Majjhima Nikaya, Mittlere Sammlung

ERSTES HALBHUNDERT (Mūlapaṇṇāsam)

Vierter Teil (Vaggo Catuttho) - Erstes Buch der Paare (mahāyamakavaggo)

32. (IV,2) Mahāgosinga Sutta (Im Gosingam‑Walde II)

 

DAS HAB' ICH GEHÖRT. Zu einer Zeit weilte der Erhabene im Forste des Gosin­gam‑Waldes, mit gar manchen wohlbekannten Oberen, wohlbekannten Jün­gern, mit dem ehrwürdigen Sāriputto und dem ehrwürdigen Mahāmoggal­lāno, mit dem ehr­wür­digen Mahākassapo und dem ehrwürdigen Anuruddho, mit dem ehrwürdigen Revato und dem ehrwürdigen Ānando und mit ande­ren wohlbekannten Oberen, wohlbekannten Jüngern zusammen.

 

            Als nun der ehrwürdige Mahāmoggallāno gegen Abend die Gedenkens­ruhe be­endet hatte, begab er sich dorthin wo der ehrwürdige Mahākassapo weilte, und sprach zum ehrwürdigen Mahākassapo also:

            "Komm', Bruder Kassapo, laß uns zum ehrwürdigen Sāriputto gehn, die Lehre zu hören."

            "Gern, Bruder", erwiderte der ehrwürdige Mahākassapo dem ehrwürdigen Mahāmoggallāno.

 

            Und der ehrwürdige Mahāmoggallāno und der ehrwürdige Mahākassapa wie auch der ehrwürdige Anuruddho begaben sich nun dorthin wo der ehr­würdige Sāriputto weilte, die Lehre zu hören. Der ehrwürdige Ānando aber erblickte diese Ehrwürdigen, wie sie sich zum ehrwürdigen Sāriputto bega­ben, die Lehre zu hören, und nachdem er sie gesehn ging er zum ehrwürdigen Revato und sprach also zu ihm:

            "Es begeben sich, Bruder Revato, jene Edlen dorthin wo der ehrwürdige Sāriputto weilt, die Lehre zu hören; komm', Bruder Revato, laß' uns zum ehr­würdigen Sāriputto gehn, die Lehre zu hören."

            "Gern, Bruder", erwiderte der ehrwürdige Revato dem ehrwürdigen Ānando.

 

            Und der ehrwürdige Revato und der ehrwürdige Ānando begaben sich nun dorthin wo der ehrwürdige Sāriputto weilte, die Lehre zu hören.

            Da sah der ehrwürdige Sāriputto den ehrwürdigen Revato und den ehr­wür­digen Ānando von ferne herankommen, und nachdem er sie gesehn sprach er zum ehrwürdigen Ānando also:

            "Willkommen sei der ehrwürdige Ānando, gegrüßt der ehrwürdige Anan­do, der des Erhabenen wartet, dem Erhabenen nahe ist. Entzückend, Bruder Ānando, ist der Gosingam‑Wald, herrlich die klare Mondnacht, die Bäume stehn in voller Blüte, himmlische Düfte, meint man, wehn umher. Was für ein Mönch, Bruder Anan­do, mag dem Gosingam‑Walde Glanz verleihen?"

            "Da hat, Bruder Sāriputto, ein Mönch viel gehört, ist Behälter des Wor­tes, Hort des Wortes der Lehre; und was da am Anfang begütigt, in der Mitte begütigt, am Ende begütigt und sinn‑ und wortgetreu das vollkommen ge­läuterte, geklärte Asketentum überliefert: das kennt er, behält er, beherrscht er mit der Rede, bewahrt es im Gedächtnis, hat es von Grund aus verstanden. Er legt den vier Arten von Hörern[1] die Lehre dar, im Ganzen, im Einzelnen und im Zu­sammenhang, zur völligen Wunschesvertilgung. Ein solcher Mönch, Bruder Sāri­putto, mag dem Gosingam‑Walde Glanz verleihen."

