Samyutta Nikaya 11

Samyutta Nikaya

11. Sakka Saṃyutta - Von Sakka (Pali)

1. Paṭhama Vagga - Erster Abschnitt

S.11.1. Suvīra
S.11.2. Susīma
S.11.3. Die Fahnenspitze
S.11.4. Vepacitti (oder Geduld)
S.11.5. Sieg durch einen guten Spruch
S.11.6. Die jungen Vögel
S.11.7. Keine Schädigung
S.11.8. Der Dämonenfürst Verocana oder der Zweck
S.11.9. Die Weisen in der Waldwildnis oder der Geruch
S.11.10. Die Weisen am Meer oder Sambara - Isayo Samuddakā Sutta

2. Dutiya Vagga - Der zweite Abschnitt

S.11.11. Die Götter (1] oder das Gelübde
S.11.12. Die Götter (2]
S.11.13. Die Götter (3]
S.11.14. Der Arme
S.11.15. Anmütig
S.11.16. Der Opferer
S.11.17. Huldigung
S.11.18. Verehrung durch Sakka (1]
S.11.19. Verehrung durch Sakka (2]
S.11.20. Verehrung durch Sakka (3]

3. Tatiya Vagga (Sakkapañcakam)

S.11.21. Abgeschnitten
S.11.22. Häßlichkeit
S.11.23. Zauber
S.11.24. Verfehlung
S.11.25. Nichtzorn

S.11.1. Suvīra - 1. Suvīra Sutta

 

Der Komm. I. 396ff. erzählt ausführlich über die Entstehung des Krieges der Devas, der Götter mit den Asuras, den Dämonen. Im Magadhaland lebte der Bodhisatta als der fromme Brahmane Magha umgeben von 30 ihm ähnlichen Gefährten. Wegen seiner Verdienste wurde er als Sakka im Himmel des Sineruberges samt seinen Gefährten wiedergeboren. Die vorher hier wohnenden Wesen suchten die Ankömmlinge in ihre Gewalt zu bringen, indem sie ihnen Rauschtrank anboten. Aber auf Sakkas Rat tranken seine Gefährten nur zum Scheine. Die früheren Devatās berauschten sich und wurden von Sakka vom Sineru hinab gestürzt. Seitdem sind sie die Asuras, und leben in stetem Krieg mit Sakka und den (drei und) dreißig Göttern seines Gefolges, den Tāvatimsadevas. Zwischen der Stadt der Götter auf dem Sineru und der Stadt der Asuras in der Tiefe - beide führen sie den Namen Ayujjhā - stellt Sakka die verschiedenen halbgöttlichen Wesen wie Nāgas, Garudas, Kumbhandas und die vier Weltenhüter als Schutzwachen auf. Die Geschichte des Bodhisatta als Brahmanen Magha, der als Sakka wiedergeboren wird, findet sich im Kulāvaka-Jātaka (Nr. 31; Vgl. unten Sutta 6]. Es finden sich im Komm. zu unserer Stelle mehrfach Anklänge an dieses Jātaka. S. Mrs. Rhys Davids, S. 279.

 

1-2. Also habe ich vernommen.

Einstmals weilte der Erhabene in Sāvatthī, im Jetahaine, im Parke des Anāthapindika. Da nun redete der Erhabene die Bhikkhus an: "Ihr Bhikkhus!" "Ja, Herr!" erwiderten die Bhikkhus aufhorchend dem Erhabenen.

 

3-4. Der Erhabene sprach also: "In früherer Zeit einmal, ihr Bhikkhus, griffen die Dämonen die Götter an. Da nun, ihr Bhikkhus, redete Sakka, der Fürst der Götter, den Devaputta Suvīra an: ,Da greifen, mein lieber Suvīra, die Dämonen die Götter an. Mach dich auf, mein lieber Suvīra, und trete ihnen entgegen!' ,Ja, Herr!' erwiderte der Devaputta Suvīra, ihr Bhikkhus, aufhorchend Sakka, dem Fürsten der Götter. Aber er war säumig [1].

 

5. Und zum zweiten mal, ihr Bhikkhus, redete Sakka, der Fürst der Götter, den Devaputta Suvīra an: 'Da greifen, mein lieber Suvīra, die Dämonen die Götter an. Mach dich auf, mein lieber Suvīra, und trete ihnen entgegen'. 'Ja, Herr!' erwiderte der Devaputta Suvīra, ihr Bhikkhus, aufhorchend Sakka, dem Fürsten der Götter. Aber er war säumig.

 

6. Und zum dritten mal, ihr Bhikkhus, redete Sakka, der Fürst der Götter, den Devaputta Suvīra an: 'Da greifen, mein lieber Suvīra, die Dämonen die Götter an. Mach dich auf, mein lieber Suvīra, und trete ihnen entgegen.' 'Ja, Herr!' erwiderte der Devaputta Suvīra, ihr Bhikkhus, aufhorchend Sakka, dem Fürsten der Götter. Aber er war säumig.

 

7. Da nun, ihr Bhikkhus, redete Sakka, der Fürst der Götter, den Devaputta Suvīra mit der Strophe an:

 

'Wo man, ohne tätig zu sein [2], ohne sich zu bemühen zum Glück gelangt,
Dorthin gehe, Suvīra, und bringe auch mich eben dorthin [3].'

 

8. (Suvīra:)

'Wenn man saumselig ist [4], untätig, und seine Pflichten nicht erfüllt,
Wenn man alle sinnlichen Genüsse ausgekostet hat [5],
dann zeige mir, Sakka, dies höchste Ziel [6].

