Udānapāḷi VIII

UDĀNA

VIII. KAPITEL: DAS DORF PĀTALI [120]

Ud.VIII.1. NIRVĀNA (1)

So hab ich's vernommen: Einstmals weilte der Erhabene in Sāvatthī im Kloster Anāthapindikos. Da klärte der Erhabene die Mönche durch eine Lehrdarlegung über das Nirvāna auf, spornte sie an, begeisterte sie, beseligte sie. Und diese Mönche, aufnahmebereit, aufmerksam, hörten mit ganzem Gemüt hingegeben, offenen Ohres die Lehre.

Aus diesem Anlaß tat der Erhabene aus seiner Schau folgenden Ausspruch:

"Es besteht[121] ein Reich, ihr Mönche,
wo es keine Erdenart gibt,
Wasserart nicht, Feuerart nicht,
Luftart nicht, wo kein Bereich ist
eines unbegrenzten Raumes,
oder endlosen Erfahrens,
oder 'Nicht-Etwas', und auch nicht
'Weder-Wahrnehmung noch keine',
'Diese Welt' und 'jene' – beides
gibt's dort nicht, auch 'Sonne', 'Mond' nicht.


Kommen gibt's dort nicht, so sag ich,
Gehen nicht und kein Sichstützen,[122]
Schwinden nicht und Wiederkommen:
Frei von Stützen, frei von Fort-Gang:
So ist es ganz unabhängig.
Wahrlich: Das ist Leidens Ende."


[120] So benannt nach UD VIII, 6

[121] Atthi sollte hier nicht (wie es an anderen, Wahrnehmungs- und Gefühlsdinge betreffenden Stellen angebracht ist) mit "es gibt" übersetzt werden, sondern "es besteht". Hier handelt es sich um die durch Löschen des Daseinsbrandes erreichte unbeeinflußbare Ewigkeit, das einzig wahre "Sein". Das Pāli kennt für "Sein" bei sorgfältigem Sprachgebrauch wie hier zwei verschiedene Wörter: hú/ bhú/ (hoti, bhavati) das Werden und Sein bedeuten kann - also auch das flüchtige Dasein und "as (atthi)", das nur "Sein", nicht Werden bedeutet (vgl. Warder S. 30ff., 230ff., Fahs S. 230f., 322f.).

[122] Sichstützen würde Abhängigkeit von der Stütze bedeuten; das gibt es nur im Reich des Bedingten.


Ud.VIII.2. NIRVANA (2)

So hab ich's vernommen: Einstmals weilte der Erhabene in Sāvatthī im Kloster Anāthapindikos. Da klärte der Erhabene die Mönche durch eine Lehrdarlegung über das Nirvāna auf, spornte sie an, begeisterte sie, beseligte sie. Und diese Mönche, aufnahmebereit, aufmerksam, hörten mit ganzem Gemüt hingegeben, offenen Ohres die Lehre.

Aus diesem Anlaß tat der Erhabene aus seiner Schau folgenden Ausspruch:

"Schwer ist zu seh'n, was 'Nicht-Ich' heißt,.
die Wahrheit sieht man nicht so leicht.
Vom Kenner ist der Durst durchschaut.
Für Seher gibt's nicht 'Etwasheit'."


Ud.VIII.3. NIRVANA (3)

So hab ich's vernommen: Einstmals weilte der Erhabene in Sāvatthī im Kloster Anāthapindikos. Da klärte der Erhabene die Mönche durch eine Lehrdarlegung über das Nirvāna auf, spornte sie an, begeisterte sie, beseligte sie. Und diese Mönche, aufnahmebereit, aufmerksam, hörten mit ganzem Gemüt hingegeben, offenen Ohres die Lehre.

Aus diesem Anlaß tat der Erhabene aus seiner Schau folgenden Ausspruch:

"Es besteht, Mönche,
das Ungeborene, Ungewordene,
Ungeschaffene, Unzusammengesetzte.
Wenn dieses Ungeborene, Ungeschaffene,
Unzusammengesetzte nicht bestünde,
- nicht wäre dann ein Entrinnen
aus dem Geborenen, Gewordenen,
Geschaffenen, Zusammengesetzten
zu erkennen.


Weil aber dieses Ungeborene,
Ungewordene, Ungeschaffene,
Unzusammengesetzte besteht,[123] Mönche,
deshalb ist ein Entrinnen für das
Geborene, Gewordene, Geschaffene,
Zusammengesetzte zu erkennen."


[123] das Nirvāna, das aus "dieser ganzen Masse von Finsternis restloser Aufhebung" (S 48, 50) besteht; daher die wahrhaft absolute Freiheit und Unabhängigkeit seines - ewigen - Friedens


Ud.VIII.4. NIRVANA (4)

So hab ich's vernommen: Einstmals weilte der Erhabene in Sāvatthī im Kloster Anāthapindikos. Da klärte der Erhabene die Mönche durch eine Lehrdarlegung über das Nirvāna auf, spornte sie an, begeisterte sie, beseligte sie. Und diese Mönche, aufnahmebereit, aufmerksam, hörten mit ganzem Gemüt hingegeben, offenen Ohres die Lehre.

