Vinaya Pitaka

Culla Vagga 7

VII. 2-5 DEVADATTO

Unter den vielen Sakyern, die dem Erwachten in den Orden nachfolgten, war auch sein Vetter (und Schwager) Devadatto. Während die anderen dieser Sakyer hohe Grade der Gesichertheit gewannen, erreichte Devadatto lediglich "gewöhnliche weltliche Magie." Die weiteren Abschnitte von CV VII berichten, welchen entsetzlichen Weg dieser wahrhaft Unselige einschlug:

 

2. Nachdem der Erhabene so lange in Anupiya geweilt hatte, wie es ihm richtig erschien, begab er sich auf den Weg nach Kosambi. Von Ort zu Ort wandernd, traf er in Kosambi ein. Dort nahm er im Ghositakloster seinen Aufenthalt. Zu der Zeit ging Devadatto, der einsam und abgesondert weilte, folgende Überlegung durch den Kopf: "Wen könnte ich mir geneigt machen, damit ich, wenn er mir wohlgesonnen ist, zu viel Erfolg, Ehre und Ruhm komme?" Da fiel Devadatto ein: "Dieser Prinz Ajātasattu ist jung und hat eine glänzende Zukunft vor sich. Wie wäre es, wenn ich mir diesen Prinzen Ajātasattu geneigt mache, damit ich, wenn er mir wohlgesonnen ist, zu viel Erfolg, Ehre und Ruhm komme?" Da räumte Devadatto seine Lagerstatt zusammen, nahm Obergewand und Schale und brach nach Rajagaha auf. Schritt für Schritt gelangte er nach Rājagaha.

 

Nun legte Devadatto seine eigene Gestalt ab, nahm die Gestalt eines mit Schlangen umgürteten Jünglings an und erschien vor Prinz Ajātasattu. Prinz Ajātasattu erschrak, es war ihm bange, er fürchtete sich, war bestürzt. Da sprach Devadatto zu Prinz Ajātasattu: "Hast du Angst vor mir, Prinz?" – "Ja, ich habe Angst. Wer bist du?" – "Ich bin Devadatto." – "Wenn du Devadatto bist, verehrter Herr, dann erscheine in deiner eige­nen Gestalt!" Da legte Devadatto die Jünglingsgestalt ab und stand mit Obergewand, Robe und Schale vor Prinz Ajātasattu. Prinz Ajātasattu war von diesem Wunder von Devadattos magi­scher Macht begeistert, und jeden Morgen und jeden Abend machte er ihm mit fünfhundert Wagen seine Aufwartung und ließ fünfhundert Portionen gekochten Milchreis als Spende brin­gen. Von dieser Überfülle an Erfolg, Ehre und Ruhm wurde Devadattos Herz überwältigt, und es stieg in ihm ein Verlangen in der Richtung auf: "Ich will den Mönchsorden leiten." [43] Mit dem Aufsteigen dieses Verlangens im Herzen verlor Devadatto seine magische Macht.

 

Zu der Zeit war gerade Kakudho, der Koliyer, der Helfer des ehrwürdigen Mahāmoggallāno, gestorben und in aus Geist ge­bildeter Gestalt wiedererschienen mit einer Selbstgestaltung so groß wie zwei, drei Magādher Dorfgemarkungen, die aber we­der ihm noch anderen zur Last fiel. Der Göttersohn Kakudho begab sich nun zum ehrwürdigen Mahāmoggallāno, grüßte ihn ehrerbietig und stellte sich seitwärts. Seitwärts stehend sprach er zum ehrwürdigen Mahāmoggallāno: "Herr, Devadattos Herz wurde von der Überfülle an Erfolg, Ehre und Ruhm überwäl­tigt, und es stieg in ihm ein Verlangen in der Richtung auf: 'Ich will den Mönchsorden leiten'. Mit dem Aufsteigen dieses Ver­langens im Herzen verlor Devadatto seine magische Macht." So sprach der Göttersohn Kakudho, grüßte den ehrwürdigen Mahāmoggallāno mit zusammengelegten Händen und entschwand.

 

Da begab sich der ehrwürdige Mahāmoggallāno zum Erhabenen und berichtete den ganzen Hergang. – "Aber wie, Moggallāno: hast du denn, das Gemüt mit dem Gemüt umfassend, bei Kakudho gesehen: 'Alles, was der Göttersohn Kakudho sagt, alles das ist so und nicht anders?'" – "Herr, das Gemüt mit dein Gemüt umfassend, habe ich bei Kakudho gesehen: 'Alles, was der Göt­tersohn Kakudho sagt, alles das ist so und nicht anders.'" – "Behalte diese Aussage für dich [44] Moggallāno, behalte diese Aus­sage für dich. Dieser verblendete Mann wird sich selber verraten.

 

Fünf Arten von Meistern sind in der Welt zu finden, Moggal­lāno, welche fünf?

 

Da nimmt ein Meister, obwohl er nicht vollkommen in Tugend ist, für sich in Anspruch: 'Ich bin vollkom­men in Tugend', und behauptet: 'Meine Tugend ist rein, lauter, fleckenlos.' Seine Schüler sehen: 'Obwohl er nicht vollkommen in Tugend ist, nimmt dieser Herr Meister für sich in Anspruch er sei vollkommen in Tugend, und sagt, seine Tugend sei rein, lauter, fleckenlos. Wenn wir das Hausleuten erzählen würden, wäre es ihm nicht angenehm; was ihm aber unangenehm ist ‑ wie sollen wir damit umgehen? Er schätzt doch die Versorgung mit Kleidung, Almosenspeise, Lagerstatt, Arznei im Fall der Krankheit. Wie du mir, so ich dir!' Bei einem solchen Meister, Moggallāno, drücken die Schüler in puncto Tugend ein Auge zu, und der Meister erwartet von den Schülern, daß sie in puncto Tugend ein Auge zudrücken.

 

Weiter, Moggallāno: Da nimmt ein Meister, obwohl er nicht vollkommen in der Lebensführung ist, für sich in Anspruch: 'Ich bin vollkommen in der Lebensführung'..., obwohl er nicht vollkommen in der Lehrdarlegung ist, für sich in Anspruch: 'Ich bin vollkommen in der Lehrdarlegung'..., obwohl er nicht vollkommen im Erklären ist, für sich in Anspruch: 'Ich bin vollkommen im Erklären', obwohl er nicht vollkommen im Erkenntnisblick ist, für sich in Anspruch: 'Ich bin vollkommen im Erkenntnisblick'.

 

Diese fünf Arten von Meistern sind in der Welt zu finden, Moggallāno. Ich aber, Moggallāno, bin vollkommen in der Tugend, in der Lebensführung, in der Lehrdarlegung, im Erklären, im Erkenntnisblick und sehe: So bin ich: Meine Tugend, Lebensführung, Lehrdarlegung, Erklärung, mein Erkenntnisblick ist rein, lauter, fleckenlos. Bei mir brauchen meine Schüler wegen dieser Dinge kein Auge zuzudrücken, und ich erwarte nicht von meinen Schülern, daß sie ein Auge zudrücken."

 

Nachdem nun der Erhabene so lange in Kosambi geweilt hatte, wie es ihm richtig erschien, brach er nach Rājagaha auf. Von Ort zu Ort wandernd gelangte er nach Rājagaha. Dort nahm er seinen Aufenthalt im Bambushain am Futterplatz der Eichhörnchen. Da begaben sich viele Mönche zum Erhabenen, grüßten ihn ehrerbietig und setzten sich seitwärts. Seitwärts sitzend, sprachen diese Mönche zum Erhabenen: "Herr, Prinz Ajātasattu macht jeden Morgen und jeden Abend Devadatto mit fünfhundert Wagen seine Aufwartung und läßt fünfhundert Portionen gekochten Milchreis als Spende bringen." – "Mönche, beneidet Devadatto nicht wegen dieser Überfülle an Gewinn und Ansehen. Denn, Mönche, solange Prinz Ajātasattu jeden Morgen und jeden Abend Devadatto mit fünfhundert Wagen seine Aufwartung macht und fünfhundert Portionen gekochten Milchreis als Spende bringen läßt, hat Devadatto einen Verfall an heilstauglichen Eigenschaften zu erwarten, keine Zunahme. Wie wenn ein wilder Hund, dem eine Gallenblase auf der Nase zerdrückt würde, nur immer wilder würde, Mönche, so hat Devadatto, solange Prinz Ajātasattu jeden Morgen und jeden Abend Devadatto mit fünfhundert Wagen seine Aufwartung macht und fünfhundert Portionen gekochten Milchreis als Spende bringen läßt, einen Verfall an heilstauglichen Eigenschaften zu erwarten, keine Zunahme. Zu seiner eigenen Zerstörung, Mönche, sind über Devadatto Erfolg, Ehre und Ruhm gekommen zu seinem eigenen Ruin, wie der Bananenbaum ..., der Bambus, ... das Schilf, zerstört wird, wenn es Frucht trägt, ... wie die Schwangerschaft dem Maultier den Untergang bringt, so sind über Devadatto Erfolg, Ehre und Ruhm zu seiner eigenen Zerstörung, zu seinem eigenen Ruin gekommen.

 

Frucht [45] fällt den Bananenbaum,
Frucht fällt Bambus, Frucht fällt Schilfrohr.
Ruhm und Ehre fällt Verderbte
wie die Leibesfrucht das Maultier."

