Digha Nikaya 19

uparrow.gif (358 bytes) Digha Nikāya - Die Längere Sammlung

Mahā Vagga - Großes Buch

Zweiter Teil - Sechste Rede

19. Mahāgovinda Sutta, Govindo - (Pali)

DAS HAB' ICH GEHÖRT. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Rājagaham, am Geierkulm, im Gebirge.

Da ließ nun der junge Himmelsbote mit den fünf Strahlen (*83), als es tief in die Nacht geworden, in immer hellerem Schimmer den ganzen Umkreis im Gebirge am Geierkulm erglänzen und kam bis dorthin wo der Erhabene weilte. Dort angelangt entbot er dem Erhabenen ehrerbietigen Gruß und stand dann beiseite. Beiseite stehend sprach nun der Himmelsbote mit den fünf Strahlen den Erhabenen also an:

«Was ich, o Herr, bei den Göttern der Dreiunddreißig von Angesicht gehört, von Angesicht vernommen habe, das möcht' ich, o Herr, dem Erhabenen ankünden.»

«Künd' es mir an, du Fünfstrahliger», sagte der Erhabene.

«Die vergangenen Tage, o Herr, vor einiger Zeit, an einem Feiertage, Mitte des Monats, in der vollen Mondnacht am Ende der Regenzeit, sind samt und sonders die Dreiunddreißig Götter im Saal der Seligen auf den Sitzen beieinander versammelt gewesen, von einer mächtigen himmlischen Gemeinde allenthalben umgeben, während die vier Großen Könige nach je einer Weltgegend saßen. 

Wie da, o Herr, samt und sonders die Dreiunddreißig Götter im Saal der Seligen auf den Sitzen beieinander versammelt waren, von einer mächtigen himmlischen Gemeinde allenthalben umgeben, und die vier Großen Könige nach je einer Weltgegend saßen, war also ihr Platz angeordnet, und alsdann war uns der Platz eingeräumt. 

Die Götter, o Herr, die beim Erhabenen das Asketenleben geführt hatten und nun empor gelangt waren zur Gemeinschaft der Dreiunddreißig, die haben die anderen Götter überstrahlt, so an Schönheit als an Fülle der Macht. Darüber sind denn, o Herr, die Götter der Dreiunddreißig erfreut und entzückt, heiter und fröhlich geworden: 'Die Schar der Götter, o seht nur, nimmt zu, ab nimmt die unholde Schar!' Als nun, o Herr, Sakko der Götter König der Dreiunddreißig Götter innige Heiterkeit wahrgenommen, ließ er folgende Sangesweise aus Freude verlauten:

 

O seht nur wie sich Götter freun, 
Die Dreiunddreißig und ihr Herr, 
Dem Meister huldigend allzumal, 
Der Lehre, so gewiß bewährt! 
 
Und junge Götter sehn sie jetzt 
In Schönheit aufgehn, machterfüllt, 
Asketen einst gewesen dort 
Beim Heiland, nun erschienen hier. 
 
Die strahlen über andre hin, 
So schön, so mächtig, kraftbegabt, 
Des Denkerfürsten Hörerkreis, 
Heroben herrlich vorgelangt. 
 
In solchem Blicke leuchten sie,
Die Dreiunddreißig und ihr Herr,
Dem Meister huldigend allzumal,
Der Lehre, so gewiß bewährt.>

Da sind denn, o Herr, die Götter der Dreiunddreißig immer noch mehr erfreut und entzückt, immer heiterer und fröhlicher geworden: 'Die Schar der Götter, o seht nur, nimmt zu, ab nimmt die unholde Schar!' Da hat nun, o Herr, Sakko der Götter König bei dieser innigen Heiterkeit der Dreiunddreißig Götter sich also an sie gewandt:

<Möchtet ihr Würdigen wohl Seine, des Erhabenen, acht wahrheitgemäße Lobpreisungen hören?>

<Gewiß möchten wir, Würdiger, Seine, des Erhabenen, acht wahrheitgemäße Lobpreisungen hören!>

Da hat, o Herr, Sakko der Götter König den Dreiunddreißig Göttern des Erhabenen acht wahrheitgemäße Lobpreisungen vorgetragen:

