Majjhima Nikāya 73

Die längere Lehrrede an Vacchagotta - Mahāvacchagotta Sutta

 

1. So habe ich gehört. Einmal hielt sich der Erhabene bei Rājagaha im Bambushain, dem Eichhörnchen-Park auf.

2. Da ging der Wanderasket Vacchagotta zum Erhabenen und tauschte Grußformeln mit ihm aus. Nach diesen höflichen und freundlichen Worten setzte er sich seitlich nieder und sagte zum Erhabenen:

3. "Über einen langen Zeitraum habe ich Gespräche mit dem Erhabenen gehabt. Es wäre gut, wenn Meister Gotama mich in Kürze das Heilsame und das Unheilsame lehren würde."

"Ich kann dich das Heilsame und das Unheilsame in Kürze lehren, Vaccha, und ich kann dich das Heilsame und das Unheilsame in aller Ausführlichkeit lehren. Dennoch will ich dich das Heilsame und das Unheilsame in Kürze lehren. Höre zu und verfolge aufmerksam, was ich sagen werde."

"Ja, Herr", erwiderte er. Der Erhabene sagte dieses:

4. "Vaccha, Gier ist unheilsam, Nicht-Gier ist heilsam; Haß ist unheilsam, Nicht-Haß ist heilsam; Verblendung ist unheilsam, Nicht-Verblendung ist heilsam. Auf diese Weise sind drei Dinge unheilsam und drei Dinge sind heilsam."

5. "Töten von Lebewesen ist unheilsam, das Enthalten vom Töten von Lebewesen ist heilsam; Nehmen, was nicht gegeben wurde, ist unheilsam, das Enthalten vom Nehmen, was nicht gegeben wurde, ist heilsam; Fehlverhalten bei Sinnesvergnügen ist unheilsam, das Enthalten vom Fehlverhalten bei Sinnesvergnügen ist heilsam; falsche Rede ist unheilsam, das Enthalten von falscher Rede ist heilsam; gehässige Rede ist unheilsam, das Enthalten von gehässiger Rede ist unheilsam; grobe Rede ist unheilsam, das Enthalten von grober Rede ist heilsam; Geschwätz ist unheilsam, das Enthalten von Geschwätz ist heilsam; Habgier ist unheilsam, Freiheit von Habgier ist heilsam; Übelwollen ist unheilsam, Nicht-Übelwollen ist heilsam; falsche Ansicht ist unheilsam, richtige Ansicht ist heilsam. Auf diese Weise sind zehn Dinge unheilsam und zehn Dinge sind heilsam."

6. "Wenn Begehren von einem Bhikkhu überwunden worden ist, an der Wurzel abgeschnitten, einem Palmenstumpf gleichgemacht, beseitigt, so daß es künftigem Entstehen nicht mehr unterworfen ist, dann ist jener Bhikkhu ein Arahant mit vernichteten Trieben, einer, der das heilige Leben gelebt hat, getan hat, was getan werden mußte, die Bürde abgelegt hat, das wahre Ziel erreicht hat, die Fesseln des Werdens zerstört hat und durch letztendliche Erkenntnis vollständig befreit ist."

7. "Gibt es außer Meister Gotama noch irgendeinen Bhikkhu, einen Schüler von Meister Gotama, der durch eigene Verwirklichung mit höherer Geisteskraft, hier und jetzt in die Herzensbefreiung, die Befreiung durch Weisheit, die mit der Vernichtung der Triebe triebfrei ist, eintritt und darin verweilt [1]?"

"Vaccha, es gibt nicht nur hundert oder zwei- oder drei- oder vier- oder fünfhundert, sondern weit mehr Bhikkhus, Schüler von mir, die durch eigene Verwirklichung mit höherer Geisteskraft, hier und jetzt in die Herzensbefreiung, die Befreiung durch Weisheit, die mit der Vernichtung der Triebe triebfrei ist, eintreten und darin verweilen."