 

3. Um jene Zeit saß eimal der Erhabene inmitten einer großen Versammlung und legte die Lehre dar. In der Versammlung saß auch der König. Da erhob sich Devadatto von seinem Sitz, ordnete das Obergewand über der einen Schulter, grüßte den Erhabenen mit zusammengelegten Händen und sprach zum Erhabenen: "Herr, der Erhabene ist nun hinfällig, gebrechlich, ein Greis, ist seinen Lebensweg gegangen, alt geworden, zu hohen Jahren gekommen; der erhabene Herr könnte doch nun selbstgenugsam in seliger Gegenwart verweilen und den Mönchsorden mir überlassen. Ich werde den Mönchsorden leiten." – "Hör auf, Devadatto, laß es dir nicht einfallen, den Mönchsorden zu leiten." Aber ein zweites und ein drittes Mal sprach Devadatto zum Erhabenen: "Herr, der Erhabene ist nun ... alt geworden, ... der erhabene Herr könnte doch nun selbstgenügsam in selig er Gegenwart verweilen und den Mönchsorden mir überlassen. Ich werde den Mönchsorden leiten." – "Nicht einmal Sāriputto und Moggallāno würde ich den Mönchsorden überlassen, Devadatto, wie erst dir verdorbenem Abschaum." [45a]

 

Da stieg es in Devadatto hoch: "Der Erhabene hat mich in einer Versammlung in Gegenwart des Königs mit dem Ausdruck 'verdorbener Abschaum' verunglimpft und Sāriputto und Moggallāno herausgestrichen!", und erbost und mißmutig grüßte er den Erhabenen mit zusammengelegten Händen und ver­schwand. Und das war das erste Mal, daß Devadatto Haß gegen den Erhabenen empfand.

 

Da wandte sich der Erhabene an die Mönche: "Mönche, der Orden soll in Rājagaha eine förmliche Bekanntmachung über Devadatto erlassen, daß Devadatto jetzt von anderer Art ist, als er früher war und daß hinter allem, was Devadatto durch Zei­chen oder mit der Sprache äußert, weder der Erwachte noch die Lehre, noch der Orden steht, sondern allein Devadatto."

 

(Und der Erhabene legte im Einzelnen das Verfahren fest, in dem diese förmliche Bekanntmachung vom Orden zu beschlie­ßen sei.)

 

Dann wandte sich der Erhabene an Sāriputto: "Gehe du, Sāri­putto, nach Rājagaha und verkünde die Bekanntmachung über Devadatto." – "Herr, früher habe ich in Rājagaha Devadatto gerühmt: Magiegewaltig ist Godhis Sohn, machtvoll'. Herr, wie kann ich da in Rājagaha die Bekanntmachung über Devadatto verkünden?" – "War das nicht die Wahrheit, als du in Rājagaha Devadatto gerühmt hast: Magiegewaltig ist Godhis Sohn, macht­voll?" – "So ist es, Herr," bestätigte der ehrwürdige Sāriputto. – "Ebenso ist es die reine Wahrheit, wenn du in Rājagaha die Bekanntmachung über Devadatto verkündest, Sāriputto." – "Allerdings, Herr," stimmte der ehrwürdige Sāriputto zu.

 

Nun sprach der Erhabene zu den Mönchen: "Mönche, der Orden wolle beschließen, daß Sāriputto nach Rājagaha geht und folgende Bekanntmachung über Devadatto verkündet: Devadatto ist jetzt von anderer Art als er früher war; hinter allem, was Devadatto durch Zeichen oder mit der Sprache äu­ßert, steht weder der Erwachte noch die Lehre, noch der Orden, sondern allein Devadatto.'"

 

(Der Erhabene legte nun auch im Einzelnen das Verfahren für diesen förmlichen Zustimmungsbeschluß des Ordens fest.)

 

Nachdem die Zustimmung beschlossen war, begab sich der ehrwürdige Sāriputto mit einer großen Schar von Mönchen nach Rājagaha und verkündete die folgende Bekanntmachung über Devadatto: "Devadatto ist jetzt von anderer Art als er früher war; hinter allem, was Devadatto durch Zeichen oder mit der Sprache äußert, steht weder der Erwachte noch die Lehre noch der Orden, sondern allein Devadatto." Die Menschen, die vertrauenslos oder von schwachem Vertrauen und schwachem Verstand waren, sagten: "Diese Asketen, die Sakyersöhne, sind eifersüchtig auf den Erfolg und den Ruhm Devadattos." Die Menschen aber, die Vertrauen, Zuversicht, Weisheit und einen klaren Verstand hatten, sagten: "Das kann keine Kleinigkeit sein, weswegen der Erhabene in Rājagaha eine förmliche Bekanntmachung über Devadatto verkünden läßt!"

 

Daraufhin begab sich Devadatto zum Prinzen Ajātasattu und sprach zu ihm: "Prinz, früher waren die Menschen langlebig, heute sind sie kurzlebig. Es ist möglich, daß du noch als Prinz stirbst. Darum, Prinz, töte deinen Vater und werde König. Ich werde den Erhabenen töten und Buddha werden." Da überlegte Prinz Ajātasattu: "Meister Devadatto ist magiegewaltig und machtvoll. Der wird hellsehen können," und er band sich einen Dolch an den Oberschenkel und drang in der Morgenfrühe voller Angst, aufgeregt, zitternd und zagend gewaltsam in die königlichen Gemächer ein. Aber die Minister, die den Zugang zu den inneren Gemächern bewachten, sahen den Prinzen Ajātasattu, ergriffen ihn, durchsuchten ihn und entdeckten den Dolch, den er sich an den Oberschenkel gebunden hatte: "Was hast du vor, Prinz?" – "Ich will meinen Vater umbringen." – "Wer hat dich dazu angestiftet?" – "Der ehrwürdige Devadatto." Die einen Minister waren der Meinung: "Der Prinz, Devadatto und alle Mönche sollten hingerichtet werden." Einige Minister meinten: "Nicht die Mönche sollten hingerichtet werden; die Mönche haben niemandem etwas zuleide getan. Aber der Prinz und Devadatto müßten hingerichtet werden." Einige Minister schlugen vor: "Nicht der Prinz, nicht Devadatto und auch nicht die Mönche dürfen hingerichtet werden. Wir müssen es dem König melden, und was der König sagt, das sollten wir tun."

 

Da packten die Minister den Prinzen Ajātasattu, gingen zu dem König Seniyo Bimbisāro von Magadhā und meldeten ihm den Vorfall. Er sprach: "Ihr Guten: zu welcher Meinung sind denn meine Minister gekommen?" – "Majestät, einige Minister waren der Meinung: 'Der Prinz Devadatto und alle Mönche sollten hingerichtet werden;' einige meinten: 'Nicht die Mönche sollten hingerichtet werden; die Mönche haben niemandem etwas zuleide getan. Aber der Prinz und Devadatto müssten hingerichtet werden;' einige schlugen vor: Nicht der Prinz, nicht Devadatto und auch nicht die Mönche dürfen hingerichtet werden. Wir müssen es dem König melden, und was der König sagt, das sollten wir tun." Da sprach König Seniyo Bimbisāro von Magadhā: "Ihr Guten: Was kann denn der Erwachte, die Lehre, der Orden damit zu tun haben? Hat nicht der Erhabene in Rājagaha eine förmliche Bekanntmachung über Devadatto verkünden lassen: Devadatto ist jetzt von anderer Art als er früher war; hinter allem, was Devadatto durch Zeichen oder mit der Sprache äußert, steht weder der Erwachte noch die Lehre, noch der Orden, sondern allein Devadatto'!"

 

Die Minister, die vorgeschlagen hatten, den Prinzen und Devadatto und alle Mönche hinzurichten, entließ er wegen Unfähigkeit. Die Minister, die vorgeschlagen hatten, nicht die Mönche sollten hingerichtet werden; die hätten niemandem etwas zuleide getan, aber der Prinz und Devadatto sollten hingerichtet werden, versetzte er in niedrigere Stellungen. Die Minister, die der Meinung waren: 'Nicht der Prinz, nicht Devadatto und auch nicht die Mönche dürfen hingerichtet werden. Wir müssen es dem König melden, und was der König sagt, das sollten wir tun', versetzte er in hohe Ämter.

 

Dann sprach König Seniyo Bimbisāro von Magadhā zum Prinzen Ajātasattu: "Prinz, warum hast du mich umbringen wollen?" – "Majestät, ich will die Königsherrschaft!" – "Wenn es das ist, Prinz, daß du die Königsherrschaft willst: Dieses Reich sei dein" und er übergab die Königsherrschaft an Prinz Ajātasattu.

 

Da begab sich Devadatto zu Prinz Ajātasattu und sprach zu ihm: "Majestät, befiehl deinen Leuten, dem Asketen Gotamo das Leben zu nehmen!" Da befahl Prinz Ajātasattu seinen Leuten: "Gute Leute, tut alles, was Meister Devadatto sagt!"

 

Devadatto ließ einen Mann herholen und sagte zu ihm: "Geh, Freund; irgendwo hier herum hält sich der Asket Gotamo auf. Bring ihn um, und dann komm auf dem und dem Weg zurück." Auf diesen Weg setzte er zwei Mann an; denen sagte er: "Jeden Mann, der allein diesen Weg daherkommt, bringt um und kehrt auf jenem Weg zurück." Auf jenen Weg setzte er vier Mann an: "Wenn zwei Männer diesen Weg daherkommen, dann bringt sie um und kehrt auf jenem Weg zurück." Auf jenen Weg setzte er acht Mann an: "Wenn vier Mann diesen Weg daherkommen, dann bringt sie um und kehrt auf jenem anderen Weg zurück." Auf jenen anderen Weg setzte er sechzehn Mann an: "Wenn acht Mann diesen Weg daherkommen, dann bringt sie um und kommt zurück."

