Samyutta Nikaya 7

Samyutta Nikaya

7. Brāhmaṇa Saṃyutta -  Von den Brāhmanas (Pali)

1. Arahanta Vagga - Der Abschnitt von den Vollendeten

S.7.1. Dhanañjānī
S.7.2. Schmähung
S.7.3. Asurinda
S.7.4. Bilangika
S.7.5. Ahimsaka
S.7.6. Knoten
S.7.7. Suddhika
S.7.8. Der Feuermann
S.7.9. Sundarika
S.7.10. Mit vielen Töchtern

S.7.1. Dhanañjānī - 1. Dhanañjānī Sutta

 

Über den arahant, den Vollendeten, der auf der höchsten Stufe der Heilsentwickelung angelangt ist und im Besitz des Nirvana sich befindet s. Bd. 2, S. 68. Der Komm. I. 263.10-266.5 erzählt die Einzelheiten, die unserem Sutta zu grunde liegen sollen. Dhanañjānī stammte aus einer besonders vornehmen Brahmanenfamilie, die nicht gleich den anderen aus dem Munde, sondern aus dem Schädel des Brahman hervorgegangen ist. Während nun ihr Gatte ein treuer Anhänger des brahmanischen Glaubens war und regelmäßig bedürftigen Brahmanen Almosenspende gab, hing sie gläubig an Buddha und pflegte die Bekenntnisformel "Verehrung dem Buddha, der Lehre, der Gemeinde", zu rezitieren. Als nun einmal ein Fest im Hause des Brahmanen vorbereitet wurde, suchte dieser sie teils in Güte, teils durch Drohungen zu dem Versprechen zu bewegen, daß sie das Fest nicht durch ein solches Bekenntnis störe. Da er nichts erreichte, überließ er alles ihrer Entscheidung. Mitten in der Bewirtung nun kam über Dhanañjānī durch einen Zufall der Gedanke an den Meister und sie sprach mit gefalteten Händen die feierliche Formel. Die anwesenden Brahmanen gerieten in höchsten Zorn und verließen das Haus. Der Gastgeber überhäufte seine Frau mit Vorwürfen und begab sich zum Buddha, sich mit ihm auseinander zu setzen.

 

Die Brahmanin Dhanañjānī wird auch im Majjhima 100 (= II. 209 f.) als Anhängerin des Buddha genannt, und ein Brahmane Dhanañjāni ebenda Nr.97 (= II. 184f).

 

1. Also habe ich vernommen.

Einstmals weilte der Erhabene in Rājagaha, im Bambushaine, im Kalandakanivāpa.

 

2. Zu jener Zeit aber war die Brahmanin Dhanañjānī, (die Gattin) eines Brahmanen aus der Familie Bhāradvāja gläubig zugetan dem Buddha und der Lehre und der Gemeinde

 

3. Da nun sprach die Brahmanin Dhanañjānī, während sie dem Brahmanen aus der Familie Bhāradvāja die Mahlzeit auftrug, dreimal den feierlichen Spruch: "Verehrung dem Erhabenen, dem Vollendeten, dem Vollkommen Erleuchteten; Verehrung der Lehre; Verehrung der Gemeinde."

 

4. Auf dieses Wort hin sprach der Brahmane aus der Familie Bhāradvāja zu der Dhanañjānī folgendes: "So pflegt dieses Schandweib bei jeder möglichen Gelegenheit den kahlköpfigen Samana zu preisen. Jetzt will ich aber einmal, du Schandweib, deinem Meister den Mund stopfen[1]."

 

5. "Ich sehe, o Brahmane, in der Welt mit ihren Göttern, mit ihren Māras, mit ihren Brahmans, in dem Volke mit seinen Samanas und Brāhmanas niemanden, der dem Erhabenen, dem Vollendeten, dem Vollkommen Erleuchteten den Mund stopfen könnte. Geh' nur auch du hin, Brahmane; wenn du hingegangen bist, wirst du es erkennen."

 

6. Da nun begab sich der Brahmane aus der Familie Bhāradvāja zornig und mißmutig dorthin, wo sich der Erhabene befand. Nachdem er sich dorthin begeben hatte, begrüßte er sich mit dem Erhabenen, und nachdem er mit ihm die (üblichen) Begrüßungen und Höflichkeiten ausgetauscht [2], setzte er sich zur Seite nieder.

 

7. Zur Seite sitzend redete dann der Brahmane aus dem Hause Bhāradvāja den Erhabenen mit der Strophe an:

 

"Was muß man abschneiden, um glücklich zu leben?
Was muß man abschneiden, um keinen Kummer zu leiden?
Was ist das einzige, dessen Vernichtung du billigst, o Gotama?"

 

8. (Der Erhabene:)

"Den Zorn muß man abschneiden, um glücklich zu leben;
den Zorn muß man abschneiden, um keinen Kummer zu leiden.
Die Vernichtung des Zornes, dessen Wurzel Gift
und dessen Gipfel süß ist, o Brahmane,
Preisen die Edlen; denn hat man ihn abgeschnitten,
leidet man keinen Kummer mehr[3]."

 

9. Auf dieses Wort hin sprach der Brahmane aus der Familie Bhāradvāja zu dem Erhabenen also: "Wundervoll, Herr Gotama! Wundervoll, Herr Gotama! Wie wenn man, Herr Gotama, etwas Umgestürztes aufrichtet oder etwas Verhülltes entschleiert, oder einem Verirrten den rechten Weg zeigt, oder in einen finsteren Raum eine Lampe bringt in der Absicht: es sollen die, die Augen haben, die Gegenstände sehen - ganz ebenso ist von dem Herrn Gotama durch mancherlei Erörterung die Wahrheit aufgeklärt worden. Darum nehme ich zu dem Herrn Gotama meine Zuflucht und zu der Lehre und zu der Gemeinde der Bhikkhus. Möge ich bei dem Herrn Gotama die Zeremonie der Weltabkehr und die der Aufnahme in die Gemeinschaft gewährt erhalten."