  1. <Was meinen wohl die lieben Götter der Dreiunddreißig, wie weit doch Er, der Erhabene, vielem Volke zum Wohle gewandelt ist, vielem Volke zum Heile, aus Mitleid zur Welt, zum Nutzen, Wohle und Heile für Götter und Menschen! Wer also vielem Volke zum Wohle gewandelt ist, vielem Volke zum Heile, aus Mitleid zur Welt, zum Nutzen, Wohle und Heile für Götter und Menschen, einen eben auf diese Art ausgezeichneten Meister können wir in keiner Vergangenheit aufweisen und auch in keiner Gegenwart, es sei denn Er, der Erhabene.
  2. <Wohl kundgetan aber ist von Ihm, dem Erhabenen, die Satzung, die ersichtliche, zeitlose, anregende, einladende, den verständigen von selbst verständlich. Wer eine also einladende Satzung angibt, einen auch auf diese Art ausgezeichneten Meister können wir in keiner Vergangenheit aufweisen und auch in keiner Gegenwart, es sei denn Er, der Erhabene.
  3. <'Das ist heilsam', auch das hat Er, der Erhabene, wohl dargelegt, 'Das ist unheilsam' wohl dargelegt, 'Das ist tadelhaft, das ist untadelhaft, das ist zu pflegen, das ist nicht zu pflegen, das ist gewöhnlich, das ist erlesen, das ist schwarz und weiß miteinander verteilt' wohl dargelegt. Wer also heilsam und unheilsam, tadelhaft und untadelhaft, was zu pflegen und was nicht zu pflegen, was gewöhnlich und was erlesen ist, was schwarz und weiß miteinander verteilt ist darlegen kann, einen auch auf diese Art ausgezeichneten Meister können wir in keiner Vergangenheit aufweisen und auch in keiner Gegenwart, es sei denn Er, der Erhabene.
  4. <Wohl dargelegt hat aber auch Er, der Erhabene, den Jüngern den zur Erlöschung führenden Pfad, und es mündet zusammen Erlöschung und Pfad. Gleichwie da etwa das Wasser des Ganges mit dem Wasser der Yamunā zusammenmündet, zusammenfließt, ebenso auch hat Er, der Erhabene, den Jüngern den zur Erlöschung führenden Pfad wohl dargelegt, und es mündet zusammen Erlöschung und Pfad. Wer also den zur Erlöschung führenden Pfad darlegen kann, einen auch auf diese Art ausgezeichneten Meister können wir in keiner Vergangenheit aufweisen und auch in keiner Gegenwart, es sei denn Er, der Erhabene.
  5. <Freunde gefunden hat aber auch Er, der Erhabene, so bei den Kämpfern, die weiter schreiten, als bei den Wahnversiegten, die angelangt sind: ohne sie abzuweisen bleibt der Erhabene alleinsam zufrieden. Wer also alleinsam zufrieden bleibt, einen auch auf diese Art ausgezeichneten Meister können wir in keiner Vergangenheit aufweisen und auch in keiner Gegenwart, es sei denn Er, der Erhabene.
  6. <Reichlich beschieden ist aber auch Ihm, dem Erhabenen, Gabe, reichlich beschieden Ruhm, so weit wohl, denk' ich, daß Fürsten sich liebreich bezeugen: frei von Stolz aber nimmt Er, der Erhabene, die Nahrung entgegen. Wer also frei von Stolz die Nahrung entgegennimmt, einen auch auf diese Art ausgezeichneten Meister können wir in keiner Vergangenheit aufweisen und auch in keiner Gegenwart, es sei denn Er, der Erhabene.
  7. <Wie aber auch Er, der Erhabene, redet, so handelt er, und wie er handelt, so redet er: so handelt er denn wie er redet, und redet wie er handelt. Wer also der Lehre lehrgemäß nachfolgt, einen auch auf diese Art ausgezeichneten Meister können wir in keiner Vergangenheit aufweisen und auch in keiner Gegenwart, es sei denn Er, der Erhabene.
  8. <Entronnen dem Zweifel ist aber auch Er, der Erhabene, frei von Schwanken, bestimmten Entschlusses, oblegen dem Urasketentum. Wer also dem Zweifel entronnen ist, frei von Schwanken, bestimmten Entschlusses, oblegen dem Urasketentum, einen auch auf diese Art ausgezeichneten Meister können wir in keiner Vergangenheit aufweisen und auch in keiner Gegenwart, es sei denn Er, der Erhabene (*84).> - 

Das sind, o Herr, des Erhabenen acht wahrheitgemäße Lobpreisungen, die Sakko der Götter König den Dreiunddreißig Göttern vorgetragen hat. Da sind denn, o Herr, die Götter der Dreiunddreißig immer noch mehr erfreut und entzückt, immer heiterer und fröhlicher geworden, als sie des Erhabenen acht Lobpreisungen gehört hatten. 