 

Da nahm jener Mann, der allein war, Schwert und Schild, Pfeil und Bogen und ging dorthin, wo der Erhabene weilte. Als er in einiger Entfernung angekommen war, blieb er stehen, voller Angst, aufgeregt, zitternd und zagend, wie gelähmt am ganzen Körper. Da sah der Erhabene diesen Mann dastehen, voller Angst, aufgeregt, zitternd und zagend, wie gelähmt am ganzen Körper, und als er ihn so gesehen hatte, sprach er zu ihm: "Komm, Freund, fürchte dich nicht." Da legte der Mann Schwert und Schild, Pfeil und Bogen beiseite und schritt zum Erhabenen hin. Dort beugte er das Haupt zu des Erhabenen Füßen und sprach zum Erhabenen: "Herr, ein Vergehen hat mich überkommen wie einen Irren, wie einen Toren, wie einen Nichtsnutz, daß ich in verderbter Absicht, in mörderischer Absicht hergekommen bin. Herr, möge der Herr meine Beichte annehmen; ich will mich künftig hüten." – "Allerdings, Freund, hat dich ein Vergehen überkommen wie einen Irren, wie einen Toren, wie einen Nichtsnutz, daß du in verderbter Absicht, in mörderischer Absicht hergekommen bist. Da du aber dein Vergehen als Vergehen eingesehen und bekannt hast, Freund, so nehmen wir das von dir an. Als Fortschritt gilt es ja in der Heilswegweisung, Freund, wenn man ein Vergehen als Vergehen einsieht und bekennt und sich künftig hütet."

 

Nun gab der Erhabene diesem Mann eine allmähliche Einführung in die Lehre: Er sprach mit ihm vom Geben, von der Tugend, von himmlischer Welt, von dem Elend, dem Herabziehenden, Beschmutzenden der Sinnenlüste und vom Segen ihrer Überwindung. Als der Erhabene merkte, daß der Mann im Herzen gesundet, sanft, frei von Hemmungen, zu seinen höchsten Möglichkeiten erhoben, klar geworden war, da gab er die Wahrheitslehre, welche die Erwachten auszeichnet: Vom Leiden, seiner Entwicklung, seiner Ausrodung und der Vorgehensweise. Wie ein reines fleckenloses Gewand sofort Farbe annimmt, so ging diesem Mann, noch wie er da auf seinem Sitze saß, das staubfreie, fleckenlose Auge für die Wahrheit auf: "Was immer auch entstanden ist, muß alles wieder untergehen." Die Wahrheit sehend, bei der Wahrheit angelangt, mit einem Empfinden für die Wahrheit, in die Wahrheit eingemündet, zweifelentronnen, dem Wenn und Aber entgangen, selbständig geworden, auf keinen anderen gestützt in der Anleitung des Meisters, sprach er zum Erhabenen: "Wunderbar, Herr, wunderbar, Herr: Wie wenn man Umgestürztes wieder aufstellte oder einem Verirrten den Weg wiese oder ein Licht in die Finsternis hielte: 'Wer Augen hat, kann die Dinge sehen', so ist vom Erhabenen die Wahrheit gezeigt worden. Zum Erhabenen nehme ich meine Zuflucht, zur Lehre und zum Mönchsorden. Als Anhänger möge mich der Erhabene betrachten, der von heute an danach zu leben begonnen hat." Da sprach der Erhabene zu dem Mann: "Freund, geh nicht den Weg dort, geh diesen Weg hier", und er schickte den Mann auf einen anderen Rückweg.

 

Da dachten jene zwei Männer: "Wo bleibt der einzelne Mann so lange?", und sie gingen weiter, um ihn zu treffen - und sahen den Erhabenen zu Füßen eines Baumes sitzen. Da gingen sie auf ihn zu, grüßten ihn ehrerbietig und setzten sich seitwärts. Ihnen gab der Erhabene eine allmähliche Einführung in die Lehre... So ging diesen beiden Männern, noch wie sie da auf ihren Sitzen saßen, das staubfreie, fleckenlose Auge für die Wahrheit auf... und sie sprachen zum Erhabenen: "Wunderbar, Herr, wunderbar, Herr: Zum Erhabenen nehmen wir Zuflucht, zur Lehre und zum Mönchsorden. Als Anhänger möge uns der Erhabene betrachten, die von heute an danach zu leben begonnen haben." Da sprach der Erhabene zu den beiden Männern: "Freunde, geht nicht jenen Weg dort, geht diesen Weg hier", und er schickte die Männer auf einen anderen Rückweg.

 

(Und mit jenen vier Männern und jenen acht Männern und jenen sechzehn Männern ging es genauso... sie nahmen Zuflucht zum Erhabenen, der Lehre und dem Mönchsorden.)

 

Inzwischen war jener einzelne Mann zu Devadatto zurückgekommen und sprach zu Devadatto: "Herr, ich bin nicht fähig, diesen Erhabenen umzubringen. Von großer Geistesmacht ist dieser Erhabene, von gewaltiger Größe." – "Gut, Freund, dann bringst eben nicht du den Asketen Gotamo um. Dann werde ich eben den Asketen Gotamo selber umbringen."

 

Unterdessen ging der Erhabene am Geierkulm auf und ab. Da stieg Devadatto auf den Geierkulm hinauf und rollte einen mächtigen Stein hinunter und meinte: "Damit werde ich den Asketen Gotamo ums Leben bringen." Aber zwei Bergspitzen stießen zusammen und zermalmten diesen Stein, zwei Splitter sprangen ab und schlugen dem Erhabenen den Fuß blutig. Der Erhabene blickte nach oben und rief Devadatto zu: "Du Wahnsinniger hast eine gewaltige Schuld auf dich geladen, da du aus bösem Willen, in mörderischer Absicht Blut des Vollendeten vergossen hast."

 

Daraufhin wandte sich der Erhabene an die Mönche: "Mönche, das ist die erste der von Devadatto angehäuften Untaten, deren Wirkung ohne Aufschub eintritt: daß er aus bösem Willen, in mörderischer Absicht Blut des Wahrheitfinders vergossen hat."

 

Als die Mönche hörten, daß von Devadatto ein Mordanschlag auf den Erhabenen verübt worden war, da gingen sie rings um die Unterkunft des Erhabenen auf und ab, und ihr Rezitieren machte viel Unruhe und Geräusch. Als der Erhabene diese Unruhe und dieses Geräusch hörte, fragte er den ehrwürdigen Ānando: "Was ist das denn nur für ein Geräusch von Rezitationen?" Der ehrwürdige Ānando berichtete dem Erhabenen: "Herr, die Mönche haben gehört, daß von Devadatto ein Mordanschlag auf den Erhabenen verübt worden ist. Nun gehen sie auf allen Seiten der Unterkunft des Erhabenen auf und ab, um den Erhabenen zu beschützen, zu verteidigen und zu bewachen. Ihr Rezitieren macht diese Unruhe und diesen Lärm." — "Gut, Ānando, sage den Mönchen in meinem Namen: Der Meister läßt die Ehrwürdigen rufen." — "Ja, Herr", antwortete der ehrwürdige Ānando dem Erhabenen ... und rief die Mönche zusammen. Zu den versammelten Mönchen sprach der Erhabene: "Mönche, es ist unmöglich, es kann gar nicht vorkommen, daß ein Vollendeter mit Gewalt des Lebens beraubt wird. Wahrheitfinder erlöschen ohne Gewalt. Gehe jeder von euch, Mönche, zu seiner Behausung. Ein Vollendeter braucht nicht beschützt zu werden."

 

Damals gab es in Rājagaha einen wilden Mörderelefanten namens Nālāgiri. Da ging Devadatto in den Elefantenstall und sprach zu den Elefantenwärtern: "Liebe Leute, ich als Standesgenosse des Königs habe den Einfluß, jemanden aus einer niederen Stellung in eine hohe Stellung zu bringen, und ihm eine Vermehrung von Nahrung und Einkommen zu verschaffen. Also liebe Leute: Wenn der Asket auf dieser Fahrstraße kommt, dann laßt den Elefanten Nālāgiri los und sorgt dafür, daß er dort hingeht." — "Jawohl, Herr", stimmten die Elefantenwärter Devadatto zu. In der Morgenfrühe erhob sich der Erhabene, nahm Obergewand und Almosenschale und ging mit einer großen Schar von Mönchen auf Almosengang. Dabei ging er auf dieser Fahrstraße. Als die Elefantenwärter den Erhabenen kommen sahen, banden sie den Elefanten Nālāgiri los und trieben ihn auf diese Fahrstraße. Als der Elefant Nālāgiri den Erhabenen von weitem kommen sah, stellte er seinen Rüssel auf und stürmte mit erhobenen Ohren und erhobenem Schwanz auf den Erhabenen los. Da sahen die Mönche den Elefanten Nālāgiri heranstürmen und riefen dem Erhabenen zu: "Da kommt der wilde Mörderelefant Nālāgiri die Straße herunter gestürmt. Erhabener Herr, kehre um! Wohlbringer, kehre um!" — "Kommt, Mönche, fürchtet euch nicht; es ist unmöglich, es kann gar nicht vorkommen, daß ein Vollendeter mit Gewalt des Lebens beraubt wird. Wahrheitfinder erlöschen ohne Gewalt." Ein zweites und ein drittes Mal baten die Mönche den Erhabenen, umzukehren und erhielten die gleiche Antwort...