 

10. Es bekam auch der Brahmane aus der Familie Bhāradvāja bei dem Erhabenen die Zeremonie der Weltabkehr und die der Aufnahme in die Gemeinschaft gewährt.

 

11. Nachdem aber der ehrwürdige Bhāradvāja noch nicht lange in die Gemeinschaft aufgenommen war, da war er, der allein und einsam, unermüdlich, eifervoll, mit gesammelter Seele lebte, binnen kurzem schon an das höchste Ziel heiligen Wandels, um dessen willen Söhne aus gutem Hause völlig aus dem Heimleben übertreten in die Heimlosigkeit, durch eigenes Begreifen und Verwirklichen gelangt. Er wußte: Aufgehoben ist die Geburt; gelebt ist der heilige Wandel; vollbracht ist, was zu vollbringen war; nichts mehr habe ich fürderhin zu tun mit dem weltlichen Dasein.

 

12. Es war aber der ehrwürdige Bhāradvāja einer von den Vollendeten geworden.  


[1] Man lese satthuno (in 5: bhagavato) vādam ārop-. Die Phrase bedeutet "in der Disputation zum Schweigen bringen".

[2] Der Komm. sagt: er ließ es sich nicht anmerken, wie zornig er war.

[3] Über diese Strophen s. oben 1. 71, S. 65.


S.7.2. Schmähung - 2. Akkosa Sutta

 

1. Einstmals weilte der Erhabene in Rājagaha, im Bambushaine, im Kalandakanivāpa.

 

2. Es hörte aber der Brahmane Akkosaka-Bhāradvāja [4], daß der Brahmane aus der Familie Bhāradvāja bei dem Samana Gotama aus dem Heimleben in die Heimlosigkeit übergetreten sei.

 

3. Zornig und mißmutig begab er sich dorthin, wo sich der Erhabene befand. Nachdem er sich dorthin begeben hatte, schmähte und beschimpfte er den Erhabenen mit gemeinen, rohen Worten [5].

 

4. Auf diese Worte hin sprach der Erhabene zu dem Brahmanen Akkosaka-Bhāradvāja also: "Was meinst du da, Brahmane? Kommen zu dir wohl auch Freunde und Amtsgenossen, fernere und nähere Verwandte [6], Gäste?"

 

5. "Es kommen zu mir, Herr Gotama, wohl auch manchmal Freunde und Amtsgenossen, fernere und nähere Verwandte, Gäste."

 

6. "Was meinst du da, Brahmane? Wartest du ihnen auch Speisen auf zum Kauen, zum Essen, zum Kosten[7]?"

 

7. "Ich warte ihnen, Herr Gotama, wohl auch manchmal Speisen auf zum Kauen, zum Essen, zum Kosten."

 

8. "Wenn sie aber, Brahmane, das nicht annehmen, auf wen fällt es dann zurück?"

 

9. "Wenn sie das, Herr Gotama, nicht annehmen, fällt es auf uns zurück."

 

10. "Ganz ebenso, Brahmane, wenn du uns; die wir nicht schmähen, schmähst - uns, die wir nicht schelten, schiltst - uns, die wir nicht schimpfen, beschimpfst -, und wir nehmen das von dir nicht an, dann fällt es auf dich zurück, Brahmane! - es fällt auf dich zurück, Brahmane! Wer, Brahmane, einen, der schmäht, wieder schmäht - einen, der schilt, wieder schilt - einen, der schimpft, wieder beschimpft - der, Brahmane, heißt einer, der (mit dem anderen) zusammen speist, mit ihm verkehrt. Wir aber speisen mit dir nicht zusammen, verkehren nicht mit dir: es fällt auf dich zurück, Brahmane! - es fällt auf dich zurück, Brahmane!"

 

11. "Den Herrn Gotama kennt die Gefolgschaft, die um den König ist, so: ein Vollendeter ist der Samana Gotama. Jetzt aber zürnt der Herr Gotama[8]."

 

12. (Der Erhabene:)

"Woher sollte dem Zornlosen Zorn kommen, dem gebändigten, gelassen lebenden,
Der durch vollkommene Erkenntnis erlöst ist, dem befriedeten, Vollendeten?
Er ist für einen nur noch schlimmer, wenn man dem Erzürnten wieder zürnt;
Wer aber dem Erzürnten nicht wieder zürnt, der siegt im Kampfe,
wo schwer der Sieg zu erringen.
 
Für beider Segen, für den eigenen, wie für den des anderen wirkt
Wer, wenn er den andern erzürnt sieht, besonnen in Ruhe verharrt.
Ihn, der beiden Heilung bringt [9], sich selber und dem andern,
Halten für einen Toren nur die Leute, die unkundig sind der wahren Lehre."

 

13. Auf dieses Wort hin sprach der Brahmane Akkosaka-Bhāradvāja zu dem Erhabenen also: "Wundervoll, Herr Gotama! usw.... (= 1. 9). Darum nehme ich zu dem Herrn Gotama meine Zuflucht und zu der Lehre und zu der Gemeinde. Möge ich bei dem Herrn Gotama die Zeremonie der Weltabkehr und die der Aufnahme in die Gemeinschaft gewährt erhalten."

 

14. Es bekam auch der Brahmane Akkosaka-Bhāradvāja bei dem Erhabenen die Zeremonie der Weltabkehr und die der Aufnahme in die Gemeinschaft gewährt.

 

15. Nachdem aber der ehrwürdige Akkosaka-Bhāradvāja noch nicht lange in die Gemeinschaft aufgenommen war, da war er usw.... (= 1. 11). Er wußte: Aufgehoben ist die Geburt; gelebt ist der heilige Wandel; vollbracht ist, was zu vollbringen war; nichts mehr habe ich fürderhin zu tun mit dem weltlichen Dasein.

