Mahāvagga

I. Die große Gruppe

1. Kapitel (1-6)

1. Die Erzählung von der Erleuchtung

1. Zu jener Zeit weilte der Erhabene gerade eben vollkommen erwacht am Fuß des Bodhi-Baumes in Uruvelā am Ufer des Flusses Nerañjarā. Sieben Tage saß der Erhabene so mit verschränkten Beinen am Fuß des Bodhibaumes und erlebte das Glück der Erlösung. [1]

Am Beginn des ersten Nachtabschnittes durchdachte der Erhabene im Geist vorwärts und rückwärts das bedingte Entstehen:

Auf diese Weise entsteht die Gesamtheit von Unzulänglichkeiten.

Auf diese Weise löst sich die Gesamtheit von Unzulänglichkeit auf.’ Als nun der Erhabene diesen Sachverhalt erkannt hatte, sprach er zu jener Zeit diesen Merk­satz:

„Wenn bei einem Eifrigen, Meditierenden [2] , Edlen [3] ,
wirklich die Wahrheit entsteht,
dann schwinden ihm die Zweifel [4] alle,
denn er erkennt, dass Phänomene Ursachen haben.“ [5]

2. Dann, im mittleren Abschnitt der Nacht durchdachte der Erhabene im Geist vorwärts und rückwärts das bedingte Entstehen:

Auf diese Weise entsteht die Gesamtheit von Unzulänglichkeiten.

Auf diese Weise löst sich die Gesamtheit von Unzulänglichkeit auf.’ Als nun der Erhabene diesen Sachverhalt erkannt hatte, sprach er zu jener Zeit diesen Merk­satz:

„Wenn bei einem Eifrigen, Meditierenden, Edlen,
wirklich die Wahrheit entsteht,
dann schwinden ihm die Zweifel alle,
denn er durchdringt die Ursache der Vergänglichkeit.“ [6]

3. Dann, im letzten Abschnitt der Nacht durchdachte der Erhabene im Geist vor­wärts und rückwärts das bedingte Entstehen:

Auf diese Weise entsteht die Gesamtheit von Unzulänglichkeiten.

Auf diese Weise löst sich die Gesamtheit von Unzulänglichkeit auf.’ Als nun der Erhabene diesen Sachverhalt erkannt hatte, sprach er zu jener Zeit diesen Merk­satz:

„Wenn bei einem Eifrigen, Meditierenden, Edlen,
wirklich die Wahrheit entsteht,
Māras Heere zerstreuend steht er da,
gleich der Sonne, die den Himmel erhellt.“


2. Die Erzählung vom Ziegenhirt

4. Nachdem sieben Tage vergangen waren, erhob sich der Erhabene aus der Ver­senkung und ging vom Fuß des Bodhibaumes zum Feigenbaum namens „Ziegen­hirt“ [7] . Dort angekommen, saß er am Fuß des Feigenbaumes „Ziegenhirt“ sieben Tage mit verschränkten Beinen und erlebte das Glück der Erlösung.

Da kam ein gewisser mürrischer [8] Flechten-Asket zum Erhabenen. Sie begrüßten sich freundlich und nachdem sie freundliche und höfliche Worte aus­getauscht hatten, stellte er sich seitlich hin. Seitwärts stehend sprach jener Brah­mane zum Erhabenen: „In wie weit, Freund Gotama, ist man Brahmane? Welche Eigenschaften zeichnen einen Brahmanen aus?“

Als nun der Erhabene diesen Sachverhalt durchschaut hatte, sprach er zu jener Zeit diesen Merksatz:

„Der Brahmane, der sich fernhält von unheilsamen Dingen,
der nicht überheblich [9] , frei von Einflüssen, selbstbeherrscht ist,
der höchste Weisheit [10] erreichte, den Reinheitswandel beherrscht,
wegen dieser Dinge nennt man einen Brahmanen Brahmane,
Überheblichkeit hat er gar nicht. – Nirgends in der Welt.“


3. Die Erzählung von Mucalinda

5. Nachdem sieben Tage vergangen waren, erhob sich der Erhabene aus der Ver­senkung und ging vom Fuß des Feigenbaumes „Ziegenhirt“ zum Baum „Muca­linda“. Dort angekommen, saß er am Fuß des Mucalindabaumes [11] sieben Tage mit verschränkten Beinen und erlebte das Glück der Erlösung.

Gerade zu dieser Zeit bildete sich unzeitgemäß starke Bewölkung, die sieben Tage Regen brachte, Kälte, Wind und schlechtes Wetter. Da kam der Nāga­fürst [12] Mucalinda aus seinem Wohnsitz, umwand den Körper des Erhabenen mit sieben [13] Windungen seines Leibes, breitete über dem Kopf des Erhabenen seine große Haube mit der Absicht aus: ‘Möge dem Erhabenen nicht kalt sein, möge dem Erhabenen nicht heiß sein, mögen den Erhabenen keine Bremsen, Moskitos, Wind, Sonnenhitze und Kriechtiere berühren.’ [14]

Nach diesen sieben Tagen bemerkte dann der Nāgafürst Mucalinda, dass der Himmel wieder heiter war und nachdem er seinen Schlangenkörper vom Erhabenen abgewickelt hatte, gab er seine Gestalt auf, nahm die Gestalt eines jungen Mannes an, stellte sich vor den Erhabenen und verehrte ihn mit ehrfürchtig zusammengelegten Händen. [15] Als nun der Erhabene diesen Sachverhalt erkannt hatte, sprach er zu jener Zeit diesen Merksatz:

„Alleinsein ist Glück beim Zufriedenen,
der die gehörte Wahrheit erschaut.
Glück ist Freisein von Bedrückung in der Welt
und Selbstbeherrschung gegenüber Lebewesen.
Glück ist Gierlosigkeit in der Welt,
das Überwinden von Begierde.
Die Beseitigung der ‘Ich bin’-Einbildung ist höchstes Glück.“


4. Die Erzählung vom „Fürstensitz“

6. Nachdem sieben Tage vergangen waren, erhob sich der Erhabene aus der Ver­senkung und ging vom Fuß des Baumes „Mucalinda“ zum „Fürstensitz“ [16] . Dort angekommen, saß er am Fuß des „Fürstensitzes“ sieben Tage mit verschränkten Beinen und erlebte das Glück der Erlösung.

Zu jener Zeit waren die Kaufleute Tapussa und Bhallika aus Ukkala in jener Gegend auf der Straße unterwegs. Da sprach eine blutsverwandte Gottheit der Kaufleute Tapussa und Bhallika zu den beiden: „Meine Herren! Der Erhabene weilt am Fuß des Fürstensitzes, gerade eben vollkommen erwacht. Geht zu jenem Erhabenen und bedient ihn mit Reiskuchen [17] und Honigbällchen, das wird euch für lange Zeit Wohl und Glück bringen.“

Da nahmen die Kaufleute Tapussa und Bhallika Reiskuchen und Honig­bällchen und gingen zum Erhabenen. Beim Erhabenen angekommen begrüßten sie ihn und stellten sich seitlich hin. Seitwärts stehend sprachen die Kaufleute Tapussa und Bhallika zum Erhabenen: „Ehrwürdiger, möge der Erhabene von uns Reis­kuchen und Honigbällchen annehmen, damit uns das für lange Zeit Wohl und Glück bringt.“

Da kam dem Erhabenen dieser Gedanke: ‘Mit den Händen nehmen die Vollendeten nichts an. Worin sollte ich jetzt Reiskuchen und Honigbällchen an­nehmen?’ Die vier Himmelskönige erkannten in ihrem Geist den Gedankengang des Erhabenen. Sie überreichten aus den vier Himmelsrichtungen dem Erhabenen vier steinerne [18] Almosenschalen: „Ehrwürdiger, hiermit möge der Erhabene Reiskuchen und Honigbällchen annehmen.“ Der Erhabene nahm die neuen, stei­nernen Almosenschalen an, nahm damit die Reiskuchen und Honigbällchen an und speiste.

Als die Kaufleute Tapussa und Bhallika sahen, dass der Erhabene seine Hände von der Almosenschale zurückgezogen hatte, neigten sie den Kopf zu Füßen des Erhabenen und sprachen: „Erhabener, wir nehmen unsere Zuflucht zum Erhabenen und zur Lehre. Als Laienanhänger möge uns der Erhabene betrachten von heute ab für die ganze Lebenszeit.“ Diese beiden waren auf der Welt die ersten Laienanhänger, welche die zwei Worte sprachen. [19]


5. Die Erzählung von Brahmas Bitte [20]

7. Dann, nachdem der Erhabene sieben Tage verbracht hatte, erhob er sich aus seiner Versenkung und ging vom „Fürstensitz“ zum Feigenbaum „Ziegenhirt“. Dort angekommen, weilte der Erhabene am Fuß des Feigenbaumes „Ziegenhirt“.