 

9. (Sakka:)

'Wo man saumselig ist und untätig und (doch) zu unendlichem Glück gelangt,
Dorthin gehe, Suvīra, und bringe auch mich dorthin.'

 

10. (Suvīra:)

'Das Glück, das wir, o Sakka, du bester der Götter,
durch Nichthandeln erlangen können,
Wo es keinen Kummer und keine Verzweiflung gibt:
zeige mir Sakka dies höchste Ziel.'

 

11. (Sakka:)

'Wenn irgend wer des Handelns ledig ist und an nichts mehr hängt [7]
Das ist der Weg zum Nirvana: dorthin gehe, Suvīra,
Und bringe auch mich eben dorthin.'

 

12. Sakka, der Fürst der Götter, ihr Bhikkhus, wird ja freilich, den Lohn seines eigenen Verdienstes auslebend, unter den Tāvatimsa-Göttern die Obmacht, die Herrschaft, die Königswürde ausübend, einer sein, der Tätigkeit und Energie preist. Hier (in unserem Orden), ihr Bhikkhus, werdet ihr glänzen, wenn ihr, die ihr in der so wohl verkündeten Lehre und Regel der Zeremonie der Weltabkehr euch unterzogen habt, tätig seid, euch anstrengt, euch bemüht, um zu erlangen, was noch nicht erlangt ist, um zu gewinnen, was noch nicht gewonnen ist, um zu verwirklichen, was noch nicht verwirklicht ist.

 


[1] pamādam āpādesi "er ließ Lässigkeit aufkommen."

[2] P anutthaham = anutthahanto "nicht aufstehend". Vgl. utthātar in 10.12.14.

[3] mam ca tatth' eva pāpaya. Ich möchte, daraus schließen, daß Suvīra Name für Indra's Wagenlenker Mātali ist.

[4] alasassa = alaso assa. Daneben haben wir die Lesart alasvāyam = alaso ayam. So auch im Komm. I. 399.11.

[5] sabbakāmasamiddhassa, als Gen. auf me bezogen, oder (so der Komm.) = -ddho assa.

[6] Ich lese mit dem Komm. tam me, Sakka, varam disa (Imper. von disati).

[7] kvaci na jīyati. Unsicher von mir dem Sinn nach übersetzt.


S.11.2. Susīma - 2. Susīma Sutta

 

Sutta 2 ist völlig gleichlautend mit Sutta 1; nur das der Name Susīma an die Stelle des Namens Suvīra gesetzt werden muß. Wir haben hier offenbar einen der nicht seltenen Fälle, das auf dem Konzil dem die Feststellung des Kanons oblag, von zwei verschiedenen Mönchsgruppen die gleiche Überlieferung vorgelegt wurde mit der rein äußerlichen Verschiedenheit des Namens der Hauptpersönlichkeit. Die Redaktoren des Kanons ließen beide Fassungen als gleichberechtigt zu.

 


S.11.3. Die Fahnenspitze - 3. Dhajagga Sutta

1-2. Der Erhabene weilte in Sāvatthī, im Jetahaine, im Parke des Anāthapindika. Da nun redete der Erhabene die Bhikkhus an: "Ihr Bhikkhus!" "Ja, Herr!" erwiderten die Bhikkhus aufhorchend dem Erhabenen.

 

3-5. Der Erhabene sprach also: "In früherer Zeit einmal, ihr Bhikkhus, stand ein Kampf zwischen den Göttern und Dämonen bevor. Da nun redete Sakka, der Fürst der Götter, die Tāvatimsa-Götter an: 'So euch Göttern, ihr Verehrten, wenn ihr, in den Kampf gezogen seid, Angst oder Zittern oder Hautschaudern entsteht, dann möget ihr zu dieser Zeit hinaufschauen zu meiner Fahnenspitze. Denn wenn ihr zu meiner Fahnenspitze hinauf schaut, wird Angst oder Zittern oder Hautschaudern, das euch befällt, schwinden.

 

6. Wenn ihr aber nicht zu meiner Fahnenspitze hinauf schaut, dann möget ihr hinauf schauen zu der Fahnenspitze des Götterkönigs Pajāpati [8]. Denn wenn ihr zu der Fahnenspitze des Götterkönigs Pajāpati hinauf schaut, wird Angst oder Zittern oder Hautschaudern, das euch befällt, schwinden.

 

7. Wenn ihr aber nicht zu der Fahnenspitze des Götterkönigs Pajāpati hinauf schaut, dann möget ihr hinauf schauen, zu der Fahnenspitze des Götterkönigs Varuna [9]. Denn wenn ihr zu der Fahnenspitze des Götterkönigs Varuna hinauf schaut, wird Angst oder Zittern oder Hautschaudern, das euch befällt, schwinden.

 

8. Wenn ihr aber nicht zu der Fahnenspitze des Götterkönigs Varuna hinauf schaut, dann möget ihr hinauf schauen zu der Fahnenspitze des Götterkönigs Isāna [10]. Denn wenn ihr zu der Fahnenspitze des Götterkönigs Isāna hinauf schaut, wird Angst oder Zittern oder Hautschaudern, das euch befällt, schwinden.

 

9. Aber, ihr Bhikkhus, wenn sie hinauf schauen zu der Fahnenspitze des Sakka, des Fürsten der Götter, oder wenn sie hinauf schauen zu der Fahnenspitze des Götterkönigs Pajāpati, oder wenn sie hinauf schauen zu der Fahnenspitze des Götterkönigs Varuna, oder wenn sie hinauf schauen zu der Fahnenspitze des Götterkönigs Isāna, dann mag Angst oder Zittern oder Hautschaudern, das sie befällt, schwinden oder es mag auch nicht schwinden.

