Viertes Kapitel

Udāna

IV. Meghiya

Ud.IV.1 Meghiya

So habe ich gehört: Einst weilte der Erhabene bei Cālikā am Berge Cālika. Damals aber war der ehrwürdige Meghiya der Versorger (upatthāka) des Erhabenen, Und der ehrwürdige Meghiya begab sich hin zum Erhabenen, begrüßte den Erhabenen ehrfurchtsvoll und trat zur Seite. Zur Seite stehend sprach nun der ehrwürdige Meghiya zum Erhabenen also: "Herr, ich wünsche nach Jantugāma wegen Almosenspeise zu gehen." - "Tue, Meghiya, was dir an der Zeit zu sein scheint." - Und der ehrwürdige Meghiya kleidete sich zur Zeit des Vormittags an und ging, mit Napf und Gewand versehen, nach Jantugāma wegen Almosenspeise. Als er in Jantugāma betteln gegangen war, begab er sich nach dem Mahle, vom Almosengange zurückgekehrt, an das Ufer des Flusses Kimikālā, und während er dort am Ufer des Flusses Kimikālā zu Fuß wandernd umherstreifte, sah er einen anmutigen, entzückenden Mango-Hain, und als er ihn sah, dachte er bei sich: "Anmutig fürwahr ist dieser Mango-Hain, entzückend; wahrlich, er ist für einen Sohn aus guter Familie, der nach der geistlichen Übung 226) Verlangen trägt, zur geistlichen Übung wie geschaffen 227). Wenn der Erhabene es mir erlauben sollte, möchte ich in diesen Mango-Hain zurückkehren, um der geistlichen Übung obzu1iegen."

Und der ehrwürdige Meghiya begab sich hin zum Erhabenen, begrüßte den Erhabenen ehrfurchtsvoll und setzte sich ihm zur Seite nieder. Zur Seite sitzend sprach nun der ehrwürdige Meghiya zum Erhabenen also: "Was diese Angelegenheit betrifft, Herr, so ging ich, nachdem ich mich zur Zeit des Vormittags angekleidet hatte, mit Napf und Gewand versehen, nach Jantugāma wegen Almosenspeise. Als ich in Jantugāma betteln gegangen war, begab ich mich nach dem Mahle, vom Almosengange zurückgekehrt, an das Ufer des Flusses Kimikālā, und während ich dort am Ufer des Flusses Kimikālā zu Fuß wandernd umherstreifte" sah ich einen anmutigen, entzückenden Mango-Hain, und als ich, ihn sah, kam mir folgender Gedanke: ,Anmutig fürwahr ist dieser Mango-Hain, entzückend; wahrlich, derselbe ist für einen Sohn aus guter Familie, der nach der geistlichen Übung Verlangen trägt, zur geistlichen Übung wie geschaffen. Wenn der Erhabene es mir erlauben sollte, möchte ich in diesen Mango-Hain zurückkehren, um der geistlichen Übung obzuliegen.’ Herr, wenn der Erhabene es mir erlaubt, möchte ich in jenen Mango-Hain gehen, um der geistlichen Übung obzuliegen." -

Auf diese Worte hin sprach der Erhabene zum ehrwürdigen Meghiya also: "Warte einstweilen, Meghiya, solange wir allein sind, bis noch ein anderer Mönch kommt." - Auch ein zweites Mal sprach der ehrwürdige Meghiya zum Erhabenen also: "Herr, der Erhabene braucht fürderhin nichts mehr zu wirken 228) oder das Gewirkte immer wieder zu durchforschen 229); ich aber, Herr, muß fürderhin noch wirken, muß das Gewirkte immer wieder durchforschen. Herr, wenn der Erhabene es mir erlaubt, möchte ich in jenen Mango-Hain gehen, um der geistlichen Übung obzuliegen." Auch zum zweiten Mal sprach der Erhabene zum ehrwürdigen Meghiya also: "Warte einstweilen, Meghiya, solange wir allein sind, bis noch ein anderer Mönch kommt." - Auch ein drittes Mal sprach der ehrwürdige Meghiya zum Erhabenen also: "Herr, der Erhabene braucht fürderhin nichts mehr zu wirken oder das Gewirkte immer wieder zu durchforschen; ich aber, Herr, muß fürderhin noch wirken, muß das Gewirkte immer wieder durchforschen. Herr, wenn der Erhabene es mir erlaubt, möchte ich in jenen Mango-Hain gehen, um der geistlichen Übung obzuliegen." - "Da du die geistliche Übung betonst, Meghiya, was sollen wir da noch sagen? Tue, Meghiya, was dir an der Zeit zu sein scheint." -

Da erhob sich der ehrwürdige Meghiya von seinem Sitz, grüßte den Erhabenen ehrfurchtsvoll, umwandelte ihn rechter Hand und begab sich nach jenem Mango-Haine. Als er dahin gegangen und in den Mango-Hain eingetreten war, setzte er sich unter einem Baume zur Mittagsruhe nieder. Und während nun der ehrwürdige Meghiya in jenem Mango-Haine verweilte, überkamen ihn in einem fort drei böse, unheilsame 230) Vorstellungen (vitakkā), nämlich die Vorstellung der Sinnenlust, die Vorstellung des Übelwollens, die Vorstellung der Gewalttätigkeit. Da dachte der ehrwürdige Meghiya bei sich also: ‚O außerordentlich fürwahr, o wunderbar fürwahr! - ich bin doch im Glauben vom Hause fort in die Hauslosigkeit gegangen, und dennoch werde ich verfolgt 232) von diesen drei bösen, unheilsamen Vorstellungen, nämlich von der Vorstellung der Sinnenlust, von der Vorstellung des Übelwollens, von der Vorstellung der Gewalttätigkeit!’

