Therigatha -  XX.252-365

Therigāthā (Vers 252-365)

Lieder der Nonnen (Übersetzt von KE Neumann)

Zwanziger-Bruchstück - Vīsatinipāto

 

Ambapālī

252
DUNKEL schwellend, schwere Fülle, bienenschwarz,
Dicht in Locken fiel mein Haar gewellt herab:
Das hat Alter hänfern, bastig blaß gebleicht
Wahrheitkünders Kunde dauert unverderbt.

(Vergl. D 16, II)

253
Blütendüfte hauchend süß wie Sandelholz,
Reich mit Blumen war mein Scheitel hold bedeckt:
Nun im Alter riecht er recht nach Hasenhaar
Wahrheitkünders Kunde dauert unverderbt.
 
254
Laubgeländen, schön gepflanzt, gepflegten gleich,
Leuchtend straff war einst mein Schopf gestrählt, gekämmt:
Nun im Alter siecht er, ausgelichtet, ab
Wahrheitkünders Kunde dauert unverderbt.
 
255
Schwarzes Haargeflecht, geschmeidig goldgeschmückt,
Glänzte glitzernd, hochgeflochten zierlich auf:
Nun im Alter schimmert kahl der Schädel durch
Wahrheitkünders Kunde dauert unverderbt.
 
256
Wie vom Maler fein gezogen, zart gemalt,
Vielgepriesen früher war der Brauen Pracht:
Nun im Alter sind sie runzlig reich gebrämt
Wahrheitkünders Kunde dauert unverderbt.
 
257
Feuersprudeln gleichend, wie Karfunkelblitz,
Dunkel aus der Tiefe sprüht' ich Blicke weit:
Nun im Alter blinzelnd brechen sie, verbrüht
Wahrheitkünders Kunde dauert unverderbt.
 
258
Sanfter Höhe gleich erhob der Nasenbug
Jugendhold empor sich im Gesichte mir:
Doch im Alter aufgedunsen dünkt er nun
Wahrheitkünders Kunde dauert unverderbt.
 
259
Goldgehängen, gut gehämmert, glatten gleich
Glänzten mir der Ohren Muscheln rötlich rein:
Die hat Alter netzig nun gerunzelt rings
Wahrheitkünders Kunde dauert unverderbt.
 
260
Wie Bananen blendend blühen, knospenweiß,
Lachten lieblich mir im Munde Zähne blank:
Die hat Alter garstig gerstenfahl zerfällt
Wahrheitkünders Kunde dauert unverderbt.
 
261
In der Laube sang ich Lieder süß im Lenz,
Heimlich wie die Nachtigall in Wäldern girrt:
Hin ist Klingen, hin ist Klang im Alter nun
Wahrheitkünders Kunde dauert unverderbt.
 
262
Gülden gelblich, mild wie Perlmutterglast
Glinzte hehr der Nacken, gleißte hell der Hals:
Weg ist Glimmer, weg ist Glanz im Alter nun
Wahrheitkünders Kunde dauert unverderbt.
 
263
Schlanken Säulen gleich gewunden wohl empor,
Beide hob ich, runde Arme, reizend hoch:
Doch im Alter schlaff wie Seile dünken die
Wahrheitkünders Kunde dauert unverderbt.
 
264
Ring an Ringlein, kostbar edelsteinbesteckt,
Bot ich zierlich auf den zarten Fingern dar:
Schrumpf im Alter schrimpeln die wie Wurzelwerk-
Wahrheitkünders Kunde dauert unverderbt,
 
265
Voll und rund und mutig ragend oben auf
Prangten meine Brüste früher wohlgeformt:
Ausgetrocknet hängen heute, troddeln die-
Wahrheitkünders Kunde dauert unverderbt.
 
266
Glau geglättet, eitel plan wie Plattengold,
Lauter war mein lichter Leib und ohne Fehl:
Furchen, viele Falten sind gezogen durch
Wahrheitkunders Kunde dauert unverderbt.
 
267
Wuchtig wie der Boa vorgebähter Bauch
Beugten, schön gebogen, beide Schenkel ab:
Recht im Alter dünken die wie Bambusrohr
Wahrheitkünders Kunde dauert unverderbt.
 
268
Spangen trug ich, goldgeschmiedet, reich gespannt,
Unterm Knie geschmeidig bis zum Knöchelreif:
Sesamstäbe seh' ich heute stelzen hier
Wahrheitkünders Kunde dauert unverderbt.
 