 

16. Es war aber der ehrwürdige Bhāradvāja einer von den Vollendeten geworden.  


[4] D. h. "Schmäh-Bhāradvāja". Der Komm. I. 267.1 sagt, er habe diesen Namen von den Redaktoren des Kanons, den sangītikārakā, erhalten, um ihn von anderen Bhāradvājas zu unterscheiden. Er soll der jüngere Bruder des im vorigen Sutta genannten Bh. gewesen sein und den Tathāgata in hundert Strophen beschimpft haben.

[5] Der Komm. zählt hier eine ganze Reihe von Schimpfwörtern auf, auch solche wie "du Esel", "du Kamel". Vgl. dazu Vinaya IV.7; Dhammapada-Komm. I. 211-2.

[6] Es ist natürlich ñāti-sālohitā als Dvandva zu lesen. Das erste Wort scheint die angeheirateten Verwandten zu bezeichnen, das zweite bezeichnet die Blutsverwandten.

[7]khāndaniyam bhojanīyam sāyanīyam "was man kauen muß, schlürfen kann und (als Leckerbissen) kostet". Das dritte Wort gehört nicht etwa zu sayana "Lager", sondern zu sāyati, "schmeckt, kostet".

[8] Der Komm. I. 267.11 sagt, daß Bhāradvāja in den Worten des Erhabenen etwas wie einen Fluch sieht, wie die Weisen der Vorzeit ihn auszusprechen pflegten. Er glaubte also, daß Zorn den Buddha beherrsche.

[9] Es ist tikicchantam tam zu lesen. Vgl. unten 11. 4. 14.


S.7.3. Asurinda - 3. Asurindaka Sutta

 

1. Einstmals weilte der Erhabene in Rājagaha, im Bambushaine, im Kalandakanivāpa.

 

2. Es hörte aber der Brahmane Asurindaka-Bhāradvāja [10], daß der Brahmane aus der Familie Bhāradvāja bei dem Samana Gotama aus dem Heimleben in die Heimlosigkeit übergetreten sei.

 

3. Zornig und mißmutig begab er sich dorthin, wo sich der Erhabene befand. Nachdem er sich dorthin begeben hatte, schmähte und beschimpfte er den Erhabenen mit gemeinen, rohen Worten.

 

4. Auf dieses Wort hin schwieg der Erhabene stille. Aber der Brahmane Asurindaka-Bhāradvāja sprach zu dem Erhabenen also: "Du bist besiegt, Samana! du bist besiegt, Samana!"

 

5. (Der Erhabene:)

"Sieg, meint der Tor, (zu haben) wenn er roh mit Worten schilt;
Aber der Sieg gehört dem, der da weiß, was Duldung ist.
Es ist für einen nur noch schlimmer, wenn man dem Erzürnten wieder zürnt;
Wer aber dem Erzürnten nicht wieder zürnt,
der siegt im Kampfe, wo schwer der Sieg zu erringen.
Für beider Segen, für den eigenen, wie für den des andern wirkt
Wer, wenn er den andern erzürnt sieht, besonnen in Ruhe verharrt.
Ihn, der beiden Heilung bringt, sich selber und dem andern,
Halten für einen Toren nur die Leute, die unkundig sind der wahren Lehre."

 

6. Auf dieses Wort hin sprach der Brahmane Asurindaka-Bhāradvāja zu dem Erhabenen also: "Wundervoll, Herr Gotama! usw.... ( - 1. 9.) Darum nehme ich meine Zuflucht usw.... (= 1. 9).

 

7. Es bekam auch der Brahmane Asurindaka-Bhāradvāja usw.... (= 1.10).

 

8. Nachdem aber der ehrwürdige Asurindaka-Bhāradvāja noch nicht lange in die Gemeinschaft aufgenommen war, da war er usw.... = ( 1.11). Er wußte: Aufgehoben ist die Geburt; gelebt ist der heilige Wandel; vollbracht ist, was zu vollbringen war; nichts mehr habe ich fürderhin zu tun mit dem weltlichen Dasein.

 

9. Es war aber der ehrwürdige Bhāradvāja einer von den Vollendeten geworden.


[10] Nach dem Komm. I. 268.3 ein jüngerer Bruder des Akkosaka-Bhāradvāja.


S.7.4. Bilangika - 4. Bilaṅgika Sutta

 

1. Einstmals weilte der Erhabene in Rājagaha, im Bambushaine, im Kalandakanivāpa.

 

2. Es hörte aber der Brahmane Bilangika-Bhāradvāja [11] daß der Brahmane aus der Familie Bhāradvāja bei dem Samana Gotama aus dem Heimleben in die Heimlosigkeit übergetreten sei.

 

3. Zornig und mißmutig begab er sich dorthin, wo sich der Erhabene befand. Nachdem er sich dorthin begeben hatte, trat er stillschweigend [12] zur Seite.

 

4. Da nun redete der Erhabene, der in seinem Herzen die Herzensgedanken des Brahmanen Bilangika-Bhāradvāja erkannte, den Brahmanen Bilangika-Bhāradvāja mit der Strophe an:

 

"Wer übel handelt an einem, der nicht übel gehandelt hat,
An einem reinen, fehllosen Manne,
Auf diesen Toren fällt das Böse zurück
Wie feiner Staub, gegen den Wind gestreut [13] ".

 

5. Auf dieses Wort hin sprach der Brahmane Bilangika-Bhāradvāja zu dem Erhabenen also: "Wundervoll, Herr Gotama!" usw.... (nach 1. 9-11). Er wußte: Aufgehoben ist die Geburt; gelebt ist der heilige Wandel; vollbracht ist, was zu vollbringen war; nichts mehr habe ich fürderhin zu tun mit dem weltlichen Dasein.

