Achtes Kapitel

Udāna

VIII. Pātaligāma

Ud.VIII.1 Nibbana 1

So habe ich gehört: Einst weilte der Erhabene bei Sāvatthi im Jeta-Haine, im Klostergarten des Anāthapindika. Damals aber belehrte, ermahnte ermunterte und erfreute der Erhabene die Mönche durch eine Rede über das Nibbāna. Und die Mönche hörten die Lehre aufmerksamen Ohres, indem sie Acht gaben, es sich vergegenwärtigten und alle Gedanken zusammennahmen.

Da tat der Erhabene, nachdem er erkannt, was dies zu bedeuten hatte, bei jener Gelegenheit folgenden feierlichen Ausspruch:

"Es ist, ihr Mönche, jenes Reich, wo nicht Erde noch Wasser ist, nicht Feuer noch Luft, nicht unendliches Raumgebiet, noch unendliches Bewußtseinsgebiet, nicht das Gebiet der Nichtirgendetwasheit, noch das Gebiet der Wahrnehmung und auch Nicht-Wahrnehmung, nicht diese Welt noch eine andere Welt, [nicht] 416) beide, Sonne und Mond. Das, ihr Mönche, nenne ich weder Kommen noch Gehen noch Stehen noch Vergehen noch Entstehen. Ohne Stützpunkt, ohne Anfang, ohne Grundlage ist das; eben dies ist das Ende des Leidens."


416) S. und M. schalten na vor ubho ein.


Ud.VIII.2 Nibbana 2

So habe ich gehört 417): Einst weilte der Erhabene bei Sāvatthi im Jeta-Haine, im Klostergarten des Anāthapindika. Damals aber belehrte, ermahnte, ermunterte und erfreute der Erhabene die Mönche durch eine Rede über das Nibbāna. Und die Mönche hörten die Lehre aufmerksamen Ohres, indem sie Acht gaben, es sich vergegenwärtigten und alle Gedanken zusammennahmen.

Da tat der Erhabene, nachdem er erkannt, was dies zu bedeuten hatte, bei jener Gelegenheit folgenden feierlichen Ausspruch:

"Schwer zu sehen, wahrlich, ist das Nicht-Ich, nicht leicht zu begreifen ist ja die Wahrheit; überwunden ist der ,Durst’ für den Wissenden; für den Schauenden ist nicht irgend etwas 418)."


417) Die Rahmenerzählungen der drei folgenden Sutten stimmen mit der Erzählung VIII, 1 vollständig überein, aber nur S. gibt den vollen Text.
418) Weil er ja von allem erkennt: Das gehört mir nicht an.


Ud.VIII.3 Nibbana 3

So habe ich gehört: Einst weilte der Erhabene bei Sāvatthi im Jeta-Haine, im Klostergarten des Anāthapindika. Damals aber belehrte, ermahnte, ermunterte und erfreute der Erhabene die Mönche durch eine Rede über das Nibbāna. Und die Mönche hörten die Lehre aufmerksamen Ohres, indem sie Acht gaben, es sich vergegenwärtigten und alle Gedanken zusammennahmen.

Da tat der Erhabene, nachdem er erkannt, was dies zu bedeuten hatte, bei jener Gelegenheit folgenden feierlichen Ausspruch:

"Es gibt, ihr Mönche, ein nicht Geborenes, nicht Gewordenes, nicht Geschaffenes, nicht Gestaltetes. Wenn es, ihr Mönche, dieses nicht Geborene, nicht Gewordene, nicht Geschaffene, nicht Gestaltete nicht gäbe, dann wäre hier ein Entrinnen aus dem Geborenen, Gewordenen, Geschaffenen, Gestalteten nicht zu erkennen. Weil es nun aber, ihr Mönche, ein nicht Geborenes, nicht Gewordenes, nicht Geschaffenes, nicht Gestaltetes gibt, darum läßt sich ein Entrinnen aus dem Geborenen, Gewordenen, Geschaffenen, Gestalteten erkennen."


Ud.VIII.4 Nibbana

So habe ich gehört: Einst weilte der Erhabene bei Sāvatthi im Jeta-Haine, im Klostergarten des Anāthapindika. Damals aber belehrte, ermahnte, ermunterte und erfreute der Erhabene die Mönche durch eine Rede über das Nibbāna. Und die Mönche hörten die Lehre aufmerksamen Ohres, indem sie Acht gaben, es sich vergegenwärtigten und alle Gedanken zusammennahmen.

Da tat der Erhabene, nachdem er erkannt, was dies zu bedeuten hatte, bei jener Gelegenheit folgenden. feierlichen Ausspruch:

"Für das, was abhängig ist, gibt es auch Bewegung, für das, was nicht abhängig ist, gibt es keine Bewegung; wo keine Bewegung ist, ist Ruhe; wo Ruhe ist, ist kein Verlangen; wo kein Verlangen ist; ist kein Kommen und Gehen; wo kein Kommen und Gehen ist, ist kein Vergehen und Neuentstehen; wo kein Vergehen und Neuentstehen ist, ist weder ein Hienieden noch ein Jenseits noch (ein Etwas) zwischen beiden; eben dies ist das Ende des Leidens."


Ud.VIII.5 Cunda

So habe ich gehört: Einst wanderte der Erhabene im Lande der Mallas und gelangte mit einer großen Mönchsgemeinde nach Pāvā 39). Und dort bei Pāvā weilte der Erhabene im Mango-Haine des Schmiedes Cunda. Es hörte nun der Schmied Cunda: ,Wie man erzählt, ist der Erhabene auf seiner Wanderung im Lande der Mallas mit einer großen Mönchsgemeinde in Pāvā angekommen und weilt in meinem Mango-Haine.’