8. "Gibt es außer Meister Gotama und den Bhikkhus noch irgendeine Bhikkhunī, eine Schülerin von Meister Gotama, die durch eigene Verwirklichung mit höherer Geisteskraft, hier und jetzt in die Herzensbefreiung, die Befreiung durch Weisheit, die mit der Vernichtung der Triebe triebfrei ist, eintritt und darin verweilt?"

"Vaccha, es gibt nicht nur hundert oder zwei- oder drei- oder vier- oder fünfhundert, sondern weit mehr Bhikkhunīs, Schülerinnen von mir, die durch eigene Verwirklichung mit höherer Geisteskraft, hier und jetzt in die Herzensbefreiung, die Befreiung durch Weisheit, die mit der Vernichtung der Triebe triebfrei ist, eintreten und darin verweilen."

9. "Gibt es außer Meister Gotama und den Bhikkhus und Bhikkhunīs noch irgendeinen Laienanhänger, einen Schüler von Meister Gotama, der weißgekleidet ein zölibatäres Leben führt [2], der mit der Vernichtung der fünf niedrigeren Fesseln spontan (in den Reinen Bereichen) erscheinen und dort Nibbāna erlangen wird, ohne je von jener Welt zurückzukehren?"

"Vaccha, es gibt nicht nur hundert oder zwei- oder drei- oder vier- oder fünfhundert, sondern weit mehr Laienanhänger, Schüler von mir, die weißgekleidet ein zölibatäres Leben führen, die mit der Vernichtung der fünf niedrigeren Fesseln spontan in den Reinen Bereichen erscheinen und dort Nibbāna erlangen werden, ohne je von jener Welt zurückzukehren."

10. "Gibt es außer Meister Gotama, den Bhikkhus und Bhikkhunīs und den Laienanhängern, die weißgekleidet ein zölibatäres Leben führen, noch irgendeinen Laienanhänger, einen Schüler von Meister Gotama, der weißgekleidet sich sinnlicher Vergnügen erfreut [3], der seine Anweisungen ausführt, seinem Rat folgt, den Zweifel hinter sich gelassen hat, von Verwirrung frei geworden ist, Selbstvertrauen erlangt hat und in der Lehre des Lehrers von anderen unabhängig geworden ist?"

"Vaccha, es gibt nicht nur hundert oder zwei- oder drei- oder vier- oder fünfhundert, sondern weit mehr Laienanhänger, Schüler von mir, die weißgekleidet sich sinnlicher Vergnügen erfreuen, die meine Anweisungen ausführen, meinem Rat folgen, den Zweifel hinter sich gelassen haben, von Verwirrung frei geworden sind, Selbstvertrauen erlangt haben und in der Lehre des Lehrers von anderen unabhängig geworden sind."

11. "Gibt es außer Meister Gotama, den Bhikkhus und Bhikkhunīs und den weißgekleideten Laienanhängern, sowohl jenen, die ein zölibatäres Leben führen, als auch jenen, die sich sinnlicher Vergnügen erfreuen, noch irgendeine Laienanhängerin, eine Schülerin von Meister Gotama, die weißgekleidet ein zölibatäres Leben führt, die mit der Vernichtung der fünf niedrigeren Fesseln spontan (in den Reinen Bereichen) erscheinen und dort Nibbāna erlangen wird, ohne je von jener Welt zurückzukehren?"

"Vaccha, es gibt nicht nur hundert oder zwei- oder drei- oder vier- oder fünfhundert, sondern weit mehr Laienanhängerinnen, Schülerinnen von mir, die weißgekleidet ein zölibatäres Leben führen, die mit der Vernichtung der fünf niedrigeren Fesseln spontan (in den Reinen Bereichen) erscheinen und dort Nibbāna erlangen werden, ohne je von jener Welt zurückzukehren."