 

6. Es war aber der ehrwürdige Bhāradvāja einer von den Vollendeten geworden.


[11] Nach dem Komm. I. 268.11 waren es wieder die Redaktoren des Kanon, die dem Bhāradvāja diesen Namen beilegten, und zwar, weil er durch Verkauf von Reisbrühe (bilanga) sich ein Vermögen erworben hatte.

[12] Er war, sagt der Komm., über den Übertritt seiner drei Brüder zum Orden des Buddha so erzürnt, daß er kein Wort sprechen konnte.

[13] Über diese Strophe s. oben 1. 22. 2.


S.7.5. Ahimsaka - 5. Ahiṃsaka Sutta

 

1. Sāvatthī ist der Schauplatz.

 

2. Da nun begab sich der Brahmane Ahimsaka-Bhāradvāja dorthin, wo sich der Erhabene befand. Nachdem er sich dorthin begeben, begrüßte er sich mit dem Erhabenen, und nachdem er mit ihm die (üblichen) Begrüßungen und Höflichkeiten ausgetauscht, setzte er sich zur Seite nieder.

 

3. Zur Seite sitzend sprach dann der Brahmane Ahimsaka-Bhāradvāja zu dem Erhabenen also: "Ich bin Ahimsaka, Herr Gotama! Ich bin Ahimsaka, Herr Gotama!

 

4. (Der Erhabene:)

"Wie dein Name, so sollst du sein! Sei du nur einer, der nicht verletzt [14]!
Wer mit körperlichem Tun, mit Worten und Gedanken nicht verletzt,
Der fürwahr [15] ist ein Nichtverletzer, der den andern nicht verletzt."

 

5. Auf dieses Wort hin sprach der Brahmane Ahimsaka-Bhāradvāja zu dem Erhabenen also: "Wundervoll, Herr Gotama!" usw.... (nach 1. 9-11). Er wußte: Aufgehoben ist die Geburt, gelebt ist der heilige Wandel, vollbracht ist, was zu vollbringen war; nichts habe ich fürderhin zu tun mit dem weltlichen Dasein.

 

6. Es war aber der ehrwürdige Bhāradvāja einer von den Vollendeten geworden.  


[14] ahimsako.

[15] Ich lese sa ve (statt sa ce) ahimsako hoti.


S.7.6. Knoten - 6. Jaṭā Sutta

 

1. Sāvatthī ist der Schauplatz.

 

2. Da nun begab sich der Brahmane Jatā-Bhāradvāja dorthin, wo sich der Erhabene befand. Nachdem er sich dorthin begeben, begrüßte er sich mit dem Erhabenen, und nachdem er mit ihm die (üblichen) Begrüßungen und Höflichkeiten ausgetauscht, setzte er sich zur Seite nieder.

 

3. Zur Seite sitzend redete dann der Brahmane Jata-Bhāradvāja den Erhabenen mit der Strophe an [16]:

"Mit Knoten innen und mit Knoten außen, mit Knoten verknotet sind die Geschöpfe.
Das frage ich dich, Gotama: wer wird den Knoten entknoten?"

 

4. (Der Erhabene:)

"Der Mann, der in der sittlichen Zucht fest steht,
der Weise, der Denken und Erkenntnis schult,
Der eifrige, tüchtige Bhikkhu, der wird den Knoten entknoten.
Bei denen Begierde und Haß und Nichtwissen schwinden,
Die Vollendeten, bei denen die weltlichen Einflüsse vernichtet sind,
durch sie ist der Knoten entknotet.
Wo Name und Form (nāma rūpa) restlos aufgehoben wird
Und inneres Widerstreben und Formvorstellung, da wird der Knoten zerschnitten."

 

5. Auf dieses Wort hin sprach der Brahmane Jata-Bhāradvāja zu dem Erhaben also: "Wundervoll, Herr Gotama !" usw.... (nach 1. 9-11). Er wußte: Aufgehoben ist die Geburt; gelebt ist der heilige Wandel; vollbracht ist, was zu vollbringen war; nichts mehr habe ich fürderhin zu tun mit dem weltlichen Dasein.

 

6. Es war aber der ehrwürdige Bhāradvāja einer von den Vollendeten geworden.


[16] Die gleichen Strophen siehe oben 1. 23. Das Wort, um das es sich handelt, ist jatā "Flechte, Knoten".


S.7.7. Suddhika - 7. Suddhika Sutta

 

1. Sāvatthī, im Jetahaine.

 

2. Da nun begab sich der Brahmane Suddhika Bhāradvāja dorthin, wo sich der Erhabene befand. Nachdem er sich dorthin begeben, begrüßte er sich mit dem Erhabenen, und nachdem er mit ihm die (üblichen) Begrüßungen und Höflichkeiten ausgetauscht, setzte er sich zur Seite nieder.

 

3. Zur Seite sitzend sprach dann der Brahmane Suddhika Bhāradvāja zu dem Erhabenen die folgende Strophe:

 

"Nicht wird irgend ein Brahmane rein in der Welt,
Wenn er auch in sittlicher Zucht Buße übt.
Wer mit Wandel im Wissen begabt ist [17], der wird rein,
Nicht aber irgend ein anderes Wesen."

 

4. (Der Erhabene:)

"Wenn man auch viele Sprüche murmelt,
nicht wird man durch Abkunft ein Brāhmana,
Wenn man im Innern von Schmutz verunreinigt ist und Heuchelei verübt.
Der Edelmann, der Brahmane,
der Mann der dritten und der vierten Kaste, der Paria-Candāla,
Der energisch ist, mit gesammelter Seele, inneren standhaften Mutes:
Der erlangt die höchste Reinheit. Wisse du das, Brahmane."

 

5. Auf dieses Wort hin sprach der Brahmane Suddhika Bhāradvāja zu dem Erhabenen also: "Wundervoll, Herr Gotama!" usw.... (nach 1. 9-11). Er wußte: Aufgehoben ist die Geburt; gelebt ist der heilige Wandel; vollbracht ist, was zu vollbringen war; nichts mehr habe ich fürderhin zu tun mit dem weltlichen Dasein.