Und der Schmied Cunda begab sich nun hin zum Erhabenen, begrüßte den Erhabenen ehrfurchtsvoll und setzte sich ihm zur Seite nieder, und der Erhabene belehrte, ermahnte, ermunterte und erfreute den Schmied Cunda, der ihm zur Seite saß, durch ein Gespräch über die Lehre 419). Als nun der Schmied Cunda von dem Erhabenen durch ein Gespräch über die Lehre 419) belehrt, ermahnt, ermuntert und erfreut worden war, sprach er zum Erhabenen: "Herr, der Erhabene möge mir zugestehen für den morgenden Tag das Mahl mitsamt der Mönchsgemeinde.’ Der Erhabene gab stillschweigend seine Zustimmung. Als nun der Schmied Cunda die Zustimmung des Erhabenen bemerkt hatte, erhob er sich von seinem Sitz, grüßte den Erhabenen ehrfurchtsvoll, umwandelte ihn rechter Hand und ging fort.
Und der Schmied Cunda ließ nach Ablauf jener Nacht in seiner Wohnung auserlesene feste und weiche Speisen und viel "Eberweich" 420) zubereiten und ließ dem Erhabenen die Zeit ankünden: "Herr, es ist Zeit, das Mahl ist bereit." Und nachdem sich nun der Erhabene zur Zeit des Vormittags angekleidet hatte, begab er sich, mit Napf und Gewand versehen, mitsamt der Mönchsgemeinde in die Wohnung des Schmiedes Cunda und setzte sich auf dem bereiteten Sitz nieder. Als der Erhabene sich niedergelassen hatte, richtete er das Wort an den Schmied Cunda: "Mit dem "Eberweich", Cunda, das du zubereitet hast, bewirte mich; mit den anderen festen und weichen Speisen aber, die du zubereitet hast, bewirte die Mönchsgemeinde."

"So sei es, Herr !" antwortete der Schmied Cunda dem Erhabenen, und er bewirtete mit dem von ihm zubereiteten "Eberweich" den Erhabenen, mit den anderen von ihm zubereiteten festen und weichen Speisen aber bewirtete er die Mönchsgemeinde.

Und der Erhabene richtete nun das Wort an den Schmied Cunda: "Was dir von dem "Eberweich" übriggeblieben ist, Cunda, das vergrabe in einer Grube; keinen sehe ich, Cunda, in der Welt mit ihren Göttern, Māras und Brahmās, unter dem Geschlecht, einschließlich der Asketen und Brahmanen, der Götter und Menschen, der dies, wenn er es genossen hat, vollkommen verdauen könnte, ausgenommen den Vollendeten." - "So sei es, Herr!" antwortete der Schmied Cunda dem Erhabenen, und er vergrub das, was von dem "Eberweich" übriggeblieben war, in einer Grube; dann begab er sich hin zum Erhabenen, begrüßte den Erhabenen ehrfurchtsvoll und setzte sich ihm zur Seite nieder. Der Erhabene belehrte, ermahnte, ermunterte und erfreute nun den Schmied Cunda, der ihm zur Seite saß, durch ein Gespräch über die Lehre. Dann erhob er sich von seinem Sitz und ging fort.

Und als nun der Erhabene das Mahl des Schmiedes Cunda verzehrt hatte, befiel ihn eine schwere Krankheit, die blutige Ruhr, und es entstanden heftige Schmerzen, die ihn dem Tode nahebrachten. Da hielt der Erhabene besonnen und klarbewußt, aus, ohne niedergeschlagen zu sein. Und der Erhabene richtete das Wort an den ehrwürdigen Ananda: "Laß uns gehen, Ananda, wir wollen uns nach Kusinārā begeben." "So sei es, Herr," antwortete der ehrwürdige Ananda dem Erhabenen.

Als er das Mahl des Schmiedes Cunda genossen hatte, so habe ich gehört, da befiel den Standhaften eine heftige Krankheit, die ihn dem Tode nahebrachte. Und als der Meister gegessen hatte, entstand in ihm, infolge des "Eberweichs", ein heftiges Kranksein; von der Ruhr geplagt sprach der Erhabene: "Ich will nach der Stadt Kusinārā gehen."

Und der Erhabene ging vom Wege ab und begab sich an den Fuß eines Baumes und richtete das Wort an den ehrwürdigen Ananda: "Bitte, Ananda, breite mein Obergewand vierfach gefaltet aus, ich bin müde, [Ananda] 421) , ich möchte mich niedersetzen." "So sei es, Herr," antwortete der ehrwürdige 422) Ananda dem Erhabenen, und er breitete das Obergewand vierfach gefaltet aus. Der Erhabene setzte sich auf dem bereiteten Sitz nieder, und als er sich niedergelassen hatte, wandte der Erhabene sich an den ehrwürdigen Ananda mit den Worten: "Bitte, Ananda, bringe mir Wasser; mich dürstet, Ananda, ich möchte trinken." Nach diesen Worten sprach der ehrwürdige Ananda zum Erhabenen: "Herr, es sind jetzt fünfhundert Lastwagen vorübergekommen; das von den Rädern aufgewühlte Wasser ist seicht, schlammig und fließt trübe. Der Fluß Kukutthā 423) hier in der Nähe (aber), Herr, hat reines, liebliches, kühles, helles Wasser, ist einladend zum Baden, entzückend. Dort wird der Erhabene Wasser trinken und seine Glieder kühlen."

Auch ein zweites Mal richtete der Erhabene das Wort an den ehrwürdigen Ananda: "Bitte, Ananda, bringe, mir Wasser; mich dürstet, Ananda, ich möchte trinken." Auch zum zweiten Male sprach der ehrwürdige Ananda zum Erhabenen: "Herr, es sind jetzt fünfhundert Lastwagen vorübergekommen; das von den Rädern aufgewühlte Wasser ist seicht, schlammig und fließt trübe. Der Fluß Kukutthā hier in der Nähe (aber), Herr, hat reines, liebliches, kühles, helles Wasser, ist einladend zum Baden, entzückend. Dort wird der Erhabene Wasser trinken und seine Glieder kühlen."