 

            Nach diesen Worten wandte sich der ehrwürdige Sāriputto an den ehr­wür­digen Revato:

            "Der ehrwürdige Ānando, Bruder Revato, hat nach seinem Begriffe geant­wortet, Jetzt fragen wir den ehrwürdigen Revato: Entzückend, Bruder Revato, ist der Gosingam‑Wald, herrlich die klare Mondnacht, die Bäume stehn in voller Blüte, himmlische Düfte, meint man, wehn umher. Was für ein Mönch, Bruder Revato, mag dem Gosingam‑Walde Glanz verleihen?"

            "Da wird, Bruder Sāriputto, ein Mönch durch die Gedenkensruhe erqickt und beglückt, erkämpft innigen Geistesfrieden, widerstrebt nicht der Schau­ung, gewinnt durchdringenden Blick, ist ein Freund leerer Klausen. Ein solcher Mönch, Bruder Sāriputto, mag dem Gosingam‑Walde Glanz verleihen."

 

            Nach diesen Worten wandte sich der ehrwürdige Sāriputto an den ehrwür­digen Anuruddho:

            "Der ehrwürdige Revato, Bruder Anuruddho, hat nach seinem Begriffe geantwortet, Jetzt fragen wir den ehrwürdigen Anuruddho: Entzückend, Bruder Anuruddho, ist der Gosingam‑Wald, herrlich die klare Mondnacht, die Bäume stehn in voller Blüte, himmlische Düfte, meint man, wehn umher. Was für ein Mönch, Bruder Anuruddho, mag dem Gosingam-Walde Glanz verleihen?"

            "Da blickt, Bruder Sāriputto, ein Mönch mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Grenzen hinausreichenden, über tausend Wel­ten hin. Gleichwie etwa, Bruder Sāriputto, ein scharfsehender Mann von der Zinne eines hohen Turmes tausend Gehöfte im Kreise überblicken mag: ebenso auch, Bruder Sāriputto, blickt ein Mönch mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Grenzen hinausreichenden, über tausend Welten hin. Ein solcher Mönch, Bruder Sāriputto, mag dem Gosingam-­Walde Glanz verleihen."

 

            Nach diesen Worten wandte sich der ehrwürdige Sāriputto an den ehr­würdigen Mahākassapo:

            "Der ehrwürdige Anuruddho, Bruder Kassapo, hat nach seinem Begriff ge­antwortet, Jetzt fragen wir den ehrwürdigen Mahākassapo: Entzückend, Bruder Kassapo, ist der Gosingam‑Wald, herrlich die klare Mondnacht, die Bäume stehn in voller Blüte, himmlische Düfte, meint man, wehn umher. Was für ein Mönch, Bruder Kassapo, mag dem Gosingam‑Walde Glanz verleihen?"

            "Da ist, Bruder Sāriputto, ein Mönch selbst Waldeinsiedler und preist das Waldeinsiedlertum, lebt selbst von Almosenspeise und preist das Leben von Almosenspeise, trägt selbst die geflickte Fetzenkutte und preist das Tragen der geflickten Fetzenkutte, besitzt nur drei Kleidungstücke und preist das bloße Besitztum dreier Kleidungstücke, hat selbst wenig Bedürfnisse und preist die Bedürfnislosigkeit, ist selbst zufrieden und preist die Zufrieden­heit, ist selbst zurückgezogen und preist die Zurückgezogenheit, flieht selbst die Welt und preist die Weltflucht, ist selbst standhaft und preist die Stand­haftig­keit, ist selbst ordenstüchtig und preist die Ordenstugend, hat selbst das Glück der Vertiefung erfahren und preist das Glück der Vertiefung, hat selbst die Weisheit errungen und preist die Errungenschaft der Weisheit, hat selbst die Erlösung errungen und preist die Errungenschaft der Erlösung, hat selbst die Wissensklarheit der Erlösung errungen und preist die Errun­genschaft der wissensklaren Erlösung. Ein solcher Mönch, Bruder Sāriputto, mag dem Gosin­gam‑Walde Glanz verleihen."

 

            Nach diesen Worten wandte sich der ehrwürdige Sāriputto an den ehr­würdigen Mahāmoggallāno:

            "Der ehrwürdige Mahākassapo, Bruder Moggallāno, hat nach seinem Be­griffe geantwortet. Jetzt fragen wir den ehrwürdigen Mahāmoggallāno: Ent­zückend, Bru­der Moggallāno, ist der Gosingam‑Wald, herrlich die klare Mondnacht, die Bäume stehn in voller Blüte, himmlische Düfte, meint man, wehn umher. Was für ein Mönch, Bruder Moggallāno, mag dem Gosingam-­Walde Glanz verleihen?"