Und als sich der ehrwürdige Meghiya nun zur Abendzeit aus seiner sinnenden Ruhe erhoben hatte, begab er sich hin zum Erhabenen, begrüßte den Erhabenen ehrfurchtsvoll und setzte sich ihm zur Seite nieder. Zur Seite sitzend sprach nun der ehrwürdige Meghiya zum Erhabenen also: "Herr, was diesen Fall anbetrifft, so überkommen mich, während ich in jenem Mango-Haine verweilte, in einem fort drei böse, unheilsame Vorstellungen, nämlich die Vorstellung der Sinnenlust, die Vorstellung des Übelwollens, die Vorstellung der Gewalttätigkeit. Ich, Herr, dachte bei mir also: O außerordentlich fürwahr, o wunderbar fürwahr! - ich bin doch im Glauben vom Hause fort in die Hauslosigkeit gegangen, und dennoch werde ich verfolgt von diesen drei bösen, unheilsamen Vorstellungen, nämlich von der Vorstellung der Sinnenlust, von der Vorstellung des Übelwollens, von der Vorstellung der Gewalttätigkeit !" -

"Fünf Dinge, Meghiya, führen die noch nicht völlig zur Reife gelangte Geisteserlösung zu völliger Reife: Welche fünf?

  1. In diesem Falle, Meghiya, hat ein Mönch einen trefflichen Freund, [einen trefflichen Gefährten 233)] einen trefflichen Genossen. Die noch nicht völlig zur Reife gelangte Geisteserlösung, Meghiya, führt dieses erste Ding zu völliger Reife. -
  2. Ein Mönch ist ferner voll sittlicher Zucht, Meghiya; er lebt in Zurückhaltung gemäß den durch das mönchische Sittengesetz 234) gezogenen Schranken; im Bereich des guten Wandels vollkommen, in den kleinsten zu vermeidenden Dingen Gefahr erblickend, übt er sich in den Geboten, die er auf sich genommen hat. Die noch nicht völlig zur Reife gelangte Geisteserlösung, Meghiya, führt dieses zweite Ding zu völliger Reife. -
  3. Ein zur Reinigung 235) dienendes, den Segen der Geisteserschließung gebendes Gespräch ferner, Meghiya, das zum völligen Überdruß - [an allem] -, zur Gierlosigkeit, zur Aufhebung, zur Beruhigung, zum höheren Wissen, zur Erwachung, zum Nibbāna führt, - nämlich Gespräch über die Bedürfnislosigkeit, Gespräch über die Zufriedenheit, Gespräch über die Einsamkeit, Gespräch über das Leben der Zurückgezogenheit, Gespräch über die Anspannung der Energie, Gespräch über die sittliche Zucht, Gespräch über die Konzentration, Gespräch über die Weisheit, Gespräch über die Erlösung, Gespräch über die klare Einsicht in - [das Wesen der] - Erlösung, - durch derartiges Gespräch bekommt er Gefallen 236) und wird frei von Beschwerde und Mühe. Die noch nicht völlig zur Reife gelangte Geisteserlösung, Meghiya, führt dieses dritte Ding zu völliger Reife. -
  4. Ferner, Meghiya. lebt ein Mönch, indem er seine Energie anspannt, um unheilsame Eigenschaften loszuwerden und heilsame Eigenschaften zu erlangen, entschlossen, ernst strebend, willig in guten Dingen. Die noch nicht völlig zur Reife gelangte Geisteserlösung, Meghiya, führt dieses vierte Ding zu völliger Reife. -
  5. Ferner, Meghiya, ist ein Mönch weise, ausgestattet mit der Weisheit, die das Entstehen und Vergehen schaut, der hohen, durchdringenden, die zur völligen Vernichtung des Leidens führt. Die noch nicht völlig zur Reife gelangte Geisteserlösung, Meghiya, führt dieses fünfte Ding zu völliger Reife. -

Diese fünf Dinge, Meghiya, führen die noch nicht völlig zur Reife gelangte Geisteserlösung zu völliger Reife.

"Deshalb aber, Meghiya, muß ein in diesen fünf Dingen feststehender Mönch noch vier Dinge aufs äußerste pflegen:

Denn, Meghiya, für den, der die Unbeständigkeit wahrnimmt, steht fest die Wahrnehmung des Nicht-Ich 246); wer das Nicht-Ich wahrnimmt, erreicht noch im gegenwärtigen Leben das den Ich-bin-Dünkel aufhebende Nibbāna."

Da tat der Erhabene, nachdem er erkannt, was dies zu bedeuten hatte, bei jener Gelegenheit folgenden feierlichen Ausspruch:

"Die leisen Gedanken, die feinen 247) Gedanken, die noch nicht offenbaren 248) Wallungen 249) des Geistes, - wer diese Gedanken nicht erkannt hat, eilt unsteten Geistes von Existenz zu Existenz. Aber der Eifrige, klar Bewußte, der diese Gedanken erkannt hat, hemmt sie; der Buddha 250) hat - [auch] - diese noch nicht offenbaren Wallungen des Geistes restlos von sich getan."