Und einige Götter, o Herr, haben da gesagt:

<O daß doch, ihr Würdigen, vier vollkommen Erwachte in der Welt erschienen und die Satzung zeigten, gleichwie der Erhabene: das gereichte vielem Volke zum Wohle, vielem Volke zum Heile, aus Mitleid zur Welt zum Nutzen, Wohle und Heile für Götter und Menschen!> 

Andere Götter haben da gesagt: 

<Sei es, ihr Würdigen, um die vier vollkommen Erwachten! O daß doch, ihr Würdigen, drei vollkommen Erwachte in der Welt erschienen und die Satzung zeigten, gleichwie der Erhabene: das gereichte vielem Volke zum Wohle, vielem Volke zum Heile, aus Mitleid zur Welt zum Nutzen, Wohle und Heile für Götter und Menschen!> 

Andere Götter haben wieder gesagt: 

<Sei es, ihr Würdigen, um die drei vollkommen Erwachten! O daß doch, ihr Würdigen, zwei vollkommen Erwachte in der Welt erschienen und die Satzung zeigten, gleichwie der Erhabene: das gereichte vielem Volke zum Wohle, vielem Volke zum Heile, aus Mitleid zur Welt zum Nutzen, Wohle und Heile für Götter und Menschen!> 

Auf diese Worte, o Herr, hat Sakko der Götter König zu den Dreiunddreißig Göttern also gesprochen:

<Unmöglich ist es, ihr Würdigen, und kann nicht sein, daß in ein und derselben Weltordnung zwei Heilige, vollkommen Erwachte zugleich erscheinen könnten: ein solcher Fall kommt nicht vor. O daß doch, ihr Würdigen, eben Er, der Erhabene, in leidlicher Frische, leidlicher Gesundheit späthin, lange Zeit ausdauern möchte: das gereichte vielem Volke zum Wohle, vielem Volke zum Heile, aus Mitleid zur Welt zum Nutzen, Wohle und Heile für Götter und Menschen!> - 

Alsbald nun, o Herr, haben die Dreiunddreißig Götter die Angelegenheit, um derentwillen sie im Saal der Seligen zur Versammlung gekommen waren, erwogen, haben sie beraten, ihre Beschlüsse zur Ausführung aber sodann den vier Großen Königen anvertraut, ihre Befehle zur Vollziehung aber sodann den vier Großen Königen übertragen, die da, ein jeder auf seinem Throne stehend, noch nicht gegangen waren.

So war der Auftrag denn gestellt 
Den Königen, jedem zugeteilt: 
Und heitern Sinnes standen sie, 
Für sich ein jeder, auf dem Thron. 

 

Da hat nun, o Herr, gegen Norden weithin ein Schimmer zu leuchten begonnen, ein Abglanz ist aufgegangen, überstrahlend sogar der Götter göttliche Pracht. Und alsbald hat, o Herr, Sakko, der Götter König sich an die Götter der Dreiunddreißig also gewandt: <Sofern, ihr Würdigen, sich Zeichen anzeigen, ein Schimmer zu leuchten beginnt, ein Abglanz aufgeht, mag Brahma offenbar werden: denn das ist das Vorzeichen der Erscheinung Brahmas, daß es da immer lichter wird, ein Abglanz erscheint:

Sofern sich Zeichen zeigen an 
Mag Brahmā werden offenbar: 
Von uralt ist es Brahmās Art 
Im breiten Abglanz aufzuglühn.>

 

So haben sich denn, o Herr, die Dreiunddreißig Götter wieder auf ihren Plätzen niedergelassen: <Den Abglanz dort wollen wir abwarten, wie er sich entwickeln wird: erst im klaren darüber werden wir gehn.> Und auch die vier Großen Könige haben auf ihren Sitzen wieder Platz genommen: <Den Abglanz dort wollen wir abwarten, wie er sich entwickeln wird: erst im klaren darüber werden wir gehn.> 

Als sie das vernommen, sind die Götter der Dreiunddreißig insgesamt übereingekommen: <Den Abglanz dort wollen wir abwarten, wie er sich entwickeln wird: erst im klaren darüber werden wir gehn.> - 

Wenn, o Herr, Brahmā, Der ewige Jüngling, vor den Göttern der Dreiunddreißig zu erscheinen kommt, so nimmt er eine gröbere Selbstgestaltung an um zu erscheinen. Was eben, o Herr, Brahmās eigentümliches Abbild ist, das kann von den Göttern der Dreiunddreißig nicht angeschaut werden, mit ihrem Gesichtsinn. 

Wenn, o Herr, Brahmā, Der ewige Jüngling, vor den Göttern der Dreiunddreißig zu erscheinen kommt, überstrahlt er die anderen Götter, so an Schönheit als an Fülle der Macht. Gleichwie etwa, o Herr, eine goldene Bildsäule eine Menschengestalt überstrahlt: ebenso nun auch, o Herr, überstrahlt Brahmā, Der ewige Jüngling, wenn er vor den Göttern der Dreiunddreißig zu erscheinen kommt, die anderen Götter, so an Schönheit als an Fülle der Macht. 