Während also der Erhabene in der Einsamkeit als Eremit lebte, kam ihm der Gedanke: ‘Die von mir erkannte Lehre [21] ist tiefgründig, schwer ersichtlich, schwer zu verstehen, friedvoll, erhaben, beschäftigt sich nicht mit Logik [22] , ist fein­sinnig, nur den Weisen verständlich. Denn am Wünschen haftet [23] die Menschheit, hat Freude am Wünschen, hegt Sympathie für das Wünschen. Darum ist für die am Wünschen hängende, Freude am Wünschen habende, das Wünschen sympa­thisch findende Menschheit diese Lehre schwer ersichtlich, nämlich gerade die Ursächlichkeit des von Bedingtheiten abhängigen Entstehens. Und auch diese Prinzipien sind sehr schwer ersichtlich, nämlich die Beruhigung aller Aktivitäten, das Aufgeben der zu Wiedergeburt führenden Dinge, die Auslöschung des Durs­tes, die Leidenschaftslosigkeit, das völlige Erlöschen, das Nibbāna. Würde ich diese Lehre aufzeigen, würden andere mich nicht verstehen. Das wäre für mich Erschöpfung, das würde [nur] Quälerei für mich sein.’

Und so kamen spontan dem Erhabenen folgende Verse [in den Sinn], die vormals noch nie zu hören waren:

„Was unter Mühen ich erlangt – Genug! Wozu verkündigen?
Von Gier und Hass Befallene – nicht versteh’n sie diese Lehre.
Führt gegenströmig, feinsinnig, subtil, tiefgründig, schwer zu sehn,
unsichtbar für Begehrende, ist von Finsternismassen versperrt.“

Als er eben so darüber nachdachte, neigte sich der Geist des Erhabenen zur Gleichgültigkeit und nicht zur Darlegung der Lehre.

8. Als nun Brahma Sahampati die Überlegung des Erhabenen erkannte, kam ihm dieser Gedanke: ‘Sicherlich wird die gute Welt untergehen, sicher wird die gute Welt völlig zugrundegehen, wenn sich der Geist des Vollendeten, Heiligen, voll­kommen Erwachten zur Gleichgültigkeit neigt und nicht zur Darlegung der Lehre.’

Und so schnell wie ein kräftiger Mann einen gebeugten Arm streckt oder einen gestreckten Arm beugt verschwand Brahma Sahampati aus der Brahmawelt und erschien vor dem Erhabenen. Hier nun legte sich Brahma Sahampati das Obergewand über eine Schulter, beugte das rechte Knie zur Erde, verehrte den Erhabenen mit zusammengelegten Händen und sprach: „Hoher Herr! Verkünden möge der Erhabene die Lehre! Verkünden möge der Vollkommene [24] die Lehre! Es gibt einige Wesen, die von Natur aus wenige Unreinheiten haben [25] , die gehen verloren, wenn sie die Lehre nicht hören. Es werden Verstehende der Lehre da sein.“

So sprach Brahma Sahampati. Danach sagte er noch:

„In Magadha kam früher eine unreine Lehre zum Vorschein, die von Be­fleckten erdacht wurde. Öffne die Tür zur Todlosigkeit. Möge die Lehre gehört werden, die durch einen Makellosen erkannt wurde. Einen der auf einem Felsen auf der Spitze eines Berges steht, würde das Volk von allen Seiten sehen. Dem vergleichbar bist du, Weiser, nachdem du zum höchsten Ort aufstiegst, [nämlich] zur vollständigen Einsicht. Der von Kummer Befreite blickt auf die von Kummer befallenen, von Geburt und Alter beherrschten Völker. Steh auf, Held, im Kampf Siegreicher, Menschen­führer, Schuldloser, gehe in die Welt. Möge der Erhabene die Lehre ver­künden, es werden Verstehende da sein.“ [26]

Als Brahma Sahampati das zum Erhabenen sagte, erwiderte dieser: „Brahma, mir kam der Gedanke: ‘Die von mir erkannte Lehre ist tiefgründig, schwer ersichtlich, schwer zu verstehen, friedvoll, erhaben, beschäftigt sich nicht mit Logik, ist feinsinnig, nur den Weisen verständlich. Denn am Wünschen haftet die Menschheit, hat Freude am Wünschen, hegt Sympathie für das Wünschen. Darum ist für die am Wünschen hängende, Freude am Wünschen habende, das Wünschen sympathisch findende Menschheit diese Lehre schwer ersichtlich, näm­lich gerade die Ursächlichkeit des von Bedingtheiten abhängigen Entstehens. Und auch diese Prinzipien sind sehr schwer ersichtlich, nämlich die Beruhigung aller Aktivitäten, das Aufgeben der zu Wiedergeburt führenden Dinge, die Auslö­schung des Durstes, die Leidenschaftslosigkeit, das völlige Erlöschen, das Nibbā­na. Würde ich diese Lehre aufzeigen, würden andere mich nicht verstehen. Das wäre für mich Erschöpfung, das würde [nur] Quälerei für mich sein.’ Brahma, da kamen mir diese Verse [in den Sinn], die vormals noch nie zu hören waren:

‘Was unter Mühen ich erlangt – Genug! Wozu verkündigen?
Von Gier und Hass Befallene – nicht versteh’n sie diese Lehre.
Führt gegenströmig, feinsinnig, subtil, tiefgründig, schwer zu sehn,
unsichtbar für Begehrende, ist von Finsternismassen versperrt.’
Brahma, da neigte sich bei mir der Geist zur Gleichgültigkeit, nicht zur Darlegung der Lehre.“

 

Zum zweiten Mal sprach Brahma Sahampati zum Erhabenen: „Hoher Herr! Verkünden möge der Erhabene die Lehre! Verkünden möge der Vollkommene die Lehre! Es gibt einige Wesen, die von Natur aus wenige Unreinheiten haben, die gehen verloren, wenn sie die Lehre nicht hören. Es werden Verstehende da sein.“ So sprach Brahma Sahampati. Danach sagte er noch:

„In Magadha kam früher eine unreine Lehre zum Vorschein, die von Be­fleckten erdacht wurde. Öffne die Tür zur Todlosigkeit. Gehört werden möge die Lehre, die durch einen Makellosen erkannt wurde. Um von den Völkern vollständig gesehen zu werden, wie ein Fels auf der Spitze eines Berges stehend, damit vergleichbar bist du, wegen der Lehre, du Weiser, der du zum höchsten Ort aufstiegst, [nämlich] zur vollständigen Einsicht. Der von Kummer Befreite blickt auf die von Kummer befallenen, von Geburt und Alter beherrschten Völker. Steh auf, Held, im Kampf Sieg­reicher, Menschenführer, Schuldloser, gehe in die Welt. Möge der Erha­bene die Lehre verkünden, es werden Verstehende da sein.“

Zum zweiten Mal antwortete der Erhabene dem Brahma Sahampati: „Brah­ma, mir kam der Gedanke: ‘Die von mir erkannte Lehre ist tiefgründig, schwer ersichtlich, schwer zu verstehen, friedvoll, erhaben, beschäftigt sich nicht mit Logik, ist feinsinnig, nur den Weisen verständlich. Denn am Wünschen haftet die Menschheit, hat Freude am Wünschen, hegt Sympathie für das Wünschen. Darum ist für die am Wünschen hängende, Freude am Wünschen habende, das Wünschen sympathisch findende Menschheit diese Lehre schwer ersichtlich, nämlich gerade die Ursächlichkeit des von Bedingtheiten abhängigen Entstehens. Und auch diese Prinzipien sind sehr schwer ersichtlich, nämlich die Beruhigung aller Aktivitäten, das Aufgeben der zu Wiedergeburt führenden Dinge, die Auslöschung des Durs­tes, die Leidenschaftslosigkeit, das völlige Erlöschen, das Nibbāna. Würde ich diese Lehre aufzeigen, würden andere mich nicht verstehen. Das wäre für mich Erschöpfung, das würde [nur] Quälerei für mich sein.’ Brahma, da kamen mir diese Verse [in den Sinn], die vormals noch nie zu hören waren:

‘Was unter Mühen ich erlangt – Genug! Wozu verkündigen?
Von Gier und Hass Befallene – nicht versteh’n sie diese Lehre.
Führt gegenströmig, feinsinnig, subtil, tiefgründig, schwer zu sehn,
unsichtbar für Begehrende, ist von Finsternismassen versperrt.’
Brahma, da neigte sich bei mir der Geist zur Gleichgültigkeit, nicht zur Darlegung der Lehre.“

 

Zum dritten Mal sprach Brahma Sahampati zum Erhabenen: „Hoher Herr! Verkünden möge der Erhabene die Lehre! Verkünden möge der Vollkommene die Lehre! Es gibt einige Wesen, die von Natur aus wenige Unreinheiten haben, die gehen verloren, wenn sie die Lehre nicht hören. Es werden Verstehende da sein.“ So sprach Brahma Sahampati. Danach sagte er noch:

„In Magadha kam früher eine unreine Lehre zum Vorschein, die von Be­fleckten erdacht wurde. Öffne die Tür zur Todlosigkeit. Gehört werden möge die Lehre, die durch einen Makellosen erkannt wurde. Um von den Völkern vollständig gesehen zu werden, wie ein Fels auf der Spitze eines Berges stehend, damit vergleichbar bist du, wegen der Lehre, du Weiser, der du zum höchsten Ort aufstiegst, [nämlich] zur vollständigen Einsicht. Der von Kummer Befreite blickt auf die von Kummer befallenen, von Geburt und Alter beherrschten Völker. Steh auf, Held, im Kampf Sieg­reicher, Menschenführer, Schuldloser, gehe in die Welt. Möge der Erha­bene die Lehre verkünden, es werden Verstehende da sein.“

9. Da erkannte der Erhabene die dringende Bitte des Brahma und Mitgefühl mit den Wesen stieg auf und mit den Augen eines Erwachten betrachtete er die Welt. Und als der Erhabene so mit den Augen eines Erwachten die Welt betrachtete, sah er: ‘Es gibt Wesen mit wenig beschränktem Geist, mit stark beschränktem Geist, mit scharfem Geist, mit schwachem Geist, mit guten Veranlagungen, mit schlech­ten Veranlagungen, gut Belehrbare, schlecht Belehrbare, einige wenige sehen die Gefahren des zu Meidenden für die andere Welt.’ Gleichwie in einem Teich mit blauem Lotos oder in einem Teich mit rotem Lotos oder in einem Teich mit weißem Lotos einige blaue, rote oder weiße Lotospflanzen im Wasser entstanden, im Wasser gewachsen, dem Wasser angepasst, sich unterhalb des Wasserspiegels ernähren, einige wenige blaue oder rote oder weiße Lotospflanzen, im Wasser ent­standen, im Wasser gewachsen, gleichauf mit dem Wasserspiegel stehen, einige wenige blaue oder rote oder weiße Lotospflanzen im Wasser entstanden, im Wasser gewachsen, über den Wasserspiegel hinaus wachsen und so durch das Wasser unberührt dastehen. Genau so sah der Erhabene, als er mit den Augen eines Erwachten die Welt betrachtete, Lebewesen mit wenig beschränktem Geist, mit stark beschränktem Geist, mit scharfem Geist, mit schwachem Geist, mit guten Veranlagungen, mit schlechten Veranlagungen, gut Belehrbare und schlecht Belehrbare und einige wenige, die die Gefahren des zu Meidenden für die andere Welt sehen. Als er das gesehen hatte, richtete der Erhabene diesen Vers an Brahma Sahampati:

„Unverhüllt sind die Tore zur Todlosigkeit den (Zu-)Hörern,
die sich befreien wollen, die Vertrauen haben.
Für schädlich hielt ich’s, Brahma, klug, von der vorzüglichen Lehre
nicht zu sprechen zu den Menschen.“

Als Brahma Sahampati wusste: ‘Der Erhabene verkündet die Lehre’, ver­ehrte er den Erhabenen, umschritt er ihn rechts herum und verschwand von dort.


6. Die ersten fünf Mönche

10. Da kam dem Erhabenen der Gedanke: ‘Wem sollte ich nun zuerst die Lehre verkünden? Wer wird diese Lehre schnell verstehen?’ Daraufhin kam dem Erhabe­nen der Gedanke: ‘Der weise, kluge, erfahrene Āḷāra Kālāma gehört lange Zeit schon zu denen, die nur wenige Unreinheiten haben. Dem Āḷāra Kālāma werde ich zuerst die Lehre verkünden, er wird diese Lehre schnell verstehen.’

Da teilte eine unsichtbare Gottheit dem Erhabenen mit: „Ehrwürdiger, vor sieben Tagen verstarb Āḷāra Kālāma.“ Auch dem Erhabenen kam die Erkenntnis: ‘Vor sieben Tagen ist Āḷāra Kālāma gestorben.’ Dann kam dem Erhabenen [der Gedanke]: ‘Ein großes Wissen hatte Āḷāra Kālāma, hätte er meine Lehre gehört, würde er sie schnell verstanden haben.’

Da kam dem Erhabenen der Gedanke: ‘Wem sollte ich nun zuerst die Lehre verkünden? Wer wird diese Lehre schnell verstehen?’ Daraufhin kam dem Erhabe­nen der Gedanke: ‘Der weise, kluge, erfahrene Udaka Rāmaputta gehört lange Zeit schon zu denen, die nur wenige Unreinheiten haben. Dem Udaka Rāmaputta werde ich zuerst die Lehre verkünden, er wird diese Lehre schnell verstehen.’

Da teilte eine unsichtbare Gottheit dem Erhabenen mit: „Ehrwürdiger, letzte Nacht verstarb Udaka Rāmaputta.“ Auch dem Erhabenen kam die Erkennt­nis: ‘Letzte Nacht ist Udaka Rāmaputta gestorben.’ Dann kam dem Erhabenen [der Gedanke]: ‘Ein großes Wissen hatte Udaka Rāmaputta, hätte er meine Lehre gehört, würde er sie schnell verstanden haben.’

Da kam dem Erhabenen der Gedanke: ‘Wem sollte ich nun zuerst die Lehre verkünden? Wer wird diese Lehre schnell verstehen?’ Daraufhin kam dem Erha­benen der Gedanke: ‘Die Fünfergruppe Asketen [27] war mir sehr hilfreich, hat sich um mich bei meinen energischen Anstrengungen gekümmert. Nun werde ich der Fünfergruppe Asketen zuerst die Lehre verkünden.’

Da kam dem Erhabenen der Gedanke: ‘Wo weilt jetzt die Fünfergruppe Asketen?’ Da sah der Erhabene mit dem himmlischen, reinen, übermenschlichen Auge die Gruppe der fünf Asketen im Tierpark [28] von Isipatana [29] bei Bārāṇasī [30] weilen. Nachdem er in Uruvelā solange weilte, wie es ihm gefiel, brach der Erha­bene zur Reise nach Benares auf. [31]

11. Der Asket Upaka [32] sah den Erhabenen, der auf dem Weg zwischen Gayā und dem Bodhi-Baum war, schaute ihn an und sprach zu ihm: „Bruder, die Gestilltheit deiner Sinne ist erkennbar und deine äußere Erscheinung ist rein und lauter. Unter wem bist du, Bruder, in die Hauslosigkeit gegangen? Wer ist dein Lehrer? Wessen Lehre bekennst du?“

Nachdem das gesagt wurde, sprach der Erhabene zu Upaka, dem Asketen diese Verse:

„Allüberwinder bin ich und allwissend,
in allen Dingen unbeschmutzt.
Hab alles aufgegeben, befreit durch Durstvernichtung.
Erkannte selbst. Nach wem sollte ich mich richten? [33]

Für mich gibt es keinen Lehrer.
Keiner gleicht mir.
Einschließlich der Götterwelt,
gibt’s keinen mir Ebenbürtigen.

Ich bin der Heilige in der Welt.
Ich bin der unübertroffene Meister.
Ich bin der einzige vollkommen Erwachte.
Kalt geworden bin ich, erloschen.

Um das Rad der Lehre in Bewegung zu setzen,
gehe ich zur Stadt Kāsi.
In der blind gewordenen Welt
schlag ich die Trommel der Unsterblichkeit.“

„Wenn das so ist, Bruder, stimmst du zu, dass du der Sieger über das Unbe­grenzte bist?“

„Mir gleich sind die Sieger, die die Vernichtung der Beeinflussungen [34] erreicht haben. Die üblen Dinge sind von mir überwunden worden. Deswegen, Upaka, bin ich der Sieger.“

Nachdem das gesagt war, schüttelte der Asket Upaka den Kopf und er­widerte: „Möge es so sein, Bruder!“, [35] nahm einen Seitenweg und ging fort.

12. Der Erhabene wanderte allmählich nach Benares zum Tierpark in Isipatana und kam der Gruppe der fünf Asketen näher. [36] Die fünf Asketen sahen den Erha­benen aus der Ferne kommen. Als sie ihn sahen, machten sie untereinander aus: „Brüder, der Asket Gotama kommt, er schwelgt im Überfluss, ist von der An­strengung [37] abgewichen, ist zur Üppigkeit zurückgekehrt. Wir verehren ihn nicht, noch erheben wir uns respektvoll, noch nehmen wir ihm Almosenschale und Robe ab, aber falls er sich zu setzen wünscht, geben wir ihm einen Sitz[-platz].“

Je weiter sich der Erhabene den fünf Asketen näherte, um so weniger hielten die fünf Asketen ihre eigene Abmachung nicht ein und gingen dem Erha­benen entgegen. Einer nahm dem Erhabenen Almosenschale und Robe ab, einer machte einen Sitz zurecht, einer stellte Wasser, Schemel und Schüssel zum Waschen der Füße hin. Der Erhabene setzte sich auf den zugewiesenen Sitz und wusch sich die Füße. Aber immer noch redeten sie ihn mit seinem Namen und mit „Bruder“ an.