Die Menschen waren in die Langhäuser und in die Rundhäuser gegangen und auf die Dächer gestiegen. Menschen, die vertrauenslos oder von schwachem Vertrauen und schwachem Verstand waren, sagten: "Dieser große Asket sieht lieb aus; der Elefant wird ihm etwas zuleide tun." Die Menschen aber, die Vertrauen, Zuversicht, Weisheit und einen klaren Verstand hatten, sagten: "Gleich wird der Elefantenbulle mit dem höchsten der 'Elefanten' zusammentreffen!" Nun durchstrahlte der Erhabene den Elefanten Nālāgiri mit einem Herzen voll grenzenloser Liebe. Vom Erhabenen mit einem Herzen voll grenzenloser Liebe durchstrahlt, ließ der Elefant Nālāgiri den Rüssel sinken, schritt auf den Erhabenen zu und blieb vor dem Erhabenen stehen. Da streichelte der Erhabene mit seiner Rechten die Stirn des Elefanten und sprach den Elefanten Nālāgiri mit folgender Strophe an:

 

"Tu diesem 'Elefanten' nichts, du Elefant;
denn diesem 'Elefanten' widersteh'n, bringt Leid.
Dem Mörderelefanten, Elefant,
dem steht kein gutes Weitersein bevor.

 

Sei nicht so stolz und nicht so wild,
wer wild ist, kommt auf keine gute Bahn.
Du sollst nur immer tätig sein bei dem,
wodurch du einst auf gute Bahn gelangst."

 

Da saugte der Elefant Nālāgiri mit seinem Rüssel den Staub von den Füßen des Erwachten und streute ihn sich über das eigene Haupt und schritt rückwärts, beugte sich und blickte den Erhabenen lange an. Dann kehrte der Elefant Nālāgiri in den Elefantenstall zurück und stellte sich in seinen Verschlag; und so war der Elefant Nālāgiri gezähmt worden. Da sangen die Leute folgendes Lied:

 

"Mit dem Stock zähmt man die einen,
andere mit Treibstock, Peitsche.
Ohne Stock und ohne Waffe
zähmt der Seher Elefanten."

 

Die Menschen empörten, entrüsteten und erregten sich: "Wie schlecht ist doch dieser Devadatto, ein wie Unseliger, daß er versucht hat, den Asketen Gotamo zu ermorden, der von so großer Geistesmacht ist, von so gewaltiger Größe!" und Deva­dattos Erfolge und Ansehen schwanden und Erfolge und Ansehen des Erhabenen nahmen zu.

Weil nun Devadattos Erfolge und Ansehen schwanden, aß er mit seinem Anhang in den Haushal­tungen, nachdem er dort darum gebettelt und gebettelt hatte.

 

Die Leute tadelten: "Wie können denn diese Asketen, Sakyersöhne, in den Haushaltungen essen, nachdem sie dort darum gebettelt haben! Wer ist nicht auf gut gekochtes Süßes aus!"

 

Das erfuhren die Mönche... Die anspruchslosen Mönche tadel­ten: "Wie kann Devadatto mit seinem Anhang in den Haushal­tungen essen, nachdem sie darum gebettelt und gebettelt ha­ben!" Sie berichteten das dem Erhabenen... "Ist es wahr, Deva­datto, daß du mit deinem Anhang in den Haushaltungen geges­sen hast, nachdem du darum gebettelt und gebettelt hast?" – "Es ist wahr, Herr." Der Erhabene machte Vorhaltungen und gab eine entsprechende Lehrdarlegung. Dann sprach er: "Merkt auf, Mön­che, ich will für die Mönche Essen in Dreiergruppen in den Haushalten regeln aus drei Gründen: um übelgesonnene Leute fernzuhalten, damit es die anständigen Mönche gut haben, damit nicht wegen übler Wünsche der Orden gespalten wird und aus Mitempfinden mit den Familien: Bei Gruppenessen ist nach der Regel zu verfahren." [46]

 

Nun begab sich Devadatto zu Kokāliko Katamorakatissako, den Sohn der adeligen Dame Khanda und Samuddadatto... und sprach: "Freunde, laßt uns doch beim Asketen Gotamo eine Ordensspaltung herbeiführen, Zwietracht säen." Kokāliko erwiderte Devadatto: "Der Asket Gotamo ist von großer Geistes­macht ist, von gewaltiger Größe. Wie können wir da beim Asketen Gotamo eine Ordensspaltung herbeiführen, Zwietracht säen?" – "Kommt, gehen wir zum Asketen Gotamo, beantragen fünf Dinge und sagen: 'Der erhabene Herr hat in vielfacher Weise die Bescheidenheit, die Zufriedenheit, die Abgeschiedenheit, Gewissenhaftigkeit, Zuversicht, Abschichtung, Energieeinsatz ge­priesen. Folgende fünf Dinge führen zu Bescheidenheit, Zufrie­denheit, Abgeschiedenheit, Gewissenhaftigkeit, Zuversicht, Ab­schichtung, Energieeinsatz: Es wäre gut, Herr,

- Das wird der Asket Gotamo nicht geneh­migen. Mit diesen fünf Punkten werden wir die Leute wieder für uns gewinnen, Freunde. Mit diesen fünf Punkten werden wir beim Asketen Gotamo eine Ordensspaltung herbeiführen, Zwietracht säen. Denn die Leute halten viel von einer harten Lebensweise."

 

Nun begab sich Devadatto mit seinem Anhang zum Erhabe­nen, grüßte den Erhabenen ehrerbietig und setzte sich seitwärts. Seitwärts sitzend sprach er zum Erhabenen: "Der erhabene Herr hat in vielfacher Weise Bescheidenheit, Zufriedenheit, Abge­schiedenheit, Gewissenhaftigkeit, Zuversicht, Abschichten, Energieeinsatz gepriesen. Folgende fünf Dinge führen zu all dem: ...wenn die Mönche zeitlebens Waldeinsiedler wären, ...nur von auf dem Almosengang erhaltener Speise leben dürften, ...nur Gewänder aus fortgeworfenen Lumpen tragen dürften, nur un­ter einem Baum nächtigen dürften,... kein Fleisch und keinen Fisch essen dürften, ... wer zuwiderhandelt,... sollte eines Verge­hens schuldig sein." – "Laß es gut sein, Devadatto: Wer will, mag Waldeinsiedler sein; wer will, mag bei einem Dorfleben; wer will, mag nur von Almosenspeise leben; wer will, mag Ein­ladungen annehmen; wer will, mag nur Fetzengewänder tragen; wer will, mag von einem Hausvater ein gespendetes Gewand annehmen; wer will, für acht Monate [47] sich unter einem Baum aufhalten, ist es doch von mir erlaubt worden; Fisch und Fleisch sind (nur) in drei Fällen ein Nahrungsmittel: nicht gesehen, nicht gehört, nicht vermutet." [48]

 

Als er sah, daß der Erhabene die fünf Punkte nicht geneh­migt, erhob sich Devadatto vergnügt und aufgeräumt mit sei­nem Anhang von seinem Sitz, grüßte den Erhabenen, umwan­delte ihn nach rechts und ging.

 

Dann zog Devadatto mit seinem Anhang nach Rājagaha und verkündigte den Leuten seine fünf Punkte: "Ich habe beim As­keten Gotamo die Einführung dieser fünf Punkte beantragt... Diese fünf Punkte will der Asket Gotamo nicht einführen; aber wir werden diese fünf Punkte auf uns nehmen."

 

Da sagten die Menschen, die vertrauenslos oder von schwa­chem Vertrauen und schwachem Verstand waren: "Diese Aske­ten und Sakyersöhne hier leben entsagungsvoll und abgeschie­den; der Asket Gotamo dagegen lebt im Überfluß und strebt nach Überfluß."

 

Die Menschen aber, die Vertrauen, Zuversicht, Weisheit und einen klaren Verstand hatten, empörten, entrüsteten und erreg­ten sich: "Wie kann dieser Devadatto in den Orden des Erhabe­nen Spaltung und Zwietracht hineintragen!"

 

Diese Beschwerde der Menschen hörten die Mönche. Die anspruchslosen Mönche tadelten: "Wie kann Devadatto eine Ordensspaltung und Zwietracht im Orden betreiben!"

 

Die Mönche berichteten es dem Erhabenen...

 

Der Erhabene fragte Devadatto: "Ist es wahr, Devadatto, daß du eine Ordensspaltung und Zwietracht im Orden betreibst?" – "Das ist wahr, Herr." [49] "Schluß damit, Devadatto, entscheide dich nicht für eine Ordensspaltung! Eine todernste Sache ist eine Or­densspaltung, Devadatto. Wer einen einigen Orden spaltet, Devadatto, der erzeugt eine weltzeitalterdurchziehende Untat, die ihn ein Weltzeitalter lang in der Hölle kocht; wer dagegen einen gespaltenen Orden zur Einigkeit führt, der erzeugt brahmisches Verdienst und freut sich ein Weltzeitalter lang in himmlischem Dasein. Devadatto, entscheide dich nicht für eine Ordensspaltung! Eine todernste Sache ist eine Ordensspaltung, Devadatto."

 

Nun hatte sich der ehrwürdige Ānando in der Morgenfrühe erhoben, hatte Obergewand und Almosenschale genommen und war nach Rājagaha auf Almosengang gegangen. Da sah Devadatto den ehrwürdigen Ānando, ... ging auf ihn zu und sprach ihn an: "Freund Ānando, von heute an werde ich den Feiertag und die Ordensobliegenheiten getrennt vom Erhabenen und getrennt vom Orden ausrichten."