Aus diesem Anlaß tat der Erhabene aus seiner Schau folgenden Ausspruch:

"Für Abhängiges gibt es Regung.
Für Unabhängiges gibt es nicht Regung.
Ist keine Regung, so ist Ruhe.
Ist Ruhe, so ist keine Reizung.
Ist keine Reizung, so ist kein Kommen und Gehen.
Ist kein Kommen und Gehen,
so gibt es kein Schwinden und Wiedererscheinen.
Ist kein Schwinden und Wiedererscheinen,
so gibt es kein 'Diesseits', kein 'Jenseits'
und kein 'Dazwischen.'
Das ist wahrlich das Ende des Leidens."


Ud.VIII.5. CUNDO [124]

So hab ich's vernommen: Einstmals war der Erhabene auf der Wanderschaft durch das Land der Maller mit einer großen Schar von Mönchen in der Nähe von Pāvā angekommen. In Pāvā hielt sich der Erhabene in einem Hain des Schmiedes Cundo auf. Der Schmied Cundo hörte: "Da ist doch der Erhabene auf der Wanderschaft durch das Land der Maller mit einer großen Schar von Mönchen in der Nähe von Pāvā angekommen. Dort in Pāvā hält sich der Erhabene in meinem Hain auf" Da begab sich der Schmied Cundo zum Erhabenen, begrüßte den Erhabenen ehrerbietig und setzte sich seitwärts. Der Erhabene unterwies nun den Schmied Cundo in einem Lehrgespräch, spornte ihn an, ermutigte ihn, beseligte ihn. Da sprach der Schmied Cundo, vom Erhabenen in einem Lehrgespräch aufgeklärt, angespornt, ermutigt, beseligt, zum Erhabenen: "Möge doch der Erhabene mit dem Mönchsorden für morgen meine Einladung zum Mahl annehmen." Schweigend stimmte der Erhabene zu. Als der Schmied Cundo der Zusage gewiß war, erhob er sich von seinem Sitz, grüßte den Erhabenen mit gefalteten Händen, umschritt ihn nach rechts und ging. Am anderen Morgen ließ der Schmied Cundo in seiner eigenen Behausung auserlesene feste und flüssige Speisen anrichten, darunter Ebermorcheln[125] und zeigte es dem Erhabenen an, als es Zeit war: "Herr, es ist soweit, das Mahl ist bereitet." Da erhob sich der Erhabene rechtzeitig, nahm Obergewand und Schale und begab sich mit dem Mönchsorden zur Behausung des Schmiedes Cundo. Dort setzte er sich auf dem vorbereiteten Sitz nieder.

Als er sich niedergelassen hatte, sprach er zu dem Schmied Cundo: "Was du da an Ebermorcheln vorbereitet hast, das setze mir vor. Was du an anderen festen und flüssigen Speisen vorbereitet hast, das setze dem Mönchsorden vor." - "Ja, Herr", stimmte der Schmied Cundo dem Erhabenen zu, und was er an Ebermorcheln vorbereitet hatte, das setzte er dem Erhabenen vor, und was er an anderen festen und flüssigen Speisen vorbereitet hatte, das setzte er dem Mönchsorden vor. Dann sprach der Erhabene zu dem Schmied Cundo: "Cundo, was du von den Ebermorcheln übrigbehalten hast, das vergrabe in einer Grube; ich sehe niemanden in der Welt mit ihren Himmelswesen und Höllenwesen, mit ihrer Schar von Brahmanen und Pilgern, mit ihren Fürsten[126] und einfachen Menschen, der das essen und vollständig verdauen könnte außer dem Vollendeten.." - "Ja, Herr", antwortete der Schmied Cundo dem Erhabenen und vergrub die Reste der Ebermorcheln in einer Grube. Dann begab er sich zum Erhabenen, grüßte den Erhabenen ehrerbietig und setzte sich seitwärts. Den seitwärts sitzenden Schmied Cundo unterwies der Erhabene nun in einem Lehrgespräch, spornte ihn an, ermutigte ihn, beseligte ihn. Vom Erhabenen unterwiesen, angespornt, ermutigt und beseligt, erhob sich der Schmied Cundo und ging. - Bald danach befiel den Erhabenen eine schwere Krankheit, blutiger Durchfall; schwere, todankündigende Schmerzanfälle wogten auf. Der Erhabene ertrug sie geduldig in Wahrheitsgegenwart, klarbewußt und klaglos und sprach zum ehrwürdigen Ānando: "Komm, laß uns nach Kusināra gehen." "Ja, Herr", antwortete der ehrwürdige Ānando.

Als er des Cundo Speise aß,
des Schmiedes, so hab ich gehört,[127]
kam eine schwere Krankheit auf
mit Schmerz, als ob's zum Tode ging'.


Weil er die Ebermorcheln aß,
entstand beim Meister blut'ge Ruhr.
Den Darm entleert,[128] sprach nun der Herr:
"Ich will nach Kusināra gehn."