 

6. Es war aber der ehrwürdige Bhāradvāja einer von den Vollendeten geworden.


[17] vijjācaranasampanno. Nach dem Komm. I. 269.10 soll vijjā = tayo vedā sein; carana, das durch gottacaranam wiedergegeben wird, scheint sich auf die Geburt als Brahmane zu beziehen. Der Gedanke ist also der, daß man ausschließlich durch die Geburt in der brahmanischen Kaste und durch das Vedastudium rein wird.


S.7.8. Der Feuermann - 8. Aggika Sutta

 

1. Einstmals weilte der Erhabene in Rājagaha, im Bambushaine, im Kalandakanivāpa.

 

2. Zu jener Zeit nun hatte der Brahmane Aggika-Bhāradvāja Reisbrei mit zerlassener Butter zubereitet in der Absicht: ich will (die Spende) ins Feuer gießen, ich will ein Feueropfer veranstalten.

 

3. Da nun kleidete sich der Erhabene zur Vormittagszeit an, nahm Almosenschale und Obergewand und ging, Almosen zu sammeln, nach Rājagaha. Während er in Rājagaha von Haus zu Haus ging, Almosen zu sammeln, begab er sich dorthin, wo sich die Wohnung des Brahmanen Aggika-Bhāradvāja befand. Nachdem er sich dorthin begeben hatte, trat er zur Seite.

 

4. Es sah aber der Brahmane Aggika-Bhāradvāja den Erhabenen, wie er ging, Almosen zu sammeln. Wie er ihn sah, redete er den Erhabenen mit der Strophe an:

 

" Wer in den drei Wissenschaften bewandert ist,
von reiner Abkunft, wer vieles gelernt hat,
Wer mit Wandel im Wissen begabt ist, der soll meinen Reisbrei genießen."

 

5. (Der Erhabene:)

"Wenn man auch viele Sprüche murmelt,
nicht wird man durch Abkunft ein Brāhmana,
Wenn man im Innern von Schmutz verunreinigt ist und in Heuchelei verstrickt.
Wer die früheren Existenzen kennt,
wer Himmel und niedrige Daseinsform im Auge hat,
Und zur Vernichtung der Geburt gelangt ist, ein Weiser, vollendet in Wunderkräften:
Durch diese drei Wissenschaften wird man ein Brahmana,
der die drei Wissenschaften kennt.
Wer mit Wandel im Wissen begabt ist, der soll diesen Reisbrei genießen."

 

6. "Es genieße ihn der Herr Gotama, der Herr ist ein Brāhmana [18]."

 

7. (Der Erhabene:)

"Was durch eine Strophe ersungen ward [19], das darf ich nicht genießen.
Nicht ist dies, o Brahmane, den Schauenden [20] erlaubt.
Was durch eine Strophe ersungen ward, das weisen die Buddhas zurück;
Wo es sich um die Lehre handelt, da gilt, Brahmane, dieser Ausspruch.
Sonst magst du einen vollkommenen [21] Großen Weisen,
Bei dem die weltlichen Einflüsse vernichtet sind,
in dem alle Zweifel zur Ruhe gekommen,
Mit Speise und Trank versorgen;
Denn das ist ein Feld für den, der auf Verdienst absieht [22]."

 

8. Auf dieses Wort hin sprach der Brahmane Aggika Bhāradvāja zu dem Erhabenen also: "Wundervoll, Herr Gotama!" usw.... (nach 1.9-11). Er wußte: Aufgehoben ist die Geburt; gelebt ist der heilige Wandel; vollbracht ist, was zu vollbringen war; nichts mehr habe ich fürderhin zu tun mit dem weltlichen Dasein.

 

9. Es war aber der ehrwürdige Bhāradvāja einer von den Vollendeten geworden.  


[18] Komm.: Mit diesen Worten füllt Bhāradvāja den Reis in ein goldenes Gefäß und wartet dem Erhabenen auf.

[19] gāthābhigītam. Der Brahmane will die Speise reichen als Lohn für den vorgetragenen Spruch. Aber für Belehrung nimmt der Buddha kein Geschenk.

[20] sampassatam. Der Komm. I. 271.1 ergänzt dazu als Objekt attham ca dhammam ca.

[21] kevalinam. Der Ausdruck ist bemerkenswerter Weise besonders häufig in den Versen des Suttanipāta. Über den Begriff kevala und kaivalya im Sānkhya siehe Garbe, Die Sāmkhya-Philosophie, S. 358 und 386.

[22] Die Verse unseres Sutta kehren mehrfach wieder. Die von "Wer die früheren Existenzen kennt" usw. in 5 finden sich Itivuttaka 99 (S. 100 f.), sowie Anguttara I. 165, 167 und unten 7. 13. 12. Zu 7 sind Suttanipāta 81-2, 480-1 zu vergleichen und unten 7. 9. 11 und 7. 11-12.


S.7.9. Sundarika - 9. Sundarika Sutta

 

1. Einstmals weilte der Erhabene im Lande der Kosala, am Ufer des Flusses Sundarikā.

 

2. Zu jener Zeit aber goß der Brahmane Sundarika Bhāradvāja [23] am Ufer des Flusses Sundarikā (Spende) in das Feuer, veranstaltete ein Feueropfer.

 

3. Nachdem nun da der Brahmane Sundarika-Bhāradvāja (Spende) in das Feuer gegossen und ein Feueropfer veranstaltet hatte, erhob er sich von seinem Sitze und beobachtete rings die vier Himmelsgegenden: "Wer soll nun diesen Überrest des Opfermahles genießen?"

 

4. Es sah aber der Brahmane Sundarika-Bhāradvāja den Erhabenen verhüllten Hauptes am Fuße eines Baumes sitzen. Wie er ihn sah, nahm er mit der linken Hand den Überrest des Opfermahles und mit der rechten Hand nahm er den Wasserkrug und begab sich dorthin, wo sich der Erhabene befand.