 

Da begab sich der ehrwürdige Ānando nach dem Almosen­gang und nachdem er das Mahl beendet hatte, zum Erhabenen, grüßte den Erhabenen ehrerbietig und setzte sich seitwärts. Seit­wärts sitzend, sprach er zum Erhabenen: "Herr, heute auf dem Almosengang in Rājagaha ... ist Devadatto auf mich zugekom­men und hat gesagt: Freund Ānando, von heute an werde ich den Feiertag und die Ordensobliegenheiten getrennt vom Erha­benen und getrennt vom Orden ausrichten." Auf diese Nach­richt hin tat der Erhabene folgenden Ausspruch:

 

"Gut handeln fällt dem Guten leicht.
Gut handeln fällt dem Schlechten schwer.
Dem Schlechten fällt das Schlechte leicht.
Heilsgängern fällt das Schlechte schwer." [50]

 

4. Am Uposatha-Feiertag erhob sich Devadatto von seinem Sitz, gab Stimmkarten aus und sprach: "Freunde, ich bin zum Asketen Gotamo gegangen und habe gesagt: Der erhabene Herr hat in vielfacher Weise Bescheidenheit, Zufriedenheit, Abgeschie­denheit, Gewissenhaftigkeit, Zuversicht, Abschichten, Ener­gieeinsatz gepriesen. Folgende fünf Dinge führen zu all dem: ...wenn die Mönche zeitlebens Waldeinsiedler wären, ...nur von auf dem Almosengang erhaltener Speise leben dürften, ...nur Gewänder aus fortgeworfenen Lumpen tragen dürften, nur un­ter einem Baum nächtigen dürften,... kein Fleisch und keinen Fisch essen dürften ...' Diese fünf Punkte will der Asket Gotamo nicht einführen; aber wir wollen diese fünf Punkte auf uns nehmen. Wer mit diesen fünf Punkten einverstanden ist, der nehme sich eine Stimmkarte."

 

Damals waren gerade fünfhundert junge Vajjer aus Vesāli neu in den Orden aufgenommen worden. Die kannten sich noch nicht aus und dachten: "Das ist die Lehre, das ist die Ordensre­gel, das ist die Anleitung des Meisters" und nahmen sich Stimm­karten. Nachdem Devadatto den Orden auf diese Weise gespal­ten hatte, ging er zum Geierkulm und nahm die fünfhundert Mönche mit. Da begaben sich Sāriputto und Mahāmoggallāno zum Erhabenen... und meldeten dem Erhabenen: "Devadatto hat den Orden gespalten und ist mit fünfhundert Mönchen unterwegs zum Geierkulm." – "Kannst du dich denn nicht dieser neuen Mönche erbarmen, Sāriputto? Geh, Sāriputto, ehe diese Mönche in Not und Verwirrung geraten!" – "Ja, Herr", antworteten Sāriputto und Mahāmoggallāno dem Erhabenen, er­hoben sich von ihren Sitzen, grüßten den Erhabenen, umwan­delten ihn nach rechts und gingen zum Gayākopf. Unterdessen stand ein Mönch in der Nähe des Erhabenen und weinte. "Warum weinst du denn, Mönch?" — "Sogar die Hauptjünger des Erhabenen, Sāriputto und Mahāmoggallāno, laufen zu Devadatto über und nehmen Devadattos Lehre an!" — "Das ist unmöglich, Mönch, das kann nichtgeschehen, daß Sāriputto und Mahāmoggallāno zu Devadatto überlaufen und Devadattos Lehre annehmen, sondern sie gehen, um die Mönche zu überzeugen."

 

Devadatto saß inmitten einer großen Schar und legte die Lehre dar. Da sah er von weitem Sāriputto und Mahāmoggallāno kommen und sprach zu den Mönchen: "Da könnt ihr sehen, Mönche, wie gut die Lehre von mir dargelegt wird, daß die Hauptjünger des Asketen Gotamo, Sāriputto und Moggallāno zu mir kommen, um von mir die Lehre dargelegt zu erhalten." Auf diese Äußerung hielt aber Kokāliko Devadatto entgegen: "Bruder Devadatto, traue Sāriputto und Moggallāno nicht! Sāriputto und Moggallāno haben üble Absichten und führen Übles im Schild." — "Hör auf,' Freund, laß sie uns willkommen heißen, weil sie von mir die Lehre hören wollen!" Nun bot Devadatto dem ehrwürdigen Sāriputto die Hälfte seines Sitzes an: "Komm, Sāriputto, laß dich hier nieder." — "Laß es gut sein, Freund", sprach der ehrwürdige Sāriputto, nahm einen anderen Sitz und setzte sich seitwärts, und auch der ehrwürdige Mahāmoggallāno nahm einen anderen Sitz und setzte sich seitwärts. Nachdem Devadatto bis weit in die Nacht die Mönche mit einem Lehrvortrag belehrt, angeregt, begeistert und erfreut hatte, bat er den ehrwürdigen Sāriputto: "Frei von Sichtreibenlassen und Schwerfälligkeit ist der Mönchsorden, lasse dir für die Mönche einen Lehrvortrag einfallen, Bruder Sāriputto; mir ist der Rücken müde geworden; ich will ihn ausstrecken." [51] — "Gut, Freund", stimmte der ehrwürdige Sāriputto Devadatto zu.

 

Nun faltete Devadatto sein Obergewand vierfach zusammen, legte sich auf die rechte Seite und schlief sofort ein, weil er ohne Wahrheitsgegenwart und Klarbewußtsein war.

 

Da ermutigte und unterrichtete der ehrwürdige Sāriputto die Mönche durch einen Lehrvortrag über die wunderbare Fähigkeit der Vorhersage (der geistigen und seelischen Vorgänge anderer Wesen), [52] und der ehrwürdige Mahāmoggallāno durch einen Lehrvortrag über die Wunder der Geistesmacht. [53] Da ging diesen Mönchen, nachdem sie so vom ehrwürdigen Sāriputto durch einen Lehrvortrag über die wunderbare Fähigkeit der Vorhersage und vom ehrwürdigen Mahāmoggallāno durch einen Lehrvortrag über die Wunder der Geistesmacht ermutigt und unterrichtet worden waren, das ungetrübte, fleckenlose Auge der Wahrheit auf: "Was immer auch entstanden ist, muß alles wieder untergehen."

 

Nun sprach der ehrwürdige Sāriputto zu den Mönchen: "Brüder, nun laßt uns miteinander zum Erhabenen gehen. Wer sich für die Lehre des Erhabenen entscheidet, der kommt mit." Sāriputto und Moggallāno nahmen diese fünfhundert Mönche mit zum Bambushain.

 

Da weckte Kokāliko Devadatto: "Steh auf, Devadatto! Sāriputto und Moggallāno haben die Mönche weggeführt! Habe ich dir nicht gleich gesagt: Bruder Devadatto, traue Sāriputto und Moggallāno nicht! Sāriputto und Moggallāno haben üble Absichten und führen Übles im Schild?'" Da schoß Devadatto das Blut aus dem Mund.

 

Inzwischen waren Sāriputto und Moggallāno beim Erhabenen angekommen, grüßten den Erhabenen ehrerbietig und setzten sich seitwärts. Seitwärts sitzend sprach der ehrwürdige Sāriputto zum Erhabenen: "Es wäre gut, Herr, wenn die in die Ordensspaltung verwickelten Mönche noch einmal neu ordiniert würden." – "Sāriputto, du kannst nicht einfach die in die Ordensspaltung verwickelten Mönche neu ordinieren! Laß die in die Ordens­spaltung verwickelten Mönche erst lernen, daß sie ein schweres Vergehen zu bekennen haben. Wie hat sich denn Devadatto dir gegenüber verhalten, Sāriputto?" – "Erhabener Herr: Nachdem Devadatto bis weit in die Nacht die Mönche mit einem Lehrvortrag belehrt, angeregt, begeistert und erfreut hatte, bat er mich: Frei von Sichtreibenlassen und Schwerfälligkeit ist der Mönchsorden, Bruder Sāriputto; lasse dir für die Mönche ei­nen Lehrvortrag einfallen.' So hat sich Devadatto mir gegen­über verhalten."

 

Da wandte sich der Erhabene an die Mönche: "Einst lag in einem großen Waldgebiet ein Teich. Dort lebten mächtige Elefan­tenbullen. Die stiegen in diesen Teich hinunter, rissen mit ih­ren Rüsseln Fasern und Stiele von Lotusblumen aus, wuschen sie gut, kauten sie frei von Schlamm und schluckten sie hinun­ter. Davon bekamen sie ein gutes Aussehen und Kraft und blie­ben dadurch von Tod oder tödlichem Schmerz verschont. Aber bei diesen mächtigen Elefantenbullen waren junge Elefanten­kälbchen; die machten es ihnen nach, stiegen in diesen Teich hinunter und rissen mit ihren Rüsseln Fasern und Stiele von Lotusblumen aus; aber sie wuschen sie nicht richtig, kauten sie nicht frei von Schlamm und schluckten sie hinunter. Davon bekamen sie kein gutes Aussehen und keine Kraft, sondern gin­gen dem Tod entgegen oder tödlichem Schmerz. Ebenso, Mön­che, wird der verderbte Devadatto zu Tode kommen, weil er mich imitieren wollte.

 

Das große Wesen, das verwandelt diese Erde,
isst Lotosfasern und bezwingt die Ströme.
Ein Elefantenkalb, das mich kopiert,
das frisst den Schlamm und kommt vom Dreck zu Tode.

 

Zu acht Eigenschaften erwachsen, Mönche, ist ein Mönch fähig, die Botschaft [54] zu bringen, mit welchen acht?

  1. Da ist ein Mönch ein Hörer [55] und
  2. macht (andere) zu Hörern, [56]
  3. er ist ein Lerner [57] und
  4. Unterweiser, [58]
  5. ein Erfahrer [59] und
  6. Erfahrungs­vermittler, [60]
  7. ein Festiger des Verbundenen, [sahitā-sahitassa]
  8. kein Spalter.

Zu diesen acht Eigenschaften erwachsen, Mönche, ist ein Mönch fähig,  die Botschaft zu bringen. Weil Sāriputto zu acht Eigen­schaften erwachsen ist Mönche, ist er fähig,  die Botschaft zu bringen, zu welchen acht? Sāriputto ist ein Hörer und macht (andere) zu Hörern, er ist ein Lerner und Unterweiser, ein Er­fahrer und Erfahrungsvermittler, ein Festiger der Verbundenen, kein Spalter. Weil er zu diesen acht Eigenschaften erwachsen ist, Mönche, ist Sāriputto fähig,  die Botschaft zu bringen.

