Itivuttakam 100 - 109

Itivuttakam 100 - 109 - [Pali Version]

100. Der Brahmane - 1. Brāhmaṇadhammayāga Sutta

Ich bin der Brahmane, an Opfer gejocht, allzeit mit offener Hand, trage den letzten Leib, bin ein unvergleichlicher Arzt, ziehe den Pfeil heraus. Und ihr seid meine edlen Söhne, aus dem Munde geboren, in der Lehre erzeugt, in der Lehre gebildet, Erben der Lehre, nicht Erben des Materiellen. (Satz 2 = M 111)

Diese zwei Gaben gibt es: die materielle Gabe und die Gabe der Lehre. Von diesen beiden Gaben ist die Gabe der Lehre die höchste.

Diese zwei Spenden gibt es: die materielle Spende und die Spende der Lehre. Von diesen zwei Spenden ist die Spende der Lehre die höchste.

Diese zwei Hilfen gibt es: die materielle Hilfe und die Hilfe der Lehre. Von diesen zwei Hilfen ist die Hilfe der Lehre die höchste.
(= It 98)

Diese zwei Opfer gibt es, das materielle Opfer und das Opfer der Lehre. Von diesen zwei Opfern ist das Opfer der Lehre das höchste. (= A II.66)

 

Der Lehre Opfer, wer es darbringt, ohne Geizen,
Vollendeter, der aller Wesen nimmt sich an,
der beste, der er unter Göttern, Menschen, ihm,
dem Entrückten, beugen alle Wesen sich.

(Z. 1 = D 30 V1)


101. Bedarfsgegenstände - 2. Sulabha Sutta

Vier Dinge sind unscheinbar, leicht erlangbar und untadelhaft. Welche vier? Ein Fetzengewand, Brockenspeise, Unter-Bäumen-Wohnen, fauler Urin als Arznei. Diese vier Dinge sind unscheinbar, leicht erlangbar und untadelhaft. Hat nun ein Mönch an diesem Unscheinbaren, leicht Erlangbaren genug, so gilt ihm dies als Teil seiner Asketenschaft, sag ich.

 

Genügsam mit Untadligem
unscheinbar, leicht Erlangbarem,
der macht um seiner Wohnstatt will'n,
um Essen, Trinken und Gewand
im Herzen keine Sorgen sich:
er findet auszusetzen nichts.

 

Was ihm an Dingen ward gelehrt,
die für Asketen ziemen sich:
dem Mönche, der genügsam ist,
der ernsten Sinns, dem eignen sie.

(alles = A IV.27)
 


102. Triebversiegung - 3. Āsavakkhaya Sutta

Dem Kennenden, dem Sehenden verheiße ich Triebversiegung, nicht dem Nicht-Kennenden, nicht dem Nicht-Sehenden. Was aber soll gekannt, was gesehen werden zur Triebversiegung? (= M 2) "Das ist das Leiden" - wer so erkennt und sieht, dem versiegen die Triebe. "Das ist die Leidensentwicklung, das die Leidensauflösung, das das zur Leidensauflösung führende Vorgehen - wer so erkennt und sieht, dem versiegen die Triebe.

 

Dem Übenden, der gern sich übt,
der gradem Wege folget nach,
Versiegenskenntnis kommt zuerst,
Gewißheit folget später nach.

(= A III.84 = It 62)

 

Von der Gewißheit gehet aus
Erlösungswissen, höchstes, dann:
Versiegenskenntnis, höchste, dann:
"Versieget alle Fesseln sind."

 

Nicht aber von dem trägen Mann,
vom Toren, der da nichts erkennt,
Nirvana zu erreichen ist,
wo allen Knoten man entrinnt.

(Z.4 = S.10.7)


103. Asketen - 4. Samaṇabrāhmaṇa Sutta

Welche Asketen und Priester auch "Das ist das Leiden, das die Leidensentwicklung, das die Leidensauflösung, das das zur Leidensauflösung führende Vorgehen" nicht der Wirklichkeit gemäß verstehen, diese Asketen und Priester sind unter den Asketen und Priestern keine echten Asketen und Priester, und diese Ehrwürdigen erreichen zu Lebzeiten nicht das Ziel der Asketen und Priester, es selber überschauend und verwirklichend. Welche Asketen und Priester aber so verstehen, diese sind unter Asketen und Priestern echte Asketen und Priester, und diese Ehrwürdigen erreichen zu Lebzeiten das Ziel der Asketen und Priester, es selber überschauend und verwirklichend.