226) Geistliche Übung = padhāna. Unter den "vier rechten Übungen" (sammappadhāna) versteht der Buddhismus 1. die Übung, noch nicht entstandenes Böses in sich nicht entstehen zu lassen; 2. die Übung, vorhandenes Böses in sich zu vertreiben; 3. die Übung, noch nicht vorhandenes Gutes in sich zu erwecken; 4. die Übung, vorhandenes Gutes in sich zu vermehren. Diese vier Übungen machen die sechste Stufe des achtgliedrigen Weges (sammāvāyāma "rechte Anstrengung") aus.
227) Wörtl. "genügt für".
228) Der Sinn ist natürlich: für das eigene Heil, für die Erlösung zu wirken.
229) paticaya ist ein sehr selten vorkommendes Wort. Je nachdem man es zu ci "schichten, sammeln" oder zu ci "wahrnehmen, durchforschen" stellt, mag es "wiederholte Ansammlung", d. i. "Vermehrung des Vorhandenen" oder "wiederholtes Durchforschen" bedeuten.
130) akusala ist alles, was leidvolle, üble Fo1gen nach sich zieht.
232) anvāsato (anvāsrtah) ist die Lesart von S.
233) kalyānasahāyo findet sich nur in M., darf aber an dieser Stelle nicht fehlen, wie aus dem Folgenden hervorgeht.
234) Mönchisches Sittengesetz = pātimokkha.
235) Zu sallekha vgl. Majjh. 8.
236) Gefallen an den geistlichen Übungen.
237) S. und M. lesen richtig samādāya sikkhissati.
238) Der folgende Satz ist nach S. und M. übersetzt, da die Ed. einen unverständlichen und korrumpierten Text bietet.
239) viharissati nach S. und M.
240) Unter der "Betrachtung über das Unreine" (asubhabhāvanā) sind die "Leichenbetrachtungen" zu verstehen.
241) Die Erweckung des Wohlwollens (oder der Güte, mettā) ist eine der vier erhabenen Geisteszustände (brahmavihāra). S. Pāli-Buddhismus, p. 347, 353.
242) Die genaue Regulierung und Kontrollierung des Ein- und Ausatmens gilt einerseits als eine besondere Übung innerhalb des meditativen Trainings, andererseits bildet sie, als ein Mittel zur Erreichung der Konzentration, die Einleitung zu bestimmten Meditations- und Kontemplationsübungen. S. Pāli-Buddhismus, p. 346, 350, 363 f.
243) vitakkā.
244) saññā in der Meditation ist die mit höchster Konzentration herbeigeführte, gleichsam zu einer sinnlichen Wahrnehmung sich verdichtende Vorstellung eines konkreten Objektes.
245) Vom Standpunkte des Buddhismus aus ist eine der ärgsten Ketzereien der Glaube, daß die fünf Stücke der Persönlichkeit, sei es irgendeins derselben, sei es die fünf Stücke in ihrer Gesamtheit, das "Ich" oder "Selbst" bilden, oder daß sie dem "Selbst" inhärieren oder das "Selbst" ihnen innewohne.
246) "Nicht-Ich, Nicht-Selbst" (anattā) ist der Fachausdruck für die in Anm. 245 gekennzeichnete Doktrin des Buddhismus.
247) sukhuma "fein, subtil", im Gegensatz zu dem Grob-sinnfälligen der wahrnehmbaren Materie.
248) anuggatā "nicht entstanden, nicht aufgestiegen" ist die Lesart von M.
249) uppilāva (so ist die Schreibung des Wortes in der im allgemeinen gute Lesarten bietenden Handschrift M.) führe ich auf *utplāva zurück. Die Grundbedeutung ist "Aufströmen, Aufwallen, Aufspringen, Aufschnellen".
250) Der Sinn ist: Während der noch in der Schulung begriffene Jünger bestrebt ist, diese leisen Gedankenregungen zu unterdrücken, stellen sich dieselben bei einem "Erwachten" überhaupt nicht mehr ein.


Ud.IV.2 Die Aufgeblasenen

So habe ich gehört: Einst weilte der Erhabene bei Kusinārā 251) im Upavattana 252), im Sāla-Haine der Mallas 253). Damals aber weilten nicht fern vom Erhabenen in einer Waldhütte viele Mönche, aufgeblasene, hochfahrende, leichtsinnige, lärmende, geschwätzige, unaufmerksame, unbesonnene, ungesammelte, unstete, die ihre Sinne nicht im Zaume hielten 254). Es sah nun der Erhabene diese vielen nicht fern in einer Waldhütte weilenden Mönche, die aufgeblasen, hochfahrend, leichtsinnig, lärmend, geschwätzig, unaufmerksam, unbesonnen, ungesammelt, unstet waren und ihre Sinne nicht im Zaume hielten.

Da. tat der Erhabene, nachdem er erkannt, was dies zu bedeuten hatte, bei jener Gelegenheit folgenden feierlichen Ausspruch:

"Wer seinen Körper nicht hütet, wer in falsche Ansichten geraten, wer von Energielosigkeit und Schläfrigkeit übermannt ist, gelangt in Māras Gewalt. Darum hüte man seinen Geist, folge rechten Entschlüssen 255), befleißige sich rechter Anschauung, indem man das Entstehen und Vergehen erkennt; Energielosigkeit und Schläfrigkeit überwindend möge der Mönch alle schlimmen Wege 256) verlassen."


251) Kusinārā, vermutlich das heutige Kasia, war die Stadt, in deren Nähe (u. z. in dem hier genannten Sāla-Haine) Buddha starb.
252) Upavattana bedeutet "Tummelplatz".
253) Als die beiden wichtigsten Orte in dem Gebiete der Mallas galten Pāvā und Kusinārā.
254) pākatindriya bedeutet das Gegenteil von samvutindriya. Vgl. Itivuttaka 91 und 92.
255) Das "rechte Sichentschließen" (sammāsankappa), die zweite Stufe des achtgliedrigen Weges, fordert drei Vorstellungen, die den oben erwähnten drei Vorstellungen des Meghiya gerade entgegengesetzt sind, nämlich Vorstellungen frei von Sinnenlust, von Übelwollen und von Grausamkeit.
256) duggati ist hier wohl nicht in dem technischen Sinne ("Abweg, schlimme Wiedergeburt, Elend"), sondern wörtlich als "schlechter, verkehrter Weg, falscher Pfad" zu verstehen.


