Udānapāḷi I

UDĀNA

I. KAPITEL: ERWACHEN

I.1. UNTER DEM BODHIBAUM (1)

So hab ich's vernommen: Einstmals weilte der Erhabene bei Uruvelā am Gestade der Nerañjarā am Fuße des Bodhibaumes, kurz nachdem er vollkommen erwacht war. Da saß der Erhabene sieben Tage lang nur mit gekreuzten Beinen da und empfand das Wohl der Erlösung. Als diese sieben Tage verstrichen waren, stieg der Erhabene aus dieser Einung auf und während der ersten Wache der Nacht arbeitete er die bedingte Entstehung (paticcasamuppāda) vorwärts von Anfang bis Ende folgendermaßen unmittelbar [6] in den Geist ein [manas'ākāsi]:

"Wenn dies ist, dann ist jenes; durch das Aufsteigen von diesem steigt jenes auf, nämlich:

Das ist dieser Leidenshäufung vollständiges Zustandekommen."

Aus diesem Anlaß tat der Erhabene aus seiner Schau folgenden Ausspruch:

Wahrhaftig, wenn die Dinge sich entschleiern
dem Unermüdlichen, dem schauend Höchsten,
sind auch die letzten Zweifel ganz dahin,
da er die Wahrheit samt Entstehung sieht.

[6] anulomam = wörtlich: den Haaren entlang = mit dem Strich


I.2. UNTER DEM BODHIBAUM (2)

So hab ich's vernommen: Einstmals weilte der Erhabene bei Uruvelā am Gestade der Nerañjarā am Fuße des Bodhibaumes, kurz nachdem er vollkommen erwacht war. Da saß der Erhabene sieben Tage lang nur mit gekreuzten Beinen da und empfand das Wohl der Erlösung. Als dann diese sieben Tage verstrichen waren, stieg der Erhabene aus dieser Einung auf und während der mittleren Wache der Nacht arbeitete er die bedingte Entstehung rückwärts folgendermaßen unmittelbar in den Geist ein: "Wenn dies nicht ist, dann ist jenes nicht; durch Aufhebung von diesem geht jenes unter, nämlich:

Das ist dieser Leidenshäufung vollständige Aufhebung."

Aus diesem Anlaß tat der Erhabene aus seiner Schau folgenden Ausspruch:

"Wahrhaftig, wenn die Dinge sich entschleiern
dem Unermüdlichen, dem schauend Höchsten,
sind auch die letzten Zweifel ganz dahin,
weil er nun die Bedingtheit ausgetilgt sieht."


I.3. UNTER DEM BODHIBAUM (3)

So hab ich's vernommen: Einstmals weilte der Erhabene bei Uruvelā am Gestade der Nerañjarā am Fuße des Bodhibaumes, unmittelbar nachdem er vollkommen erwacht Tar. Da saß der Erhabene sieben Tage lang nur mit gekreuzten Beinen da und empfand das Wohl der Erlösung, Als dann diese sieben Tage verstrichen waren, stieg der Erhabene aus der Einung auf und während der letzten Wache der Nacht arbeitete er die bedingte Entstehung vorwärts und rückwärts folgendermaßen unmittelbar in den Geist ein:

"Wenn dies ist, dann ist jenes; durch das Aufsteigen von diesem steigt jenes auf, nämlich:

Das ist dieser Leidenshäufung vollständiges Zustandekommen - Wenn dies nicht ist, dann ist jenes nicht; durch Aufhebung von diesem geht jenes unter, nämlich:

Das ist dieser Leidenshäufung vollständige Aufhebung. "

Aus diesem Anlaß tat der Erhabene aus seiner Schau folgenden Ausspruch:

"Wahrhaftig, wenn die Dinge sich entschleiern
dem Unermüdlichen, dem schauend Höchsten [8]
dann steht er da, des Todes Heer durchdringend
der Sonne gleich, die durch den Himmel strahlt."


[8] brahmana - hier in der höchsten Bedeutung des Wortes


I.4. UNTER DER GEISSHÜTERFEIGE

So hab ich's vernommen: Einstmals weilte der Erhabene bei Uruvelā am Gestade der Nerañjarā am Fuße der Geißhüterfeige, kurz nachdem er vollkommen erwacht war. Da saß der Erhabene sieben Tage lang nur mit gekreuzten Beinen da und empfand das Wohl der Erlösung. Als dann diese sieben Tage verstrichen waren, stieg der Erhabene aus dieser Einung auf. Da kam ein Mantras murmelnder [9] Brahmane dorthin, wo der Erhabene weilte. Dort angekommen, begrüßte er den Erhabenen ehrerbietig, wechselte höfliche, freundliche Worte mit ihm und stellte sich seitwärts. Zur Seite stehend, sprach er zum Erhabenen: "Herr Gotamo, inwiefern ist man denn ein Brahmane, und welches sind die Dinge, die zu tun einen Brahmanen ausmacht?"