            "Da halten, Bruder Sāriputto, zwei Mönche ein Gespräch über die Lehre, stellen sich Fragen, und nachdem sie die Fragen gegenseitig beantwortet haben, gehn sie auseinander, jeder für sich, und lehrreich war ihr Gespräch und an­regend. Ein solcher Mönch, Bruder Sāriputto, mag dem Gosingam-­Walde Glanz ver­leihen."

 

            Und nun wandte sich der ehrwürdige Mahāmoggallāno also an den ehr­wür­digen Sāriputto:

            "Jeder von uns, Bruder Sāriputto, hat nach seinem Begriffe geantwortet.

Jetzt fragen wir den ehrwürdigen Sāriputto: Entzückend, Bruder Sāriputto, ist der Gosingam‑Wald, herrlich die klare Mondnacht, die Bäume stehn in voller Blüte, himmlische Düfte, meint man, wehn umher. Was für ein Mönch, Bruder Sāriputto, mag dem Gosingam‑Walde Glanz verleihen?"

            "Da hat, Bruder Moggallāno, ein Mönch das Herz in seiner Gewalt und nicht ist er in der Gewalt des Herzens. Welcher Vertiefung er sich morgens erfreuen will, dieser Vertiefung erfreut er sich morgens, welcher Vertiefung er sich mittags erfreuen will, dieser Vertiefung erfreut er sich mittags, wel­cher Vertiefung er sich abends erfreuen will, dieser Vertiefung erfreut er sich abends. Gleichwie etwa, Bruder Moggallāno, ein König oder ein Fürst aus einer Truhe voller verschiedenfarbiger Gewänder gerade das Gewand für den Morgen auswählen würde, das er morgens tragen will, gerade das Ge­wand für den Mittag auswählen würde, das er mittags tragen will, gerade das Gewand für den Abend auswählen würde, das er abends tragen will: ebenso auch, Bruder Moggal­lāno, hat ein Mönch das Herz in seiner Gewalt und nicht ist er in der Gewalt des Herzens. Welcher Vertiefung er sich morgens er­freuen will, dieser Ver­tiefung erfreut er sich morgens, welcher Vertiefung er sich mittags erfreuen will, dieser Vertiefung erfreut er sich mittags, welcher Vertiefung er sich abends erfreuen will, dieser Vertiefung erfreut er sich abends. Ein solcher Mönch, Bruder Moggallāno, mag dem Gosingam‑Walde Glanz verleihen."

 

            Und der ehrwürdige Sāriputto wandte sich nun zu jenen Ehrwürdigen und sprach also:

 

            "Jeder von uns, ihr Brüder, hat nach seinem Begriffe geantwortet. Kommt, ihr Brüder, laßt uns zum Erhabenen gehn und die Sache dem Erhabenen be­richten: wie uns der Erhabene antworten wird, so wollen wir es halten."

            "So sei es, Bruder", erwiderten da jene Ehrwürdigen dem ehrwürdigen Sāriputto.

 

            Und jene Mönche begaben sich dorthin wo der Erhabene weilte, begrüßten den Erhabenen ehrerbietig und setzten sich zur Seite nieder. Zur Seite sitzend sprach nun der ehrwürdige Sāriputto zum Erhabenen also:

            "Da hatten sich, o Herr, der ehrwürdige Revato und der ehrwürdige Anan­do dorthin begeben wo ich weilte, die Lehre zu hören. Ich sah den ehrwürdi­gen Revato und den ehrwürdigen Ānando von ferne herankommen, und nachdem ich sie gesehn sprach ich zum ehrwürdigen Ānando also: 'Willkom­men sei der ehrwürdige Ānando, gegrüßt der ehrwürdige Ānando, der des Erhabenen wartet, dem Erhabenen nahe ist. Entzückend, Bruder Ānando, ist der Gosingam‑Wald, herrlich die klare Mondnacht, die Bäume stehn in voller Blüte, himmlische Düfte, meint man, wehn umher. Was für ein Mönch, Bru­der Ānando, mag dem Gosingam‑Walde Glanz ver­lei­hen?' ‑ Hierauf, o Herr, erwiderte mir der ehrwürdige Ānando: `Da hat Bruder Sāriputto, ein Mönch viel gehört, ist Behälter des Wortes, Hort des Wortes der Lehre; und was da am Anfang begütigt, in der Mitte begütigt, am Ende begütigt und sinn‑ und wortgetreu das vollkommen geläuterte, geklärte Asketentum über­liefert: das kennt er, behält er, beherrscht er mit der Rede, bewahrt es im Gedächtnis, hat es von Grund aus verstanden. Er legt den vier Arten von Hörern die Lehre dar, im Ganzen, im Einzelnen und im Zusammenhang, zur völligen Wun­sches­vertilgung. Ein solcher Mönch, Bruder Sāriputto, mag dem Gosingam‑Walde Glanz verleihen.'"

 

            "Gut, gut, Sāriputto, wie es eben Ānando recht beantworten kann. Denn Ānando, Sāriputto, hat viel gehört, ist Behälter des Wortes, Hort des Wortes der Lehre: und was da am Anfang begütigt, in der Mitte begütigt, am Ende begütigt und sinn‑ und wortgetreu das vollkommen geläuterte, geklärte As­ketentum überliefert: das kennt er, behält er, beherrscht er mit der Rede, bewahrt es im Gedächtnis, hat es von Grund aus verstanden. Er legt den vier Arten von Hörern die Lehre dar, im Ganzen, im Einzelnen und im Zusam­menhang, zur völligen Wunschesvertilgung."

            "Hierauf, o Herr, wandte ich mich an den ehrwürdigen Revato: 'Der ehr­würdige Ānando, Bruder Revato, hat nach seinem Begriffe geantwortet. Jetzt fragen wir den ehrwürdigen Revato: Entzückend, Bruder Revato, ist der Gosin­gam‑Wald, herrlich die klare Mondnacht, die Bäume stehn in voller Blüte, him­mlische Düfte, meint man, wehn umher. Was für ein Mönch, Bruder Revato, mag dem Gosingam‑Walde Glanz verleihen?' ‑ Hierauf, o Herr, erwiderte mir der ehrwürdige Revato: `Da wird, Bruder Sāriputto, ein Mönch durch die Gedenkens­ruhe erquickt und beglückt, erkämpft innigen Geistes­frieden, widerstrebt nicht der Schauung, gewinnt durchdringenden Blick, ist ein Freund leerer Klausen. Ein solcher Mönch, Bruder Sāriputto, mag dem Gosingam‑Walde Glanz verleihen."

 

            "Gut, gut, Sāriputto, wie es eben Revato recht beantworten kann. Denn Revato, Sāriputto, wird durch die Gedenkensruhe erquickt und beglückt, er­kämpft innigen Geistesfrieden, widerstrebt nicht der Schauung, besitzt durch­dringenden Blick, ist ein Freund leerer Klausen."

            "Hierauf, o Herr, wandte ich mich an den ehrwürdigen Anuruddho: 'Der ehrwürdige Revato, Bruder Anuruddho, hat nach seinem Begriffe geantwortet. Jetzt fragen wir den ehrwürdigen Anuruddho: Entzückend, Bruder Anuruddho, ist der Gosingam‑Wald, herrlich die klare Mondnacht, die Bäume stehn in voller Blüte, himmlische Düfte, meint man, wehn umher. Was für ein Mönch, Bruder Anuruddho, mag dem Gosingam‑Walde Glanz verleihen?'         ‑ Hierauf, o Herr, er­widerte mir der ehrwürdige Anuruddho: `Da blickt, Bruder Sāriputto, ein Mönch mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Grenzen hinaus­reichenden, über tausend Welten hin. Gleichwie etwa, Bruder Sāriputto, ein scharfsehender Mann von der Zinne eines hohen Turmes tausend Gehöfte im Kreise überblicken mag: ebenso auch, Bruder Sāriputto, blickt ein Mönch mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Grenzen hinaus­reichenden, über tausend Wel­ten hin. Ein solcher Mönch, Bruder Sāriputto, mag dem Gosin­gam‑Walde Glanz verleihen.'"