 

5. Da nun enthüllte der Erhabene bei dem Schall der Schritte des Brahmanen Sundarika-Bhāradvāja sein Haupt.

 

6. Da nun dachte der Brahmane Sundarika-Bhāradvāja: "Ein kahl geschorener ist der Herr da; ein kahl geschorener ist der Herr da!", und er hatte den Wunsch, auf der Stelle umzukehren.

 

7. Da nun kam dem Brahmanen Sundarika-Bhāradvāja der folgende Gedanke: "Kahl geschoren sind ja hier auch etliche Brāhmanas. Wie wäre es, wenn ich hinginge und ihn um seine Abkunft befragte?"

 

8. Da nun begab sich der Brahmane Sundarika-Bhāradvāja dorthin, wo sich der Erhabene befand. Nachdem er sich dorthin begeben hatte, sprach er zu dem Erhabenen also: "Von welcher Abkunft ist der Herr?"

 

9. (Der Erhabene: [24])

 

"Frage nicht nach der Abkunft, nach dem Wandel [25] mußt du fragen:
Aus (irgend welchem) Brennholz entsteht das Feuer[26].
Ein standhafter Weiser, auch wenn er aus niedriger Familie stammt,
Ist edel, durch Gewissenhaftigkeit bewehrt[27].
Der da von der Wahrheit beherrscht ist [28], begabt mit Beherrschung (der Sinne [29]),
Der an das Ziel des Wissens gelangt ist [30], der den frommen Wandel geführt hat,
Für den das Opfer zubereitet ist: den sollt ihr anrufen [31],
Zur rechten Zeit gießt man (Spende) ins Feuer für einen,
der würdig ist der Verehrung [32].

 

10. (Sundarika-Bhāradvāja:)

"Offenbar war mein Opfer gut, war meine Spende recht,
Da ich solch einen geschaut habe, der an das Ziel des Wissens gelangt ist.
Hätte ich keinen gegehen, wie du einer bist,
So würde ein andrer Mann den Überrest des Opfermahles genießen."
 
"Es genieße ihn der Herr Gotama, der Herr ist ein Brāhmane."

 

11. (Der Erhabene:)

"Was durch eine Strophe ersungen ward, das darf ich nicht genießen.
Nicht ist dies, o Brahmane, den Schauenden erlaubt.
Was durch eine Strophe ersungen ward, das weisen die Buddhas zurück;
Wo es sich um die Lehre handelt, da gilt, Brahmane, dieser Ausspruch.
Sonst magst du einen vollkommenen Großen Weisen,
Bei dem die weltlichen Einflüsse vernichtet sind,
in dem alle Zweifel zur Ruhe gekommen,
Mit Speise und Trank versorgen.
Denn das ist ein Feld für den, der auf Verdienst absieht [33]."

 

12. "Aber wem soll denn ich, Herr Gotama, diesen Überrest des Opfermahles geben?"

 

13. "Nicht sehe ich, o Brahmane, in der Welt mit ihren Göttern, mit ihren Māras und mit ihren Brahmans, im Volke mit seinen Samanas und Brāhmanas, mit seinen Göttern und Menschen jemanden, von dem dieser Überrest des Opfermahles, wenn genossen, richtig verdaut werden könnte, außer, o Brahmane, von einem Tathāgata oder von dem Schüler eines Tathāgata. Darum, o Brahmane, streue du diesen Überrest des Opfermahles an einer Stelle hin, wo wenig Grün ist, oder gieße ihn in Wasser, in dem keine Lebewesen sind."

 

14. Da nun goß der Brahmane Sundarika-Bhāradvāja diesen Überrest des Opfermahles in Wasser, in dem keine Lebewesen waren.

 

15. Wie da nun dieser Überrest des Opfermahles in das Wasser geworfen war, zischte es und brodelte [34], rauchte und qualmte. Gerade so, wie wenn eine durch die Glut des Tages erhitzte Pflugschar, wenn sie in das Wasser geworfen ist, zischt und brodelt, raucht und qualmt, ganz ebenso zischte und brodelte, rauchte und qualmte dieser Überrest des Opfermahles, wie er in das Wasser geworfen war.

 

16. Da nun begab sich der Brahmane Sundarika-Bhāradvāja entsetzt und mit gesträubten Körperhärchen dorthin, wo sich der Erhabene befand. Nachdem er sich dorthin begeben hatte, trat er zur Seite.

 

17. Den zur Seite stehenden Brahmanen Sundarika Bhāradvāja redete dann der Erhabene mit der Strophe an:

 

"Nicht, o Brahmane, glaube dadurch, daß du Holz ans Feuer legst [35],
Reinheit zu erlangen! Nur äußerlich ist das ja.
Nicht sprechen die Kundigen von Reinheit bei dem,
Der die Reinigung mit äußerlichen Mitteln erstrebt.
Ich habe aufgegeben, o Brahmane, das Anzünden von Holz,
Im Innern aber entfache ich lichte Glut.
In ständigem Feuer, mit ständig gesammelter Seele
Führe ich als Vollendeter heiligen Wandel.

 

Dein Stolz, o Brahmane, ist ja für dich eine Zentnerlast [36],
Dein Zorn ist der Rauch, in der Asche (liegt) dein Lügen [37].
Die Zunge (sei) der Opferlöffel, das Herz der Feueraltar,
Das wohl beherrschte Selbst des Mannes Feuer.
Die wahre Lehre, o Brahmane, ist ein Teich mit sittlicher Zucht als Badeplatz.
Nicht verunreinigt, von den Frommen den Frommen gepriesen,
Wo wahrlich die ans Ziel des Wissens Gelangten, wenn sie ihr Bad genommen haben,
Mit unbenetzten Gliedern [38] an das jenseitige Ufer gelangen.
Wahrheit, rechter Glaube, Selbstzucht, heiliger Wandel,
Einhalten der richtigen Mitte:
das, o Brahrnane, ist die Erreichung des höchsten Zieles [39].
Den rechtschaffenen (Ordensbrüdern [40]) erweise du Verehrung!
Einen solchen Mann nenne ich einen, der in der wahren Lehre wandelt [dhammasārin]."