Auch ein drittes Mal richtete der Erhabene das Wort an den ehrwürdigen Ananda: "Bitte, Ananda, bringe mir Wasser; mich dürstet, Ananda, ich möchte trinken."

"So sei es, Herr," antwortete der ehrwürdige Ananda dem Erhabenen, und er nahm einen Napf und begab sich nach jenem Flusse. Aber jener von den Rädern aufgewühlte, seichte, schlammige und trübe fließende Fluß rann, als der ehrwürdige Ananda sich dorthin begab, rein, durchsichtig und ungetrübt dahin. Da dachte der ehrwürdige Ananda bei sich: ,O außerordentlich, wunderbar fürwahr ist die große magische Kraft und große Macht des Vollendeten; denn dieser Fluß, welcher von den Rädern aufgewühlt, seicht, schlammig war und trübe floß, rinnt, während ich mich hierher begebe, rein, durchsichtig und ungetrübt dahin!’ Und er entnahm mit dem Napfe Wasser, begab sich hin zum Erhabenen und sprach zum Erhabenen also: "Außerordentlich, Herr, wunderbar, Herr, ist die große magische Kraft und große Macht des Vollendeten; denn dieser Fluß, welcher von Rädern aufgewühlt, seicht, schlammig war und trübe floß, rinnt, während ich mich dorthin begebe, rein, durchsichtig und ungetrübt dahin. Es trinke der Erhabene das Wasser, es trinke der Heilige das Wasser."
Und es trank der Erhabene das Wasser.

Und der Erhabene begab sich nun mit einer großen Mönchsgemeinde zum Fluß Kukutthā. Als er dorthin gelangt war, stieg er in den Fluß Kukutthā hinab, badete und trank. Dann stieg er wieder heraus und begab sich nach einem Mango-Haine und richtete das Wort an den ehrwürdigen Cundaka: "Bitte, Cundaka, breite mein Obergewand vierfach gefaltet aus; ich bin müde, Cundaka, ich möchte mich niederlegen." "So sei es, Herr," antwortete der ehrwürdige Cundaka dem Erhabenen, und er breitete das Obergewand vierfach gefaltet aus. Und der Erhabene legte sich auf die rechte Seite und nahm die Löwenlage ein, indem er einen Fuß auf den anderen tat, und besonnen und klarbewußt vergegenwärtigte er sich die Vorstellung des Aufstehens. Der ehrwürdige Cundaka aber setzte sich daselbst vor dem Erhabenen nieder.

Als Buddha zum Fluß Kukutthā gegangen war mit seinem reinen, lieblichen, durchsichtigen Wasser, da stieg hinab mit müdem Leib der Meister, der Vollendete, unvergleichlich hienieden in der Welt. Nachdem der Meister gebadet und getrunken hatte, stieg er wieder heraus vor der Schar seiner Mönche. Der Meister, der erhabene Unterweiser in der Lehre, betrat einen Mango-Hain, der große Weise. Er sprach zu einem Mönche namens Cundaka: "Breite mir vierfach gefaltet das Lager aus." Von dem Geistesgeschulten angespornt, breitete es Cunda schnell vierfach gefaltet aus. Es legte sich mit müdem Leib der Meister nieder, auch Cunda setzte sich, ihm zugewandt.

Da richtete der Erhabene das Wort an den ehrwürdigen Ananda: "Es könnte doch sein, Ananda, daß jemand gegen den Schmied Cunda den Vorwurf erhöbe: ,Das ist ein Verlust für dich, Freund Cunda, das ist ein Unsegen für dich [Freund Cunda] 424), daß der Vollendete, nachdem er seine letzte Almosenspeise bei dir verzehrt hat, ins vollkommene Nibbāna eingegangen ist 344),’ Ein solcherart gegen den Schmied Cunda erhobener Vorwurf, Ananda, ist folgendermaßen zurückzuweisen: ,Das ist ein Gewinn für dich, Freund Cunda, das ist ein Segen für dich, daß der Vollendete, nachdem er seine letzte Almosenspeise bei dir verzehrt hat, ins vollkommene Nibbāna eingegangen ist. Aus dem Munde des Erhabenen selbst, Freund Cunda, habe ich es gehört, aus seinem eigenen Munde habe ich es entgegengenommen: ‚Folgende zwei Almosenspeisen sind in ganz gleicher Weise fruchtbringend und vergeltungsreich, bei weitem mehr fruchtbringend und segensreich als andere Almosenspenden. Welche zwei? Jene Almosenspeise, nach deren Genuß ein Vollendeter zur allerhöchsten vollkommenen Erwachung 425) gelangt, und jene Almosenspeise, nach deren Genuß ein Vollendeter in das von Beilegungen freie Nibbāna-Bereich eingeht. Diese zwei Almosenspeisen sind in ganz gleicher Weise fruchtbringend und vergeltungsreich, bei weitem mehr fruchtbringend und segensreich als andere Almosenspenden. Eine Tat ist von dem ehrenwerten Schmiede Cunda angehäuft worden, die zum Leben führt, eine Tat ... 426), die zu Schönheit führt, eine Tat, ... 426), die zu Glück führt, eine Tat, ... 426), die zum Himmel führt, eine Tat, ... 426), die zu Ruhm führt, eine Tat ist von dem ehrenwerten Schmiede Cunda angehäuft worden, die zu Einfluß führt.’ Mit diesen Worten, Ananda, ist ein solcherart gegen den Schmied Cunda erhobener Vorwurf zurückzuweisen,"

Da tat der Erhabene, nachdem er erkannt, was dies zu bedeuten hatte, bei jener Gelegenheit folgenden feierlichen Ausspruch:

"Für den Geber wächst das Verdienst, für den Selbstbeherrschten häuft sich keine Feindschaft an; der Gerechte entäußert sich des Bösen, durch die Vernichtung von Begierde, Haß und Verblendung (ist er) vollkommen erlöst 427)."