Wenn, o Herr, Brahmā, Der ewige Jüngling, vor den Göttern der Dreiunddreißig zu erscheinen kommt, wird er in diesem Kreise von keinem der Götter begrüßt oder geleitet oder zu sitzen eingeladen: alle sind nur still geworden, haben die Hände gefaltet, sitzen da mit verschränkten Beinen: <Wessen Gottes Platz nun Brahmā, Der ewige Jüngling, erwählen wird, an dessen Stelle wird er sich niederlassen.> 

So nun aber, o Herr, Brahmā, Der ewige Jüngling, an der Stelle eines Gottes Platz genommen hat, empfindet der Gott dann ein hohes Gefühl der Befriedigung, empfindet der Gott dann ein hohes Gefühl der Freude. Gleichwie etwa, o Herr, ein Kriegerfürst, dessen Haupt gesalbt wurde, der soeben die Königsweihe empfangen hat, alsbald ein hohes Gefühl der Befriedigung, alsbald ein hohes Gefühl der Freude empfindet: ebenso nun auch, o Herr, empfindet der Gott, an dessen Stelle Brahmā, Der ewige Jüngling, dann Platz genommen hat, alsbald ein hohes Gefühl der Befriedigung, alsbald ein hohes Gefühl der Freude. - 

Da hat denn, o Herr, Brahmā, Der ewige Jüngling, der Dreiunddreißig Götter innige Heiterkeit merkend, unsichtbar diese Sangesweise aus Freude verlauten lassen:

O seht nur wie sich Götter freun, 
Die Dreiunddreißig und ihr Herr, 
Dem Meister huldigend allzumal, 
Der Lehre, so gewiß bewährt! 
  
Und junge Götter sehn sie jetzt
In Schönheit aufgehn, machterfüllt, 
Asketen einst gewesen dort 
Beim Heiland, nun erschienen hier. 
  
Die strahlen über andre hin, 
So schön, so mächtig, kraftbegabt, 
Des Denkerfürsten Hörerkreis, 
Heroben herrlich vorgelangt. 
     
In solchem Blicke leuchten sie, 
Die Dreiunddreißig und ihr Herr, 
Dem Meister huldigend allzumal, 
Der Lehre, so gewiß bewährt.

 

Diese Weise, o Herr, hat Brahmā, Der ewige Jüngling, vorgetragen. Während o Herr, Brahmā, Der ewige Jüngling, diese Weise vorgetragen hat, war der Ton seiner Stimme achtfach ausgezeichnet: deutlich und verständlich, angenehm und ansprechend, gebunden, nicht gebrochen, tief und volltönig. Wie aber da, o Herr, Brahmā, Der ewige Jüngling, in einer Versammlung zu sprechen pflegt, geht der Klang seiner Stimme nicht über die Versammlung hinaus. Und wer nun, o Herr, eine also achtfach ausgezeichnete Rede führt, der heißt ein brahmischer Redner. - 

Da haben nun, o Herr, die Dreiunddreißig Götter zu Brahmā, Dem ewigen Jüngling, also gesprochen:

<Herrlich, Großer Brahmā, eben das haben auch wir mit unserer Freude im Sinne; und es hat Sakko der Götter König Seine, des Erhabenen, acht wahrheitgemäßen Lobpreisungen verkündet: auch diese haben wir mit unserer Freude im Sinne.>

Da hat nun, o Herr, Brahmā, Der ewige Jüngling, zu Sakko dem König der Götter gesagt:

<Wohl gut wär' es, König der Götter, wenn auch wir Seine, des Erhabenen, acht wahrheitgemäßen Lobpreisungen zu hören bekämen.>

<Gern, Großer Brahmā>, sagte da, o Herr, Sakko der Götter König eben gehorsam zu Brahmā, Dem ewigen Jüngling; und er begann des Erhabenen acht wahrheitgemäße Lobpreisungen wiederum anzugeben:

  1. <Was meint wohl der liebe Große Brahmā, wie weit doch Er, der Erhabene, vielem Volke zum Wohle gewandelt ist, vielem Volke zum Heile, aus Mitleid zur Welt, zum Nutzen, Wohle und Heile für Götter und Menschen! Wer also vielem Volke zum Wohle gewandelt ist, vielem Volke zum Heile, aus Mitleid zur Welt, zum Nutzen, Wohle und Heile für Götter und Menschen, einen eben auf diese Art ausgezeichneten Meister können wir in keiner Vergangenheit aufweisen und auch in keiner Gegenwart, es sei denn Er, der Erhabene.