 

18. Auf dieses Wort hin sprach der Brahmane Sundarika Bhāradvāja zu dem Erhabenen also: "Wundervoll, Herr Gotama!" usw ... (nach 1.9-11). Er wußte: Aufgehoben ist die Geburt, gelebt ist der heilige Wandel; vollbracht ist, was zu vollbringen war; nichts mehr habe ich fürderhin zu tun mit dem weltlichen Dasein.

19. Es war aber der ehrwürdige Bhāradvāja einer von den Vollendeten geworden.


[23] Die Geschichte findet sich auch im Suttanipāta, Mahā-Vagga 4: Sundarikabhāradvājasutta.

[24] Im Suttanipāta ist hier eine Anzahl von Versen eingeschoben, die ein Wechselgespräch zwischen dem Buddha und dem Brahmanen enthalten (455-461). Mit dem obigen Vers "Frage nicht nach der Abkunft (= 462) beginnt dann die Belehrung, die dhammadesanā.

[25] Weil es nicht von der Geburt, sondern vom Wandel (carana) abhängt, ob man ein dakkhineyya ist.

[26] Der Sinn ist: aus dem verschiedensten Brennholz geht das Feuer (hier ist der vedische Name des Agni, jātavedas, "der Wesenkenner" gebraucht) hervor. Ebenso können Weise in hohen wie niedrigen Familien geboren werden.

[27] hirīnisedho, s. Note zu 1. 18. 1.

[28] saccena danto, Komm. I. 274.1 = paramatthasaccena danto.

[29] damasā upeto, Komm. I. 274.2 = indriyadamena upeto.

[30] vedantagu (in 11 vedagū) ist für den Brahmanen die Kenntnis des Veda, für den Buddhisten das Wissen von den heiligen Wahrheiten vom Leiden und seiner Aufhebung.

[31] Es ist nutzlos, den Indra oder den Varuna zum Opfer herbeizurufen. Die Spende gehört für den Vollendeten; er ist der wahre dakkhineyyo.

[32] Man hat (mit dem Komm.) dakkhineyye zu lesen; -neyyo gibt keinen Sinn.

[33] Siehe oben 8. 7. [22]

[34] ciccitāyati citicitāyati ist onomatopoetisch. Die ganze Episode fehlt im Suttanipāta. Der Komm. I. 276.3 gibt für sie eine Erklärung, die recht gezwungen erscheint. Vgl. Mrs. Rhys Davids, Kindred Sayings I. S.211, N.3. Der Gedanke ist offenbar der, daß der Buddha durch das Wunder den Bhāradvāja für die nun folgende Bekehrung reif machen will.

[35] samādahāno. Der Komm. leitet es offenbar von Wz. dah "brennen" ab, da er es mit jhāpayamāno wiedergibt. In Zeile 5 steht auch dārudāha. Trotzdem glaube ich, daß wir auf sam-ā-dhā zurückgehen müssen, das auch im Skr. "Holz ans Feuer legen" bedeutet.

[36] khāribhāra. Der Gedanke ist der: du willst mit deinem Opfer zum Himmel empor steigen, aber dein Stolz auf Geburt und Abkunft drückt dich, wie eine schwere Traglast, die auf deinen Schultern liegt, zur Erde nieder.

[37] Der Rauch des Zorns und die Asche der Lüge lassen das Opferfeuer nicht hell brennen.

[38] Es ist hier, wie 7. 21. 12, wo die Strophe wiederkehrt, anallagattā (statt anallīnagattā) zu lesen.

[39] brahmapatti. Mit den vorausgehenden Ausdrücken soll nach dem Komm. der achtgliedrige Pfad (atthangika magga) gemeint sein: rechte Anschauung, rechtes Wollen, Reden, Handeln, rechte Lebensführung, rechtes Sichbemühen, rechtes Gedenken, rechte geistige Sammlung.

[40] satujjubhūtesu. Nach dem Komm. wäre t Wohllautskonsonant, also sa (emphatisch = sa tvam "du") ujjubhūtesu. Zu ujubhūta als Bezeichnung für die Mönche s. oben 3. 24. 17, sowie Vimanavatthu 19. 8 usw.


S.7.10. Mit vielen Töchtern - 10. Bahudhītara Sutta

 

1. Einstmals weilte der Erhabene im Lande der Kosala, in einem Haine.

 

2. Zu jener Zeit nun waren einem Brahmanen aus der Familie der Bhāradvāja vierzehn Ochsen verloren gegangen [41].

 

3. Da nun begab sich der Brahmane aus der Familie der Bhāradvāja auf der Suche nach den Ochsen dorthin, wo sich jener Hain befand. Nachdem er sich dorthin begeben, sah er den Erhabenen in jenem Haine sitzen, mit untergeschlagenen Beinen [42], den Oberkörper aufrecht haltend, Besonnenheit rings um sich verbreitend.

 

4. Als er das sah, begab er sich dorthin, wo sich der Erhabene befand. Nachdem er sich dorthin begeben, sprach er zu dem Erhabenen die folgenden Strophen[43]:

 

"Nicht sind ja diesem Samana hier vierzehn Ochsen
Heute seit sechs Tagen [44] verschwunden. Darum ist dieser Samana glücklich.
 
Nicht ist ja diesem Samana der Sesam auf dem Felde verdorben,
Der einblättrige und der zweiblättrige [45]. Darum ist dieser Samana glücklich.
 
Nicht tanzen ja diesem Samana in der leeren Scheune die Mäuse
Vergnügt [46] umher. Darum ist dieser Samana glücklich.
 
