Samyutta Nikaya 5

Samyutta Nikaya

5. Bhikkhunī-Samyutta - Von den Bhikkhunis (Pali)

S.5.1. Ālavikā
S.5.2. Somā
S.5.3. Gotami
S.5.4. Vijayā
S.5.5. Uppalavarnā
S.5.6. Cālā
S.5.7. Upacālā
S.5.8. Sīsūpacālā
S.5.9. Selā
S.5.10. Vajirā

(Dieses Samyutta wurde von Mrs. Rhys Davids schon als Appendix zu den Psalms of the Early Buddhists, I. Psalms of the Sisters S. 180ff übersetzt.)


S.5.1. Ālavikā - 1. Āḷavikā Sutta

 

1. Also habe ich vernommen.

Einstmals weilte der Erhabene in Sāvatthī, im Jetahaine, im Parke des Anāthapindika.

2. Da nun kleidete sich die Bhikkhunī Ālavikās [1] zur Vormittagszeit an, nahm Almosenschale und Obergewand und ging, Almosen zu sammeln, nach Sāvatthī. Nachdem sie in Sāvatthī ihren Almosengang beendigt hatte, begab sie sich nach der Mahlzeit, vom Almosengang zurückgekehrt, dorthin, wo sich der Andhawald [2] befand, nach Absonderung verlangend.

3. Da nun begab sich Māra, der Böse, in dem Wunsche, bei der Bhikkhunī Ālavikā Angst, Zittern, Hautschaudern hervorzurufen und sie von der Absonderung abzubringen, dorthin, wo sich die Bhikkhuni Ālavikā befand. Nachdem er sich dorthin begeben hatte, redete er die Bhikkhunī Ālavikā mit der Strophe an:

 

"Es gibt kein Entkommen [3] in der Welt,
was willst du erreichen mit der Absonderung?
Genieße die Wonnen der sinnlichen Genüsse,
damit du's nicht später bereust."

 

4. Da nun kam der Bhikkhunī Ālavikā dieser Gedanke: "Was für ein Mensch oder Nichtmensch spricht denn da die Strophe?

 

5. Da nun kam der Bhikkhunī Ālavikā dieser Gedanke: "Māra, der Böse ist es, der in dem Wunsche, bei mir Angst, Zittern, Hautschaudern hervorzurufen und mich von der Absonderung abzubringen, die Strophe spricht."

 

6. Da nun wußte die Bhikkhunī Ālavikā, daß das Māra, der Böse, sei, und erwiderte Māra, dem Bösen, mit der Strophe:

 

"Es gibt ein Entkommen in der Welt; mit meiner Erkenntnis habe ich es wohl erfaßt.
Du, du Lässiger, du Böser, du kennst diesen Weg freilich nicht.
Sitzpfählen vergleichbar sind die sinnlichen Genüsse;
die Wesensbestandteile sind die Schlägel dafür [4].
Was du Wonne der sinnlichen Genüsse nennst,
Nichtwonne ist das jetzt für mich geworden".

 

7. Da merkte Māra, der Böse: es kennt mich die Bhikkhunī Ālavikā, und verschwand auf der Stelle leidvoll und betrübt.  


[1] Ālavī ist der mehrfach erwähnte Name einer indischen Stadt (vgl. Jātaka I.160, II. 282 usw. und unten 8.1.1). Nach dem Komm. (I. 221 ) war die Bhikkhunī dort geboren. Ihr Name war Selā; denn die in unserem Sutta vorkommenden Strophen finden sich auch unter den Therīgāthās (57-59) und werden hier einer Therī dieses Namens zugeschrieben. Noch heute ist es Brauch bei den Bhikkhus in Ceylon, ihrem angenommenen Mönchsnamen den ihres Geburtsortes voranzustellen.

[2] "Blindenwald" . Nach dem Komm. (I. 221.3 ff.) führte der Wald seinen Namen davon, daß hier 500 Räuber hausten, die zur Strafe dafür, daß sie den Prediger Yasodhara geblendet hatten, selbst des Augenlichtes beraubt worden waren. Der Wald lag, wie hinzugefügt wird, ein Gāvuta (etwa 3.5 km) südlich von Sāvatthī.

[3] vivekatthikinī. Sie wollte sich der Meditation hingeben.

[4] Der Komm. (I. 221.10) gibt nissaranam geradezu durch nibbānam, Nirvana, wieder.