419) In der Ed. fehlt dhammiyā kathāya.
420) Sūkaramaddava. Der Ausdruck ist sehr ungewöhnlich und wurde schon in älterer Zeit nicht mehr recht verstanden. Sūkara bedeutet ,,(Wild)schwein"; maddava (skr. mārdava) als Adjektivum: "schlaff, welk, trocken, weich, mild"; als Substantivum: "Weichheit". Sprachlich das Nächstliegende wäre also, das Wort in dem Sinne von "weiches", d. i. "fettes Schweinefleisch", oder "gedörrtes Schweinefleisch" zu verstehen, und der ä1teste Kommentar, die Mahā-Atthakathā, gibt in der Tat die erste Erklärung. Sachlich würde dazu die ausdrückliche Angabe unseres Textes, daß der Meister bald nach dem Genuß dieses Gerichtes an der roten Ruhr erkrankte, gut passen. Andererseits darf man nicht verkennen, daß der Text, wenn er einfach von "fettem Schweinefleisch" hätte sprechen wollen, wohl ein anderes, allgemein verständliches Wort gewählt haben würde. Daher geben die Kommentare (Ed., p. 81) außer der mitgeteilten noch drei andere Deutungen, von denen zwei unter "sūkaramaddava" bestimmte Vegetabilien verstehen, die von Wildschweinen "aufgewühlt" (maddita) und von ihnen als Nahrung genommen wurden, in dem einen Fall eine Art Trüffel, in dem anderen eine Kohlart. Einige Forscher nehmen nun an, daß sich unter den Trüffeln auch giftige Pilze befunden hätten. Dieser Annahme, die an sich nicht ohne weiteres von der Hand zu weisen ist, steht indessen als sach1iches Bedenken der Hinweis auf die rote Ruhr entgegen: die Symptome einer Pilzvergiftung pflegen sich anders zu äußern. Volle Klarheit wird hier kaum zu gewinnen sein, und so möchte ich noch auf die letzte Kommentarerklärung hinweisen, die unter sūkaramaddava ein reiches Mischgericht, eine Art Ragout, versteht. Diese Auffassung läßt sich mit allen Deutungen in Einklang bringen, ohne sich von vornherein auf einen bestimmten Standpunkt festzulegen. Frankes Meinung, es habe sich um weichgewordenes, d. h. faules, verdorbenes Schweinefleisch gehandelt, schaltet für mich von vornherein aus: Einem erlauchten, hochverehrten Gaste wird kein Mensch, der noch etwas auf sich hält, Fleisch vorsetzen, das auch nur im geringsten "anrüchig" ist.
Übrigens stehen sachlich keine Bedenken der Auffassung entgegen, daß der Meister damals wirklich Fleisch vom Wildschwein gegessen habe. Den Bhikkhus ist das Essen von Fleisch an sich niemals untersagt worden, und die Fälle, in denen der Fleischgenuß aus ethischen Gründen zu meiden ist, sind im Vinaya deutlich angegeben. Daher sind Dutoits Bemerkungen über diesen Punkt (Das Leben des Buddha, p. 336, Anm. 133) völlig gegenstandslos.
Vgl. Oldenberg, Buddha, p. 225; Franke, Dighanikāya, p. 222 ff. und die daselbst gegebenen Hinweise.
421) Das Eingeklammerte nur in M.
422) In der Ed. fehlt āyasmā.
423) Var. Kukutā, Kakutthā.
424) In der Ed. fehlt āvuso Cunda.
425) S. und M. lesen sammāsambodhim.
426) Das Original fügt hier jedesmal die Worte ein "ist von dem ehrenwerten Schmiede Cunda angehäuft worden". Es ist übrigens sehr auffallend, daß hier dem Laienanhänger Cunda das Prädikat āyasmat beigelegt wird, das sonst nur einem Bhikkhu zukommt. Dies sieht fast so aus wie eine irrige Reminiszenz an den kurz vorher erwähnten Mönch Cunda.
427) Parinibbuto bezieht sich hier auf den Zustand des Arahat, der das Nibbāna erreicht hat, nicht, wie in Ud. I, 10, auf den Post-mortem-Zustand des Erlösten.


Ud.VIII.6 Die Einwohner von Pātaligāma

So habe ich gehört: Einst wanderte der Erhabene im Lande der Magadher und gelangte mit einer großen Mönchsgemeinde nach Pātaligāma428). Es hörten nun die Laienanhänger von Pātaligāma: ,Wie man erzählt, ist der Erhabene auf seiner Wanderung im Lande der Magadher mit einer großen Mönchsgemeinde in Pātaligāma angekommen.’

Und die Laienanhänger von Pātaligāma begaben sich hin zum Erhabenen; begrüßten den .Erhabenen ehrfurchtsvoll und setzten sich zur Seite nieder. Zur Seite sitzend sprachen nun die Laienanhänger von Pātaligāma zum Erhabenen also: "Herr, der Erhabene möge uns (den Aufenthalt im) Rasthaus zugestehen." Der Erhabene gab stillschweigend seine Zustimmung. Als nun die Laienanhänger die Zustimmung des Erhabenen bemerkt hatten, erhoben sie sich von ihren Sitzen, grüßten den Erhabenen ehrfurchtsvoll, umwandelten ihn rechter Hand und begaben sich nach dem Rasthause. Dort angekommen setzten sie das Rasthaus völlig instand, richteten Sitze her, stellten ein Gefäß mit Wasser auf und brachten eine Öllampe an. Dann begaben sie sich zum Erhabenen, begrüßten den Erhabenen ehrfurchtsvoll und traten zur Seite. Zur Seite stehend sprachen nun die Laienanhänger von Pātaligāma zum Erhabenen: "Herr, das Rasthaus ist völlig instand gesetzt; es sind Sitze hergerichtet, ein Gefäß mit Wasser ist aufgestellt und eine Öllampe angebracht worden. Möge nun, Herr 429), der Erhabene verfahren, wie er es für gut befindet."

