Digha Nikaya 33.1

Zurueck Digha Nikāya - Die Längere Sammlung

Pātika Vagga - Buch des Pātikaputto

Dritter Teil - Zehnte Rede

33. Sangīti Sutta, Übereinkunft (Teil 1) - (Pali)

DAS HAB' ICH GEHÖRT. Zu einer Zeit ist der Erhabene im Lande der Maller auf der Wanderschaft gewesen, von einer zahlreichen Jüngerschaft begleitet, mit einer Schar von fünfhundert Mönchen gegen Pāvā, einer mallischen Burgstadt, hingezogen. Bei Pāvā hat dann der Erhabene Rast gehalten, im Mangohaine bei Cundo, dem Goldschmied.

Damals aber hatten die Maller von Pāvā ein neues Herrenhaus, der Hohe Turm genannt, eben erst erbauen lassen, und niemand noch hatte darin gewohnt, kein Asket und kein Priester noch irgendein menschliches Wesen.

Es kam nun den Mallern von Pāvā zu Ohren: <Der Erhabene, heißt es, wandert im mallischen Lande von Ort zu Ort, in Begleitung einer zahlreichen Jüngerschaft, ist mit einer Schar von fünfhundert Mönchen bis vor Pāvā gekommen, hat vor der Stadt Rast gehalten, im Mangohaine bei Cundo dem Goldschmied.> Da begaben sich denn die Maller von Pāvā dorthin wo der Erhabene weilte, verneigten sich ehrerbietig vor dem Erhabenen und setzten sich seitwärts nieder. Seitwärts sitzend wandten sich dann die Maller von Pāvā mit diesen Worten an den Erhabenen:

«Es ist da, o Herr, von den Mallern in Pāvā ein neues Herrenhaus, der Hohe Turm genannt, eben erst erbaut worden, und niemand noch hat es bewohnt, kein Asket und kein Priester noch irgendein menschliches Wesen. Das möge, o Herr, der Erhabene zuerst benutzen: vom Erhabenen zuerst benutzt, werden es dann die Maller von Pāvā benutzen. So soll es den Mallern von Pāvā lange zum Wohle, zum Heile gereichen!»

Schweigend gewährte der Erhabene die Bitte.

Als nun die Maller von Pāvā der Zustimmung des Erhabenen sicher waren, standen sie auf, begrüßten den Erhabenen ehrerbietig, gingen rechts herum und begaben sich nach dem Herrenhause. Dort ließen sie den Boden ganz mit Matten bedecken, die Stühle bereit richten, einen Eimer mit Wasser aufstellen und eine Öllampe zurecht machen. Dann kehrten sie wieder zum Erhabenen zurück, verneigten sich ehrerbietig vor dem Erhabenen und standen seitwärts. Seitwärts stehend sprachen nun die Maller von Pāvā zum Erhabenen also:

«Ganz mit Matten bedeckt, o Herr, ist der Boden des Hauses, die Stühle stehn bereit, ein Eimer mit Wasser ist aufgestellt, eine Öllampe zurecht gemacht: wie es nun, o Herr, dem Erhabenen belieben mag.»

Da hat denn der Erhabene sich gerüstet, Mantel und Schale genommen und ist in Begleitung der Jüngerschar zum Herrenhause hingeschritten. Dort angelangt spülte der Erhabene die Füße ab, trat in den Saal ein und setzte sich nahe dem mittleren Pfeiler, gegen Osten gewendet, nieder. Und auch die begleitenden Mönche spülten die Füße ab, traten in den Saal ein und setzten sich nahe der westlichen Wand, gegen Osten gewendet, nieder, so daß der Erhabene ihnen voransaß. Und auch die Maller von Pāvā spülten die Füße ab, traten in den Saal ein und setzten sich nahe der östlichen Wand, gegen Westen gewendet, nieder, so daß der Erhabene ihnen voransaß. Alsbald nun hat der Erhabene die Maller von Pāvā bis tief in die Nacht in lehrreichem Gespräche ermuntert, ermutigt, erregt und erheitert, dann aber gemahnt:

«Vorgerückt ist, ihr Vāsetther, die Nacht: wie es euch nun belieben mag.» (Die Maller wurden nach ihrem geistigen Ahnherrn 'Vasisthas' als Vāsetther angesprochen.)

«Wohl, o Herr!» sagten da gehorsam die Maller von Pāvā zum Erhabenen, standen von ihren Sitzen auf, verneigten sich ehrerbietig vor dem Erhabenen, gingen rechts herum und entfernten sich.