Weil sie so sprachen, sagte der Erhabene zu den fünf Asketen: „Ihr Aske­ten, redet den Vollendeten nicht mit Namen und ‘Bruder’ an. Ihr Asketen, heilig ist der Vollendete, ein vollkommen Erwachter. Hört zu, ihr Asketen: die Tod­losigkeit ist erlangt worden. Ich belehre [euch], ich zeige [euch] die Lehre [38] . Wenn ihr euch entsprechend des Gelehrten verhaltet, dann verweilt ihr schon bald in dieser unübertroffenen Vervollkommnung des Reinheitswandels, für welchen Zweck edle Söhne vom Haus in die Hauslosigkeit ziehen, sie selbst erfahrend und verwirklichend und das noch in diesem gegenwärtigen Leben.“

Nachdem sie das hörten, sagten die fünf Asketen zum Erhabenen: „Bruder Gotama, du hast durch deinen Wandel, durch diese Praxis, als jemand der tut, was schwer zu tun ist [39] , weder etwas Übermenschliches, noch die vollkommene Ein­sichtserkenntnis erblickt. Wie kannst du etwas Übermenschliches, die vollkomme­ne Einsichtserkenntnis erblicken als einer, der jetzt im Überfluss schwelgt, der von den Anstrengungen abgewichen ist, der zur Üppigkeit zurückgekehrt ist?“

Als das gesagt wurde, sprach der Erhabene zu den fünf Asketen: „Ihr Asketen, der Vollendete ist keiner, der im Überfluss schwelgt, der von den An­strengungen abgewichen ist, der zur Üppigkeit zurückgekehrt ist. Ihr Asketen, heilig ist der Vollendete, ein vollkommen Erwachter. Hört zu, ihr Asketen: die Todlosigkeit ist erlangt worden. Ich belehre [euch], ich zeige [euch] die Lehre. Wenn ihr euch entsprechend des Gelehrten verhaltet, dann verweilt ihr schon bald in dieser unübertroffenen Vervollkommnung des Reinheitswandels, für welchen Zweck edle Söhne vom Haus in die Hauslosigkeit ziehen, sie selbst erfahrend und verwirklichend und das noch in diesem gegenwärtigen Leben.“

Zum zweiten Mal sagten die fünf Asketen zum Erhabenen: „Bruder Gotama, du hast durch deinen Wandel, durch diese Praxis, als jemand der tut, was schwer zu tun ist, weder etwas Übermenschliches, noch die vollkommene Ein­sichtserkenntnis erblickt. Wie kannst du etwas Übermenschliches, die vollkomme­ne Einsichtserkenntnis erblicken als einer, der jetzt im Überfluss schwelgt, der von den Anstrengungen abgewichen ist, der zur Üppigkeit zurückgekehrt ist?“ Zum zweiten Mal sagte der Erhabene den fünf Asketen: „Ihr Asketen, der Vollendete ist keiner, der im Überfluss schwelgt, der von den Anstrengungen abgewichen ist, der zur Üppigkeit zurückgekehrt ist. Ihr Asketen, heilig ist der Vollendete, ein vollkommen Erwachter. Hört zu, ihr Asketen: die Todlosigkeit ist erlangt worden. Ich belehre [euch], ich zeige [euch] die Lehre. Wenn ihr euch entsprechend des Gelehrten verhaltet, dann verweilt ihr schon bald in dieser unübertroffenen Ver­vollkommnung des Reinheitswandels, für welchen Zweck edle Söhne vom Haus in die Hauslosigkeit ziehen, sie selbst erfahrend und verwirklichend und das noch in diesem gegenwärtigen Leben.“ Zum dritten Mal sagten die fünf Asketen zum Erhabenen: „Bruder Gotama, du hast durch deinen Wandel, durch diese Praxis, als jemand der tut, was schwer zu tun ist, weder etwas Übermenschliches, noch die vollkommene Einsichtserkenntnis erblickt. Wie kannst du etwas Übermensch­liches, die vollkommene Einsichtserkenntnis erblicken als einer, der jetzt im Über­fluss schwelgt, der von den Anstrengungen abgewichen ist, der zur Üppigkeit zurückgekehrt ist?“

Danach sprach der Erhabene zu den fünf Asketen: „Ihr Asketen, wisst ihr, ob ich früher etwas Derartiges gesagt habe?“ – „Nein, das haben Sie nicht, Ehr­würdiger [40] .“ – „Ihr Asketen, heilig ist der Vollendete, ein vollkommen Erwachter. Hört zu, ihr Asketen: die Todlosigkeit ist erlangt worden. Ich belehre [euch], ich zeige [euch] die Lehre. Wenn ihr euch entsprechend des Gelehrten verhaltet, dann verweilt ihr schon bald in dieser unübertroffenen Vervollkommnung des Rein­heitswandels, für welchen Zweck edle Söhne vom Haus in die Hauslosigkeit ziehen, sie selbst erfahrend und verwirklichend und das noch in diesem gegen­wärtigen Leben.“ Jetzt [erst] hatte der Erhabene die fünf Asketen überzeugt. Nun schenkten die fünf Asketen dem Erhabenen aufmerksam Gehör und richteten ihren Geist auf die vollkommene Erkenntnis.

[Die Rede, die das Rad der Lehre in Gang setzte] [41]

13. Dann sprach der Erhabene zu den fünf Asketen: „Ihr Asketen! Zwei Extreme [42] gibt es, die ein Hausloser nicht pflegen sollte. Welche zwei? Das ist einerseits die Hingabe an den Genuss der Sinnesfreuden, den niedrigen, ordinären, gewöhn­lichen, unedlen, sinnlosen [43] , und andererseits die Hingabe an die Selbstqual, der leidvollen, unedlen, sinnlosen. Ihr Asketen, diese beiden Extreme vermeidend, ist durch den Vollendeten vollständiges Verständnis des mittleren Weges erlangt worden, des Einsicht gebenden, wissend machenden, der zur Beruhigung, Weis­heit, Erkenntnis, Nibbāna hinführt. Ihr Asketen! Was ist das für ein mittlerer Weg, dessen vollständiges Verständnis durch den Vollendeten erlangt wurde, der Ein­sicht gibt, wissend macht, der zur Beruhigung, Weisheit, Erkenntnis, Nibbāna führt? Es ist dieser edle, achtspurige Weg, nämlich: rechte Ansicht, rechte Gesin­nung, rechte Rede, rechtes Tun, rechter Lebensunterhalt, rechte Anstrengung, rechte Achtsamkeit und rechte Konzentration. Ihr Asketen, das ist der mittlere Weg, dessen vollständiges Verständnis durch den Vollendeten erlangt wurde, der Einsicht gibt, wissend macht, der zur Beruhigung, Weisheit, Erkenntnis, Nibbāna hinführt.

14. Ihr Asketen! Das ist die edle Wahrheit von der Unzulänglichkeit [44] : Geburt ist Leid, Altern ist Leid, Sterben ist Leid, vereint sein mit Ungeliebtem ist Leid, getrennt sein von Geliebtem ist Leid, was man sich wünscht, nicht zu erhalten ist Leid. Kurz gesagt, die fünf Gruppen des Anhaftens sind Unzulänglichkeiten [45] .

Ihr Asketen! Das ist die edle Wahrheit von der Entstehung der Unzuläng­lichkeit: es ist dieser Durst, dieser Wiederdasein schaffende, der mit Freude und Begehren verbundene, überall Gefallen findende, nämlich: Durst nach Sinnes­genuss, Durst nach Werden, Durst nach Vernichtung.

Ihr Asketen! Das ist die edle Wahrheit von der Vernichtung der Unzu­länglichkeit: das ist die restlose Entreizung [46] von jenem Durst, Vernichtung, das Aufgeben, Verzichten, die Befreiung, das Verwerfen.

Ihr Asketen! Das ist die edle Wahrheit vom Weg, der zur Vernichtung der Unzulänglichkeit führt: es ist dieser edle, achtfache Pfad, nämlich: rechte Ansicht, rechte Gesinnung, rechte Rede, rechtes Tun, rechter Lebensunterhalt, rechte Anstrengung, rechte Achtsamkeit, rechte Konzentration.

15. Ihr Asketen! ‘Das ist die edle Wahrheit von der Unzulänglichkeit.’ So ging mir das Auge für die nie zuvor gehörten Wahrheiten auf. Erkenntnis entstand, Weisheit entstand, (höheres) Wissen entstand, Erleuchtung entstand. Ihr Asketen! ‘Die edle Wahrheit von der Unzulänglichkeit muss verstanden werden.’ So ging mir das Auge für die nie zuvor gehörten Wahrheiten auf. Erkenntnis entstand, Weisheit entstand, (höheres) Wissen entstand, Erleuchtung entstand. Ihr Asketen! ‘Die edle Wahrheit von der Unzulänglichkeit ist von mir genau verstanden worden.’ So ging mir das Auge für die nie zuvor gehörten Wahrheiten auf. Erkenntnis entstand, Weisheit entstand, (höheres) Wissen entstand, Erleuchtung entstand.