[5] sattisūlūpamā kāmā khandhāsam adhikuttana = Therīg. 58 und 141. Ich übersetze sattisūla mit "Spitzpfahl"; der Komm. faßt es als Dvandva "Spieße und Pfähle"; Sicher ist die richtige Lesart khandhāsam (= khandhā esam). Der Komm. (I. 221.13) hat khandhā tesam adhikuttanagandikā. Die Ausgabe der Therīgāthās hat allerdings an beiden Stellen khandhānam, aber auch hier weist der Komm. (ed. E. Müller, S.65), obwohl er sonst schwer verständlich ist, doch auf khandhāsam hin. Er hat khandhā ti, upādānakhandhā n'atthi tesam adhikuttanā usw. Das Wort adhikuttanā muß irgend ein Instrument zum Daraufschlagen (Wz. kutt mit adhi), einen Hammer oder Schlägel bezeichnen. Die kāmā werden also spitzen Pfählen verglichen, die mit zerstörender Wirkung in unser Denken eindringen. Als Hammer oder Schlägel, der sie hineintreibt, dienen im Bilde die khandhā, d. h. die Faktoren des Seins (vgl. Bd. II, S. 79, N. 1), vermöge deren wir an der Existenz haften. Wer sich also der khandhā entledigt hat, ist auch frei von den kāmā.


S.5.2. Somā - 2. Somā Sutta

 

Die Strophen 1 und 2 dieses Sutta finden sich auch in den Therīgāthās 60-61 unter dem Namen der Somā. Nach dem Komm. (hrsg. von E. Müller, S. 66) war sie die Tochter von König Bimbisāra's Hauspriester.

 

1. Sāvatthī ist der Schauplatz.

Da nun kleidete sich die Bhikkhunī Somā zur Vormittagszeit an, nahm Almosenschale und Obergewand und ging, Almosen zu sammeln, nach Sāvatthī.

 

2. Nachdem sie in Sāvatthī ihren Almosengang beendigt hatte, begab sie sich nach der Mahlzeit, vom Almosengang zurückgekehrt, dorthin, wo sich der Andhawald befand, den Tag (dort) zu verbringen. Nachdem sie tief in den Andhawald hinein gegangen, setzte sie sich am Fuße eines Baumes nieder, den Tag (dort) zu verbringen.

 

3. Da nun begab sich Māra, der Böse, in dem Wunsche, bei der Bhikkhunī Somā Angst, Zittern, Hautschaudern hervorzurufen und sie von der geistigen Sammlung abzubringen, dorthin, wo sich die Bhikkhunī Somā befand. Nachdem er sich dorthin begeben hatte, redete er die Bhikkhunī Somā mit der Strophe an:

 

"Die da von den Weisen erreicht werden kann, die schwer zu erlangende Stätte,
Sie kann nimmer von einem Weib mit seinem Zweifingerverstand [1] erreicht werden."

 

4. Da nun kam der Bhikkhunī Somā dieser Gedanke: "Was für ein Mensch oder Nichtmensch spricht denn da die Strophe?"

 

5. Da nun kam der Bhikkhunī Somā dieser Gedanke: "Māra, der Böse ist es, der in dem Wunsche, bei mir Angst, Zittern, Hautschaudern hervorzurufen und mich von der geistigen Sammlung abzubringen, die Strophe spricht."

 

6. Da nun wußte die Bhikkhunī Somā, daß das Māra, der Böse, sei, und redete Māra, den Bösen, mit den Strophen an:

 

"Was sollte das Weibsein [2] bedeuten, wenn das Denken gut gesammelt ist,
Wenn das Wissen vorhanden ist bei einem, der die höchste Wahrheit schaut [3]?
Wer daran denkt: bin ich eine Frau oder bin ich ein Mann,
Oder bin ich überhaupt etwas? - zu dem darf Māra sprechen [4]."

 

7. Da merkte Māra, der Böse: es kennt mich die Bhikkhunī Somā, und verschwand auf der Stelle leidvoll und betrübt.


[1] dvangulapaññāya. Was man mit Daumen und Zeigefinger zu fassen vermag, gilt als das kleinste Maß. "Zweifingerverstand" ist also dasselbe wie "dürftiger Verstand".

[2] Es ist in diesem Fall gleichgültig, ob man Weib ist oder Mann.

[3] vipassato. Da dies Mask. ist, kann es sich natürlich nicht unmittelbar auf Somā beziehen. Der Gedanke ist vielmehr der: ich besitze das Wissen von einem (Manne) der usw. usw.

[4] Gegensatz: Aber nicht zu dem Erlösten, für den alle Fragen der Leiblichkeit aufgehoben sind.