 

Wer unbefangen stehen kann
vor einer Schar, die Hohes spricht,
wer seinen Faden nicht verliert,
die Unterweisung nicht verbirgt,
nicht wolkig spricht und ungenau,
nie aufgeregt auf Fragen wird ‑
ein solcher Mönch wahrhaftig kann
der Botschaft Überbringer sein.

 

Von acht Falschheiten überwältigt, besessen im Herzen, ist Devadatto unrettbar für die Dauer eines Weltzeitalters dem Abgrund, der Hölle verfallen. Welchen acht? Von (der Abhängigkeit von) Erlangen und Nichterlangen, von Ruhm und Mangel an Ruhm, von Ehre und Unehre, von üblen Wünschen und schlechten Freunden. Von diesen acht Falschheiten überwältigt, besessen im Herzen, ist Devadatto unrettbar für die Dauer eines Weltzeitalters dem Abgrund, der Hölle verfallen. Es ist gut, Mönche,  

 Und warum, Mönche, um welchen Zieles willen soll ein Mönch... Erfolg und Mißerfolg, Ruhm und Schwinden von Ruhm, Ehre und Verachtung, üble Wünsche und schlechte Freunde überwinden und überwinden?

Wenn er... bei Erfolg und Mißerfolg, bei Ruhm und Schwinden von Ruhm, bei Ehre und Verachtung, bei üblen Wünschen und schlechten Freunden nicht beim Überwinden bleibt, Mönche, dann steigen ihm zerstörerische Triebe und Fieber der Leidenschaft auf:

Wenn er aber bei Erfolg und Mißerfolg, bei Ruhm und Schwinden von Ruhm, bei Ehre und Verachtung, bei üblen Wünschen und schlechten Freunden beim Überwinden bleibt, dann gibt es diese zerstörerischen Triebe und dieses Fieber der Leidenschaft nicht.

Um dieses Zieles willen soll ein Mönch ... bei Erfolg und Mißerfolg, bei Ruhm und Schwinden von Ruhm, bei Ehre und Verachtung, bei üblen Wünschen und schlechten Freunden beim Überwinden bleiben.

Deshalb, Mönche, habt ihr euch so zu üben:

will ich beim Überwinden bleiben.'

 

Von drei Falschheiten überwältigt, besessen im Herzen, ist Devadatto unrettbar für die Dauer eines Weltzeitalters dem Abgrund, der Hölle verfallen, welchen drei?

Von diesen drei Falschheiten überwältigt, besessen im Herzen, ist Devadatto unrettbar für die Dauer eines Weltzeitalters dem Abgrund, der Hölle verfallen.

 

Laßt ja nicht hier in dieser Welt
hochkommen, wer da schlecht gewillt.
Ihr könnt an diesem Falle seh'n,
wohin das üble Wünschen führt:

 

Als weise war er wohlbekannt,
für wohlentfaltet hielt man ihn;
daß Devadatto hell von Ruhm
erglänzt, so hört' ich über ihm.

 

Berauscht von dem Gedanken, so
zu sein wie der Vollendete,
hat er die Erzhölle erreicht,
viertorig, die entsetzliche.

 

Den Haßlosen - wer den versucht,
zu schäd'gen, der nie Schlechtes tut,
- dies Böse trifft den selber nur,
des Herz verderbt, dem Ehrfurcht fehlt.

 

Wer meint, mit einer Tasse Gift
könnt er vergiften rings das Meer
damit vergiftet er es nicht:
Gewaltig [62] ist der Ozean.

 

So geht's, wenn man mit Worten den
Vollendeten zu schäd'gen sucht:
der angelangt ist, herzgestillt ‑
da kommen Worte nicht mehr an.

 

Als Freund gewinnet ihn für euch
und folgt ihm nach mit klarem Blick.
Ein Mönch, der diesen Weg begeht,
erreicht des Leidens Aufhebung."

 

5. Nun begab sich der ehrwürdige Upāli zum Erhabenen, grüßte den Erhabenen und setzte sich seitwärts. Seitwärts sit­zend, sprach er zum Erhabenen: "'Meinungsverschiedenheit im Orden, Herr, Meinungsverschiedenheit im Orden,' sagt man. Wann ist eine Meinungsverschiedenheit im Orden noch keine Ordensspaltung und wann ist eine Meinungsverschiedenheit im Orden eine Ordensspaltung?"- "Wenn einer auf einer Seite ist, Upāli; und zwei auf der anderen Seite, und ein vierter gibt Stimmkarten aus und sagt: 'Das ist die Lehre; das ist die Heilsordnung, das ist die Anleitung des Meisters, stimmt dafür', dann ist das eine Meinungsverschiedenheit im Orden, aber noch keine Ordensspaltung. ...Und ebenso wenn es auf der einen Seite zwei und auf der anderen Seite zwei sind und ein fünfter gibt die Stimmkarten aus... oder wenn es auf der einen Seite zwei und auf der anderen Seite drei sind und ein sechster gibt die Stimmkar­ten aus... oder wenn es auf der einen Seite drei und auf der anderen drei sind und ein siebter gibt die Stimmkarten aus... oder wenn es auf der einen Seite drei und auf der anderen Seite vier sind und ein achter gibt die Stimmkarten aus...

 

Wenn es aber auf der einen Seite vier und auf der anderen Seite vier sind und ein neunter gibt Stimmkarten aus... und sagt: 'Das ist die Lehre; das ist die Ordensregel, das ist die Anlei­tung des Meisters, stimmt dafür', dann ist das eine Meinungs­verschiedenheit im Orden und eine Ordensspaltung. [63]

 

Aber, Upāli, eine Nonne... oder eine übende Klosterschülerin [64] oder ein Novize oder eine Novizin oder ein im Haus nachfolgen­der Anhänger oder eine im Haus nachfolgende Anhängerin kann nicht den Orden spalten, auch wenn sie das anstreben. Nur ein voll ordinierter Mönch, der zur selben Ordensgemeinschaft und zum selben Bezirk gehört, kann den Orden spalten." [65] – "'Ordens­spaltung, Ordensspaltung', heißt es: Wodurch wird denn ein Orden gespalten, Herr?" – "Wenn die Mönche:

 

  1. was nicht die Lehre (adhamma) ist, die Lehre (dhamma) nen­nen und was die Lehre ist, nicht die Lehre nennen,
  2. was keine Ordensregel ist, eine Ordensregel nennen und was eine Ordensregel ist, keine Ordensregel nennen;
  3. was vom Vollendeten Nicht-Verkündetes ist, vom Vollendeten Verkündetes nennen und was vom Vollendeten Verkündetes ist, vom Vollendeten Nicht-Verkündetes nennen;
  4. was vom Vollendeten Nicht-Praktiziertes ist, vom Vollendeten Praktiziertes nennen und was vom Vollendeten Praktiziertes ist, vom Vollendeten Nicht-Praktiziertes nennen;
  5. was vom Vollendeten Nicht-Festgelegtes ist, vom Vollendeten Festgelegtes nennen und was vom Vollendeten Festgelegtes ist, vom Vollendeten Nicht-Festgelegtes nennen;
  6. was kein Vergehen ist, ein Vergehen nennen und was ein Vergehen ist, kein Vergehen nennen;
  7. was ein leichtes Vergehen ist, ein gewichtiges Vergehen nennen und was ein gewichtiges Vergehen ist, ein leichtes Vergehen nennen;
  8. was ein wiedergutzumachendes Vergehen ist, ein nicht wiedergutzumachendes Vergehen nennen und was ein nicht wieder-gutzumachendes Vergehen ist, ein wiedergutzumachendes Vergehen nennen;
  9. was ein verderbtes Vergehen ist, ein nichtverderbtes Vergehen nennen und was ein nichtverderbtes Vergehen ist, ein verderbtes Vergehen nennen 

 

wenn sie wegen dieser achtzehn Punkte fortziehen, sich trennen, gesondert Uposathā abhalten, gesondert Pavārana abhalten, gesonderte Ordensakte abhalten, dann, Upāli, ist ein Orden gespalten". [66]

 

"Herr, man sagt: 'Orden in Eintracht, Orden in Eintracht.' Wann ist der Orden in Eintracht?" – "Wenn die Mönche:

 

  1. was nicht die Lehre ist, nicht die Lehre nennen, und was die Lehre ist, die Lehre nennen,
  2. was keine Ordensregel (a-vinaya) ist; nicht Ordensregel nennen und was eine Ordensregel (vinaya) ist, Ordensregel nennen;
  3. was vom Vollendeten Nicht-Verkündetes ist, vom Vollendeten Nicht-Verkündetes nennen und was vom Vollendeten Verkündetes ist, vom Vollendeten verkündet nennen;
  4. was vom Vollendeten Nicht-Praktiziertes ist, vom Vollendeten nicht praktiziert nennen und was vom Vollendeten Praktiziertes ist, vom Vollendeten praktiziert nennen;
  5. was vom Vollendeten Festgelegtes ist, vom Vollendeten festgelegt nennen und was vom Vollendeten Nicht-Festgelegtes ist, vom Vollendeten nicht festgelegt nennen;
  6. was kein Vergehen ist, kein Vergehen nennen, und was ein Vergehen ist, Vergehen nennen;
  7. was ein. leichtes Vergehen ist, ein leichtes Vergehen nennen und was ein gewichtiges Vergehen t, ein gewichtig. es Vergehen nennen;
  8. was ein wiedergutzumachendes Vergehen ist, ein wiedergut-zumachendes Vergehen nennen, was ein nicht wiedergutzumachen-des Vergehen ist, ein nicht wiedergutzumachendes Vergehen nennen;
  9. was ein nichtverderbtes Vergehen ist, ein nichtverderbtes Vergehen nennen und was ein verderbtes Vergehen ist, ein verderbtes Vergehen nennen 

 

wenn sie nicht wegen dieser achtzehn Punkte fortziehen, sich nicht trennen, nicht gesondert Uposathā, Pavārana, Ordensakte abhalten, dann, Upāli, ist ein Orden in Eintracht." -

 

"Wer aber den einigen Orden spaltet, Herr, was erwirkt der sich, Herr?" – "Wer den einigen Orden spaltet, Upāli, der schafft damit eine weltzeitalterdurchziehende Untat, die ihn ein Weltzeitalter lang in der Hölle kochen läßt:

 

Zum Abgrund, in die Hölle stürzt
ein Ordensspalter ein Äon.
Wen Spaltung freut, auf Böses aus:
Entjochung hat er sich verwirkt.
Den einigen Orden spaltet' er:
brennt ein Äon im Höllenschlund."