Ihr Asketen! ‘Das ist die edle Wahrheit von der Entstehung der Unzuläng­lichkeit.’ So ging mir das Auge für die nie zuvor gehörten Wahrheiten auf. Erkenntnis entstand, Weisheit entstand, (höheres) Wissen entstand, Erleuchtung entstand. Ihr Asketen! ‘Das ist die edle Wahrheit von der Entstehung der Unzu­länglichkeit: Es muss die Ursache überwunden werden.’ So ging mir das Auge für die nie zuvor gehörten Wahrheiten auf. Erkenntnis entstand, Weisheit entstand, (höheres) Wissen entstand, Erleuchtung entstand. Ihr Asketen! ‘Das ist die edle Wahrheit von der Entstehung der Unzulänglichkeit, und ich habe die Ursachen überwunden.’ So ging mir das Auge für die nie zuvor gehörten Wahrheiten auf. Erkenntnis entstand, Weisheit entstand, (höheres) Wissen entstand, Erleuchtung entstand.

Ihr Asketen! ‘Das ist die edle Wahrheit von der Vernichtung der Unzu­länglichkeit.’ So ging mir das Auge für die nie zuvor gehörten Wahrheiten auf. Erkenntnis entstand, Weisheit entstand, (höheres) Wissen entstand, Erleuchtung entstand. Ihr Asketen! ‘Die edle Wahrheit von der Vernichtung der Unzuläng­lichkeit ist zu verwirklichen.’ So ging mir das Auge für die nie zuvor gehörten Wahrheiten auf. Erkenntnis entstand, Weisheit entstand, (höheres) Wissen ent­stand, Erleuchtung entstand. Ihr Asketen! ‘Die edle Wahrheit von der Vernichtung der Unzulänglichkeit ist von mir verwirklicht worden.’ So ging mir das Auge für die nie zuvor gehörten Wahrheiten auf. Erkenntnis entstand, Weisheit entstand, (höheres) Wissen entstand, Erleuchtung entstand.

Ihr Asketen! ‘Das ist die edle Wahrheit vom Weg, der zur Vernichtung der Unzulänglichkeit führt.’ So ging mir das Auge für die nie zuvor gehörten Wahr­heiten auf. Erkenntnis entstand, Weisheit entstand, (höheres) Wissen entstand, Erleuchtung entstand. Ihr Asketen! ‘Das ist die edle Wahrheit vom Weg, der zur Vernichtung der Unzulänglichkeit führt: er ist zu entfalten.’ So ging mir das Auge für die nie zuvor gehörten Wahrheiten auf. Erkenntnis entstand, Weisheit entstand, (höheres) Wissen entstand, Erleuchtung entstand. Ihr Asketen! ‘Das ist die edle Wahrheit vom Weg, der zur Vernichtung der Unzulänglichkeit führt, und dieser ist von mir entfaltet worden.’ So ging mir das Auge für die nie zuvor gehörten Wahrheiten auf. Erkenntnis entstand, Weisheit entstand, (höheres) Wissen ent­stand, Erleuchtung entstand.

16. Ihr Asketen, solange mir bezüglich dieser vier edlen Wahrheiten, mit zwölf Gliedern in drei Kategorien gefasst [47] , die Einsichtserkenntnis in Übereinstimmung mit der Wirklichkeit nicht richtig klar geworden ist, bis dahin, ihr Asketen, habe ich nicht gewusst, die vollkommene Erleuchtung zu besitzen und in der Welt mit ihren Göttern, Māras, Brahmas, Asketen und Brahmanen, Menschen und Gott­heiten unübertroffene vollständige Erleuchtung, die höchste vollkommene Er­leuchtung verwirklicht zu haben.

Ihr Asketen, sobald mir in diesen vier edlen Wahrheiten, mit zwölf Glie­dern in drei Kategorien gefasst, die Einsichtserkenntnis in Übereinstimmung mit der Wirklichkeit klar wurde, da, ihr Asketen, wusste ich, dass ich die vollkommene Erleuchtung besitze und in der Welt mit ihren Göttern, Māras, Brahmas, Asketen und Brahmanen, Menschen und Gottheiten die unübertroffene vollständige Erleuchtung, die höchste vollkommene Erleuchtung habe. Erkenntnis und Einsicht kam bei mir auf: ‘Unerschütterlich ist meine Erlösung, das ist [war] die letzte [Wieder-]Geburt, jetzt gibt es kein Wiederwerden.“ So sprach der Erhabene. Erhobenen Geistes freuten sich die fünf Asketen über die Rede des Erhabenen.

Während diese Belehrung dargelegt wurde, ging dem ehrwürdigen Koṇ­ḍañña das klare, reine Auge der Wahrheit auf: ‘Wenn irgend etwas als seine Eigenschaft das Entstehen hat, all das hat als seine Eigenschaft die Vergänglich­keit.’ [48]

17. Als der Erhabene nun das Rad der Lehre in Gang gesetzt hatte, riefen die erdgebundenen Götter [49] : „So hat der Erhabene bei Benares, in Isipatana, im Tier­park das unübertroffene Rad der Lehre in Gang gesetzt und es kann nicht durch Asketen, Brahmanen, Gottheiten, Māra, Brahma oder irgend einem in der Welt angehalten werden.“ Als sie das von den Erdgöttern hörten, riefen die Vier Groß­könige, diese Gottheiten: „So hat der Erhabene bei Benares, in Isipatana, im Tierpark das unübertroffene Rad der Lehre in Gang gesetzt und es kann nicht durch Asketen, Brahmanen, Gottheiten, Māra, Brahma oder irgend einem in der Welt angehalten werden.“ Als sie das von den Vier Großkönigen hörten, riefen die Götter der Dreiunddreißig ... – ... die Yāma-Götter ... – ... die Tusita-Götter ... – ... die Nimmānarati-Götter ... – ... die Paranimmitavasavatti-Götter ... – ... die Brahmakāyikā-Götter: „So hat der Erhabene bei Benares, in Isipatana, im Tierpark das unübertroffene Rad der Lehre in Gang gesetzt und es kann nicht durch Asketen, Brahmanen, Gottheiten, Māra, Brahma oder irgend einem in der Welt angehalten werden.“

In diesem Augenblick, in diesem Moment, sofort drang das Gesagte bis in die Brahmawelten. Dadurch erbebten die zehntausend Weltsphären, erzitterten sie, wurden erschüttert. Ein unermesslich edles Strahlen kam in der Welt zum Vor­schein, dass die Pracht der Götter noch übertraf. Nun sprach der Erhabene diesen Merksatz: „Ja, verstanden hat der Freund [50] Koṇḍañña. Ja, verstanden hat der Freund Koṇḍañña. Darum soll der Name des ehrwürdigen Koṇḍañña Aññāsi­koṇḍañña [51] sein.“

18. Nachdem nun Aññāsikoṇḍañña die Lehre gesehen, die Lehre erlangt, die Lehre verstanden, in die Lehre eingedrungen ist, den (skeptischen) Zweifel überwunden, die Ungewissheit entfernt, unabhängig von anderen Lehrern Selbstvertrauen in der Lehre [52] [des Buddha] erlangt hatte, sprach er zum Erhabenen: „Ich möchte, o Herr, beim Erhabenen die Ordination [53] erhalten, ich möchte auch die Hochordination [54] erhalten.“ – „Komm, Mönch“ [55] , sagte der Erhabene, „gut dargelegt ist die Lehre, führe den Reinheitswandel, um alles Leid zu beenden.“ Das war die Hochordina­tion des Ehrwürdigen.

19. Dann legte der Erhabene den übrigen Asketen die Lehre dar, unterrichtete sie, belehrte sie. Als der Erhabene ihnen so die Lehre darlegte, sie belehrte, da ging beim ehrwürdigen Vappa und dem ehrwürdigen Bhaddiya das klare reine Auge der Wahrheit auf: ‘Wenn irgend etwas als seine Eigenschaft das Entstehen hat, all das hat als seine Eigenschaft die Vergänglichkeit.’

Als sie die Lehre gesehen, die Lehre erlangt, die Lehre verstanden, in die Lehre eingedrungen waren, den [skeptischen] Zweifel überwunden, die Unge­wissheit entfernt, unabhängig von anderen Lehrern Selbstvertrauen in der Lehre [des Buddha] erlangt hatten, sprachen sie zum Erhabenen: „Wir, o Herr, möchten beim Erhabenen die Ordination erhalten, wir möchten auch die Hochordination erhalten.“ – „Kommt, Mönche“, sagte der Erhabene, „gut dargelegt ist die Lehre, führt den Reinheitswandel, um alles Leid zu beenden.“ Das war die Hochordi­nation der Ehrwürdigen.

Während er von dem lebte, was von den drei Mönchen an Almosenspeise gebracht wurde, legte der Erhabene den übrigen Asketen die Lehre dar, unter­richtete und belehrte sie. Auf diese Weise lebte diese Gruppe von sechs [Personen] davon, was die drei Mönche [von deren Almosengang] mitbrachten.