 

10. Was ist davon die Ursache? Sakka, der Fürst der Götter ist nicht frei von Begierde, nicht frei von Haß, nicht frei von Betörung [11] und daher furchtsam, zitterig, ängstlich und feige [12].

 

11. Ich aber, ihr Bhikkhus, sage euch also: So euch, wenn ihr in der Wildnis weilt, am Fuße eines Baumes weilt, oder in einem verlassenen Hause weilt, Angst oder Zittern oder Hautschaudern entsteht, dann sollt ihr zu dieser Zeit an mich denken: 'So ist der Erhabene, der Vollendete, Vollkommen Erleuchtete, ist mit Weisheit und Tugend begabt, der Führer auf dem Heilspfade, der Weltkenner, der unübertreffliche Leiter der Menschen, die noch der Erziehung bedürfen, der Meister der Götter und Menschen, der Buddha, der Erhabene.'

 

12. Denn wenn ihr an mich denkt, ihr Bhikkhus, wird Angst oder Zittern oder Hautschaudern, das euch befällt, schwinden.

 

13. Wenn ihr aber nicht an mich denkt, dann möget ihr an die Lehre denken: 'Wohl verkündet ist vom Erhabenen die Lehre, im gegenwärtigen Dasein schon wirkend, an keine Zeit gebunden, zu ihrer Betrachtung einladend, zum Ziele führend, aus eigener Kraft zu verstehen von den Einsichtigen'.

 

14. Denn wenn ihr an die Lehre denkt, ihr Bhikkhus, wird Angst oder Zittern oder Hautschaudern, das euch befällt, schwinden.

 

15. Wenn ihr aber nicht an die Lehre denkt, dann möget ihr an die Gemeinde denken: 'Auf rechtem Weg wandelt die Gemeinde der Jünger des Erhabenen, auf geradem Weg wandelt die Gemeinde der Jünger des Erhabenen, auf dem Weg der richtigen Methode wandelt die Gemeinde der Jünger des Erhabenen, auf dem Weg vorschriftsmäßigen Verhaltens wandelt die Gemeinde der Jünger des Erhabenen, nämlich die vier Paare von Persönlichkeiten, die acht Gruppen von Persönlichkeiten. Diese Gemeinde der Jünger verdient Verehrung, verdient gastliche Aufnahme, verdient Spenden, verdient Ehrfurchtsbezeugung mit gefalteten Händen; sie ist das beste Feld für verdienstliche Werke der Laienwelt.'

 

16. Denn wenn ihr an die Gemeinde denkt, ihr Bhikkhus, wird Angst oder Zittern oder Hautschaudern, das euch befällt, schwinden.

 

17. Was ist davon die Ursache? Der Tathāgata, ihr Bhikkhus, ist ein Vollendeter, frei von Begierde, frei von Haß, frei von Betörung und daher nicht furchtsam, nicht zitterig, nicht ängstlich und nicht feige."

 

18. Also sprach der Erhabene [13]. Und nachdem der Führer auf dem Heilspfad also gesprochen, verkündete der Meister noch folgendes:

 

"In der Wildnis, am Fuße eines Baumes, in einem verlassenen Hause, ihr Bhikkhus
Sollt ihr an den Vollkommen Erleuchteten denken, damit euch keine Angst befällt.
 
Wenn ihr aber nicht an den Buddha denkt,
den höchsten in der Welt, den besten der Männer,
Dann sollt ihr an die Lehre denken, die befreiende, wohl gepredigte.
 
Wenn ihr aber nicht an die Lehre denkt, die befreiende, wohl gepredigte,
Dann sollt ihr an die Gemeinde denken,
die das beste Feld ist für verdienstliche Werke.
 
Wenn ihr so an den Buddha denkt, an die Lehre und an die Gemeinde,
Wird keine Angst oder Zittern oder Hautschaudern euch befallen."

  


[8] Skr. Prajāpati "Herr der Wesen", der Weltenschöpfer, eine Gottheit der späteren vedischen Zeit. Oldenberg, Religion des Veda, S. 457.

[9] Während einer bestimmten Periode der vedischen Zeit die höchste Gottheit der arischen Inder, später dann Gott der Gewässer, Herrscher der westlichen Himmelsgegend und einer der Welthüter.

[10] Skr. īsāna, Name des Gottes Rudra-Siva. Die Fahnen befinden sich an den Streitwagen der Götter.

[11] Auch Sakka-Indra ist noch kein Vollendeter. Er verdankt seine Existenz als Götterkönig früherem Verdienst. Ist der Lohn dafür erschöpft, tritt er in ein neues Dasein ein. Darum ist er auch nicht frei von Furcht und der Erfolg der Maßregeln, die er trifft, zweifelhaft. Im Gegensatz dazu ist das, was der Buddha seinen Schülern empfiehlt, von sicherer Wirkung.

[12] palāyī, wtl. einer der die Flucht ergreift, der davon läuft.

[13] Im Komm. I. 401.2 werden die Worte des Buddha als eine parittā als ein magischer Zauberspruch, als "Segen" bezeichnet. Er führt den Namen dhajaggaparittā "Fahnenspitzenzauberspruch". Zu den Ausdrücken in 11, 13, 15 ist 12. 41. 11-13 (mit Anmerkungen, Bd. 2, S. 100] zu vergleichen.


S.11.4. Vepacitti (oder Geduld) - 4. Vepacitti Sutta

1-3. Der Erhabene weilte in Sāvatthī, im Jetahaine, im Parke des Anāthapindika. Der Erhabene sprach also: "In früherer Zeit einmal, ihr Bhikkhus, stand ein Kampf bevor zwischen den Göttern und den Dämonen.