S.5.3. Gotami - 3. Kisāgotamī Sutta

 

Der Kisā Gotamī werden in den Therīgāthās die Strophen 213-223 zugeschrieben, die aber nicht die Strophen unseres Sutta sind. Die Legende der K. G. wird außer Samy. Komm. I. 222 f. in der Dhammapadatthakathā II. 270ff. (zu Dhp. v. 114) und im Apadāna (hrsg. M. E. Lilley II. 564ff.) erzählt. Sie hat ihr einziges Kind verloren und wird in ihrem namenlosen Schmerz vom Buddha durch den Hinweis darauf getröstet, daß der Tod allen Wesen gemeinsam sei. Sie tritt dem Orden bei und erreicht die höchsten Stufen der Erleuchtung.

 

1. Sāvatthī ist der Schauplatz.

Da nun kleidete sich die Bhikkhunī Kisā Gotamī zur Vormittagszeit an, nahm Almosenschale und Obergewand und ging, Almosen zu sammeln, nach Sāvatthī.

 

2. Nachdem sie in Sāvatthī ihren Almosengang beendigt hatte, begab sie sich nach der Mahlzeit, vom Almosengang zurückgekehrt, dorthin, wo sich der Andhawald befand, den Tag (dort) zu verbringen. Nachdem sie sich in den Andhawald hinein gegangen, setzte sie sich am Fuße eines Baumes nieder, den Tag (dort) zu verbringen.

 

3. Da nun begab sich Māra, der Böse, in dem Wunsche, bei der Bhikkhunī Kisā Gotamī Angst, Zittern, Hautschaudern hervorzurufen und sie von der geistigen Sammlung abzubringen, dorthin, wo sich die Bhikkhunī Kisā Gotamī befand. Nachdem er sich dorthin begeben hatte, redete er die Bhikkhunī Kisā Gotamī mit der Strophe an:

 

"Bist du nun, nachdem dein Sohn dir gestorben, allein, tränenden Angesichts?
Allein tief in den Wald gegangen suchst du etwa nach einem Manne?"

 

4. Da nun kam der Bhikkhunī Kisā Gotamī der Gedanke: "Was für ein Mensch oder Nichtmensch spricht denn da die Strophe?"

 

5. Da nun kam der Bhikkhunī Kisā Gotamī dieser Gedanke: "Māra, der Böse, ist es, der in dem Wunsche, bei mir Angst, Zittern, Hautschaudern hervorzurufen und mich von der geistigen Sammlung abzubringen, die Strophe spricht."

 

6. Da nun wußte die Bhikkhunī Kisā Gotamī, daß das Māra, der Böse, sei, und erwiderte Māra, dem Bösen, mit den Strophen:

 

"Immerfort bin ich eine Mutter, der der Sohn gestorben [1],
und auch mit den Männern ist es vorbei.
Ich leide nicht Kummer und klage nicht, ich fürchte dich nicht, mein Lieber!
Überall ist das Lustgefühl vernichtet, die Masse der Finsternis durchbrochen [2].
Nachdem ich das Heer des Todes überwunden,
bleibe ich frei von weltlichen Einflüssen."

 

7. Da merkte Māra, der Böse: es kennt mich die Bhikkhunī Kisā Gotamī, und verschwand auf der Stelle leidvoll und betrübt.


[1] accantam hataputtā'mhi. K. G. will damit sagen, daß der Zustand der Loslösung von allem, was dem Menschen lieb und teuer ist, für sie ein dauernder (vgl. skr. atyanta) geworden. Und wie vom Sohne, gilt das gleiche auch vom Mann: purisā etad-antikā. Etwas anders Mrs. Rhys Davids. Past are the days where I was she whose child was lost. Men to that past belong - for me.

[2] Diese Verszeile findet sich in den Therīgāthās (62 a b) unter den Strophen der Somā und (142 a b) der Khemā.


S.5.4. Vijayā - 4. Vijayā Sutta

 

In den Therīgāthās werden der Vijayā die Strophen 169-174 zugeschrieben. Der Therīg. Komm. S. 159 sagt, Vijayā sei mit der Khemā befreundet gewesen. Als diese in den Orden eintrat, folgte sie ihrem Beispiel.

 

1. Sāvatthī ist der Schauplatz.

Da nun kleidete sich die Bhikkhunī Vijayā zur Vormittagszeit an, nahm Almosenschale und Obergewand und ging, Almosen zu sammeln, nach Sāvatthī.

 

2. Nachdem sie in Sāvatthī ihren Almosengang beendigt hatte, begab sie sich nach der Mahlzeit, vom Almosengang zurückgekehrt, dorthin, wo sich der Andhawald befand, den Tag (dort) zu verbringen. Nachdem sie tief in den Andhawald hinein gegangen, setzte sie sich am Fuße eines Baumes nieder, den Tag (dort) zu verbringen.