Als der Erhabene ihnen so die Lehre darlegte, sie belehrte, da ging beim ehrwürdigen Mahānāma und dem ehrwürdigen Assaji das klare reine Auge der Wahrheit auf: ‘Wenn irgend etwas als seine Eigenschaft das Entstehen hat, all das hat als seine Eigenschaft die Vergänglichkeit.’

Als sie die Lehre gesehen, die Lehre erlangt, die Lehre verstanden, in die Lehre eingedrungen waren, den [skeptischen] Zweifel überwunden, die Unge­wissheit entfernt, unabhängig von anderen Lehrern Selbstvertrauen in der Lehre [des Buddha] erlangt hatten, sprachen sie zum Erhabenen: „Wir, o Herr, möchten beim Erhabenen die Ordination erhalten, wir möchten auch die Hochordination erhalten.“ – „Kommt, Mönche“, sagte der Erhabene, „gut dargelegt ist die Lehre, führt den Reinheitswandel, um alles Leid zu beenden.“ Das war die Hochordi­nation der Ehrwürdigen.

[Die Rede vom Merkmal der Seelenlosigkeit] [56]

20. Dann sprach der Erhabene zur Fünfergruppe Mönche: „Ihr Mönche! Der Körper [57] ist keine Seele [58] . Wenn nämlich Körperlichkeit die Seele wäre, würde sie nicht zu Beschwernis [59] führen und hinsichtlich der Körperlichkeit könnte man sagen: ‘So soll mein Körper sein!’, ‘So soll mein Körper nicht sein!’ Ihr Mönche, weil aber die Körperlichkeit keine Seele ist, deshalb führt die Körperlichkeit zu Beschwernis und hinsichtlich der Körperlichkeit kann man nicht sagen: ‘So soll meine Körperlichkeit nicht sein!’, ‘So soll meine Körperlichkeit sein!’

Die Gefühle sind keine Seele. Wenn nämlich die Gefühle eine Seele wären, würden sie nicht zu Beschwernis führen und hinsichtlich der Gefühle könnte man sagen: ‘So sollen mein Gefühle sein!’, ‘So sollen meine Gefühle nicht sein!’ Ihr Mönche, weil aber die Gefühle keine Seele sind, deshalb führen die Gefühle zu Beschwernis und hinsichtlich der Gefühle kann man nicht sagen: ‘So sollen meine Gefühle nicht sein!’, ‘So sollen meine Gefühle sein!’

Die Wahrnehmung ist keine Seele. Wenn nämlich die Wahrnehmung eine Seele wäre, würde sie nicht zu Beschwernis führen und hinsichtlich der Wahr­nehmung könnte man sagen: ‘So soll meine Wahrnehmung sein!’, ‘So soll meine Wahrnehmung nicht sein!’ Ihr Mönche, weil aber die Wahrnehmung keine Seele ist, deshalb führt die Wahrnehmung zu Beschwernis und hinsichtlich der Wahr­nehmung kann man nicht sagen: ‘So soll meine Wahrnehmung nicht sein!’, ‘So soll meine Wahrnehmung sein!’

Die Gestaltungen [60] sind keine Seele. Wenn nämlich die Gestaltungen eine Seele wären, würden sie nicht zu Beschwernis führen und hinsichtlich der Gestaltungen könnte man sagen: ‘So sollen meine Gestaltungen sein!’, ‘So sollen meine Gestaltungen nicht sein!’ Ihr Mönche, weil aber die Gestaltungen keine Seele sind, deshalb führen die Gestaltungen zu Beschwernis und hinsichtlich der Gestaltungen kann man nicht sagen: ‘So sollen meine Gestaltungen nicht sein!’, ‘So sollen meine Gestaltungen sein!’

Das Bewusstsein ist keine Seele. Wenn nämlich das Bewusstsein eine Seele wäre, würde es nicht zu Beschwernis führen und hinsichtlich des Bewusst­seins könnte man sagen: ‘So soll mein Bewusstsein sein!’, ‘So soll mein Bewusstsein nicht sein!’ Ihr Mönche, weil aber das Bewusstsein keine Seele ist, deshalb führt das Bewusstsein zu Beschwernis und hinsichtlich des Bewusstseins kann man nicht sagen: ‘So soll mein Bewusstsein nicht sein’, ‘So soll mein Bewusstsein sein!’“

21. „Wie denkt ihr darüber, ihr Mönche? Ist Körperlichkeit beständig oder unbe­ständig?“ – „Unbeständig, Herr.“ – „Wenn aber etwas unbeständig ist, ist das [dann] unzulänglich oder beglückend?“ [61] – „Unzulänglich, Herr.“ – „Wenn aber etwas unbeständig, unzulänglich, veränderlich ist, ist es [dann] angemessen, etwas so zu betrachten: ‘Das ist mein.’, ‘Das bin ich.’, ‘Das ist meine Seele.’?“ – „Nein, ist es nicht, Herr.“ – „Sind Gefühle beständig oder unbeständig?“ – „Unbeständig, Herr“ – „Wenn aber etwas unbeständig ist, ist das [dann] unzulänglich oder beglückend?“ – „Unzulänglich, Herr.“ – „Wenn aber etwas unbeständig, unzulänglich, veränderlich ist, ist es [dann] angemessen, etwas so zu betrachten: ‘Das ist mein.’, ‘Das bin ich.’, ‘Das ist meine Seele.’?“ – „Nein, ist es nicht, Herr.“ – „Ist Wahrnehmung beständig oder unbeständig?“ – „Unbeständig, Herr“ – „Wenn aber etwas unbeständig ist, ist das [dann] unzulänglich oder beglückend?“ – „Unzulänglich, Herr.“ – „Wenn aber etwas unbeständig, unzulänglich, veränder­lich ist, ist es [dann] angemessen, etwas so zu betrachten: ‘Das ist mein.’, ‘Das bin ich.’, ‘Das ist meine Seele.’?“ – „Nein, ist es nicht, Herr.“ – „Sind Gestaltungen beständig oder unbeständig?“ – „Unbeständig, Herr“ – „Wenn aber etwas unbeständig ist, ist das [dann] unzulänglich oder beglückend?“ – „Unzulänglich, Herr.“ – „Wenn aber etwas unbeständig, unzulänglich, veränderlich ist, ist es [dann] angemessen, etwas so zu betrachten: ‘Das ist mein.’, ‘Das bin ich.’, ‘Das ist meine Seele.’?“ – „Nein, ist es nicht, Herr.“ – „Ist Bewusstsein beständig oder unbeständig?“ – „Unbeständig, Herr“ – „Wenn aber etwas unbeständig ist, ist das [dann] unzulänglich oder beglückend?“ – „Unzulänglich, Herr.“ – „Wenn aber etwas unbeständig, unzulänglich, veränderlich ist, ist es [dann] angemessen, etwas so zu betrachten: ‘Das ist mein.’, ‘Das bin ich.’, ‘Das ist meine Seele.’?“ – „Nein, ist es nicht, Herr.“

22. „Deshalb, ihr Mönche, ist etwas Körperliches, also jegliche zukünftige, gegen­wärtige, innerliche oder äußerliche, feste oder instabile, mehr- oder minder­wertige, ferne oder nahe, also sämtliche Körperlichkeit [so zu betrachten]: ‘Das ist nicht mein.’, ‘Das bin nicht ich.’, ‘Das ist nicht meine Seele.’ Auf diese Weise ist das mit Weisheit in Übereinstimmung mit der Wirklichkeit [62] zu sehen.

Deshalb ist Gefühl, also jegliches zukünftiges oder gegenwärtiges, eigenes oder fremdes, heftiges oder subtiles, höher- oder minderwertiges, fernes oder nahes, also sämtliches Gefühl [so zu betrachten]: ‘Das ist nicht mein.’, ‘Das bin nicht ich.’, ‘Das ist nicht meine Seele.’ Auf diese Weise ist das mit Weisheit in Übereinstimmung mit der Wirklichkeit zu sehen.

Deshalb ist Wahrnehmung, also jegliche zukünftige oder gegenwärtige, eigene oder fremde, massive oder subtile, höher- oder minderwertige, ferne oder nahe, also sämtliche Wahrnehmung [so zu betrachten]: ‘Das ist nicht mein.’, ‘Das bin nicht ich.’, ‘Das ist nicht meine Seele.’ Auf diese Weise ist das mit Weisheit in Übereinstimmung mit der Wirklichkeit zu sehen.

Deshalb sind Gestaltungen, also jegliche zukünftige oder gegenwärtige, eigene oder fremde, grobe oder feine, höher- oder minderwertige, ferne oder nahe, also sämtliche Gestaltungen [so zu betrachten]: ‘Das ist nicht mein.’, ‘Das bin nicht ich.’, ‘Das ist nicht meine Seele.’ Auf diese Weise ist das mit Weisheit in Übereinstimmung mit der Wirklichkeit zu sehen.