Und der Erhabene kleidete sich [zur Zeit des Vormittags 430)] an und begab sich, mit Napf und Gewand versehen, mitsamt der Mönchsgemeinde nach dem Rasthause. Als er dort angelangt war, wusch er sich die Füße, betrat das Rasthaus und setzte sich am mittleren Pfeiler nieder, das Antlitz gen Osten gerichtet. Auch die (Mitglieder der) Mönchsgemeinde wuschen ihre Füße, betraten das Rasthaus und setzten sich an der westlichen 431) Wand nieder, das Antlitz gen Osten gerichtet, und hatten so den Erhabenen vor sich. Die Laienanhänger von Pātaligāma wuschen ebenfalls ihre Füße, betraten das Rasthaus und setzten sich an der östlichen Wand nieder, das Antlitz gen Westen gerichtet, und saßen so dem Erhabenen gegenüber.

Und der Erhabene richtete nun das Wort an die Laienanhänger von Pātaligāma: "Folgende fünf üble Folgen, ihr Haushalter, erwachsen einem sittenlosen (Menschen) aus der Vernachlässigung der sittlichen Zucht. Welche fünf?

Dies nun, ihr Haushalter, sind die fünf üblen Folgen, die einem sittenlosen (Menschen) aus der Vernachlässigung der sittlichen Zucht erwachsen.

"Folgende fünf segensreiche Folgen, ihr Haushalter, erwachsen einem sittlichen (Menschen) aus der Pflege der sittlichen Zucht. Welche fünf?

Nachdem nun der Erhabene die Laienanhänger von Pātaligāma bis tief in die Nacht hinein durch Reden über die Lehre belehrt, ermahnt, ermuntert und erfreut hatte, entließ er sie mit den Worten: "Vorgerückt ist die Nacht, ihr Haushalter; tut jetzt, was euch an der Zeit zu sein scheint." Da gaben die Laienanhänger von Pātaligāma ihrem Beifall und ihrer Freude über die Worte des Erhabenen Ausdruck, erhoben sich von ihren Sitzen, grüßten den Erhabenen ehrfurchtsvoll, umwandelten ihn rechter Hand und gingen fort.
 

Nicht lange nun, nachdem die Laienanhänger von Pātaligāma fortgegangen waren, betrat der Erhabene eine einsame Stätte. Zu der Zeit aber bauten Sunidha und Vassakāra, die Minister von Magadha, um Pātaligāma eine Festung zur Abwehr der Vajjis. Damals aber umgaben in Pātaligāma viele Gottheiten zu Tausenden die Baustätten. In einem Lande, wo großmächtige Gottheiten die Baustätten umgeben, richten sich die Gedanken großmächtiger Könige und ihrer Minister darauf, Wohnungen zu erbauen. In einem Lande, wo mittlere Gottheiten die Baustätten umgeben, richten sich die Gedanken mittelmäßiger Könige und ihrer Minister darauf, Wohnungen zu erbauen. In einem Lande, wo niedere Gottheiten die Baustatten umgeben, richten sich die Gedanken unbedeutender Könige und ihrer Minister darauf, Wohnungen zu erbauen.

Es sah nun der Erhabene mit dem himmlischen Auge, dem geklärten, übermenschlichen, wie jene Gottheiten in Pātaligāma zu Tausenden die Baustätten umgaben. [In einem Lande, wo großmächtige Gottheiten die Baustätten umgeben, richten sich die Gedanken großmächtiger Könige und ihrer Minister darauf, Wohnungen zu erbauen. In einem Lande, wo mittlere Gottheiten die Baustätten umgeben, richten sich die Gedanken mittelmäßiger Könige und ihrer Ratgeber darauf, Wohnungen zu erbauen. In einem Lande, wo niedere Gottheiten die Baustätten umgeben, richten sich die Gedanken unbedeutender Könige und ihrer Minister darauf, Wohnungen zu erbauen 433).]

Und der Erhabene erhob sich zur Zeit der nächtlichen Dämmerung und richtete das Wort an den ehrwürdigen Ananda: "Ananda, wer baut denn da um Pātaligāma eine Festung?" - "Sunidha und Vassakāra, Herr, die Minister von Magadha, bauen um Pātaligāma eine Festung zur Abwehr der Vajjis." - "Wie wenn sie, Ananda, sich mit den Göttern aus dem Gefolge der Dreiunddreißig darüber beraten hätten, so bauen, Ananda, Sunidha und Vassakāra, die Minister von Magadha, um Pātaligāma eine Festung zur Abwehr der Vajjis. Da habe ich, Ananda, mit dem himmlischen Auge, dem geklärten, übermenschlichen, gesehen, wie viele Gottheiten zu Tausenden in Pātaligāma die Baustätten umgeben. In einem Lande, wo großmächtige Gottheiten die Baustätten umgeben, richten sich die Gedanken großmächtiger Könige und ihrer Minister darauf, Wohnungen zu erbauen. In einem Lande, wo mittlere Gottheiten die Baustätten umgeben, richten sich die Gedanken mittelmäßiger Könige und ihrer Minister darauf, Wohnungen zu erbauen. In einem Lande, wo niedere Gottheiten die Baustätten umgeben, richten sich die Gedanken unbedeutender Könige und ihrer Minister darauf, Wohnungen zu erbauen. Weil dies ein vornehmer Platz ist, Ananda, weil es ein (Platz, tauglich für eine) Handelsstadt ist, wird dies eine Hauptstadt werden, die Stadt [Pātaliputta] 434). Drei Gefahren, Ananda, werden Pātaliputta bedrohen: Feuer, Wasser oder die Spaltung der Eintracht."