 

4. Da nun sprach, ihr Bhikkhus, der Dämonenfürst Vepacitti [14] zu den Dämonen: 'Wenn, Verehrte, bei dem bevorstehenden Kampf der Götter mit den Dämonen die Dämonen obsiegen und die Götter unterliegen, dann [15] sollt ihr Sakka, den Fürsten der Götter mit den Fesseln, von denen die fünfte die um den Hals ist [16], fesseln und vor mich in die Stadt der Asuras bringen.'

 

5. Und auch Sakka, ihr Bhikkhus, der Fürst der Götter, sprach zu den Tāvatimsa-Göttern: 'Wenn, Verehrte, bei dem bevorstehenden Kampf der Götter mit den Dämonen die Götter obsiegen und die Dämonen unterliegen, dann sollt ihr den Dämonenfürsten Vepacitti mit den Fesseln, von denen die fünfte die um den Hals ist, fesseln und ihn vor mich in die Versammlungshalle Sudhammā [17] bringen.'

 

6. In jenem Kampfe nun, ihr Bhikkhus, obsiegten die Götter, die Dämonen unterlagen.

 

7. Da nun, ihr Bhikkhus, fesselten die Tāvatimsa-Götter den Dämonenfürsten Vepacitti mit den Fesseln, von denen die fünfte die um den Hals ist, und brachten ihn vor Sakka, den Fürsten der Götter, in die Versammlungshalle Sudhammā.

 

8. Da aber schmähte und verkleinerte, ihr Bhikkhus, der Dämonenfürst Vepacitti, mit den Fesseln gefesselt, von denen die fünfte die um den Hals ist, Sakka, den Fürsten der Götter, wenn er in die Versammlungshalle Sudhammā eintrat oder sie verließ, mit gemeinen, rohen Worten.

 

9. Da nun, ihr Bhikkhus, redete der Wagenlenker Mātali Sakka, den Fürsten der Götter, mit der Strophe an:

 

'Erträgst du es, erhabener [18] Sakka, aus Furcht oder aus Schwäche [19]
Die rohen Worte aus Vepacitti's Mund anzuhören?'

 

10. (Sakka:)

'Nicht dulde ich das von Vepacitti aus Furcht, noch aus Schwäche.
Wie soll denn ein Weiser meinesgleichen mit einem Toren sich einlassen?

 

11. (Mātali:)

'Nur noch mehr werden die Toren sich erzürnen,
wenn niemand da ist, der sie abwehrt:
Darum soll der Kraftvolle mit der härtesten Strafe den Toren abwehren.'

 

12. (Sakka:)

'Dies eben, meine ich, ist die Abwehr des Toren,
Wenn einer, der den andern erzürnt sieht, besonnen in Ruhe verharrt.'

 

13. (Mātali:)

'Darin, daß du solches erträgst, sehe ich einen Fehler; o Vāsava [20]!
Wenn der Tor denkt: aus Furcht erträgt er das von mir -
Wird der Verblendete noch dreister,
wie ein Rind es immer mehr wird gegen den, der davon läuft.'

 

14. (Sakka:)

'Nach Belieben mag er denken oder nicht: aus Furcht erträgt er das von mir -
Es gibt nichts höheres als die Geduld, den Segen,
der der höchste Segen für den Guten ist [21].
 
Wahrlich, wenn einer, der stark ist, von dem Schwachen (etwas) erträgt,
Das nennt man die höchste Geduld; immer duldet (sonst) der Schwache.
 
Schwäche nennt man die Stärke, wenn jemandes Stärke die Stärke der Torheit ist;
Für die Stärke, die vom Recht geschützt ist, gibt es keinen Widersacher.
 
Es ist für einen nur noch schlimmer, wenn man dem Erzürnten wieder zürnt;
Wer aber dem Erzürnten nicht wieder zürnt, der siegt im Kampfe,
wo schwer der Sieg zu erringen.
 
Für beider Segen, für den eignen wie für den des andern, wirkt
Wer, wenn er den andern erzürnt sieht, besonnen in Ruhe verharrt.
Ihn, der beiden Heilung bringt, sich selber und dem andern,
Halten für einen Toren nur die Leute, die unkundig sind der wahren Lehre [22].'

 

15-16. Sakka, der Fürst der Götter, ihr Bhikkhus, wird ja freilich, den Lohn seines eignen Verdienstes auslebend, unter den Tāvatimsa-Göttern die Obmacht, die Herrschaft, die Königswürde ausübend, einer sein, der Geduld und Güte preist. Hier (in unserem Orden), ihr Bhikkhus, werdet ihr glänzen, wenn ihr, die ihr in der so wohl verkündeten Lehre und Regel der Zeremonie der Weltabkehr euch unterzogen habt, geduldig seid und gütig."

 


[14] Vepacitti als Fürst der Asuras schon in 2. 9. 4 und 2. 10. 4 erwähnt.

[15] Yena ist nach dem Komm. nur gelegentlich hinzukommende Partikel (nipātamattam).

[16] Die Phrase wird nur verständlich, wenn man kanthapañcamehi bandhanehi liest. So haben die singhalesischen Handschriften und der Komm. I. 401.15. Dieser erklärt die fünf Fesseln als solche um die beiden Füße, um die beiden Hände und zum fünften um den Hals. Er vergleicht sie einem Spinngewebe. Man wird durch das bloße Denken damit gefesselt und daraus befreit.

[17] Sudhammā sabhā - skr. sabhā Sudharmā. Hopkins, Epic Mythology, s. 58.