Deshalb ist Bewusstsein, also jegliches zukünftiges oder gegenwärtiges, eigenes oder fremdes, grobes oder subtiles [63] , höher- oder minderwertiges, fernes oder nahes, also sämtliches Bewusstsein [so zu betrachten]: ‘Das ist nicht mein.’, ‘Das bin nicht ich.’, ‘Das ist nicht meine Seele.’ Auf diese Weise ist das mit Weis­heit in Übereinstimmung mit der Wirklichkeit zu sehen.

23. Ihr Mönche, wenn er es so sieht, wird der gelehrige edle Schüler der Körper­lichkeit überdrüssig, wird der Gefühle überdrüssig, wird der Wahrnehmung über­drüssig, wird der Gestaltungen überdrüssig, wird des Bewusstseins überdrüssig. Überdrüssig geworden wird er leidenschaftslos, leidenschaftslos befreit er sich und durch die Befreiung erkennt er ‘Ich bin befreit. Vernichtet ist [Wieder-] Geburt, der Reinheitswandel ist vollendet, das zu Tuende ist getan, mehr gibt es nicht [zu tun] in diesem Dasein.’“

24. So sprach der Erhabene. Erhobenen Geistes freute sich die Fünfergruppe Mönche über das vom Erhabenen Gesprochene. Als diese Belehrung gegeben wurde, wurde bei den Mönchen der Fünfergruppe der Geist [64] frei von den Beeinflussungen [und] dem Anhaften. Zu dieser Zeit gab es auf der Welt sechs Heilige.


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[1] bodhikathā  Korrekterweise müsste es heißen „Die Erzählung von dem, was [kurz] nach dem Erwachen geschah“ oder, wenn man mit den nächsten Über­schriften vergleicht, „Die Erzählung vom Bodhibaum“, denn Begebenheit trug sich unter einer Pappelfeige (Pippala) zu, der später „Bodhi“-Baum genannt wurde (ficus religiosa).

Im Anhang ist eine Übersichts-Karte mit den Schauplätzen in Bodhgaya.

Die Kontemplation über das bedingt-abhängige Entstehen/Vergehen er­folgte in drei Nachtabschnitten. Es ist kaum anzunehmen, dass der nunmehrige Buddha jede Nacht unter dem Bodhibaum die selben Überlegungen anstellte. Es bleibt sogar offen, ob er das in der ersten oder einer der anderen sieben [→ 13] Nächte tat. Äußerst wichtig ist, was der gerade Erwachte als erstes sprach (– aber zu wem?).

[2] jhāyato  auch: Nachdenkender.

[3] brāhmaṇo  hier im Sinne von sittlich Hochstehender.

[4] kaṅkhā  bemerkenswert, dass hier nicht vicikicchā  (skeptischer Zweifel) steht.

[5] yato pajānāti sahetudhammaṃ  M/T: „denn er schaut das Gesetz der Bedingt­heit“.

[6] yato khayaṃ paccayānaṃ avedī  M/T: „denn er schaut das Gesetz der Auflö­sung“.

[7] >-nigrodha  Ziegenhirt-Banyanbaum (ficus bengalensis). Auf den vermutlichen Stand­ort, wo einst der weitaus­ladende schattenspendende bengalische Feigenbaum ge­standen haben soll, verweist heutigentages diese massive Tafel mit dem Hinweis, dass hier der Buddha die fünfte Woche verbracht haben soll. Man folgt also der legenden­haften Ausschmückung. (→ 26)

Ajapala

[8] huṃhuṅka-jātika  Flechtenasket, der auf seine Kastenzugehörigkeit (Brahmane) eingebildet ist.

[9] ni-huhuṅko  also das Gegenteil von dem, was dieser Brahmane ist.

[10] vedantagū; wenn es um brahmanische Weisheit ginge, würde es vedānaṃ pāragū heißen.

[11] Barringtonia acutangula  Süßwassermangrove, Indische Eiche; nicht unge­wöhnlich, dass unter einem solchen Baum eine Schlange wohnt.

[12]  Als Nāga werden sowohl Schlangen, als auch im Wasser lebende Geister bezeichnet, was bei einer Süßwassermangrove ganz passend ist. Siehe auch Mvg 37, 111 und 281. In der Kunst werden Nāgas meist als Kobra dargestellt, und der Buddha auf den Windungen des Nāga sitzend.

Mucalinda

[13] Die Zahl Sieben hat auch im Buddhismus ikonografische Bedeutung: „Die Sieben, eine männliche Zahl, wird oftmals als die Zahl der Schöpfung und der Perfektion betrachtet.“ [Bunce 2002]

[14] Diese Formulierung fand später Eingang in den täglichen Reflektionen über die Gebrauchsgegenstände (paccavekkhanā).

[15] In einem weitaus jüngeren Text des Mahāyāna spricht Mucalinda den Buddha an: „Ich habe meinen Körper vergrößert, dich siebenmal umschlungen und den Buddha mit meinem Kopf beschirmt. Ich wollte dadurch verhindern, dass du durch Wind, Regen, Mücken [und] Bremsen belästigt wirst.“ [Deeg 2005]

Dutoit übersetzt den an Mucalinda gerichteten Vers so: „Selig ist die Ein­samkeit des Beruhigten, der die Wahrheit gehört hat, der sie erkennt; selig ist die Freiheit vom Leiden in der Welt und die Enthaltsamkeit von den lebenden Wesen. Selig ist das Freisein von Lust in der Welt und die Überwindung der Begierden; die Beseitigung des Stolzes über die eigene Existenz, das ist die höchste Seligkeit.“

[16] rājāyatana  M/T: „Baum ‘Königstätte’“, Chironji-Baum (Buchannia latifolia).

[17] mantha  WPD: „Quirltrank“; PTSD: „eine Art Reiskuchen“; Deeg: „Grütze“.

[18] selamaye; aus Steingut, also tönern ist wahrscheinlicher. Das ist die erste Gabe an den Buddha nach dessem Erwachen. Denn die Schale, in der er seine erste Mahlzeit von Sujāta in Senāni nach der Abwendung von der übertriebenen Askese bekam, hatte er ja der Legende nach dem Fluss übergeben, wo sie entgegen der Strömung fortschwamm.

Schalenspende

   „Die vier Welthüter bringen dem Buddha Bettelschalen dar“

[19] dvevācikā  die beiden [Worte, nämlich Buddha und Dhamma in der Gelübde­formel] sprechend. Sie nahmen beim Buddha und bei der Lehre Zuflucht, denn den Orden gab es noch nicht. Bemerkenswert auch insofern, da der Buddha seine Lehre ja noch gar nicht verkündet hatte.

[20] brāhma-yācana.

[21] dhamma  bedeutet nicht nur „Lehre“, sondern lässt hier durchaus auch mit „Gesetz(-mäßigkeit)“, ja sogar „Ding“ bzw. „Phänomen“ übersetzen.

[22] atakkāvacaro  a+takka+avacara = nicht mit Logik sich beschäftigend.

[23] ālaya-rāma  den Dingen, an denen man haftet, unterwürfig sein.

[24] su-gato  der, dem es gut ergangen ist, Wohlgegangener; Beiname des Buddha.

[25] apparajakkhajātikā  in übertragenem Sinn: „mit nur wenig Staub auf den Augen“.

[26] Sele yathā pabbatamuddhaniṭṭhito; yathāpi passe janataṃ samantato; tathūpa­maṃ dhammamayaṃ sumedha; pāsādamāruyha samantacakkhu; Sokāva­tiṇṇaṃ janatamapetasoko; avekkhassu jātirarābhibhūtaṃ.

IBH nimmt dhammamayaṃ und pasāda zusammen: ”terraced heights of truth“; M/T: „Palast der Wahrheit“; Werba: „Einer der auf einem großen Felsen auf dem Scheitel eines Berges steht, würde das Volk von allen Seiten sehen. Dem vergleichbar bist du, Weiser, nachdem du die aus dem Stoff der Lehre bestehende höchste Palastzinne bestiegen hast.“

Im Mahāyāna (im Vinaya der Mahīśāsaka) wurde diese Begebenheit anders übertragen: Brahma Devarāja sagt: „... Ich habe von meinem Brahma­palast aus alle Vorzeitbuddhas predigen sehen, [und] jetzt möchte ich nur den Weitäugigen bitten, auch die Dharmahalle aufzubauen [und] zu lehren.“ [Deeg 2005]

Im historischen Areal im heutigen Bodhgaya werden noch drei weitere Schauplätze ausgewiesen (→ Anhang, Karte 1). Zum einen die Stelle, wo er sieben Tage unbeweglich und ohne zu zwinkern die Stätte seines Erwachens betrachtet haben soll (animisa) [7], dann noch der Meditationsweg (caṅkama) [5], auf dem der Buddha weitere sieben Tage auf und ab gegangen sein soll, sowie das „Schatzhaus“ (ratanaghāra) [6], wo der Buddha (eine zusätzliche Woche) über das bedingt-abhängige Entstehen-Vergehen (paṭicca-samup­pāda), ja sogar die sieben Bücher des Abhidhamma kontempliert haben soll, die damals noch gar nicht existierten. Diese Orte finden in den frühen Texten der Theravādin keine Erwähnung. Während die zweite Stätte noch Sinn ergibt, widersprechen die beiden anderen den eher nüchternen Schilderung im Mvg. Die Schatzhaus-Geschichte taucht erst in der kommentariellen Literatur auf und klingt sehr gekünstelt. Sie soll dazu dienen, die Authentizität des erst auf dem dritten Konzil in den Kanon aufgenommenen Abhidhamma zu stärken. Die jeweils eine Woche dauernden „Ereignisse“ sind sicherlich legendäre Aufbauschungen mit der ikonografischen Zahl 7 [→ 13], denn mithilfe dieser drei weiteren Episoden werden aus den vier Wochen sieben mal sieben, also 49 Tage.