Ud.IV.3 Der Rinderhirt

So habe ich gehört: Einst wanderte der Erhabene mit einer großen Mönchsgemeinde im Lande der Kosaler. Und der Erhabene ging vom Wege ab, begab sich unter einen Baum und setzte sich dort auf einem bereiteten Sitze nieder. Da begab sich ein Rinderhirt hin zum Erhabenen, begrüßte den Erhabenen ehrfurchtsvoll und setzte sich ihm zur Seite nieder. Und der Erhabene belehrte, ermahnte, ermunterte und erfreute diesen Rinderhirten, der ihm zur Seite saß, durch ein Gespräch über die Lehre. Und nachdem nun dieser Rinderhirt von dem Erhabenen durch ein Gespräch über die Lehre belehrt, ermahnt, ermuntert und erfreut war, sprach er zum Erhabenen also: "Herr, der Erhabene möge mir zugestehen für den morgenden Tag das Mahl mitsamt der Mönchsgemeinde!" Der Erhabene gab stillschweigend seine Zustimmung. Als nun jener Rinderhirt die Zustimmung des Erhabenen bemerkt hatte, erhob er sich von seinem Sitz, grüßte den Erhabenen ehrfurchtsvoll, umwandelte ihn rechter Hand und ging fort.

Und der Rinderhirt ließ nach Ablauf jener Nacht in seiner Wohnung viel Reisbrei und frische Schmelzbutter zubereiten und kündete dann dem Erhabenen die Zeit an: "Herr, es ist Zeit, das Mahl ist bereit." Und nachdem sich nun der Erhabene zur Zeit des Vormittags angekleidet hatte, begab er sich, mit Napf und Gewand versehen, mitsamt der Mönchsgemeinde in die Wohnung des Rinderhirten und setzte sich dort auf dem bereiteten Sitze nieder. Und jener Rinderhirt erquickte und sättigte eigenhändig die Mönchsgemeinde, den Buddha als ersten, mit Reisbrei und frischer Schmelzbutter. Und als nun der Erhabene gespeist und Napf und Hände gesäubert hatte, nahm der Rinderhirt einen niedrigen Sitz und setzte sich ihm zur Seite nieder. Und der Erhabene belehrte, ermahnte, ermunterte und erfreute den Rinderhirten, der ihm zur Seite saß, durch ein Gespräch über die Lehre, dann erhob er sich von seinem Sitz und ging fort. Nicht lange aber, nachdem der Erhabene fortgegangen war, beraubte ein Mann im Grenzgebiete (simantarikāya) diesen Rinderhirten des Lebens.

Und viele Mönche begaben sich hin zum Erhabenen, begrüßten den Erhabenen ehrfurchtsvoll und setzten sich zur Seite nieder. Zur Seite sitzend sprachen nun diese Mönche zum Erhabenen also: "Herr, jener Rinderhirt, der heute die Mönchsgemeinde, den Buddha als ersten, eigenhändig mit Reisbrei und frischer Schmelzbutter erquickt und gesättigt hat, ist von einem Manne im Grenzgebiet des Lebens beraubt worden."

Da tat der Erhabene, nachdem er erkannt, was dies zu bedeuten hatte, bei jener Gelegenheit folgenden feierlichen Ausspruch:

"Was auch ein Feind seinem Feinde oder 258) ein Widersacher seinem Widersacher antun mag: ein schlecht gerichteter Geist mag ihm noch Böseres antun als dieses."


258) S. liest veri vā.


Ud.IV.4 Die Mondnacht

So habe ich gehört: Einst weilte der Erhabene bei Rājagaha im Bambus-Haine beim Kalandakanivāpa. Damals aber weilten der ehrwürdige Sāriputta und der ehrwürdige Mahā-Moggallāna in der Taubengrotte 259). Zu jener Zeit aber saß der ehrwürdige Sāriputta in einer mondhellen Nacht mit frischgeschorenen Haaren unter freiem Himmel, in eine bestimmte Konzentration versunken. Damals aber zogen zwei miteinander befreundete Yakkhas 41), um irgend etwas zu erledigen, von Norden gegen Süden. Es sahen nun diese Yakkhas den ehrwürdigen Sāriputta, wie er in mondheller Nacht mit frischgeschorenen Haaren unter freiem Himmel saß, und als sie ihn erblickten, sprach der eine Yakkha zum andern: "Mein Lieber, es kommt mir in den Sinn, diesem Asketen hier einen Schlag auf den Kopf zu geben." Auf diese Worte hin sagte der andere Yakkha zu diesem: "Genug, mein Lieber, vergreife dich nicht an dem Asketen 260)! Gewaltig, mein Lieber, ist dieser Asket, mit großer magischer Kraft und großer Macht ausgestattet," - Auch ein zweites Mal sprach der eine Yakkha zum andern: "Mein Lieber, es kommt mir in den Sinn, diesem Asketen hier einen Schlag auf den Kopf zu geben!" Auch ein zweites Mal sagte der andere Yakkha zu diesem: "Genug, mein Lieber, vergreife dich nicht an dem Asketen! Gewaltig, mein Lieber, ist dieser Asket, mit großer magischer Kraft und großer Macht ausgestattet." - Auch ein drittes Mal sprach der eine Yakkha zum andern: "Mein Lieber, es kommt mir in den Sinn, diesem Asketen hier einen Schlag auf den Kopf zu geben !" Auch ein drittes Mal sagte der andere Yakkha zu diesem: "Genug, mein Lieber, vergreife dich nicht an dem Asketen! Gewaltig, mein Lieber, ist dieser Asket, mit großer magischer Kraft und großer Macht ausgestattet." - Aber ohne sich an den andern zu kehren, gab jener Yakkha dem ehrwürdigen Ordensälteren Sāriputta einen Schlag auf den Kopf, [es war ein mächtiger Schlag 261)]. Mit eben diesem Schlage könnte man einen sieben oder achthalb Ellen 262) hohen Elefanten niederstrecken oder eine große Bergspitze zerschmettern. Der Yakkha aber stürzte mit den Worten "ich brenne! ich brenne!" unverzüglich in eine Große Hölle.