 

3. Da nun begab sich Māra, der Böse, in dem Wunsche, bei der Bhikkhunī Vijayā Angst, Zittern, Hautschaudern hervorzurufen und sie von der geistigen Sammlung abzubringen, dorthin, wo sich die Bhikkhunī Vijayā befand. Nachdem er sich dorthin begeben hatte, redete er die Bhikkhunī Vijayā mit der Strophe an:

 

"Du bist jung und schön, und auch ich bin jung und frisch.
Komm, Liebste, wollen wir uns an dem fünffältigen Klang der Musik ergötzen [1]!"

 

4. Da nun kam der Bhikkhunī Vijayā dieser Gedanke: "Was für ein Mensch oder Nichtmensch spricht denn da die Strophe?

 

5. Da nun kam der Bhikkhunī Vijayā dieser Gedanke: "Māra, der Böse, ist es, der in dem Wunsche, bei mir Angst, Zittern, Hautschaudern hervorzurufen und mich von der geistigen Sammlung abzubringen, die Strophe spricht.

 

6. Da nun wußte die Bhikkhunī Vijayā, daß das Māra, der Böse, sei, und erwiderte Māra, dem Bösen, mit den Strophen:

 

"Anmutige Formen, Töne, Geschmäcke, Gerüche, und Gefühle:
Ich überlasse sie dir, Māra; denn ich habe danach kein Verlangen.
Diese gebrechlichen [2], hinfälligen Verwesungsleibes
Bin ich müde [3] und schäme mich seiner.
Ausgetilgt ist der Durst nach sinnlichen Genüssen.
 
Was da Lebewesen sind, die in die Formwelt eingetreten,
oder solche, die in der formlosen Welt verweilen,
Und was da die guten Zustände meditativer Vollkommenheit sind -
überall ist das Dunkel beseitigt [4]."

 

7. Da merkte Māra, der Böse: es kennt mich die Bhikkhunī Vijayā, und verschwand auf der Stelle leidvoll und betrübt.


[1] In den Therīgāthās steht die Strophe (139) mit leichter Variante unter denen der Khemā. Bei pañcangikena turiyena ist an die fünf Musikinstrumente zu denken, die ein Orchester bilden: drei Arten von Trommeln, Pauke und Flöte.

[2] bhindanena, Komm. I. 224.2 = bhijjanasabhāvena. Die ganze Strophe steht mit Varianten (z. B. āturena statt bhindanena) in den Therīgāthās unter denen der Khemā (140).

[3] attiyāmi (v. 1. Therīg. addiyāmi) "ich empfinde Schmerz".

[4] Der Sinn ist dieser: Vijayā weiß, daß sie eine Erlöste ist. Aller Irrtum ist von ihr genommen (tamo "Dunkel", Komm. = avijjātamo "D. des Nichtwissens"). Sie beherrscht die acht Vollkommenheitszustände (samāpattiyo) d. h. die acht Stufen des jhāna, der meditativen Versenkung. In der Meditation aber wandert sie durch die höheren Welten und verkehrt mit den dort wohnenden Wesen, in die Welten der Form (rūpalokā mit den rūpūpagā sattā), zu denen die Götter- und Brahmawelten gehören, und in die rein abstrakten Welten der Formlosigkeit (arūpalokā mit den aruppatthāyino sattā).


S.5.5. Uppalavarnā - 5. Uppalavaṇṇā Sutta

 

Im Therīg. Komm. S. 182 ff. wird die Erklärung der der Uppalavannā zugeschriebenen Strophen 224-235 durch eine lange Erzählung über ihre früheren Existenzen und ihr letztes Dasein eingeleitet. Dazu Apadāna II. 551 ff. Ich verweise dafür auf Mrs. Rhys Davids, Psalms of the Early Buddhists, I. Psalms of the Sisters, S. 111 ff. Im Zeitalter des Buddha wurde sie in Sāvatthī als Tochter eines Großkaufmanns geboren. Wegen ihrer Schönheit begehrten alle Könige Indiens sie zum Weibe. Sie aber trat in den Orden ein, erreichte die Arahantwürde und zeichnete sich durch ihre übernatürlichen Fähigkeiten (iddhi; s. Bd. II, S. 165-6) aus. Sie wird daher auch Anguttara I. 24 als iddhimantānam aggā bezeichnet.

 

1. Sāvatthī ist der Schauplatz.

Da nun kleidete sich die Bhikkhunī Uppalavannā zur Vormittagszeit an, nahm Almosenschale und Obergewand und ging, Almosen zu sammeln, nach Sāvatthī.