Da wich der Erhabene vom Wege ab und begab sich unter einen Baum. Dort angekommen, sprach er zum ehrwürdigen Ānando: "Komm, Ānando, lege mein Gewand vierfach zusammen,' ich bin müde und will mich setzen." "Ja, Herr" antwortete der ehrwürdige Ānando und legte das Gewand des Erhabenen vierfach zusammen, und der Erhabene setzte sich auf den vorbereiteten Sitz. Als er sich gesetzt hatte, sprach der Erhabene zum ehrwürdigen Ānando: "Jetzt hole mir Wasser, Ānando, ich habe Durst und will etwas trinken." Da sprach der ehrwürdige Ānando zum Erhabenen: "Herr, gerade hier sind an die fünfhundert Wagen durchgekommen. Das wenige Wasser ist von den Rädern aufgewühlt und fließt schmutzig und unrein. Aber in der Nähe, Herr, hat der Fluß Kukuţţhā viel frisches, gutes, kühles, klares Wasser und da ist es leicht zugänglich und schön gelegen. Dort kann der Erhabene trinken und sich erfrischen." Aber ein zweites und ein drittes Mal wiederholte der Erhabene seine Aufforderung. Da sprach der ehrwürdige Ānando gehorsam: "Gern, Herr", nahm eine Schale und ging an das Flußufer. Als der ehrwürdige Ānando dort angekommen war, da strömte der Fluß, dessen weniges Wasser von den Rädern aufgewühlt, schmutzig und unrein gewesen war, rein, klar und ungetrübt dahin. Da dachte der ehrwürdige Ānando: "Wie wunderbar, wie einzigartig ist doch die große Geistesmacht, die gewaltige Kraft des Vollendeten: das bißchen Wasser war doch von den Rädern aufgewühlt, schmutzig und unrein gewesen. Aber als ich hinkam, da strömte der Fluß rein, klar und ungetrübt dahin." Er füllte die Schüssel mit Trinkwasser, begab sich zum Erhabenen und sprach: "Wie wunderbar, wie einzigartig ist doch die große Geistesmacht, die gewaltige Kraft des Vollendeten: das wenige Wasser war von den Rädern aufgewühlt, schmutzig und unrein gewesen. Aber als ich hinkam, da strömte der Fluß rein, klar und ungetrübt dahin! Möge der Erhabene von dem Wasser trinken, möge der Erhabene von dem Wasser trinken!" Da trank der Erhabene von dem Wasser.

Dann begab sich der Erhabene mit einer großen Schar von Mönchen zum Fluß Kukuţţhā. Dort schritt er in den Fluß Kukuţţhā hinein, erfrischte sich und trank. Als er dem Wasser entstiegen war, ging er in einen Mangohain und sprach dort zum ehrwürdigen Cundako:[129]

"Komm, Cundako, lege mein Gewand vierfach zusammen; ich bin müde und will mich hinlegen." "Ja, Herr", antwortete der ehrwürdige Cundako und legte das Gewand des Erhabenen vierfach zusammen. Dann legte sich der Erhabene auf die rechte Seite, ein Bein über das andere gelegt nach Löwenart, in Wahrheitsgegenwart, klarbewußt, auf die Zeit des Aufstehens eingestellt. Der ehrwürdige Cundako aber setzte sich nahe zum Erhabenen.

Zum Fluß Kukuţţhā schritt nun der Erwachte hin,
der voller klaren, reinen, stillen Wassers war.
Er tauchte unter seinen müden Leib,
der Meister ohnegleichen in der Welt.


Nach Bad und Trank entstieg dem Wasser jetzt
der Meister, hochverehrt in Ordens Mitte.
Und der Erhab'ne, die Verkörperung der Wahrheit,
begab sich nun zu einem Mangohaine.


Zu einem Mönche namens Cundako
sprach er: "Falt' mein Gewand, ich will mich legen.
So angewiesen von dem Wohlgebändigten,
legt' Cundo eilends das Gewand zusammen.
Es legt' der Meister seinen müden Leib hin,
und Cundo setzte sich nah zu ihm.

Nun sprach der Erhabene zum ehrwürdigen Ānando: "Es könnte sein, dass dem Schmied Cundo vorgehalten wird: 'Das ist aber nicht gut für dich, Cundo, das hast du schlecht getroffen, dass der Erhabene nach der letzten Almosenspeise, die er von dir erhalten hat, erloschen ist.' Solche Vorwürfe sind in folgender Weise abzuwehren: 'Gut ist das für dich, Cundo, das hast du gut getroffen, dass der Erhabene seine letzte Almosenspeise von dir erhalten hat und dann erloschen ist. Aus dem eigenen Munde des Erhabenen habe ich es vernommen, Cundo, aus dem eigenen Munde des Erhabenen erfahren: Folgende zwei Almosenspenden bringen große, große Frucht, gedeihen zu großer, großer Reife, bringen viel mächtigere Frucht und viel mächtigeren Segen als andere Nahrungsspenden: die Almosenspende, nach der ein Vollendeter in der höchsten Erwachung auferwacht und die Almosenspende, nach der ein Vollendeter ohne Überrest in der Nirvānagrundart vollkommen erlischt. Das sind die beiden Almosenspenden, die große, große Frucht bringen, zu großer, großer Reife gedeihen, viel mächtigere Frucht und viel mächtigeren Segen bringen als andere Nahrungsspenden. Zu Lebenskraft führendes Wirken ist vom ehrwürdigen Cundo gewirkt worden, zu Schönheit, zu Wohl, zu himmlischer Welt, zu hohem Ansehen, zu Macht führendes Wirken ist vom ehrwürdigen Cundo gewirkt worden.' So sind etwaige Vorwürfe gegen Cundo zurückzuweisen, Ānando."