[18] Es ist doch wohl maghavā Sakka zu lesen. Auch im Skr. ist maghavan Beiwort und nachvedisch Name des Indra.

[19] Die Lesung ist nicht sicher. Die Ausgabe hat dubbalyā no (v. 1. dubbalyāne), der Komm. (wohl richtig) dubbalyena = dubbalabhāvena. Skr. daurbalya.

[20] Skr. vāsava, Name des Indra.

[21] sadatthaparamā atthā ist ein Ablativ und Apposition zu khantyā. Der Komm. I. 402.17 erklärt sadatthaparamā durch sakatthaparamā "als der höchste eigne Segen". Kaum richtig.

[22] Die letzten sechs Zeilen finden sich auch oben in 7. 2.12 und 7. 3. 5.


S.11.5. Sieg durch einen guten Spruch - 5. Subhāsitajaya Sutta

1-2. Sāvatthī ist der Schauplatz.

(Der Erhabene sprach also:) "In früherer Zeit einmal, ihr Bhikkhus, stand ein Kampf bevor zwischen den Göttern und den Dämonen.

 

3. Da nun, ihr Bhikkhus, sprach der Dämonenfürst Vepacitti zu Sakka, dem Fürsten der Götter also: 'Es soll, du Fürst der Götter, durch einen guten Spruch der Sieg sich entscheiden [23].' - 'Gut, Vepacitti, es soll durch einen guten Spruch der Sieg sich entscheiden.'

 

4. Da nun stellten, ihr Bhikkhus, die Götter und die Dämonen Leute aus ihrer Gefolgschaft auf: Sie sollen unseren guten oder üblen Spruch beurteilen.

 

5. Da nun ihr Bhikkhus, sprach der Dämonenfürst Vepacitti zu Sakka, dem Fürsten der Götter, also: 'Trage du, Fürst der Götter, eine Strophe vor!'

 

6. Auf dieses Wort hin, ihr Bhikkhus, sprach Sakka, der Fürst der Götter, zu dem Dämonenfürsten Vepacitti also: 'Ihr, Vepacitti, seid doch die älteren Götter [24]. Trage du, Vepacitti, eine Strophe vor!'

 

7. Auf dieses Wort hin, ihr Bhikkhus, sprach der Dämonenfürst Vepacitti die folgende Strophe:

 

'Nur noch mehr werden die Toren sich erzürnen,
wenn niemand da ist, der sie abwehrt:
Darum soll der Kraftvolle mit der härtesten Strafe den Toren abwehren [25].'

 

8. Als aber diese Strophe, ihr Bhikkhus, von dem Dämonenfürsten Vepacitti gesprochen war, spendeten die Dämonen Beifall, die Götter schwiegen stille.

 

9. Da nun, ihr Bhikkhus, sprach der Dämonenfürst Vepacitti zu Sakka, dem Fürsten der Götter, also: 'Trage du, Fürst der Götter, eine Strophe vor!'

 

10. Auf dieses Wort hin, ihr Bhikkhus, sprach Sakka, der Fürst der Götter, die folgende Strophe:

 

'Dies eben, meine ich, ist die Abwehr des Toren,
Wenn einer, der den andern erzürnt sieht, besonnen in Ruhe verharrt.'

 

11. Als aber diese Strophe, ihr Bhikkhus, von Sakka, dem Fürsten der Götter, gesprochen war, spendeten die Götter Beifall, die Dämonen schwiegen stille.

 

12. Da nun, ihr Bhikkhus, sprach Sakka, der Fürst der Götter, zu dem Dämonenfürsten Vepacitti also: 'Trage du, Vepacitti, eine Strophe vor!'

 

13. (Auf dieses Wort hin, ihr Bhikkhus, sprach der Dämonenfürst Vepacitti die folgende Strophe:)

 

,Darin, daß du solches erträgst, sehe ich einen Fehler, o Vāsava!
Wenn der Tor denkt: aus Furcht erträgt er das von mir -
Wird der Verblendete noch dreister,
wie ein Rind es immer mehr wird gegen den, der davon läuft.'

 

14. Als aber diese Strophe, ihr Bhikkhus, von dem Dämonenfürsten Vepacitti gesprochen war, spendeten die Dämonen Beifall, die Götter schwiegen stille.

 

15. Da nun, ihr Bhikkhus, sprach der Dämonenfürst Vepacitti zu Sakka, dem Fürsten der Götter, also: 'Trage du, Fürst der Götter, eine Strophe vor!'

 

16. Auf dieses Wort hin, ihr Bhikkhus, sprach Sakka, der Fürst der Götter, die folgenden Strophen:

 

'Nach Belieben mag er denken oder nicht aus Furcht erträgt er das von mir -
Es gibt nichts höheres als die Geduld, den Segen,
der der höchste Segen für den Guten ist.
 
Wahrlich, wenn einer, der stark ist, von dem Schwachen (etwas) erträgt,
Das nennt man die höchste Geduld; immer duldet (sonst) der Schwache.
 
Schwäche nennt man die Stärke, wenn jemandes Stärke die Stärke der Torheit ist;
Für die Stärke, die vom Recht geschützt wird, gibt es keinen Widersacher.
 
Es ist für einen nur noch schlimmer, wenn man dem Erzürnten wieder zürnt;
Wer aber dem Erzürnten nicht wieder zürnt,
der siegt im Kampfe, wo schwer der Sieg zu erringen.
 
Für beider Segen, für den eignen wie für den des andern, wirkt
Wer, wenn er den andern erzürnt sieht, besonnen in Ruhe verharrt.
 
Ihn, der beiden Heilung bringt, sich selber und dem andern,
Halten für einen Toren nur die Leute, die unkundig sind der wahren Lehre.'