 

- "Wer aber den gespaltenen Orden einigt, Herr, was erwirkt sich der?" – "Wer den gespaltenen Orden einigt, Upāli, der erzeugt sich brahmisches Verdienst und freut sich ein Weltzeitalter lang in himmlischem Dasein:

 

Des Ordens Eintracht bringt nur Wohl
dem Beistand der Geeinigten.
Wen Eintracht freut, die Wahrheit freut,
läßt sich Entjochung nicht entgeh'n.
Wer Einigkeit im Orden schafft,
lebt ein Äon im Himmelsglück." [67]

 

- "Herr, kann es sein, daß einer, der den einigen Orden spal­tet, ein Weltzeitalter lang dem Abgrund, der Hölle unwiderruflich verfallen ist?" – "Das kann sein, Upāli" –  "Herr, kann es auch sein, daß einer, der den einigen Orden spaltet, nicht dem Abgrund, nicht der Hölle, nicht ein Weltzeitalter lang und nicht unwiderruflich verfallen ist?" – "Das kann sein, Upāli." – "Wann aber, Herr, kann es sein, daß einer, der den einigen Orden spaltet, ein Weltzeitalter lang dem Abgrund, der Hölle unwi­derruflich verfallen ist?" – "Da erklärt ein Mönch Nicht-lehrgemäßes als die Lehre. Dabei ist er (innerlich) der Ansicht, daß es nicht lehrgemäß ist. [68]

Bei der Spaltung stellt er falsch dar, was eine lehrwidrige Ansicht ist... was eine lehrgemäße Ansicht ist...

Bei der Spaltung ist er in Zweifel, bildet sich aber die An­sicht, es sei lehrgemäß..

Bei der Spaltung kommt er (innerlich) zu der Ansicht, daß es (doch nicht) lehrgemäß ist...

Zweifelnd bildet er sich bei der Spaltung die Ansicht, es ist (doch) nicht lehrgemäß..

Zweifelnd bildet er sich bei der Spaltung die Ansicht, es sei lehrgemäß..

Zweifelnd gibt er bei der Spaltung eine falsche Darstellung, ob er Zweifel hat...

Nach falscher Darstellung seiner Ansicht, falscher Darstel­lung seiner inneren Einstellung, seiner Absicht, verändert er seinen (angeblichen) Standpunkt, gibt Stimmkarten aus und sagt: Das ist die Lehre, das ist sie Ordensregel. Das ist die Anlei­tung des Meisters. Nehmt euch Stimmkarten und stimmt zu.' - Das, Upāli, ist eine Ordensspaltung, die ein Weltzeitalter lang unwiderruflich zum Abgrund, zur Hölle führt."

 

Und nun nennt der Erwachte noch sämtliche weiteren Fälle, in denen eine Ordensspaltung ein Weltzeitalter lang unwiderruflich zur Hölle führt: Es sind die sämtlichen oben S. 216 genannten achtzehn Fälle der Ordensspaltung, wenn mindestens in einem der achtzehn Punkte der Spalter seine eigene innerste Ansicht falsch darstellt, und sei es auch "nur", daß er in einem der achtzehn Punkte seine bestehenden Zweifel verschweigt und zur Abstimmung aufruft. Da so­wohl in der Pāli-Ausgabe der PTS als auch in der englischen Übersetzung diese zahlreichen Fälle - bis auf die 3 - 4 gröb­sten - so zusammengestrichen worden sind, daß es kaum zum Verständnis ausreicht, sei als Beispiel der 18. Fall (im­mer noch stark gekürzt) rekonstruiert:

 

"Weiter, Upāli: da nennt ein Mönch zwar... nicht 'Lehre' was nicht die Lehre ist,... nicht Ordensregel, was keine ist... nicht vom Vollendeten Nicht-Verkündetes/Praktiziertes/Festgelegtes... `vom Vollendeten Verkündetes/Praktiziertes/Festgelegtes' ... und umgekehrt. Er nennt nicht, was kein Vergehen ist, ein Verge­hen, kein leichtes Vergehen ein gewichtiges, kein wiedergutzu­machendes Vergehen ein 'nichtwiedergutzumachendes', aber er nennt ein verderbtes Vergehen ein nicht verderbtes und ein nicht verderbtes Vergehen ein verderbtes... und ist selber dar­über im Zweifel; aber lauthals stellt er nach außen seine Ansicht, seine Einstellung, seine Absicht und seinen Standpunkt falsch dar, gibt Stimmkarten aus und sagt: Das ist die Lehre, das ist die Ordensregel, das ist die Anleitung des Meisters. Nehmt euch Stimmkarten und stimmt zu!' – das ist eine Ordensspaltung, die ein Weltzeitalter lang unwiderruflich zum Abgrund, zur Hölle führt."


Es sind also drei Fälle zu unterscheiden:

1. Eine Meinungsverschiedenheit selbst über einen der 18 wichtigen Fälle ist dann keine Ordensspaltung, wenn die Mönche nicht deswegen fortziehen, sich trennen, nicht mehr gemeinsam Uposatha, Pavārana oder Ordensakte abhalten, sondern gemeinsam nach den Regeln über die Streitschlichtung vorgehen, notfalls durch Mehrheitsentscheidung einer erweiterten Ordensversammlung. Wer die Ordensverfassung nicht anerkennen will, braucht ja dem Orden nicht beizutreten oder kann jederzeit wieder austreten.

2. Wenn sich die Mönche eines lokalen Sangha mit über acht Mönchen wegen der Meinungsverschiedenheit aber entgegen der vom Erwachten gegebenen klaren Regeln zur Streitschlichtung trennen, wegziehen, Uposatha, Pavārana oder Ordensakte getrennt abhalten, dann liegt eine Ordensspaltung vor, die den Täter "ein Weltzeitalter lang in der Hölle kocht". Aber er kann diese Tat, wie fast jedes schlechte karmische Wirken, durch besseres Wirken wieder auslöschen (Süßwasser über den Salzklumpen gießen - wie es im Gleichnis heißt). Dann ist er nicht unwiederruflich auf ein Weltzeitalter dem Abweg verfallen.

3. Erst wenn der Spalter wider besseres Wissen - und sei es auch nur wider besseres Wissen um die eigenen Zweifel - durch Vortäuschen tiefinnerster zweifelsfreier Überzeugung die Abstimmung zu manipulieren sucht, ist jene äußerste Grenze erreicht, bei der die Perversion den Täter auf ein Aon versengen muß. Dann hat er nicht nur seinen Eigenwillen über die vom Erwachten gegebenen Regeln zur Streitschlichtung gestellt, sondern er hat auch noch zur Manipulierung der Abstimmung seine innerste Gewissensstimme durch lautstarke gespielte Sicherheit vergewaltigt. (Im Christlichen entspricht das der "Sünde wider den Heiligen Geist", die nicht vergeben werden könne.)


 

"Wann aber, Herr, führt eine Ordensspaltung nicht (zwangsläufig) zum Abgrund, zur Hölle, nicht ein Weltzeitalter lang und nicht unwiderruflich?" – "Da nennt ein Mönch zwar ... 'Lehre' was nicht die Lehre ist,... oder eine Ordensregel, was keine Ordensregel ist..., oder er nennt nicht vom Vollendeten Verkündetes / Praktiziertes / Festgelegtes... vom Vollendeten Verkündetes / Praktiziertes / Festgelegtes oder, was kein Vergehen ist, ein Vergehen,... ein leichtes Vergehen ein gewichtiges, ein nicht wiedergutzumachendes Vergehen ein wiedergutzumachendes, ein verderbtes Vergehen ein nicht verderbtes... und umgekehrt... Aber er hat die Ansicht, das sei richtig,  er stellt seine Ansicht, seine Absicht, seine Neigung und seine Einstellung nicht falsch dar, gibt Stimmkarten aus und sagt: Das ist die Lehre, das ist die Ordensregel, das ist die Anleitung des Meisters. Nehmt euch Stimmkarten und stimmt zu!' – das ist eine Ordensspaltung, die nicht (zwangsläufig) in die Hölle führt, nicht ein Weltzeitalter lang und nicht unwiderruflich."

 

Damit wußte Upāli bereits, wie es mit Devadatto unrettbar weitergehen mußte. Und in dem Einleitungsbericht zu Jātaka 466 ist festgehalten, was neun Monaten später geschah:

 

Da erinnerte Devadatto sich der Vorzüge des Tathāgata und dachte: "Ich habe neun Monate lang nachgesonnen, wie ich dem Tathāgata schaden könnte; der Meister aber hegt keinen bösen Gedanken gegen mich, und auch die achtzig großen Ältesten fühlen keinen Haß gegen mich, ich aber bin jetzt durch die Tat, die ich begangen, ein Verlassener geworden. Der Meister hat mich verstoßen und ebenso die großen Ältesten und der Älteste Rāhulo, der erste meiner Verwandten und die Mit­glieder der Königsfamilie der Sakyas. Ich will hingehen und den Meister um Verzeihung bitten."

