Majjhima Nikāya

Worte von Kay Zumwinkel (1999)


Vorwort des Übersetzers

Ein paar Worte darüber, wie die vorliegende Übersetzung zustande kam.

Der ehrwürdige Nyanaponika Mahathera, eine der bedeutendsten Persönlichkeiten des Buddhismus unseres Jahrhundert, hatte in seinen letzten Lebensjahren nachdrücklich auf die Notwendigkeit einer neuen deutschen Übersetzung der Mittleren Sammlung hingewiesen. Die einzige bisher vorhandene vollständige Übersetzung stammt aus der Frühphase der kurzen Historie des Buddhismus im deutschen Sprachraum. Sie ist stilistisch antiquiert und weist zum Teil erhebliche inhaltliche Mängel auf.

Es war seit langem das Anliegen der bekannten deutschen Meditationslehrerin Bhikkhunī Ayya Khema gewesen, ein entsprechendes Übersetzungsprojekt ins Leben zu rufen. Sie versuchte, ein Team von Übersetzern zusammenzuführen, das die Majjhima Nikāya aus dem Pāli ins Deutsche übersetzen sollte. Leider gibt es zur Zeit niemanden, der die vielfältigen notwendigen Anforderungen alle erfüllen kann: fachliche Kompetenz und Erfahrung in der Dhammapraxis, sprachliches Können im Pāli und stilistische Sicherheit im Deutschen, viel Geduld und Zeit.

Daß heute dennoch eine neue deutsche Fassung der Mittleren Sammlung vorliegt, ist dem Umstand zu verdanken, daß alle am Projekt Beteiligten die zweitbeste Lösung besser fanden als gar keine Lösung:

Der englische Bhikkhu Ñānamoli hinterließ bei seinem Tod das fragmentarische Manuskript einer neuen englischen Fassung der "Middle Length Discourses", die vom amerikanischen Mönchsgelehrten Bhikkhu Bodhi ergänzt und überarbeitet wurde. Dieses Werk gilt als eine der besten Übertragungen aus dem Pālikanon in eine westliche Sprache. Es diente als Ausgangsmaterial für das vorliegende Buch.

Es wurde versucht, die Problematik der "Übersetzung über zwei Ecken" zu entschärfen, indem die Pāli Originalversion (romanisierte Fassung der "Sri Lanka Buddha Jayanti Tripitaka Series" und Fassung der Pali Text Society) vergleichend hinzugezogen wurde. Die Pālikenntnisse des Übersetzers sind einer ausschließlichen Übersetzung aus dem Pāli nicht gewachsen, aber sie sind ausreichend, um größtmögliche Gewißheit und Übersetzungssicherheit, zumindest in Hinsicht auf technische Ausdrücke des Buddhadhamma zu finden. In einer Reihe von Fällen sind gewisse Unterschiede zwischen der Übertragung ins Englische und der Übertragung ins Deutsche festzustellen.

Auch aus anderen Gründen ist das vorliegende Buch keine 1:1 Kopie der englischen Fassung. Bhikkhu Bodhi ist einer der bedeutendsten westlichen buddhistischen Gelehrten, der sich stark an die Kommentartradition (v.a. Buddhaghosa) anlehnt, und sein Buch wird scholastischen Ansprüchen gerecht. Das vorliegende Werk hat nicht die Absicht, wissenschaftlichen Ansprüchen zu genügen. Es ist als Handbuch für Meditierende und Dhamma-Praktizierende gedacht.

Dies äußert sich in erster Linie in den Anmerkungen, die völlig neu geschrieben wurden. Auf Anmerkungen von rein scholastischem Interesse wurde verzichtet. Auch geht der Übersetzer davon aus, daß die Worte des Buddha für sich selbst sprechen. Der Bezugsrahmen der Anmerkungen sind die Lehrreden des Buddha selbst; es wurde darauf verzichtet, die Aussagen der Suttas später entstandenen Erklärungsmodellen anzupassen (hier sind vor allem die "Geistmoment-Theorie" und die "Drei-Leben-Theorie" zu nennen).

Wo Anmerkungen der englischen Fassung übernommen wurden, ist das eindeutig gekennzeichnet - mit "BB" (Bhikkhu Bodhi), "MA" (Majjhima Nikāya Aṭṭhakathā, ein Kommentar, entstanden um das Jahr 1000 nach dem Buddha) und "Mṭ" (Majjhima Nikāya ṭīkā, ein weiterer Kommentar). Ansonsten trägt der Übersetzer die volle Verantwortung für die Anmerkungen und die Richtigkeit der Übersetzung.

Neben der Übersetzung von Bhikkhu Ñānamoli/Bhikkhu Bodhi habe ich auch andere englische Versionen paralleler Textpassagen konsultiert, z.B. von Maurice Walshe, Bhikkhu Ñānananda und anderen.

Zur Begriffserfassung und -findung bei technischen Ausdrücken leisteten folgende Werke unschätzbare Dienste: das "Buddhist Dictionary" (Pāli -Thai-Englisch) von Than Dschau Khun Dhammapitaka (Phra P.A. Payutto) und das buddhistische Wörterbuch "Phodschanaanukrom Phutthasaat" (Pāli -Thai) vom gleichen Autor.

Zur Bestimmung nicht-technischer Pāliwörter benutzte ich das "Wörterbuch Pāli -Deutsch" von Klaus Mylius und das " Pāli -Thai-English-Sanskrit Dictionary" von HRH Prinz Krommaphra Chandaburinarünath.

Ich bin der ehrwürdigen Ayya Khema dankbar, daß sie mich mit diesem Projekt betraut hatte und mir so die Gelegenheit gab, im Heilsamen zu wachsen. Die deutschsprachigen Buddhisten verdanken ihrer verlegerischen Initiative eines der wichtigsten Werke des Pālikanon in ihrer Muttersprache. Schade, daß sie die Fertigstellung dieses Werkes nicht mehr erleben konnte.

Meine Dankbarkeit gilt auch den unvorstellbar vielen Menschen der Theravāda-Tradition, die dafür gesorgt haben, daß die Lehrreden des Buddha bis in unsere Zeit überliefert worden sind. Dankbarkeit und Respekt gegenüber dem Buddha läßt sich nicht in Worte fassen.

Ich danke denjenigen Menschen, die mich freigiebig an ihrem Verständnis des Buddhadhamma Anteil haben ließen, und es mir überhaupt erst ermöglichten, das große Werk bewältigen zu können: Luang Pu Lah, Luang Phor Thuhn Khippapaṭṭo, Ajahn Jayasāro, Ajahn Saṃvaro, Ayya Khema, Anila Karen, Steve und Rosemary Weissman. Ich danke Angelika Wild und Patcharaphorn Zumwinkel für ihre Geduld und Unterstützung, und Dank auch an Phra Charles Nirodho und Brian Elliot für wichtige Hinweise zur Sekundärliteratur, sowie an Claus Sandler für wichtige Hinweise zur Schlußbearbeitung.

Möge dieses Buch den Lesern heilsame Früchte bringen.

 

Kay Zumwinkel

Nürnberg, August 1999


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