 

17. Als aber diese Strophen, ihr Bhikkhus, von Sakka, dem Fürsten der Götter, gesprochen waren, spendeten die Götter Beifall, die Dämonen schwiegen stille.

 

18-19. Da nun, ihr Bhikkhus, sprachen die Leute aus der Gefolgschaft der Götter und der Dämonen [26] also: Von dem Dämonenfürsten Vepacitti sind Strophen gesprochen worden, und diese gehören in das Bereich der Gewalt [27], in das Bereich der Waffen, sind Streit, sind Zwietracht, sind Hader. Von Sakka, dem Fürsten der Götter, sind Strophen gesprochen worden, und diese gehören nicht in das Bereich der Gewalt, nicht in das Bereich der Waffen, sind Nichtstreit, sind Nichtzwietracht, sind Nichthader. Sakka, dem Fürsten der Götter, gehört wegen seiner guten Sprüche der Sieg.

 

20. Also, ihr Bhikkhus, wurde Sakka, dem Fürsten der Götter, der Sieg zu teil."

 


[23] D. h. der soll als Sieger gelten, der den schöneren Ausspruch tut.

[24] pubbadevā. Vgl. die Vorbemerkungen zu 11. 1.

[25] Diese und die folgenden Strophen sind eine Wiederholung der Strophen des vorigen Sutta in anderem Zusammenhang.

[26] Die nach 4 als Schiedsrichter über die Güte der vorgetragenen Sprüche aufgestellt waren.

[27] sadandāvacara, wtl. Bereich der Stockbewehrten.


S.11.6. Die jungen Vögel - 6. Kulāvaka Sutta

(kulāvakā. Zu unserem Sutta ist das in den Vorbemerkungen zu Sutta 11. 1 erwähnte Kulāvaka-Jātaka zu vergleichen. Es findet sich in ihm auch die Strophe von 5]

 

1-2. Sāvatthī ist der Schauplatz.

(Der Erhabene sprach also:) "In früherer Zeit einmal, ihr Bhikkhus, stand ein Kampf bevor zwischen den Göttern und den Dämonen.

 

3. In diesem Kampfe aber, ihr Bhikkhus, siegten die Dämonen. Die Götter unterlagen.

 

4. Unterlegen, ihr Bhikkhus, flüchteten die Götter in der Richtung gegen Norden. Es verfolgten sie die Dämonen.

 

5. Da nun, ihr Bhikkhus, redete Sakka, der Fürst der Götter, den Wagenlenker Mātali mit der Strophe an:

 

'Die jungen Vögel, Mātali, auf dem Seidenwollbaum
Meide sie mit der Wagendeichselspitze.
Gerne wollen wir den Dämonen unser Leben preisgeben,
Daß nur nicht diese Vögel ihres Nestes beraubt werden [28].'

 

6. 'Ja, Herr!' erwiderte aufhorchend, ihr Bhikkhus, der Wagenlenker Mātali Sakka, dem Fürsten der Götter, und ließ den mit tausend edlen Pferden bespannten Wagen [29] kehrt machen.

 

7. Da nun, ihr Bhikkhus, kam den Dämonen dieser Gedanke: 'Kehrt gemacht hat jetzt Sakka's, des Fürsten der Götter, mit tausend edlen Pferden bespannter Wagen. Zum zweiten mal werden die Götter mit den Dämonen kämpfen.' Von Furcht befallen zogen sie sich in die Dämonenstadt zurück.

 

8. So wurde, ihr Bhikkhus, Sakka, dem Fürsten der Götter, wegen seiner Gerechtigkeit der Sieg zu teil."

 


[28] Sakka kreuzt auf der Flucht einen Hain von Simbalibäumen (skr. sālmali). Unter dem Anprall des Wagens stürzen die Bäume um, und die auf ihnen nistenden Garudas flattern unter angstvollem Geschrei umher. Da erbarmt sich Sakka ihrer. In Z. 1 der Strophe ist kulāvakā nach dem Komm. = supannapotakā "Junge von Vögeln". In vikulāvakā (Z. 4] hat kulāvaka die gewöhnliche Bedeutung "Nest".

[29] sahassayuttam ajaññaratham, wtl. "den mit tausend bespannten Edelrossewagen".


S.11.7. Keine Schädigung - 7. Nadubbhiya Sutta

1-2. Sāvatthī (ist der Schauplatz).

(Der Erhabene sprach also:) "In früherer Zeit einmal, ihr Bhikkhus, entstand Sakka, dem Fürsten der Götter, wie er so ganz in der Stille einsamer Meditation sich hingab, der folgende erwägende Gedanke: 'Auch wenn jemand mein Gegner sein sollte, möchte ich ihm keine Schädigung zufügen.'

 

3. Da nun merkte, ihr Bhikkhus, der Dämonenfürst Vepacitti in seinem Herzen die erwägenden Gedanken Sakka's, des Fürsten der Götter, und begab sich dorthin, wo sich Sakka, der Fürst der Götter, befand.

 

4. Und es sah Sakka, der Fürst der Götter, den Dämonenfürsten Vepacitti von ferne herankommen. Nachdem er ihn gesehen, sprach er also zu dem Dämonenfürsten Vepacitti: 'Halt, Vepacitti, du bist gefangen [30]!'

 

5. 'Was du eben gedacht hast, das darfst du nicht aufgeben.'

 

6. 'Schwöre mir, Vepacitti, daß du mir keine Schädigung zufügen willst [31].'