Und es begaben sich nun Sunidha und Vassakāra, die Minister von Magadha, hin zum Erhabenen, tauschten mit dem Erhabenen die Begrüßung aus und traten, nachdem sie mit ihm in ,der üblichen Weise Worte der Begrüßung gewechselt hatten, zur Seite. Zur Seite stehend sprachen nun Sunidha und Vassakāra, die Minister von Magadha, zum Erhabenen also: "Der verehrte Gotama möge uns zugestehen für den morgenden Tag das Mahl mitsamt der Mönchsgemeinde." Der Erhabene gab stillschweigend seine Zustimmung. Als nun Sunidha und Vassakāra, die Minister von Magadha, die Zustimmung des Erhabenen bemerkt hatten, begaben sie sich nach ihrem Wohnhaus und ließen daselbst auserlesene feste und weiche Speise zubereiten; dann kündeten sie dem Erhabenen die Zeit an: "Es ist Zeit, Herr Gotama, das Mahl ist bereit."

Nachdem sich nun der Erhabene zur Zeit des Vormittags angekleidet hatte, begab er sich, mit Napf und Gewand versehen, mitsamt der Mönchsgemeinde nach dem Wohnhaus der Minister von Magadha, Sunidha und Vassakāra, und setzte sich auf dem bereiteten Sitz nieder. Und Sunidha und Vassakāra, die Minister von Magadha, erquickten und sättigten eigenhändig die Mönchsgemeinde, den Buddha als ersten, mit auserlesener fester und weicher Speise. Und als nun der Erhabene gespeist und Napf und Hände gesäubert hatte, nahmen Sunidha und Vassakāra, die Minister von Magadha, niedrige Sitze und setzten sich ihm zur Seite nieder. Der Erhabene dankte den Ministern von Magadha Sunidha und Vassakāra, die ihm zur Seite saßen, mit folgenden Strophen:

"In welchem Lande ein Verständiger seinen Aufenthalt nimmt, indem er dort die Tugendhaften, Selbstbeherrschten, rein Wandelnden speist, - er weise (auch) den Gottheiten, die daselbst sein könnten 435), eine Spende zu. Werden sie geehrt, so ehren sie (ihn wieder), werden sie hochgeachtet, so achten sie ihn. Deshalb erbarmen sie sich seiner wie eine Mutter ihres eigenen Sohnes; der Mann, über den die Gottheiten sich erbarmen, sieht allzeit Glück und Segen."

Nachdem nun der Erhabene den Ministern von Magadha Sunidha und Vassakāra mit diesen Strophen gedankt hatte, erhob er sich von seinem Sitz und ging fort.

Gleichzeitig gingen aber Sunidha und Vassakāra, die Minister von Magadha, dicht hinter dem Erhabenen her in dem Gedanken: ,Das Tor, durch welches der Asket Gotama heute hinausgehen wird, soll den Namen Gotama-Tor erhalten, und die Furt, an welcher er über den Gangā-Strom übersetzen wird, soll den Namen Gotama-Furt erhalten.’ Und das Tor, durch welches der Erhabene hinausging, erhielt den Namen Gotama-Tor.

Und der Erhabene begab sich nun zum Gangā-Strome. Zu der Zeit aber war der Gangā-Strom voll, mit dem Ufer in gleicher Höhe, so daß Krähen daraus trinken konnten. In dem Verlangen, von diesem Ufer zum andern zu kommen, sahen sich etliche Menschen nach einem Schiff um, etliche suchten nach einem Floß, wieder andere banden Flechtwerk zusammen. Da verschwand der Erhabene, wie ein starker Mann den gebeugten Arm streckt oder den gestreckten Arm beugt, am diesseitigen Ufer des Gangā-Stromes und stand am jenseitigen Ufer mitsamt der Mönchsgemeinde. Es sah nun der Erhabene jene Menschen, die das Verlangen hatten, von diesem Ufer zum andern zu kommen, wie etliche von ihnen sich nach einem Schiff umsahen, etliche nach einem Floß suchten; wieder andere Flechtwerk zusammenbanden.

Da tat der Erhabene, nachdem er erkannt, was dies zu bedeuten hatte, bei jener Gelegenheit folgenden feierlichen Ausspruch:

"Die das Meer, den Ozean überschreiten, nachdem sie sich einen Weg gebahnt und die sumpfigen Niederungen verlassen haben, während der (törichte) Mensch Flechtwerk zusammenbindet, - die weisen Menschen sind hinübergekommen."


428) Später Pātaliputta (ºputra), heute Patna.
429) S. und M. schalten richtig bhante vor bhagavā ein.
430) pubbanhasamayam fehlt in M. und in der Parallele im MPS. und ist nach dem ganzen Zusammenhange an dieser Stelle wohl mit Recht zu tilgen.
431) Das in allen Handschriften sich findende majjhimam ist offenbar eine alte Korruptel. Ich lese mit der Parallele im MPS. pacchimam.
432) In der Ed. fehlt gahapatayo.
433) Obwohl sich der eingeklammerte Passus in beiden Ausgaben findet, paßt er nicht an diese Stelle. Im MPS. fehlt er.
434) Pātaliputtam fehlt in allen Handschriften und beiden Ausgaben und findet sich nur in der Parallele im MPS.
435) Die bessere Lesart ist die Konjektur Steinthals assum (statt āsum) in Anlehnung an die Parallele im MPS.


Ud.VIII.7 Die Weggabelung

So habe ich gehört: Einst wandelte der Erhabene im Lande der Kosaler auf der Heerstraße mit dem ehrwürdigen Nāgasamāla als seinem Begleiter 436).

Es sah nun der ehrwürdige Nāgasamāla unterwegs eine Weggabelung, und als er ihrer ansichtig wurde, sprach er zum Erhabenen: "Dies, erhabener Herr, ist der Weg, auf diesem wollen wir gehen." Auf diese Worte hin sprach der Erhabene zum ehrwürdigen Nāgasamāla: "Dies, Nāgasamāla, ist der Weg, auf diesem wollen wir gehen."

Auch ein zweites Mal sprach der ehrwürdige Nāgasamāla zum Erhabenen: "Dies, erhabener Herr, ist der Weg, auf diesem wollen wir gehen." Auch zum zweiten Mal sprach der Erhabene zum ehrwürdigen Nāgasamāla: "Dies, Nāgasamāla, ist der Weg, auf diesem wollen wir gehen."