Bald aber nachdem die Maller von Pāvā gegangen waren, hat der Erhabene, über die lautlose, stille Schar der Mönche hinblickend, sich an den ehrwürdigen Sāriputto gewandt:

«Frei ist von matter Müde, Sāriputto, die Jüngerschar: schicke dich an, Sāriputto, zu lehrreicher Rede vor den Mönchen; der Rücken ist mir schwer geworden: den will ich ausstrecken.»

«Gern, o Herr», sagte da der ehrwürdige Sāriputto, dem Erhabenen gehorchend.

Da hat nun der Erhabene den Mantel vierfach gefaltet ausgebreitet und sich auf die rechte Seite wie der Löwe hingelegt, einen Fuß über dem anderen, klar bewußt, der Stunde des Aufstehens gewärtig.

Zur damaligen Zeit aber war der Freie Bruder Nāthaputto zu Pāvā eben erst gestorben. Nach dessen Tode sind die Freien Brüder zerfallen, entzweigeraten, in Zank und Streit verwickelt gewesen, sie haderten miteinander und scharfe Wortgefechte fanden statt <Nicht du kennst diese Lehre und Ordnung, ich kenne diese Lehre und Ordnung! Was wirst du diese Lehre und Ordnung verstehen? Auf falscher Fährte bist du: ich bin auf rechter Fährte. Mir ist's gelungen: dir mißlungen. Was vorher zu sagen ist hast du nachher gesagt: was nachher zu sagen ist hast du vorher gesagt. Deine Behauptung ist umgestürzt, dein Wort dir entwunden worden: gebändigt bist du, gib deine Rede verloren, oder widersteh' wenn du kannst!>: so ist einer dem anderen entgegengetreten. Wie ein Mörder schien sich fast jeder von den Freien Brüdern, den Nachfolgern Nāthaputtos, zu gebärden. Die aber da dem Freien Bruder Nāthaputto als Anhänger zugetan waren, im Hause lebend, weiß gekleidet, die schienen vor den Freien Brüdern, den Nachfolgern Nāthaputtos, Unbehagen, Mißfallen, Widerwillen zu empfinden, wie das eintritt bei einer schlecht verkündeten Heilsordnung, bei einer schlecht dargelegten, abstoßenden, Unruhe schaffenden, die kein vollkommen Erwachter kundgetan hat, deren Kuppel geborsten ist, die keine Zuflucht gewährt.

Der ehrwürdige Sāriputto nun hat also zu den Mönchen gesprochen:

«Es ist da, ihr Freunde, Nāthaputto der Freie Bruder vor kurzem bei Pāvā gestorben: und dessen Jünger und Anhänger sind untereinander zerfallen, wie das eintritt bei einer schlecht verkündeten Heilsordnung, bei einer schlecht dargelegten, abstoßenden, Unruhe schaffenden, die kein vollkommen Erwachter kundgetan hat, deren Kuppel geborsten ist, die keine Zuflucht gewährt. So pflegt ja das, ihr Brüder, bei einer solchen Lehre und Ordnung zu geschehn.

Da ist denn nun uns, ihr Brüder, vom Erhabenen die Lehre wohl verkündet, wohl dargelegt worden, anziehend, Ruhe bereitend, von einem vollkommen Erwachten kundgetan. Da können wir eben alle übereinkommen und brauchen nichts zu Verändern (Siehe D.29.), auf daß dieses Asketentum seinen Lauf nehmen, lange bestehn kann, daß es eben vielen zum Wohle, vielen zum Heile sei, aus Erbarmen zur Welt, zum Nutzen, Wohle und Heile für Götter und Menschen.

««Was ist das aber, ihr Brüder, für eine Lehre, die uns vom Erhabenen wohl verkündet, wohl dargelegt worden ist, anziehend, Ruhe bereitend, von einem vollkommen Erwachten kundgetan, wobei wir eben alle übereinkommen können und nichts zu verändern brauchen, auf daß dieses Asketentum seinen Lauf nehmen, lange bestehen kann, daß es eben vielen zum Wohle, vielen zum Heile sei, aus Erbarmen zur Welt, zum Nutzen, Wohle und Heile für Götter und Menschen?


Ein Ding (Ekakaṃ):

Es ist, ihr Brüder, von Ihm, dem Erhabenen, dem Kenner, dem Seher, dem Heiligen, vollkommen Erwachten ein Ding genau erklärt worden, wobei wir eben alle übereinkommen können und nichts zu verändern brauchen: und zwar was für ein Ding?