 

Wer da das Leiden nicht erkennt,
wie Leiden sich entwickeln kann
und wie das Leiden untergeht,
indem es restlos ganz versiegt,
und wer das Vorgeh'n nicht gewahrt,
das zu des Leids Beruhigung führt,

 

gemüterlöst, er wird es kaum,
weisheiterlöst noch minder sein,
nicht kann ein Ende machen er,
Geburt und Alter überstehn.

 

Doch wer das Leiden hier erkennt,
wie Leiden sich entwickeln kann
und wo das Leiden allzumal
sich ohne Überrest verliert,
und wer das Vorgeh'n wohl gewahrt,
das zu den Leids Beruhigung führt,

 

gemüterlöst, er wird es bald,
weisheiterlöst nicht minder sein:
er kann ein Ende machen so,
Geburt und Alter überstehn.

(alles = S 56.22; alle Verse Sn 724-7)


104. Nachfolge - 5. Sīlasampanna Sutta

Die Mönche, die in Tugend, Vertiefung, Weisheit, Erlösung, Wissensklarheit der Erlösung vollkommen sind, die Ermahner, Unterweiser, Aufzeiger, Berater, Ansporner, Erheiterer, die die Lehre ausreichend zeigen: (solche Mönche zu sehen, zu hören, zu besuchen, zu begleiten, ihrer zu gedenken, ihnen in der Askese zu folgen, das ist sehr zu empfehlen. = S 46.3) Aus welchem Grunde? Wer solchen Mönchen dient, sich zugesellt, sie begleitet, dem gelangt der noch nicht erfüllte Tugendabschnitt zur vollen Entfaltung, die noch nicht erfüllten Abschnitte der Vertiefung, der Weisheit, der Erlösung, der Wissensklarheit der Erlösung zur vollen Entfaltung. Solche Mönche werden Meister genannt, Karawanenführer, Streitüberwinder, Dunkelverscheucher, Lichtbringer, Glanzmacher, Entflammer, Fackelträger, Erheller, Edle, Scharfsichtige.

 

Zu schaffen Freude überall,
das wirken die Erkennenden,
die selbstentfaltet Edelen,
die in der Lehre Lebenden.

 

Die Lehre lassen leuchten sie,
sie sprechen zur Erhellung nur,
Lichtbringer sind als Weise sie,
scharfsichtig, Streit vermeidende.

 

Wenn deren Botschaft wird gehört,
von Weisen voll verstanden hier,
Geburtsversiegung überblickt:
dann geht man nicht zu neuem Sein.

 


105. Durst - 6. Taṇhuppāda Sutta

Vier Gelegenheiten gibt es, weswegen einem Mönche Durst aufsteigt. Welche vier? Wegen Gewand, Almosenspeise, Wohnung und wegen Sosein und Nichtanderssein steigt einem Mönche Durst auf. Diese vier Gelegenheiten gibt es, weswegen einem Mönche Durst aufsteigt.

 

Wer sich vom Durst begleiten läßt,
geraume Zeiten kreist er um,
um dieses Dasein, Dasein dort
und kann dem Kreis entrinnen nicht.

 

Wer dieses Elend wohl gemerkt,
daß Dürsten Leid entwickeln muß,
verläßt den Durst, nimmt ihn nicht an,
gar achtsam zieht er hin als Mönch.

(alles = A IV.9; Verse = It 15 = Sn 740/1)


106. Eltern ehren - 7. Sabrahmaka Sutta

Mit Brahma leben die Familien, in welchen die Eltern zu Hause von den Kindern verehrt werden. Mit den ersten Gottheiten, mit den ersten Lehrern, mit den Spendenwürdigen leben die Familien, in welchen die Eltern zu Hause von den Kindern verehrt werden.

Brahma - das ist eine Bezeichnung für die Eltern. Die ersten Gottheiten, die ersten Lehrer, die Spendenwürdigen - das ist eine Bezeichnung für die Eltern. Und warum? Gar viel tun die Eltern für ihre Kinder, sie sind ihre Beschützer und Ernährer, zeigen ihnen diese Welt.

 

Die Eltern "Brahma" sind genannt,
die ersten Lehrer nennt man sie,
der Kinder Ehrfurcht sind sie wert,
sie nehmen ihrer an sich gern.

 

Drum schenke Achtung ihnen hier
der Weise, und er halt' sie wert
mit Speise und mit Kleid und Sitz,
mit Füßewaschen, Reiben, Bad.

 

Wer solche Dienste leistet gern
den Eltern, erntet schon das Lob
der Weisen hier zur Lebenszeit,
und dort, im Himmel, freut er sich.