Aus diesem Anlaß tat der Erhabene aus seiner Schau folgenden Ausspruch:

"Geben bewirkt, dass Verdienst erwächst.
Ein Gebändigter schafft keine Gegnerschaft.
Der Taugliche kehrt sich vom Schlechten ab.
Wer Gier, Haß und Blendung tilgt, ist erlöst."


[124] auch enthalten in D 16 IV

[125] sukāra-maddava. Ich halte die von KEN für diese Übersetzung in D.16.IV Anm. 433 genannten Gründe für überzeugend, aber eine Auseinandersetzung mit den von Franke S. 222 Fußnote 4 für seine Übersetzung mit "Schweinefleisch" oder "Eberweich"(?) angeführten Argumenten nicht für wichtig: Ein Mönch nimmt, ohne zu wählen, was ihm die Spender in die Schüssel legen.
Vgl. M.55, Sn.539ff, A.VIII.12, nähere Erklärungen vgl. Schäfer S 438 ff.

[126] deva wird nicht nur für Himmelswesen, sondern auch für hochgestellte Menschen verwendet, etwa wie die westliche Anrede "Majestät".

[127] Diese Verse spricht also nicht der Erwachte, sondern sie sind offenbar von den Berichtern hinzugefügt.

[128] Neumanns Übersetzung von viriccati mit "geplagt von Schluchzen" ist sachlich und sprachlich unhaltbar: 1. gibt für viriccati PTS als einzige Bedeutung "purgieren" = "Abführmittel gebrauchen" an; 2. ist es unmöglich, dass ein Vollkommen Erwachter "schluchzt"; es wurde zudem ausdrücklich gesagt, dass er die Ruhr "geduldig in Wahrheitsgegenwart, klarbewusst und klaglos" ertrug. Nach Ud III, 1 (s.o.) gibt es nicht erst für den Buddha, sondern schon für einen "einfachen Geheilten" nichts zu stöhnen.

[129] Nicht zu verwechseln mit dem vorhin erwähnten Schmied Cundo, auch wenn er nachher mit der Kurzform seines Namens als "Cundo" angesprochen wird.


Ud.VIII.6. DAS DORF PĀTALI [130]

So hab ich's vernommen: Einstmals war der Erhabene auf der Wanderschaft im Lande Magadha mit einer großen Schar von Mönchen bei dem Dorf Pāţali angekommen. Als die Anhänger aus dem Dorf Pāţali von der Ankunft des Erhabenen erfuhren, begaben sie sich zum Erhabenen, begrüßten den Erhabenen ehrerbietig und setzten sich seitwärts. Seitwärts sitzend sprachen die Anhänger aus Pāţali zum Erhabenen: "Herr, wolle doch der Erhabene mit unserer Versammlungshalle vorlieb nehmen." Schweigend stimmte der Erhabene zu. Als die Anhänger aus Pāţali der Zustimmung des Erhabenen gewiß waren, standen sie auf, grüßten den Erhabenen mit erhobenen Händen, um schritten ihn nach rechts und gingen zum Rasthaus. Sie legten es ganz mit Teppichen aus, machten Sitze zurecht, stellten einen Wasserkessel auf und zündeten die Öllampe an. Dann begaben sie sich zum Erhabenen und stellten sich seitwärts. Seitwärts stehend, sprachen die Anhänger aus Pāţali zum Erhabenen: "Ganz mit Teppichen ausgelegt ist das Rasthaus, Herr, Sitze sind zurechtgemacht, ein Wasserkessel ist aufgestellt und die Öllampe angezündet. Wenn es nun dem Erhabenen Herrn recht wäre. "

Da warf der Erhabene, der sich zeitig erhoben hatte, das Obergewand über, nahm Mantel und Almosenschale und begab sich mit der Mönchsgemeinde zu der Versammlungshalle. Dort angekommen, spülte er die Füße ab, trat in die Versammlungshalle ein und setzte sich an dem großen Stützpfeiler nieder, nach Osten gewandt. Auch die Mönchsgemeinde spülte die Füße ab, trat in die Versammlungshalle ein und setzte sich an der Westmauer nieder, nach Osten, dem Erhabenen zugewandt. Schließlich spülten die Anhänger aus Pāţali die Füße ab, traten in die Versammlungshalle ein und setzten sich an der Ostmauer nieder, dem Erhabenen zugewandt.

Nun sprach der Erhabene zu den Anhängern aus Pāţali: "Hausväter, fünferlei Arten von Elend ist der Untugendhafte durch seine moralische Schwäche ausgesetzt. Welchen fünf? -