12. "Gibt es außer Meister Gotama, den Bhikkhus und Bhikkhunīs, den weißgekleideten Laienanhängern, sowohl jenen, die ein zölibatäres Leben führen, als auch jenen, die sich sinnlicher Vergnügen erfreuen, und den Laienanhängerinnen, die weißgekleidet ein zölibatäres Leben führen, noch irgendeine Laienanhängerin, eine Schülerin von Meister Gotama, die weißgekleidet sich sinnlicher Vergnügen erfreut, die seine Anweisungen ausführt, seinem Rat folgt, den Zweifel hinter sich gelassen hat, von Verwirrung frei geworden ist, Selbstvertrauen erlangt hat und in der Lehre des Lehrers von anderen unabhängig geworden ist?"

"Vaccha, es gibt nicht nur hundert oder zwei- oder drei- oder vier- oder fünfhundert, sondern weit mehr Laienanhängerinnen, Schülerinnen von mir, die weißgekleidet sich sinnlicher Vergnügen erfreuen, die meine Anweisungen ausführen, meinem Rat folgen, den Zweifel hinter sich gelassen haben, von Verwirrung frei geworden sind, Selbstvertrauen erlangt haben und in der Lehre des Lehrers von anderen unabhängig geworden sind."

13. "Meister Gotama, wenn nur Meister Gotama in diesem Dhamma erfolgreich wäre, aber keine Bhikkhus erfolgreich wären, dann wäre dieses heilige Leben in jener Hinsicht unzulänglich; aber weil Meister Gotama und Bhikkhus in diesem Dhamma erfolgreich sind, ist dieses heilige Leben somit in dieser Hinsicht vollständig. Wenn nur Meister Gotama und Bhikkhus in diesem Dhamma erfolgreich wären, aber keine Bhikkhunīs erfolgreich wären, dann wäre dieses heilige Leben in jener Hinsicht unzulänglich; aber weil Meister Gotama, Bhikkhus und Bhikkhunīs in diesem Dhamma erfolgreich sind, ist dieses heilige Leben somit in dieser Hinsicht vollständig. Wenn nur Meister Gotama, Bhikkhus und Bhikkhunīs in diesem Dhamma erfolgreich wären, aber keine Laienanhänger, die weißgekleidet ein zölibatäres Leben führen, erfolgreich wären, dann wäre dieses heilige Leben in jener Hinsicht unzulänglich; aber weil Meister Gotama, Bhikkhus und Bhikkhunīs und Laienanhänger, die weißgekleidet ein zölibatäres Leben führen, in diesem Dhamma erfolgreich sind, ist dieses heilige Leben somit in dieser Hinsicht vollständig. Wenn nur Meister Gotama, Bhikkhus und Bhikkhunīs und Laienanhänger, die weißgekleidet ein zölibatäres Leben führen, in diesem Dhamma erfolgreich wären, aber keine Laienanhänger, die weißgekleidet sich sinnlicher Vergnügen erfreuen, erfolgreich wären, dann wäre dieses heilige Leben in jener Hinsicht unzulänglich; aber weil Meister Gotama, Bhikkhus und Bhikkhunīs und weißgekleidete Laienanhänger, sowohl jene, die ein zölibatäres Leben führen, als auch jene, die sich sinnlicher Vergnügen erfreuen, in diesem Dhamma erfolgreich sind, ist dieses heilige Leben somit in dieser Hinsicht vollständig. Wenn nur Meister Gotama, Bhikkhus und Bhikkhunīs und weißgekleidete Laienanhänger, sowohl jene, die ein zölibatäres Leben führen, als auch jene, die sich sinnlicher Vergnügen erfreuen, in diesem Dhamma erfolgreich wären, aber keine Laienanhängerinnen, die weißgekleidet ein zölibatäres Leben führen, erfolgreich wären, dann wäre dieses heilige Leben in jener Hinsicht unzulänglich; aber weil Meister Gotama, Bhikkhus und Bhikkhunīs, weißgekleidete Laienanhänger, sowohl jene, die ein zölibatäres Leben führen, als auch jene, die sich sinnlicher Vergnügen erfreuen, und Laienanhängerinnen, die weißgekleidet ein zölibatäres Leben führen, in diesem Dhamma erfolgreich sind, ist dieses heilige Leben somit in dieser Hinsicht vollständig. Wenn nur Meister Gotama, Bhikkhus und Bhikkhunīs, weißgekleidete Laienanhänger, sowohl jene, die ein zölibatäres Leben führen, als auch jene, die sich sinnlicher Vergnügen erfreuen, und Laienanhängerinnen, die weißgekleidet ein zölibatäres Leben führen, in diesem Dhamma erfolgreich wären, aber keine Laienanhängerinnen, die weißgekleidet sich sinnlicher Vergnügen erfreuen, erfolgreich wären, dann wäre dieses heilige Leben in jener Hinsicht unzulänglich; aber weil Meister Gotama, Bhikkhus und Bhikkhunīs, weißgekleidete Laienanhänger, sowohl jene, die ein zölibatäres Leben führen, als auch jene, die sich sinnlicher Vergnügen erfreuen, und weißgekleidete Laienanhängerinnen, sowohl jene, die ein zölibatäres Leben führen, als auch jene, die sich sinnlicher Vergnügen erfreuen, in diesem Dhamma erfolgreich sind, ist dieses heilige Leben somit in dieser Hinsicht vollständig."