Es sah nun der ehrwürdige Mahā-Moggallāna mit dem himmlischen Auge, dem geklärten, übermenschlichen, wie dem ehrwürdigen Sāriputta von jenem Yakkha ein Schlag auf den Kopf gegeben wurde. Als er das sah, begab er sich hin zum ehrwürdigen Sāriputta und sprach zu ihm: "Freund, geht es dir gut? Fühlst du dich gesund? Hast du irgendwie Schmerzen?" - "Es geht mir gut, Freund Moggallāna, ich fühle mich gesund. Freund Moggallāna; nur im Kopfe habe ich einen unbedeutenden Schmerz." - "Außerordentlich, Freund Sāriputta, wunderbar, Freund Sāriputta, daß du, der ehrwürdige Sāriputta, mit so großer magischer Kraft, mit so großer Macht ausgestattet bist! Hier hat dir, Freund Sāriputta, irgendein Yakkha einen Schlag auf den Kopf gegeben, es war ein mächtiger Schlag! Mit eben diesem Schlage könnte man einen sieben oder achthalb Ellen hohen Elefanten niederstrecken oder eine große Bergspitze zerschmettern. Und doch sagt der ehrwürdige Sāriputta: Es geht mir gut, Freund Moggallāna, ich fühle mich gesund, Freund Moggallāna; nur im Kopfe habe ich einen unbedeutenden Schmerz." - "Außerordentlich, Freund Moggallāna, wunderbar, Freund Moggallāna, wie sehr doch der ehrwürdige Mahā-Moggallāna mit großer magischer Kraft und großer Macht ausgestattet ist, da er nämlich sogar einen Yakkha sieht 263); ich hingegen habe 264) jetzt nicht einmal einen Schmutzkobold 265) gesehen!" -
Es hörte nun der Erhabene mit dem himmlischen Ohre, dem geklärten, übermenschlichen, dieses Gespräch jener beiden Gewaltigen in seinem Verlaufe.

Da tat der Erhabene, nachdem er erkannt, was dies zu bedeuten hatte, bei jener Gelegenheit folgenden feierlichen Ausspruch:

"Wessen Geist wie ein Felsen feststeht und nicht wankt, gierlos bleibt bei Lust erregenden Dingen, nicht in Zorn gerät bei etwas, das zum Zorne reizt, - wer also den Geist gepflegt hat, woher sollte den ein Leid ankommen?"


259) Kapotakandarā war nach dem Komm. der Name eines Vihāra.
260) M. liest: mā … upādesi.
261) Das Eingeklammerte findet sich an dieser Stelle nur in M. (tāva mahāpahāro ahosi).
262) Ein Ratana (Elle) hatte zwei Vidatthi; eine Vidatthi wieder zwölf Angula.
263) passati ist die Lesart von M.
264) Ich nehme passāma als Präs. histor.
265) Zu pamsupisāca vgl. die Erklärungen des Komm. in Jāt. IV, p. 147 und IV, p. 380. Der Sinn ist also: Während Moggallāna einen mächtigen bösen Dämon wahrzunehmen vermag, kann Sāriputta nicht einmal ein kleines Gespenst, einen Schmutzkobold, entdecken.


Ud.IV.5 Der Elefant

So habe ich gehört: Einst weilte der Erhabene bei Kosambi 266) im Ghosita-Klostergarten. Damals aber lebte der Erhabene umschwärmt; von Mönchen, Nonnen, Laienanhängern, Laienanhängerinnen, von Königen und königlichen Ratgebern, von Andersgläubigen und deren Jüngern umschwärmt, fühlte er sich unbehaglich, nicht glücklich. Und es kam dem Erhabenen folgender Gedanke: "Ich lebe gegenwärtig umschwärmt; von Mönchen; Nonnen, Laienanhängern, Laienanhängerinnen, von Königen und königlichen Ratgebern, von Andersgläubigen und deren Jüngern umschwärmt, lebe ich unbehaglich, nicht glücklich. Wie wäre es, wenn ich allein, abgesondert von der Menge verweilen würde ?"

Und der Erhabene kleidete sich zur Zeit des Vormittags an und ging, mit Napf und Gewand versehen, nach Kosambi wegen Almosenspeise. Und nachdem er in Kosambi betteln gegangen war, räumte er nach dem Mahle, vom Almosengange zurückgekehrt, seine Lagerstätte selbst weg und machte sich, mit Napf und Gewand versehen, allein, mit keinem anderen, auf die Wanderung nach Pālileyyaka, ohne seinem Versorger davon eine Mitteilung zu machen und ohne die Mönchsgemeinde in Kenntnis zu setzen. Von Ort zu Ort wandernd gelangte er nach Pālileyyaka. Dort bei Pālileyyaka weilte der Erhabene im Rakkhita-Waldesdickicht am Fuße eines Edel-Sāla-Baumes.

Auch ein edler Elefant lebte umschwärmt von männlichen und weiblichen Elefanten, von jungen Elefanten und Elefantenkälbern, und er nährte sich von Gräsern, deren Spitzen schon abgebrochen waren, und alle Zweige, die er für sich abgebrochen hatte, fraßen sie; er mußte Wasser trinken, welches besudelt war, und wenn er beim Baden schwamm, kamen die weiblichen Elefanten und rieben den Körper an ihm. So umschwärmt fühlte er sich unbehaglich, nicht glücklich. Und es kam diesem edlen Elefanten folgender Gedanke: "Ich lebe gegenwärtig umschwärmt von männlichen und weiblichen Elefanten, von jungen Elefanten und Elefantenkälbern; ich nähre mich von Gräsern, deren Spitzen schon abgebrochen sind, und alle Zweige, die ich für mich abgebrochen habe, fressen sie; ich muß Wasser trinken, das besudelt ist, und wenn ich beim Baden schwimme, kommen die weiblichen Elefanten und reiben den Körper an mir. So umschwärmt fühle ich mich unbehaglich, nicht glücklich. Wie wäre es, wenn ich allein, abgesondert von der Herde, verweilen. würde?"

Und dieser edle Elefant ging fort von der Herde und begab sich nach Pālileyyaka in das Rakkhita-Waldesdickicht zu dem Edel-Sāla-Baume, wo der Erhabene war. Als dieser edle Elefant dorthin gekommen war, säuberte er daselbst die Stätte, wo der Erhabene weilte, von Gras und trug mit seinem Rüssel dem Erhabenen Wasser zum Trinken zu.