            "Gut, gut, Sāriputto, wie es eben Anuruddho recht beantworten kann. Denn Anuruddho, Sāriputto, blickt mit dem himmlischen Auge, dem geläu­terten, über menschliche Grenzen hinausreichenden, über tausend Welten hin."

 

            "Hierauf, o Herr, wandte ich mich an den ehrwürdigen Mahākassapo: 'Der ehrwürdige Anuruddho, Bruder Kassapo, hat nach seinem Begriffe geantwor­tet. Jetzt fragen wir den ehrwürdigen Mahākassapo: Entzückend, Bruder Kassapo, ist der Gosingam‑Wald, herrlich die klare Mondnacht, die Bäume stehn in voller Blüte, himmlische Düfte, meint man, wehn umher. Was für ein Mönch, Bruder Kassapo, mag dem Gosingam‑Walde Glanz verleihen?' ‑ Hierauf, o Herr, erwiderte mir der ehrwürdige Mahākassapo: `Da ist, Bruder Sāriputto, ein Mönch selbst Waldeinsiedler und preist das Waldeinsiedler­tum, lebt selbst von Almosenspeise und preist das Leben von Almosenspeise, trägt selbst die geflickte Fetzenkutte und preist das Tragen der geflickten Fetzenkutte, besitzt selbst nur drei Klei­dungstücke und preist das bloße Besitztum dreier Kleidungstücke, hat selbst wenig Bedürfnisse und preist die Bedürfnislosigkeit, ist selbst zu­frieden und Preist die Zufriedenheit, ist selbst zurückgezogen und preist die Zurückgezogenheit, flieht selbst die Welt und preist die Weltflucht, ist selbst standhaft und preist die Standhaf­tigkeit, ist selbst ordenstüchtig und preist die Ordenstugend, hat selbst das Glück der Vertiefung errungen und preist das Glück der Vertiefung, hat selbst die Weisheit errungen und preist die Errungenschaft der Weisheit, hat selbst die Erlösung errungen und preist die Errungenschaft der Erlösung, hat selbst die Wissensklarheit der Erlösung errungen und preist die Errun­genschaft der wissensklaren Erlösung. Ein solcher Mönch, Bruder Sāriputto, mag dem Gosingam‑Walde Glanz verleihen.'"

 

            "Gut, gut, Sāriputto, wie es eben Kassapo recht beantworten kann. Denn Kassapo, Sāriputto, ist selbst Waldeinsiedler und preist das Waldeinsiedler­tum, lebt selbst von Almosenspeise und preist das Leben von Almosenspeise, trägt selbst die geflickte Fetzenkutte und preist das Tragen der geflickten Fetzenkutte, besitzt selbst nur drei Kleidungstücke und preist das bloße Besitztum dreier Kleidungstücke, hat selbst wenig Bedürfnisse und preist die Bedürfnislosigkeit, ist selbst zufrieden und preist die Zufriedenheit, ist selbst zurückgezogen und preist die Zurückgezogenheit, flieht selbst die Welt und preist die Weltflucht, ist selbst standhaft und preist die Standhaftig­keit, ist selbst ordenstüchtig und preist die Ordenstugend, hat selbst das Glück der Vertiefung errungen und preist das Glück der Vertiefung, hat selbst die Weisheit errungen und preist die Errungenschaft der Weisheit, hat selbst die Erlösung errungen und preist die Errungenschaft der Erlösung, hat selbst die Wissensklarheit der Erlösung errungen und preist die Errungenschaft der wissensklaren Erlösung."

            "Hierauf, o Herr, wandte ich mich an den ehrwürdigen Mahāmoggallāno: 'Der ehrwürdige Mahākassapo, Bruder Moggallāno, hat nach seinem Begriffe geantwortet. Jetzt fragen wir den ehrwürdigen Mahāmoggallāno: Entzüc­kend, Bruder Moggallāno, ist der Gosingam‑Wald, herrlich die klare Mond­nacht, die Bäume stehn in voller Blüte, himmlische Düfte, meint man, wehn umher. Was für ein Mönch, Bruder Moggallāno, mag dem Gosingam‑Wald Glanz verleihen?' ‑Hierauf, o Herr, erwiderte mir der ehrwürdige Mahāmog­gallāno: `Da halten, Bruder Sāriputto, zwei Mönche ein Gespräch über die Lehre, stellen sich Fragen, und nachdem sie die Fragen gegenseitig beant­wortet haben, gehn sie auseinander, jeder für sich, und lehrreich war ihr Ge­spräch und anregend. Ein solcher Mönch, Bruder Sāriputto, mag dem Gosin­gam‑Walde Glanz verleihen.'"