14. "So wie sich der Gangesfluß auf das Meer zubewegt, sich dem Meer zuneigt, in Richtung des Meeres fließt und sich bis zum Meer erstreckt, so bewegt sich auch Meister Gotamas Folgschaft mit ihren Hauslosen und ihren Haushältern auf Nibbāna zu, neigt sich Nibbāna zu, fließt in Richtung Nibbāna und erstreckt sich bis zum Nibbāna."

15. "Großartig, Meister Gotama! Großartig, Meister Gotama! Das Dhamma ist von Meister Gotama auf vielfältige Weise klar gemacht worden, so als ob er Umgestürztes aufgerichtet, Verborgenes enthüllt, einem Verirrten den Weg gezeigt oder in der Dunkelheit eine Lampe gehalten hätte, damit die Sehenden die Dinge erkennen können. Ich nehme Zuflucht zu Meister Gotama und zum Dhamma und zur Sangha der Bhikkhus. Ich würde gerne unter dem Erhabenen in die Hauslosigkeit ziehen, ich würde gerne die Ordination erhalten."

16. "Vaccha, jemand, der früher zu einer anderen Sekte gehörte und in diesem Dhamma und dieser Disziplin in die Hauslosigkeit zu ziehen wünscht und die Ordination wünscht, hat eine Probezeit von vier Monaten. Am Ende von vier Monaten, wenn die Bhikkhus mit ihm zufrieden sind, geben sie ihm die Erlaubnis, in die Hauslosigkeit zu ziehen, und die Ordination zum Status eines Bhikkhu. Aber ich erkenne individuelle Unterschiede in dieser Angelegenheit an."

"Ehrwürdiger Herr, wenn jene, die früher zu einer anderen Sekte gehörten und in diesem Dhamma und dieser Disziplin in die Hauslosigkeit zu ziehen wünschen und die Ordination wünschen, eine Probezeit von vier Monaten haben, und wenn am Ende von vier Monaten die Bhikkhus mit ihnen zufrieden sind und sie ihnen die Erlaubnis, in die Hauslosigkeit zu ziehen, und die Ordination zum Status eines Bhikkhu geben, dann will ich eine Probezeit von vier Jahren haben. Wenn die Bhikkhus am Ende von vier Jahren mit mir zufrieden sind, mögen sie mir die Erlaubnis, in die Hauslosigkeit zu ziehen, und die Ordination zum Status eines Bhikkhu geben."