Und während nun der Erhabene einsam sinnend weilte, erhob sich in seinem Geiste folgende Erwägung: "Früher lebte ich umschwärmt; von Mönchen, Nonnen, Laienanhängern, Laienanhängerinnen, von Königen und königlichen Ratgebern, von Andersgläubigen und deren Jüngern umschwärmt lebte ich unbehaglich, nicht glücklich. Gegenwärtig aber lebe ich ohne umschwärmt zu werden, und nicht umschwärmt von Mönchen, Nonnen, Laienanhängern und Laienanhängerinnen, von Königen und königlichen Ratgebern, von Andersgläubigen und deren Jüngern fühle ich mich behaglich und glücklich."
Auch im Geist jenes edlen Elefanten erhob sich folgende Erwägung: "Früher lebte ich umschwärmt von männlichen und weiblichen Elefanten, von jungen Elefanten und Elefantenkälbern; ich nährte mich von Gräsern, deren Spitzen schon abgebrochen waren, und alle Zweige, die ich für mich abgebrochen hatte, fraßen sie; ich mußte Wasser trinken, das besudelt war, und wenn ich beim Baden schwamm, kamen die weiblichen Elefanten und rieben den Körper an mir. So umschwärmt fühlte ich mich unbehaglich, nicht glücklich. Gegenwärtig aber lebe ich nicht umschwärmt von männlichen und weiblichen Elefanten, von jungen Elefanten und Elefantenkälbern; ich nähre mich von Gräsern, deren Spitzen nicht abgebrochen sind, und sie fressen nicht alle Zweige, die ich für mich abgebrochen habe; ich habe Wasser zum trinken, das nicht besudelt ist, und wenn ich beim Baden schwimme, kommen keine weiblichen Elefanten, die den Körper an mir reiben. Und ohne umschwärmt zu werden, fühle ich mich behaglich und glücklich."

Da tat der Erhabene im Hinblick auf seine eigene Abgeschiedenheit und nachdem er die Erwägung im Geiste jenes edlen Elefanten im Geiste erkannt hatte, bei jener Gelegenheit folgenden feierlichen Ausspruch:

"Diese Gedanken des edlen Elefanten, dessen Hauer der Stange eines Pfluges gleichen, stimmen überein mit den Gedanken des vortrefflichen Mannes 267), dieweil er einsam in dem Walde sich erfreut."


266) Kosambi (Kauçāmbi) war die Hauptstadt der Vatsas in der Gegend des heutigen Allahābād. Der Name lebt fort in dem Namen Kosam, den heute zwei aneinander grenzende Ortschaften (Kosam Inam und Kosam Khirāj) führen.
267) Es liegt hier ein Wortspiel vor: nāga kann außer "Elefant" auch "hervorragender Mann" bedeuten.


Ud.IV.6 Pindola

So habe ich gehört: Einst weilte der Erhabene bei Sāvatthi im Jeta-Haine, im Klostergarten des Anāthapindika. Damals aber saß in der Nähe des Erhabenen mit gekreuzten Beinen und gerade aufgerichtetem Körper der ehrwürdige Pindola-Bhāradvāja, ein Freund der Wälder, der sich nur von selbsterbettelter Almosenspeise nährte, der sich in Gewänder kleidete, die aus weggeworfenen Lumpen bestanden, und der sich mit nur einem Drei-Gewande begnügte, ein Genügsamer, Zufriedener, abgesondert und nicht in Gesellschaft lebend, tatkräftig, der strengen Observanz ergeben 268) und die Geistesschulung pflegend. Es sah nun der Erhabene den in seiner Nähe mit gekreuzten Beinen und gerade aufgerichtetem Körper sitzenden ehrwürdigen Pindola-Bhāradvāja, den Freund der Wälder, der sich nur von selbsterbettelter Almosenspeise nährte, der sich in Gewänder kleidete, die aus weggeworfenen Lumpen bestanden, und der sich mit nur einem Drei-Gewande begnügte, den Genügsamen, Zufriedenen, abgesondert und nicht in Gesellschaft Lebenden, den Tatkräftigen, welcher der strengen Observanz ergeben war und die Geistesschulung pflegte.

Da tat der Erhabene, nachdem er erkannt, was dies zu bedeuten hatte, bei jener Gelegenheit folgenden feierlichen Ausspruch:

"Nicht Gewalt tun, nicht schmähen, Zügelung, wie es die Ordensregel erheischt, maßhalten im Essen, eine abgesonderte Lagerstätte und die Anspannung in der Geistesschulung: dies ist die Botschaft der Buddhas 269)."


268) Vgl. Anm. 195. Zur Sache vgl. Childers, s. v.
269) Dies ist der 185. Vers im Dhp.


Ud.IV. 7 Sāriputta 270)

So habe ich gehört: Einst weilte der Erhabene bei Sāvatthi im Jeta-Haine, im Klostergarten des Anāthapindika. Damals aber saß in der Nähe des Erhabenen mit gekreuzten Beinen und gerade aufgerichtetem Körper der ehrwürdige Sāriputta, der Genügsame, Zufriedene, abgesondert und nicht in Gesellschaft lebend, tatkräftig und die Geistesschulung pflegend. Es sah nun der Erhabene den in seiner Nähe mit gekreuzten Beinen und gerade aufgerichtetem Körper sitzenden ehrwürdigen Sāriputta, den Genügsamen, abgesondert und nicht in Gesellschaft Lebenden, den Tatkräftigen, der die Geistesschulung pflegte.

Da tat der Erhabene, nachdem er erkannt, was dies zu bedeuten hatte, bei jener Gelegenheit folgenden feierlichen Ausspruch:

"Dem Weisen, der unermüdlich ist in der Geistesschulung, der sich übt in den Pfaden des Schweigens, - einem solchen Beruhigten, allzeit klar [der Lehre] Gedenkenden entstehen keine Kümmernisse."
 