 

Er gab seinen Begleitern ein Zeichen und ließ sich auf seinem Bett forttragen, und indem er Nacht für Nacht reiste, gelangte er in das Land der Kosalas. Der Älteste Ānando teilte dem Meister mit: "Ehrwürdiger, Devadatto kommt, euch um Verzeihung zu bitten." – "Ānando, Devadatto wird mich nicht zu sehen be­kommen."

 

Als Devadatto dann in der Stadt Sāvatthi angelangt war, teilte es ihm der Älteste noch einmal mit, der Erhabene aber gab dieselbe Antwort. Als Devadatto nahe bei dem Jetavānateiche am Tor des Jetavāna war, da war das Maß seiner Sünden voll. Fieberglut durchdrang seinen Körper und er fühlte das Bedürf­nis, zu baden und Wasser zu trinken. Und er bat: "Brüder, setzt mein Bett nieder, ich will Wasser trinken." Kaum aber hatte man ihn herabgehoben und auf die Erde gestellt, da öffnete sich, noch ehe er sich erfrischen konnte, die große Erde, und im selben Augenblick schoß aus der Avicihölle eine Flamme und hüllte ihn ein. 'Das Maß meiner Sünden ist voll gewor­den', dachte er, und indem er sich an die Vorzüge des Tathāgata erinnerte, sprach er:

 

"Der hundert Zeichen trägt, er sei mein Retter,
der Menschen, wie ein Lenker Stiere, zwingt,
der Wesen Höchstes, er, der Gott der Götter,
der alle Fernen mit dem Blick durchdringt;
mit diesen Knochen hier, mit diesem Leben,
will ich mich in des Buddha Schutz begeben."

 

Während er noch mit diesem Verse seine Zuflucht nahm, fuhr er zur Avicihölle. Selbst der Vollkommen Erwachte konnte an dem Karma, das sich Devadatto durch sein ex­trem pervertiertes Handeln trotz aller Warnungen des Er­wachten geschaffen hatte, nichts mehr ändern. Dies besteht aber nicht in "ewiger Verdammnis", - alles bedingt Entstan­dene, auch höllisches Leiden, ist vergänglich - sondern "nur" in höllischem Leiden für den Rest dieses Weltzeitalters. Ist es abgelitten, stehen auch einem Wesen wie Devadatto wie­der alle Möglichkeiten der Existenz zur Verfügung - auch die, im Sinne der Zuflucht, die er in seinem letzten Augen­blick auf Erden genommen hat, dereinst an die Lehre eines Erwachten zu kommen.


  Oben  


[43] Gegen Ende von D 16 II sagt der Erwachte zu Ānando, daß einem Vollendeten ein solcher Gedanke nie kommen kann.

[44] "rakkhass' ( von rakkhati = bewahren) etam vācam"– Mrs. Horner versteht das analog M 75 (PTS S. 502) als Aufforderung an Moggal­lāno, sich noch einmal gut zu überlegen, was er da sagt. Aber nach­dem Moggallāno, der magiegewaltigste von allen Mönchen, auf Rück­frage versichert hatte, er habe gemütsdurchschauend die Richtigkeit von Kakudhos Aussage gesehen, wäre diese Aufforderung fehl am Platz gewesen. Der nächste Satz zeigt, was gemeint ist.

[45] Im Pāli steht das hier gebrauchte Wort phala auch für Erfolg im umgangssprachlichen Sinn, - nicht nur als poetische Umschreibung.

[45a] khelapakka, wörtlich: verdorbener Klumpen Spucke.

[46] Es ging hier darum, für eine durch Devadattos Taten aufgewühlte Übergangszeit, von der der Erwachte ja bereits klar ausgesprochen hat­te, daß sie bald durch Devadattos Untergang ihr Ende finden würde, einen Mittelweg zu finden, daß nicht einerseits durch die Bettelei von Großgruppen einzelnen Familien zu große Lasten aufgebürdet werden, andererseits auch nicht Familien die Chance beschränkt wird, durch Nahrungsspenden karmisches Verdienst zu erwerben. Es mag erstau­nen, daß Devadatto auf Vorhalt gesteht. Aber da seine Mordanschläge ja "untaugliche Versuche" waren, weil ein Vollendeter nicht gewaltsam getötet werden kann, gehörte er immer noch dem Orden an. Nachdem ihm die Ordensleitung nicht freiwillig übertragen worden war und die Mordanschläge gescheitert waren, versuchte er nun seine ehrgeizigen Ziele im formalen Rahmen der geltenden Ordensverfassung zu verfol­gen, um sich nicht "zwischen alle Stühle zu setzen."

[47] Also für die ganze Zeit außerhalb der Regenzeit.

[48] Vgl. M 55, erklärt in Schäfer, S. 643 ff.

[49] Es mag verwundern, daß ein so abgefeimtes Wesen wie Devadatto selbst gesteht. Aber er war lange genug im Orden, um — gewiß mehr als einmal — Zeuge zu sein, daß der Erwachte die Macht besitzt, anderen Wesen ins Herz zu schauen, so daß jeder Versuch zu leugnen untauglich ist.

[50] Vers mit Vorgeschichte auch in Ud V,8 (s. Schäfer, Verse zum Aufatmen, 1998, S. 87)

[51] Bis in die Kleinigkeiten will Devadatto hier das souveräne Verhalten des Erwachten bei der Einweihung der neuen Versammlungshalle der Sakyer von Kapilavatthu (M 53) nachäffen — mit welchem Erfolg, zeigt sich gleich.

[52] Hier auch im Hinblick auf Aussagen des Erwachten über Devadattos Abwärtsentwicklung wichtig; außerdem auch deshalb, weil Devadatto noch wegen seiner einstigen weltlich-magischen Fähigkeiten Ansehen genoß.

[53] Vgl. D 11, dazu Hecker, Die Furt zum anderen Ufer, 1999, S. 284 ff.

[54] In der englischen Übersetzung wurde nicht beachtet, daß hier nicht — wie an anderen Stellen des Kanon — irgendeine weltliche Nachrich­tenübermittlung gemeint sein kann, sondern die Heilsbotschaft, wie die acht Eigenschaften zeigen!

[55] Sotā (—sotar) ganz wörtlich: „Hörer". Gemeint ist offenbar der "Hörer der Heils-Botschaft."

[56] Sāvetā (=sāvetar) einer, der hören macht.

[57] Uggahetā (—uggahetar) einer, der aufnimmt.

[58] Dhāretā (=dhāretar) wörtlich: ein Erinnerer (der das aufsteigen läßt, was der andere in sich trägt).

[59] Viññātā (viññātar);  auch: Erkenner.

[60] Viññāpetā (viññāpetar)

[62] Ich lese mit Mrs. Homer (Book of the Discipline, Part 5, S. 285, N. 6) "bhesma" wie in der singhalesischen und siamesischen Ausgabe, nicht wie PTS bhasma ("Staub, Sand"), was keinen Sinn gäbe.

[63] Allen aufgeführten Fällen ist eines gemeinsam: Die oben behandelte Schlichtungsregel ist nicht beachtet worden, daß nie die Streitenden selber am Streitort durch Mehrheitsbeschluß entscheiden dürfen. Wenn sie sich nicht einig werden, müssen sie an einen Ort gehen, wo mehr unbeteiligte Mönche sind als Streitende. Dann haben die Unbeteiligten von vorneherein die Mehrheit. Diese erweiterte Versammlung am neutra­len Ort muß erst gemeinsam "die Richtschnur der Lehre" ziehen. Nur wenn dabei keine Einstimmigkeit zustande kommt, darf durch Mehrheitsbeschluß entschieden werden. Der gilt dann für alle. Aber auch die Verletzung dieser weisen Verfahrensregel allein macht die Meinungsverschiedenheit noch nicht zur Ordensspaltung, solange die Zahl der Streitenden nicht so groß wird, daß der Erwachte aus seiner vollkommenen Menschenkunde sieht: Die nun anlaufenden emotio­nalen – wir würden sagen "gruppendynamischen" – Prozesse könn­ten so aus dem Ruder laufen, daß sie sich bis zu einem Eigenleben wie in Kosambi aufschaukeln würden.

[64] Teilnehmerin an einem Vorbereitungskurs zur Aufnahme als Novizin.

[65] Der Mönchsorden bestand am längsten, hatte bei weitem die meisten Mitglieder und führte einen besonders intensiven Wandel, so daß der Erwachte davon ausgehen konnte, daß er alle Meinungsverschieden­heiten in lokalen Minderheitsgruppen befrieden könne, solange er nur selber nicht gespalten war. Eine Ordensspaltung durch überörtliche Kontakte von "Parteigängern", die nicht in persönlicher Nähe leben, sondern sich nur gelegentlich zu einem Kongreß treffen, auf dem sie sich untereinander stärker machen, als sie in ihrem täglichen Mönchs­leben sind, war dadurch ausgeschlossen.

[66] also nicht schon wegen der Meinungsverschiedenheit, sondern erst wenn sie deswegen menschliche Gemeinsamkeit bei Wohnen, Feiertag und Wohnbezirk aufheben. Alle Texte ab hier auch in A X, 35 - 43

[67] Beide Verse s. auch It 18/9.

[68] tasmim adhammāditthi = wörtlich: Dabei ist (seine) Ansicht: 'nicht lehrgemäß'.


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