines mühsamen, zu Beginn erfolglosen Strebens in der Einsamkeit.
Yasa, ein reicher Jüngling, war der erste Laienanhänger des Erhabenen.
Vajjiputta gehörte demnach der Familie der Gotamiden an.