  1. Ein Untugendhafter mit moralischer Schwäche, Ihr Hausväter, ist durch Nachlässigkeit in seinen Verrichtungen schwerem Vermögensverlust ausgesetzt. Das ist das erste Elend, dem ein Untugendhafter durch seine moralische Schwäche ausgesetzt ist.
  2. Weiter, ihr Hausväter, kommt ein Untugendhafter mit moralischer Schwäche in schlechten Ruf: Das ist das zweite Elend, dem ein Untugendhafter durch seine moralische Schwäche ausgesetzt ist.
  3. Weiter, Ihr Hausväter, tritt ein Untugendhafter mit moralischer Schwäche, wo auch immer er in einer Versammlung auftritt, sei es eine Adelsversammlung oder eine Versammlung von Brahmanen oder Bürgern oder Pilgern, unsicher und befangen auf: Das ist das dritte Elend, dem ein Untugendhafter durch seine moralische Schwäche ausgesetzt ist.
  4. Weiter, ihr Hausväter, stirbt ein Untugendhafter mit moralischer Schwäche in Verstörung. Das ist das vierte Elend, dem ein Untugendhafter durch seine moralische Schwäche ausgesetzt ist.
  5. Weiter, ihr Hausväter, erscheint ein Untugendhafter mit moralischer Schwäche nach dem Absterben des Körpers, jenseits des Todes auf dem Abweg, auf übler Bahn, in einer Stätte der Schmerzen, in höllischem Dasein wieder.[131] Das ist das fünfte Elend, dem ein Untugendhafter durch seine moralische Schwäche ausgesetzt ist.

Das, ihr Hausväter, sind die fünf Arten von Elend, denen ein Untugendhafter durch seine moralische Schwäche ausgesetzt ist.

Fünferlei Segnungen, ihr Hausväter, hat der Tugendhafte, zur Tugend Gewachsene, durch seine gewachsene Tugend. Welche fünf? -

  1. Ein Tugendhafter, zur Tugend Gewachsener, ihr Hausväter, kommt durch seine Strebsamkeit zu beachtlichem Vermögen. Das ist der erste Segen, den ein Tugendhafter, zur Tugend Gewachsener durch seine gewachsene Tugend hat.
  2. Weiter, ihr Hausväter: ein Tugendhafter, zur Tugend Gewachsener kommt in guten Ruf. Das ist der zweite Segen, den ein Tugendhafter, zur Tugend Gewachsener durch seine gewachsene Tugend hat.
  3. Weiter, ihr Hausväter: Ein Tugendhafter, zur Tugend Gewachsener tritt, wo er in einer Versammlung auftritt, sei es eine Versammlung von Adeligen oder von Brahmanen oder von Bürgern oder von Pilgern, sicher und unbefangen auf. Das ist der dritte Segen, den ein Tugendhafter, zur Tugend Gewachsener durch seine gewachsene Tugend hat.
  4. Weiter, ihr Hausväter: ein Tugendhafter, zur Tugend Gewachsener stirbt unverstört. Das ist der vierte Segen, den ein Tugendhafter, zur Tugend Gewachsener durch seine gewachsene Tugend hat.
  5. Weiter, ihr Hausväter: ein Tugendhafter, zur Tugend Gewachsener erscheint nach dem Absterben des Körpers, jenseits des Todes auf guter Bahn, in himmlischer Welt wieder. Das ist der fünfte Segen, den ein Tugendhafter, zur Tugend Gewachsener durch seine gewachsene Tugend hat.

Das, ihr Hausväter, sind die fünf Arten von Segnungen, die ein Tugendhafter, zur Tugend Gewachsener durch seine gewachsene Tugend hat."

Darauf unterwies der Erhabene die Anhänger aus Pāţali noch lange, bis in die Nacht hinein, in einem Lehrgespräch, spornte sie an, begeisterte sie, beseligte sie und entließ sie mit den Worten: "Es ist spät in der Nacht, Hausväter. Wie es euch nun beliebt." - "Ja, Herr", sprachen die Anhänger aus Pāţali zum Erhabenen, erhoben sich von den Sitzen, grüßten den Erhabenen, umwandelten ihn nach rechts mit erhobenen Händen und gingen heim. Bald nachdem die Anhänger aus Pāţali gegangen waren, suchte der Erhabene einen leeren Platz auf.

Zu jener Zeit aber ließen Vassakāro und Sunīdho, die beiden Ersten Minister von Magadha, bei dem Dorf Pāţali eine Festung gegen die Vajjer bauen. Gleichzeitig hatte eine große Schar von tausenden von Himmelsgeistern das Gelände um das Dorf Pāţali besetzt. Dort, wo Himmelsgeister von großer Macht das Gelände besetzt hatten, da zeigten sich die Oberverwalter der Fürsten von großer Macht geneigt, Bauten errichten zu lassen. Dort, wo Himmelsgeister von mittlerer Macht das Gelände besetzt hatten, da zeigten sich die Oberverwalter der Fürsten von mittlerer Macht geneigt, Bauten errichten zu lassen. Dort, wo Himmelsgeister von geringerer Macht das Gelände besetzt hatten, da zeigten sich die Oberverwalter der Fürsten von geringerer Macht geneigt, Bauten errichten zu lassen.

Der Erhabene aber sah mit dem himmlischen Auge, dem geklärten, über menschliche Beschränktheiten hinausreichenden diese Tausende von Himmelsgeistern das Gelände um das Dorf Pāţali besetzt halten. Da sprach der Erhabene im Morgengrauen, als der Tag anbrach, zum ehrwürdigen Ānando: "Ānando, wer läßt denn da bei dem Dorf Pāţali eine Festung bauen?" - "Vassakāro und Sunīdho, Herr, die Ersten Minister von Magadha, lassen da bei dem Dorf Pāţali eine Festung gegen die Vajjer bauen."