Aus diesem Anlaß tat der Erhabene aus seiner Schau folgenden Ausspruch:

"Brahmane ist, wer sich von Schlechtem fernhält,
nicht stolz auf Mantras, säuerlich. [10] Wer unbefleckt
auf Wissens Gipfel steht, den Brahmaweg vollendet,
als Reiner kann er sich zu Recht Brahmane nennen,
für den es nirgends in der Welt mehr Wallung [11] gibt."


[9] "huhunkajātiko"(wörtlich: "fortwährend die Silbe 'Hum' murmelnd") verstehe ich nicht, wie Seidenstücker (Seid 1913 S. 39) und Irland (UdIr. S. 125 Anm.5), als brummig aus Hochmut, oder murmelnd aus Brummigkeit, sondern als Mantras (z.B. 'Om') murmelnd und darauf eingebildet.

[10] Ni-(k)-kasāva: Kasāva ist, was adstringierend (= zusammenziehend) wirkt und schmeckt.

[11] Vgl. Ud II, 10


I.5. DIE BRAHMANEN

So hab ich's vernommen: Einstmals weilte der Erhabene in Sāvatthī im Jetahain im Kloster Anāthapindikos. Zu der Zeit begaben sich die ehrwürdigen Sāriputto, Mahāmoggallāno, Mahākassapo, Mahākaccāyano, Mahākoţţhito, Mahākappino, Mahācundo, Anuruddho, Revato, Devadatto und Ānando dorthin, wo der Erhabene weilte.

Der Erhabene sah diese Ehrwürdigen von Ferne herankommen. Als er sie erblickt hatte, sprach er zu den Mönchen: "Mönche: da kommen Brahmanen! Mönche: da kommen Brahmanen!" Auf diese Worte sprach ein bei Brahmanen geborener Mönch zum Erhabenen: "Herr, inwiefern ist man denn ein Brahmane, und welches sind die Dinge, die zu tun einen Brahmanen ausmacht?"

Aus diesem Anlaß tat der Erhabene aus seiner Schau folgenden Ausspruch:

"Die ausgetilgt die schlechte Art,
und achtsam wandern immerdar,
verstrickungsledig auferwacht,
das sind Brahmanen in der Welt."


I.6. KASSAPO

So hab ich's vernommen: Einstmals weilte der Erhabene bei Rājagaha im Bambuspark am Futterplatz der Eichhörnchen. Zu der Zeit hielt sich der ehrwürdige Mahākassapo in der Pipphalihöhle auf und war leidend, hatte Schmerzen und war schwerkrank. Nach einiger Zeit genas der ehrwürdige Mahākassapo von dieser Krankheit. Da dachte der ehrwürdige Mahākassapo, als er von dieser Krankheit genesen war: "Nun kann ich den Almosengang nach Rājagaham gehen." Aber fünfhundert Himmelsgeister wollten dem ehrwürdigen Mahākassapo Almosenspeise verschaffen. Der ehrwürdige Mahākassapo jedoch lehnte das Angebot der fünfhundert Himmelsgeister ab, kleidete sich in der Morgenfrühe an, nahm Obergewand und Almosenschale und wanderte nach Rājagaha zu einer Straße, wo Arme, Bettler und Weber wohnten. Der Erhabene sah den ehrwürdigen Mahākassapo nach Rājagaha zu dieser Straße wandern. Aus diesem Anlaß tat der Erhabene aus seiner Schau folgenden Ausspruch:

"Ohne Versorger, unerkannt,
gebändigt und im Kerne fest,
einflußversiegt, von Flecken frei:
den sprech’ ich als Brahmanen an."


I.7. BEI PĀTALI

So hab ich's vernommen: Einstmals weilte der Erhabene in Pāţali [12] beim Ajakalāpaka-Schrein im Bereich des Ajakalāpaka-Geistes.[13] Da saß der Erhabene einmal in stockfinsterer Nacht im Freien, und es regnete und regnete. Der Ajakalāpaka-Geist wollte dem Erhabenen Furcht, Schrecken und Haarsträuben einjagen, machte sich an den Erhabenen heran, und als er ihm ganz nahe war, stieß er dreimal den markerschütternd klingenden Schrei aus:

"Asket, dir lauert ein Unhold auf!"