  2. <Wohl kundgetan aber ist von ihm, dem Erhabenen, die Satzung, die ersichtliche, zeitlose, anregende, einladende, den Verständigen von selbst verständlich. Wer eine also einladende Satzung angibt, einen auch auf diese Art ausgezeichneten Meister können wir in keiner Vergangenheit aufweisen und auch in keiner Gegenwart, es sei denn Er, der Erhabene.

  3. <'Das ist heilsam', auch das hat Er, der Erhabene, wohl dargelegt, 'Das ist unheilsam' wohl dargelegt, 'Das ist tadelhaft, das ist untadelhaft, das ist zu pflegen, das ist nicht zu pflegen, das ist gewöhnlich, das ist erlesen, das ist schwarz und weiß miteinander verteilt' wohl dargelegt. Wer also heilsam und unheilsam, tadelhaft und untadelhaft, was zu pflegen und was nicht zu pflegen, was gewöhnlich und was erlesen ist, was schwarz und weiß miteinander verteilt ist darlegen kann, einen auch auf diese Art ausgezeichneten Meister können wir in keiner Vergangenheit aufweisen und auch in keiner Gegenwart, es sei denn Er, der Erhabene.

  4. <Wohl dargelegt hat aber auch Er, der Erhabene, den Jüngern den zur Erlöschung führenden Pfad, und es mündet zusammen Erlöschung und Pfad. Gleichwie da etwa das Wasser des Ganges mit dem Wasser der Yamunā zusammenmündet, zusammenfließt, ebenso auch hat Er, der Erhabene, den Jüngern den zur Erlöschung führenden Pfad wohl dargelegt, und es mündet zusammen Erlöschung und Pfad. Wer also den zur Erlöschung führenden Pfad darlegen kann, einen auch auf diese Art ausgezeichneten Meister können wir in keiner Vergangenheit aufweisen und auch in keiner Gegenwart, es sei denn Er, der Erhabene.

  5. <Freunde gefunden hat aber auch Er, der Erhabene, so bei den Kämpfern, die weiterschreiten, als bei den Wahnversiegten, die angelangt sind: ohne sie abzuweisen bleibt der Erhabene alleinsam zufrieden. Wer also alleinsam zufrieden bleibt, einen auch auf diese Art ausgezeichneten Meister können wir in keiner Vergangenheit aufweisen und auch in keiner Gegenwart, es sei denn Er, der Erhabene.

  6. <Reichlich beschieden ist aber auch Ihm, dem Erhabenen, Gabe, reichlich beschieden Ruhm, so weit wohl, denk' ich, daß Fürsten sich liebreich bezeugen: frei von Stolz aber nimmt Er, der Erhabene, die Nahrung entgegen. Wer also frei von Stolz die Nahrung entgegennimmt, einen auch auf diese Art ausgezeichneten Meister können wir in keiner Vergangenheit aufweisen und auch in keiner Gegenwart, es sei denn Er, der Erhabene.

  7. <Wie aber auch Er, der Erhabene, redet, so handelt er, und wie er handelt, so redet er: so handelt er denn wie er redet, und redet wie er handelt. Wer also der Lehre lehrgemäß nachfolgt, einen auch auf diese Art ausgezeichneten Meister können wir in keiner Vergangenheit aufweisen und auch in keiner Gegenwart, es sei denn Er, der Erhabene.

  8. <Entronnen dem Zweifel ist aber auch Er, der Erhabene, frei von Schwanken, bestimmten Entschlusses, oblegen dem Urasketentum. Wer also dem Zweifel entronnen ist, frei von Schwanken, bestimmten Entschlusses, oblegen dem Urasketentum, einen auch auf diese Art ausgezeichneten Meister können wir in keiner Vergangenheit aufweisen und auch in keiner Gegenwart, es sei denn Er, der Erhabene.> - 

So eben, o Herr, hat Sakko der Götter König Brahmā, Dem ewigen Jüngling, des Erhabenen acht wahrheitgemäße Lobpreisungen vorgetragen. Da ist denn, o Herr, Brahmā, Der ewige Jüngling, erfreut und entzückt gewesen, heiter und fröhlich geworden, als er des Erhabenen acht wahrheitgemäße Lobpreisungen gehört hatte.