[27] bhikkhū. Bis diese ordiniert werden, wird hier dem Sinn entsprechend mit „Asketen“ übersetzt.

[28] migadāya; vgl Ja 12.

[29] ṛṣ-patana  (skr) Seher-Rast, auch Seher-Stein, also eine bekannte Stätte der Asketen, etwa 12 Kilometer nördlich von Vārāṇasī (Varanasi).

[30] Im weiteren vereinfacht Benares, was eine Verballhornung von Vārāṇasī ist. Vārāṇasī liegt am linken Ufer der Gaṅgā, dort wo sie das einzige Stückchen auf ihrem Lauf nach Norden, der glückverheißenden Richtung, fließt. Daher ist den Hindus das Westufer so überaus heilig, weil sie an den Ghats (den Badestufen) zur aufgehenden Sonne schauen. Wer hier unter diesen glückver­heißenden Zeichen seinen irdischen Körper aufgibt, der wird eins mit Brahma. Stirbt man dagegen am Ostufer, werde man als Esel wiedergeboren, so glaubt man. Der Name der Stadt leitet sich ab aus Varuṇā und Asi, den beiden Flüssen, zwischen deren Mündung Vārāṇasī liegt. Diese Stadt ist die älteste, durchgehend besiedelte Stadt der Erde. Man nennt sie auch Kashi (von Skr kashya  „hell“), die Stadt des Lichtes. Kashi war einst die Hauptstadt des gleichnamigen Fürstentumes, gelegen zwischen Kosala und Magadha und war (ist) ein bedeutendes Zentrum der Gelehrsamkeit und Religion.

Das „Reich“ Kashi ist zeitweilig autonom gewesen, zeitweilig von Maga­dha oder Aṅga besetzt.

[31] Immerhin etwa 250 Kilometer sind es von Uruvelā bis nach Sārnāth, siehe dazu die Karte 2 im Anhang. Für diese Strecke sind wenigstens 8 bis 10 Tage zu rechnen, denn es ist Juni – die heißeste Jahreszeit und der Buddha ist gewan­dert.

[32] ājīvaka  Anhänger einer deterministischen bzw. fatalistischen Lehre, die vor­wiegend nackt gehen (Digambara, „in Luft gekleidet“ → 265

Digambara

 praktizierender Nacktasket, Indien, sechziger Jahre

[33] = Dhp 353.

[34] āsavas = wörtlich fließen, sowohl hinein- als auch hinaus-.

[35] hupeyya  Dialektform von bhaveyya und kein gängiges Pāli-Wort. M/T: „Es könnte sein“; IBH: „It may be (so).“; Childers: „Maybe.“

[36] Der Ort des Zusammentreffens mit den früheren Mitasketen liegt nach der Anordnung der historischen Schauplätze ein Stückchen vor Isipatana. Hier wurde ein extra Stūpa errichtet, der an dieses Ereignis erinnern soll. Dieser Stūpa heißt „Chaukhaṇḍī“, was „Der Vierseitige“ bedeutet. Der achteckige Turm darauf ist islamische Zutat aus dem Jahr 1588.

Chakhandi

[37] D.h. von den allgemein üblichen asketischen Praktiken.

[38] Dhamma.

[39] dukkarakārikāya  Hier wird auf seine Anstrengungen als Asket angespielt, die er zugunsten des „Schwelgens im Überfluss“ aufgegeben hatte.

[40] Bhante  wtl: „Hoher Herr“, die Anrede für Höherstehende.

[41] Dhammacakkappavattana-sutta  Diese Zwischenüberschrift wurde wegen der Wichtigkeit dieser Rede eingefügt. Den Tag der Lehrverkündung begeht man auch heute noch am Juli-Vollmond (āsāḷha). Am Tag darauf beginnt die (frühe) Regenzeit (vassa).

[42] antā  (Mz) „Enden, Seiten, Kontraste, Gegensätze“.

[43] anattha-saṃhito  Etwas, das nicht zum Wachstum [von Heilsamem] führt.

[44] dukkha  Korrekterweise steht hier „Unzulänglichkeit“, da es die volle Bedeutung dieses Wortes umfasst. Aus Gründen der allgemein üblichen Übertragung wird im weiteren Text aber meist nur „Leid“ verwendet.

[45] dukkhā  Mehrzahl!

[46] vi-rāga  D.h., dass Begehren keinen Reiz (mehr) darstellt.

[47] Gemeint ist der vorhergehende Abschnitt, der in vier Abschnitten jeweils die Vier Edlen Wahrheiten nach: „ist mir aufgegangen“, „muss verwirklicht wer­den“, „ist von mir verwirklicht worden“ aufteilt.

[48] Das ist die Standard-Formulierung für den sog. „Stromeintritt“ (sotāpatti).

[49] saddamanussāvesuṃ  M/T: „ließen folgendes hören“; IBH: ”made this sound heard“.

[50] bho  Anrede für Gleich- oder Höhergestellte „mein Lieber“ – d.h. der Buddha spricht Kondañña als Gleichrangigen an, obwohl dieser „nur“ Stromeingetre­tener, also die erste von vier Stufen der Heiligkeit erreicht hatte.

[51] „Koṇḍañña, der erkannt hat“; M/T: „Añña Koṇḍañña“; PTS: „Aññâtakoṇ­ḍañña“.

[52] sāsana  Buddhalehre; die ersten vier Begriffe sind Zusammensetzungen mit dhamma.

[53] pabbajjā  „Hinausziehen in die Hauslosigkeit“, allgemeinhin die Ordination zum Sāmaṇera, Novize; als jahrelang Askese Praktizierender erscheint ein erneutes „Hinausziehen in die Hauslosigkeit“ etwas unsinnig.

[54] upasampadā  beide Begriffe lassen den Rückschluss zu, dass diese Passage eine Textmodifikation ist, denn die Trennung von pabbajjā und upasampadā erfolgt erst an einem späteren Zeitpunkt (→ Mvg 105).

[55] „ehi bhikkhu“ – die erste Art/Form der Ordination.

[56] Anattalakkhana-sutta  Hier wird zum ersten Mal die Lehre der Substanzlosig­keit, des Nicht-selbst bzw. der Seelenlosigkeit dargelegt. Die herausragende Wichtigkeit dieser Lehrrede wird deutlich wenn man bedenkt, dass nach deren Verstehen den Mönchen der Durchbruch zur Heiligkeit gelang. Diese Lehrrede erscheint im Kanon üblicherweise nicht unter diesem Namen (vgl SN III,59). Deshalb ist die nicht im Urtext befindliche Zwischenüberschrift eingefügt worden.

[57] rūpa  d.h. Materielles; M/T: „sichtbare Gestalt“; IBH: ”body“; Bodhi: ”form“; Nyanaponika: „Körperlichkeit“.

[58] an-attā  Un-beseeltheit, Seelenlosigkeit; Schumann: „Da die Seele (attan) in der indischen Philosophie stets als ewig, den Tod überdauernd verstanden wird, die empirische Person und ihre Komponenten aber alles andere als ewig sind, kann nichts in oder hinter der Person eine Seele sein. ... weil man von einer Seele Freiheit von Krankheit, zudem Beständigkeit über den Tod hinaus und Leidfreiheit erwarten muss. Mit der Ablehnung des Seelenglaubens hatte sich der Buddha zur indischen Theorie der Seelenwanderung in Opposition gestellt.“

[59] ābādha  „Krankheit, Leidhaftigkeit, Sorge, Bedrängnis, Schmerz, Leiden“.

[60] saṅkhārā  Willen; M/T: „Aktivitäten“; IBH: ”habitual tendencies“.

[61] Der Gegensatz dukkhaṃ sukhaṃ wird meist mit leidhaft – freudvoll übersetzt und lässt sich im Deutschen schlecht 1:1 darstellen. Die Vorsilbe du- ist verschlechternd und su- verbessernd. Khama ließe sich sinngemäß mit „1. Ge­duld, Erdulden, Ertragen; 2. passend, möglich, geeignet“ übersetzen. Demnach würde dukkha „Übles erduldend (= Leiden)“ und sukha das Gegenteil davon (= Glück) bedeuten.

[62] Da es mit der Wirklichkeit übereinstimmt.

[63] Hier wäre passend mit Ober- und Unterbewusstsein zu übertragen.

[64] citta.


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