Aus diesem Anlaß tat der Erhabene aus seiner Schau folgenden Ausspruch:

"Wer über jede Eigenheit
hinausstieg als Brahmane ganz,
der wird mit diesem Unhold hier,
dem Brüller, fertig allemal."


[12] so Steinthals PTS Ausgabe, Seid 1916 dagegen Pāvā nach den Burmesischen und Siamesischen Handschriften

[13] yakkha: Bezeichnung für eine Art von menschennahen Geistern mit großer Spannweite zwischen überschäumender Kraft und tiefem Verständnis, auch allgemeine Bezeichnung für alle übermenschlichen Wesen.


I.8. SANGĀMAJJI

So hab ich's vernommen: Einstmals weilte der Erhabene in Sāvatthī im Kloster Anāthapindikos. Zu der Zeit war der ehrwürdige Sangāmajji in Sāvatthī angekommen, um den Erhabenen zu besuchen. Die frühere Frau des ehrwürdigen Sangāmajji hörte: "Der ehrwürdige Sangāmajji ist in Sāvatthī angekommen." Da nahm sie ihren kleinen Sohn und ging zum Jetahain. Zu der Zeit hatte sich der ehrwürdige Sangāmajji am Fuß eines Baumes niedergesetzt, um dort die Tagesmitte zu verbringen. Die frühere Frau des ehrwürdigen Sangāmajji ging zu dem ehrwürdigen Sangāmajji hin und sprach zu ihm: "Asket: dein kleiner Sohn! Sorge für ihn!"[14]

Auf diese Worte blieb der ehrwürdige Sangāmajji stumm. Ein zweites und ein drittes Mal sprach die frühere Frau des ehrwürdigen Sangāmajji zu dem ehrwürdigen Sangāmajji: "Asket: dein kleiner Sohn! Sorge für ihn!" Ein zweites und ein drittes Mal blieb der ehrwürdige Sangāmajji stumm. Da legte die frühere Frau des ehrwürdigen Sangāmajji den kleinen Sohn vor den ehrwürdigen Sangāmajji hin und ging mit den Worten: "Asket: Das ist dein Sohn! Sorge für ihn!" Der ehrwürdige Sangāmajji sah das Kind weder an noch sprach er zu ihm. Die frühere Frau des ehrwürdigen Sangāmajji war nur ein kurzes Stück weggegangen; da sah sie, dass der ehrwürdige Sangāmajji das Kind weder ansah noch zu ihm sprach. Als sie das gesehen hatte, dachte sie: "Dieser Asket hat aber auch gar kein Verlangen nach dem Kind." Da kehrte sie noch einmal um, nahm das Kind an sich und ging. Der Erhabene aber sah mit dem himmlischen Auge, dem geklärten, über menschliche Grenzen hinausreichenden, dieses ungehörige Verhalten [15] der früheren Frau des ehrwürdigen Sangāmajji.

Aus diesem Anlaß tat der Erhabene aus seiner Schau folgenden Ausspruch:

"Kommt sie, erregt ihn Freude nicht,
geht sie, so ist er nicht betrübt.
Sangāmajji, von Fesseln [16] frei:
der ist Brahmane, sage ich."


14 Ich lese das Pāli-Fürwort "man" in 'posa man ti" mit Ireland, anders als Seidenstücker (Seid 1913), als Abkürzung des Demonstrativpronomens "imam".

15 Zur Zeit des Buddha war das Wissen, dass ein Mönch durch seine durch nichts aufzuwiegende innere Arbeit nicht nur zum eigenen Wohl wirkt, sondern "zu aller Wohl, zum Wohl der ganzen Welt', noch so verbreitet, dass ein Verhalten wie das der Frau auch vom einfachen Volk als ungehörig empfunden wurde.

16 Wortspiel mit dem Namen des Mönchs Sangā = Fesseln + majji (von majjati = gereinigt); er war ein Geheilter (Proper Names S. 983)


I.9. DIE FLECHTENTRÄGER

So hab ich's vernommen: Einstmals weilte der Erhabene bei Gayā auf der Gayāhöhe. Zu der Zeit, während der acht kältesten Winternächte, zelebrierten viele Flechtenträger [17] bei Nacht in der eiskalten Gayā das Untertauchen, Auftauchen und wieder Unter- und Auftauchen und Sichbesprengen und brachten Feueropfer dar in dem Glauben: "Dadurch wird man rein."