269
Ausgepolstert, wie mit Wolle ausgebalgt,
Wohlgebildet war der Fuß und rund am Rist:
Hohl ist nun die Haut im Alter, abgewelkt
Wahrheitkünders Kunde dauert unverderbt.
 
270
Also war gewesen dieser Körper da,
Unbeständig, Stätte nur der Not und Qal:
Mörtel fiel und Malter ab vom alten Haus
Wahrheitkünders Kunde dauert unverderbt.
 

(Vergl. Therag. 57, 183f. - Ambapāli eröffnet zwar das Zwanziger-Bruchstück, hat jedoch nur neunzehn Strophen, die folgenden Nonnen haben dagegen zumeist mehr als zwanzig Strophen; ähnlich bei den Versen der Mönche)

 

Rohinī

271
DER VATER:
ASKETEN zeigst du, Tochter, mir,
Asketen hast du stets im Sinn,
Asketen lobst du, liebst du nur:
Asketin selber wirst du wohl!
 
272
Ja, Trank und Speise gibst du gern
Asketen reichlich Tag um Tag:
Rohinī, höre, sag' mir doch
Warum du, Kind, Asketen liebst?
 
273
Untätig sind sie, lässig, lau,
Genießen Gnadenbrot umsonst,
Begehrlich gehn sie nach Genuß: -
Warum doch liebst Asketen du?
 
274
Schon lange, Vater, fragst du mich,
Warum Asketen gut ich sei:
Ich will dir künden ehrlich an
Ihr Wissen, Können, ihre Art.
 
275
Untätig, lässig sind sie nicht,
Sie wirken allerbestes Werk,
Verleugnen Gier, verleugnen Haß:
Asketen hab' ich darum lieb.

 Vergl. A.IV.29-30.

276
Was dreifach böse Wurzel treibt
Entwurzeln dreifach sauber sie,
Verwerfen Böses ganz und gar:
Asketen hab' ich darum lieb.
 

(Vergl. Dhp v. 183, 281. Die drei Tatengänge sind Gedanken, Worte und Werke)

 

277
Denn was sie wirken, das ist rein,
Und was sie reden, das ist wahr,
Und was sie denken, das ist echt:
Asketen hab' ich darum lieb.
 
278
Wie Perlen leuchtend, unverletzt,
Von außen licht und innen licht,
So lauter sind sie durch und durch:
Asketen hab' ich darum lieb.
 
279
Erfahren fein, gewitzigt wohl,
In Wahrheit wesend heilig hier,
Was recht und echt ist künden sie:
Asketen hab' ich darum lieb.
 
280
Erfahren fein, gewitzigt wohl,
In Wahrheit wesend heilig hier,
Sind heiter sie in sich gekehrt:
Asketen hab' ich darum lieb.
 
281
Sie wandern weit, getreu bewußt,
Sie sprechen triftig, ungespreizt,
Sie wissen wie man Leiden löst:
Asketen hab' ich darum lieb.
 
282
Und wann sie durch die Gasse gehn
Sieht keiner rechts und keiner links,
Gelassen gehn sie, gaffen nicht:
Asketen hab' ich darum lieb.
 
283
Nicht Überfluß an Speis' und Trank,
Nicht Krug und Schüssel macht sie satt,
Vollkommensein erkämpfen sie:
Asketen hab' ich darum lieb.
 
284
Sie nehmen nicht Geschmeide, Schmuck,
Nicht Gold und auch kein Silber an,
Zufrieden fristend ihren Tag:
Asketen hab' ich darum lieb.
 
285
Aus mancher Kaste, manchem
Aus manchem Lande kommen
Und leben innig doch geeint:
Asketen hab' ich darum lieb.
 
286
DER VATER:
Zum Heile bist, o Rohinī,
Geboren du in unserm Haus:
Aus Liebe lobst den Meister du,
Sein Wort und seine Mönche so!
 
287
Du kennst ihn wahrlich, kennst ihn wohl,
Den besten Acker, den es gibt!
Und auch von mir, aus meiner Hand
Empfangen Büßer Gaben heut:
Bereitet ist das Opfer recht,
Und reichlich soll die Ernte sein.

 (Vergl. Therag.566)

288
ROHINÍ:
Doch wenn du fürchtest Leiden je,
Wenn Leiden unlieb dich bedünkt,
So komm': der Meister nimmt dich
In seinen Orden, seine Zucht;
In seiner Regel sei du rein,
Zum Wohle wird es taugen dir.