Auch ein drittes Mal sprach der ehrwürdige Nāgasamāla zum Erhabenen: "Dies, erhabener Herr, ist der Weg, auf diesem wollen wir gehen." Auch zum dritten Mal sprach der Erhabene zum ehrwürdigen Nāgasamāla: "Dies, Nāgasamāla, ist der Weg, auf diesem wollen wir gehen."

Da legte der ehrwürdige Nāgasamāla Napf und Gewand des Erhabenen eben dort auf die Erde nieder und ging fort mit den Worten: "Hier ist dein Napf und dein Gewand, erhabener Herr." Während nun der ehrwürdige Nāgasamāla auf jenem Wege dahinging, fielen ihn unterwegs Räuber an, die schlugen ihn mit Händen und Füßen, zerbrachen seinen Napf und zerrissen seinen Mantel. Und der ehrwürdige Nāgasamāla begab sich mit zerbrochenem Napf und zerrissenem Mantel hin zum Erhabenen, begrüßte den Erhabenen ehrfurchtsvoll und setzte sich zur Seite nieder. Zur Seite sitzend sprach der ehrwürdige Nāgasamāla zum Erhabenen: "Sieh hier, Herr, während ich auf jenem Wege dahinging, haben mich unterwegs Räuber angefallen, die schlugen mich mit Händen und Füßen, zerbrachen meinen Napf und zerrissen meinen Mantel."

Da tat der Erhabene, nachdem er erkannt, was dies zu bedeuten hatte, bei jener Gelegenheit folgenden feierlichen Ausspruch:

"Der Wissende, der mit einem andern Menschen gemeinsam wandelt, mit ihm zusammenlebt, sich zu ihm gesellt, erkennt das üble und meidet es wie der junge 437) Reiher das tiefe (Wasser)."


436) pacchāsamana.
437) khirapaka wörtl. "milchtrinkend, saugend".


Ud.VIII.8 Visākhā

So habe ich gehört: Einst weilte der Erhabene bei Sāvatthi im Östlichen Klostergarten, im Parkhause der Mutter des Migāra. Damals aber war der Visākhā, der Mutter des Migāra, eine liebe, herzige Enkelin gestorben.

Und Visākhā, die Mutter des Migāra, begab sich mit nassem Gewand und nassem Haar zur heißen Tageszeit hin zum Erhabenen 438), begrüßte den Erhabenen ehrfurchtsvoll und setzte sich ihm zur Seite nieder. Zu Visākhā, der Mutter des Migāra, die ihm zur Seite saß, sprach nun der Erhabene also: "Warum denn, Visākhā, hast du dich mit nassem Gewand und nassem Haar aufgemacht und bist zur heißen Tageszeit hierhergekommen?" - "Herr, eine liebe, herzige Enkelin ist mir gestorben; deshalb habe ich mich mit nassem Gewand und nassem Haar zur heißen Tageszeit hierher begeben." - "Visākhā, möchtest du dir wohl so viele Söhne und Enkelkinder wünschen, als es Menschen in Sāvatthi gibt?" - "Erhabener [Herr] 439), ich möchte mir wohl so viele Söhne und Enkelkinder wünschen, als es Menschen in Sävatthi 440) gibt." - "Wie viele Menschen aber, Visākhā, sterben täglich in Sāvatthi?" - "Herr, es sterben in Sāvatthi täglich zehn Menschen, auch neun Menschen sterben täglich in Sāvatthi, auch acht ... auch sieben ... auch sechs ... auch fünf ... auch vier ... auch drei ... auch zwei Menschen sterben täglich in Sāvatthi, mindestens ein Mensch stirbt täglich in Sāvatthi. Kein Mangel, Herr, herrscht in Sāvatthi an sterbenden Menschen." - "Was meinst du nun, Visākhā: Würdest du da wohl irgendwann und zu irgendeiner Zeit ohne nasses Gewand und ohne nasses Haar sein?" - "Gewiß nicht, Herr! Ich habe genug von so vielen Söhnen und Enkelkindern!"

"Die da hundert geliebte Wesen haben, Visākhā, die haben hundert Trübsale, die neunzig geliebte Wesen haben, die haben neunzig Trübsale, die achtzig geliebte Wesen haben, die haben achtzig Trübsale, die siebzig geliebte Wesen haben, die haben siebzig Trübsale, die sechzig geliebte Wesen haben, die haben sechzig Trübsale, die fünfzig geliebte Wesen haben, die haben fünfzig Trübsale, die vierzig geliebte Wesen haben, die haben vierzig Trübsale, die dreißig geliebte Wesen haben, die haben dreißig Trübsale, die zwanzig geliebte Wesen haben, die haben zwanzig Trübsale, die zehn geliebte Wesen haben, die haben zehn Trübsale, die neun geliebte Wesen haben, die haben neun Trübsale, die acht geliebte Wesen haben, die haben acht Trübsale, die sieben geliebte Wesen haben, die haben sieben Trübsale, die sechs geliebte Wesen haben, die haben sechs Trübsale, die fünf geliebte Wesen haben, die haben fünf Trübsale, die vier geliebte Wesen haben, die haben vier Trübsale, die drei geliebte Wesen haben, die haben drei Trübsale, die zwei geliebte Wesen haben, die haben zwei Trübsale, die ein geliebtes Wesen haben, die haben ein e Trübsal; die nichts Liebes haben, die haben keine Trübsal. Ich sage (dir): Diese sind ohne Kummer, frei von Staub, ohne Verzweiflung."

Da tat der Erhabene, nachdem er erkannt, was dies zu bedeuten hatte, bei jener Gelegenheit folgenden feierlichen Ausspruch: 441)

"Was es auch an Kümmernissen, Wehklagen und Leiden in mannigfachen Formen in der Welt gibt: sie bestehen, weil man etwas Liebes hat 442); ist Liebes nicht vorhanden, so sind jene nicht. Darum sind ja diejenigen glücklich und frei von Kummer, denen nicht irgend etwas lieb ist in der Welt. Deshalb schaffe sich nicht irgend etwas Liebes in der Welt, wer kummerlos und frei vom Staub (der Trübsal) zu werden wünscht."