Aus diesem Anlaß tat der Erhabene aus seiner Schau folgenden Ausspruch:

"Das Wasser - das macht keinen rein,
so oft der Mensch dort baden mag.
In wem das Echte, Wahre herrscht,
der ist Brahmane, der ist rein."


[17] orthodoxe brahmanische Asketen, kenntlich an ihrem Haargeflecht


I.10. BĀHIYO

So hab ich's vernommen: Einstmals weilte der Erhabene in Sāvatthī im Kloster Anāthapindikos. Zu der Zeit hielt sich der Bāhiyer Dāruciriyo in Suppāraka am Gestade des Ozeans auf. Er war hochgeschätzt, anerkannt, stand in hohem Ansehen, genoß Achtung, wurde verehrt, man erwies ihm Aufmerksamkeit und er erhielt seinen Unterhalt an Kleidung, Almosenspeise, Lagerstatt und Arznei im Fall der Krankheit. Da kam dem Bāhiyer Dāruciriyo, als er in abgeschiedener Besinnung weilte, folgendes in den Sinn: "Von denen, die in der Welt Geheilte sind oder den Weg zum Heilsstand betreten haben - ob ich wohl einer von ihnen bin?" -

Eine mitempfindende Gottheit, die früher mit dem Bāhiyer Dāruciriyo verwandt gewesen und auf sein Heil bedacht war, erkannte mit dem Gemüt die Erwägung des Bāhiyers Dāruciriyo, begab sich zu dem Bāhiyer Dāruciriyo und sprach zu ihm: "Weder bist du ein Geheilter, Bāhiyer, noch hast du den Weg betreten, der zum Heilsstand führt. Der Weg, den du gehst, ist keiner, auf dem du geheilt werden oder den Weg zum Heilsstand betreten könntest." - "Aber wer ist denn in der Welt mit ihren Gottheiten ein Geheilter oder hat den Weg zum Heilsstand betreten?" - "Im Norden Indiens liegt eine Stadt namens Sāvatthī, Bāhiyer. Dort weilt jetzt der Erhabene, Geheilte, Vollkommen Erwachte. Dieser Erhabene, Bāhiyer, ist geheilt und zeigt den Weg zum Heilsstand."

Da brach der Bāhiyer Dāruciriyo, ergriffen von den Worten jener Gottheit, auf der Stelle von Suppāraka auf und durcheilte in einer einzigen Nacht die ganze Strecke nach Sāvatthī. Dort traf der Bāhiyer Dāruciriyo im Jetahain ein, wo der Erhabene weilte. Zu jener Zeit gingen viele Mönche im Freien auf und ab. Der Bāhiyer Dāruciriyo ging zu den Mönchen hin und sprach: "Ihr Herren, wo weilt jetzt der Erhabene, der Geheilte, Vollkommen Erwachte? Ich bin gekommen, um diesen Erhabenen, Geheilten, Vollkommen Erwachten zu besuchen." - "Der Erhabene ist zu den Häusern um Almosenspeise gegangen, Bāhiyer."

Da stürmte der Bāhiyer Dāruciriyo aus dem Jetahain nach Sāvatthī und sah dort den Erhabenen auf dem Almosengang dahinwandeln, befriedend anzuschauen, mit gestillten Sinnen, mit gestilltem Geist, auf dem Gipfel der Beherrschtheit und Ruhe, gebändigt, behütet, ein gewaltiges Wesen, vom Frieden gelenkt. Als er ihn erblickt hatte, begab er sich zum Erhabenen, fiel ihm zu Füßen und sprach: "Möge mich der Erhabene die Wahrheit lehren, möge mir der Erhabene die Lehre zeigen, dass es mir lange zum Segen und zum Wohl gereiche!" Auf diese Worte sprach der Erhabene zu dem Bāhiyer Dāruciriyo: "Es ist jetzt nicht die rechte Gelegenheit Bāhiyer, ich bin gerade auf dem Almosengang zu den Häusern." -

Aber ein zweites Mal sprach der Bāhiyer Dāruciriyo den Erhabenen an: "Es ist aber schwer zu erkennen, Herr, was im Leben des Erhabenen und in meinem Leben dazwischenkommen kann. Möge mich der Erhabene die Wahrheit lehren, möge mir der Erhabene die Lehre zeigen, dass es mir lange zum Segen und zum Wohl gereiche!" Auf diese Worte wiederholte der Erhabene: "Es ist jetzt nicht die rechte Gelegenheit, Bāhiyer, ich bin gerade auf dem Almosengang zu den Häusern."

