Dhammapada 157-208

Dhammapada (v.157-208) - (Pali)

Atta - Sich Selbst

 
(*157) 157
Der Weise nehme sich, wenn er sich schätzt, in acht,
Er halte stets sich wach im dritten Teil der Nacht!
 
158
Der Weise mach' zuerst sein eig'nes Leben recht,
Dann mag er andre lehr'n; so handelt er nicht schlecht.
 
159
Bevor du anderen darfst gute Lehren geben,
Mußt du dich selbst erzieh'n. Vorbildlich sei dein Leben!
 
160
Sei selbst dein eig'ner Herr! Wer könnte sonst dich schützen?
Nur wer sich selbst beherrscht, wird sichern Schutz besitzen.
 
161
Die eig'ne Missetat, die er erdacht, geplant,
Zermalmt den Toren, wie das Glas der Diamant.
 
162
Der Sittenlose gleicht dem Baume, den umrankt
Ein Schlinggewächs; macht selbst sich, wie's sein Feind verlangt.
 
163
Leicht tun wir Böses, das uns selbst Verderben bringt;
Doch lobenswerte Tat nur äußerst schwer gelingt.
 
164
Ein Tor, der schmäht, weil er zu schlechter Lehre neigt,
Auf edle Heilige und ihre Lehr', der gleicht
Dem Schilfrohr, dem die Frucht zum eig'nen Tod gereicht.
 
(*165) 165
Wer selber Unrecht tut, beschmutzt sich selbst allein;
Wer sich vor Unrecht scheut, der schmückt sich selber fein.
Ihr selbst, kein andrer, macht euch unrein oder rein.
 
166
Gib nicht dein eig'nes Heil der andern wegen hin;
Hast du dein Heil erkannt, behalt es stets im Sinn!


Loka - Welt

 
167
Vermeide Niedrigkeit und Lässigkeit im Leben,
Irrlehren flieh' und sei der Weltlust nicht ergeben!
 
168
Steh' auf und sei nicht faul und lebe fromm und recht!
Hier und in jener Welt geht es dir dann nicht schlecht.
 
169
In Tugend übe dich, sei niemals ungerecht!
Hier und in jener Welt geht es dir dann nicht schlecht.
 
170
Als Wasserblase schau sie an, als Truggesicht,
Die Welt; dann findet dich der Fürst des Todes nicht.
 
171
Kommt, seht, die Welt ist wie des Königs Prachtgespann,
Und Narren sitzen drin; den Klugen geht's nichts an.
 
(*172) 172
Wer früher träge war und dann sich tüchtig macht,
Der leuchtet wie der Mond in wolkenheller Nacht.

(v. 172 und 173 von Angulimāla = Theragāthā 871-872, auch M.86)
 
(*173) 173
Wer alte Übeltat durch Guttat ausgeglichen,
Der leuchtet wie der Mond, wenn Wolken sind gewichen.
 
174
Die Welt ist blind; der Seh'nden, die zum Himmel ziehen,
Sind wenig wie der Vögel, die dem Netz entfliehen.
 
175
Der Schwäne Schar mit Wunderkraft (*f9) zum Himmel fliegt;
Die Weisen flieh'n die Welt, wenn Māras Heer besiegt.
 
176
Wer einmal Unrecht tat und lügt und sich nicht scheut
Vor jener Welt, der ist zu Bösem stets bereit.
 
177
Der dumme Geizhals wird zur Götterwelt nicht kommen;
Im Jenseits geht es gut den opferwill'gen Frommen.
 
178
Mehr wert als irdischer und himmlischer Besitz,
Als alle Weltherrschaft, ist Frucht des Stromeintritt (sotapatti).


(*f9) Die völlige Geringschätzung aller magischer und sonstiger Wundertaten und Eigenschaften kommt nirgends stärker zum Ausdruck als im Susīma Sutta im Samy.12.70. Auch zu Beginn D 11, jedoch nicht so ausführlich.


Buddha - Die Erwachten

179
Wer kann den nie besiegten Sieger überwinden,
Wer den ungreifbar-grenzenlosen Buddha finden?
 
(*180) 180
Den Buddha, den des Dranges Netz und Gift nicht binden,
Wer kann ihn, den Ungreifbar-Grenzenlosen, finden?
 