Alsbald aber hat, o Herr, Brahmā, Der ewige Jüngling, eine gröbere Selbstgestaltung angenommen, ist dem Aussehn nach wie ein Jüngling mit fünf Strahlen geworden und vor den Göttern der Dreiunddreißig erschienen. Und er stieg in die Lüfte auf, und im Raume frei schwebend saß er da mit verschränkten Beinen. Gleichwie etwa, o Herr, ein kräftiger Mann auf einer wohlgeglätteten Lagerstatt oder auf dem ebenen Estrich mit verschränkten Beinen dasitzen mag: ebenso nun auch, o Herr, war Brahmā, Der ewige Jüngling, in die Lüfte aufgestiegen und, im Raume frei schwebend, saß er da mit verschränkten Beinen und wandte sich nun an die Götter der Dreiunddreißig:

<Was meinen wohl die lieben Götter der Dreiunddreißig, wie lange hindurch gar hochweise Er, der Erhabene, gewesen ist! - 

Es war einmal, ihr Lieben, ein König, der hieß Disampati. König Disampati hatte einen Oberpriester bei Hofe namens Govindo. König Disampati hatte einen Sohn, den Prinzen Renu. Govindo der Priester hatte einen Sohn, den jungen Jotipālo. Da waren denn Renu der Königsohn und Jotipālo der Priestersohn und noch sechs andere Adelige mit einander acht Freunde geworden. Eines Tages nun, ihr Lieben, ist Govindo der Priester zu sterben gekommen. Als Govindo der Priester gestorben war, hat König Disampati geklagt: 'Gerade, ach, zu der Zeit, wo wir Govindo dem Priester alle Geschäfte übertragen hatten, wo wir mit den fünf Wunschgenüssen umgeben, überall damit bedient waren, gerade zu der Zeit ist nun Govindo der Priester gestorben!' Auf diese Worte, ihr Lieben, hat Renu der Königsohn zu Disampati dem Könige also gesprochen: 'Mögest du, Majestät, den Tod des Priesters Govindo nicht allzu heftig beklagen. Es hat, Majestät, Govindo der Priester einen Sohn hinterlassen, den jungen Jotipālo: der ist noch klüger als sein Vater, versteht die Dinge noch besser zu beurteilen. Was immer für Dinge dessen Vater besorgt hat, die kann gewiß auch der junge Jotipālo besorgen.' - 'Wirklich, Prinz?' - 'Wirklich, Majestät!' - 

Da hat denn, ihr Lieben, König Disampati einem seiner Leute befohlen: 'Gehe du, lieber Mann, zu Jotipālo dem jungen Priester hin und sprich also: <Heil sei Herrn Jotipālo, dem jungen Priester! König Disampati läßt Herrn Jotipālo den jungen Priester berufen, König Disampati wünscht Herrn Jotipālo den jungen Priester zu sehn.>' - 'Sehr wohl, Majestät', sagte da, ihr Lieben, jener Mann gehorsam zu König Disampati; und er begab sich zu Jotipālo dem jungen Priester hin und sprach also: 'Heil sei Herrn Jotipālo dem jungen Priester! König Disampati läßt Herrn Jotipālo den jungen Priester berufen, König Disampati wünscht Herrn Jotipālo den jungen Priester zu sehn.' - 'Gut, mein Lieber', sagte da, ihr Lieben, Jotipālo der junge Priester gehorsam zu jenem Manne; und er begab sich zu König Disampati, bot höflichen Gruß dar, wechselte freundliche, denkwürdige Worte mit König Disampati und setzte sich beiseite nieder. An Jotipālo den jungen Priester, der da beiseite saß, wandte sich nun König Disampati also: 'Sorgen soll für uns Herr Jotipālo der junge Priester, möge Herr Jotipālo der junge Priester unsere Besorgungen nicht zurückweisen: in das väterliche Amt werd' ich dich einsetzen, zu govindischer Nachfolge will ich dich weihen.' - 'Wohl, Herr', sagte da, ihr Lieben, Jotipālo der junge Priester gehorsam zu König Disampati. Da hat denn, ihr Lieben, König Disampati den jungen Priester Joripālo zu govindischer Nachfolge geweiht, in das väterliche Amt eingesetzt. Zu govindischer Nachfolge geweiht, in das väterliche Amt eingesetzt, hat Jotipālo der junge Priester die Dinge, die sein Vater besorgt hatte, weiterbesorgt, und die Dinge, die sein Vater nicht besorgt hatte, auch nicht besorgt; hat die Arbeiten, die sein Vater übernommen hatte, weiter übernommen, und die Arbeiten, die sein Vater nicht übernommen hatte, auch nicht übernommen. So haben dann die Leute von ihm gesagt: 'Ein Govinder, ei ja, ist der Priester, ein großer Govinder, ei ja, ist der Priester.' Auf diese Weise, ihr Lieben, hat also Jotipālo der junge Priester eben den Beinamen 'Der große Govinder' erhalten. - 