 

2. Nachdem sie in Sāvatthī ihren Almosengang beendigt hatte, begab sie sich nach der Mahlzeit, vom Almosengang zurückgekehrt, dorthin, wo sich der Andhawald befand, den Tag (dort) zu verbringen. Nachdem sie tief in den Wald hinein gegangen, nahm sie am Fuße eines in voller Blüte stehenden Salbaumes [1] Platz.

 

3. Da nun begab sich Māra, der Böse, in dem Wunsche bei der Bhikkhunī Uppalavannā Angst, Zittern, Hautschaudern hervorzurufen und sie von der geistigen Sammlung abzubringen, dorthin, wo sich die Bhikkhunī Uppalavannā befand. Nachdem er sich dorthin begeben hatte, redete er die Bhikkhunī Uppalavannā mit der Strophe an:

 

"Du hast dich, o Bhikkhunī, zu dem Salbaum mit voll erblühtem Wipfel begeben
Und weilst nun einsam an seinem Fuß.
Es gibt keine zweite wie du an Schönheit [2],
Fürchtest du Törin dich nicht vor Bösewichten?"

 

4. Da nun kam der Bhikkhunī Uppalavannā dieser Gedanke: "Was für ein Mensch oder Nichtmensch spricht denn da die Strophe ?

 

5. Da nun kam der Bhikkhunī Uppalavannā dieser Gedanke: "Māra, der Böse, ist es, der in dem Wunsche, bei mir Angst, Zittern, Hautschaudern hervorzurufen und mich von der geistigen Sammlung abzubringen, die Strophe spricht.

 

6. Da nun wußte die Bhikkhunī Uppalavannā, daß das Māra, der Böse, sei, und erwiderte Māra, dem Bösen, mit den Strophen:

 

"Mögen hundert und tausende von Bösewichten
Deinesgleichen hierher gekommen sein,
Nicht lasse ich ein Haar sich sträuben [3], noch bin ich in Angst;
Ich fürchte mich nicht vor dir, Māra, wenn ich auch allein bin.
Da verschwinde ich oder ich gehe in deinen Leib ein,
Und wenn ich selbst im Raum zwischen deinen Brauen stehe,
wirst du mich nicht sehen.
Ich bin beherrscht im Denken, die Wege der Wunderkraft sind geebnet,
Von allen Banden bin ich erlöst: ich fürchte dich nicht, mein Lieber [4]."

 

7. Da merkte Māra, der Böse: es kennt mich die Bikkhunī Uppalavannā, und verschwand auf der Stelle leidvoll und betrübt.  


[1] Shorea robusta, ein stattlicher Baum mit hohem, astlosem Stamm. Er ist für das nordöstliche Indien das gleiche, was der Teakbaum für den Südwesten ist.

[2] Windisch und Mrs. Rhys Davids haben gewiß Recht, wenn sie die Zeile idhāgatā tādisikā bhaveyyum für spätere Einschiebung halten, die aus der Antwort der Uppalavannā herübergenommen ist. Die Worte fehlen auch Therīgāthā 230.

[3] lomam na iñjāmi. Vgl. Note zu 4. 6. 5. Iñjāmi steht für das Kausativ.

[4] Dem Sinne nach aber mit teilweise verändertem Wortlaut entsprechen die Strophen Therīg. 231ff.


S.5.6. Cālā - 6. Cālā Sutta

 

Zu Sutta 6-8: Nach der Therīg. Komm. S. 162f. erzählten Legende waren Cālā, Upacālā, und Sīsūpacālā jüngere Schwestern des Sāriputta, die ihrem Bruder nach seinem Eintritt in den Orden folgten. In den Therīgāthās kommen die Verse unserer Suttas mit gewissen Abweichungen vor, aber in anderer Verteilung. Die Verse von Sutta 6 (Cālā) werden dort der Upacālā (197 ff.,) die von Sutta 8 (Sīsūpacālā) der Cālā (183 ff.) zugeschrieben.

 

1. Sāvatthī ist der Schauplatz.

Da nun kleidete sich die Bhikkhunī Cālā zur Vormittagszeit an, nahm Almosenschale und Obergewand und ging, Almosen zu sammeln, nach Sāvatthī.

 

2. Nachdem sie in Sāvatthī ihren Almosengang beendigt hatte, begab sie sich nach der Mahlzeit, von ihrem Almosengang zurückgekehrt, dorthin, wo sich der Andhawald befand, den Tag (dort) zu verbringen. Nachdem sie tief in den Wald hinein gegangen, setzte sie sich am Fuß eines Baumes nieder, den Tag (dort) zu verbringen.