Das ist, ihr Brüder, ein Ding, das von Ihm, dem Erhabenen, dem Kenner, dem Seher, dem Heiligen, vollkommen Erwachten genau erklärt worden ist, wobei wir eben alle übereinkommen können und nichts zu verändern brauchen.


Zwei Dinge (Dukaṃ):

«Es sind, ihr Brüder, von Ihm, dem Erhabenen, dem Kenner, dem Seher, dem Heiligen, vollkommen Erwachten zwei Dinge genau erklärt worden, wobei wir eben alle übereinkommen können und nichts zu verändern brauchen: und zwar was für zwei Dinge?

  1. Geistigkeit und Körperlichkeit;
  2. Unwissen und Durst nach Dasein;
  3. die Ansicht vom Dasein und die Ansicht vom Nichtsein (*67);
  4. Schamlosigkeit und Unbescheidenheit;
  5. Schamhaftigkeit und Bescheidenheit (*68);
  6. ungeziemende Rede und schlechte Freundschaft;
  7. geziemende Rede und treffliche Freundschaft;
  8. Ungebühr gern begehen und Ungebühr gern vermeiden (*);
  9. zu sich Einkehr üben verstehen und zu sich Einkehr enden verstehen;
  10. bestimmte Art verstehen und die Dinge sich merken lernen;
  11. die Gebiete kennen und die bedingte Entstehung kennen;
  12. wissen was möglich ist und wissen was unmöglich ist;
  13. Ehrlichkeit und Sanftmut;
  14. Geduld und Milde;
  15. Freundlichkeit und Zuvorkommendheit;
  16. Güte und Lauterkeit;
  17. Wirrsinn und Unklarheit;
  18. Einsicht und Klarheit;
  19. keine Bewachung der Sinnestore und kein Maßhalten bei der Mahlzeit;
  20. Bewachung der Sinnestore und Maßhalten bei der Mahlzeit;
  21. Kraft des Nachdenkens und Kraft der Vertiefung;
  22. Kraft der Einsicht und Kraft der Einigung;
  23. Ruhe und Klarsicht;
  24. Zustand der Ruhe und Zustand der Regsamkeit;
  25. Regsamkeit und Unzerfahrenheit;
  26. beständige Tugend und beständige Ansicht;
  27. schwankende Tugend und schwankende Ansicht;
  28. geläuterte Tugend und geläuterte Ansicht;
  29. geläuterte Ansicht und auch der Ansicht entsprechendes Handeln;
  30. Ergriffenheit bei ergreifenden Dingen und, ist man ergriffen, ernstlicher Kampf;
  31. Ungenüglichkeit an heilsamen Dingen und kein Zurückweichen im Kampfe;
  32. Wissen und Erlösung;
  33. Kenntnis der Versiegung, Kenntnis des Eingehens.

Das sind, ihr Brüder, zwei Dinge, die von Ihm, dem Erhabenen, dem Kenner, dem Seher, dem Heiligen, vollkommen Erwachten genau erklärt worden sind, wobei wir eben alle übereinkommen können und nichts zu verändern brauchen, auf daß dieses Asketentum seinen Lauf nehmen, lange besehen kann, daß es eben vielen zum Wohle, vielen zum Heile sei, aus Erbarmen zur Welt, zum Nutzen, Wohle und Heile für Götter und Menschen.


(*) Wer Ungebührliches begangen hat, entledigt sich der Schuld durch Bekenntnis. «Denn ein Fortschritt ist es», sagt Gotamo (D.25, wie auch in M.65, und wiederholt anderwärts), «im Orden des Heiligen, ein Vergehen als Vergehen einzusehen, nach Gebühr zu bekennen, sich künftig davor zu hüten.»  


Drei Dinge (Tikaṃ):

«Es sind, ihr Brüder, von Ihm, dem Erhabenen, dem Kenner, dem Seher, dem Heiligen, vollkommen Erwachten drei Dinge genau erklärt worden, wobei wir eben alle übereinkommen können und nichts zu verändern brauchen: und zwar was für drei Dinge?