270) Vgl. zu diesem Sutta dieselbe Erzählung in einer späteren Fassung in der Vorgeschichte zum Manisūkara-Jātaka (Fausbölls Ausgabe II, p. 415 ff.) und im Kommentar zu Dhp. 306.


Ud.IV.8 Sundari

So habe ich gehört: Einst weilte der Erhabene bei Sāvatthi im Jeta-Haine, im Klostergarten des Anāthapindika. Damals aber wurde der Erhabene geehrt, wertgeschätzt, hochgeachtet, respektvoll gegrüßt und mit Aufmerksamkeiten bedacht und erhielt die erforderlichen Dinge, nämlich Gewand, Almosenspeise, Lagerstätte und Arznei für Krankheitsfälle. Auch die Mönchsgemeinde wurde geehrt, wertgeschätzt, hochgeachtet, respektvoll gegrüßt und mit Aufmerksamkeiten bedacht und erhielt die erforderlichen Dinge, nämlich Gewand, Almosenspeise, Lagerstätte und Arznei für Krankheitsfälle. Die andersgläubigen Wanderasketen aber wurden nicht geehrt, nicht wertgeschätzt, nicht hochgeachtet, nicht respektvoll gegrüßt noch mit Aufmerksamkeiten bedacht und erhielten nicht die erforderlichen Dinge, nämlich Gewand, Almosenspeise, Lagerstätte und Arznei für Krankheitsfälle.

Und diese andersgläubigen Wanderasketen, welche die Ehrung des Erhabenen und der Mönchsgemeinde nicht ertrugen, begaben sich hin zur Wanderasketin Sundari und sprachen zu ihr: "Schwester, vermagst du deinen Verwandten einen Dienst zu erweisen?" - "Was, ihr Herren, soll ich tun? Was wäre ich nicht imstande 271) zu tun?! Sogar mein Leben würde ich zum Besten meiner Verwandten hingeben!" - "Schwester, so gehe denn wiederholt nach dem Jeta-Hain." - "Ja, ihr Herren!" antwortete die Wanderasketin Sundari jenen andersgläubigen Wanderasketen und ging dann wiederholt nach dem Jeta-Hain.

Als jene andersgläubigen Wanderasketen inne wurden, daß die Wanderasketin Sundari 272), von vielen Leuten gesehen, wiederholt nach dem Jeta-Hain ging, da beraubten sie sie des Lebens und verscharrten sie in einer Brunnengrube 273). Dann begaben sie sich zum Kosaler König Pasenadi und sprachen zu ihm: "Die Wanderasketin Sundari sieht man überhaupt nicht mehr, Majestät," - "Wo aber vermutet ihr, daß sie sei?" - "Im Jeta-Haine, Majestät." - "So suchet also den Jeta-Hain ab!" -

Und als nun jene andersgläubigen Wanderasketen den Jeta-Hain absuchten, holten sie [die Sundari], so wie sie hineingeworfen war, aus der Brunnengrube hervor, legten sie auf eine Bahre, führten sie nach Sāvatthi, gingen von Straße zu Straße, von Platz zu Platz und ließen vor den Menschen ihre Wehklagen erschallen: "Sehet da, ihr Herren, die Tat der Asketen 274) des Sakya-Sohnes; schamlos sind diese Asketen des Sakya-Sohnes, sittenlos, böse, lügnerisch, unkeusch. Diese werden ja freilich von sich behaupten, sie seien gerecht, geruhig, wahr, sittlich und gut. Sie haben kein Asketentum, sie haben kein Brahmanentum; vernichtet ist ihr Asketentum, vernichtet ist ihr Brahmanentum. Woher sollte ihr Asketentum, woher ihr Brahmanentum kommen? Abgefallen sind diese vom Asketentum, abgefallen sind diese vom Brahmanentum. Wie kann doch nur ein Mann, nachdem er den Mannesakt vollzogen hat, ein Weib des Lebens berauben!"

Wenn aber zu jener Zeit die Leute in Sāvatthi Mönche erblickten, schmähten, tadelten, belästigten und behelligten sie dieselben mit unschönen, rohen Worten: "Schamlos sind diese Asketen des Sakya-Sohnes, sittenlos usw."

Und viele Mönche kleideten sich zur Zeit des Vormittags an und gingen, mit Napf und Gewand versehen, nach Sāvatthi wegen Almosenspeise. Nachdem sie in Sāvatthi betteln gegangen waren, begaben sie sich nach dem Mahle, vom Almosengange zurückgekehrt, hin zum Erhabenen, begrüßten den Erhabenen ehrfurchtsvoll und setzten sich zur Seite nieder. Zur Seite sitzend sprachen nun diese Mönche zum Erhabenen also: "Herr, wenn gegenwärtig die Leute in Sāvatthi Mönche erblicken, schmähen, tadeln, belästigen und behelligen sie diese mit unschönen, rohen Worten: ,Schamlos sind diese Asketen des Sakya-Sohnes, sittenlos, böse, lügnerisch, unkeusch. Diese werden ja freilich von sich behaupten, sie seien gerecht, geruhig, wahr, sittlich und gut. Sie haben kein Asketentum, sie haben kein Brahmanentum; vernichtet ist ihr Asketentum, vernichtet ist ihr Brahmanentum. Woher sollte ihr Asketentum, woher ihr Brahmanentum kommen? Abgefallen sind diese vom Asketentum, abgefallen sind diese vom Brahmanentum. Wie kann doch nur ein Mann, nachdem er den Mannesakt vollzogen hat, ein Weib des Lebens berauben!’" -

"Ihr Mönche, nicht lange wird dieser Lärm dauern, nur sieben Tage wird er dauern; nach Ablauf der sieben Tage wird er verschwinden. Die Leute, ihr Mönche; welche beim Anblick der Mönche diese mit unschönen, rohen Worten schmähen, tadeln, belästigen und behelligen, - die mögt ihr also mit folgendem Verse 275) zurechtweisen:

,Wer unwahr redet, geht zur Hölle ein,
Desgleichen wer nicht zugibt, was er tat;
Die beiden Übeltäter werden nach dem Tode
In jener Welt von gleichem Los betroffen.’"