17. Dann erhielt der Wanderasket Vacchagotta die Erlaubnis, unter dem Erhabenen in die Hauslosigkeit zu ziehen, und er erhielt die Ordination. Nicht lange nach seiner Ordination, einen halben Monat nach seiner Ordination, ging der ehrwürdige Vacchagotta zum Erhabenen, und nachdem er ihm gehuldigt hatte, setzte er sich seitlich nieder und sagte zum Erhabenen: "Ehrwürdiger Herr, ich habe erlangt, was auch immer durch das Wissen eines Schülers in höherer Schulung, durch das wahre Wissen eines Schülers in höherer Schulung, erreicht werden kann [4]. Der Erhabene möge mich darüber hinaus das Dhamma lehren."

18. "In diesem Fall, Vaccha, entwickle zwei Dinge weiter: Ruhe und Einsicht. Wenn diese zwei Dinge weiterentwickelt werden, werden sie zur Durchdringung vieler Elemente führen."

19. "In dem Ausmaß, in dem du wünschst: 'Möge ich die verschiedenen Arten übernatürlicher Kräfte beherrschen: nachdem ich einer gewesen bin, möge ich mich vervielfältigen; nachdem ich mich vervielfältigt habe, möge ich einer werden; möge ich erscheinen und verschwinden; möge ich ungehindert durch eine Wand gehen, durch eine Einzäunung, durch einen Berg, als ob ich mich durch den freien Raum bewegte; möge ich in die Erde eintauchen und aus ihr auftauchen, als ob sie Wasser wäre; möge ich übers Wasser gehen, ohne zu versinken, als ob es Erde wäre; möge ich im Lotussitz durch den Raum reisen, wie ein Vogel; möge ich mit der Hand den Mond und die Sonne, die so kraftvoll und mächtig sind, berühren und streicheln; möge ich körperliche Beherrschung, die sogar bis zur Brahma-Welt reicht, haben' - in dem Ausmaß wirst du die Fähigkeit erlangen, jeglichen Aspekt darin zu bezeugen, weil es eine passende Grundlage dafür gibt [5]."

20. "In dem Ausmaß, in dem du wünschst: 'Möge ich mit dem Element des Himmlischen Ohrs, das geläutert und dem menschlichen überlegen ist, beide Arten von Klängen hören, die himmlischen und die menschlichen, die fernen ebenso wie die nahen'- in dem Ausmaß wirst du die Fähigkeit erlangen, jeglichen Aspekt darin zu bezeugen, weil es eine passende Grundlage dafür gibt."

21. "In dem Ausmaß, in dem du wünschst: 'Möge ich das Herz anderer Wesen, anderer Personen verstehen, nachdem ich sie mit meinem eigenen Herzen umfaßt habe. Möge ich einen Geist, der von Begierde beeinträchtigt ist, als von Begierde beeinträchtigt verstehen, und einen Geist, der nicht von Begierde beeinträchtigt ist, als nicht von Begierde beeinträchtigt; möge ich einen Geist, der von Haß beeinträchtigt ist, als von Haß beeinträchtigt verstehen, und einen Geist, der nicht von Haß beeinträchtigt ist, als nicht von Haß beeinträchtigt; möge ich einen Geist, der von Verblendung beeinträchtigt ist, als von Verblendung beeinträchtigt verstehen, und einen Geist, der nicht von Verblendung beeinträchtigt ist, als nicht von Verblendung beeinträchtigt; möge ich einen zusammengezogenen Geist als zusammengezogen verstehen, und einen abgelenkten Geist als abgelenkt; möge ich einen erhabenen Geist als erhaben verstehen, und einen nicht erhabenen Geist als nicht erhaben; möge ich einen übertrefflichen Geist als übertrefflich verstehen, und einen unübertrefflichen Geist als unübertrefflich; möge ich einen konzentrierten Geist als konzentriert verstehen, und einen unkonzentrierten Geist als unkonzentriert; möge ich einen befreiten Geist als befreit verstehen, und einen unbefreiten Geist als unbefreit' - in dem Ausmaß wirst du die Fähigkeit erlangen, jeglichen Aspekt darin zu bezeugen, weil es eine passende Grundlage dafür gibt."