"Als hätten sie es mit den Himmelsgeistern der Dreiunddreißig abgesprochen, Ānando, so lassen Vassakāro und Sunīdho, die beiden Ersten Minister von Magadha, bei dem Dorf Pāţali die Festung gegen die Vajjer bauen: Ich habe mit dem himmlischen Auge, dem geklärten, über menschliche Beschränktheiten hinausreichenden, eine große Schar von tausenden von Himmelsgeistern das Gelände um das Dorf Pāţali besetzt halten sehen.. Dort, wo Himmelsgeister von großer Macht das Gelände besetzt halten, da zeigten sich die Oberverwalter der Fürsten von großer Macht geneigt, Bauten errichten zu lassen. Dort, wo Himmelsgeister von mittlerer Macht das Gelände besetzt halten, da zeigten sich die Oberverwalter der Fürsten von mittlerer Macht geneigt, Bauten errichten zu lassen. Dort, wo Himmelsgeister von geringerer Macht das Gelände besetzt halten, da zeigten sich die Oberverwalter der Fürsten von geringerer Macht geneigt, Bauten errichten zu lassen. Soweit das Gebiet der Arier reicht, Ānando, soweit der Handel reicht, wird dies die bedeutendste Stadt werden: Pāţaliputta,[132] wo sich die Wasserläufe teilen. Pāţaliputta stehen drei Gefahren bevor, Ānando: vom Wasser, vom Feuer und von der Zwietracht."

Nun erschienen Vassakāro und Sunīdho, die beiden Ersten Minister von Magadha, vor dem Erhabenen, begrüßten den Erhabenen ehrerbietig, wechselten höfliche, freundliche Worte mit ihm und stellten sich seitwärts. Seitwärts stehend, sprachen Vassakāro und Sunīdho, die beiden Ersten Minister von Magadha, zum Erhabenen: "Möge uns der Herr Gotama für morgen mit der Mönchsgemeinde zum Mahl zusagen." Der Erhabene gab durch Stillschweigen seine Zustimmung. Als sich die Brahmanen Vassakāro und Sunīdho der Zustimmung des Erhabenen sicher waren, begaben sie sich zu ihrem eigenen Quartier. In ihrem Quartier ließen sie erlesene feste und flüssige Nahrung vorbereiten, und als alles bereit war, ließen sie dem Erhabenen melden: "Herr, es ist soweit, das Mahl ist bereit." Der Erhabene, frühzeitig bereit, nahm Obergewand und Schale und begab sich zum Quartier von Vassakāro und Sunīdho, den beiden Ersten Ministern von Magadha. Dort angekommen, setzte er sich auf den bereitstehenden Sitz. Und Vassakāro und Sunīdho, die beiden Ersten Minister von Magadha, bedienten den Erhabenen eigenhändig mit erlesener fester und flüssiger Nahrung. Als Vassakāro und Sunīdho, die beiden Ersten Minister von Magadha, sahen, dass der Erhabene das Mahl beendet und die Hand von der Schale zurückgezogen hatte, nahmen sie niedere Sitze und setzten sich seitwärts. Die seitwärts sitzenden Vassakāro und Sunīdho, die beiden Ersten Minister von Magadha, erfreute der Erhabene mit folgenden Strophen:

"Auf wessen Lande gerne weilt,
wer Überwinderrang gewann,
dort, wo man Tugendechte speist,
Erfahrene, Geläuterte,
dort weilen auch die Götter gern,
wenn man die Gaben ihnen weiht.


Sie schützen den, der sie verehrt,
bedenken gut, der an sie denkt
und nehmen sich so um ihn an
wie eine Mutter um ihr Kind.
Ein Mensch, von Göttern so umhegt,
der sieht nur Gutes allezeit."

Als der Erhabene Vassakāro und Sunīdho, die beiden Ersten Minister von Magadha, mit diesen Strophen erfreut hatte, erhob er sich von seinem Sitz und ging. Vassakāro und Sunīdho aber, die bei den Ersten Minister von Magadha, folgten dem Erhabenen Schritt für Schritt nach in dem Gedanken: "Das Tor, durch welches der Asket Gotama hinausgeht, soll den Namen Gotamo-Tor erhalten, und die Furt, durch die er den Ganges durchschreitet, soll Gotamo-Furt heißen." So wurde das Tor, durch das der Erhabene hinausschritt, Gotamo-Tor genannt. Als aber der Erhabene an das Ufer des Ganges kam, da war der Ganges so hoch angeschwollen, dass eine Krähe vom hohen Ufer aus daraus hätte trinken können. Einige Menschen suchten nach einem Nachen, einige nach einem treibenden Baumstamm, einige banden ein Floß zusammen, um ans andere Ufer überzusetzen. Der Erhabene aber, wie ein kräftiger Mann den gebeugten Arm ausstrecken oder den ausgestreckten Arm beugen kann, verschwand samt dem Mönchsorden vom diesseitigen Ufer und erschien am jenseitigen Ufer wieder.

Aus diesem Anlaß tat der Erhabene aus seiner Schau folgenden Ausspruch:

"Es bezwingen diesen reißend mächt’gen Strom,
Brückenbauer, die dem Sumpf entstiegen.
Immer will die Menge Flöße binden;
weise Menschen sind indes schon drüben."


[130] auch in D.16.I berichtet.