(Vergl. v. 246, 249ff)

289
DER VATER:
Mein Hort und Helfer sei der Herr
Und seine Satzung, sein Gebot:
Will rein in solcher Regel sein,
Zum Wohle wird es taugen mir!
 
290
Brahmanenlehrling war ich nur,
Brahmanenmeister bin ich nun:
Drei Wissen weiß ich, kenn' ich gut,
Ich seh' den Sinn, bin preiserprobt.
 

Cāpā

291
KĀLO:
AM Pilgerstabe schritt ich einst
Zum Jäger hab' ich's jetzt gebracht!
Aus Liebesnot in grausen Pfuhl
Gefallen, fand ich Rettung nicht.
 
292
Wohl wähnst du, Weib, mich eingewiegt,
Weil mir ein Sohn erblüht von dir:
Ich aber ziehe scheidend fort,
Will wieder wandern, heimatlos.
 
293
Cāpā:
O zürne mir nicht, Siegerfürst,
O zürne mir nicht, heil'ger Held!
Wer sich dem Zorne hingibt, Herr,
Ist unrein, ist kein Büßer mehr.
 
294
Kālo:
Leb' wohl, du Nālāhaus, ich geh'!
Wer mag in Nālā bleiben noch?
Zur eignen Sühne lockt man da
Durch Weiberlist Asketen an.
 

(Die Jäger wollen durch fremde Tugend ihr Gewerbe sühnen. Wenn der Büßer fällt, glauben sie, gehe sein Verdienst auf sie über. Dieser uralte, weitverbreitete Aberglaube hat bekanntlich im Christentum, wo der gekreuzigte Gott den sündigen Menschen erlöst, den Gipfel der Absurdität erreicht.)

 

295
Cāpā:
O komm', mein Gatte, kehr' zurück,
Genieß' das Leben wie zuvor:
Ach, lass' mich deine Sklavin sein
Mit allem was mir angehört!
 
296
Kālo:
Und sagtest du den vierten Teil
Von dem nur, Weib, was du gesagt:
Dem Manne, der dich heiß begehrt,
Wär' überreiche Huld gewährt.
 
297
Cāpā:
O Kālo, wie am Gipfel dort
Die volle Goldakazie glüht,
Wie hier die Ranke süchtig treibt,
Am See Lianen duftend blühn,
 
298
So breit ich meine Arme aus,
So lass' ich meine Schleier wehn
Und wiege dich in süßen Duft:
Bin ich nicht schön, daß du mich fliehst?
 
299
Kālo:
So lockt den Vogel freier Luft
Der Vogelsteller fein ins Netz:
Ich kenne, Köderschönheit, dich,
Nicht länger sollst du fesseln mich!
 
300
Cāpā:
O sieh' den holden Knaben an,
Den ich dir gab, dein Ebenbild:
Weil ich dir einen Sohn gebar
Verdien' ich, daß du von mir gehst?
 
301
Kālo:
Von Weib und Kind, von Haus und Hof
Befreien trennend Weise sich:
Den losgebrochnen Ilphen gleich
Ziehn Siegerfürsten froh hinaus.
 
302
Cāpā:
Dann werd' ich auf der Schwelle hier
Mit dieser Keule, diesem Beil
Erschlagen den ich dir gebar
Dein Kind erbarmt dich, und du bleibst!
 
303
Kālo:
Und würfest du's Schakalen gleich
Und Hunden vor als Beutefraß:
Mich wirst du, jämmerliches Weib,
Nie wieder zwingen dir zurück.
 
304
Cāpā:
So gehe denn - ich segne dich!
Doch lass' mich wissen deinen Weg,
Das Dorf, die Stadt, die hohe Burg,
Das Königschloß wohin du ziehst?
 
305
Kālo:
Mit Jüngern, irrend zog ich einst,
Unheilig, heilig wähnend mich,
Von Dorf zu Dorfe, Stadt zu Stadt,
Von Burg zu Burg und Königschloß;
 
306
Er aber, herrlich auferwacht,
Er kündet Wahrheit jedermann,
Das Ende aller Leidensqual,
Am Ufer der Nerañjarā:
Dahin nun eil' ich, Ihn zu sehn,
Er, wahrlich, soll mein Meister sein!
 
307
Cāpā:
So bring' ihm denn auch meinen Preis,
Dem höchsten Schutzherrn aller Welt!
Hast du den Hehren selbst begrüßt,
Entbiet' in Demut meinen Gruß.
 