 

3. Da nun begab sich Māra, der Böse, dorthin, wo sich die Bhikkhunī Cālā befand. Nachdem er sich dorthin begeben hatte, sprach er also zu der Bhikkhunī Cālā: "Woran hast du kein Gefallen, Bhikkhunī?" - "An der Geburt habe ich kein Gefallen, mein Lieber." - "Warum hast du an der Geburt kein Gefallen?" - "Ist man geboren, so genießt man die sinnlichen Genüsse". - "Wer hat dir das denn beigebracht: habe kein Gefallen an der Geburt, Bhikkhunī?"

 

4.

"Wer geboren ist, dem wird Sterben zuteil; ist man geboren, sieht man das Leid:
Gefangenschaft, Mord, Elend. Darum habe ich kein Gefallen an der Geburt.
Der Buddha hat die rechte Lehre gepredigt: das Hinwegkommen über die Geburt,
Um alles Leiden zurückzulassen. Er hat mich in die Wahrheit eingeführt.
Was da Lebewesen sind, die in die Formwelt eingetreten,
oder solche, die in der formlosen Welt verweilen [1]:
Wenn sie die Aufhebung (des Leidens) nicht kennen,
werden sie zur Wiedergeburt kommen."

 

5. Da merkte Māra, der Böse: es kennt mich die Bhikkhunī Cālā, und verschwand auf der Stelle leidvoll und betrübt.

   


[1] Vgl. die nämliche Zeile oben in 5. 4. 6.


S.5.7. Upacālā - 7. Upacālā Sutta

1. 2. In Sāvatthī (ist der Vorgang).

Da nun kleidete sich die Bhikkhunī Upacālā zur Vormittagszeit an usw. usw. (= 6.1-2)... den Tag (dort) zu verbringen.

 

3. Da nun begab sich Māra, der Böse, dorthin, wo sich die Bhikkhunī Upacālā befand. Nachdem er sich dorthin begeben hatte, sprach er also zu der Bhikkhunī Upacālā: "Wo hast du, Bhikkhunī, den Wunsch wiedergeboren zu werden?" - "Nirgends, mein Lieber, habe ich den Wunsch wiedergeboren zu werden."

 

4.

"Die Tāvatimsa Götter und die Yāmas, die Gottheiten des Tusitahimmels,
Die Nimmānaratin-Götter und die Götter Vasavattin:
Auf sie richte dein Denken, dann wirst du ihre Wonne genießen [1]."

 

5.

"Die Tavātimsa-Götter und die Yāmas, die Gottheiten des Tusitahimmels,
Die Nimmānaratin-Götter und die Götter Vasavattin:
Sie sind mit den Banden sinnlicher Lust gebunden
und kommen wieder unter Māra's Gewalt [2].
 
Die ganze Welt ist in Feuer, die ganze Welt ist in Rauch gehüllt.
In Flammen steht die ganze Welt, die ganze Welt ist erschüttert.
Was unerschüttert ist und unbewegt, nicht besucht vom gemeinen Volk,
Wo es keinen Zugang gibt für Māra: daran erfreut sich mein Herz."

 

6. Da merkte Māra, der Böse: es kennt mich die Bhikkhunī Upacālā, und verschwand auf der Stelle leidvoll und betrübt


[1] Die Strophe in 4 wird natürlich von Māra gesprochen, die Strophen in 5 sind die Antwort der Upacālā. Die erwähnten Götterklassen entsprechen den Bewohnern der zweiten bis sechsten Götterweit. Kirfel, Kosmographie der Inder, S. 191, 194.

[2] Die genannten Götterwelten sind die obersten Stufen des kāmaloka, der Welt sinnlichen Genusses. Ist der Lohn der Verdienste, die ihren Bewohnern den Zugang dazu verschafft haben, aufgebraucht, kehren diese in den Samsāra zurück.


S.5.8. Sīsūpacālā - 8. Sīsupacālā Sutta

1. 2. In Sāvatthī (ist der Vorgang).

Da nun kleidete sich die Bhikkhunī Sīsūpacālā zur Vormittagszeit an usw. usw. (= 6.1-2).... den Tag (dort) zu verbringen.

 

3. Da nun begab sich Māra, der Böse, dorthin, wo sich die Bhikkhunī Sīsūpacālā befand. Nachdem er sich dorthin begeben hatte, sprach er also zu der Bhikkhunī Sīsūpacālā: "An wessen Ketzerei [1] hast du Gefallen, Bhikkhunī?" - "An niemandes Ketzerei, mein Lieber, habe ich Gefallen."

 

4.

"Weshalb bist du kahl geschoren und siehst aus wie eine Samanī,
Und hast doch an keiner Ketzerei Gefallen? Was tust du da in deiner Torheit?"