[131] Aus vielen Erklärungen des Erwachten zeigt sich, dass das nicht heißen soll, dass jeder Mensch mit irgendeiner moralischen Schwäche sofort in die Schmerzenswelt kommt, sondern dass ein Mensch, der überhaupt nicht darum kämpft, seine moralische Schwäche abzulegen, sondern sich einfach auf den Wogen seiner Triebe treiben läßt, auf die Dauer unweigerlich in untermenschliche Schmerzenswelt gerät.

[132] das heutige Patna, Hauptstadt von Bihar, das mehrfach in der Vergangenheit eine bedeutende Hauptstadt war.


Ud.VIII.7. ZWEI WEGE

So hab ich's vernommen: Einstmals war der Erhabene auf einem langen Marsch durch das Land Kosala, und der ehrwürdige Nāgasamālo ging als Helfer hinter ihm her. Unterwegs sah der ehrwürdige Nāgasamālo eine Wegegabel und sprach zum Erhabenen: "Erhabener Herr, das da ist der Weg. Den müssen wir gehen." Auf diese Bemerkung antwortete der Erhabene: "Dies hier ist der Weg, Nāgasamālo; hier müssen wir gehen." Zum zweiten und zum dritten Mal beharrte der ehrwürdige Nāgasamālo auf seiner Meinung. Als der Erhabene auch zum dritten Mal antwortete: "Dies hier ist der Weg, Nāgasamālo; hier müssen wir gehen", legte der ehrwürdige Nāgasamālo dem Erhabenen Obergewand und Schale vor die Füße und ging mit den Worten: "Erhabener Herr, da ist dein Obergewand und deine Schale."[133]

Als der ehrwürdige Nāgasamālo auf diesem Weg weiterging, da fielen Räuber über ihn her, traktierten ihn mit Fäusten und Füßen, zerbrachen ihm die Almosenschale und zerrissen ihm das Gewand. Da kam er mit zerbrochener Schale und zerrissenem Gewand zum Erhabenen zurück, grüßte den Erhabenen ehrerbietig und setzte sich seitwärts. Seitwärts sitzend, sprach der ehrwürdige Nāgasamālo zum Erhabenen: "Herr, als ich da meinen Weg weiterging, da sind Räuber über mich hergefallen, haben mich mit Fäusten und Füßen traktiert, haben mir die Schüssel zerbrochen und das Gewand zerrissen."

Aus diesem Anlaß tat der Erhabene aus seiner Schau folgenden Ausspruch:

"Wenn ein Allsehender mit einem andern
auf Wanderschaft ist und zusammenlebt,
geht er klarsehend Übeln aus dem Wege.
Jungreiher aber tappen in den Sumpf."


[133] Früher habe ich gedacht: "Unerhört! Was kann schon aus so einem groben Klotz geworden sein!" - Er war ein Sakyer, hatte die Lehrreden "Der Löwenruf" und "Das Haarsträuben" (M.11 und M.12) aus dem eigenen Mund des Erhabenen gehört, und als er in der Stadt eine anmutige Tänzerin in Brokatgewändern tanzen sah, meditierte er so kraftvoll über die Schlingen Māros, dass er bald danach noch zu Lebzeiten den Heilsstand erlangte (Proper Names Bd. 2 S. 45 mit weiteren Nachweisen). "Urteilt nicht die Menschen ab..." (A.VI.44).


Ud.VIII.8. VISĀKHĀ

So hab ich's vernommen: Einstmals weilte der Erhabene in Sāvatthī im Ostkloster in Mutter Migāras Halle. Da war gerade Visākhā, der Mutter Migāras, eine Enkelin gestorben, die sie sehr lieb hatte. Visākhā, die Mutter Migāras, begab sich mitten am Tage mit nassem Gewand und nassen Haaren zum Erhabenen, begrüßte den Erhabenen ehrerbietig und setzte sich zur Seite. Als Visākhā zur Seite saß, sprach der Erhabene zu ihr: "Warum kommst du mitten am Tage mit nassem Gewand und nassen Haaren, Visākhā?" - "Herr, mir ist eine Enkelin gestorben, die ich sehr, sehr lieb hatte. Deshalb komme ich mitten am Tage mit nassem Gewand und nassen Haaren." - "'Möchtest du gern so viele Kinder haben, wie Sāvatthī Einwohner hat, Visākhā?" - "Gern hätte ich so viele Kinder wie Sāvatthī Einwohner hat, Herr." - "Wie viele Menschen sterben wohl täglich in Sāvatthī, Visākhā?" - "'Manchmal sterben zehn Menschen am Tag in Sāvatthī, Herr, manchmal auch neun oder acht oder sieben oder sechs oder einer - ohne sterbende Menschen ist Sāvatthī nie, Herr." - "Was meinst du, Visākhā, wärst du da jemals ohne nasses Gewand und ohne nasse Haare?" - "Das nicht, Herr, allein die vielen Kinder und Enkel würden dazu genügen."

"Wer Vorliebe [134] für Hundert hat, Visākhā, der hat hundert Leiden; wer Vorliebe für Neunzig hat, Visākhā, der hat 90 Leiden; wer Vorliebe für Achtzig hat, der hat 80 Leiden; wer Vorliebe für Siebzig hat, der hat 70 Leiden; wer Vorliebe für Sechzig hat, der hat 60 Leiden; wer Vorliebe für Fünfzig hat, der hat 50 Leiden; wer Vorliebe für Vierzig hat, der hat 40 Leiden; wer Vorliebe für Dreißig hat, der hat 30 Leiden; wer Vorliebe für Zwanzig hat, der hat 20 Leiden; wer Vorliebe für Zehn hat, der hat zehn Leiden; wer Vorliebe für Fünf - Vier - Drei - Zwei hat, der hat fünf - vier - drei - zwei Leiden; wer Vorliebe für Einen hat, der hat ein Leiden; wer für Keinen Vorliebe hat, der hat kein Leiden. Der ist frei von Kummer, frei von Betrübnis, frei von Auflehnung, sage ich."