308
Gar wundersam entzückt mich, Weib,
Das holde Wort, das ich gehört:
Gepriesen sei mit deinem Preis
Der höchste Schutzherr aller Welt!
Hab' ich den Hehren selbst begrüßt,
Will ich entbieten deinen Gruß.
 
309
Und Kālo schied und zog dahin
Zum Ufer der Nerañjara,
Und sah den Meister, hörte wohl
Sein Wort von Heil und Ewigkeit:
 
310
Das Leiden, was das Leiden wirkt,
Was Leiden überwinden läßt,
Den heil'gen achtgeteilten Pfad,
Der uns entführt aus Leiden weg.

(Vergl. v. 186)

311
Da fiel er nieder vor dem Herrn,
Und brachte frohen Gruß ihm dar,
Und pries der Cāpā frommen Preis;
Dann zog er fort als Bettelmönch.
Drei Wissen merkt' er, schuf er bald:
Das Meisterwort, es war erfüllt.
 

Sundarī

312
SUJĀTO, DER BRAHMANE:
Die toten Kindlein hast du einst
Begraben, Ärmste, jammervoll,
Hast Tag und Nacht und Nacht und Tag
Unendlich wehgeklagt, geweint.
 
313
Begraben hast du alle nun,
Brahmanin, sieben Kinder dir:
Vāsetthin, sage, gib mir kund
Warum du heute nimmer weinst?
 
314
Sundarī, DIE BRAHMANIN:
Gar viele hundert Kinder schon,
Verwandtenscharen hundertfach,
Begraben beide haben wir,
So ich wie du, seit langer Zeit.

(Vergl. v. 51)

315
Erlösung hab' ich heut geschaut,
Erlösung von Geburt und Grab,
Und klage nimmer, weine nicht,
Und weiß von keinem Kummer mehr.
 
316
SUJĀTO:
Unglaublich klingt es was du sagst,
Vasetthin, was dein Wort verheißt:
Wer hat dich also aufgeklärt,
Auf daß du solche Rede regst?
 
317
Sundarī
Er war es, ja, der Meisterherr!
Bei Mithilā, der hohen Burg,
Verkündet hat er jedermann
Das Ende aller Leidensqual.

(Vergl. v. 135)

318
Von ihm, dem Helden herrlich echt,
Erhört' ich Wahrheit ohne Falsch:
Das rechte Wort begriff ich rasch,
Vergaß den Gram um Kindestod.
 
319
SUJĀTO:
So will auch ich denn wandern hin
Zum Meister dort, nach Mithilā:
O, wär' es möglich, daß er mich
Von allem Elend löste los!
 
320
Den Meister traf er treulich an,
Der nirgend haftet, nirgend hangt;
Der hat ihm Wahrheit offenbart,
Der Denker, ewig leidentlebt:

(Vergl. Therag.1250)

321
Das Leiden, was da Leiden wirkt,
Was Leiden überwinden läßt,
Den heil'gen achtgeteilten Pfad,
Der uns entführt aus Leiden weg.

(Vergl. v. 310)

322
Das rechte Wort begriff er rasch,
Zog fort als Jünger, heimatlos;
Drei Nächte war Sujāto wach,
Drei Wissen schuf er alsobald.
 
323
SUJĀTO:
Geh', Wagenlenker, weile nicht,
Und bring' den Wagen wieder heim:
Die Tochter grüße fröhlich mir,
«Der Vater», meld' ihr, «ist Asket!
Drei Nächte war Sujāto wach,
Drei Wissen schuf er alsobald.»
 
324
Der Wagenlenker schwang sich auf,
Und reich gerüstet fuhr er heim,
Der Tochter bracht' er frohen Gruß,
«Dein Vater», sprach er, «ist Asket!
Drei Nächte war Sujāto wach,
Drei Wissen schuf er alsobald.»
 
325
Sundarī:
Behüte diese Rosse denn,
Den Wagen nimm und nimm das Gold:
Drei Wissen, sagst du, schuf der Herr?
So schenk' ich dir auch meinen Schrein.
 
326
DER WAGENLENKER:
Behalte Ross' und Wagen nur,
Behalte, Herrin, all dein Gold:
Auch ich zieh' nun als Jünger hin,
'Zum Meister, der das Beste gibt.
 
327
DIE MUTTER:
Die Rosse, Rinder, Elefanten, Schätze,
Verlassen hat er all den reichen Hausrat,
Dein Vater geht im fahlen Kleid:
Genieße, Tochter, was dir nützt,
Du bist ja Erbin hier im Haus!
 