 

5.

"Die Ketzer außerhalb unserer Schule [2], die an ihre Anschauungen glauben,
Nicht habe ich an ihrer Lehre Gefallen, nicht sind sie kundig der rechten Lehre.
Da ist geboren im Hause der Sakya der Buddha, der seines gleichen nicht hat,
Der Allüberwinder, der Mārascheucher, in allen Dingen unbesiegt,
Von allem befreit, ungefesselt [3], schaut er alles mit seinem Auge;
Der zur Aufhebung alles Tuns gelangt ist [4],
erlöst durch Vernichtung aller Daseinssubstrates [5].
Er, der Erhabene, ist mein Meister, an seiner Lehre hab' ich Gefallen."

 

6. Da merkte Māra, der Böse: es kennt mich die Bhikkhunī Sīsūpacālā, und verschwand auf der Stelle leidvoll und betrübt.


[1] Der Komm. I. 225.10 bringt pāsanda, mit pāsa "Fessel Schlinge" zusammen ("er wirft die Schlinge irriger Anschauung über das Denken der Wesen" ). Das ist irrig. Das Wort entspricht dem skr. pāsanda und bedeutet wie dieses 1) ketzerisch, Ketzer (so in 5) 2) Ketzerei. Māra bezeichnet die Asketenschulen samt und sonders als Verirrungen als Ketzereien. Strophe 4 spricht wieder Māra, die Strophen in 5 die Bhikkhunī.

[2] ito bahiddhā, häufig in diesem Sinn gebraucht.

[3] Der Komm. I. 225.18 liest assito (skr. a-srita) und erklärt es durch tanhāditthinissayena assito frei von der Abhängigkeit von Durst und falscher Anschauung.

[4] Sein Kamma ist vernichtet; der Komm. erklärt es mit arahattam patto.

[5] vimutto upadhisamkhaye. Über den Begriff upadhi s. Bd. 2 S 149 N. 3 sowie oben Note zu 4. 6. 5.


S.5.9. Selā - 9. Selā Sutta

 

Es fehlen bei diesem Sutta wie auch beim folgenden die Beziehungen zu den Therīgāthās. Die hier genannte Selā ist die Ālavikā von Sutta 1. Im Apadāna II. 614 wird zwar auch eine Therī Selā genannt. Was aber über sie ausgesagt wird, ist zu allgemein, um einen Anhalt zu geben.

 

1. 2. In Sāvatthī (ist der Vorgang).

Da nun kleidete sich die Bhikkhunī Selā zur Vormittagszeit an usw. usw. (= 6.1-2)... den Tag (dort) zu verbringen.

 

3. Da nun begab sich Māra, der Böse, in dem Wunsche, bei der Bhikkhunī Selā Angst, Zittern, Hautschaudern hervorzurufen und sie von der geistigen Sammlung abzubringen, dorthin, wo sich die Bhikkhunī Selā befand. Nachdem er sich dorthin begeben hatte, redete er die Bhikkhunī Selā mit der Strophe an:

 

"Von wem ist denn dieses Gebilde [1] gemacht?
Wo ist der Verfertiger des Gebildes?
Wie ist das Gebilde entstanden?
Wie wird das Gebilde aufgehoben?"

 

4. Da nun kam der Bhikkhunī Selā dieser Gedanke: "Was für ein Mensch oder Nichtmensch spricht denn da die Strophe?"

 

5. Da nun kam der Bhikkhunī Selā dieser Gedanke: "Māra, der Böse, ist es, der in dem Wunsche, bei mir Angst, Zittern, Hautschaudern hervorzurufen und mich von der geistigen Sammlung abzubringen, die Strophe spricht.

 

6. Da nun wußte die Bhikkhunī Selā, daß das Māra, der Böse, sei, und erwiderte Māra, dem Bösen, mit den Strophen:

 

"Nicht ist dies Gebilde von einem selbst gemacht
Nicht ist das Übel [2] von einem anderen gemacht.
Aus einer Ursache ist es entstanden
Durch Vernichtung der Ursache wird es aufgehoben.
Wie ein Samenkorn, das in ein Feld gesät ist, wächst,
Wenn es zu beidem, dem Geschmack des Erdbodens
und und zu seinem Saft [3] gelangt ist:
So sind die Wesensbestandteile, die Elemente und die sechs Sinnesbereiche [4].
Aus einer Ursache entstanden,
durch Vernichtung der Ursache werden sie aufgehoben [5]."