181
Der die Versenkung liebt, den Ruh' und Frieden freut,
Der voll Erwachte, er erregt der Götter Neid.
 
182
Nur schwer wirst du ein Mensch, schwer lernst du rechte Lehr',
Schwer ist das Leben; daß ein Buddha kommt, ist schwer.
 
(*183) 183
Kein Unrecht tun und immer nach dem Guten trachten,
Sein Denken reinigen: dies lehren die Erwachten.
 
184
Nirwana ist das Ziel, Geduld die höchste Pflicht;
Wer andern Leid zufügt, ist Buddhas Jünger nicht.
 
(*185) 185
In Wort und Tat nicht grob! Die Regeln streng beachten!
Beim Essen Mäßigkeit! Stets nach Alleinsein trachten!
Und höchste Geisteszucht: dies lehren die Erwachten.
( = Udāna IV,6)
 
186
Ein Lüstling wird nicht satt, wenn Gold vom Himmel fällt.
Ein Kluger weiß: die Lust ist kurz, voll Leid die Welt.
 
187
Den Buddhajünger reizen keine Himmelswonnen;
Weit Bess'res freut ihn, denn er ist dem Drang entronnen.
 
188
Von Furcht getrieben, suchen manche Zuflucht bald
Bei heil'gen Bäumen, bald auf Bergen, bald im Wald;
 
189
Doch solche Zuflucht gibt nicht höchste Sicherheit;
Dort werden sie ja nicht von allem Leid befreit.
 
190
Nur wer die Zuflucht sucht bei Buddha, bei der Lehre
Und bei der Jüngerschaft, die Wahrheit schaut, die hehre,
 
191
Vom Leiden, wie's entsteht und wie das Leiden schwindet,
Und vom achtfachen Weg, wie man es überwindet,
 
192
Der hat die beste Zuflucht, höchste Sicherheit,
Denn so wird er gewiß von allem Leid befreit.
 
193
Ein Übermensch erscheint nicht oft, nicht allerwegen;
Wo er geboren wird, auf dem Haus ruht ein Segen.
 
194
Beglückend ist es, wenn ein Buddha kommt und lehrt
Und wenn die Jüngerschaft in Eintracht sich bewährt.
 
195
Kein höheres Verdienst gibt es in diesem Leben,
Als der erwirbt, der ehrfurchtsvoll und hingegeben
 
196
Den Buddha oder seine heil'gen Jünger ehrt,
Die ohne Furcht das Meer der Übel überquert.


Sukha - Glück

 
197
Den Haß nicht zu erwidern, das ist unser Glück;
Und hassen andre uns, wir hassen nicht zurück.
 
198
Welch Glück! Von allem Leid der Welt sind wir befreit;
Voll Leiden ist die Welt, doch wir sind ohne Leid.
 
199
In gierverzehrter Welt, wie glücklich leben wir!
Wenn andre gierig sind, sind wir doch frei von Gier.
 
200
Wie glücklich leben wir! Denn hier gehört uns nichts;
Wir nehmen Freud' als Brot, wie Gottheiten des Lichts.
 
201
Aus Sieg kommt Haß, denn der Besiegte ist bedrückt;
Wer friedsam auf den Sieg verzichtet, lebt beglückt.
 
202
Kein Feuer brennt wie Gier, wie Haß kein Mißgeschick,
Den Daseinsfaktoren (khandha) gleicht kein Leid, der sel'gen Ruh' kein Glück.
 
203
Hunger ist schlimmste Qual, unbeherrschte Triebe größtes Leid;
Dem Weisen ist Nirvana höchste Seligkeit.
 
204
Gesundheit ist das größte Gut, Zufriedenheit
Der beste Schatz, Nirvana höchste Seligkeit.
 
(*205) 205
Wem Einsamkeit gefällt, wer Ruhe sich verschafft,
Ist frei von Furcht und Schuld, ihm schmeckt der Lehre Saft.
 
206
Wer viel mit Edlen verkehrt, ist reich gesegnet;
Und immer glücklich lebt, wer Toren nie begegnet.
 
207
Verkehr mit Toren schafft dir Kummer allerwegen;
Die Toren sind wie Feinde im Verkehr; dagegen
Sollst du mit Weisen wie mit Freunden Umgang pflegen.
 
208
Drum folg dem Weisen nach, dem Tugendhaften, Graden,
Dem Edlen folge wie der Mond den Sternenpfaden!


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