22. "In dem Ausmaß, in dem du wünschst: 'Möge ich mich an meine vielfältigen früheren Leben erinnern, das heißt, an eine Geburt, zwei Geburten, drei Geburten, vier Geburten, fünf Geburten, zehn Geburten, zwanzig Geburten, dreißig Geburten, vierzig Geburten, fünfzig Geburten, hundert Geburten, tausend Geburten, hunderttausend Geburten, viele Äonen, in denen sich das Weltall zusammenzog, viele Äonen, in denen sich das Weltall ausdehnte, viele Äonen, in denen sich das Weltall zusammenzog und ausdehnte: 'Dort wurde ich soundso genannt, war von solcher Familie, mit solcher Erscheinung, solcherart war meine Nahrung, so mein Erleben von Glück und Schmerz, so meine Lebensspanne; und nachdem ich von dort verschieden war, erschien ich woanders wieder; auch dort wurde ich soundso genannt, war von solcher Familie, mit solcher Erscheinung, war meine Nahrung solcherart, so mein Erleben von Glück und Schmerz, so meine Lebensspanne; und nachdem ich von dort verschieden war, erschien ich hier wieder.' Möge ich mich so an viele frühere Leben mit ihren Aspekten und Besonderheiten erinnern' - in dem Ausmaß wirst du die Fähigkeit erlangen, jeglichen Aspekt darin zu bezeugen, weil es eine passende Grundlage dafür gibt."

23. "In dem Ausmaß, in dem du wünschst: 'Möge ich mit dem Himmlischen Auge, das geläutert und dem menschlichen überlegen ist, die Wesen sterben und wiedererscheinen sehen, niedrige und hohe, schöne und häßliche, in Glück und Elend und möge ich verstehen, wie die Wesen ihren Handlungen gemäß weiterwandern: 'Diese geschätzten Wesen, die sich mit Körper, Sprache und Geist übel benommen haben, die die Edlen geschmäht haben, die falsche Ansichten hatten und diesen in ihren Taten Ausdruck verliehen, sind bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode in Umständen, die von Entbehrungen geprägt sind, wiedererschienen, an einem unglücklichen Bestimmungsort, in Verderbnis, ja sogar in der Hölle; aber jene geschätzten Wesen, die sich mit Körper, Sprache und Geist wohl benommen haben, die die Edlen nicht geschmäht haben, die richtige Ansichten hatten und diesen in ihren Taten Ausdruck verliehen, sind bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode an einem glücklichen Bestimmungsort wiedererschienen, ja sogar in der himmlischen Welt.' Möge ich so mit dem Himmlischen Auge, das geläutert und dem menschlichen überlegen ist, die Wesen sterben und wiedererscheinen sehen, niedrige und hohe, schöne und häßliche, in Glück und Elend, und möge ich verstehen, wie die Wesen ihren Handlungen gemäß weiterwandern' - in dem Ausmaß wirst du die Fähigkeit erlangen, jeglichen Aspekt darin zu bezeugen, weil es eine passende Grundlage dafür gibt."

24. "In dem Ausmaß, in dem du wünschst: 'Möge ich durch eigene Verwirklichung mit höherer Geisteskraft, hier und jetzt in die Herzensbefreiung, die Befreiung durch Weisheit, die mit der Vernichtung der Triebe triebfrei ist, eintreten und darin verweilen' - in dem Ausmaß wirst du die Fähigkeit erlangen, jeglichen Aspekt darin zu bezeugen, weil es eine passende Grundlage dafür gibt."

25. Dann erhob sich der ehrwürdige Vacchagotta, entzückt und erfreut über die Worte des Erhabenen, von seinem Sitz, huldigte dem Erhabenen nahm Abschied, wobei er ihm die rechte Seite zuwandte."