 

7. (Vepacitti:)

'Die Sünde, die aus lügnerischer Rede, und die Sünde,
die aus Schmähung der Edlen hervorgeht;
Die Sünde eines Verräters und die Sünde eines Undankbaren:
An diese Sünde rührt hier, wer dir, Gatte der Sujā, Schädigung zufügt."

 

 


[30] Der Komm. sagt, daß in diesem Augenblick Vepacitti durch das Wort des Sakka kanthe pañcamehi bandhanehi gefesselt war. Vgl. dazu die Anm. zu 11.4.4. = [16]

[31] Man sollte freilich nach § 1-2 des Sutta erwarten, daß Sakka dem Vepacitti die Versicherung gibt, er werde sein Wort halten und ihm nichts zu leide tun. So Frau Rhys Davids: "du magst schwören, Vepacitti, daß ich keine Verräterei begehen werde". Ich vermag das aber nicht gut mit dem Pālitext sapassu ca me, Vepacitti, adubbhāya zu vereinigen. Auch will dann Vepacitti's Antwort nicht passen.


S.11.8. Der Dämonenfürst Verocana oder der Zweck - 8. Verocanaasurinda Sutta

1. Sāvatthī ist der Schauplatz.

 

2. Zu jener Zeit aber befand sich der Erhabene an seinem Tagesaufenthaltsplatze, einsamer Meditation ergeben.

 

3. Da nun begaben sich Sakka, der Fürst der Götter, und der Dämonenfürst Verocana dorthin, wo sich der Erhabene befand. Nachdem sie sich dorthin begeben hatten, standen sie jeder an einem Türpfosten.

 

4. Da nun sprach der Dämonenfürst Verocana zu dem Erhabenen die folgende Strophe:

 

"Anstrengen soll sich der Mensch nur, bis sein Zweck erreicht ist [32];
Durch seine Erreichung glänzt der Zweck [33]: das ist des Verocana Wort."

 

5. (Sakka:)

"Anstrengen soll sich der Mensch nur, bis sein Zweck erreicht ist;
Durch seine Erreichung glänzt der Zweck: etwas höheres als Geduld gibt es nicht."

 

6. (Verocana:)

"Alle Wesen sind zu einem Zweck geboren, da und dort je nach ihrem Wert,
In der Verbindung mit ihnen haben ihr höchstes Ziel die Genüsse aller Lebewesen [34].
Durch seine Erreichung glänzt der Zweck: das ist des Verocana Wort."

 

7. (Sakka:)

"Alle Wesen sind zu einem Zweck geboren, da und dort je nach ihrem Wert,
In der Verbindung mit ihnen haben ihr höchstes Ziel die Genüsse aller Lebewesen.
Durch seine Erreichung glänzt der Zweck: etwas höheres als Geduld gibt es nicht."

 


[32] yāva atthassa nippadā. Nach dem Komm. I. 4058 wäre das ein Satz, in dem etwa hoti ergänzt werden müßte "bis Erreichung des Zweckes erfolgt"; nippadā wird durch nipphatti erklärt. Man kann auch nippadā als Abl. Sg. fassen (von nippada), abhängig von yāva als Präpos.

[33] nippannasobhano attho. Der Sinn ist wohl der, daß der Zweck als gut und wertvoll erst, wenn er erreicht ist, erkannt wird. Man beachte, daß attha auch "Sache, Gegenstand, Nutzen, Segen" bedeutet. Dem Sakka gilt als höchster attha die Geduld (khanti).

[34] samyogaparamā tveva sambhogā sabbapāninam soll, wie ich glaube nur die praktische Anwendung von nippannasobhano attho sein. Alle Lebewesen streben nach Genuß (sambhoga); dieser ihr Zweck wird erreicht durch samyoga, durch den "Kontakt", die "Verbindung" mit den Genüssen. Die prägnante Bedeutung "Kontakt mit der weltlichen Lust" hat samyoga auch Vinaya III. 19.36 wo visamyoga ("Trennung, Loslösung") - samyoga parallel steht zu virāga - sarāga und zu anupādāna-saupādāna.


S.11.9. Die Weisen in der Waldwildnis oder der Geruch - 9. Araññāyatanaisi Sutta

1. Sāvatthī (ist der Schauplatz).

 

2. (Der Erhabene sprach also:) "In früherer Zeit einmal, ihr Bhikkhus, lebten zahlreiche tugendhafte Weise von trefflicher Art [35], friedlich [36] in der Waldwildnis in Laubhütten.

3. Da nun, ihr Bhikkhus, begaben sich Sakka, der Fürst der Götter, und der Dämonenfürst Vepacitti dorthin, wo sich die tugendhaften Weisen von trefflicher Art befanden.

 

4. Da nun, ihr Bhikkhus, betrat der Dämonenfürst Vepacitti, nachdem er seine fest sitzenden Schuhe angelegt [37] und sein Schwert umgegürtet hatte, unter dem über ihm gehaltenen Schirm durch das Haupttor die Einsiedelei und ging an den tugendhaften Weisen von trefflicher Art in Klafterentfernung vorüber [38].

 

5. Da nun, ihr Bhikkhus, betrat Sakka, der Fürst der Götter, nachdem er seine festsitzenden Schuhe ausgezogen und sein Schwert anderen gegeben und seinen Schirm beiseite gelegt hatte, durch ein (Seiten-)Tor die Einsiedelei und stand unter dem Winde [39] da, mit zusammengelegten Händen die tugendhaften Weisen von trefflicher Art verehrend.

 

6. Da nun, ihr Bhikkhus, redeten die tugendhaften Weisen von trefflicher Art Sakka, den Fürsten der Götter, mit der Strophe an:

 

'Der Geruch [40] der vor langer Zeit geweihten Weisen
Geht, dem Körper entströmend, mit dem Winde.
Mache hier kehrt, du Tausendäugiger,
Der Duft der Weisen ist unrein, du Götterkönig!'