 

7. Da merkte Māra, der Böse: es kennt mich die Bhikkhunī Selā, und verschwand auf der Stelle leidvoll und betrübt.


[1] bimbam. Der Komm. I. 226.1 bemerkt dazu: attabhāvam samdhāya vadatti "er sagt das (gebraucht das Wort) von der Persönlichkeit". Vgl. Mrs. Rhys Davids zu der Stelle. Attabhāva umfaßt die fünf khandhā "Wesensbestandteile, Form, Empfindung, Wahrnehmungen, Gestaltungen, Bewußtsein (s. Bd. 2, S. 5, N. 3).

[2] agham. Komm. I. 226.2. dukkhapatitthānattā attabhāvam eva vadati, "er sagt so von dem attabhāva (s. vor. Note), weil er eine Stätte ist für das Leid".

[3] pathavīrasa und sineha. Es sind damit die im Boden wirksamen Kraftstoffe gemeint.

[4] khandhā, dhātuyo, cha āyatanāni. Über den ersten Begriff, s. Note zu 3, über die beiden anderen Bd. 2, S. 191-2 und S. 2.

[5] Die Bhikkhunī spricht von der Kausalitätsreihe (nidāna) und ihrer Aufhebung, wie sie im Samy. 12 (Bd. 2, S. 1 ff.) behandelt ist. Die Ursache, aus der alles entsteht, ist die avijjā, das Nichtwissen.


S.5.10. Vajirā - 10. Vajirā Sutta

1. In Sāvatthī (ist der Vorgang).

Da nun kleidete sich die Bhikkhunī Vajirā zur Vormittagszeit an, nahm Almosenschale und Obergewand und ging, Almosen zu sammeln, nach Sāvatthī.

 

2. Nachdem sie in Sāvatthī ihren Almosengang beendigt hatte, begab sie sich nach der Mahlzeit, vom Almosengang zurückgekehrt, dorthin, wo sich der Andhawald befand, den Tag (dort) zu verbringen. Nachdem sie tief in den Andhawald hinein gegangen, setzte sie sich am Fuße eines Baumes nieder, den Tag (dort) zu verbringen.

 

3. Da nun begab sich Māra, der Böse, in dem Wunsche, bei der Bhikkhunī Vajirā Angst, Zittern, Hautschaudern hervorzurufen und sie von der geistigen Sammlung abzubringen, dorthin, wo sich die Bhikkhunī Vajirā befand. Nachdem er sich dorthin begeben hatte, redete er die Bhikkhunī Vajirā mit der Strophe an:

 

"Von wem ist denn dieses Lebewesen [1] gemacht?
Wo ist der Verfertiger des Lebewesens?
Wie ist das Lebewesen entstanden, wie wird das Lebewesen aufgehoben?"

 

4. Da nun kam der Bhikkhunī Vajirā dieser Gedanke: "Was für ein Mensch oder Nichtmensch spricht denn da die Strophe?"

 

5. Da nun kam der Bhikkhunī Vajirā dieser Gedanke: "Māra, der Böse, ist es, der in dem Wunsche, bei mir Angst, Zittern, Hautschaudern hervorzurufen und mich von der geistigen Sammlung abzubringen, die Strophe spricht."

 

6. Da nun wußte die Bhikkhunī Vajirā, daß es Māra, der Böse, sei, und erwiderte Māra, dem Bösen, mit den Strophen:

 

"Warum hängst du [2] so am Wort "Lebewesen"?
Das ist nur deine Irrlehre, Māra.
Wo da nur eine Anhäufung von bloßen Gestaltungen ist,
da nimmt man kein Lebewesen wahr [3].
Denn wie bei Ansammlung der Bestandteile das Wort "Wagen" entsteht,
So entsteht, wenn die Lebensbestandteile vorhanden sind,
der Ausdruck "Lebewesen [4] ".
Aber nur das Leiden entsteht da, Leiden ist vorhanden und vergeht.
Nichts außer dem Leiden entsteht, nichts andres als das Leiden wird aufgehoben."

 

7. Da merkte Māra, der Böse: es kennt mich die Bhikkhunī Vajirā, und verschwand auf der Stelle leidvoll und betrübt.    


[1] satto. Der Begriff umfaßt alle fühlenden Wesen mit Einschluß der Götter. Vgl. oben Note zu 5. 4. 6 sowie sattaloka, Bezeichnung der 31 Welten von der Hölle bis hinauf zu der Welt wo es weder Vorstellung noch Nichtvorstellung gibt (nevasaññānāsaññayatana).

[2] paccesi "du kehrst (immer wieder) darauf zurück".

[3] Der Komm. I. 226.6 fügt hinzu paramatthato "im höchsten Sinn.

[4] Ein berühmter Vergleich, der Milindapañhā unter Anführung unserer Strophe ausgeführt wird.


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