Drei Wurzeln des Bösen (Tīṇi akusalamūlāni):

 

drei Wurzeln des Guten (Tīṇi kusalamūlāni):

 

(Vollständig behandelt in der Mittleren Sammlung 117)

 

Drei ungünstige Fährten:

 

drei günstige Fährten:

 

Drei unheilsame Erwägungen:

 

drei heilsame Erwägungen:

 

Drei unheilsame Gesinnungen:

 

drei heilsame Gesinnungen:

 

Drei unheilsame Wahrnehmungen:

 

drei heilsame Wahrnehmungen:

 

Drei unheilsame Arten:

 

drei heilsame Arten:

 

Noch andere drei Arten:

 

Noch andere drei Arten:

 

Noch andere drei Arten:

 

Dreifacher Durst:

 

Noch anderer dreifacher Durst:

 

Noch anderer dreifacher Durst:

 

Drei Fesseln:

 

Dreierlei Wahn:

 

Dreierlei Dasein:

 

Dreierlei Ziele:

 

Dreierlei Ansichten:

 

Dreierlei Zeiträume:

 

Drei Endpunkte:

 

Drei Gefühle:

 

Dreifache Leidhaftigkeit (dukkhatā):

 

Drei Summen:

 

Dreifacher Zweifel:

 

Drei Dinge hat der Vollendete nicht zu verbergen:

 

Drei Ichtigkeiten:

 

Drei Feuer:

 

Noch andere drei Feuer:

 

Drei Arten von Körperverbindung:

 

Drei Unterscheidungen:

 

Dreierlei Menschen:

 

Dreierlei Greise:

 

Drei Gebiete des verdienstvollen Wirkens (puñña kiriya vatthu):

 

Drei Gelegenheiten zur Ermahnung:

 

Dreierlei Wiederkehr zu Wunschbereichen:

 

Dreierlei Wiederkehr zu Wohlbereichen:

 

Dreierlei Weisheit:

 

Noch andere drei Arten von Weisheit (pañña):

 

Dreierlei Waffen:

 

Dreierlei Sinneskräfte:

 

Dreierlei Augen:

 

Dreierlei Kämpfe:

 

Dreierlei Walten:

 

Dreierlei Unübertrefflichkeit:

 

Dreierlei Einigung:

 

Noch andere dreierlei Einigung:

 

Drei Arten von Lauterkeit:

 

Drei Arten von Schweigen:

 

Dreierlei Geschicklichkeit:

 

Dreifacher Rausch:

 

Drei Arten von Oberherrschaft:

 

Dreierlei Art Bericht abzulegen: (kathāvatthūni)

 

Dreierlei Wissen:

 

Dreierlei Verweilungszustände (vihāra):

 

Drei Arten von Wundern:

 

Das sind, ihr Brüder, drei Dinge, die von Ihm, dem Erhabenen, dem Kenner, dem Seher, dem Heiligen, vollkommen Erwachten genau erklärt worden sind, wobei wir eben alle übereinkommen können und nichts zu verändern brauchen, auf daß dieses Asketentum seinen Lauf nehmen, lange bestehn kann, daß es eben vielen zum Wohle, vielen zum Heile sei, aus Erbarmen zur Welt, zum Nutzen, Wohle und Heile für Götter und Menschen.


* Dazu unsere elfte Rede. Pātihāriyam, Wunder, ist erst im volkstümlichen Gebrauch zu dieser Bedeutung gekommen: im Orden selbst hat es die alte vedische Geltung, wie etwa Chāndogyopanisat I 11 i.f., «das Erfaßbare, Ergreifbare». Die populäre Steigerung ist so zu verstehen, daß man das Ergriffensein als ein Wunder betrachtet hat, je nach den drei verschiedenen Anlässen oder Äußerungen, wie Sāriputto im Text oben es einteilt: als ein Wunder der Macht, ein Wunder der Vorzeige, ein Wunder der Unterweisung. 

Vergl. auch die kurze Rede im Anguttaranikāyo, Tikanipāto 126: «Zum Erkennen, ihr Mönche, leg' ich die Satzung dar, nicht zum Verkennen, begründet, ihr Mönche, leg' ich die Satzung dar, nicht unbegründet, erfaßbar, ihr Mönche, leg' ich die Satzung dar, nicht unerfaßbar. Da ich also, ihr Mönche, zum Erkennen die Satzung darlege, nicht zum Verkennen, begründet die Satzung darlege, nicht unbegründet, erfaßbar die Satzung darlege, nicht erfaßbar, muß ich der Sprache pflegen, der Unterweisung pflegen: genug aber schon euch Mönchen zur Zufriedenheit, genug zum Frohsinn, genug zur Freude: 'Vollkommen erwacht ist der Erhabene, wohlkundgetan vom Erhabenen die Satzung, wohlvertraut die Jüngerschaft.'»


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