 

7. (Sakka:)

'Der Geruch der vor langer Zeit geweihten Weisen
Soll, dem Körper entströmend, mit dem Winde gehen,
Wie ein Kranz aus bunten Blumen auf dem Haupte.
Nach diesem Geruch verlangen wir, ihr Herren!
Nicht haben da die Götter ein unliebes Gefühl."

 


[35] sīlavant und kalyānadhamma.

[36] sammanti, "sie sind in Ruhe", im besonderen gebraucht von den Einsiedlern, die in der Waldwildnis ein beschauliches Leben führen.

[37] ataliyo upāhanā ārohitvā. Die Phrase findet sich auch Majjhima II. 155.7. Mrs. Rhys Davids übersetzt "buskined shoes" (Schnürstiefel). Ich verweise auf skr. atala "immoveable" bei Wilson.

[38] apavyāmato karitvā. Der Dämon zeigt seine Missachtung, indem er so nahe an den Weisen vorüber geht, ohne ihnen die gebührende Ehre zu bezeugen.

[39] anuvātam, also so, daß die Körperausdünstung von den Weisen zu Sakka kommt, aber nicht umgekehrt.

[40] gandho. Danach der Untertitel des Sutta.


S.11.10. Die Weisen am Meer oder Sambara - 10. (Isayo) Samuddaka Sutta

1. Sāvatthī (ist der Schauplatz).

 

2. (Der Erhabene sprach also:) "In früherer Zeit einmal, ihr Bhikkhus, lebten zahlreiche tugendhafte Weise von trefflicher Art friedlich am Meeresufer in Laubhütten.

 

3. Zu jener Zeit aber, ihr Bhikkhus, stand ein Kampf bevor zwischen den Göttern und den Dämonen.

 

4. Da nun, ihr Bhikkhus, kam den tugendhaften Weisen von trefflicher Art folgender Gedanke: 'Fromm sind die Götter, unfromm die Dämonen. Es könnte auch uns Gefahr von den Dämonen drohen. Wie wäre es, wenn wir jetzt zu dem Dämonenfürsten Sambara [41] uns begäben und ihn um Gewährung von Sicherheit bäten [42].'

 

5. Da nun, ihr Bhikkhus, verschwanden die tugendhaften Weisen von trefflicher Art so schnell wie ein starker Mann den eingezogenen Arm ausstreckt oder den ausgestreckten Arm einzieht, in den Laubhütten am Meeresufer und erschienen vor dem Dämonenfürsten Sambara.

 

6. Da nun, ihr Bhikkhus, redeten die tugendhaften Weisen von trefflicher Art den Dämonenfürsten Sambara mit der Strophe an:

 

'Die Weisen sind zu Sambara gekommen
und bitten ihn um Gewährung von Sicherheit,
Handle du nach Belieben, uns Gefahr oder Sicherheit zu gewähren' [43].

 

7. (Sambara:)

'Für die Weisen gibt es keine Sicherheit, für die bösen, die dem Sakka dienen;
Wenn ihr um Sicherheit bittet, biete ich euch Gefahr.'

 

8. (Die Weisen:)

'Da wir um Sicherheit bitten, bietest du uns Gefahr.
Wir nehmen das von dir entgegen: endlos ist deine Gefahr.
Was für ein Same gesät wird, solcher Art Frucht wird geerntet:
Wer Gutes tut, erntet gute, wer Übles tut, erntet üble (Frucht);
Den von dir gesäten Samen, Väterchen [44], wirst du auskosten als Frucht.'

 

9. Da nun, ihr Bhikkhus, verschwanden die tugendhaften Weisen von trefflicher Art, nachdem sie den Dämonenfürsten Sambara verflucht hatten, so schnell, wie ein starker Mann den Arm ausstreckt oder den ausgestreckten Arm einzieht, vor dem Dämonenfürsten Sambara und erschienen (wieder) in den Laubhütten am Meeresufer.

 

10. Da nun, ihr Bhikkhus, fuhr der Dämonenfürst Sambara, von den tugendhaften Weisen von trefflicher Art verflucht, in selbiger Nacht dreimal erschreckt (aus dem Schlafe) empor."

 


[41] Skr. sambara Sohn des Danu, von dem die Dānava abstammen, Hopkins, Epic Mythology, s. 48.

[42] Der Komm. I. 406.14 sagt folgendes. Die Kämpfe zwischen Göttern und Dämonen spielen sich meist auf der Meeresoberfläche ab. Die Weisen fürchten nun, es möchten die Dämonen, wenn sie unterliegen, auf der Flucht aus Wut ihre Einsiedeleien zerstören, weil sie in den weisen Bundesgenossen und Berater des Sakka sehen.

[43] Komm. I. 407.3 "wenn du uns Sicherheit gewähren willst, kannst du sie uns gewähren, wenn du uns Gefahren bereiten willst, kannst du sie uns bereiten." Die Konstruktion der Pālistrophe Z. 2 ist nicht ganz klar.

[44] Der Pālitext in der Ausgabe lautet pavuttam vappate bījam. Hier ist pavuttam = skr. pra-upta von Wz. vap (Komm.: khette patitthāpitam); aber vappate gibt keinen Sinn. Man kann doch nicht sagen: der ausgesäte Same wird gesät. Es ist vielmehr mit den singhalesischen Hss. pavuttam tāta te bījam zu lesen; tāta "Väterchen" ist natürlich in ironischem Sinne gemeint.


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