438) Vgl. Sutta II, 7.
439) S. schaltet bhante vor bhagavā. ein.
440) In der Ed. fehlt Sāvatthiyā.
441) Dieser Satz fehlt irrtümlicherweise in der Ed.
442) Wörtl. "in Abhängigkeit von (etwas) Liebem".


Ud.VIII.9 Dabba 1

So habe ich gehört: Einst weilte der Erhabene bei Rājagaha im Bambus-Haine beim Kalandikanivāpa. Da begab sich der ehrwürdige Dabba Mallaputta 443) hin zum Erhabenen, begrüßte den Erhabenen ehrfurchtsvoll und setzte sich ihm zur Seite nieder. Zur Seite sitzend sprach nun der ehrwürdige Dabba Mallaputta zum Erhabenen also: "Jetzt, du Heiliger, ist für mich die Zeit da, ins vollkommene Nibbāna einzugehen." - "Tue, Dabba, was dir an der Zeit zu sein scheint."

Und der ehrwürdige Dabba Mallaputta erhob sich von seinem Sitz, grüßte den Erhabenen ehrfurchtsvoll, umwandelte ihn rechter Hand, stieg in den Luftraum empor, setzte sich in der Luft, im freien Raume, mit gekreuzten Beinen nieder, drang in das Glanz-Element ein 444), erhob sich und ging ins vollkommene Nibbāna ein. Und als nun der ehrwürdige Dabba Mallaputta in den Luftraum emporgestiegen war, sich in der Luft, im freien Raume, mit gekreuzten Beinen niedergesetzt hatte, in das Glanz-Element eingedrungen war, sich erhoben hatte und ins vollkommene Nibbāna eingegangen war, da war von seinem zerglühenden, verbrennenden Körper weder Asche noch Ruß wahrzunehmen. Gleichwie da von zerglühendem, verbrennendem Schmalz oder Öl weder Asche noch Ruß sich findet, ebenso war von dem zerglühenden, verbrennenden Körper des ehrwürdigen Dabba Mallaputta, als dieser in den Luftraum emporgestiegen war, sich in der Luft, im freien Raume, mit gekreuzten Beinen niedergesetzt hatte, in das Glanz-Element eingedrungen war, sich erhoben hatte und ins vollkommenen Nibbāna eingegangen war, weder Asche noch Ruß wahrzunehmen.

Da tat der Erhabene, nachdem er erkannt, was dies zu bedeuten hatte, bei jener Gelegenheit folgenden feierlichen Ausspruch:

"Zerfallen ist der Leib, zur Aufhebung gelangt ist die Wahrnehmung, verglüht sind alle Empfindungen; zur Ruhe gekommen sind die (organischen) Prozesse, das Bewußtsein ist zur Rüste gegangen."


443) Vgl. Nyānatiloka, Einer-Buch, p. 39. Über die Mallas s. Anm. 39 und Pischel, Leben und Lehre des Buddha, p. 10.
444) samāpajjati bedeutet "erreichen, eindringen, eingehen in" im wörtlichen und übertragenen Sinne ("mit seinen Gedanken in etwas eindringen").


Ud.VIII.10 Dabba 2

So habe ich gehört: Einst weilte der Erhabene bei Sāvatthi im Jeta-Haine, im Klostergarten des Anāthapindika. Dort nun richtete der Erhabene das Wort an die Mönche: "Ihr Mönche!" - "Herr!" antworteten aufmerksam jene Mönche dem Erhabenen.

Der Erhabene sprach also: "Ihr Mönche, als Dabba Mallaputta in den Luftraum emporgestiegen war, sich in der Luft, im freien Raume, mit gekreuzten Beinen niedergesetzt hatte, in das Glanz-Element eingedrungen war, sich erhoben hatte und ins vollkommene Nibbāna eingegangen war, da war von seinem zerglühenden, verbrennenden Körper weder Asche noch Ruß wahrzunehmen. Gleichwie da, ihr Mönche, von zerglühendem, verbrennendem Schmalz oder Öl weder Asche noch Ruß sich findet, ebenso, ihr Mönche, war von dem zerglühenden, verbrennenden Körper des Dabba Mallaputta, als dieser in den Luftraum emporgestiegen war, sich in der Luft, im freien Raume, mit gekreuzten Beinen niedergesetzt hatte, in das Glanz-Element eingedrungen war, sich erhoben hatte und ins vollkommene Nibbāna eingegangen war, weder Asche noch Ruß wahrzunehmen."

Da tat der Erhabene, nachdem er erkannt, was dies zu bedeuten hatte, bei jener Gelegenheit folgenden feierlichen Ausspruch:

"Gleichwie man den Weg des vom Eisenhammer getroffenen Funkens nicht kennt, der, zerglühend, nach und nach 445) verschwindet, ebenso ist nicht zu erkennen der Weg der vollkommen Erlösten, welche über die Flut der Lustfessel hinübergelangen und die unerschütterliche Seligkeit erreicht haben."


445) Windisch würde, wie er mir noch mitgeteilt hat, anupubbena an dieser Stelle mit "regelmäßig darauf" übersetzt haben.


Das achte Kapitel: Pātaligāma.
Übersicht:
Vier heißen Nibbana (1-4), Cunda (5), die Einwohner von Pātaligāma (6), die Weggabelung (7), Visākhā (8) mit Dabba (9-10), das sind die zehn.


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Das erste Kapitel heißt die Erwachung, das zweite Kapitel Mucalinda, das dritte Kapitel Nandaka, Meghiya ist das vierte Kapitel, das fünfte Kapitel Sona, das sechste Kapitel die Blindgeborenen, das siebente Kapitel ist das kleine, Pātaligāma ist das achte Kapitel.
Ende des Udāna.