Da ist nun, ihr Lieben, der große Govinder Priester zu jenen sechs Adeligen gegangen und hat also zu ihnen gesprochen: 'Disampati, ihr Herren, der König, ist alt und greis geworden, hochbejahrt, er ist seinen Weg gegangen, am Ziel angelangt: wer kann da wohl, ihr Herren, wissen, wie lange er noch am Leben bleibt? Und es ist leicht möglich, daß, wenn König Disampati gestorben ist, die königlichen Fürsten Renu den Königsohn zur Herrschaft salben. Hingehn mögen die Herren, Renu den Königsohn sollt ihr aufsuchen und also zu ihm reden: <Wir sind Herrn Renus Gefährten, ihm lieb und angenehm, nicht unwillkommen: was ihn erfreut erfreut uns, was ihn betrübt betrübt uns. Disampati, o Herr, der König, ist alt und greis geworden, hochbejahrt, er ist seinen Weg gegangen, am Ziel angelangt: wer kann da wohl, o Herr, wissen, wie lange er noch am Leben bleibt? Und es ist leicht möglich, daß, wenn König Disampati gestorben ist, die königlichen Fürsten Herrn Renu zur Herrschaft salben. Sollte Herr Renu zur Herrschaft gelangen, möge er uns an der Herrschaft mit teilnehmen lassen.>' - 'Sehr gut, Verehrter', erwiderten da jene sechs Adeligen dem großen Govinder Priester; und sie begaben sich zu Renu dem Königsohn und sprachen Wort um Wort also zu ihm. 'Wer denn nur anders, ihr Lieben', sagte der, 'sollte in meinem Reiche zu Wohlsein kommen, wenn ihr es nicht wärt? Sollte ich, ihr Lieben, zur Herrschaft gelangen, so werde ich euch an der Herrschaft mit teilnehmen lassen.' 

Eines Tages nun, ihr Lieben, ist König Disampati zu sterben gekommen! Als König Disampati gestorben war, haben die königlichen Fürsten Renu den Königsohn zur Herrschaft gesalbt. Zur Herrschaft gesalbt war nun Renu mit den fünf Wunschgenüssen umgeben und überall damit bedient. Da ist denn, ihr Lieben, der große Govinder Priester zu jenen sechs Adeligen herangetreten und hat also gesprochen: 'Disampati, ihr Herren, der König, ist gestorben, zur Herrschaft gesalbt ist Renu und mit den fünf Wunschgenüssen umgeben und überall damit bedient. Da kann man, ihr Lieben, nicht eben sicher sein. Wer genießt vergißt. Hingehen mögen die Herren, Renu den König sollt ihr aufsuchen und also zu ihm reden: <Disampati, o Herr, der König, ist gestorben, zur Herrschaft gesalbt ist Herr Renu: erinnert er sich jenes Wortes?>' - 'Sehr gut, Verehrter', erwiderten da jene sechs Adeligen dem großen Govinder Priester; und sie begaben sich zu König Renu und sprachen also zu ihm: 'Disampati, o Herr, der König, ist gestorben, zur Herrschaft gesalbt ist Herr Renu: erinnert er sich jenes Wortes ?' - 'Ich erinnere mich, ihr Lieben, jenes Wortes; wer vermag nun wohl, ihr Lieben, diese große Erde, die breit nach Norden sich erstreckt und nach Süden wie eine Wagendeichsel ausläuft (*85), in je sieben gleiche Teile richtig abzugrenzen?' - 'Wer anders, o Herr, vermag das, als etwa der große Govinder Priester!' 

Da hat nun, ihr Lieben, König Renu einem seiner Leute befohlen: 'Gehe du, lieber Mann, zum großen Govinder, dem Priester, hin und sprich also: <Der König, o Herr, Renu, läßt dich rufen.>' - 'Sehr wohl, Majestät', sagte da, ihr Lieben, jener Mann gehorsam zu König Renu; und er begab sich zum großen Govinder Priester hin und sprach also: 'Der König, o Herr, Renu, läßt dich rufen.' - 'Gut, mein Lieber', sagte da, ihr Lieben, der große Govinder Priester gehorsam zu jenem Manne; und er begab sich zu König Renu, bot höflichen Gruß dar, wechselte freundliche, denkwürdige Worte mit König Renu und setzte sich beiseite nieder. An den großen Govinder Priester, der da beiseite saß, wandte sich nun König Renu also: 'Wohlan, der verehrte Govindo soll diese große Erde, die breit nach Norden sich erstreckt und nach Süden wie eine Wagendeichsel ausläuft, in je sieben gleiche Teile richtig abgrenzen.' - 'Gern, Herr', sagte da, ihr Lieben, der große Govinder Priester gehorsam zu König Renu. Und er hat diese große Erde, die breit nach Norden sich erstreckt und nach Süden wie eine Wagendeichsel ausläuft, in je sieben gleiche Teile richtig abgegrenzt, hat alle wie eine Wagendeichsel ausmünden lassen (*86). Da ist denn in der Mitte König Renus Reich gewesen.

