Visuddhi Magga I

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Vis. I. Sittlichkeit (sīla) -  1. Sīlaniddeso   [Pali]

1. Einleitung zur Sittlichkeit (sīla)
2. Was ist Sittlichkeit?
3. In welchem Sinne hat man Sittlichkeit zu verstehen?
4. Was sind Merkmal, Wesen, Äußerung und Grundlage der Sittlichkeit?
5. Welches sind die Segnungen der Sittlichkeit?
6. Wiewiel Arten der Sittlichkeit gibt es?
7. Die in Reinheit bestehende 4fache Sittlichkeit
8. (42a) Die in Zügelung gemäß der Ordenssatzung bestehende Sittlichkeit
9. (43a) In der Sinnenzügelung bestehende Sittlichkeit
10. (44a) Die in der Reinheit des Lebensunterhalts bestehende Sittlichkeit
11. (45a) Die auf die Bedarfsgegenstände sich beziehende Sittlichkeit
12. Was ist der Sittlichkeit Getrübtsein (sankilesa) und was ihre Lauterkeit (vodāna)?

Vis. I. 1. Einleitung zu Sittlichkeit (sīla)

Sīlasarūpādikathā 

Wenn auch auf diese Weise der Weg zur Reinheit unter den, zahlreiche Vorzüge einschließenden Gesichtspunkten von Sittlichkeit, Sammlung und Wissen erklärt wurde, so wurde er dennoch bloß in sehr kurzen Worten erklärt. Dies genügt daher nicht, um für alle von Nutzen zu sein. Um ihn somit ausführlich darzustellen, hat man zuerst betreffs der Sittlichkeit folgende Fragen aufzuwerfen?

 

Dies nun sind die Antworten hierauf:


Vis. I. 2. Was ist Sittlichkeit?

 Es sind solche Erscheinungen wie

 die in einem anwesend sind, während man das Töten von Lebewesen usw. (nämlich Stehlen, geschlechtliches Ausschreiten, Lügen, Zwischenträgerei, rohe Rede, törichtes Plappern) meidet oder seine verschiedenen Pflichten erfüllt.

In Patisambhidā (I.p.44) nämlich wird gesagt: "Was ist Sittlichkeit?

Es gibt:

 

Die im Willen (cetanā) bestehende Sittlichkeit ist dabei der Wille bei Vermeidung des Tötens von Lebewesen usw. oder bei Erfüllung der verschiedenen Pflichten.

Die in Geistesverfassung (cetasika) bestehende Sittlichkeit ist die Abneigung bei Vermeidung des Tötens usw.

Außerdem: die im Willen bestehende Sittlichkeit ist der mit der siebenfachen Wirkensfährte (nämlich Vermeidung der 3 körperlichen und 4 sprachlichen Taten: d.i. Töten, Stehlen, geschlechtliches Ausschreiten; Lügen, Zwischenträgerei, rohe Rede, törichtes Plappern) verbundene Wille beim Aufgeben des Tötens usw. Und die in Geistesverfassung bestehende Sittlichkeit bilden solche Erscheinungen wie Gierlosigkeit, Haßlosigkeit und rechte Erkenntnis, die besprochen wurden in den Worten: "Die Begierde aufgebend, verweilt er gierlosen Herzens usw." (A.IV.198)

Die in Zügelung (samvara) bestehende Sittlichkeit hat man in fünfacher Weise zu verstehen, nämlich als:

1. Zügelung gemäß der Ordenssatzung,
2. Zügelung durch Achtsamkeit,
3. Zügelung durch Erkenntnis,
4. Zügelung durch Duldsamkeit und
5. Zügelung durch Willenskraft. -

 

1. Hier nun bezieht sich auf Zügelung gemäß der Ordenssatzung (pātimokkha -samvara) der Ausspruch: "Mit dieser Zügelung gemäß der Ordenssatzung ist er versehen, ist er völlig ausgestattet" (Vibh. p.246). -

2. Auf Zügelung durch Achtsamkeit (sati-samvara) beziehen sich die Worte: "Er hütet den Sehsinn, erlangt Zügelung des Sehsinnes" (A.IV.14). -

 

3. Auf Zügelung durch Erkenntnis (ñāna-samvara) beziehen sich die vom Erhabenen an Ajita gerichteten Worte:

 

"Die Achtsamkeit hemmt alle Ströme
Der Leidenschaften in der Welt;
Die Ströme zügeln lehre ich:
Durch Wissen schießt man alle ab." (Snp. 1035)

Auch die (weise) Benutzung der Gebrauchsgegenstände ist hier eingeschlossen. -

 

4. Die Zügelung aber, auf die sich die Worte "Duldsam ist er gegen Kälte und Hitze" usw. beziehen, ist die Zügelung durch Duldsamkeit (khanti-samvara). -

 

5. In den Worten: "Einen aufgestiegenen sinnlichen Gedanken duldet er nicht" usw. (ib.) ist die Zügelung durch Willenskraft (viriya-samvara) angedeutet; auch die Reinheit der Lebensweise ist hier eingeschlossen. -
 

Diese fünffache Zügelung also, ebenso wie die Abneigung der das Böse scheuenden edlen Söhne bei irgend einer eingetretenen Gelegenheit: dies alles hat man als die in Zügelung bestehende Sittlichkeit auf zufassen.
 

Die im Nichtausschreiten (a-vītikkama) bestehende Sittlichkeit ist das körperliche und sprachliche Nichtausschreiten bei Befolgung der Sittlichkeit.

Die Frage, was Sittlichkeit ist, ist somit erklärt.


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