328
Sundarī:
Die Rosse, Rinder, Elefanten, Schätze,
Verlassen hat er all den lieben Hausrat,
Mein Vater geht im fahlen Kleid
Aus Kränkung um den edlen Sohn:
Auch ich will fahl gekleidet sein
Aus Kränkung um den Bruder mein.
 
Sundarī bittet bei den Nonnen um Aufnahme;
eine Nonne antnwortet:
329
Wohlan, dein Wunsch, er sei gewährt,
Gelingen soll dein Sehnen dir!
Mit Bettelbrocken, Bettelrest,
Im Fetzenkittel, Fetzenrock
Zufrieden wandelnd immerdar
Wirst nach dem Tode sein erlöst.
 
330
Sundarī:
(später)
O Schwester, weil ich kämpfte kühn
Ward himmlisch hell mein Angesicht,
Vergangnes Wesen seh' ich nun,
Und was ich war und wo ich war.
 
331
Von dir bedeutet, weises Weib,
Der Schwestern feinste, beste du,
Erfand ich mir drei Wissen wohl:
Das Meisterwort, es ist erfüllt.
 
332
Entlass' mich nun, o Teure du:
Will wandern hin gen Sāvatthī
Und rufen lauten Löwenruf
Ihm zu, dem höchsten Siegerherrn!
 

(Vergl. Therag.175f, 136, 380, 605, 1186)

333
DIE NONNE:
Du magst ihn sehen, Sundarī,
Den Meister, der wie Gold erglänzt,
Der Unbezähmte zähmen kann,
Der, auferwacht, kein Fürchten kennt.

(Vergl. v. 135)

334
Sundarī
kommt nach Sāvatthī, in den Siegerwald, in den Garten
Anāthapindikos, zum Meister hin, und spricht:
Sieh' nahen, Herr, die Sundarī,
Die nirgend haftet, nirgend hangt,
Genesen von Begier, entjocht,
Vollendet ewig, suchtversiegt.
 
335
Benāres ließ ich hinter mir,
Bin hergekommen dich zu sehn:
Die dich, o Held, vernommen hat,
Zu Füßen fällt dir Sundarī.
 
336
Du bist der Wache, bist der Herr,
Und ich bin, Heil'ger, Tochter dir,
Von echter Artung, munderzeugt (*),
Vollendet ewig, suchtversiegt.

(Vergl. Therag. 839)

(*) mukhato jātā, munderzeugt, d.i. durch das Wort geistig wiedergeboren.

 

337
DER MEISTER:
Willkommen sei mir, Gute du,
So weit gegangen bist du her!
Ja, Edle kommen also an,
Entbieten ihrem Lehrer Gruß,
Genesen von Begier, entjocht,
Vollendet ewig, suchtversiegt.
 

Subhā / Des Goldschmieds Tochter

338
Als junge Maid, im lichten Kleid,
Vernahm ich einst der Lehre Wort,
Und ernst und innig horcht' ich auf
Die Wahrheit ward mir offenbar.
 

(Subhā spricht ' als Nonne, zu den Ihrigen, die sie bewegen wollten wieder heimzukehren. Ähnlich Ratthapālo, Therag.769-793)

 

339
Da hat vor allem Weltgenuß
Ein tiefer Ekel mich erfaßt,
Entsetzen vor der Leibeslust:
Entsagung, ach, ersehnt' ich mir!
 
340
Verlassen hab' ich Eltern bald,
Geschwister, Freunde, Dienertroß,
Und Feld und Anger, blütenreich,
Und was noch lieblich lockt und reizt:
Gelassen hab' ich, heimatlos,
Ein reiches Erbe gern zurück.
 
341
So zog ich fort aus Zuversicht,
Mit wahrer Satzung wohl versehn:
Wie möcht' es heute ziemen mir
Begehr zu hegen, dulden gar?
Wo Gold ich warf und Silber weg,
Da sollt' ich wieder heimisch sein?

(Vergl. v. 8)

 
342
Ja, Silber, sicher, gibt und Gold
Erkenntnis nicht und keine Ruh':
Nicht kann Asketen taugen das,
Der Reinen Reichtum ist es nicht.
 
343
Verlangen läßt es, macht uns matt,
Verwirrung wirkt es, züchtet Staub,
Verstörung zeugt es, treibt Verdruß,
Zerrinnt gar eilig, ohne Rast.
 