26. Nicht lange danach, nachdem er allein lebte, zurückgezogen, umsichtig, eifrig und entschlossen, trat der ehrwürdige Vacchagotta hier und jetzt durch eigene Verwirklichung mit höherer Geisteskraft in das höchste Ziel des heiligen Lebens ein, für das Männer aus guter Familie zu Recht von zu Hause fort in die Hauslosigkeit ziehen, und er verweilte darin. Er erkannte unmittelbar: "Geburt ist zu Ende gebracht, das heilige Leben ist gelebt, es ist getan, was getan werden mußte, darüber hinaus gibt es nichts mehr." Und der ehrwürdige Vacchagotta wurde einer der Arahants.

27. Bei jener Gelegenheit war eine Anzahl von Bhikkhus gerade dabei, den Erhabenen aufzusuchen. Der ehrwürdige Vacchagotta sah sie in der Ferne kommen. Als er sie sah, ging er zu ihnen hin und fragte sie: "Wo gehen die Ehrwürdigen hin?"

"Wir sind gerade dabei, den Erhabenen aufzusuchen, Freund."

"In jenem Fall, mögen die Ehrwürdigen in meinem Namen mit den Häuptern zu Füßen des Erhabenen Huldigung darbringen und sagen: 'Ehrwürdiger Herr, der Bhikkhu Vacchagotta bringt Huldigung mit dem Haupt zu Füßen des Erhabenen dar.' Dann sagt: 'Der Erhabene ist von mir geehrt worden, der Vollendete ist von mir geehrt worden [6].'"

"Ja, Freund", erwiderten jene Bhikkhus. Dann gingen sie zum Erhabenen, und nachdem sie ihm gehuldigt hatten, setzten sie sich seitlich nieder und sagten zum Erhabenen: "Ehrwürdiger Herr, der ehrwürdige Vacchagotta bringt Huldigung mit dem Haupt zu Füßen des Erhabenen dar, und er sagt: ' Der Erhabene ist von mir geehrt worden, der Vollendete ist von mir geehrt worden.'"

28. "Ihr Bhikkhus, nachdem ich sein Herz mit meinem Herzen umfaßt hatte, wußte ich bereits vom Bhikkhu Vacchagotta: 'Der Bhikkhu Vacchagotta hat das dreifache wahre Wissen erlangt und hat große übernatürliche Kraft und Macht.' Und Devas erzählten mir dieses auch: 'Der Bhikkhu Vacchagotta hat das dreifache wahre Wissen erlangt und hat große übernatürliche Kraft und Macht.'"

 

Das ist es, was der Erhabene sagte. Jene Bhikkhus waren zufrieden und entzückt über die Worte des Erhabenen.


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Anmerkungen:

[1] Es gibt einige zeitgenössische buddhistische Lehrer, die der Ansicht sind, daß ein Arahant, der in der Nachfolge eines Buddha die Fesseln abgestreift, die Triebe vernichtet hat, noch nicht mit der Arbeit fertig sei. Die Vertreter dieser Ansicht schenken den Lehrreden des Pālikanons offenbar sehr wenig Beachtung.

[2] Mit der Nichtwiederkehr ist jegliche Sinnesbegierde überwunden, sexuelle Betätigung findet somit nicht mehr statt.

[3] Die Frage bezieht sich auf Stromeingetretene und Einmalwiederkehrer, die die ersten drei Fesseln abgelegt haben.

[4] MA sagt, daß er ein Nichtwiederkehrer geworden war.

[5] Die "passende Grundlage" ist die Meisterschaft in den Vertiefungen mit den Elementen als Objekt. Die anderen weltlichen Superkräfte haben ebenfalls die Meisterschaft in den Vertiefungen zur Grundlage. Die sechste, überweltliche höhere Geisteskraft hat Einsicht, also Weisheit zur Grundlage.

[6] BB: Eine indirekte Art, vom Erlangen des höchsten Ziels zu berichten. Die Bhikkhus verstanden die Äußerung nicht, daher wurde sie ihnen vom Buddha erklärt.


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