(alles = A IV.63 = A.III.31 ohne Gottheit)


107. Symbiose - 8. Bahukāra Sutta

Viel tun für euch die brahmanischen Hausväter, die euch mit den Bedarfsgegenständen wie Kleid, Nahrung, Wohnung und Arznei für den Fall einer Krankheit versorgen. Aber auch ihr tut viel für die brahmanischen Hausväter, indem ihr ihnen die Lehre zeigt, die am Anfang begütigt, in der Mitte begütigt, arn Ende begütigt, die sinn- und wortgetreue, das vollkommen geläuterte, geklärte Asketentum aufweist. So wird in gegenseitiger Unterstützung das Asketentum geführt, um der Flut zu entrinnen, völlig dem Leiden ein Ende zu machen:

 

Hausleute und auch Hauslose,
sie beide unterstützen sich,
vollenden gute Lehre so,
zur allerhöchsten Sicherheit.

 

Hauslose von den Hausnern hier
erhalten ihren Kleidbedarf
und Wohnung und was sonst noch not,
um Klippen da zu überstehn.

 

Auf Gutgegangne wiederum
sich stützen Häuslich-Wünschende,
sind voll Vertraun zu Heiligen,
in edler Wahrheit Schauungsfroh'n.

 

Nachdem der Lehre sie gefolgt,
dem Pfad, der führt zu gutem Gang,
genießen sie die Götterwelt
und freun der Wunscherfüllung sich.

 


108. Schlechte Mönche - 9. Kuha Sutta

Die Mönche, die da Betrüger sind, Starrköpfe, Schwätzer, Geile, Rastlose, Friedlose, gehören nicht zu den meinen. Abgefallen von dieser Lehre und Ordnung sind solche Mönche, und nicht gelangen sie darin zu Wachstum, Gedeihen und Reife.

Die Mönche hingegen, die keine Betrüger, keine Schwätzer, die klug sind, keine Starrköpfe, in Frieden, diese Mönche gehören zu den meinen. Nicht abgefallen von dieser Lehre und Ordnung sind sie und gelangen darin zu Wachstum, Gedeihen und Reife.

 

Betrüger, Starre, Schwätzer, geil, (= Thag 959)
Rastlose, ohne Frieden hier,
für die gibt's in Erwachter Lehr'
auch den geringsten Fortschritt nicht.

 

Die frei von Trug und Plapperwort,
die Klugen, ohne Trotz, voll Fried',
für die gibt's in Erwachter Lehr'
gar baldig Fortschrittswachstum dann.

 


109. Der Schwimmer im Strom - 10. Nadīsota Sutta

(alles = A IV/26)

Gleichwie da ein Mann von der lieblich und angenehm erscheinenden Strömung eines Flusses abwärts getrieben würde und ihn sähe vom Ufer aus ein scharfsichtiger Mann und spräche: "Lieber Mann, du wirst zwar von der lieblich und genehm erscheinenden Strömung des Flusses abwärts getrieben, aber dort unten

ein See mit Wogen und Strudeln, Krokodilen und Dämonen - wenn du den reichst, kommst du zu Tode oder tödlichem Schmerze." Und jener Mann würde, nachdem er die Stimme des anderen Mannes gehört hätte, mit Händen und Füßen gegen die Strömung kämpfen.  

Ein Gleichnis habe ich gegeben, um euch etwas zu erklären. Dies nun ist der Sinn:

Die Strömung des Flusses - das ist der Durst.
Lieblich und angenehm Erscheinendes - das sind die 6 inneren Gebiete.
Dort unten ein See - das sind die 5 niederzerrenden Fesseln.
Mit Wogen - das ist Zorn und Verzweiflung.
Mit Strudeln - das sind die 5 Sinnengenüsse.
Mit Krokodilen und Dämonen - das sind die Weiber.
Gegen den Strom - das ist die Entsagung.
Mit Händen und Füßen rudern - das ist Einsatz der Tatkraft.
Der am Ufer stehende scharfsichtige Mann - das ist der Vollendete, Heilige, Vollkommen Erwachte.
 
Selbst unter Schmerzen mög' die Sinnenlust er meiden,
der künft'gen höchsten Sicherheit, er strebt ihr zu,
vollkomrnen klar erkennend, recht erlöst im Herzen
wird die Erlösung er erleben nach und nach.
Der Wissensmächt'ge, der den Reinheitswandel lebte:
Weltendiger, am andern Ufer angelangt, heißt er.

(Z. 1,5,6 = A IV/5)


    Oben zeilen.gif (1054 bytes)