Nicht ist ja diesem Samana der Estrich [47] nach sieben Monaten schon
Mit Rissen bedeckt. Darum ist dieser Samana glücklich.
 
Nicht hat ja dieser Samana eine Witwe mit sieben Töchtern [48],
Mit (nur) einem Sohn oder zwei Söhnen. Darum ist dieser Samana glücklich.
 
Nicht schießen diesem Samana rote Pickeln [49] auf,
Und wecken den Schläfer mit ihren Füßchen. Darum ist dieser Samana glücklich.
 
Nicht drängen ja in diesen Samana am Abend die Gläubiger
(Mit den Worten.), gib her, gib her! Darum ist dieser Samana glücklich."

 

5. (Der Erhabene:)

"Nicht sind mir, o Brahmane, vierzehn Ochsen
Heute seit sechs Tagen verschwunden. Darum, o Brahmane, bin ich glücklich.
 
Nicht ist mir, o Brahmane, der Sesam auf dem Felde verdorben,
Der einblättrige und der zweiblättrige. Darum, o Brahmane, bin ich glücklich.
 
Nicht tanzen mir, o Brahmane, in der leeren Scheune die Mäuse
Vergnügt umher. Darum, o Brahmane, bin ich glücklich.
 
Nicht ist mir, o Brahmane, der Estrich nach sieben Monaten schon
Mit Rissen bedeckt. Darum, o Brahmane, bin ich glücklich.
 
Nicht habe ich, o Brahmane, eine Witwe mit sieben Töchtern,
Mit (nur) einem Sohne oder zwei Söhnen. Darum, o Brahmane, bin ich glücklich.
 
Nicht schießen mir, o Brahmane, rote Pickeln auf
Und wecken den Schläfer mit ihren Füßchen. Darum, o Brahmane, bin ich glücklich.
 
Nicht drängen in mich, o Brahmane, am Abend die Gläubiger
(Mit den Worten:) 'Gib her! gib her!' Darum, o Brahmane, bin ich glücklich."

 

6. Auf dieses Wort hin sprach der Brahmane aus der Familie Bhāradvāja zu dem Erhabenen also: "Wundervoll, Herr Gotama! Wundervoll Herr Gotama! Wie wenn man, Herr Gotama, etwas Umgestürztes aufrichtet oder etwas Verhülltes entschleiert, oder einem Verirrten den rechten Weg zeigt, oder in einen finsteren Raum eine Lampe bringt in der Absicht: es sollen die, die Augen haben, die Gegenstände sehen - ganz ebenso ist von dem Herrn Gotama durch mancherlei Erörterung die Wahrheit aufgeklärt worden. Darum nehme ich zu dem Erhabenen meine Zuflucht und zu der Lehre und zu der Gemeinde der Bhikkhus. Möge ich bei dem Herrn Gotama die Zeremonie der Weltabkehr und die der Aufnahme in die Gemeinschaft gewährt erhalten.

 

7. Es bekam auch der Brahmane aus der Familie Bhāradvāja bei dem Erhabenen die Zeremonie der Weltabkehr und die der Aufnahme in die Gemeinschaft gewährt.

 

8. Nachdem aber der ehrwürdige Bhāradvāja noch nicht lange in die Gemeinschaft aufgenommen war, da war er, der allein und einsam, unermüdlich, eifervoll, mit gesammelter Seele lebte, binnen kurzem schon an das höchste Ziel heiligen Wandels, um dessen willen Söhne aus gutem Hause völlig aus dem Heimleben übertreten in die Heimlosigkeit, durch eigenes Begreifen und Verwirklichen gelangt. Er wußte: Aufgehoben ist die Geburt; gelebt ist der heilige Wandel; vollbracht ist, was zu vollbringen war; nichts mehr habe ich fürderhin zu tun mit dem weltlichen Dasein.

 

9. Es war aber der ehrwürdige Bhāradvāja einer von den Vollendeten geworden.


[41] Sie waren nach dem Komm. während der Brahmane zum Essen gegangen war vom Feld weg in den Wald entlaufen.

[42]pallankam ābhujitvā. Es ist das die Stellung des Meditierenden. Auch die folgenden Ausdrücke weisen auf ein kammatthāna, die Vorbereitungen zu einem jhāna, einer meditativen Versenkung hin.

[43] Auch bei uns sind im Volke solche Scherzverse bekannt in denen die Bettelleute glücklich gepriesen werden weil ihnen kein Ochse ein Horn bricht, kein Spatz das Korn verunreinigt usw. Sie sind verschont von den kleinen Ärgerlichkeiten die den wohlhabenden Bauern treffen.

[44]ajja satthim. Der Komm. I. 279.14 umschreibt es durch "heute seit sechs Tagen". In der Tat wird satthi öfters im Sinn von cha gebraucht. S. 8. 2. 6.

[45] Sollten damit die beiden Sesamarten gemeint sein die in Indien gebaut werden? Engelbrecht, Die Feldfrüchte Indiens in ihrer geogr. Verbreitung, S. 126 ff.

[46]ussolhikāya, etwa "munter, lebhaft" (Adverbialer Instrum.).

[47]samthāro. Ich glaube, daß damit der aus Rinderdung hergestellte Estrich der Veranda vor dem Hause gemeint ist, der von Zeit zu Zeit erneuert werden muß. Ganz anders freilich der Komm. I. 280.5. Er liest uppādokehi (statt uppātakehi) samchanno und erklärt es mit uppādakapānakehi samch°. Er denkt an das Ungeziefer, das den Schlaf nicht aufkommen läßt.

[48]sattadhītaro. Danach ist das Sutta benannt.

[49]tilakā von Hautausschlägen, die durch Hitze erzeugt sind. Wegen des Kitzels, den sie hervorrufen, werden sie mit krabbelnden Lebewesen verglichen. Man hat tilakāhatā (= tilakā āhatā) zu lesen.


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