Aber ein drittes Mal wurde der Bāhiyer Dāruciriyo beim Erhabenen vorstellig: "Es ist aber schwer zu erkennen, Herr, was im Leben des Erhabenen und in meinem Leben dazwischenkommen kann. Möge mich der Erhabene die Wahrheit lehren, möge mir der Erhabene die Lehre zeigen, dass es mir lange zum Segen und zum Wohl gereiche!" - "Was das angeht, Bāhiyer, kannst du dich so üben: 'Gesehenes gelte dir nur als Gesehenes, Gehörtes nur als Gehörtes, sinnlich Erfahrenes nur als sinnlich Erfahrenes, Erkanntes nur als Erkanntes.' So kannst du dich üben, Bāhiyer. Wenn dir Gesehenes nur als Gesehenes, Gehörtes nur als Gehörtes gelten wird sinnlich Erfahrenes nur als sinnlich Erfahrenes, Erkanntes nur als Erkanntes, dann, bist 'du' nicht 'dort' Bāhiyer, dann ist 'das' nicht 'deine' Sache, dann Bāhiyer, bist 'du' weder 'hier' noch 'jenseits' noch 'dazwischen': Das eben ist das Ende des Leidens. "[18]

Als der Bāhiyer Dāruciriyo vom Erhabenen diese kurze Lehrdarlegung erhalten hatte, wurde sein Herz ohne Anhangen von Beeinflussung frei. Nachdem der Erhabene dem Bāhiyer Dāruciriyo diese kurze Lehrdarlegung gegeben hatte, ging er fort. Kurz danach griff eine Kuh, die ein junges Kalb hatte, den Bāhiyer Dāruciriyo an und brachte ihn ums Leben. Als der Erhabene den Almosengang nach Sāvatthī beendet hatte und nach dem Mahl mit vielen Mönchen aus der Stadt zurückkehrte, sah er, dass der Bāhiyer Dāruciriyo ums Leben gekommen war. Da sprach er zu den Mönchen: "Mönche, nehmt den Leichnam des Bāhiyers Dāruciriyo, legt ihn auf eine Bahre, tragt ihn fort, verbrennt ihn und errichtet ihm eine Stupa, einer eurer Mitwanderer zum Höchsten [19] hat die Lebenszeit beendet." - "Ja, Herr", sprachen die Mönche, legten den Leichnam des Bāhiyers Dāruciriyo auf eine Bahre, trugen ihn fort, verbrannten ihn und errichteten ihm eine Stupa.

Darauf begaben sie sich zum Erhabenen, grüßten ihn ehrerbietig und setzten sich seitwärts. Seitwärts sitzend sprachen die Mönche zum Erhabenen: "Eingeäschert ist der Leichnam des Bāhiyers Dāruciriyo, eine Stupa ist ihm errichtet. Welches ist sein weiterer Weg, welches seine Wiedergeburt?" - "Mönche, weise war der Bāhiyer Dāruciriyo, der Lehre ist er lehrgemäß nachgefolgt, er hat mir bei der Lehre keine Mühe gemacht: vollkommen erloschen ist der Bāhiyer Dāruciriyo. "[20]

Aus diesem Anlaß tat der Erhabene aus seiner Schau folgenden Ausspruch:

"Wo Wasser Erde, Feuer, Luft
nicht irgend Boden linden kann,
da geben keine Sterne Licht,
und eine Sonne leuchtet nicht,
und auch ein Mond gibt keinen Schein:
Es ist dort keine Dunkelheit.


Denn wenn ein Weiser aus sich selbst
im Schweigen sehend wurde, heil,
ist er von Form, Formlosigkeit,
von Wohl und Wehe ganz gelöst."


[18] Wenn der Geist nicht durch wertendes Benennen und Ausspinnen über das hinausgeht, was, sachlich betrachtet, bei der Wahrnehmung allein vor sich gegangen ist - das Aufeinandertreffen eines der sechs durch früheres Wirken gewirkten Außengebiete mit einem der sechs durch früheres Wirken gewirkten dranggeladenen Innengebiete - dann wuchern "Ich-" und "Welt-"Wahn und damit Treffbarkeit nicht mehr weiter.

[19] Sa-brahmacāri = einer, der den Brahmawandel mit führt

[20] Der Buddha nennt ihn in A.I.24 unter den Spitzen der Jüngerschaft als den am schnellsten zum weltüberlegenen Blick Gekommenen.


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