Im Kreis Kalingā Dantapur, 
Potanam im Assaker Reich, 
Avanti mit Māhissatī, 
Rorukam im Sovīrer Tal, 
Mithilā im Videher Land, 
Und in Bengālen Campa dort, 
Benāres mit dem Kāsi-Volk: 
Die sind govindisch wohlbegrenzt. 

 

Da waren denn, ihr Lieben, die sechs Adeligen mit je ihrem Anteil zufrieden, hatten ihr Verlangen erfüllt: 'Was wir ach so erwünscht hatten, ersehnt hatten, erstrebt hatten, erwartet hatten, das haben wir erlangt.'

Sattabhū, Brahmadatto dann, 
Vessabhū, ferner Bharato, 
Renu, zwei Dhataratther noch: 
Die sieben Herrscher hießen so. 

  [Fortgesetzt...]


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Fußnoten:

(*83) Back Pañcasikho, hier ist, als Klasse für sich, der Fünfstrahlige zu einer selbstständigen Person geworden.

(*84) Back Den Begriff Urasketentum, ādibrahmacariyam, hat Gotamo selbst als sein Kennzeichen aufgestellt, in M. 63, auch M. 133, sowie D. 9.

(*85) Back d.i. das indische Festland: oben mit dem breithin erstreckten Gebirgsjoch, unten mit der Deichselspitze zwischen zwei Meeren. - Daß man schon damals eine im ganzen richtige Vorstellung von der Gestalt des Festlandes hatte, erhellt auch aus der Legende vom Mahāsupino des Bodhisatto, dem «Großen Traumgesicht des Erwachsamen», Anguttara Nikaya, Pañcakanipāto Nr. 196, wo das erste der fünf allegorischen gewaltigen Traumbilder den Vollendeten zeigt, auf die große Erde zur Ruhe hingestreckt, mit dem Himālayo als Kopfkissen, die linke Hand in das östliche Meer eintauchend, die rechte Hand im westlichen Meer, während die beiden Füße in den südlichen Ozean herabreichen: ein Symbol der Erwachung, die über ganz Indien aufgehn soll.

(*86) Back Es waren also je sieben verjüngte Teilindien als Gesamtindien, sphärische Dreiecke in Deichsel- oder Haizahn-Form. - Um König Renus Reich, Kāsi mit Benāres, schlossen sich rings umher an: im Osten Bengālen mit Campā; im Norden das Land der Videher mit Mithilā, ein Gebiet oberhalb des heutigen Kreises von Patna, mit dem Ganges als der unteren Grenze, die altberühmte Janakabhūmi oder das Reich Janakas, der durch seine Gespräche und Freundschaft mit Yājñavalkyas aus dem 4. Buche des Brhadāranyakam so wohlbekannt ist; westlich davon die Sovīrer mit Rorukam; im Süden von diesen die blühende Landschaft Mālavā, damals noch wie auch sonst häufig Avanti, mit der Hauptstadt Māhissatī, später zumal durch Kālidāsas berühmt geworden, zu dessen Zeit Ujjayin; die Residenz war, nach den Bruchstücken der Reden V.1011 ohne Zweifel eine ebenso alte Stadt: die Grenzen des Landes erstrecken sich bis zum Vindhyer Gebirge, zu Zeiten auch bis zur Narbadā herab, an deren klaren Gewässern eben die eine Hauptstadt Māhissatī gelegen war, heute das zerfallene Mahesvar, im Gebiet von Indore, als Hintergrund gewaltiger Kämpfe und Heldentaten im Mahābbāratam wiederholt erwähnt, auch aus Inschriften vom nahen Sāñcithūpo des 2.Jahrhunderts v. Chr. (Epigraphia Indica II 109, 389f.) bestens bestätigt; dann das als kriegslustig bekundete Reich der Assaker im Südwesten, mit der Reichshauptstadt Potanam: das Land wurde von Asoko erobert, der die Bewohner Potinikyer genannt hat, auf dem 13. Felsenedikt, Kālsi Zeile 7; und endlich im Südosten Kalingā, die Calingae des PLINIUS, mit Dantapur, ein mächtiges Reich, gleichfalls von Asoko erobert, im neunten Jahr seiner Regierung, in einem überaus blutigen Kriege, wo hunderttausende im Kampfe fielen, wovon er selbst, auf dem zuvor genannten Edikt, mit tiefer Rührung spricht, voll Reue über die Gräuel des Krieges und zuversichtlich einem allgemein gesicherten Frieden und Verträgnis entgegensehend: heute trägt aus jenen längst entschwundenen Zeiten und Namen der kleine Hafenplatz Kalingapatam, an der Küste des Meerbusens von Bengalen, in der Tiefebene unter den östlichen Ghats, noch eine fern anmutende Erinnerung herüber.


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