Aus diesem Anlaß tat der Erhabene aus seiner Schau folgenden Ausspruch:

"Was es an Kummer gibt und Aufbegehren,
an Leiden aller Art auf dieser Welt
- Vorliebe ist der Grund von alledem.
Vorliebe - gäb's die nicht, so wär’ das nicht.


Wie selig sorgenfrei ist darum der,
der nirgends in der Welt Vorlieben hat.
Wer frei sein will von Kummer und Betrübnis:
Vorliebe heg' er nirgends in der Welt!"


[134] Pema = die besitzenwollende Liebe. Die anderen Übersetzer, so weit ich sehe, übersetzen alle mit "Liebe". Für die nichtmessende, grenzenlose liebende Güte hat das Pāli aber - im Gegensatz zum Deutschen - ein eigenes Wort: mettā, wodurch so grobe Missverständnisse wie das mir einmal von einem bekannten Theologen entgegengehaltene, im Buddhismus komme die Liebe zu kurz, ausgeschlossen sind. Vgl. das Mettāsutta Sn.143 weiter unten.


Ud.VIII.9. DABBO (1)

So hab ich's vernommen: Einstmals weilte der Erhabene bei Rājagaha im Bambuspark am Futterplatz der Eichhörnchen. Da begab sich der ehrwürdige Dabbo Mallaputto[135] zum Erhabenen, begrüßte den Erhabenen ehrerbietig und setzte sich seitwärts. Seitwärts sitzend sprach der ehrwürdige Dabbo Mallaputto zum Erhabenen: 'Zum vollkommenen Erlöschen ist nun für mich die Zeit gekommen, Wohlfinder" - "Wie es dir nun als die rechte Zeit erscheint, Dabbo."

Da erhob sich der ehrwürdige Dabbo Mallaputto von seinem Sitz, entbot dem Erhabenen seinen Gruß und fuhr, den Erhabenen nach rechts um rundend, zum Himmel auf, und mit gekreuzten Beinen im freien Himmelsraum sitzend, ging er in die Feuergrundart ein, erhob sich über sie und erlosch vollkommen. Als der ehrwürdige Dabbo Mallaputto zum Himmel aufgefahren und, mit gekreuzten Beinen im freien Himmelsraum sitzend, in die Feuergrundart eingegangen war, sich über sie erhoben hatte und vollkommen erloschen war, da war sein Leib vollkommen verglüht und verbrannt, und weder Asche noch ein Stäubchen Ruß waren mehr festzustellen: Wie wenn von flüssiger Butter oder Lampenöl nach dem Verbrennen und Verglühen weder Asche noch Ruß festzustellen ist, so war, als der ehrwürdige Dabbo Mallaputto zum Himmel aufgefahren und, mit gekreuzten Beinen im freien Himmelsraum sitzend, in die Feuergrundart eingegangen war, sich über sie erhoben hatte und vollkommen erloschen war, der Leib vollkommen verglüht und verbrannt, und weder Asche noch ein Stäubchen Ruß waren mehr festzustellen.

Aus diesem Anlaß tat der Erhabene aus seiner Schau folgenden Ausspruch:

"Zerfallen der Leib, Wahrnehmung getilgt,
auch alle Gefühle ganz ausgeglüht,
zur Ruhe ist jede Gestaltung gekommen.
'Bewußtseins'-Wohlsuchlauf für immer am Ziel."


[135] sein Lebenslauf von Hellmuth Hecker in WW 1981 S. 261 ff. Er hatte schon mit sieben Jahren den Heilsstand erreicht.


Ud.VIII.10. DABBO (2)

So hab ich's vernommen: Einstmals weilte der Erhabene in Sāvatthī im Jetahain im Kloster Anāthapindikos. Da sprach der Erhabene zu den Mönchen: "Ihr Mönche!" - "Erhabener Herr", antworteten die Mönche dem Erhabenen aufmerksam. "Der ehrwürdige Dabbo Mallaputto ist zum Himmel aufgefahren und, mit gekreuzten Beinen im freien Himmelsraum sitzend, in die Feuergrundart eingegangen, hat sich über sie erhoben und ist vollkommen erloschen. Da war sein Leib vollkommen verglüht und verbrannt, und weder Asche noch ein Stäubchen Ruß waren mehr festzustellen."

Aus diesem Anlaß tat der Erhabene aus seiner Schau folgenden Ausspruch:

"Vom Funken, den der Eisenhammer
herausschlug aus des Feuers Glut,
so dass er nach und nach erlischt,
da sagt man nicht, wohin er ging.
So ist’s bei ganz Erlösten, die
der Wunschesbande Flut gekreuzt
und regungsfreies Wohl erreicht:
Da gibt es keine Bahnen mehr."


 Home Oben Zum Index Zurueck