344
Darum ereifern Menschen sich,
Beschmutzen schmählich ihren Sinn,
Und einer reibt den andern auf,
Und alle ringen insgesamt.
 
345
Verderben kürt man, Kerker, Tod,
Verlust und Leiden, Qal und Not:
Wer nach Genüssen geifernd giert
Muß elend also untergehn.
 
346
Was wollt ihr, die mir Sippe seid,
Wie Feinde listig locken mich?
Erkennt mich als Asketin an,
Verleidet ist mir all die Lust.
 
347
Um Schätze nicht und nicht um Gold
Ist Wahnversiegung feil gesetzt:
Wie Mörder morden lauert Lust,
Und sticht und stachelt, bändigt bald.
 
348
Was wollt ihr, die mir Sippe seid,
Wie Feinde listig locken mich?
Erkennt mich als Asketin an,
Geschoren kahl, gekleidet fahl.
 
349
Nur Bettelbrocken, Bettelrest,
Nur Fetzenkittel, Fetzenrock
Darf taugen mir, geziemen mir,
Was heimentwöhnten Büßern frommt.
 
350
Verhiehen hat der Meister Lust,
So Götterlust, so Menschenlust
Wer ewig abgefesselt geht
Ist unerfaßbar unbewegt.
 
351
Nicht will in Lüsten um ich gehn,
Wo Rettung nirgend ist bereit:
Wie Mörder morden lauert Lust,
Wie Flammen flackern lodert Lust.
 

(Zu einigen der folgenden Gleichnisse vergl. M 22 und M 54; siehe v. 58)

 
352
Unselig ist sie, voll Gefahr,
Voll Qual und Jammer, Angst und Graus,
Die Gier, die zick und zack uns jagt,
Die große Falle, die uns fängt,
 
353
Und grimmig anpackt, gräßlich greift!
Wie Schlangenrachen lungert Lust,
Woran der Tor sich letzen mag,
Der blöde, der gemeine Mensch.
 
354
Im Sumpfe sinken viele fest,
Unwissend elend in der Welt,
Und finden, ach, die Grenze nicht,
Die Grenze von Geburt und Grab.

(Vergl. v. 315 und Therag. 339)

 
355
Auf übler Fährte wandeln sie,
Von Lust verleitet, oft hinab:
Die Menschen fördern Werk um Werk,
Das böse Frucht gebären muß.
 
356
So züchten Lüste Kummer auf,
Versehren uns, besudeln uns,
Sind Lockspeis', Köder dieser Welt,
Des Todes Netze sind sie nur,

(Vergl. hierzu M 25 und M 26 letzteren Teil)

 
357
Und reizen uns zur Raserei!
Den Geist zermartern, meucheln sie:
Zu ludern geil die Wesen an
Hat Schlingen schlau der Tod gelegt.

(Vergl. v. 73 und Therag. 268, 463)

 
358
Unendlich ist der Lüste Qual,
Von Jammer voll und voll von Gift
Und Bitternis und Zorn und Zank,
Verzehrend unser besser Teil.
 
359
Da solches Elend ich gesehn
Wo Lust gebietet, Lust regiert,
Begehr' ich keine Wiederkehr,
Erloschen ewig, wahnerlöst.
 
360
Bekriegt, gekreuzt ist all die Lust!
Will ausgeglüht verglommen sein,
Beharrlich heiter, Tag um Tag,
Von ihrem Frone längst entfrönt.
 
361
Auf holder Fährte, sicher, hell,
Auf reinen Pfaden, achtmal recht,
Hinüber geh' ich, folge nach
Den Siegern, die gegangen sind.
 
362
Und heute seht mich heilig stehn,
Subhā, des Goldschmieds Töchterlein,
Unsehrbar sinnen, unverstört
Im stillen Walde, baumbeschirmt.
 
363
Ich hab' entsagt aus Zuversicht,
Bin tugendhell am achten Tag!
Uppalavannā riet mir recht:
Drei Wissen warb ich, schlug den Tod.

(Vergl. v. 41, 44)

 
364
Entknechtet bin ich, bin entsühnt,
Als Nonne nüchtern, rein gereift,
Von jedem Joche losgelöst,
Vollendet ewig, suchtversiegt.

(Vergl. v. 334ff)

 
365
Und Sakko kam in lichtem Schein:
Mit Götterscharen zog er an
Und grüßte hell, der Geisterherr,
Subhā, des Goldschmieds Töchterlein.

  Oben