            "Gut, gut, Sāriputto, wie es eben Moggallāno recht beantworten kann. Denn Moggallāno, Sāriputto, ist der Lehre Sprecher."

            Nach diesen Worten wandte sich der ehrwürdige Mahāmoggallāno an den Erhabenen und sagte:

            "Und nun, o Herr, sprach ich zum ehrwürdigen Sāriputto: 'Jeder von uns, Bruder Sāriputto, hat nach seinem Begriffe geantwortet. Jetzt fragen wir den ehrwürdigen Sāriputto: Entzückend, Bruder Sāriputto, ist der Gosingam­-Wald, herrlich die klare Mondnacht, die Bäume stehn in voller Blüte, himm­lische Düfte, meint man, wehn umher. Was für ein Mönch, Bruder Sāriputto, mag dem Gosingam‑Walde Glanz verleihen?' ‑ Hierauf, o Herr, erwiderte mir der ehrwür­dige Sāriputto: `Da hat, Bruder Moggallāno, ein Mönch das Herz in seiner Ge­walt und nicht ist er in der Gewalt des Herzens. Welcher Vertiefung er sich morgens erfreuen will, dieser Vertiefung erfreut er sich morgens, welcher Vertiefung er sich mittags erfreuen will, dieser Vertiefung erfreut er sich mittags, welcher Vertiefung er sich abends erfreuen will, dieser Vertiefung erfreut er sich abends. Gleichwie etwa, Bruder Moggallāno, ein König oder ein Fürst aus einer Truhe voller verschiedenfarbiger Gewänder gerade das Gewand für den Morgen auswählen würde, das er morgens tragen will, gerade das Gewand für den Mittag auswählen würde, das er mittags tragen will, gerade das Gewand für den Abend auswählen würde, das er abends tragen will: ebenso auch, Bruder Moggallāno, hat ein Mönch das Herz in sei­ner Gewalt und nicht ist er in der Gewalt des Herzens, Welcher Vertiefung er sich morgens erfreuen will, dieser Vertiefung erfreut er sich morgens, welcher Vertiefung er sich mittags er­freuen will, dieser Vertiefung erfreut er sich mittags, welcher Vertiefung er sich abends erfreuen will, dieser Vertiefung erfreut er sich abends. Ein solcher Mönch, Bruder Moggallāno, mag dem Go­singam‑Walde Glanz verleihen.'"

 

            "Gut, gut, Moggallāno, wie es eben Sāriputto recht beantworten kann. Denn Sāriputto, Moggallāno, hat das Herz in seiner Gewalt und nicht ist er in der Gewalt des Herzens. Welcher Vertiefung er sich morgens erfreuen will, dieser Vertiefung erfreut er sich morgens, welcher Vertiefung er sich mittags erfreuen will, dieser Vertiefung erfreut er sich mittags, welcher Vertiefung er sich abends erfreuen will, dieser Vertiefung erfreut er sich abends."

 

Nach diesen Worten sprach der ehrwürdige Sāriputto zum Erhabenen also: "Wer hat nun wohlgesprochen, o Herr?"

            "Alle habt ihr wohlgesprochen, Sāriputto, der Reihe nach. Und nun hört auch von mir, was für ein Mönch dem Gosingam‑Walde Glanz verleihen mag. Da setzt sich, Sāriputto, ein Mönch nach dem Mahle, wenn er vom Almosengange zurückgekehrt ist, mit verschränkten Beinen nieder, den Körper ge­rade auf­gerichtet, und pflegt der Einsicht: 'Nicht eher will ich von hier auf­stehn, als bis ich ohne anzuhangen das Herz vom Wahn erlöst habe.' Ein solcher Mönch, Sāriputto, mag dem Gosingam‑Walde Glanz verleihen."

 

            Also sprach der Erhabene. Zufrieden freuten sich jene Ehrwürdigen über das Wort des Erhabenen.



[1]Mönchen und Nonnen, Anhänger und Anhängerinnen.


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