Und nachdem jene Mönche diesen Vers im Beisein des Erhabenen sich eingeprägt hatten, wiesen sie die Leute, welche beim Anblick der Mönche diese mit unschönen, rohen Worten schmähten, tadelten, belästigten und behelligten, mit diesem Verse zurecht:


,Wer unwahr redet, geht zur Hölle ein,
Desgleichen wer nicht zugibt, was er tat;
Die beiden Übeltäter werden nach dem Tode
In jener Welt von gleichem Los betroffen.’


Die Leute dachten: "Diese Asketen des Sakya-Sohnes haben es nicht getan; daß diese Asketen des Sakya-Sohnes es nicht getan haben, beschwören sie selbst." Nicht gar lange dauerte dieser Lärm; er dauerte nur sieben Tage, nach Ablauf der sieben Tage verschwand er.

Und viele Mönche begaben sich hin zum Erhabenen, begrüßten den Erhabenen ehrfurchtsvoll und setzten sich zur Seite nieder. Zur Seite sitzend sprachen nun diese Mönche. zum Erhabenen also:

"Außerordentlich, Herr, wunderbar, Herr, da doch, Herr, der Erhabene dies richtig gesagt hat: ,Ihr Mönche, nicht lange wird dieser Lärm dauern; nach Ablauf von sieben Tagen wird er verschwinden.’ Dieser Lärm, Herr, ist verschwunden."

Da tat der Erhabene, nachdem er erkannt, was dies zu bedeuten hatte, bei jener Gelegenheit folgenden feierlichen Ausspruch:

"Es verletzen sich mit Worten die ungezügelten Menschen wie ein Elefant, der mit anderen zum Kampfe angetreten ist; wenn ein Mönch rohe Rede, die ausgestoßen ward, vernimmt, möge er sie unverstörten Geistes ertragen."


271) S. und M. lesen: kim mayā na sakkā kātum.
272) In diesem korrumpierten Passus möchte ich das te vor ditthā (S. und M.: vo) tilgen und auf der folgenden Zeile mit S. und M. gacchati ti statt des āgacchº der Ed. lesen.
273) Ich lese mit Rücksicht auf das weiter unten folgende parikhākūpā an dieser Stelle mit C. parikhākūpe.
274) Vor Sakyaputtiyānam ist mit S. und M. samanānam einzuschalten.
275) Dies ist der 306. Vers des Dhp. Vgl. Anm. 270.


Ud.IV.9 Upasena Vangantaputta

So habe ich gehört: Einst weilte der Erhabene bei Rājagaha im Bambus-Haine beim Kalandakanivāpa. Und während nun der ehrwürdige Upasena Vangantaputta einsam sinnend weilte, erhob sich in seinem Geist folgende Erwägung: "Es gereicht mir wahrlich zum Gewinn, es gereicht mir wahrlich zu hohem Segen, daß mein Lehrer der Erhabene ist, der Heilige, völlig Erwachte, daß ich in der wohlverkündeten Lehre und Disziplin vom Hause fort in die Hauslosigkeit gegangen bin, daß meine Mitasketen sittliche, gute Menschen sind, daß ich die Satzungen der sittlichen Zucht vollkommen erfülle, daß ich gesammelten Geistes bin, daß ich ein die höchste Konzentration bemeisternder, einflußbefreiter Heiliger, daß ich mit großer magischer Kraft und großer Macht ausgestattet bin und daß erfreulich mir das Leben, erfreulich mir der Tod ist."

Da tat der Erhabene, nachdem er die Erwägung im Geist des ehrwürdigen. Upasena Vangantaputta im Geiste erkannt hatte, bei jener Gelegenheit folgenden feierlichen Ausspruch:

"Wen das Leben nicht quält, der bekümmert sich nicht beim Ende, das der Tod ihm setzt; kummerlos inmitten der Kümmernisse bleibt der Seher des Nibbāna, sofern er standhaft ist. Für einen Mönch, der den Werde-Durst ausgerodet hat und dessen Geist zur Ruhe kam, ist der Lauf der Wiedergeburten gänzlich vernichtet; für diesen gibt es kein neues Werden mehr."


Ud.IV.10 Sāriputta

So habe ich gehört: Einst weilte der Erhabene bei Sāvatthi im Jeta-Haine, im Klostergarten des Anāthapindika. Damals aber saß in der Nähe des Erhabenen mit gekreuzten Beinen und gerade aufgerichtetem Körper der ehrwürdige Sāriputta in Beschauung seiner eigenen Gemütsruhe. Es sah nun der Erhabene den ehrwürdigen Sāriputta, wie er in seiner Nähe mit gekreuzten Beinen und gerade aufgerichtetem Körper in Beschauung seiner eigenen Gemütsruhe dasaß.

Da tat der Erhabene, nachdem er erkannt, was dies zu bedeuten hatte, bei jener Gelegenheit folgenden feierlichen Ausspruch:

"Für einen Mönch, dessen Geist vollkommen zur Ruhe kam und der die "Führerin" 276) zerstört hat, ist der Lauf der Wiedergeburten gänzlich vernichtet; derselbe ist befreit von Māras Fessel."


276) "Führerin" = netti, d. i. tanhā. Vgl. bhavanetti in Ang, IV, 1. Der "Durst" wird hier also mit einer Führerin verglichen, die ein Wesen durch den Lauf der Existenzen geleitet.
 

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Das vierte Kapitel: Meghiya.
Übersicht:
Meghiya (1), die Aufgeblasenen (2), der Rinderhirt (3), die Mondnacht (4), als fünftes der Elefant (5), Pindola (6), Sāriputta (7), Sundari (8) ist das achte, Upasena Vangantaputta (9), Sāriputta (10); das sind die zehn.